Offlinewetter und neue Bücher

Juni 26, 2019




Momentan lädt das Wetter zu Aktivitäten im Freien ein. An den See fahren, Eis essen gehen, sich gemütlich in den Park legen. Wirklich Lust am warmen Computer zu sitzen und Onlien zu sein, hat man nicht, was auch ganz schön ist. Sehr von Vorteil ist dabei natürlich, dass Bücher auch offline ein Thema sind. Und gerade jetzt lassen sie sich auch perfekt für Unterwegs mitnehmen oder auf dem heimischen Balkon genießen.
Daher sind auch bei mir wieder einige Bücher eingezogen, die ich glücklicherweise alle gebraucht ergattern konnte. 

  • "Charlotte Bronte - A Life" von Claire Harman: Der eigentliche Grund meiner Bestellung war dieses Buch. Ich bin großer "Jane Eyre"-Fan und bin nun auf der Suche nach Büchern, die sich näher mit Charlotte Bronte selbst beschäftigen. Diese Biographie soll nun als Anfangslektüre dienen. Mal sehen, ob ich danach noch zu weiteren greifen werde.
  • "The Wonder" von Emma Donoghue: In diesem Monat in der deutschen Taschenbuchausgabe erschienen, habe ich mich doch wieder einmal für die englische, gebundene Variante entschieden. Donoghues "Raum" habe ich damals in der Übersetzung gelesen, dieses Mal wollte ich es mit dem Original versuchen. Die Thematik rund um ein scheinbares Wunder, welches ein Mädchen, das nicht isst, gesund bleiben lässt, interessierte mich sofort. Hört sich ein wenig so an, als sei der religiöse Fanatismus dabei ein haupttragender Aspekt. Ob sich das bewahrheitet...wir werden sehen.
  • "The Comet Seekers" von Helen Sedgwick: Lange Zeit lag das Buch auf meinem Wunschzettel und lange Zeit wusste ich nicht, ob ich es nun lesen möchte oder eher nicht. Derzeit habe ich aber wieder Lust auf Romane, die mit dem Gedanken an Zeitreisen, andere Dimensionen und den verträumten Blick in die Sterne und die Weiten des Universums spielen. 
  • "The Butcher´s Hook" von Janet Elis: Eines der Bücher, die ich spontan bestellt habe. Als Vegetarierin habe ich lange überlegt, ob ich wirklich einen Roman lesen möchte / muss, der den Beruf des Schlachters im Titel trägt. Allerdings liest sich der Klappentext eher so, als sei das Schicksal der weiblichen Protagonistin und ihre Durchsetzungsfähigkeit in der Gesellschaft die Thematik. Daher gebe ich dem Roman auf jeden Fall eine Chance.
  • "The Guest Cat" von Takashi Hiraide: Das kleine Büchlein mit den funkelnden Katzenaugen habe ich vor einiger Zeit in der amsterdamer Waterstones Filiale entdeckt. Obwohl mich sonst eher Hundegeschichten ansprechen, klingt der Inhalt sehr nach meinem Geschmack. Und ehrlicherweise konnte ich der Covergestaltung letztlich doch nicht widerstehen.
  • "Pyg" von Russel Potter & "The unexpected Genius of Pigs" von Matt Whyman: Ebenfalls zwei Bücher, die spontan eingezogen sind. Das Buch von Matt Whyman habe ich in den Verlagsvorschauen für den Herbst entdeckt. Im November erscheint der Titel in der deutschen Übersetzung "Die Genialität der Schweine" im Heyne Verlag. Leider konnte oder wollte ich nicht so lange warten und habe mir die Originalversion geschnappt.

Habt ihr während der sehr warmen Tage auch Lust auf das Lesen im Freien und habt euch mit neuen Lektüren eingedeckt oder genießt ihr die Zeit ohne Bücher? Kennt ihr vielleicht schon eines der Bücher aus dem Beitrag und würdet es empfehlen oder davon abraten?




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The House of Mirth von Edith Wharton

Juni 24, 2019





(Original: "The House of Mirth"/ 1911) Penguin Classics Deluxe Edition (2012) - enthält zudem "The Custom of the Country" & "The Age of Innocence", Übersetzer/in: - , mit einem Vorwort von Jonathan Franzen, ★★★★☆ 4 Sterne
Zum 150. Jubiläum von Edith Whartons Geburt im Jahr 2012 veröffentlicht der englische Penguin Verlag diese Ausgabe, welche drei Romane der Autorin enthält.
Inhalt von 'The House of Mirth": Die neunzehnjährige Lily sieht sich gezwungen einen reichen Ehemann zu finden, um sich bei der gesellschaftlichen Oberschicht einen Namen zu machen, ihren Lebensstandard finanzieren zu können und sich keine Sorgen um ihr Leben machen zu müssen. Sie möchte aber aufgrund des Geldes nicht auf die Liebe verzichten. Wharton skizziert Lilys Leben und zeigt, was die Zwänge der Gesellschaft anrichten können und was die Individualität jedes Einzelnen bedeutet. 
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"Lily was nineteen when circumstances caused her to revise the views of the universe." S. 26

Diese Ausgabe wurde mit einem Vorwort von Jonathan Franzen versehen, in der die Schriftstellerin Edith Wharton ein wenig analysiert und in Bezug zu ihren Figuren gesetzt wird. Dadurch wurde ich natürlich schon ein wenig in die Richtung gelenkt, dass ich die Sympathie zur Protagonistin Lily ähnlich sah wie Franzen. Dennoch bin ich auch der Meinung, dass die Sympathielenkung bei Whartons Roman sehr entscheidend ist, da die Thematik und das Verhalten der gesellschaftlichen Oberschicht dazu einlädt oftmals zu seufzen.
Der Leser verfolgt hier das Leben einer jungen Frau, die das Gefühl hat, nur durch Reichtum sorglos leben zu können, eben auch, weil die Gesellschaft, zu der sie vermeintlich gehören möchte, sie dadurch in ihren Kreis aufnehmen würde. Schnell wird deutlich, dass das Leben in der High Society nicht leicht ist. Besonders, wenn die Geldangelegenheiten sich nicht von alleine regeln lassen wollen.
Ich persönlich fand die Entwicklung der Figur Lily und die immer mal wieder auftretenden Schwierigkeiten gut umgesetzt und, soweit man das überhaupt beurteilen kann, relativ authentisch. Mir gefielen die aufkommenden Gedanken von ihr und auch die Einschübe der Figur des Seldon. Zusammen entfalten sie eine nachdenkliche und auch kritische Stimme an der ganzen Szenerie. 

" 'My idea of success', he said 'is personal freedom.'
                   'Freedom? Freedom from worries?'
'From everything - from money, from poverty, from ease and anxiety, from all the material accidents.' " S.55

Obwohl mir also der Inhalt und die Thematik sehr zugesagt haben, musste ich an vielen Stellen mit einer Art Lustlosigkeit kämpfen, weil mir die Geschichte wahnsinnig langatmig vorkam. Daher denke ich, dass man den Roman lesen sollte, wenn man weiß, dass man längere Situationsbeschreibungen lesen möchte und dies keine Geschichte ist, die gänzlich voller Tempo in der Handlung selbst steckt.
Was mich dann am Ende aber doch noch einmal dazu bewogen hat, eine bessere Bewertung zu geben, war die eigentliche Atmosphäre des Romans und die gesamte Stimmigkeit der Entwicklungen der Figuren. Lily kämpft immer wieder mit sich und ihren Ansichten, lässt sich mal von der Oberflächlichkeit ihrer "Freunde" wegziehen, verfällt dann aber wieder ihrem Wunsch nach einem ausschweifenden Leben. Es gibt keine zu schnellen Wechsel, die das ganze hätten etwas absurd oder unrealistisch erscheinen lassen.
Zudem wird auch sehr stark auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft eingegangen und was es bedeutet, auf sich selbst vertrauen zu müssen. Ebenso werden hier gleichzeitig noch Intrigen, die gegenseitig von Frauen ausgetauscht werden aufgegriffen.
Und ja, auch das Ende hat es noch einmal in sich. Ab der Mitte hatte ich einen Verdacht, wie der Roman enden würde und war schon etwas entmutigt. Überraschenderweise wartet auf den Leser aber ein Ende, das man so vielleicht nicht ahnt und welches die ganze Last dieser Grübeleien über die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft und den Kampf um den Lebensunterhalt offenbart.

"They stood silent for a while after this, smiling at each other like adventurous children who have climbed to a forbidden height from which they discover a new world." S.59


Ein Klassiker, der mich letztlich melancholisch, nachdenklich und dennoch irgendwie beeindruckt zurückgelassen hat, auch wenn er für mich stellenweise sehr langatmig erschien. Die Protagonistin Lily versucht sich einen Platz in der reichen Gesellschaft zu ergattern und zeigt dem Leser dabei, welche absurden Machtspiele entstehen können. Aber auch die Situation der Frau selbst wird beleuchtet und zeigt, welchen Einfluss die Heirat auf das damalige Leben haben konnte. Siegt die Heirat aus Vermögensmotiven immer über die Heirat aus Liebe?





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Die einzige Geschichte von Julian Barnes

Juni 19, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Only Story"/ 2018) Kiepenheuer & Witsch (2019), Übersetzer/in: Gertraude Krueger (aus dem Englischen), ★★★★(☆) 4,5 Sterne
" »Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.«
Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte"
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"Wenn das die einzige Geschichte ist, dann hat man sie auch am häufigsten erzählt und wieder erzählt, wenn auch - wie in diesem Fall - vor allem sich selbst. Dann lautet die Frage: Bringt einen dieses Erzählen und Wiedererzählen der Wahrheit näher, oder führt es weiter davon weg?" S. 12

Ziehe ich das obige Zitat zu meiner Meinung über den Roman hinzu, so wäre es bei mir der Fall, dass mich die genannten Wiederholungen näher an die Geschichte herangeführt haben. Je weiter die Geschichte vorangeschritten ist, desto mehr Erkenntnisse kommen dazu, ebenso viele fallen allerdings auch wieder weg. Es ist ein Kreis, der sich immer enger um den Protagonisten zieht und für ihn letztlich auch in einer eigenen Wahrheit mündet, die Aufschlüsse über viele Lebensentscheidungen offenbart.
Und wenn wir ehrlich sind, haben wir während unseres Lebens auch ständig solche Überlegungen. Welche Fehler unseres früheren (vielleicht auch derzeitigen) Verhaltens, unserer Vergangenheit haben uns etwas gelehrt? Welche offenbaren uns selbst eine verborgene Wahrheit, die man oft zu spät erkennt oder realisiert? Wovor würden wir uns selbst schützen wollen?
Julian Barnes´ sehr kluge, feine und an vielen Stellen schon erheiternde, aber auch ernste Art die Geschichte zwischen der Ich-Perspektive des Erzählers und einer distanzierten Erzählerform zu wechseln, eine Form, in welcher der Leser sich quasi aktiv in die Situation hineinversetzen soll oder muss, machen den Roman tatsächlich zu etwas Besonderem.
Aber: bei mir kam die eigentliche Begeisterung für den Inhalt und die Struktur erst im letzten Drittel auf. In diesem Abschnitt kommen die erzählten Wiederholungen zu einem Höhepunkt und das Leben, wie auch die Liebe, werden versucht anhand bestimmter Fragen greifbar und verständlich erscheinen zu lassen.

"Ich merkte nicht, dass in ihrem Inneren Panik herrschte. Wie hätte ich darauf kommen sollen? Ich dachte, nur in mir herrschte Panik. Heute erkenne ich - wenn auch ziemlich spät - , dass es allen Menschen so geht. Panik ist eine Begleiterscheinung unserer Sterblichkeit." S.112

Blicke ich auf die im Buch vorkommenden Themen und die Umsetzung derer, so gefielen mir einige besser als andere.
Die schon erwähnte Liebe ist natürlich das im Vordergrund stehende Thema, welches sich als Ausgangspunkt für alle folgenden Ereignisse und Entwicklungen, wunderbar mit dem Protagonisten vereinbaren lässt, wenn man das so sagen möchte. Für meinen Geschmack gab es hier wieder einmal viel zu viele sexuelle Anspielungen, die ich persönlich überflüssig fand. Beziehe ich natürlich den Erzähler mit ein, welcher zwischen seinem neunzehnjährigen Ich und seiner erwachsenen Version wechselt, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass dies ebenfalls thematisiert wird. Dies passt einfach zur jugendlichen Entwicklung und setzt man sich mit dem Thema der Liebe auseinander, kommt man da nicht wirklich herum. Mir war es einfach manchmal zu viel. Es wird aber sicherlich viele Leser geben, die diese Einschübe nicht so zum Augenrollen bringen wie mich. Zum Ende hin werden diese zudem deutlich reflektierter und teilweise auch angenehmer, weil der Respekt gegenüber Frauen einen größeren Raum einnimmt und die gesellschaftlichen Fehltritte von Männern und deren Akzeptanz im Alltag ebenfalls im Fokus stehen.
Die sprunghaften Erzählzeiten, sprich zwischen der Jugend und dem Erwachsenenalter (und auch da gibt es immer wieder Einschübe, die nicht chronologisch sind), haben mir ganz gut gefallen. Sie spiegelten den allgemeinen Gedankenverlauf des Romans wider, dass man aufgrund seiner Erinnerungen und Erlebnisse, nie mit den Menschen der Vergangenheit abschließt. Irgendwann denkt man wieder über sie oder gewisse Situationen nach. Daher hat auch der Leser das Gefühl, dass es (überwiegend) keinen (gefühlsmäßigen) Abschied von den Figuren gibt.
Grundsätzlich fand ich zudem die männliche Sicht des Protagonisten sehr reflektiert, fortschrittlich und generell sehr angemessen. Ich hatte das Gefühl, dass man hier die bekannten (Gender-)Klischees aufbrechen möchte, bestehende Probleme (generationsbedingt) aber auch aufgezeigt werden.

"Das ist nur eine Metapher - oder der schlimmste aller Träume; aber es gibt Metaphern, die sich stärker ins Gedächtnis eingraben als erinnerte Geschehnisse." S.205


Geht viel tiefer, als man zuerst glauben vermag. Auch wenn der Roman stellenweise leicht und amüsant wirkt, da der Protagonist teilweise aus seiner jugendlichen Sicht erzählt, greift die Geschichte ernste Themen auf, die vielleicht nicht für jeden leicht zu ertragen sind. Dabei geht es um Alkoholabhängigkeit und körperliche Gewalt. Einen ebenso großen und wichtigen Punkt nimmt aber auch die Liebe ein. Was sie mit Menschen macht und wie sie sich auf unser ganzes Leben auswirken kann, ebenso wie das Fehlen dieser Liebe. Zunehmend kommen wir dem Protagonisten näher und ergründen seine Höhen und Tiefen. Bei mir kam es erst im letzten Drittel dazu, dass ich den Roman aufgrund seiner Struktur und thematisch sehr gelungen fand. Eventuell benötigen auch andere Leser etwas Geduld, um die Intention der gezielt erzählten Wiederholungen zu verstehen und zu mögen.


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Meine liebsten Bücher ohne Schutzumschlag

Juni 14, 2019






Der Schutzumschlag macht für viele Leser ein „echtes“ Buch aus. Gleichzeitig legen ihn viele beim Lesen auch ab, weil man ihn nicht zerreißen oder beschmutzen möchte. Auch die neuen Entwicklungen zum Verzicht auf die Plastikfolie sorgen dafür, dass Verlage verstärkt darauf achten, die Schutzfolie so anzupassen, dass die Bücher nach dem Transport ansehnlich erscheinen. Ein Beispiel dafür findet man in der Neugestaltung des Schutzumschlags im Hanser Verlag, wie man in DIESEM Beitrag sehen kann.

Auch ich finde durchaus, dass Bücher mit Schutzumschlägen eine ganz eigene Ästhetik haben. Schön ist es auch, wenn sich Verlage darüber Gedanken machen, wie man sie in einem weiteren Schritt auch darunter ansprechend präsentieren kann. Ein Beispiel wäre zum Beispiel Bridget Collins´ „The Binding“.

Dennoch gibt es einige Bücher in meinen Regalen, die auch komplett ohne Schutzumschlag etwas hermachen. In diesem Beitrag möchte ich euch einen Teil dieser (gebundenen) Bücher vorstellen beziehungsweise darauf verweisen. Vordergründig geht es hierbei tatsächlich um die äußere Attraktivität, aber auch die Geschichten stehen dieser meist in nichts nach.

Wenn ich die Bücher bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt habe, verlinke ich euch die Beiträge dazu.

  • Die Bronte-Reihe aus dem dtv Verlag: Dazu gab es nie einen separaten Beitrag, aber diese Ausgaben eignen sich wunderbar zum Verschenken. 
  • Penguin Classics ~ Puffin in Bloom: Hier abgebildet, der Klassiker "Anne of Grenn Gables". In einem älteren Silvester-Beitrag könnt ihr alle vier Ausgaben sehen, die es gibt.
  • Mary Poppins ~ 80th Anniversary Collection: Noch nicht gelesen, aber schon jetzt eines der Lieblings im Regal. 
  • Penguin Clothbound Classics: Besprochen wurden aus der Reihe schon "The Pearl" und "Wide Sargasso Sea". Die Reihe umfasst aber zahlreiche weitere Klassiker, die ebenfalls von der bekannten Illustratorin Coralie Blickford-Smith gestaltet werden.  
  • Die Bücher des sehr talentierten MinaLima-Teams, welche zahlreiche interaktive Elemente beeinhalten und derzeit (mit dem Buch, das im Oktober erscheinen wird) sechs Bände umfasst. 
  • Wordsworth Children Classics: Umfasst derzeit zwölf Bände beliebter Kinderklassiker in sehr schöner Gestaltung. Dazu sind sie im vergleich zu anderen Ausgaben auch recht erwschwinglich.
  • "A Wrinkle in Time" von Madeleine L´Engle & viele andere Ausgaben des "The Folio Society"-Verlags. Die Bücher haben eine sehr schöne Qualität und lassen jedes bibliophile Herz höher schlagen. Leider sind die doch recht hohen Lieferkosten ein kleines Manko, da lohnt es sich eher auf den Sale zu warten.

Bevorzugt Ihr eine der beiden Varianten - mit oder ohne Schutzumschlag? Nehmt ihr diesen beim Lesen auch eher ab?





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West von Carys Davies

Juni 10, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "WEST"/ 2018) Luchterhand (2019), Übersetzer/in: Eva Bonné (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Pennsylvania, im Jahr 1815: Der einfache, gutherzige Maultierzüchter Cy Bellman findet keine Ruhe mehr, seit er in der Zeitung von einer unglaublichen Entdeckung gelesen hat. Um seinem Traum nachzujagen, bringt er das größte Opfer und lässt seine 12-jährige Tochter Bess in der Obhut ihrer ruppigen Tante zurück. Während Bess auf sich allein gestellt zur Frau wird, erlebt Bellman im tiefen Westen ein Abenteuer, das sich völlig anders entwickelt als erwartet. Carys Davies hat eine »eine traurig schöne Geschichte« (The Times) geschrieben über die tiefe Sehnsucht, alles hinter sich zu lassen und seinem Leben einen neuen Sinn zu geben."
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"Einmal sagte er, es müsse ein Muster hinter den Dingen geben, doch leider könne er es nicht erkennen" S. 158

Nach mit Awards ausgezeichneten Kurzgeschichten, hat sich die Autorin Carys Davies bereits in der Literaturwelt behauptet. Nun folgt ihr erster Roman und der scheint begeisterte, wie auch etwas zurückhaltende Stimmen hervorzurufen. Auch bei mir haben sich Begeisterung und Skepsis nach und nach vermischt. 
Der recht knappe Roman greift vordergründig das Leben von Cy Bellmann und seiner Tochter Bess auf. Er, der loszieht und die Welt erkundet - Der Kompass sein stetiger Begleiter. Sie, die Zuhause bleibt und auf ihn wartet. Letztlich kann man aber auch noch eine weitere Perspektive als wichtigen Vergleichspunkt der Figuren ziehen, nämlich die des Jungen "Alte Frau aus der Ferne", der Cy auf seiner Reise zur Seite stehen soll. Mir gefielen der Wechsel zwischen diesen drei Figuren und auch der Wechsel zwischen der Sichtweise, die sie auf die Welt und ihre Mitmenschen haben.
Der Leser merkt schnell, dass sich hier eine mehr als präsente Gesellschaftskritik offenbart. Der "weiße Mann" als Gefährder des Friedens und als Ausbeuter. Andererseits wird durch Cy Bellmann auch das Bedürfnis und manchmal die Notwendigkeit der Menschen verdeutlicht neue Gebiete und Länder zu erkunden. Etwas zu entdecken, was noch niemand kannte und vielleicht einen Fortschritt hervorzubringen. Alles Überlegungen, die ich im Roman gut hervorgehoben fand und die mich auch interessiert haben. 
Dennoch gibt es einige Punkte bei denen ich mir noch unsicher bin, ob ich sie clever gelöst oder, soweit es bei einem lang überarbeiteten Roman, unüberlegt und nicht geglückt finde.

"Ein unbekanntes Wesen, ein
animal incognitum. Die Leute staunten und stocherten in den Knochen herum und fragten sich, was dem Tier wohl zugestoßen war. Ob solche Ungeheuer bis heute lebten, auf unerforschtem Territorium, im Westen des Kontinents. Allein bei der Vorstellung war ihm schwindlig geworden." S.27

Wer sich, wie ich zu Beginn auch, von dem Roman eine wirkliche Abenteuergeschichte verspricht, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, denn wirklich viel passiert eigentlich gar nicht. Die Reise des Protagonisten wird zwar durchaus aufgegriffen, aber es entwickelt sich etwas zu einer immer wieder gleich verlaufenden Abfolge von Überlegungen, wie man die Reise in Hinblick auf die Härte der kalten Jahreszeiten überwinden kann. Es geht demnach mehr um die inneren Überlegungen der Figuren. 
Die Tochter Bess war für mich an vielen Stellen nicht wirklich greifbar. Sie wird einfach als Gegenstück zum Vater eingeführt, um die "Zurückgelassene"-Position zu kräftigen und zu veranschaulichen, dass es bei Bedenken, die so eine Reise von Cy hervorruft, auch das verworrene und beinahe öde, gewohnte Leben seine Risiken mit sich bringt. Merkwürdig fand ich dann die Fixierung auf Bess aus der Sicht zweier Bewohner der Stadt. Ich konnte hier zwar den Impuls des Aufgreifens verstehen, weil durch gewisse Entwicklungen das moralische Verhalten der Figuren hinterfragt und kritisiert wird, aber mir schien es teilweise so klischeebehaftet, dass ich mich mit den Kapiteln schwer getan habe. 
Unabhängig von der Handlung haben sich bei mir zudem einige Fragen bezüglich der Authentizität der Darstellung des Lebens im frühen amerikanischen Westen ergeben. Oftmals wusste ich nicht genau, ob die beschriebenen Verhaltensweisen und örtlichen Daten, wie auch die Benutzung verschiedener Werkzeuge und Tierhäute stimmte. Da hätte ich mir vielleicht von der Autorin selbst einen Verweis gewünscht, in wieweit sie dahingehend recherchiert hat, um die Echtheit zu wahren.
Blicke ich aber auf die gesamte Struktur zurück, so finde ich den Roman schon besonders geglückt, weil alles so gut miteinander zusammenhängt und sich so miteinander verknüpft, dass das Ende, trotz wieder starkem Hinweis an die "richtige Moral", ein kleines Highlight ist. Ebenso hat mich die Thematik von der ersten Seite an mitgerissen.

"Er dachte auch an den alten Mann, der sie davor gewarnt hatte, sich auf irgendwelche Geschäfte mit den weißen Männern einzulassen. Er hatte ihnen prophezeit, es werde der Anfang von ihrem Ende sein." S.184


Ein eher ruhiger Roman, der sich mit einem Aufbruch und einer Reise beschäftigt, bei welchem aber doch andere Dinge im Fokus stehen.  Die Reise selbst bleibt Mittel zum Zweck. Im Vordergrund stehen Fragen wie: Was bringt einen Menschen dazu, die Familie und alles andere hinter sich zu lassen und nach etwas zu suchen, was vielleicht gar nicht existiert? Was bedeutet es für die Familie? Und natürlich: Können wir Menschen uns wirklich vertrauen oder besteht unser Zusammenleben immer aus Eigenprofit und Egoismus? Ich mochte die scharfe Kritik an den Regeln, nach denen wir unsere konsumorientierte Gesellschaft richten, aber ich mochte auch die gelungenen Verknüpfungen zwischen den Figuren. Einzig kleinere Kritikpunkte und die, für mich zu stark klischeehafte Auslegung des Schicksals von Bess haben mich etwas gestört.



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Mai: Wenn ein ruhiger Monat gar nicht so ruhig ist

Juni 04, 2019




Manchmal gibt es so Monate, bei denen man das Gefühl hat, dass eigentlich nichts passiert ist. Wenn man sie dann Revue passieren lässt, stellt man jedoch fest, dass doch so einiges stattgefunden hat und man einiges zu erledigen hatte.

Zum Beispiel stand wieder einmal die Litblog Convention vor der Tür. Gemeinsam mit Marie von "Wortmalerei" und Verena von "Flying Thoughts" haben wir einige interessante Veranstaltungen besucht und das Buffet unsicher gemacht. Es war mir wieder einmal eine Freude, die Zeit mit den zweien zu verbringen! Leider kam ich auch dieses Jahr wieder nicht wirklich dazu, vernünftige Bilder zu machen. Zudem hatte ich generell das Gefühl, dass sich die Blogger vor Ort eher auf das aktuelle Erlebnis konzentriert haben, sprich auch vor Ort schon fleißig getwittert und bei Instagram Stories hochgeladen haben und es weniger "Nachberichte" gab, als die Jahre zuvor. Das finde ich persönlich gar nicht mal so schlecht, einen Beitrag habe ich allerdings gefunden, den ich aber ganz gelungen fand. Und zwar auf dem Blog "Chochi in Wonderland". HIER geht es zum Artikel: "Lit Blog Con 2019".
(Falls ihr vielleicht selbst einen Beitrag dazu verfasst habt, lasst mir gerne einen Kommentar da, dann trage ich eure Links gerne nach.)

Nach der Litblog Convention wurde es etwas ruhiger, dennoch beschäftigten mich parallel zu meinen Büchern, die ich in der Freizeit lese, auch noch meine Bücher, die ich für meine Abschlussarbeit lese. Sicherlich wird mich die Arbeit auch in den nächsten drei Monaten noch mehr auf Trab halten, sodass es hier in den Lesemonaten etwas knapper wird.

Vielleicht erinnert ihr euch zudem noch an das Interview, welches ich dank des Buchblog-Awards mit dem Börsenblatt halten durfte. Dort hatte ich den Wunsch geäußert mehr Beiträge über Buchhandlungen umsetzen zu können. Ende des Monats hat es dann endlich geklappt und ich habe mich mit der Besitzerin einer sehr süßen Buchhandlung in meiner Heimatstadt getroffen. Da morgen noch eine Veranstaltung (und eventuell noch ein weiteres) ansteht, verrate ich noch nicht zu viel. Aber ein Beitrag darüber wird in nächster Zeit auch noch folgen.
Nun aber zu den gelesenen Büchern im Mai.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Das vergessene Fest" von Lisa Kreißler: DAS Buch meiner nächsten Monate, denn darüber schreibe ich meine Abschlussarbeit. Beim ersten Lesedurchgang mochte ich es schon ganz gerne. Nun, wenn ich mit einem schärferen Auge darauf blicke, entdecke ich noch mehr Details und Spielereien, die ich schon beinahe faszinierend finde. Ich hoffe, dieses Gefühl bleibt mir erhalten und der Spaß am Schreiben darüber verfliegt nicht.
  • "Vor dem Fest" von Sasa Stanisic: Vielleicht lässt es sich anhand des Titels bereits erahnen: auch dieses Buch habe ich für die Uni gelesen, obwohl ich es schon lange auch privat lesen wollte. Tatsächlich lassen sich viele Elemente, die man bei Kreißlers Roman findet, auch hier herausfiltern. Spannend fand ich bei Stanisic, dass er mit sehr vielen verschiedenen Aspekten spielt und sie nicht so strikt einführt, wie man es von anderen "typischen" Romanen gewöhnt ist. Er löst sich geschickt von einer, zumindest von uns Lesern angenommenen, Norm der Literatur. Er springt in den Kapiteln zwischen den Erzählern, zwischen den Zeiten, in denen die Geschehnisse geschehen, zwischen der Art der "Rede". Ein sehr vielschichtiger Roman, den man bei einmaligem Lesen vielleicht nicht gänzlich greifen kann, welcher aber dafür sorgt, dass man wieder richtig Lust auf Literatur bekommt und sich auch nach Beenden des Romans gerne in ein Gedankenkarussell setzt.
  • "The Little Paris Bookshop" von Nina Geoge: Wenn man das Gefühl hat, dass man viele Bücher liest, die man aufgrund der Uni liest oder wenn sie viel von einem abverlangen, dann sucht man gerne auch mal nach Büchern, die man zwischendurch einfach weglesen kann. Ich hatte mich in einem solchen Moment zu Georges Roman hinreißen lassen. Nach bereits einigen Kapiteln stellte ich aber fest, dass ich damit gar nicht wirklich warm werde. Die Figuren, die Handlung, die plötzlich eingeschobenen Entwicklungen, die mir nicht immer passend oder sinnvoll erschienen haben mich schlichtweg nicht angesprochen. Das ging dann soweit, dass ich einige Seiten nur noch überflogen habe. Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt, aber auch die Schreibweise hat mich nicht packen können. Schade, denn es klang vielversprechend und gewisse Aussagen des Romans sind auch ganz schön. Für mich allerdings nicht ganz das richtige gewesen.
  • "Der Riss" von Hye-Young Pyun: Eines meiner Highlights diesen Monat und sicherlich auch generell eines meiner Favoriten. Es ist einer dieser Romane, die sich langsam an den Leser anschleichen, die eine dunkle Seite offenbaren und ihn dann verschlingen. Natürlich auf eine gute Art und Weise!
  • "Liebe in der Nacht" von F. Scott Fitzgerald: In meiner Rezension habe ich schon erwähnt, dass ich die meisten Erzählungen des Buchs wirklich schön, gefühlvoll und träumerisch fand, mich aber sehr gestört hat, dass sich der Verlag dazu entschlossen hat, die rassistischen Begriffe, wohl aus Originalgründen, beizubehalten. Sehr schade, denn darunter litt dann leider meine endgültige Bewertung.
  • "Der Zopf meiner Großmutter" von Alina Bronsky: Bei dem Roman (Mitbringsel von der LitblogCon), den ich noch schnell zwischen der etwas längeren Lektüre, zu der ich gleich noch kommen werde, eingeschoben habe, bin ich wahnsinnig zwiegespalten. Ich verstehe, worauf die Geschichte hinauslaufen soll, was sie vielleicht aussagen könnte, zumindest für mich persönlich, aber irgendwie...wurde ich hier nicht ganz abgeholt. Auch hier wurde mindestens ein rassistischer Begriff aufgegriffen oder reproduziert, was ich einfach, ich muss es immer wieder betonen, in der heutigen Zeit als mehr als unpassend finde. Es sollen damit die Ansichten der Figuren und ihre Meinung über den Klassenstatus oder den sozialen Standard offenbart werden, bei mir sorgt es aber immer dafür, dass ich mich wahnsinnig unwohl fühle und nicht nachvollziehen kann, was der Reiz daran sein soll, diese Begriffe weiterhin einzubauen. Zudem wird auch hier das sehr merkwürdige und unpassende Verhalten der Großmutter an vielen Stellen, dadurch relativiert, dass sie im Herzen ja eine gute Frau ist, die durch das frühere Leben abgehärtet sei. Nun, das mag sein, aber ich finde man darf schlechtes Verhalten nicht immer nur mit der Vergangenheit rechtfertigen. Und die Leser dann immer an die Figur zu binden, weil man sie bemitleidet erachte ich auch als etwas problematisch. Gleichzeitig wird dadurch natürlich die Aussage gestärkt, dass Menschen durch ihre vergangenen Handlungen und Erfahrungen geprägt werden und deswegen neue Verhaltensweisen entstehen, die sie an ihre, wie hier, Enkel weitergeben. Wie gesagt, ich stehe dem Roman letztlich einfach zwiegespalten gegenüber.
  • "Vanity Fair" von William Makepeace Thackeray: Diesen über achthundert Seiten schweren Wälzer habe ich bereits Mitte des Monats begonnen und lese überwiegend abends immer mal wieder einige Kapitel weiter. Daher bin ich noch nicht wirklich weit, finde aber die Dynamik der Figuren bisher ganz unterhaltsam. Mal sehen, wohin das noch führen wird. Eventuell wird es dazu noch eine separate Rezension geben.

Ansonsten blüht gerade in Deutschland endlich der Sommer auf. Zumindest teilweise. Und man merkt auch, dass die Leute daher deutlich weniger am Computer sitzen, sondern die Zeit draußen genießen, was natürlich wunderbar ist! 
Ich würde auch gerne öfter draußen sitzen, mich hat der erste schwüle Tag aber schon kränkeln lassen, daher versuche ich mich mit Halsschmerzen von einem Ort zum nächsten in möglichst kurzer Zeit fortzubewegen.


Gab es bei euch ein Buchhighlight im Mai? Hat euch ein Buch enttäuscht oder mit einer gemischten Meinung zurückgelassen?




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