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LITTLE WORDS




"Growing up, I took so many cues from books. [...]
They were my teachers and my advisers."

Neil Gaiman / "The Ocean at the End of the Lane"

EMPFOHLENE BEITRÄGE




NEUE   BEITRÄGE

The Bass Rock von Evie Wyld

(Original: "The Bass Rock" / 2021) dt. Übersetzung: "Die Frauen", Vintage (Penguin Randomhouse Imprint), Übersetzer/in: -, ★★(★)☆☆ 2,5-3 Sterne
Im frühen 1700 flieht Sarah, die verdächtigt wird, eine Hexe zu sein, um ihr Leben.

Während der Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs, versucht Ruth, sich durch ein neues Haus, einen neuen Ehemann und die seltsamen Gewässer der Stadtgemeinde zu navigieren.

Sechs Jahrzehnte später steht das Haus still. Viv, die den Tod ihres Vaters betrauert, katalogisiert Ruths Habseligkeiten und entdeckt ihre Rolle in der Vergangenheit - und vielleicht auch in der Zukunft.

Über all ihnen steht der Bass Rock. Jede Entscheidung der Frauen, ist umschrieben von den Männern, in ihrem Leben. Aber in der Schwesternschaft gibt es Hoffnung auf Rettung und einem neuen Leben...
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"So strange, she always thought, how a bullet could take out just a finger or it could take the whole person."  S.37
Romane mit einem Hauch Gothic sind eigentlich total meins. Und "The Bass Rock" klang auch wirklich nach etwas, das ich lieben könnte. Drei miteinander verwobene Schicksale, die nach und nach zusammenführen...
Doch irgendwie wurde ich nicht ganz warm mit der Geschichte. 

Das schwierige: Bereits zu Beginn ist alles viel zu losgelöst voneinander. Wenn man den Klappentext nicht im Hinterkopf hat, scheint jedes neue Kapitel von einer ganz anderen Welt zu handeln. Durch die zeitliche Verschiebung stimmt das zum Teil sogar, aber für die Leser*innen wird es zunehmend komplizierter, eine Bindung zu den einzelnen Figuren aufzubauen und dann letztlich das Gefühl zu haben, dass die Teile in einen harmonischen Einklang gebracht werden. Für mich blieben die Stränge stets getrennt, obwohl an vielen Stellen versucht wird eine "geschickt gekonnte" Verbindung herzustellen, die ein "ach, nein!" oder verblüfftes "was?!" entlocken soll. 

Der "Bass Rock" als solches kam mir letztlich leider auch zu kurz. Atmosphärisch war der Roman sogar über weite Strecken, aber auch hier fehlte der letzte Schliff, der die Geschichten, den Schauplatz um den Bass Rock und auch die ganzen Nebenstränge, so komprimiert hätte, dass es dieses "packende" Gefühl hinterlässt. Der Ort war zwar als Anker angesetzt, hat sich für mich aber nicht so angefühlt, sondern eher wie ein Schiff, dass um den Bass Rock herum manövriert und manchmal von den Wellen verschluckt wird.
"´Do you ever look at yourself in the mirror for such a long time that you start to see something else? Like there´s someone else under the skin. Have you ever looked in the mirror and deliberately made an ugly face, bared your teeth, growled and snarled and become suddenly aware that there is something else inside of you that you´re not letting out?" S.233f.
Ich war zu Beginn dennoch relativ angetan von der Grundidee und bin den Brotkrümeln auch teilweise mit Interesse gefolgt. Jedoch wurde die Stimmung zunehmend (passiv-)aggressiv.
Der Roman stellt im Zentrum drei Frauen vor, die vor der Macht und der (körperlichen) Gewalt der Männer fliehen (wollen) und versucht ein Bündnis zwischen den Figuren herzustellen. Für mich ist dies durchaus nachvollziehbar und gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, worauf der Roman hinaus möchte. Jedoch wurde es zunehmend immer düsterer und brutaler, was leider nicht dem Gothic-Anteil des Romans geschuldet war, sondern der Tatsache, dass hier der Mann als solches zum absoluten Feind degradiert wird.
Irgendwann hat man das Gefühl, dass die einzige Aussage bleibt "Hasst die Männer, fürchtet euch vor ihnen." Kann man machen, muss man aber auch nicht. Und irgendwie hätte ich mir gewünscht, dass hier der Roman eine weitere Ebene aufbricht, die darüber hinausgeht.

Zudem wird das Ganze für mich so auf die Spitze getrieben, dass es an einigen Stellen mehr als absurd wirkt und die Schicksale der Frauen, die in gewalttätigen Beziehungen sind, hier schon beinahe parodistische Züge annehmen. Zum Beispiel, wenn der Mann von Vivs Schwester plötzlich mit einem Hammer auftaucht und wie ein ferngesteuerter Roboter wirkt oder Vivs männliche Bekanntschaft den "Instinkt des Wolfs" verkörpern soll. Alles Szenen, die hätten das transportieren können, was wohl beabsichtigt war, die sich aber nicht wirklich "authentisch" angefühlt haben.

 

Insgesamt eine Idee, die sehr interessant klang, für mich aber nicht ganz gehalten hat, was sie versprochen hat. Es gibt durchaus einige "düstere" Element, die ganz leicht "Gothic Novel" rufen, insgesamt bleibt es aber für mich eine einzige Warnung an Frauen, sich nicht (niemals!) auf Männer einzulassen. Zwischen den Zeilen gibt es durchaus clevere Einschübe, aber leider hinkte die Umsetzung einfach an dem zu losgelösten Handlungsstrang und der nicht ausreichend geschaffenen Bindung zu den Figuren.


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August: Feierlichkeiten und Ausflüge

September 04, 2021

Der August ist für mich immer ein Monat der Geburtstage, denn nicht nur ich werde dann immer ein Jahr älter, sondern tatsächlich auch die Eltern meines Freundes und mein Opa. Und meinem Opa hatten wir es daher auch zu verdanken, dass wir uns für einige Tage in Richtung der Heimat nach Polen aufgemacht haben. Angereist sind wir mit unserem eigenen Auto, was auch die Möglichkeit geboten hat, kleinere Zwischenstopps in Breslau und Berlin zu machen. Einen kleinen Abstecher haben wir zudem in Krakau gemacht. Schön war´s!
Ich habe ja vor allem den kleinen Laden mit den Stofftieren in Krakau geliebt. Macht sofort gute Laune, wenn man daran vorbeiläuft.

Ansonsten habe ich diesen Monat sieben sehr abwechslungsreiche Bücher gelesen:
Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Ariadne" von Jennifer Saint:  Ich bin ja schon sehr für Neuinterpretationen mythologischer Erzählungen zu haben, daher fand ich es recht schade, dass mich "Ariadne" nicht ganz überzeugen konnte. Mir hat es ein wenig an Esprit gefehlt, um die Geschichte wirklich lebendig (also nicht so langatmig) zu machen, auch wenn mir einige Sachen auch durchaus gut gefallen haben. 
  • "When The Coffee Gets Cold" & "When The Coffee Gets Cold - Tales From The Café" von Toshikazu Kaaguchi: Ich habe beide Bücher während des Aufenthalts in Polen gelesen und habe sie geliebt. Sie sind gefühlvoll, clever und transportieren eine ganz eigene, schöne Stimmung. Auch wenn man die Auflösung schon vermutet, sind die kurzen Erzählungen sehr lesenswert. 
  • "The Arrest" von Jonatham Lethem: Leider muss ich sagen, dass mich das Buch doch mehr enttäuscht hat, als ich vermutet hätte. Die Idee an sich finde ich großartig, aber die Umsetzung fand ich weniger geglückt. Man hat ständig das Gefühl, dass man sich noch in der Einleitung des Romans befindet und es "gleich richtig los geht". Das Gefühl bleibt aber eben auch bis kurz vor Schluss so erhalten, dass mir persönlich mehr Handlung und einfach mehr Inhalt gefehlt hat. Manchmal wusste ich gar nicht, wohin die Erzählung gehen soll, was die Intentionen der Figuren und auch der Geschichte sind. Irgendwie schade, weil mir die Idee und einige Einfälle wirklich gefallen haben. 
  • "The Constant Rabbit" von Jasper Fforde: Sehr interessantes Buch, das reichlich Diskussionsbedarf bietet. Da hier noch ein separater Beitrag folgen wird, verrate ich noch nicht meine endgültige Meinung. 
  • "Dinge, an die wir nicht glauben" von Bryan Washington: Ein Roman, den ich wirklich lieben wollte, der dann aber letztlich leider nicht ganz meinem persönlichen Lesegeschmack entsprochen hat. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser*innen mit der Wortwahl und den Einschüben von Sexszenen keine Probleme haben werden, mir persönlich hat dies aber den Kern der Thematik etwas zunichte gemacht. 
  • "Good Omens" von Neil Gaiman & Terry Pratchett: Mein reread des Monats war dieses Fantasy-Erlebnis. Überraschenderweise hat es mich beim zweiten Durchgang nicht so mitgerissen, wie beim ersten Mal. Vielleicht lag es daran, dass ich nun verstärkt die Serie "Supernatural" im Hinterkopf hatte und es immer damit vergleichen habe (obwohl es natürlich grundsätzlich nichts miteinander zu tun hat). Natürlich mochte ich die Geschichte aber dennoch immer noch sehr gerne und bin den Engeln wieder auf ihrem Abenteuer gefolgt.


Was habt ihr im August erlebt? Habt ihr ein "Sommergefühl" verspürt? Gab es lesetechnisch besonders gute / schlechte Bücher, die ihr gelesen oder gehört habt?


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Dinge, an die wir nicht glauben von Bryan Washington

August 29, 2021

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Memorial"/ 2020) Kein & Aber (2021), Übersetzer/in: Werner Löcher-Lawrence (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3 Sterne
"In Bens und Mikes hitzigen Streitereien fliegen schon mal Handys durch die Gegend. Ihre Konflikte löst das junge Paar mit Sex. Ben, ein schwarzer Kindergärtner, und Mike, ein Koch mit japanischen Wurzeln, leben seit vier Jahren zusammen in Houston. So richtig glauben beide nicht mehr an ihre Liebe. Als Mikes schroffe Mutter Mitsuko aus Japan zu Besuch kommt, reist Mike überstürzt ab, um seinen todkranken Vater zu pflegen, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Ben bleibt zurück mit einer fremden Frau, die auf Distanz geht und erst mal wortlos die ganze Küche umräumt. Aber mit der Zeit merken Ben und Mitsuko, dass sie Mike durch den jeweils anderen neu kennenlernen. Seine Abwesenheit wird zum verbindenden Glied. Doch dann kehrt Mike zurück, und das fragile Gebilde gerät ins Wanken. "
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"Es ist, als befänden wir uns in einer verschissenen romantischen Komödie, sagte ich. Als wären wir beide verschissene Rom-Com-Bösewichte."  S.43

"Was verbindet uns wirklich, wenn wir uns zu verlieren drohen?" Diese Frage, als Aufhänger für den Roman, hat mich sofort angesprochen. Ich wollte herausfinden, wie die beiden Protagonisten mit der ungewöhnlichen Situation umgehen, in der sie sich befinden und wie sich die Persönlichkeit und Gefühlswelt offenbart.
Leider habe ich aber schnell festgestellt, dass die Wortwahl der Figuren nicht ganz meinem persönlichen Lesegeschmack entspricht. Es geht recht vulgär zu und wir werden ständig mit Fixierungen auf beiläufige Sexszenen konfrontiert. Dass sich beide mit Intimitäten von ihren Problemen hinwegtrösten möchten, finde ich ja sogar durchaus nachvollziehbar, aber die Art und Weise wie die Dinge beschrieben werden, wirkten nicht authentisch beziehungsweise haben viele anderen wichtigen Aspekte zur Seite gedrängt, von denen ich gerne mehr erfahren hätte.

Die beiden Sichtweisen, die in verschiedenen Kapiteln als "Benson" und "Mike" unterteilt werden, haben sich kaum unterschieden, das bedeutet, man hat das Gefühl, dass es auch die gleiche Person sein könnte, die alles erlebt. Hier fehlten mir tatsächlich die Feinheiten der einzelnen Charaktere, um zu sehen, welche Gemeinsamkeiten es zwar gibt, aber eben auch wo die Unterschiede in der Auffassung liegen.

Viele Aspekte wirkten über Teile hinweg ziemlich lose. Szenen beginnen und hören plötzlich auf, erschaffen also das Bild kurzer Schnipsel an Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen und Erlebnissen. Das hätte durchaus funktionieren können und ist auch nicht unbedingt schlecht, sodass es gut zur aufgewühlten Stimmung und Unentschlossenheit der Charaktere hätte passen können. Leider gelang es mir aber nicht, eine allzu große Bindung zu den Figuren aufzubauen.

"Du siehst gar nicht aus, als wärst du religiös.
Ich wusste nicht, dass man religiös aussehen kann.
Ich wei0, sagt Omar mit einem Lächeln. Sind die Menschen nicht ein Rätsel?
" S.79
Schön zu lesen fand ich, dass hier verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Wir erfahren sogar einiges über die Bräuche und Traditionen aus der japanischen Kultur. Jedoch irritierte mich zunehmend ein wenig, dass das komplette Umfeld nur anhand der Herkunft und des Aussehens wahrgenommen wurde. Bezeichnungen wie "Whitelady" fallen ständig sowie auch, wenn Menschen schwarz sind. Ich war mir unsicher, ob das verdeutlichen sollte, dass die Gegend aus vielen verschiedenen kulturellen Einflüssen besteht oder, um zu signalisieren, dass der Protagonist dies nicht aus seiner Perspektive ausblenden kann. Es blieb nicht negativ haften, aber mir hat da aus meiner persönlichen Sicht die Urteilskraft gefehlt, dies einordnen zu können.
 
Ich mochte den Fokus auf (schwierige) Familien(-verhältnisse) sehr, in denen nichts perfekt läuft. Die eine Familie hat Privilegien (Geld), ist aber dennoch zerrüttet und keineswegs eine Vorzeigefamilie.  Beide kämpfen mit den Tücken des Daseins, der Herausforderung ein gutes Elternteil / Ehepartner zu sein und versuchen irgendwie für die nächste Generation eine gute Zukunft zu ermöglichen. Genau darin sah ich durchaus die Stärken des Romans. Die Thematik rund um das Familienleben, die durch einige sehr gute und starke Überlegungen wie auch Zitate gestärkt wurde.
Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Söhnen und den Eltern gefiel mir persönlich mit Voranschreiten ebenfalls sehr. Doch auch hier wurde der Inhalt durch diese vulgären Szenen leider immer wieder unnötig auf dieses Effekt-Niveau gezogen.
"Aber ich denke, genau so läuft es: Wir nehmen unsere Erinnerungen überallhin mit, egal, wohin wir gehen, und am Ende sind nur noch einige da, und mit denen richten wir unser Leben ein." S.316
 

Ein Roman, in dem ich durchaus einiges an Potential entdeckt habe, der mir aber, durch die vulgären Ausdrücke und auch die für mich unnötig eingeworfenen Sexszenen, etwas an Wirkung und Tiefe verloren hat. Einige kurze Passagen und Stellen hatten aber durchaus schöne Aussagen und haben die (schwierige) Beziehung zwischen Eltern und Kindern gut dargestellt. Letztlich hat es mir etwas an Charakter gefehlt. Im Roman selbst und auch bei den beiden Protagonisten.



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Ariadne von Jennifer Saint

August 18, 2021

(Original: "Ariadne" / 2021) Flatiron Books , Übersetzer/in: -, ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
Ariadne, Prinzessin von Kreta, wächst damit auf, auf den königlichen Böden zu tanzen und ihren Kindermädchen zuzuhören, wenn sie von Göttern und Helden erzählen. Doch unter dem goldenen Palast hallen die Hufschläge ihres Bruders, dem Minotaur, einem Monster, dem es nach Blutopfern dürstet, wider.
Wenn Theseus, der Prinz von Athen, anreist, um das Monster zu töten, sieht Ariadne in seinen Augen keine Gefahr, sondern einen Ausweg. Doch was wird aus ihrer Schwester Phaedra und kann sie auf ein Happy End hoffen?
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"It seemed the night skies were littered with mortals who had encountered the gods and now stood as blazing examples to the world below of what the immortals could do."  S.10
Nach Madeline Millers "Achilles" & "Circe" kommt jetzt also Ariadne. Vorhang auf für die Prinzessin von Kreta und Schwester des Minotaurs.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe. Auch wenn es mich nicht ganz so überzeugen konnte wie anfangs gehofft, hat es wirklich starke Abschnitte und Aussagen.

Doch erstmal zu dem aber. Ich wollte Ariadne lieben, hatte aber nach und nach ein wenig das gleiche Problem wie schon bei "Circe", nämlich, dass sich das Buch für mich ein wenig in die Länge gezogen hat und dadurch langatmig wirkte. Ich wollte zwar erfahren, was noch passieren wird und war jedes Mal aufs Neue gespannt, wenn ich es zur Hand nahm, aber nach nur wenigen Seiten merkte ich, dass ich den Erzählstil einfach nicht gänzlich genieße.
Mir kam es oftmals zu monoton und beinahe gefühlskalt vor. Ariadne als Protagonistin voller Sehnsüchte und Wünsche, aber innerlich irgendwie stumpf, was sich leider auch auf ihren Ton niedergeschlagen hat. So wirkten einige Passagen etwas schwerfällig. 
Vieles hat sich für mich zudem wiederholt. Damit meine ich Wiederholungen, die nur dazu eingesetzt werden, um die Leser*innen mit kleinen Cliffhangern zu ködern. Doch wenn die Cliffhanger aus den gleichen Aussagen bestehen, verfliegt der Reiz irgendwann. Dabei ist die Auflösung der Cliffhanger zwar durchaus interessant, aber eben durch das große Aufbauschen auch etwas "enttäuschend".
"What I did not know was that I had hit upon a truth of womanhood: however blameless a life we led, the passions and the greed of men could bring us to ruin, and there was nothing we could do." S.12
Nichtsdestotrotz gab und gibt es auch weiterhin viele Aspekte, die ich an der mythologischen Neuerzählung rund um Ariadne und ihre Familie mehr als geglückt und interessant fand. 

Ich mochte das Thema der "typischen" mythologischen Familie. Der Vater giert nach Macht, die Mutter unter Qualen (hauptsächlich durch die Taten des Ehemanns verursacht) und die Kinder beziehungsweise Geschwister, die sich versuchen ein glücklicheres Leben aufzubauen, aber nicht ganz von den Bräuchen und Anforderungen loskommen - inklusive dem Monster, welches der eigene Bruder ist. Durch neue Facetten wird dieses Bild jedoch gut weitergesponnen.
Genossen habe ich zudem die Entwicklung zwischen Ariadne und Phaedra. Die gegenseitigen Beschreibungen der jeweils anderen Schwester waren etwas Besonderes und das Spiel mit dem letztlichen Ausgang war meiner Meinung nach sehr spannend und clever gelöst. Als Leser*in fragen wir uns dadurch ständig: Was bedeutet Familie für alle Figuren eigentlich wirklich? Sehen sie sich nach Gemeinsamkeiten und Liebe? Oder ist es doch nur ein Vorwand für ganz andere Intentionen?
Und natürlich thematisiert die Geschichte auch die Frau als Besitz und Spielzeug inmitten der männerdominierten Welt. Durch mehrere Perspektiven der Figuren wird der gewollte Ausbruch daraus thematisiert. Kritik daran wird lautstark geäußert, doch schaffen es die Frauen sich von diesem Schicksal zu lösen? Und lassen es die Männer - und vor allem Götter - zu?

Auch wenn ich die monotone Erzählweise kritisiert habe, muss ich gestehen, dass die Atmosphäre grundsätzlich sehr stimmig ist. Je nachdem, wo sich die Figuren gerade aufhalten und mit was sie zu kämpfen haben, passt sich das Gefühl (zum Beispiel Wärme, Isolation, Landschaft) wunderbar an.
"I would not let a man who knew the value of nothing make me doubt the value of myself." S.179

 

Eine geglückte, kluge, aber auch eher leise Neuinterpretation der Geschichte von Ariadne. Nach dem Lesen gibt es wenig, dass ich wirklich kritisieren möchte, da die Stimmung, die Figuren und auch die neuen Einflüsse in die Erzählung mehr als stimmig waren. Dennoch wirkte der Roman für mich manchmal zu langatmig und in der Erzählweise zu monoton, sodass während des Lesens das Gefühl der Begeisterung kleiner gewesen ist. Nichtsdestotrotz ein Buchtipp für alle, die sich für die mythologischen Sagen interessieren und nicht zwingend ein rasantes Tempo benötigen.
 

 
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Juli: Ein Dutzend Bücher

August 11, 2021

Der Juli plätscherte zunächst so vor sich hin. Die ersten Tage hatte ich kaum zu einem Buch gegriffen, aber dann hat mich plötzlich eine große Leselust gepackt. Insgesamt habe ich dann 12 Bücher verschlungen. Die Hälfte davon bezog sich auf einen bestimmten Bereich, die andere Hälfte war recht spontan ausgewählt und sprang von Thema zu Thema. Einen richtigen Flop gab es glücklicherweise nicht. 

Ansonsten hat sich im Juli nicht viel getan und die Vorfreude auf August stieg und steigt weiterhin, da ich in diesem Jahr tatsächlich meinen 30. (!) "feiern" werde. Also schauen wir mal, was die nächste Zeit so bringen wird.

Nun aber zu den gelesenen Büchern:
Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • Thema des Monats war: Social Media. Es folgte ein Beitrag über sechs Bücher, in denen Social Media, Technik und das Internet eine große Rolle spielen. HIER geht es zum Blogpost.

 Ansonsten gelesen: 

  • "Malibu Rising" von Taylor Jenkins Reid: Ein super Buch für den Sommer. Die Kulisse bietet Sonne, Wärme, Strand(häuser) und Partys. Zusätzlich wird man aber auch mit einer wunderschönen Familiengeschichte belohnt, die mehr als an der Oberfläche kratzt. Mir gefielen die Idee und auch die Umsetzung, genauso wie die Protagonist*innen und der Einblick in ihre innere Welt. Meiner Meinung nach erhält es verdient viele gute Bewertungen, auch wenn ich sagen muss, dass es sich an einigen Stellen etwas zieht. Nichtsdestotrotz mochte ich die Erzählweise sehr und habe mit Nina Riva und ihren Geschwistern (wie auch der Mutter) mehr mitgelitten und mitempfunden als anfangs gedacht.
  • "The Graveyard Book" von Neil Gaiman: Ein Reread gab es diesen Monat auch, nämlich Neil Gaimans, als Kindergeschichte gedachtes, "The Graveyard Book". Ich habe es gelesen, da wir demnächst im Buchhandlungs-Podcast über den Autor sprechen möchten und ich noch das eine oder andere Buch zur Auffrischung zur Hand nehmen wollte. Und was soll ich sagen... ich liebe seine Geschichten. Dieses hier ist eine sehr rührende und auch teilweise spannende Geschichte über einen Jungen namens Nobody Owens, der inmitten eines Friedhofs aufwächst und von Geistern aufgezogen wird. Wie? Weshalb? Warum? Und bleibt er für immer dort? Das gilt es herauszufinden. Für mich ein absoluter Buchtipp und natürlich auch geeignet für die Herbstsaison.
  • "Untold Night and Day" von Bae Suah: Ein absoluter Glücksgriff und eine wahrliche Überraschung in diesem Monat war der Roman von Bae Suah. Ich hatte damit gerechnet, dass wir einige Beschreibungen eines Abendspaziergangs präsentiert bekommen. Stattdessen werden Eindrücke, Leben, Geschichten, Vergangenheiten und die Zukunft miteinander vermischt und in eine Art Traumsequenz gesetzt. Auch wenn es sehr speziell und teilweise bizarr ist: ich habe es geliebt. Es war wirklich genau meins, weil es mit der Zeit keinem strikten Plan folgt und man sich einfach auf den Text und die bizarre Handlung einlassen muss. Es gibt keine Regeln, keine Entwicklung nach Muster, sondern eine ganz neue Art des Erzählens.
  • "Once Upon A Time in Hollywood" von Quentin Tarantino: Obwohl ich den Film noch gar nicht gesehen habe, musste das Buch her. Mir gefiel einfach die Idee, dass dieses günstige "mass production paperback" wie aus der damaligen Zeit vermarktet wurde und Tarantino so die Ästhetik des Films fortführt. Ich muss ganz ehrlich sagen: ich fand es überhaupt nicht schlecht. Nach einigen Bewertungen habe ich mit deutlich Schlimmerem gerechnet. Aber der Roman hat einfach diesen ganz eigenen Stil, der perfekt für laue Sommerabende gedacht ist. Die 70er kann man förmlich spüren und die Thematik rund um Charles Manson und seine "Family" wird hier nicht so ausgeschlachtet, wie ich befürchtet hatte. Es ist ein Rückblick in das alte Hollywood, in der jede*r versucht etwas aus sich zu machen. Vielleicht ist es kein Meisterwerk (und an einigen Stellen etwas langatmig), aber für mich kam es gerade zur richtigen Zeit. Es war unterhaltsam, nachdenklich und hatte eine coole, aber nicht aufgesetzte Attitüde.
  • "The (Other) You" von Joyce Carol Oates: Die Erzählungen von Oates waren ebenfalls ein kleines Highlight. Sehr psychologisch, aber so präzise und clever, dass mir einige Geschichten noch lange im Kopf bleiben werden. Wer etwas für kurze Geschichten übrig hat, die manchmal einen Hauch von "magical realism" versprühen und das menschliche Verhalten und die Sehnsüchte von uns allen offenlegen, dem sei diese Sammlung empfohlen.
  • "Anna and The French Kiss" (Anna and The French Kiss #1) von Stephanie Perkins: Eine wirklich süße Geschichte, die französisches Flair hat und wunderbar für Zwischendurch geeignet ist. An einigen Stellen hatte ich zwar das Gefühl, dass es etwas zu chaotisch, schnell und ein klein wenig unrealistisch wurde, aber im Großen und Ganzen ist der Roman etwas fürs Herz mit viel schönen Zitaten, humorvollen Stellen und doch einer sonst gut umgesetzten Beschreibung der schönen Seiten und auch Hindernisse der "ersten großen Liebe".


Habt ihr manchmal auch Monate, in denen plötzlich ein Thema öfters präsent ist? Gab es bei euch dieses Mal besondere Tops oder Flops?


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