Liebe in der Nacht von F. Scott Fitzgerald




(Original: verschiedene Titel, da einzeln erschienen/ 1920-1949) Diogenes (2015), Übersetzer/in: Melanie Walz, Christa Schünke, Bettina Abarbanell & pociao (aus dem Amerikanischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
Erzählband mit sieben Erzählungen des Autors F. Scott Fitzgerald, die sich alle mit dem Thema der Liebe auseinandersetzen.

MEINE MEINUNG / FAZIT

"Verzweifelt spürte er, dass sich die ganze Welt der Schönheit über ihn ergoss wie Mondschein, dass sie ihn erdrückte, seinen Atem in ein Seufzen verwandelte und im nächsten Augenblick stocken ließ, während er hilflos in einem Übermaß an Jugend feststeckte, für die unzählige Erwachsene Jahre ihres Lebens gegeben hätten." S. 167

Der Titel dieses Erzählbandes "Liebe in der Nacht" ist durchaus sehr passend. Die sieben Geschichten, die der Leser hier vorfindet, greifen allesamt das Thema der Liebe auf. Und diese Liebe wird stets mit dem Gedanken des sozialen und finanziellen Wohlstands betrachtet. Eine Dynamik, die man auch bei Fitzgeralds wohl bekanntesten Roman "The Great Gatsby" (dt. "Der große Gatsby") findet. 
Demnach sind es keine ganz üblichen Liebesgeschichten, die von einer glücklichen Beziehung ohne Hindernisse  erzählen, sondern ihnen steht immer die Frage der "Vorteile" gegenüber. Die Figuren sehen sich nach Personen, hinterfragen aber die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, wundern sich, ob das eigene Ansehen unter einer Beziehung leiden würde und kommen je nach Überlegung zu einem anderen Ergebnis. 
Alle Erzählungen haben dabei das irgendwie typisch Träumerische, den Wunsch nach dem einfach zu erreichbarem Glück und dem Streben nach der eigenen Zufriedenheit mit sich selbst.

"'Oh, ich bin durch die Hölle gegangen, mehr als einmal, ohne zu jammern - und die weibliche Hölle ist tödlicher als die männliche.'" S.87

Ich persönlich fand, dass jede Erzählung für sich dennoch etwas sehr Eigenes hatte, sich aber gut an die anderen Geschichten angepasst hat, sodass eine schöne Sammlung herausgekommen ist. Ebenso bin ich davon angetan, dass Fitzgerald die Gesellschaft oft (auch stark) für ihr Verhalten und ihre Oberflächlichkeit kritisiert und sie auch mit scharfer Ironie auf die Schippe nimmt. 
Was ich jedoch absolut nicht verstehen konnte und was mir die Erzählungen an vielen Stellen in schlechter Erinnerung behalten lassen hat, war, die Entscheidung des Verlags, gewisse rassistische Wörter beizubehalten. Ob aus Gründen der Authentizität oder der getreuen Abbildung des Originals, das weiß ich nicht genau, aber da das Buch hier im Jahr 2015 erschien, hätte ich mir da eine deutlich überarbeitete Version gewünscht. Den Erzählungen hätte es zumindest keine große, bedeutende Veränderung gebracht, wenn diese Wortwahl durch nicht rassistische Wörter erneuert oder ergänzt worden wäre. Das fand ich tatsächlich sehr schade.

"Als er zu ihnen emporsah, begriff er, dass es seine Sterne waren, wie immer - Symbole für Ehrgeiz, Kampf und Ruhm. Der Wind wehte durch sie hindurch und stieß jenen hohen Fanfarenton aus, auf den er immer horchte. Die ausgedünnten Wolken zogen in einer Parade vorbei, bereit zum Gefecht. Die Szene war von beispiellos herrlicher Pracht, und nur das geübte Auge des Befehlshabers bemerkte den einen Stern, der jetzt fehlte." S.191


Ein Erzählband mit sieben Geschichten eines der berühmtesten Autoren der Zwanziger Jahre, welche das Thema der Liebe und des gesellschaftlichen Status in den Fokus setzen. Träumerisch, verspielt, romantisch und immer mit einer gewissen Portion Ironie und Augenzwinkern. Auch wenn einige Geschichten vor Sehnsüchten und Liebesbeziehungen triefen, wird die Oberschicht kritisch beäugt, was den Erzählungen mehrere Schichten und Tiefen ermöglicht. Daher grundsätzlich gelungene Sammlung. Lediglich die vom Verlag beibehaltenen rassistischen Wörter (wohl aus Originaltreue?) haben den positiven Eindruck geschmälert.


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Der Riss von Hye-Young Pyun

Mai 14, 2019


Werbung ~ Rezensionsexemplar (engl. Titel: "The Hole"/ 2016) btb (2019), Übersetzer/in: Ki-Hyang-Lee (aus dem Koreanischen), ★★★★(★) 4,5 Sterne

"Kann das Leben einen so tiefen Riss bekommen, dass man durch ihn hinabstürzt und darin verschwindet? Ein so kafkaesker wie hypnotisierender Roman von den verstörenden Rissen, die Einsamkeit, Schuld und Entwurzelung im Leben hinterlassen können."

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Das haben sie wirklich hervorragend gemacht. Jetzt heißt es, alle Kraft zusammennehmen. Haben sie mich verstanden? Der Kampf geht jetzt erst los. Dabei spielt ihre mentale Stärke die entscheidende Rolle." S.8f.

Für mich hat sich die Schriftstellerin Hye-Young-Pyun mit diesem Roman definitiv einen Favoritenplatz erkämpft. 
Anfangs schon erschütternd, durch das einschneidende Erlebnis, das der Protagonist Ogi zu verantworten hat, steigert sich die Geschichte immer mehr zu einem packenden, sehr intensiven und sehr psychologisch fixierten Roman, der mich schlichtweg beeindruckt hat. Auf den knapp zweihundertundzwanzig Seiten durchlebt man zudem eine so facettenreiche Emotionspalette, dass man das Gefühl hat, man lese ein Familienepos. Es erdrückt einen nur so weit (und das ist recht positiv gemeint), dass man sich sehr stark in die verschiedenen Perspektiven der Figuren einfühlt, lässt einem aber dennoch genug Distanz, um nicht nur einem Charakter zu vertrauen.
Hoffnung, Trauer, Wut, Gleichgültigkeit, Liebe und Rache sind dabei abwechselnd zentrale Gefühle, die einerseits die Handlung beeinflussen und andererseits die psychologischen "Spielchen" erklären. Für mich hatte der Roman zudem etwas Thriller-haftes. Die Handlung nimmt ein Ausmaß an, bei dem man förmlich die Luft anhält, weil man beginnt, einige Befürchtungen wahrzunehmen, die dem Ganzen eine Spannung entlocken.

"Damals wollten sie sogar die Lampe im Schlafzimmer brennen lassen, auch wenn sie sich die ganze Nacht im Bett wälzen würden, weil sie keinen Schlaf fanden. Als Ogi mitten in der Nacht aufwachte, waren alle Lichter aus.
       Wann war all das Licht erloschen?“ S.28

Erstaunlich dabei ist, dass der Protagonist in seiner aktuellen Lage nicht viel macht. Er lässt sein Leben in Gedankenfetzen Revue passieren. Was wird ihm nun, nach einigen Jahren, nach begangenen Fehlern, nach eingeschlagenen Lebenswegen deutlich? Was scheint ihm immer noch belanglos? Wie steht er nun zu seiner Frau und ihren, ihm nicht immer verständlichen, Verhaltensweisen?
Gezwungenermaßen wird dadurch seine Schwiegermutter zum Hauptakteur. Und diese Lenkung der Handlung durch sie ist meiner Meinung nach einfach großartig. Sie ist das Bindeglied zwischen ihm und ihrer Tochter, verkörpert die Fragen nach Familienzusammenhalt und Gerechtigkeit, aber auch der Frage nach der Seite auf welcher man als Elternteil wohl unweigerlich steht.
Die emotionale und psychologische Ebene, die der Roman dabei eröffnet und anspricht ist für mich ebenfalls sehr geglückt. Nicht klischeebehaftet, tiefgründig, zwielichtig und nicht immer eindeutig werden die Charaktere vorgestellt, zwischenzeitlich muss man sich als Leser sogar fragen, in wieweit und durch welche Erzählungen der Erlebnisse sich diese Figuren wieder in eine andere Richtung entwickeln.

"Egal, wie genau man die Welt darzustellen versuchte, man konnte nie ein exaktes Bild von ihr zeichnen. Das war die Erkenntnis, die Ogi aus seiner Forschung zog. Man konnte das Leben nicht mithilfe einer Karte darstellen." S.79


Sehr lesenswert, wenn man auf der Psychologie des Menschen aufbauende Geschichten mag. Zunehmend wird sich mit Themen wie der Schuld, dem Verrat, Verständnis, der Liebe zum Partner, Enttäuschungen und auch anderen befasst. Etwa ab der Mitte nimmt die Geschichte zusätzlich einen etwas unheimlichen, aber grandios spannenden Kurs auf. Für mich ein definitiv geglückter Roman, der trotz seiner knappen Seitenzahl unheimlich viel zu bieten hat.

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Ein feines Gespür für Schönheit von J. David Simons

Mai 09, 2019


Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "An Exquisite Sense of What is Beautiful"/ 2013) Goldmann (2019), Übersetzer/in: Bettina Eschenhagen (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3,Sterne

"Im Jahr 2003 kehrt der berühmte britische Autor Edward Strathairn zurück nach Hakone in Japan. Hier, in einem herrlich gelegenen Hotel in den Bergen, hatte er sich einst als junger Mann in das Zimmermädchen Sumiko verliebt, das ihn zu seinem Bestseller »Das Wasserrad« inspirierte. Darin kritisierte Edward Amerikas Doppelmoral und warf dem Land vor, die entsetzlichen Folgen der nuklearen Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki zu verdrängen. Nach seiner Rückkehr aus Japan heiratete Edward seine große Liebe Macy, eine amerikanische Künstlerin. Doch die Ehe war nicht glücklich. Nun, viele Jahre später, muss Edward erkennen, dass er zwar nicht als Künstler, aber doch als Mensch gescheitert ist. "

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Wie hatte Aldous noch gesagt?  »Die Japaner haben ein feines Gespür für Schönheit, aber keinerlei Gespür für Hässlichkeit.« Das traf es. Wie beides in ein und derselben Kultur nebeneinander existieren konnte, war ihm ein Rätsel." S.91

"Ein feines Gespür für Schönheit" ist ein Roman von dem ich mir anfangs leider mehr erhofft hatte und der mich zum Schluss etwas enttäuscht zurückgelassen hat, auch wenn er einige gute Überlegungen aufwirft. Eigentlich könnte das schon ausreichen, um meinen Eindruck zusammenzufassen, aber holen wir doch ein wenig weiter aus.
Was mich an der Geschichte gereizt hat, war die angedeutete Thematik rund um den britischen Schriftsteller, der nach vielen Jahren nach Japan zurückkehrt, also die menschliche Entwicklungsgeschichte und die Verknüpfung zum Krieg rund um Hiroshima und Nagasaki. Kann man einem Land überhaupt die Schuld für die Katastrophe entziehen und das andere als das "Opfer" beziehungsweise den "Retter" darstellen?
Letztlich fühlte ich mich von beiden Aspekten nicht wirklich abgeholt. Keines ging für mich so tief, dass ich persönlich aus der Darstellung gute Erkenntnisse ziehen konnte.

"'Schriftsteller sind wie Elstern, oder? Sie stibitzen die glitzernden Teile aus dem Leben anderer Leute, wenn die gerade nicht aufpassen.'

          'Wie meinst du das?'“ S.107

Mein größtes Problem bestand dabei einfach in der Darstellung des Protagonisten und der gleichzeitigen Lenkung der Sympathie für eben diesen - Sir Edward Strathairn.
Es wird zwar schnell deutlich, dass er kein Musterschüler ist, was das Führen eines verantwortungsvollen Lebens angeht und dass ihm die Fähigkeit mit seinen Mitmenschen irgendwie respektvoll umzugehen, das ein oder andere Mal abhandenkommt, aber zunehmend war ich von dieser banalen Erkenntnis genervt. Der Protagonist wird in den Kapiteln abwechselnd als junger aufstrebender Schriftsteller und alter Mann, der auf sein Leben zurückblickt, dargestellt. Und dennoch hatte ich stets das Gefühl, dass sich beide Perspektiven oftmals kaum unterschieden.
Der Fokus liegt an vielen Stellen nur auf seiner Männlichkeit, seiner zügellosen Lust auf Frauen und dem Wunsch etwas zu erreichen, wie auch anderen seine Meinung aufzudrängen. Zugegeben, die Meinung, die er über die Rolle der Amerikaner hat ist durchaus spannend für den Roman und sorgt für einen Tiefgang, den ich mir an mehr Stellen gewünscht hätte. 
Schnell wird dieser Aspekt aber wieder auf sein Leben gelenkt, was ja gut wäre, wenn ich mich eben nicht von ihm, ab einem gewissen Zeitpunkt, lieber komplett abgewendet hätte. Mich haben die Leben seiner Mitmenschen teilweise deutlich mehr interessiert. Sein Freund und Verleger Aldous zum Beispiel gibt einen schönen Input, der sich auf die schriftstellerischen Aspekte bezieht und strahlt dabei einfach mehr Esprit aus.
Mir war Edward an vielen Stellen vielleicht einfach zu angepasst an die japanische Stimmung, irgendwie als Figur und Charakter zu ruhig, zu blass. Und gleichzeitig hat mich dann zum Schluss unfassbar gestört, wie versucht wurde, den Protagonisten durch gewisse Geschehnisse sympathisch wirken zu lassen, in dem man die Mitleidsschiene gewählt hat. Er ist ein erwachsener Mann gewesen als die Kapitel beginnen und kehrt als ebenso erfahrener Mann zurück nach Japan, verhält sich aber irgendwie immer noch daneben, auch wenn man das nur zwischen den Zeilen wahrzunehmen scheint. Natürlich, die Jahre haben ihn geprägt, an einigen Stellen hat er Fehler eingesehen und beklagt die Nachteile des Älterwerdens, aber ich konnte mit ihm nicht gänzlich sympathisieren. Und der Versuch sein schlechtes, wie auch gewaltbereites Verhalten zu verharmlosen, indem man ihn bemitleidet, fand ich einfach zu schwach. Eine viel zu einfache Lösung für den Roman, der eigentlich viel Potential hätte.

"Der Himmel war wolkenlos, strahlend blau, für ihn hatte er jedoch jegliche Farbe verloren, wie die Blätter an den Bäumen und die Blumen in den Fensterkästen. Ihres sommerlichen Leuchtens beraubt." S.144


Eine Geschichte, die mich leider etwas enttäuscht zurückgelassen hat.  Gefallen haben mir die Überlegungen hinsichtlich des Konflikts zwischen Japan und Amerika und der Frage nach einem Schuldigen im Krieg. Auch einige Schnappschüsse, die man aus der Landschaftsbeschreibung mitnimmt sind durchaus geglückt und die Charaktere, die den Protagonisten in der Handlungsentfaltung unterstützen sind gut gewählt, allen voran sein Freund Aldous. Leider konnte ich persönlich mit Edward, dem Schriftsteller der auf sein Leben zurückblickt, nach und nach immer weniger anfangen. Für mich hat sich zwischen seinen jungen Jahren und der Gegenwart nicht viel verändert und seine Fehler abzuschwächen, die meiner Meinung nach teilweise schwerwiegend waren, in dem das Mitleid der Leser verlangt wird, ist für mich dann doch zu banal und eine schlechte Lösung gewesen.


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April: Kurze Bücher und kleine Unternehmungen

Mai 03, 2019





In dem Beitrag zum Welttag des Buches hatte ich es schon angedeutet. Es ging im April auf eine kleine Reise nach Amsterdam. Dort haben wir uns aber natürlich nicht nur die Buchhandlungen angeschaut. So ging es zunächst auf eine Grachtenfahrt, gefolgt von einem Spaziergang durch die Stadt Richtung Van Gogh-Museum. 
Obwohl mir die Ausstellung wirklich gut gefallen hat, war ich von der amsterdamer Atmosphäre deutlich eingenommener. Ich mochte es, durch die kleinen Straßen zu schlendern und sich die Geschäfte anzuschauen. Auch wenn die Stadt nicht weit weg liegt, hat man das Gefühl, dass man etwas ganz Neues entdeckt. Die kleinen Läden, die so charmant und eng beieinander stehen hinterlassen ein wohliges Gefühl und erinnerten mich zum Teil an die berühmte "Diagon Alley" aus Harry Potter, auch wenn dafür eher Irland als Vorbild diente.
Was meine Lektüren angeht, so hielt ich mich eher an kurze Bücher. Dennoch waren einige schöne und auch neue Lieblingsgeschichten dabei. Hier also der Überblick:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.  


  • "The Gracekeepers" & "A Portable Shelter" von Kirsty Logan: Beide Bücher habe ich in einem separaten Beitrag etwas näher beschrieben und meine Eindrücke dazu festgehalten. Daher erwähnte ich hier nur kurz, dass ich nun sehnsüchtig auf eine neue Geschichte der Autorin warte.
  • Ein neues Lieblingsbuch habe ich diesen Monat mit "Lanny" von Max Porter gefunden. Poetisch, mysteriös, intensiv und doch so nah am Menschen. Hatte wirklich alles, was ich mir von einem guten Roman erhoffe - besonders, dass es mal anders ist, als alles, was man bisher so gelesen hat.
  • "Die Farbe von Milch" von Nell Leyshon: Anders war tatsächlich auch Leyshons Roman. Erzählt wird die Geschichte von Mary, einem jungen Mädchen, dessen Leben sich von einem auf den anderen Tag verändert. "Einfach" geschrieben, aber mit großer Wirkung. Setzt zudem sehr gut in den Fokus, wie gut sich Menschen selbst belügen können. 
  • "The Red Pony" von John Steinbeck: Die Erzählung ist sehr kurz, aber teilweise doch grausam. Den Erzähler, einen heranwachsenden Jungen, der die Lektionen des Lebens lernen soll, konnte ich oft nicht richtig einschätzen. Mal hatte ich Verständnis für ihn und habe ihn innerlich ermutigt an dem festzuhalten, was er für richtig hält und mal fand ich ihn unfassbar unsympathisch. Das lag vor allem daran, dass er Tiere so zum Spaß "quält". Andere Zeiten und das Leben auf einer "Farm" hin oder her, bei solchen Szenen bin ich einfach empfindlich. Grundsätzlich greift Steinbeck aber wieder einmal gekonnt auf, dass der Mensch eben aus Fehlern und guten Eigenschaften besteht, die sich im Leben abwechselnd zeigen. Thematisiert werden aber auch der Respekt vor älteren Generationen wie aber auch das Entmachten dieser Generationen (zum Beispiel durch Wegnahme des Landes). Obwohl das Buch also sehr kurz ist, ist es vollgepackt mit wichtigen Themen, die reichlich Gesprächsstoff bieten.
  • Zuletzt auf dem Blog rezensiert wurde dann "Ein Tropfen vom Glück" von Antoine Laurain. Auch hier verlinke ich lieber auf die ausführliche Besprechung. Kurz gesagt. Wer eine Portion Optimismus braucht und ein Buch, das ein gutes Gefühl hinterlässt, liegt hier genau richtig.
  • Zuletzt ausgelesen habe ich aber "Die Leserin" von David Bielmann. Das Büchlein habe ich tatsächlich am letzten Tag des Monats angefangen und beendet. Das Cover passt sicherlich wunderbar zur Geschichte, hinterlässt meiner Meinung nach aber einen etwas falschen Eindruck vom Inhalt. Die Erzählung geht teilweise viel "tiefer", als nur diese angedeutete Liebesgeschichte. Ab und an habe ich mich etwas mit den Namen (vor allem Blogname) schwer getan, weil diese einen sehr platten Eindruck erweckt haben, aber die Geschichte an sich fand ich im Großen und Ganzen doch gelungen. Am Ende hat es mich an "Lila, Lila" von Martin Suter erinnert, aber eben nur assoziativ.  Es fällt mir tatsächlich schwer genau zu erklären, was das Buch in mir ausgelöst hat, aber es war eine wirklich schöne Lektüre, die ganz zauberhafte Momente enthält. Es spielt mit den Genres und dem Text an sich, öffnet dabei aber inhaltlich eine schöne Lenkung des Geschehens.
  • Angelesen habe ich dann noch endlich "Ein feines Gespür für Schönheit" von J. David Simons. Ich wollte es schon direkt bei Erscheinen lesen, aber es kam irgendwie immer ein anderes Buch dazwischen. Da es aber auch mehr als vierhundert Seiten hat, werde ich damit frisch in den Mai starten.

Wie verlief euer April? Gab es Highlights oder Flops? Habt ihr frühlingshafte Ausflüge unternommen?
 




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Ein Tropfen vom Glück von Antoine Laurain

Mai 01, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Millésime 54"/ 2018) Atlantik Verlag (2019), Übersetzer/in: Claudia Kalscheuer (aus dem Französischen), ★★★★☆ 4 Sterne

Um den Schreck eines Einbruchs zu verdauen, trinken vier Nachbarn eines Pariser Mehrfamilienhauses zusammen eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954. Ein fröhlicher Abend mit überraschenden Folgen: Am nächsten Morgen erkennen sie ihre Stadt nicht wieder – sie sind zurückversetzt ins Jahr, aus dem der Wein stammt! Für alle vier wird die Zeitreise zu einer Gelegenheit, sich über ihre Gefühle klar zu werden. Doch wie kommen sie zurück in die Zukunft?

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Endlich brach etwas Zufälliges und Unvorhergesehenes in diese trüben Herbsttage ein."
S.51

Antoine Laurains bisherige Romane enthielten immer einen gesunden Optimismus und spielten mit der Frage, was wohl wäre, wenn sich eine bestimmte Möglichkeit auftun würde, die unsere Sichtweisen verändert. 
Damit kann man auch in "Ein Tropfen vom Glück" rechnen. Dieses Mal sorgt eine ganz besondere Weinflasche für die folgenden Ereignisse, inklusive Zeitreise. Der Grund dafür wird bereits auf den ersten Seiten offenbart, sodass dahingehend keine großen Überraschungen auf den Leser warten, aber letztlich geht es nicht um das Lösen der Frage "Wie", sondern der Betrachtung des eigenen Lebens aus einer neuen, wenn auch vielleicht in der Vergangenheit liegenden, Sichtweise. 
Was macht unsere moderne Welt praktischer, sinnvoller, besser? Was sind die negativen Seiten der technischen Entwicklung? Und letztlich natürlich auch "Was und wer ist uns im Leben wirklich wichtig"?
Beinahe spielerisch lädt uns Laurain dabei in ein Paris der 50er Jahre ein, in dem wir bekannten Persönlichkeiten begegnen, gewissen Erfindungen auf den Grund gehen und mit den Protagonisten durch die Straßen flanieren.

"Bob betrachtete Lisa Gherardini, genannt Mona Lisa. Im Jahr 1954 hing sie nicht hinter Panzerglas und war nicht mit LED-Lampen beleuchtet, [...] sie war auch nicht von zwei Leibwächtern flankiert, die Tausende von Touristen davon abhielten, näher als zwei Meter an sie heranzutreten. Sie hing einfach mit den anderen Gemälden in der Galerie.“ S.141

Besonders angenehm sind dabei die kleinen Hinweise auf heute bekannte Dinge, die durch die vier Bewohner irgendwie beeinflusst werden. Natürlich ist nichts davon genau belegt, alles recht vage, aber es geht um diese kreativen Einfälle, die eben möglich sein könnten.
Und um diese Möglichkeiten dreht sich dann letztlich der ganze Roman. Was wäre, wenn es Wunder gäbe, die auch in Erfüllung gehen? Was wäre, wenn man einfach etwas Neues beginnt und seine vermeintlichen (beruflichen) Sicherheiten aufgibt, dadurch aber glücklicher sein könnte? Was wäre, wenn wir uns von den gängigen Vorstellungen des Möglichseins einfach lösen und bereit sind, das Unmögliche zu akzeptieren?
Ich mochte diesen Ansatz sehr, denn dadurch verliert man nicht, an das Gute zu glauben, dass einfach passieren könnte. Man entfernt sich ein wenig von den mathematisch belegten und anerkannten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die alles versuchen physikalisch zu erklären und das Wunder und den Zauber der Welt damit ein wenig zerstören. 
Immer mal wieder baut Laurain dann auch, passend zum gesellschaftlichen Unterschied zwischen 2017 und 1954 Entwicklungen und Zustände ein, die sich zum Beispiel auf das Frauenwahlrecht, den Feminismus oder den negativen Umgang mit Mindestlohnarbeiten aus ärmeren Ländern beziehen. Sicherlich eine gute Sache, jedoch wirkt es für einen solch kurzen Roman manchmal (nicht deplatziert, aber) etwas erzwungen. Nach dem Motto: Passt vielleicht nicht ganz hier rein, aber darauf sollte man aufmerksam machen. Ich weiß leider nicht, ob es dann die richtige Wirkung entfacht. Dennoch ist es positiv hervorzuheben, dass solche Diskussionspunkte auch in "leichterer Unterhaltungsliteratur" aufgegriffen werden.

Die Idee eines Weins - Jahrgang 1954 -, der diejenigen in die Zeit zurückversetzt, aus dem er stammt ist durchaus unterhaltsam, greift aber auch Überlegungen auf, die den Leser mit der ernsteren Frage konfrontieren, was ihm (in seiner jetzigen Zeit und Situation) wirklich wichtig ist. Der Roman nimmt schnell an Fahrt auf und wechselt auch rasch die Erzählperspektive, sodass jeder der vier Bewohner, inklusive Vorfahren, eine eigene Geschichte bekommt. Dies sorgt dafür, dass man sich nicht zu sehr in die einzelnen Figuren "hineinfühlt", aber man hat eine ganz sympathische Gruppe, die ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Die Beschreibungen des Paris der 50er Jahre ist sehr atmosphärisch und entfacht ein Nostalgiegefühl.


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