Der Buchblog-Award '18: Die Finalisten

September 14, 2018

Einige werden es sicherlich schon über andere Social-Media-Kanäle gehört oder wahrgenommen haben; die Finalisten des Buchblog-Awards 2018 stehen fest. Und tatsächlich darf sich auch "little words" über einen der fünf Finalplätze in der Kategorie "Liebe & Herz" freuen! Und weil der Award sich bei mir nicht auf die Social-Media-Kanäle, sondern den Blog bezieht, wollte ich es mit einem Beitrag noch einmal "offiziell" machen. Daher auch hier ein sehr großes Dankeschön an alle, die mit abgestimmt haben (egal für welchen Blog), denn es ist so schön zu sehen, dass Buchblogs nicht nur belächelt, sondern auch unterstützt werden.

Auf der offiziellen Buchblog-Award Seite könnt ihr alle weiteren Informationen bezüglich des weiteren Verlaufs nachlesen. Kurz aber schon angekündigt: die Verleihung der Gewinner wird am 12. Oktober um 12 Uhr im neuen Frankfurter Pavillon, auf der Frankfurter Buchmesse stattfinden. Jeder ist herzlich eingeladen!

Zusätzlich haben die Organisatoren mit den Finalisten ein kleines Interview geführt. Die Fragen und Antworten mit mir und zu "little words" findet ihr genau HIER.     



Befreit von Tara Westover

September 13, 2018



Rezensionsexemplar (Original: "Educated"/ 2018) Kiepenheuer & Witsch Verlag, Übersetzer/in: Eike Schönfeld (aus dem amerikanischen Englisch),   ★★★★☆ 4 Sterne
"Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika, befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt durch – Bildung, durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war. Die Berge Idahos sind Taras Heimat, sie lebt als Kind im Einklang mit der grandiosen Natur, mit dem Wechsel der Jahreszeiten – und mit den Gesetzen, die ihr Vater aufstellt. Er ist ein fundamentalistischer Mormone, vom baldigen Ende der Welt überzeugt und voller Misstrauen gegenüber dem Staat, von dem er sich verfolgt sieht. Tara und ihre Geschwister gehen nicht zur Schule, sie haben keine Geburtsurkunden, und ein Arzt wird selbst bei fürchterlichsten Verletzungen nicht gerufen. Und die kommen häufig vor, denn die Kinder müssen bei der schweren Arbeit auf Vaters Schrottplatz helfen, um über die Runden zu kommen. Taras Mutter, die einzige Hebamme in der Gegend, heilt die Wunden mit ihren Kräutern. Nichts ist dieser Welt ferner als Bildung. Und doch findet Tara die Kraft, sich auf die Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, auch wenn sie quasi bei null anfangen muss …"

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Dad schaute verblüfft auf. Er hatte vergessen dass ich da war. Als er das Blut sah, kam er zu mir und legte mir die Hand auf die Schulter. 

      'Keine Sorge, Liebes´, sagte er. ´Gott ist hier, er arbeitet hier mit uns. Er wird nicht zulassen, dass du verletzt wirst. Und wenn doch, dann ist es Sein Wille.' S.90

Eines vorweg: das Buch ist an vielen Stellen nicht leicht zu verkraften. 
Die Autorin beschreibt viele Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend, viele Verhaltensweisen von Personen in ihrem Umfeld, die ihr schaden. Sei es psychisch oder physisch. Wer solche Texte nur schwer verarbeiten kann oder nicht gerne darüber liest, sollte zumindest vorgewarnt sein.
Als ich von dem Buch gehört habe und in etwa wusste, dass es von dem "Erwerb der Bildung" handelt, dachte ich nicht, dass eine solche Wucht an Emotionen durch einen hindurch fließt, wenn man Tara Westovers Geschichte liest.
Man ist berührt, geschockt, erstaunt, verwundert, verärgert und alles in einem steten Wechsel. Ihr Leben ist sicherlich nicht einfach und verläuft in keinen klaren und einfachen Bahnen. Doch sie strebt zunehmend immer weiter danach, sich selbst und ihre eigene Stimme zu finden. Sie will aus etwas Ausbrechen, das sie zunächst selbst noch nicht ganz versteht, etwas was ihre Familie für sie zurechtgelegt hat, deren eigene Wahrheit. Mit diesem Buch erfindet Tara Westover ihre Wahrheit neu.
Mich hat das Buch von Anfang an gepackt, es ist vielleicht diese Neugier gewesen, zu erfahren, wie das Leben innerhalb einer Familie ist, die sich von allen versucht abzuschotten, von Eltern, die ihre Kinder nicht in die Schule lassen, denen selbst die genauen Daten der Geburt ihrer Kinder egal sind. Man ist gleichzeitig erschrocken darüber, wie fanatisch Menschen sein können, wie schnell sie andere Leute in ihren Bann ziehen können und man ist verärgert darüber, dass manche Kinder gar keine Möglichkeit haben, sich selbst als etwas Besonderes zu sehen. 
Obwohl die Autorin also unfassbar viele persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre Schreckensmomente gibt, besticht das Buch auch durch viele wichtige Ansätze, die veranschaulichen, dass "Bildung jemandem eine neue Welt erschließen kann". Nicht nur, weil man dann grundsätzlich mehr weiß, sondern weil man nicht nur den Ansichten anderer unterliegt und sich selbst definieren kann.

"Ich kaufte mir ein eigenes Exemplar und hoffte, ich würde davon etwas über Geschichte oder Literatur lernen, aber es ging nicht. Ich konnte es nicht, weil ich nicht zwischen der fiktiven Geschichte und dem realen Hintergrund unterscheiden konnte. Napoleon war für mich nicht realer als Jean Valjean. Von beiden hatte ich noch nie gehört." S.213

Was beim Lesen deutlich in den Vordergrund springt, sind die vielen Verweise der Autorin auf die bestmögliche "Wahrheit" der vielen Erlebnisse ihrer Vergangenheit. Vieles, so sagt sie, musste sie versuchen neu zusammenzusetzen, aus ihren Tagebüchern, Erinnerungen und mit der Hilfe der Erinnerungen ihrer Geschwister, mit denen sie noch Kontakt hat. 
Oftmals weiß man gar nicht genau, ob alles so stimmen kann. Es scheint vielleicht zu utopisch zu sein, dass sie ohne jegliche Bildung seitens ihrer Eltern solche Erfolge erzielen konnte. Ich finde aber, dass sie genau hier aufzeigt, dass sie vielleicht eine Ausnahme war. Nicht jeder hat die Ambitionen das alles durchzuhalten, um an renommierten Universitäten angenommen zu werden. Nicht jeder hat das Glück, unterstützende Professoren zu haben. Und das wird leider auch an ihren Geschwistern deutlich. Auch sie versuchen teilweise "mehr aus sich zu machen" und zu lernen, um auf Universitäten gehen zu können. Doch viele scheitern daran, bleiben doch stets, zurückgeworfen durch nicht bestandene Prüfungen, in der Welt ihrer Eltern. 
Auch die vielen paradoxen Aussagen und Reaktionen ihrer Eltern sorgen dafür, dass man weiterlesen möchte. Man will erfahren, wie es sein kann, dass sie sich selbst so wiedersprechen. Erfährt die Autorin überhaupt selbst, was die Eltern sich bei ihrem Verhalten denken?
Für mich persönlich war aber wohl das Schwierigste von der Beziehung zwischen Tara und ihrem Bruder Shawn zu lesen. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass alle beschriebenen Sachen so passiert sind. Sie sind furchtbar und wühlen einen zutiefst auf. 
Auch hier spürt man oftmals die Verzweiflung darüber, ob sich die Autorin selbst trauen kann, was den Wahrheitsgehalt angeht. Man merkt aber auch, an der Art und Weise wie sie ihre teils hysterischen Reaktionen darauf beschreibt, dass sie versucht etwas zu verarbeiten. Es ist ein ständiges Spiel, auf der Suche nach der Wahrheit und Erklärungen zu sein. Sei es in Hinblick auf das Verhalten ihres Bruders, ihres Vaters oder des nicht Eingreifens der Mutter.

“Alles, wofür ich gearbeitet hatte, alle meine Studienjahre hatten dazu gedient, mir dieses eine Privileg zu erwerben: mehr Wahrheiten zu sehen und zu erfahren als die, die mir mein Vater gegeben hatte, und diese Wahrheiten dazu zu benutzen, um mir einen eigenen Verstand aufzubauen.“ S.411f.


Ein Buch, das man nur schwer beschreiben kann, weil es so komplex ist. Es geht um Fanatismus und religiöse Lebensweisen, Familie und Zusammenhalt, wie auch der Verwirklichung seiner Selbst und auch der Frage, wann man sich von der Familie lösen muss, um sein eigenes Glück und seinen eigenen Frieden zu finden. Das Buch wühlt auf, lässt einen teilweise sprachlos zurück, verweist aber auch gezielt darauf, dass "gebildet" zu sein, mehr bedeutet als gute Noten auf dem Zeugnis zu haben. Es ist das Fundament dafür, um sich ein eigenes Verständnis von der Welt erschließen zu können und nicht auf die Ansichten und das Wissen anderer angewiesen zu sein.


Das Vogelhaus von Eva Meijer

September 09, 2018





Rezensionsexemplar (Original: "Het vogelhuis"/ 2016) btb Verlag, Übersetzer/in: Hanni Ehlers (aus dem Niederländischen),   ★★★★(☆) 4,5 Sterne
"Len Howard (1894-1973) verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem kleinen, abgelegenen Haus in Südengland. Sie veröffentlichte äußerst erfolgreiche Bücher über die Vögel, die sie in ihrer Umgebung beobachtete, galt als Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung. Die Grundlage ihrer Studien war das Vertrauen, das sie zu den scheuen Tieren aufbaute, sie erforschte ihren Gesang, ihren Charakter, ihre Eigenarten und Gewohnheiten in der Natur. Und tatsächlich wurde ihr Cottage ein echtes „Vogelhaus“, in dem die Meisen und Drosseln ein- und ausflogen – wenn es Len Howard denn gelang, unerwünschte Besucher fernzuhalten."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Die Vögel lehrten mich, dass individuelle Intelligenz für ihr Verhalten und ihre Entscheidungen eine weit größere Rolle spielen als biologische Neigungen oder das, was Wissenschaftler »Instinkt« nennen.“ S.23

Diese romanhafte Biographie kommt sehr unaufgeregt daher. Sie ist gefühlvoll und zart, aber auch träumerisch und poetisch. Und dennoch bleibt sie auf eigene Art und Weise schlicht. Für mich lag das vor allem an der Darstellung der Protagonistin, der Vogelkundlerin Len Howard. Sie geht von Anfang an ihren eigenen Weg, lässt sich von niemandem reinreden und hat auch kein Interesse daran, sich für andere Leute zu verbiegen. Sie weiß was sie will, wo ihre Interessen liegen und wie sie ihr Leben gestalten möchte.
Während der Geschichte wird natürlich auch deutlich, dass sich ihre Interessen wandeln und dass die Vögel immer mehr Platz in ihrem Alltag einnehmen.
Besonders dort lädt der Text sehr oft zum Schmunzeln ein, weil die Verhaltensweisen von Tieren und ihre Reaktionen spielerisch und recht lustig erzählt werden.
Das Buch versprüht zudem eine eigene kluge Darlegung der Vogelwelt und ist einladend, um weiteres Interesse an Vögeln und ihrem Verhalten zu entwickeln. Dabei bin ich aber der Meinung, dass das Buch trotzdessen keineswegs nur für Vogelinteressierte geeignet ist. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihr eigenes Glück im Leben sucht und nicht davor zurückschreckt anders zu sein.
Mir gefielen in diesem Zusammenhang auch die gelungenen Kapitelverknüpfungen zwischen den Vogelbeobachtungen, hier auch separat noch unterteilt in die Geschichte ihres Lieblingsvogels "Sternchen" und den anderen Vögeln, und den jungen Jahren von Len Howard (wenn auch teils natürlich fiktiv). Es gibt einfach grundsätzlich viele Passagen in denen man mitfühlt. Vielleicht auch vor allem dann, wenn diese (benötigte) Isolation der Vogelkundlerin präsent wird. Merkwürdigerweise fühlt man sich bei dieser aufgebauten Abgeschiedenheit von Menschen und der beschriebenen Zuwendung zu Vögeln eher wohl. Es fühlt sich ein wenig an wie Urlaub, an einem ruhigen, abgelegenen Ort, zusammen mit einer Erzählerin, die ohne Hektik und Aufdringlichkeit von ihrer liebsten Beschäftigung spricht.

"'Ein Geräusch lässt mich aufschrecken, die Augen öffnen, mich auf den Bauch drehen: Eine Ente. Sie akzeptiert meine Anwesenheit wie selbstverständlich, obwohl selten ein Mensch hierherkommt. Vielleicht gerade deswegen. Ich huste, sie erschrickt. »Pardon.« " S.169f.

Schön zu lesen waren für mich auch die vielen Verweise darauf, dass Len Howard den Menschen nie über das Tier, also auch über die Vögel gestellt hat. Sie sieht sie als ihre Freunde an und sieht in ihnen mehr als nur Gestalten, die sich durch die Lüfte bewegen. Dem Leser wird nahegelegt, dass Vögel auch individuelle Charaktere und Eigenschaften haben, die zum Vorschein kommen. So ist diese "Liebe" zu ihren Freunden seitens der Erzählerin immer spürbar. 
Abseits der vielen, schönen Vogelerinnerungen werden aber auch interessante Themen in Bezug auf den Menschen aufgegriffen. Dies geschieht meist in Verbindung zu Howards Familie oder den Menschen, die ohne Rücksicht Brutstätten zerstören. Zum Beispiel geht es um das Bedürfnis vieler, andere ständig belehren und verbessern zu wollen. Sie scheinen stets zu wissen, was das Beste für einen sei und haben dabei vielleicht ihr eigenes Leben kaum unter Kontrolle. Es geht dabei um das Vertrauen auf sich selbst, nach dem zu Streben, was einen vervollständigt.
Ebenso wird deutlich, dass Howard genug von zerstörerischen Machenschaften hat und sich wünscht, dass man die Natur in Frieden lässt. Hier wird auch ein Appell an die Leser deutlich, dass man nicht alles zubetonieren sollte, dass die Erde auch einfach die Möglichkeit haben muss zu atmen.
Das Buch macht wahnsinnig Lust darauf, sich mal die Zeit zu nehmen oder einfach mal stehen zu bleiben, wenn ein Vogel vorbeifliegt und ihn zu beobachten. Zu lauschen, welche Geräusche er macht, wie er kommuniziert. Denn nicht nur Menschen sind dazu in der Lage.
Besonders schön ergänzend und beeindruckend fand ich zum Schluss die angefügten Bilder von Vögeln, die bei Len Howard gewohnt haben. Man sieht, wie zugänglich sie sein können, wie viel Vertrauen sie einem schenken, wenn man ihnen nur mit Respekt und Zuneigung entgegentritt.

“»Aber mit Menschen kann man sprechen.« Der Student nickt über sein Heft.

»Die Vögel sprechen genauso. Mir ihrer Stimme, ihrem Körper, ihren Bewegungen. Außerdem garantiert menschliche Sprache nicht das gegenseitige Verständnis.« Worte können vertuschen, verschleiern, ein plötzliches Eigenleben entwickeln, lange nachdem sie ausgesprochen wurden.“
S.270


Ein Buch, das alles in sich trägt und doch keinen lauten Knall hinterlässt, sondern sich wohlig an den Leser anschmiegt. Diese romanhafte Biographie ist klug, träumerisch, aber auch präzise und bestärkend. Es werden sehr schöne Vogelbeschreibungen, wie auch Erinnerungen angeführt, wodurch sich ein Interesse für diese Tiere entwickelt. Zudem wird die Lebensgeschichte von Len Howard schön mit eingewoben, auch wenn man bei manchen Bekanntschaften nicht genau weiß, wie sie verblieben sind. Grundsätzlich ein schönes Buch, das uns dazu einlädt, die Augen in Bezug auf die die Natur offen zu halten und einen darin bestärkt seine Interessen zu verfolgen, auch wenn das bedeutet, "anders" zu sein.



August: Ein Sommer mit tausend Sonnen und einem geheimen Garten

September 04, 2018




Meist passt sich meine Lektüre erst im Herbst und Winter an die jeweilige Jahreszeit an. Im August gab es aber auch das eine oder andere Buch, welches sich perfekt zu den warmen Temperaturen und Sonnenstrahlen lesen ließ. 
Dazu zählten vor allem "A Thousand Splendid Suns", auch wenn das Thema nicht so sonnig ist und natürlich "A Secret Garden" mit den ganzen einladenden interaktiven Elementen. Bei Letzterem könnte ich wirklich sehr lange von der Aufmachung schwärmen. Ich liebe die Details, die mit aufgegriffen werden und auch die Begeisterung der Designer MinaLima für die Geschichten. So wird das Lesen selbst zum absoluten Ereignis und bei jedem Element, welches man neu aufdeckt, werden die Augen ein wenig größer. Aber auch die anderen Bücher konnten mich teilweise sehr gut unterhalten.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 

  • "A Thousand Splendid Suns" von Khaled Hosseini: Wie schon erwähnt, passten die im Buch beschriebenen, sehr warmen Temperaturen ganz gut zum (aktuellen) Sommer. Als ich das Buch in der prallen Sonne las, konnte ich mir diese Atmosphäre annähernd vorstellen. Abseits der Temperaturen fällt es dem Leser aber natürlich deutlich schwerer, bei den Schicksalen der Protagonistinnen eine Vorstellung davon zu bekommen, wie "schwierig" so ein Leben sein muss. Das Buch greift die Stellung der Frau auf - und diese ist steht immer unter dem Mann. Zudem wird die Zwangsehe junger Mädchen thematisiert und die Verantwortung für die Familien, die damit einhergeht. An sich ist es wirklich eine ergreifende Geschichte und einige Passagen fand ich wirklich stark. Allerdings hatte ich ganz zum Schluss das Gefühl, dass ein gewisser Teil doch an der Oberfläche geblieben ist. Manche Entwicklungen scheinen sehr konzipiert, auch wenn die Umstände authentisch scheinen. Auch wenn ich persönlich nicht komplett (aber zu großen Teilen) von der Geschichte eingenommen wurde, ist das Buch eine wichtige Stimme, um auf solche Situationen und Lebensweisen aufmerksam zu machen.
  • "Dinner mit Edward" von Isabel Vincent: Das Büchlein rund um die Freundschaft zwischen Isabel und Edward und deren gemeinsamen Gespräche war teilweise wirklich erfrischend, mir aber auch teilweise etwas zu unstimmig. Die Charaktere mochte ich mal mehr, mal weniger, doch letztlich blieben sie für mich nicht ganz greifbar. Isabel versucht ihre Lebensgeschichte mit der von Edward zu verknüpfen, dabei entstehen aber oftmals recht zusammengewürfelte Zeitabläufe und eingeworfene Schicksalsschläge, die einfach kurz noch eingeschoben wurden. Einige Kapitel waren aber wiederum überzeugend; ich mochte vor allem die Erinnerung Edwards an seinen Vater.
  • "Guten Morgen, Genosse Elefant" von Christopher Wilson: Sicherlich eines der ungewöhnlichsten Bücher, das ich seit längerem gelesen habe. Protagonist und Erzähler ist der zwölfjährige Juri. Wird von allen nicht wirklich ernst genommen und nach einem Unfall für "dumm" gehalten, dabei weiß er meist sehr genau, wie er durchs Leben gehen muss (auch wenn der Zufall manchmal mithilft). Einerseits mochte ich die Entwicklung der Geschichte, das Ende und die versteckten "Hinweise" zu verschiedenen Punkten. Ich mochte eigentlich auch den Erzählstil und die Einleitung in die eigentlichen Geschehnisse. Teilweise hat mich der Anfang auch an den Anfang von Foers "Alles ist erleuchtet" erinnert. Und dennoch war ich mir am Ende nicht sicher, ob mir einiges ZU konzipiert erschien. Im Nachklang verbinde ich mit dem Buch ein "gutes Leseerlebnis" und würde es wohl jedem empfehlen, der sich gerne auf ungewöhnliche Erzähler einlässt und sich mit aufgegriffenen, politischen Themen auseinandersetzt.
  • "Monsters of Men" von Patrick Ness (Chaos Walking Trilogy #3): Mein noch aktuelles "currently reading". Aber definitiv gefällt mir bisher auch der letzte Teil der Trilogie, da eine neue Erzählerstimme hinzukommt, die einiges Licht ins Dunkel bringt.
  • "The Moment of Everything" von Shelly King: Leider blieb das Buch für mich etwas zu wenig ausgearbeitet. Besonders die Notizen, die im Klappentext so eine wichtige Rolle zu spielen scheinen, kamen mir zu kurz. Die Passagen die allerdings den Alltag in der Buchhandlung beschreiben sind sehr charmant. Wer also auf der Suche nach einer kurzweiligen Lektüre ist, die das "Buchhandlungsleben" aufgreift, der ist hiermit ganz gut aufgehoben. Mit wirklichen "Krachern" hinsichtlich der Entwicklung der Geschichte ist aber eher nicht zu rechnen.
  • "The Secret Garden" von Frances Hodgson Burnett: Wer den Klassiker noch nicht gelesen hat (oder nur als Film gesehen hat), dem kann ich das Buch nur empfehlen. Es ist nicht nur eine sehr schöne Geschichte, sondern ist durch diese speziellen interaktiven Elemente ein wirklicher Hingucker.

Was waren eure Favoriten im August? Habt ihr eine passende "Sommer"-Liste gehabt?


Geburtstagsneuzugänge

August 30, 2018





Der August brachte so einige Bücher mit sich. Viele kennen es vielleicht: wenn man Geburtstag hat, wünscht man sich ja eigentlich immer Bücher. Ich lasse mich meist auch gerne überraschen. Leider stehen dann meist Freunde und Familie vor der schwierigen Frage, was man denn jemandem schenkt, der schon unzählige Bücher gelesen hat. 
Manchmal gebe ich den einen oder anderen Tipp, manchmal bin ich aber wahnsinnig gespannt darauf, was jemand von sich aus aussucht. 
Ich weiß, für viele ist das eine stressige Aufgabe, nach dem richtigen Buchgeschenk zu suchen, aber ich habe mich wahnsinnig über jedes einzelne Buch gefreut und kann immer nur wieder betonen, dass ich mich immer über Bücher freue, auch wenn viele sagen "du hast doch schon so viele". 

Zusätzlich gab es auch noch das eine oder andere buchbezogene Geschenk über das ich mich freuen durfte. Zum Beispiel eine kleine "Secret Box" mit dem Titel "book-lover", in dem ich nun meine kleinen Metall-Lesezeichen aufbewahren werde. Auch eine kleine Stiftetasche mit Winnie-Pooh-Motiv durfte neu einziehen. Ich war zwar schon immer verrückt nach solchen Sachen, aber nach der Neuverfilmung des Disney-Klassikers bin ich erneut hin und weg von den Geschichten.
Zudem habe ich mich selbst auch mit den Magnet-Lesezeichen von Jane Austen und einer kleinen Büchertasche beschenkt. 

Aber nun zu den wichtigeren Sachen - den Büchern: 

  • "I am Heathcliff" (herausgegeben) von Kate Mosse: Der Sammelband enthält einige Geschichten, die sich mit der Figur Heathcliff aus Emily Brontes "Wuthering Heights" befassen. Da ich den Roman vor kurzem gelesen habe, bin ich nun wahnsinnig neugierig, wie diese Geschichten daran anpassen.
  • "The Wizard of Oz" von Frank L. Baum: Diese Penguin Deluxe Edition besteht aus den ersten Drei Büchern. Meine Schwester hat damit wirklich ins Schwarze getroffen, denn ich hatte mir vor einiger Zeit in einem Antiquariat den vierten Teil (oder fünften?) gekauft und hatte es nicht wirklich gemerkt. Nun kann ich von vorne beginnen und die Geschichte als Ganzes kennenlernen.
  • "Das Gegenteil von Einsamkeit" von Marina Keegan: Ein Geschenk an mich selbst. Habe das Buch auf einem "Reduziert-Stapel" entdeckt. Es wurde damals wahnsinnig gelobt, auch wenn man heraushören konnte, dass wohl viele von der privaten Geschichte der Autorin "beeinflusst" waren. Ich habe in die Einleitung rein gelesen und war sofort angetan, daher freue ich mich schon sehr auf die Essays und Geschichten von Marina Keegan.
  • "Mister Weniger" von Andrew Sean Greer: Hier wurde nach Tipps auf meinem Blog gesucht. Den Roman "Ein unmögliches Leben" habe ich damals sehr gut bewertet und habe ihn auch sehr gemocht. Daher bin ich gespannt, ob Greer mich auch mit dieser Geschichte mitreißen kann.
  • Das nächste Buch habe ich tatsächlich schon vor gefühlt drei Monaten bestellt. Er war danach leider erst einmal nicht mehr in gebundener Form lieferbar. Nun habe ich mich umso mehr gefreut, als das Buch auf einmal doch noch ankam. "The Silent Companion" von Laura Purcell passt denke ich perfekt in die Herbstzeit und wird mich sicherlich an Halloween in perfekte Gruselstimmung versetzen. 
  • "Vanity Fair" von William Makepeace Thackeray ist in dieser Ausgabe einfach nur ein wahnsinniger Hingucker. Lange schon wollte ich den Klassiker lesen, konnte mich aber für keine Ausgabe entscheiden. Dann habe ich diese entdeckt und war schockverliebt. Das Cover wurde vom Künstler Donald Urquart designed und enthält zudem auch zahlreiche Illustrationen im Inneren. Da macht das Lesen eines solchen Brockens doch gleich doppelt so viel Spaß.
  • Das letzte Buch "Das Vogelhaus" von Eva Meiijer ist noch als Rezensionsexemplar angekommen. Ich bin auch hier wahnsinnig gespannt auf den Inhalt. Ich habe bereits von einem ihrer anderen Bücher gehört, als sie bei "Druckfrisch" zu Gast war und es klang vielversprechend. Mal sehen, ob sich das hier auch bewahrheitet.

Freut ihr euch auch, wenn ihr noch Nachzügler bekommt, von denen ihr dachtet sie seien nicht mehr lieferbar? Benutzt ihr bestimmte Buchtaschen/ Buchhüllen und könnt welche empfehlen?





Dinner mit Edward von Isabel Vincent

August 21, 2018



Werbung - Rezensionsexemplar (Original: "Dinner with Edward: A story of an unexpected friendship"/ 2016) Heyne Verlag, Übersetzer/in: Ronald Gutberlet (aus dem Amerikanischen),   ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
"Zu ihrem ersten Dinner mit Edward erscheint Isabel mit einer Flasche Wein, aber ohne große Erwartungen. Eigentlich ist sie nur hier, weil ihre Freundin sie um den Gefallen gebeten hat, bei ihrem alten Vater nach dem Rechten zu sehen. Doch der Mann, der jetzt in der Küche steht und Hühnchenbrust und luftiges Aprikosen-Soufflé für sie zubereitet, steckt voller Überraschungen. Isabels Besuch ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe von unvergesslichen Abenden, in deren Verlauf Edward zu ihrem teuren Freund und Ratgeber wird. Mit seiner Hilfe gelingt es ihr, das Leben neu zu betrachten und frische Wege einzuschlagen. "

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Ich weiß nicht, ob die Aussicht auf ein Abendessen mich reizte, oder ob ich mich so einsam fühlte, dass mir sogar ein Rendezvous mit einem Neunzigjährigen attraktiv erschien." S.12

Es gibt so Bücher, die findet man irgendwie charmant und herzerwärmend, die aber nicht ganz überzeugen können. Bei mir ist das bei "Dinner mit Edward" leider auch der Fall. Und ich sage hier wirklich leider, weil ich dachte, das Buch würde ein komplettes "Feel-Good"-Buch werden. 
Warum das bei mir nicht ganz so rüberkam, hat wohl vorrangig zwei Gründe.
Zum einen konnte ich einfach nicht mehr davon lesen, dass wirklich für gefühlt alles Schweinefett verwendet und auch fortlaufend überwiegend sonstige tierische Zutaten serviert und beschrieben werden. Ganz klar, das ist ein sehr subjektiver Aspekt, den viele nicht annähernd störend finden werden, aber bei mir hat sich dadurch nicht das Gefühl eingestellt, dass ich gerne bei den meisten Abendessen dabei gewesen wäre. 
Zum anderen konnte ich mich nur sehr schwer komplett auf Isabel und Edward einlassen. Die Erlebnisse, die Dinner und die Gefühlswelt wird irgendwie so im Zeitraffer, aber manchmal diffus zusammengewürfelt, erzählt, dass es mir manchmal zu chaotisch vorkam. Immer mal wieder greift Isabel Vincent dann Vergangenes wieder auf und versucht daraus etwas Neues zu machen. Ich persönlich fand es tatsächlich etwas unharmonisch. Die Treffen selbst sind zwar natürlich immer durch das erwähnte Menü im Zentrum, werden aber oftmals doch irgendwie nur kurz erwähnt und durch persönliche Rückblenden ergänzt. Hier bin ich mir selbst noch unschlüssig, ob mir die Abende selbst dann zu knapp abgehandelt wurden oder ob es dadurch etwas abwechslungsreicher wirkte.

"'Ich koche einfach, Darling' , sagte er, als ich ihn fragte, warum er keine Kochbücher benutzte. 'Ich denke nicht mal darüber nach, wie ein Rezept sein könnte.Ich möchte mich nicht mit irgendwelchen Vorschriften herumschlagen. Für mich hat das nichts mit Kochen zu tun - man klebt doch bloß an einem Stück Papier.'" S.18

Die beiden Charaktere konnte ich nicht wirklich einschätzen. Beide wirken eigentlich sehr charmant, liebevoll und so, als seien sie einfach sehr verletzlich und doch wusste ich bei manchen Aussagen seitens Edward gar nicht, wie ich dazu stand. 
Da lässt er dann Sätze fallen wie: "'Ja, das betont deine Figur. [...] Wobei ich bis eben gar nicht gewusst habe, dass du eine Figur hast. Nicht umwerfend, aber sehr schön." Und anstatt solche Aussagen zu hinterfragen und dem Leser zu zeigen, dass es vielleicht nicht gerade das Ziel einer jeden Frau ist, vierundzwanzig Stunden wie die verführerischste Person auszusehen und sich zu schminken (was noch durch "Edward rügte mich sofort, weil ich seiner Ansicht nach nicht genügend Make-Up verwendet hatte" ergänzt wird), lässt sich die Autorin irgendwie nur "mitschleifen". Natürlich wird die charmante Art und das "Gentleman-hafte" an Edward ebenfalls erwähnt, genauso wie seine eigentlich nur guten Absichten, aber manche Sätze kamen so merkwürdig daher, dass man dachte, es handele sich eigentlich um vier und nicht zwei Personen, da deren Eigenschaften so schwankend und manchmal uneinig wirkten.
 
Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch genau solche Passagen und Eigenschaften im Buch, die ich mir davon erhofft hatte. Es gibt auch einige sehr schöne Aussagen, die darauf abzielen, dass der Leser sich Gedanken über seine Mitmenschen macht, dass man hinterfragt wie man eigentlich mit seinen Mitmenschen kommuniziert, wie viel Zeit man sich für sie nimmt und was uns eigentlich wichtig ist.
Meine Lieblingsstelle, so traurig sie auch eigentlich ist, war zudem die Erwähnung des Todesfalls von Edwards Vater. Diese eine Stelle hat mich so getroffen, weil sie einfach so etwas "Tragendes" für das gesamte Buch und die gesamte Botschaft hatte.
Und irgendwie kann man die beiden, Isabel und Edward, doch nicht ganz zurücklassen. Auch wenn ich mich nicht komplett mit ihnen anfreunden konnte, habe ich das kurze Dinner-Tagebuch mit ihnen (mit einigen Ausnahmen) dennoch irgendwie gerne erlebt.

“ich war freiwillig in Krisengebiete gereist, hatte über Kriege in Afrika und Drogenschmuggel in Südamerika berichtet. Und ich hatte geglaubt, diese Erfahrungen seien mehr wert als der dumpfe Alltag. Ich hatte immer in der Überzeugung gelebt, dass das Paradies irgendwo anders war. Aber Edward wusste es besser.” S.193


Ein Dinner-Erlebnis, das neue Freundschaften hervorbringt. Grundsätzlich ein schönes "Tagebuch" der erlebten Treffen zwischen Isabel und Edward, jedoch für mich mit einigen unpassenden Äußerungen und manchmal "unstimmigen" Bildern der Charaktere.Vielleicht liegt mein teilweise enttäuschter Eindruck aber nur daran, dass ich mir zu viel und etwas zu Perfektes erwartet habe, vielleicht sollte man auch akzeptieren können, dass die wahren und echten Geschichten sich eben nicht komplett wie ein vollkommener Roman lesen.