Seasons Edition: Summer - Classics

Im Januar gab es hier einen Beitrag über die englischensprachigen Seasons Edition: Winter Classics, welche im Thomas Nelson Verlag erschienen sind. Nun folgte Ende Juni die nächste Jahreszeit, nämlich der Sommer! 

Auch hier gibt es wieder vier Klassiker, die thematisch zu der Jahreszeit passen oder überwiegend im Sommer spielen. Dieses Mal sind "Jane Eyre" von Charlotte Bronte, "The Wonderland Collection" von Lewis Carroll, "Persuasion" von Jane Austen und "The Adventures of Huckleberry Finn" von Mark Twian vertreten.
Das Prinzip des Sets ist im Grunde gleich geblieben, es gibt allerdings doch einige Änderungen, die ganz erwähnenswert sind. Daher folgt eine kleine Aufzählung, was geblieben ist und was wir eventuell Neues vorfinden.

 

DAS IST GEBLIEBEN:

  • Limited Editions: Die Editionen sind auf 10.000 Kopien festgelegt und es wird keine Neuauflagen geben. Das bedeutet, dass es alles Erstausgaben sind. Perfekt für Sammler also. Jede Ausgabe wird mit der dazugehörigen Nummer von 1-10.000 versehen.
  • Laser Cut Cover: Der Schutzumschlag wurde auch hier durch eine Laser Cut-Methode ausgeschnitten und ist somit ein wirklicher Hingucker.
  • Bunte Farben & Goldprägungen: Alle Ausgaben sind unter dem Schutzumschlag bunt und haben eine andere Farbe. Hinzu kommen die kleinen goldenen Details, die man auf den Büchern findet (Titel vorne auf dem Cover und das Zitat hinten auf dem Buch). 
  • Innengestaltung: Auch das Innere ist so aufgebaut, wie die ersten vier Seasons Edition Winter Ausgaben. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ganze Seiten, die ein schönes Zitat aufgreifen. Dieses ist dann mit der passenden Farbe und Grafiken hervorgehoben.

DAS IST NEU:

  • Blau statt weiß: Alle Schutzumschläge sind diesmal hellblau und nicht weiß. Blickt man auf die im März 2021 folgenden Frühlingseditionen in hellgrün, scheint mir das recht passend. So hat jede Jahreszeit ihre Farbe und sticht ein wenig hervor.
  • Lesezeichen!: Die vielleicht schönste Erneuerung ist wohl, dass jedes Buch der Sommeredition mit einem passenden Lesezeichen daherkommt. Ebenfalls in hellblau und ausgeschnitten mit der Laser-Cut-Technik. Das Motiv wurde von den jeweiligen Covern entnommen. Die Lesezeichen sind alle an dem kleinen Pappzusatz hinten am Buch, in einem kleinen Folienschutz, befestigt.
  • Kein bunter Buchschnitt: Diese vier Ausgaben haben leider keinen bunten Buchschnitt mehr, das heißt hier sind sie klassisch weiß. Da die Buchumschläge aber nicht mehr so dezent sind, finde ich es gar nicht so schlecht, sonst hätte es schnell überladen wirken können.
  • Keine bunten Lesebändchen. Ebenfalls nicht mehr bunt, sondern einheitlich sind nun die Lesebänden in hellblau. Auch hier finde ich es aber passend.
  • Verstärkter Schutzumschlag: Nicht so wichtig, aber dennoch für einige vielleicht interessant. Die älteren vier Ausgaben waren etwas anfälliger, um vielleicht an gewissen Stellen einzreißen. Diese Buchumschläge wirken etwas fester. Zudem kommen alle Bücher zusätzlich mit einem noch einmal verstärkten Schutz. Dieser ähnelt den durchsichtigen Hüllen, die man so für Schulbücher verwendet. Die kann man natürlich abnehmen, damit die Bücher noch schöner wirken, wer allerdings vielleicht vor einem Umzug steht, wird sich sicherlich freuen, die empfindlicheren Bücher damit etwas schützen zu können. 

Gefällt euch eine der Editionen besser (Winter oder Sommer)? Oder gefallen euch beide, trotz kleiner Unterschiede?


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Mai und Juni: Weniger ist mehr? Und neue Playlist

Juli 02, 2020

Was für eine erste Jahreshälfte. Ich dachte ja schon im April wäre der Höhepunkt erreicht, aber schlimmer geht wohl immer. 
Leider hat sich die allgemeine Stimmung auch irgendwie auf mein Leseverhalten ausgeweitet, denn in den letzten zwei Monaten habe ich viel weniger gelesen, als ich eigentlich vorhatte. Es lag einfach daran, dass natürlich die Zeit knapp war und dass ich mich nicht unbedingt leicht auf alle Romane konzentrieren konnte. Meine Penguin Vitae Box steht nun auf meiner Juli Leseliste und ich hoffe, dass ich nun zumindest schaffe "Sister Outsider" zu lesen!

Bei mir ist es so üblich, dass ich in einer Musikschleife festhänge, wenn ich nicht so viel lese. Dieses Mal hat sich meine Playlist wieder einmal um ein gutes Stück erweitert. Habt ihr das auch, dass ihr bei ganz bestimmten Liedern plötzlich voller Tatendrang strotzt, am kreativsten seid oder einfach am besten arbeiten könnt? 
Derzeit habe ich ständig Youtube an (kein Spotify? Ich weiß, ich bin Oldschool...aber ich mag es irgendwie mir die Musikvideos dazu anzusehen – visueller Typ und so?) und lasse meine ganzen Listen durchlaufen und spule immer wieder zurück. Dabei sind die Lieder alle so unterschiedlich, dass ich gar nicht weiß, wieso mein Kopf sich immer denkt, dass ich diese Lieder gerade so brauche. Hier mal ein kleiner Einblick:
  • "Adore You" von Harry Styles: Ich habe absolut keine Ahnung, warum ich das Lied so sehr mag. Hatte es einmal im Radio gehört, dann gesucht und nun macht es mir einfach gute Laune und ich kann gleichzeitig alle Aufgaben einfacher abarbeiten. Vielleicht mag ich das Lied auch einfach nur durch das dazugehörige Video so gerne. Ist wohl auch so ein Tick von mir. Wenn mir das Musikvideo gefällt, steigt mein Interesse an dem Lied plötzlich auch noch einmal an.
  • "Kiwi" von Harry Styles: Pluspunkt vom Audioplay bei Youtube: Ich werde auf Lieder aufmerksam, die schon relativ alt sind (2017), aber genau meinen Geschmack treffen. "Kiwi" wurde reingespült, als ich erstes Lied in Dauerschleife gehört habe und es darf nun auch auf der Playlist bleiben. 
  • "Everything I wanted" von James Arthur (Billie Eilish Cover) & "Blue Lights" (Jorja Smith Cover): Schön ruhig und naja, ich mag die Stimme von James Arthur einfach. 
  • Daher auch "Finally Feel Good" von James Arthur: Typisches Lied, das ich anschmeiße, nachdem ich mir meinen Kaffe gemacht habe und die Laptops hochfahre.
  • "Don´t Let go (Love)"& "Would I Lie" von Bastille ft. Craig David, Kianja, Swarmz: Beides Cover, aber schön neuinterpretiert.
  • "Sunlight" von Hozier: Brauche einfach immer auch etwas Rockiges! 
  • "Told you so" & "Now" von Paramore: Die Band ist einfach seit meiner Jugend haften geblieben. Wird wohl auch immer so bleiben. Die beiden Lieder sind gerade ebenfalls meine Favoriten.

Aber nun zu den Büchern! Die Anzahl der Bücher selbst ist wie gesagt recht überschaubar, dafür sind einige Bücher aber von der Seitenanzahl selbst ziemlich umfangreich. Daher auch das "Weniger ist mehr": 

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 
  • Peculiar Children #1-3 von Ransom Riggs: Die drei Bände habe ich gemeinsam mit meiner Schwester gelesen. Das ging tatsächlich auch recht zügig, da die Bücher spannend waren und wir natürlich unbedingt wissen wollten wie es weitergeht. Mir haben die Einfälle ziemlich gut gefallen und auch zu den Figuren habe ich nach und nach eine gute "Bindung" aufbauen können. Ich weiß hier aber tatsächlich nicht, ob ich gewisse Details oder Veränderungen aus der ersten Verfilmung nicht sogar etwas charmanter fand. Band zwei und drei waren rein inhaltlich etwas stärker, da einfach mehr passiert und sich viele Geheimnisse offenbaren. Die erwähnten Tiere von der Insel waren für mich ein kleines Highlight! Die nächsten drei Bände werden also ganz sicher auch noch gelesen.
  • "Hamnet" von Maggie O´Farrell: Eines meiner neuen Favoriten. Ich mochte ehrlich gesagt fast alles daran. Die Stimmung ist so schön geheimnisvoll und atmosphärisch und auch der Erzählstil hat mir gut gefallen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich das Buch noch einmal im Herbst / Winter lese, wenn es stimmungsmäßig noch besser passt. O´Farrell hat hier den Fokus sehr schön auf die Familie als solches gelegt und nicht den Trick angewandt und den Namen "Shakespeare" reingeschmissen, um den oder die Leser*in damit zu locken.
  • "Walden" von Henry D. Thoreau: Ich war letztlich leider mehr als enttäuscht von dem Klassiker. Wir haben einfach nicht zusammengepasst. Mir gefiel der Ton des Autors überhaupt nicht und irgendwann war mir das Gesagte dann auch schon zum Ende hin beinahe egal, obwohl es schöne Überlegungen zu der Lebensweise des Menschen gibt!
  • "Das sternenlose Meer" von Erin Morgenstern: Ebenfalls ein Favorit! Habe mich sogar dazu entschlossen, das Buch noch einmal in der englischen Version zu kaufen, weil ich die Stellen, die mir so gefielen, auch im Original lesen wollte. Die Stimmung ist schon sehr eigen und auch diese sprunghafte, verschachtelte Erzählweise mag vielen nicht gefallen, mich hat es aber tatsächlich direkt in den Bann gezogen und je weiter ich in der Geschichte vorangekommen bin, desto mehr habe ich mich in alles darin verliebt!
  • "The Missing of Clairdelune" (The Mirror Visitor #2) von Christelle Dabos: Für mich ein gelungener zweiter Teil der Reihe. Den Anfang fand ich noch so lala, das Ende hat mich dann aber doch sehr neugierig gemacht. Ich mag die neue Ebene der Geschichte, die hier aufgebrochen wird, da ich für solche Handlungsstränge die Richtung Mythologie gehen sehr zu haben bin. Es ist etwas schwierig hier Näheres zu verraten ohne zu spoilern, daher einfach: Es lohnt sich dranzubleiben.
  • "Miracle Creek" von Angie Kim: Am letzten Tag des Monats noch zu Ende gelesen. Bin weiterhin etwas zwiegespalten. Wie ich schon sagte, ich habe die Figuren schnell loslassen können, was irgendwie schade ist. Wenn ich aber gezielt an gewisse Handlungsstränge oder Kapitel denke, ploppen weiterhin wichtige Überlegungen auf, die ich wertvoll finde und die mir den Roman dann wieder stärker erscheinen lassen.

Zwei Monate verfliegen wirklich schnell... Was habt ihr so im Mai und Juni gelesen? Könnt ihr euch momentan aufs Lesen konzentrieren oder hört ihr auch lieber Musik (spielt Spiele etc.?)

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Miracle Creek von Angie Kim

Juli 01, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Miracle Creek"/ 2019), hanserblau Verlag (2020), Übersetzer/in: Marieke Heimburger (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger autistischer Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen. "
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"Ein Kind mit besonderen Bedürfnissen zu haben, veränderte einen Menschen nicht einfach nur - es verwandelte ihn, transportierte ihn in eine andere, parallele Welt mit ganz eigenen Naturgesetzen." S.51

Ich muss sagen, als ich die Inhaltsangabe gelesen habe, dachte ich nicht, dass der Roman so vielschichtig sein und gleichzeitig so viele wichtige und ernste Themen ansprechen würde. Obwohl ich an der Geschichte relativ konstant interessiert gewesen bin und den Figuren aus Miracle Creek, in Anbetracht der schrecklichen Geschehnisse, gerne durch deren Leben und Erlebnisse gefolgt bin, habe ich lange mit mir und der finalen Beurteilung gehadert.

Das lag größtenteils daran, dass ich, wie schon angedeutet, dem Roman gegenüber eigentlich nie wirklich abgeneigt war. Mir schienen zwar einige kleinere Handlungsstränge schon zu viel, zu ausladend und gleichzeitig (paradoxerweise) zu wenig beleuchtet zu sein, aber ansonsten habe ich mich mitgerissen gefühlt, weil man natürlich herausfinden möchte, was nun wirklich geschehen ist und welche Geheimnisse offenbart werden.
Andererseits jedoch habe ich mich ständig dabei ertappt, wie ich dachte, dass dieses oder jenes sehr einseitig betrachtet wird. Besonders stark viel mir das im Handlungsstrang von Henry und seiner Mutter auf. Seine autistische Art wird zwar von allen Seiten "beleuchtet" und aufgrund von Demonstranten oder Freunden der Familie dargestellt, aber stets schwang dieses Gefühl mit, dass man in unserer Gesellschaft mit "so einem Kind" benachteiligt bleibt. Das Traurige dabei ist jedoch, dass ich dafür den Text kritisiert habe, wo doch gerade dadurch aufgezeigt wird, dass unsere Gesellschaft tatsächlich so denkt und dies auch als Gedankenfragment bei den Eltern der Kinder hängen bleiben kann. 
Ich fand dieses Thema im Roman letztlich doch ganz gelungen umgesetzt, allerdings hätte ich mir vielleicht eine noch stärkere Stimme darin gewünscht, die gerade unsere "normale" Gesellschaft dahingehend sensibilisiert und aufzeigt, dass wir es sind, die aufhören müssen, das Leben, wenn es nicht perfekt ist, als makelhaft anzusehen.

"Miracle Creek sah nicht aus wie ein Ort, an dem sich je Wunder zutrugen, außer vielleicht jenes, dass Menschen hier jahrelang lebten, ohne vor Langeweile durchzudrehen."  S.23

Neben diesem doch großen Thema im Roman geht es allerdings auch um die eigene Identität und die Schwierigkeiten die aufkommen, wenn man in ein fremdes Land zieht und dort versucht eine bessere Zukunft für sich und seine Familie aufzubauen. 
Auch diesen Handlungsstrang fand ich im Großen und Ganzen geglückt, aber mir fehlte immer so ein Quäntchen des Gefühls, dass ich die Figuren wirklich als Personen wahrnehme, dessen Schicksal es tatsächlich gibt. Manchmal dachte ich, das stellt sich noch zum Ende hin ein und diese Mauer der Distanz wird durchbrochen, aber leider blieb eine gewisse Distanz bis zum Schluss bestehen, sodass ich die Figuren zwar irgendwie mochte, sie letztlich aber ohne große Probleme loslassen konnte. Dabei gingen mir die vielen Gedanken und Erlebnisse größtenteils durchaus nahe. Das ist daher auch ein Punkt, der dazu geführt hat, dass ich in meiner Bewertung ständig geschwankt bin. 

Ich glaube ein wenig "enttäuscht" war ich zum Schluss auch, dass ich bereits schon zu Beginn das Ende so vermutet habe, wie es letztlich gekommen ist. Zwar mindert das durchaus keineswegs die Inhalte bezüglich der Themen wie Familie, Zusammenhalt, Akzeptanz und Liebe, aber irgendwie blieb dann für mich persönlich ein wenig der Moment aus, an dem ich den Roman vielleicht noch auf einer anderen Ebene spannender gefunden hätte.
Ein Pluspunkt war allerdings die Herangehensweise hinsichtlich der Erzählart und allgemein der Aufbau durch die Gerichtsverhandlung. Das hat ein gutes Tempo vorgelegt. 

Gut fand ich rückblickend grundsätzlich die vielen Blickwinkel auf die Situationen. Man kann jeden Strang irgendwie nachvollziehen und fühlt zum Beispiel mit den Müttern mit, die sich einerseits für alles schuldig fühlen, ständig ihr Bestes geben und doch auch mal die Kontrolle verlieren und somit eine Reihe von schwerwiegenden Fehlern lostreten können. Dann aber die Demonstrantinnen, die denken, die Mütter seien Kontrollfreaks, gleichzeitig aber natürlich überhaupt nicht einschätzen können, was dies wirklich bedeutet oder grundsätzlich alle drumherum, die einfach versuchen irgendwie ihr Leben bestmöglich zu leben, sich aber ständig unter Druck gesetzt fühlen. Von der Familie, von der Arbeit, von der Gesellschaft... Und doch liest man alles und denkt sich: Was ist nur los mit dieser Stadt, dieser Welt und den teilweise absurden Ansichten, die wir über Menschen und das Leben so haben. Warum ist alles stets nur dann gut, wenn es die Mehrheit als "normal" , "schön" oder "wertvoll" ansieht?
Insgesamt ein Buch also, dass durchaus viele Überlegungen aufwirft, kritisch ist und gleichzeitig das Wichtigste, die Liebe zwischen den Menschen, nie ganz aus den Augen verliert.

Ich komme also nicht umhin zu sagen, dass ich trotz meiner persönlichen Hin- und Hergerissenheit die angesprochenen Themen wertvoll und auch die Umsetzung an vielen Stellen sehr geglückt finde. Daher würde ich den Roman wohl empfehlen, aber immer mit dem Verweis darauf, dass man selbst noch einmal ein kritisches Auge auf das Geschriebene und die eigentliche Intention dahinter werfen sollte. Der für mich emotionalste Handlungsstrang war tatsächlich der, in welchem Elizabeth ihr Leben mit ihrem Sohn Henry schildert.

"Aber so läuft das Leben nicht. Eine Tragödie macht einen nicht immun gegen weitere Tragödien, und Schicksalsschläge werden nicht gerecht hier und da verteilt - mit Unglück wird klumpenweise, gebündelt nach einem geworfen, unkontrollierbar und chaotisch. Wie konnte er das nicht wissen, nach allem was wir durchgemacht hatten?" S.10


Ein recht komplexer und vielschichtiger Roman, der wichtige Themen aufgreift. Vorrangig geht es hier wohl um die Liebe und Beziehung zu den eigenen Kindern. Geglückt ist für mich vor allem, dass alle Schicksale aufzeigen, was es bedeutet, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um den eigenen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen zu können und sich dabei ein stückweit selbst und das Wesentliche aus den Augen verliert. Es ist eine Geschichte, die sich zudem mit der Zugehörigkeit in dem eigenen oder einem fremden Land beschäftigt, die versucht, im Ansatz die Herausforderung mit Kindern mit "besonderen Bedürfnissen" zu verdeutlichen und somit viel Zündstoff für Diskussionen bereithält. 

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The Missing of Clairdelune (The Mirror Visitor #2) von Christelle Dabos

Juni 23, 2020

(Original: "La Passe-Miroir. Livre 2. Les Disparus du Clairdelune"/ 2015) Europa Editions (2019), dt. Ausgabe "Die Verschwundenen des Mondpalasts", Übersetzer/in: Hildegard Searle (aus dem Französischen), ★★★★☆ 4 Sterne
Dies ist der zweite Teil einer Reihe  // Rezension zu Teil eins "A Winter´s Promise" 
Als Ophelia dazu aufgefordert wird, für Farouk, den Geist der Vorfahren des Pols, als Geschichtenerzählerin zu dienen, findet sie sich selbst in einer Situation wieder, in welcher sie im Rampenlicht steht. Ihre Gabe - eine Fähigkeit, die Geschichte von Gegenständen lesen zu können, ist nun ebenfalls allen bekannt. Doch dies führt dazu, dass auch mögliche Feinde auf sie aufmerksam werden.
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"Cunegond winked at her, briefly revealing the tattoo on her eyelid. 'Objects hold no secrets for you. In other words, you´re likely to reveal all the court´s secrets, and believe me,' she whispered very quietly, 'they are innumerable'."  S.43

Teil zwei der "The Mirror Visitor"-Reihe war anders, als ich es mir anfangs vorgestellt hatte. Einige Sachen wurden sehr lange zurückgestellt, von denen ich erwartet hatte, dass sie ein prägendes Element der Geschichte bleiben. Andere Dinge hingegen wurden so geschickt eingebaut, dass ich positiv überrascht war. 

Was mich anfangs verwundert hat, war, dass Ophelias Möglichkeit, durch Spiegel zu reisen, kaum genutzt oder erwähnt wurde, dabei heißt die Reihe ja "Die Spiegelreisende". Das war ein Punkt, den ich tatsächlich etwas schade fand. Zwar nimmt es nach und nach wieder Fahrt auf, aber ich hätte mir da doch eine stärkere Ausarbeitung gewünscht. Mir erschien auch leider generell die erste Hälfte relativ zäh und zu ausgedehnt. In der zweiten Hälfte kriegt man alles um die Ohren geworfen, sodass man einfach das Gefühl hat, dass das Verhältnis zwischen Spannung und Auflösung nicht ganz ausgeglichen ist. Dennoch konnten die guten Entwicklungen zum Schluss mein Interesse auf den nächsten Teil definitiv erneut entfachen!

"Ophelia felt as if she was in posession of nearly all the pieces of the jigsaw puzzle. If onnly her head could have stopped spinning for one moment, she might have been able to fit them together..."  S. 400

Die Beschreibungen der Welt(en) wird weiterhin fortgeführt, wie wir es aus Band eins eigentlich kennen, jedoch wird hier auch erneut und ausführlicher auf die Machtstrukturen, die Vergangenheit und die nun noch näher bekannten Familienkonstellationen verwiesen.
Mir gefiel, dass die Leser*innen deutlich stärker gefragt sind, was das Aufspüren von Hinweisen betrifft. Zudem kommt man auch endlich dem Geheimnis dieser Gedankenschnipsel zwischen den Kapiteln deutlich näher. Daher würde ich wohl sagen, dass ich trotz einiger Abzüge, den zweiten Teil stärker einschätze, als den ersten. Vielleicht nicht zwingend verwunderlich, da es keiner kompletten Einführung mehr bedarf und man den Handlungsstrang fokussierter ansetzen kann.

Zu den angesprochenen Gedankenschnipseln: Ich denke, diese haben das Buch weitestgehend getragen. Zusammen mit dem Ende des zweiten Teils ergibt es einfach eine wahnsinnig spannende Geschichte, die zwar erneut sehr viele Fragen aufwirft, die aber dafür sorgt, dass man ein tieferes Verständnis für die "Ur-Geister" der Arks bekommt. Soviel sei verraten, es geht insgesamt auch in die mythologische Richtung, was ich persönlich immer besonders liebe. Für alle, die also ebenfalls daran Interesse haben und mit sich hadern, ob sie die Reihe fortsetzen sollen: ich würde den zweiten Teil sicherlich noch empfehlen.

Die Figuren selbst und deren Entwicklung sehe ich etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite, habe ich schon erwähnt, bekommt man natürlich mehr Informationen zu ihnen und versteht immer besser, wie sie denken und warum sie so handeln, wie sie eben handeln. Auf der anderen Seite, hatte ich manchmal das Gefühl, dass bei all den Beschreibungen immer noch vieles auf der Strecke bleibt. Das kann natürlich noch daran liegen, dass zwei weitere Bände vorliegen und man noch eine Steigerung erwartet (erwarten soll), aber an der einen oder anderen Stelle hatte ich gehofft, endlich viel mehr Interaktion und deutlich aufschlussreichere Gespräche zwischen Ophelia und Thorn präsentiert zu bekommen. Da ich aber nun sicherlich noch zu dem nächsten Teil greifen werde, lege ich das vorerst nicht als gänzlich negative Kritik aus, da man schon spürt, dass Thorn sozusagen ein Ass im Ärmel haben könnte.


Gelungener zweiter Teil der Reihe, auch wenn mich die zweite Hälfte deutlich stärker packen konnte, als die erste. Anfangs wirkt alles noch recht lose und sehr ausufernd, zum Ende hin wird es spannend und das betrifft die Handlung selbst, wie auch die Gedanken, die sich um die Welt, die Geister und die 'Arks' drehen. Einige Aspekte sind mir vielleicht zu kurz gekommen zum Beispiel das Reisen zwischen den Spiegeln, aufschlussreiche Gespräche zwischen den Verlobten oder die Interaktion beider Familien, aber mich hat das Interesse am dritten Teil definitiv gepackt!

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Das sternenlose Meer von Erin Morgenstern

Juni 16, 2020

Buch - Das sternenlose Meer von Erin Morgenstern
Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Starless Sea"/ 1854), Blessing Verlag (2020), Übersetzer/in: Karin Will (aus dem Amerikanischen), ★★★★(★) 4,5 Sterne
"Eigentlich arbeitet Zachary Ezra Rawlins an seiner Promotion, doch er kommt nicht weiter. Denn immer, wenn er in der Bibliothek ist, sucht er ein Buch auf, das zwischen den Regalen versteckt liegt. Ein Buch, in dem Zachary eines Tages eine Schilderung seiner eigenen Kindheit findet. Aber wie ist das möglich? Auf der Suche nach dem Geheimnis dieses Buches entdeckt Zachary eine unterirdische Welt voller Bücher am Ufer eines sternenlosen Meers, wo er schließlich eine Verschwörung aufdecken und für die Liebe seines Lebens kämpfen muss."
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"Diese Türen singen. Stumme Sirenengesänge für diejenigen, die nach dem suchen, was dahinter liegt.
Für diejenigen, die Heimweh nach einem Ort haben, an dem sie nie gewesen sind.
Für diejenigen, die suchen, ohne zu wissen, was (oder wo)sie suchen
Die Suchenden werden finden.
Ihre Türen haben auf sie gewartet.
Aber danach geht es unterschiedlich weiter.
" S.84

"Wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich eine andere"? Oh, wie gut dieser Spruch zu diesem Buch passt.
Worum geht es in der Geschichte? Also, ehrlich gesagt, kann ich nicht behaupten, dass ich das beantworten kann. Vielleicht geht es einfach, um Anfänge und Enden, um (eine) Liebesgeschichte(n), um die Magie der Worte, Bücher. um Märchen, um das Schicksal und um eine Geheimorganisation. Vielleicht geht es aber auch noch um ganz andere Dinge (ich glaube, die Sache mit der Eulenversammlung habe ich immer noch nicht zu hundertprozentig verstanden).

Diese Geschichte versucht alles zu sein und gleichzeitig nichts. Das ist es auch, was ich letztlich so sehr daran mochte. Für mich hat es das Buch geschafft, in seiner Handlung und Deutung offen, aber dennoch stets interessant zu sein, auch wenn man sich teilweise in wahnsinnig vielen Handlungssträngen verirrt. Ich bin irgendwann an den Punkt angelangt, dass ich nichts mehr erwartet habe. Ich habe mich nicht danach angestrengt, zwanghaft einen Sinn oder eine Botschaft darin zu entdecken, sondern habe einfach gelesen. Und das hat dann auch irgendwie gepasst, denn das Treiben des oder der Leser*in in diesem Meer an Informationen und Figuren, kann nur funktionieren, wenn man sozusagen einfach loslässt. 
Ich mochte, dass man in jedem Kapitel zwar irgendwie zurückgeschubst wurde, aber gleichzeitig auch vorankam, ohne zu wissen, in welche Richtung es geht. Dabei gefielen mir natürlich die ganzen literarischen Anspielungen, ganz zu schweigen das Literaturfest zu Beginn, an dem ich selbst gerne teilgenommen hätte und auch die kleinen Hinweise auf Bücher, die nur durch Details in Bezug auf das Cover beschrieben werden, die man aber irgendwie dennoch kennt.

" 'Das ist doch absurd.'
'Die Absurdität der Angelegenheit ändert nichts an der Wahrheit'" 
S.332

Ebenso habe ich es genossen, in die Geschichten und Fabeln aus den Büchern gezogen zu werden, die der Protagonist Ezra entdeckt. Auch hier setzen sich nur einige Puzzleteile am Ende zusammen, das hat mich in diesem Fall aber gar nicht gestört. Das Verweilen in dieser Welt hat den ansonsten negativen Kritikpunkt beiseitegeschoben. 
Es gibt durchaus Dinge, die angesprochen werden zum Beispiel die Symbolik von den Schwertern, Monden, Bienen oder Herzen, bei denen ich mich doch gefragt habe, ob mir die kleinen Erklärungen dazu gereicht haben. Einerseits ist es auch hier geschickt gemacht, dass man als Leser*in eigene Deutungen hineingelegen kann, die auch durchaus Sinn machen würden, andererseits habe ich mir gedacht, dass die Autorin es sich dahingehend vielleicht doch zu einfach gemacht hat, indem sie eben so viel aus der Hand gibt. Das wurde von mir aber direkt selbst widerlegt, als ich daran dachte, dass die Geschichte ja eben dies erreichen will. Jede*r soll erkennen, dass sich eine Geschichte in unzählige Varianten entwickeln kann, wenn sie von jemand anderem betreten wird. Hach, eigentlich doch ziemlich clever also.

Daher mochte ich tatsächlich auch die vielen Verschachtelungen von verschiedenen Geschichten und Ebenen, genauso wie die vielfache Auslegung der Figuren. Nach und nach erkennt man, welche Funktionen damit abgedeckt werden und wie sich die Dynamik der Gruppe verändert. Wer hält zu wem? Wem kann man trauen? Gibt es überhaupt eine Seite, die man wählen kann oder vermischt sich auch hier alles zu einem Spiel, in dem die Perspektive das Entscheidende ist? Ich kann zum Beispiel gar nicht wirklich sagen, dass ich eine Figur nicht mochte. Auch wenn man nicht alle Absichten auf Anhieb deuten kann, lagen mir alle Schicksale irgendwie am Herzen, sogar die der Katzen. 
Ich glaube das schwierige hieran ist wirklich, dass man nur Freude an der Geschichte hat, wenn man einfach grundsätzlich gerne in der Nähe der Figuren ist und die Beschreibungen und den Erzählstil mag, da man am Ende kein "so ist es und nicht anders. Keine Alternative. Klare Auflösung. Punkt." bekommt. Man muss die Lust haben, sich mitreißen zu lassen, von einem Buch, welches das Potential von verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen will, in jeglicher Hinsicht.

"Tief unter der Erdoberfläche, fernab von Sonne und Mond, am Ufer des sternenlosen Meers, liegt eine labyrinthartige Ansammlung von Tunneln und Räumen, die voller Geschichten sind." S.11


Eine sehr dicht erzählte, verworrene, manchmal auch verwirrende, aber magische und charmante Geschichte. Auch wenn das Buch durchaus ein Konzept verfolgt (verfolgen muss), besteht das Konzept meist darin, zu zeigen, dass kein Konzept nötig sein sollte. Was? Ja, irgendwie genau das. Das Buch spielt mit dem Verständnis von Zeit und Schicksal, springt durch Welten, die wir kennen und dann auch wieder nicht und lässt uns Einblicke in die Liebesgeschichten vieler Paare erhalten. Manchmal spannend, dann wieder melancholisch ist die Geschichte wohl alles und auch nichts, besteht aus vielen Bauteilen, die man als Leser*in so für sich zusammensetzt, dass es irgendwie Sinn ergibt. Dabei liegt das Geheimnis glaube ich darin, sich einfach mit der Geschichte treiben zu lassen und mitzuträumen.
Wer eine klare Handlung braucht und sich schwer damit tut, wenn es kein klares Ende gibt, der sei ein klein wenig vorgewarnt - hier gibt es mehr als eine Handlung und mehr als einige offene Fragen (solange man den "Fehler" begeht, sich überhaupt in den Strudel von Fragen zu stürzen).


Vorsatzpapier von Erin Morgensterns Das sternenlose Meer
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