Florida von Lauren Groff

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Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Florida"/ 2018) Hanser Berlin (2019), Übersetzer/in: Stefanie Jacobs (aus dem Englischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Erzählungen wie der Ort, nach dem sie benannt sind – Florida: wild und schön, gleißend hell, dunkel und unberechenbar. Eine Mutter läuft Nacht für Nacht gegen Wut und Zweifel an, zwei Mädchen werden allein in der Wildnis zurückgelassen, eine junge Frau gibt jeglichen Besitz auf. Situationen schlagen um, und Menschen verwandeln sich in der flirrenden Hitze Floridas, das hier viel mehr ist als ein Land: eine Atmosphäre, in der alles, was das Leben ausmacht, üppig gedeiht und gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, die vertraute Oberfläche durchbricht. Mit grausamer Präzision und mitreißender Sprachgewalt erzählt Groff von Zorn, Furcht und Einsamkeit inmitten einer Natur, deren neue Schrecken wir selbst geschaffen haben. "
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"Er sah sich selbst als Insel mitten im Ozean, ohne jede Hoffnung, in der Ferne je eine andere Insel oder auch nur ein vorbeifahrendes Schiff zu sichten."  S.37

Florida, auch genannt der Sunshine-State. Im ersten Momente denkt man an Urlaub, Strände, Erholung und eben Sonnenschein. Doch Lauren Groff entführt den Leser in eine Welt des "gefährlichen" Floridas. Nicht zwangsläufig nur aufgrund der Schlangen und Alligatoren, sondern aufgrund der Lasten, welche die jeweiligen Protagonist*innen mit sich herumtragen. 
Die elf Erzählungen sind düster, sorgen für wenig Aufheiterung, beginnen aber relativ unspektakulär. Es wird von dem Alltag erzählt, beiläufige Sachen werden erwähnt, Situationen nahegelegt, von denen man denkt, sie seien unwichtig. Am Ende fügt sich immer alles so zusammen, dass man erahnt, worauf das gesagte hinauslaufen soll und zu einigen Geschichten fühlte ich mich durchaus verbunden. Allerdings sind diese unaufgeregten Darlegungen manchmal so "ruhig", dass man nicht genau weiß, was man damit anfangen soll. Man liest einfach weiter, weiß aber nicht genau, ob man davon etwas mitnehmen kann. 
Wenn man dies auf die Figuren bezieht, ist das natürlich großartig umgesetzt, denn genau das ist es, was sie empfinden. Eine stete Frage danach, was sie noch erwarten können, ob es für sie ein gutes, glückliches Ende geben wird. Für die Leser*innen hingegen fehlt es den Erzählungen da manchmal ein wenig an Hilfestellungen, damit man nicht das Gefühl einer Gleichgültigkeit verspürt. Denn an der einen oder anderen Stelle verflüchtigt sich der Impuls bei den Figuren bleiben zu wollen, man weiß nicht was sie von einem verlangen oder wollen und entzieht sich ihrer "Botschaft".

"Alles schimmerte, aber man konnte es nicht anfassen, als wäre es hinter Glas." S.71

Es gab aber eben durchaus auch Erzählungen, die ich sehr gelungen fand. Dort hat diese zurückgenommene Atmosphäre, gepaart mit der typischen (auch gefahrbereiten) Landschaft Floridas und der Sehnsüchte der Figuren wunderbar harmonisiert. Auch hier bleiben diese Geschichten meist düster, aber sie tragen so ein ganz leichtes Flackern in sich, als könnte man den Sonnenschein kurz aufleuchten sehen. Eine komplette Auflösung bekommen die Leser*innen jedoch nicht immer, denn vielleicht verschwindet das Licht wieder hinter einer dunklen Wolkendecke.
Ich habe mir in dem Buch sehr viele Stellen angemerkt, die ich sehr schön, stimmungsvoll, klug oder einfach als passend empfunden habe, daher bin ich natürlich der Meinung, dass die Erzählungen lesenswert sind. Für mich hat aber noch das kleine Fünkchen gefehlt, damit ich sagen kann, dass mich das Buch komplett überzeugt hat. Schade fand ich zudem, dass rassistische Begriffe fallen, wahrscheinlich der "Authentizität der Zeit" wegen. Hätte für meine Verhältnisse nicht sein dürfen, wo Groff doch sonst darauf geachtet hat, sich vernünftig auszudrücken.

Was ich an den Geschichten besonders mochte, war die Verbindung zwischen dem alltäglichen Leben, seinen Herausforderungen und der Literatur. In jeder Erzählung finden sich Bücher, die einen besonderen Wert für die Personen haben. Die letzte Erzählung "Yport" fand ich dahingehend noch einmal besonders interessant. Hier steht im Fokus, ob Altgeliebtes und Hochgelobtes für immer ein Anker sein kann, oder ob man sich nicht lieber davon trennen sollte, wenn man merkt, dass es problematisch und belastend ist.

"'Sag mal. Meinst du, es gibt noch gute Menschen auf der Welt?
            O ja, sagte er. Milliarden. Das Problem ist nur, dass die schlechten so viel mehr Lärm machen." S.224


Ein Erzählband mit einem eher düsteren, nachdenklichen Setting. Einige Geschichten konnten mich überzeugen und mitreißen, bei anderen hingegen fehlte mir das Durchhaltevermögen komplett dranzubleiben und nicht abzuschweifen. Thematisiert die Ängste, Hoffnungen, Tragödien und kleinen Lichtblicke der Protagonist*innen und vereint sie mit der Kulisse des Sonnenstaates, der sich hier unteranderem durch die heimischen Tiere als eher gefährlich präsentiert. Interessant für alle, die gerne von Lebensschnappschüssen lesen, welche nicht gänzlich auserzählt / aufgelöst werden.

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Christmas-Crime: "The Mistletoe Murder" von P.D. James

Dezember 09, 2019

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Die Weihnachtszeit ist eine besinnliche Zeit, so sagt man. Einige Autor*innen lassen es sich aber nicht nehmen, die kalte, verschneite Stimmung zu einer Kulisse des Verbrechens werden zu lassen. Auch P.D. James macht in "The Mistletoe Murder & Other Stories" das Weihnachtsfest, in vier kürzeren Erzählungen, zum Mittelpunkt von Verschwörungen und Spurensuchen. 


"I recall Christmas Eve in a series of images, like a gritty black-and-ahite film, disjointed, a little surreal."  S.13


Diese vier Erzählungen funktionieren, weil James nicht alles bis ins kleinste Detail beschreibt. Einiges wird nur impliziert oder es wird erst ganz zum Schluss beiläufig offenbart. Das sorgt manchmal für kleine Schockmomente, die man zwar manchmal schon kommen sieht, die aber eine gewisse Emotion nicht ausbleiben lassen.
Als Leser wird man in die Geheimnisse von Familien und deren Weihnachtstraditionen eingeweiht und begibt sich auf die Suche nach vermeintlichen Motiven. 
Das Weihnachtsfest ist oftmals das Zentrum des Verbrechens, versprüht aber einen doch distanzierten, keinen kitschigen Eindruck. So ist es oft ein Fest der Notwendigkeit, ein Fest als Spurenverwischer. Dennoch hatte ich beim Lesen stets das Gefühl, als befände ich mich in einem Karussell aus Aufnahmen, die von einem Winterszenario zum nächsten reichen und sich auf geschickte Weise miteinander verbinden, ohne inhaltlich Bezug aufeinander zu nehmen.

"The Mistletoe Murder & Other Stories" ist für mich daher ein wunderbares, wenn auch tatsächlich sehr böses Buch, das zur Winter- und Weihnachtsstimmung passt, sich aber nicht nur in dieser Thematik verliert. Es geht immer noch darum, welches Begehren, welche Intentionen ein Mensch verspürt und in was für Katastrophen dies enden kann. 
Die Verbrechen wirken zum Schluss zwar eher harmlos und verweisen des Öfteren auf die Klassiker Arthur Conan Doyle und Agatha Christie, aber sie offenbaren die dunklen Seiten des Menschen. Und wenn man über den atmosphärischen "Winterzauber" hinwegsieht, hält man Geschichten in der Hand, welche die Psyche des Menschen beleuchten. Man kann diese Erzählungen daher durchaus schnell hintereinander lesen, um sich in weihnachtliche Krimigeschichten zu stürzen, die auf der einen Seite unterhaltsam sind, man kann sich aber auch etwas Zeit lassen und zusätzlich die Genialität der Figurenzeichnung von P.D. James zu bewundern. 
So oder so: Eine Empfehlung von mir für die noch folgenden, kalten (vielleicht auch verschneiten) Festtage oder, wenn man Lust auf gute Kurzgeschichten hat.


"'Was that really what you wanted, to give me a peaceful Christmas? Was that all?'" S.32

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"The Mistletoe Murder & Other Stories" von P.D. James (einzeln veröffentlicht von 1969-1996), Faber & Faber (Erzählband erschienen 2016)


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November: Auf zur Signierstunde

Dezember 03, 2019

Bücherstapel-vom-Lesemonat-November-2019-Buchblog
Illustriertes-Buch-von-Jim-Kay-signiert

Anfang November ging es direkt mit einem kleinen Ausflug nach Köln los. Dank Liesa von MsCaulfield habe ich es nämlich noch geschafft, rechtzeitig zu entdecken, dass Jim Kay, der Illustrator der Harry Potter Schmuckausgaben, dort eine Signierstunde eingeplant hat. Mit dem vierten Teil unter dem Arm warteten wir also geduldig darauf, dass es losging. Zwar sind das natürlich vorrangig gute Möglichkeiten, um nochmal den Verkauf zu fördern, aber ich mag solche Signierstunden und freue mich immer, wenn ich diese wahrnehmen kann. Wenn man das Buch dann aufschlägt und die Widmung sieht, liest sich das Buch irgendwie noch einmal mit einem anderen Gefühl. 

Im November habe ich zudem eine sehr schöne Rezension bei Miss Bookiverse zu "Things We Say in the Dark" von Kirsty Logan entdeckt. Sie greift wirklich alles auf, was man von dem Buch erwarten kann. Schaut unbedingt mal vorbei, wenn euch das Buch interessiert und ihr euch vielleicht noch unsicher seid, ob es etwas für euch wäre.

Ansonsten habe ich in diesem Monat sechs Bücher beendet und den Lesemarathon zu Philip Pullmans "His Dark Materials"- Reihe begonnen. Nun einmal näher im Detail:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Once Upon a River" von Diane Setterfield: Der Roman mit den märchenhaften Elementen hat mir durchaus gut gefallen. Es gab kleinere (negative) Kritikpunkte, die den Gesamteindruck für mich aber nicht gemildert haben. Hier treffen Familiengeschichte und (altertümliche) Sagen aufeinander, verknüpfen sich aber geschickt und lassen den Leser wieder ein wenig an das Unmögliche glauben.
  • Der Erzählband "Dubliner" von James Joyce hat mich nur zum Teil überzeugen können. Einige Geschichten fand ich großartig, weil sie auf sehr subtile Weise eine Wahrheit offenbaren, die den Menschen, nicht bloßstellt, aber sozusagen offenlegt, zu anderen hingegen habe ich keinen wirklichen Draht gefunden. Das ist aber bei Erzählbänden denke ich häufiger der Fall. So ist aber vielleicht für jede*n mindestens eine Geschichte dabei, die sie /ihn in den Bann zieht. 
  • "Neverwhere" (London Below #1) von Neil Gaiman: Dies war ein Reread, da im neuen Jahr eine Art Fortsetzung folgen soll. Ich war wieder einmal sehr angetan von der Geschichte und bin nun umso gespannter, in welche Richtung sich der nächste Teil entwickeln wird.
  • "Die Geheimnisse der Gaslight Lane" (The Gower Street Detective #4) von M.R.C. Kasasian: Dieser Teil konnte mich leider nicht so überzeugen wie die drei Vorgänger. Hier wurden mir einige spitzzüngige Bemerkungen zu weit getrieben. Zwar soll Mr. Grice natürlich unausstehlich rüberkommen, aber hier wirkte es beinahe durchgehend beleidigend. Das milderte bei mir den unterhaltsamen Charakter. Der Fall selbst war durchaus knifflig, die sehr vielen Figuren und Ereignisse sorgen aber ab und an für einen "Overload". Ich hoffe, dass der nächste Teil wieder etwas durchdachter (?) daherkommen wird.
  • "Everything Under" von Daisy Johnson: Durch das Buch bin ich fast schon durch gesprintet. Nicht, weil ich es schnell hinter mich bringen wollte, sondern weil es mich tatsächlich irgendwie in den Bann gezogen hat. Da hierzu noch ein gesonderter Beitrag folgen wird, belasse ich es mal bei dieser ersten Einschätzung.
  • Zoe Gilberts "Nebelinsel" fand ich ebenfalls ziemlich gelungen. Es ist düster, bizarr, märchenhaft und dennoch mitten aus dem Leben gegriffen. Zumindest was die Ängste und Gedanken der Menschen rund um die Zukunftsplanung angeht. Ich habe lediglich das Gefühl, dass es für manche Leser zu speziell sein könnte. Wer aber gerne Geschichten liest, die einfach anders sind und sich nach und nach entfalten, dem kann ich das Buch empfehlen.

Gab es bei euch interessante Rezensionen, die ihr entdeckt habt? Wart ihr vielleicht auch auf einer Signierstunde? Oder interessieren sie euch nicht sonderlich?

Buch-von-Daisy-Johnson-Everything-Under

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Der Philip Pullman Lesemarathon

November 29, 2019

Bücher-von-Philip Pullman-His-Dark-Materials

Die His Dark Materials Trilogie, "La Belle Savauge" & "The Secret Commonwealth". Alle Bücher lagen hier noch ungelesen bei mir herum. Das wollte ich unbedingt ändern und habe mich nun dazu entschieden, kurz nachdem am 03. November die Neuverfilmung als Serie gestartet ist, einen kleinen Philip Pullman Marathon einzulegen. Ich habe vor Jahren schon einmal die erste Verfilmung mit Nicole Kidman gesehen, irgendwie aber auch nur so halb, da ich von den Inhalten und den Geschehnissen eher verwirrt war. Dadurch, dass ich die Bücher nicht gelesen hatte, fehlte mir einfach zu viel Vorwissen. Nun wird es langsam frostiger und eisiger, was wohl irgendwie ganz gut zu den Büchern passen dürfte, somit freue ich mich nun umso mehr auf die Welt, die Pullman erschaffen hat. 

Der Vorgang soll so aussehen: Ich beginne mit der Trilogie und werde nach jedem (mal größeren, mal kleineren) abschnitt, meine Gedanken niederlegen. Was überrascht mich während des Lesens? Welche Erwartungen werden nicht erfüllt? Und da dies sicherlich etwas länger dauern wird, ich gegebenenfalls auch andere Bücher zwischendurch lesen werde, wird dieser Beitrag immer mal wieder aktualisiert. Ihr könnt also gerne öfters rein schauen. Bilder und Texte werden nach und nach ergänzt. Ich hoffe ich kann ihn auf der Seite so positionieren, dass er sozusagen in Reichweite bleibt. Wenn der Beitrag abgeschlossen ist, werde ich ihn auf den Social-Media-Kanälen teilen, für alle, die nicht daran interessiert sind, die einzelnen Schritte zu verfolgen.

"Northern Lights" (His Dark Materials #1)

28.November: 
  • Es geht los! Ich greife zu meiner Everyman´s Library Ausgabe und überspringe erst einmal schön die Einleitung. Da diese Spoiler aufgreift, lese ich sie am Ende nachträglich. 
  • Das Vorwort von Pullman finde ich hingegen sehr gelungen. Kurz und knapp, aber reflektiert. Bin gespannt, ob ich seiner Meinung bin, was die möglichen Verbesserungen angeht.
  • Part One: "The Decanter of Tokay": Diese sehr detaillierte Einteilung der Geschichte hätte ich nicht erwartet und auch nicht, dass der Roman mit so vielen Fragen, Geheimnissen und Vermutungen beginnen würde. Somit steigt natürlich die Spannung auf das Folgende, die Einführung in die Welt ist bisher noch recht zurückhaltend. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich auf den folgenden knapp tausendeinhundert Seiten noch etwas tun wird.
01. Dezember:
  • Über das Wochende hinweg war die Lesezeit irgendwie kaum vorhanden. Heute kamen meine Schwester und mein Schwager zu Besuch, um ein wenig den ersten Advent einzuläuten. Dennoch habe ich mich Abend noch an die nächsten Kapitel von His Dark Materials gemacht.
  • S. 21 - 74: Die ersten hundert Seiten sind fast gelesen und mir gefällt es bisher wirklich gut. Lyra hat noch diese naive und kindliche Sichtweise, was natürlich, wenn man noch an eine mögliche Charakterentwicklung und an das authentische Verhalten eines jungen Mädchens denkt, mehr als passend ist.
    Die beschriebene Welt selbst finde ich unfassbar spannend und natürlich bin ich sehr gespannt darauf mehr zu erfahren. Die vielen Anspielungen auf bevorstehende Ereignisse und die Frage danach, wem man vertrauen soll, bieten eine gute und spannungsreiche Grundlage. Zudem sympathisiere ich bisher auch sehr stark mit den "Deamons" selbst und lerne gerne mehr über sie und ihre Eigenschaften kennen.
    Dadurch, dass bereits zu beginn schon das Thema um den "Dust" kreist, habe ich direkt schon die Vorgeschichte im Hinterkopf, die ja als Reihe den Namen "Book of Dust" trägt.

02. Dezember:
  • Was für ein Zufall. Ich habe heute durch einen Twitterbeitrag des Folio Society Verlags einen Test von BBC entdeckt. In diesem kann man seinen persönlichen "Daemon" (ähnlich wie der Test für den Patronus) herausfinden. Meiner war eine "Silk Moth". HIER gelangt ihr zu dem Post inklusive Link zum Test, falls ihr es auch herausfinden möchtet. 

03. Dezember:
  • S.74-141: "Part One" habe ich nun beendet und bin einerseits immer noch sehr von der Geschichte eingenommen, andererseits besteht beinahe alles weiterhin aus Vermutungen und nicht aufgelösten Verwandtschaftsverhältnissen. Ich weiß immer noch nicht, wem ich vertrauen und glauben soll. Aber es fühlt sich ganz so an, als wäre ich dadurch absolut in Lyras Situation.
    Und das eigentliche Abenteuer scheint jetzt erst loszugehen. Die Thematik rund um den Norden und die geheimen Organisationen spornen den Leser aber zum Weiterlesen an, passen zudem auch wunderbar zu der momentan steigenden Winter- und Weihnachtsstimung. Vielleicht bereite ich mir für den zweiten Teil noch einen Kakao zu...

05. Dezember: 
  • S.141-261 (kompletter "Part Two") : Hmm, also im zweiten Teil stagnierte das neue Wissen um die Welt von Lyra ein wenig. Zumindest kam es mir so vor. Alles wurde noch einmal verdeutlicht, die Beziehung zwischen Mensch und "Daemon" wurde erneut als eigentlich unlösbarer Bund herausgestellt, aber irgendwie ist man dem Ziel nicht näher gekommen. Es war ehe ein Teil, der schlichtweg den Schlagabtausch darstellen sollte - ein kurzes hin und her.
    Ich glaube von diesem Abschnitt hatte ich mir doch etwas mehr erhofft, aber ich bin noch guter Dinge, dass der letzte Teil des ersten Buches einiges offenbaren wird.
    Zumindest ist mir jetzt deutlich geworden, dass der Eisbär (Iorek Byrnison) gar nicht Lyras Daemon ist. Das hatte ich seit dem Film und aus einem Halbwissen heraus irgendwie immer angenommen. 
  • S. 261-351: Den erste Band habe ich noch beendet. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und irgendwie bleibt man mit einem großen Cliffhanger und vielen Fragen zurück. Wird demnach nicht lange dauern, dass ich mich zum nächsten Abenteuer mit Lyra begebe.
    Grundsätzlich fand ich den ersten Teil ganz gut, aber dadurch, dass noch zwei weitere Teile folgen, wurde es tatsächlich etwas "gezogen". Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gerne in dem Universum der Protagonisten aufgehalten. Die "Daemons", der "Dust", der Kompass und auch das Nordlicht sind alles Elemente, welche die Geschichte besonders machen. Zudem war ich, wie Lyra, ein Sympathisant des Eisbären. Das Buch hat durch die junge Protagonistin definitiv einen gewissen "Jugendbuch"-Charme, das hat mich aber ganz und gar nicht gestört.

Fortsetzung folgt...


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Nebelinsel von Zoe Gilbert

November 23, 2019

Buch-Nebelinsel-Zoe Gilbert

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Folk"/ 2018) Wunderraum (2019), Übersetzer/in: Regina Rawlinson (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Das Porträt einer archaischen Inselgemeinschaft, erzählt in betörenden Märchen Die salzige Luft ist schwer vom Duft der Ginsterbüsche, und etwas Mystisches liegt über der Insel. Wundersame Geschichten erzählen von diesem Ort, an dem das Leben geprägt ist von der rauen Natur, alten Bräuchen und dunklen Mythen, die in den Alltag der Menschen eindringen. Da ist beispielsweise Verlyn, der mit einem Flügel statt eines zweiten Arms geboren wurde. Oder Plum, die von einem Mann entführt wird, aus dessen feuchten Locken sie winzige Muscheln kämmt … Mit jeder Erzählung taucht man tiefer ein in die Schicksale der Bewohner von Neverness und verfällt ihrer eigentümlichen Heimat."
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"Hinter Gullers kindlichen Zügen verbirgt sich etwas Dunkles, das ihm zuwider ist."  S.40

Nach dem ersten Kapitel, hatte ich das Gefühl, dass es eine Art "Herr der Fliegen" á la Golding werden könnte, mit zunehmenden Geschichten der Stadt Neverness hingegen verstärkte sich ein Empfinden, als würde ich moderne Erzählungen der Gebrüder Grimm lesen. Letztlich war es beides und keines von beidem, denn Zoe Gilberts erschaffene Welt hebt sich noch einmal davon ab.
Anfangs war ich etwas zwiegespalten. Der Einstieg ist sehr skurril und ungewöhnlich. Man muss sich auf Rituale und ein Denken von einer Gemeinschaft einlassen, die sehr fremd und manchmal auch brutal wirken. Als Leser schlendert man als Beobachter durch die Häuser der Erzähler, erfährt von ihren Schicksalen und entdeckt dabei Inhalte, die an zurückliegende Sagen erinnern.
Einige davon konnte ich beim ersten Lesedurchgang noch nicht ganz entziffern oder wollte es vielleicht zu dem Zeitpunkt gar nicht. Besonders die Beziehung zwischen Jungen und Mädchen / Männern und Frauen ist hier sehr an die Grenzen getrieben worden. Alte Muster werden noch nicht ganz durchbrochen, denn bereits zu Beginn wird klar, alles zielt darauf ab, einen Partner fürs Leben zu finden. An einigen Stellen erspürt man eine kleine Wende, als wolle der Erzähler sagen, so WAR es, so muss es aber nicht bleiben, nur um kurz darauf wieder von dem alt bekannten Dorfleben verschluckt zu werden.

"'Wasserbulle', sagte sie.
Jetzt müsste mir vor Angst eiskalt, denn das ist die Geschichte, die Win am häufigsten erzählt, ob im Bardenhaus oder hier auf dem Sofa.”
S.78

Ich habe mich dennoch gerne von Geschichte zu Geschichte gelesen. Einige Erzählungen haben mich dabei tatsächlich auch komplett überzeugen können. Sie vereinen Gedanken, die man sehr gut auf das "moderne" Leben anwenden kann, spielen dabei aber mit dem Märchenhaften und weben Elemente ein, die uns in eine andere Welt entführen können. Die Idee, dass jeder Dorfbewohner sozusagen mit etwas Übernatürlichem, nicht leicht Erklärbaren in Verbindung steht, fand ich dabei ebenfalls sehr geglückt. Zwar wechseln die Erzähler immer mit jedem Kapitel, jedoch erfährt man meist noch etwas über diese in den anderen Geschichten. Ein roter Faden ist dadurch auf jeden Fall erkennbar. Gleichzeitig wird nicht alles bis auf das kleinste Detail erzählt und es bleibt genügend Spielraum für eigene Interpretationen.
Die Stimmung ist durchgehend etwas düster, als würde gleich von irgendwoher ein Nebel aufziehen (der deutsche Titel trifft es also ziemlich gut), dennoch ist es nicht zu erdrückend oder deprimierend. Besonders gut liest sich das Buch aber wirklich an regnerischen, dunklen Abenden. Dann hat man das Gefühl, als sei man selbst in dem Dorf und lausche den Erzählern im Bardenhaus.

"'Horch, wie der Rhythmus durch das Ginsterlabyrinth rollt." S.223


Eine sehr eigener, aber auch fesselnder psychologischer Erzählband, der das Alltägliche mit dem Märchenhaften geschickt verknüpft. Mir haben zum Zeitpunkt des Lesens nicht alle Geschichten zugesagt, das liegt aber wohl auch daran, dass das Buch gut dazu geeignet ist, langsam und bewusst gelesen zu werden. Andere Erzählungen hingegen haben mich direkt gepackt und überzeugt. Für jeden, der gerne von außergewöhnlichen Dorfgemeinschaften liest. 


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