-

LITTLE WORDS




"Growing up, I took so many cues from books. [...]
They were my teachers and my advisers."

Neil Gaiman / "The Ocean at the End of the Lane"

EMPFOHLENE BEITRÄGE




NEUE   BEITRÄGE

"Ein simpler Eingriff" von Yael Inokai: Deutscher Buchpreis 2022

Werbung ~ Rezensionsexemplar 

Mein Patenbuch zum Deutschen Buchpreis 2022 ist mit seinen 187 Seiten recht schlank, inhaltlich aber durchaus gut gefüllt.

Der Hanser Verlag, bei dem der Roman erschienen ist, beschreibt die Geschichte wie folgt:
Ein neuartiger Eingriff soll Frauen von ihren psychischen Leiden befreien. Doch ist das menschenwürdig? Eine Geschichte von Emanzipation, Liebe und Empathie.
Meret ist Krankenschwester. Die Klinik ist ihr Zuhause, ihre Uniform trägt sie mit Stolz, schließlich kennt die Menschen in ihrem Leiden niemand so gut wie sie. Bis eines Tages ein neuartiger Eingriff entwickelt wird, der vor allem Frauen von psychischen Leiden befreien soll. Die Nachwirkungen des Eingriffs können schmerzhaft sein, aber danach fängt die Heilung an. Daran hält Meret fest, auch wenn ihr langsam erste Zweifel kommen.
„Ein simpler Eingriff“ ist nicht nur die Geschichte einer jungen Frau, die in einer Welt starrer Hierarchien und entmenschlichter Patientinnen ihren Glauben an die Macht der Medizin verliert. Es ist auch die intensive Heraufbeschwörung einer Liebe mit ganz eigenen Gesetzen. Denn Meret verliebt sich in eine andere Krankenschwester. Und überschreitet damit eine unsichtbare Grenze


Der Fokus liegt durchaus verstärkt auf der langsam einsetzenden Skepsis des Eingriffs gegenüber sowie der sich entwickelnden Freundschaft und Liebe beider Krankenschwestern. Darüber hinaus enthielt der Roman für mich aber noch viele kleine Zwischentöne, welche die Geschichte zusätzlich spannend und packend machen.
 
 
Marianne hätte sein Schlüssel sein sollen, sagte eine der älteren Schwestern.
Schlüssel zu was? 
Zu Geld. 
- S.130



Der Roman geht bei den beschriebenen Eingriffen kaum ins Detail, dennoch erfährt man, wie die ganze Prozedur aussieht und welche Absichten die "Heilung" verfolgen soll. Natürlich wird schnell deutlich, dass die Ärzte ganz anderen Absichten nachgehen, als die bloße Hilfe anzubieten, Frauen ein sogenanntes "normales" Leben zu ermöglichen. Medizin (und Krankenhäuser) als Geldquelle und als Institution, die Menschen für eigene Zwecke missbraucht, ist nichts Neues, wird hier aber gekonnt verpackt. Für mich war diese Offenbarung dessen so gut getroffen, da es sich nach und nach hochschaukelt und Leser*innen das Gefühl haben, ein Anfangsstadium dieses Verhaltens zu beobachten.

Wir folgen der liebenswürdigen Krankenschwester und ihrer anfangs doch naiven Einstellung und enden bei einem Ausbruch aus dem System. Bezeichnend war für mich immer wieder die angedeutete Ungleichheit zwischen Männern und den scheinbar kranken Frauen. So müssen die Ausbrüche der Patientinnen sofort geheilt und behoben werden, die der Männer, sogar die der leitenden Ärzte hingegen, wird als Ausdruck ihrer Arbeitsintensivität hingenommen.
Für mich sorgt der Roman dabei für eine weitere Ebene einer Erzählung, die vielleicht auf den ersten Blick unter dem Radar fliegt, aber dennoch präsent ist. Besonders in der Retrospektive scheinen diese kleinen Einschübe, die manchmal sogar schon ganz unterhaltsam wirkten, eine ganz eigene Macht und Schwere in sich zu tragen. Ich persönlich habe die Art der Erzählung daher sehr genossen, weil die Leser*innen auch zwischen den Zeilen viel offenbart bekommen. 

Es ist angesichts der Thematik nicht verwunderlich, dass der Roman einen nicht wirklich glücklich zurücklässt, dennoch gibt es durch die besondere Verbindung zwischen Meret und Sarah diesen einen Hoffnungsschimmer, den das Buch sicherlich braucht. Die Erzählungen aus dem sterilen, eher kalten Krankenhaus bilden mit der Zeit einen sehr starken Kontrast zu den lebhaften Episoden der Beziehung. 


Hoffnung ist gefährlich. Ich hatte schon erlebt, wie sie Menschen letzten Endes in die Verzweiflung trieb. Trotzdem gab es keine Alternative zu ihr. Nicht auf meiner Station. Die Medizin stand schließlich auf den Schultern der Hoffnung. Ich musste sie immer wachhalten, egal, wie aussichtslos die Lage war. 
- S.154


Ich muss zugeben, dass ich verwundert war, wie kompakt der Roman ist und dabei gleichzeitig das Gefühl erweckt, man lese mehrere Romane gleichzeitig. Anfangs haben mich die Einschübe, die sich außerhalb des Krankenhauses abspielen, nicht gänzlich interessiert. Ich wollte eher der Frage nach diesen Eingriffen auf den Grund gehen. Mit jedem zusätzlichen Kapitel jedoch, gefielen sie mir immer mehr, weil sie das angedeutete Gegenstück bilden. In ihnen findet sich so viel über Familie, Freundschaft, Liebe, Verantwortungsgefühl und die Wünsche an das Leben, dass die Geschichte dadurch sehr viel Nahbarkeit gewinnt. Oftmals fallen Sätze, die man erst einmal so annimmt, die mich aber im Nachhinein mehr beschäftigt haben als gedacht. Zum Beispiel wenn Meret von einem Ereignis erzählt, in dem sie ihre eigene Rolle als Tochter realisiert und sagt: "Ich war eine Tochter. Ich war mir sicher gewesen, ich würde das immer bleiben, es gäbe kein Leben, in dem ich das nicht mehr war."

Für mich sind solche Gedanken in Romanen immer ein Punkt, an dem ich kurz innehalte und hinterfrage, was ich aus diesen Aussagen mitnehmen kann, wie sie sich auf mich auswirken und wie sich mein Verhältnis dadurch auch zum Text selbst erneut verändert. Hier haben sie mir doch einen ganz guten Aufschluss darüber gegeben, wie ich Meret zusätzlich charakterisieren kann, ohne dass dies auf weiteren zweihundert Seiten dargelegt wird. Mir gefiel diese Art der Verdeutlichung daher sehr.

  

So hat mir der Roman insgesamt gefallen: Es ist schwierig, dem Buch in seiner Gänze mit einigen Sätzen gerecht zu werden. Er bietet so viele Themen, Blickpunkte, Gefühle, Beziehungen, die vielleicht anfangs zu knapp zusammengefasst scheinen, für mich jedoch wunderbar umgesetzt wurden.
Die Problematik mit den Eingriffen, um das "Leiden der Frau" zu heilen, wird nicht zum Geheimnis gemacht. Man erkennt relativ schnell, worauf dies abzielt und welche moralischen Verflechtungen damit einhergehen. Dabei stehen die Ansichten der Krankenschwestern zunächst denen der Ärzte und schließlich auch denen der Familienmitglieder der Patientinnen gegenüber. Auch hier war dies für mich gut gelöst, da es stets im Einklang und Bezug zur Protagonistin gesetzt wird.
Die Kritik an der Stellung und Behandlung der Frau im Gegensatz zum Mann wird hier ebenfalls stark hervorgehoben, wenn auch letztlich vielleicht gar nicht so permanent in den Vordergrund gerückt, wie die Entwicklung der Figur Meret, der Beziehung zu Sarah und dem sich steigenden Impuls ausbrechen zu wollen.

Für mich daher ein würdiger Longlist-Titel für den Deutschen Buchpreis 2022. Ich hätte ihn gerne auch auf der Shortlist oder ihn sogar als Sieger gesehen. Umso glücklicher bin ich aber, dass ich diesen Roman durch meine Patenschaft entdecken und lieben lernen konnte.




Read More

Zwei Memoiren, die ihr unbedingt lesen solltet

September 29, 2022

 

I´m tired of people approaching me like they own me. Like I owe them something. I didn´t choose this life. Mom did. 
- I´m Glad My Mom Died, Jennette McCurdy, S.120

 

Das letzte Mal, dass mich Biografien oder Memoiren einer bekannten Persönlichkeit wirklich interessiert haben, ist schon etwas länger her. Hier und da warf ich mal ein Auge auf die Bücher von Lily Collins, Viola Davis oder anderen, der Drang, das Buch aber direkt lesen zu wollen, fehlte.
Anders bei diesen zwei Memoiren, die erst vor kurzem erschienen sind: "I´m Glad My Mom Died" von Jennette McCurdy und "Mean Baby" von Selma Blair. Beide Bücher beschäftigen sich stark mit dem Erwachsenwerden - im Hintergrund als prägende Figur jedoch: die Mütter. Bei McCurdys Buch ist dies sicherlich nicht verwunderlich, da bereits der Buchtitel darauf verweist, bei Blairs Memoire entdeckt man erschreckenderweise einige Parallelen, obwohl ihre Mutter gleichzeitig nicht wirklich kritisiert wird. Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch einige Unterschiede.


"I´m Glad My Mom Died" von Jennette McCurdy: McCurdy ist primär als Kinderstar der Serie "iCarly" bekannt geworden. Dort spielt sie ein etwas mürrisches, wenn auch selbstsicheres Mädchen, das sich für keinen Streich zu schade ist. Man begeht oftmals den Fehler, dass man die Rollen der Personen auch auf sie im Privaten überträgt und denkt, so sei ihr Charakter zum Teil auch. Ich persönlich hätte also nie damit gerechnet, was sich hinter der Fassade verbirgt. 

In ihrem Memoire fokussiert sich Jennette McCurdy auf die Wirkung, die das Verhalten ihrer Mutter auf sie hatte. Dies ist somit der rote Faden, der sich durch ihre Geschichte zieht. Wie ist sie aufgewachsen, wie hat sie mit ihrer Mutter kommuniziert, wie hat sie mit ihr zusammengelebt? Man muss schon sagen, dass es an vielen Stellen wirklich schwierig ist, die Dinge nachvollziehen und verstehen zu wollen, denn es offenbaren sich wirklich pikante und sehr problematische Details, die dafür gesorgt haben, dass die Schauspielerin auch heute noch in Therapie ist.
Der Stil des Erzählten passt sich dem Alter der Schauspielerin an. Zu Beginn merkt man die kindliche Stimme raus, die der Mutter blind vertraut und sie als Ankerpunkt sieht. Mit der Zeit wird es derber, distanzierter und ja, auch ein wenig verzweifelter. Wie gesagt, es ist schwierig, sich vor Augen zu führen, dass ein junger Mensch wirklich so behandelt wurde und all die angesprochenen Dinge erlebt hat. Für mich gehört das Buch sicherlich zu einem der emotionalsten, das ich gelesen habe. 

McCurdy gibt zudem Einblicke in das Showgeschäft, in das sie hineingeschubst und in dem sie erwachsen wurde. Was geschah am Set von iCarly, wieso hat sie sich für das Spinoff "Sam & Cat" entschieden? Es ist vielleicht sogar eine Abrechnung mit dem Verhalten der Erwachsenen, die (ihre eigenen) Kinder als Geldquelle, Schutzschild und Erweiterung ihrer Selbstverwirklichung benutzen.


"Mean Baby" von Selma Blair: Selma Blair ist im Gegensatz zu McCurdy vielleicht etwas breiter aufgestellt, was ihre beruflichen Erfolge betrifft. Ihre Karriere begann nicht als Kinderstar, sondern vergleichsweise recht spät. Mir war sie vor allem bekannt aus "Natürlich Blond" (liebe ich!) und "Cruel Intentions" (im Deutschen "Eiskalte Engel"). Viele kennen sie jedoch auch aus den Filmen "Hellboy" oder als Muse der großen Karl Lagerfeld. 

Obwohl Blair augenscheinlich keinen so ausdrucksstarken Titel für ihr Buch gewählt hat, ist es nicht weniger emotional. Blair ist etwas sprunghafter, was die Abfolge der Ereignisse betrifft, hält sich kürzer und bringt alles recht schnell auf den Punkt. Zugegeben, an einigen Stellen wirkt es daher etwas zusammenhangsloser als bei McCurdy, jedoch treffen einige Sätze so ins Herz, dass man dies nicht als negativ sieht.
Selma Blair beschreibt ihre Zeit als "Mean Baby", denn so haben sie alle genannt. Ein Kind, das gemein ist, das nicht im Mittelpunkt steht, sondern immer die Nebenrolle ausfüllt. Für sie also ein Anreiz, dies zu ändern, in dem sie sich manchmal unmoralisch verhält. Ehrlich gesagt, habe ich sie immer für ihre "Coolness" bewundert, die sie ausstrahlte. Ich dachte, sie sei die Art von Mensch, die unnahbar ist, die eben zu cool ist, um sich mit nichtigen Dingen zu beschäftigen. Sie ist hübsch, erfolgreich und sicherlich bei allen beliebt. Auch hier war es für mich so traurig und erschreckend zu sehen, wie falsch die Wirkung nach außen manchmal sein kann. Blair kämpfte ebenfalls mit nicht nur einer emotionalen Belastung und versuchte sich von Jahr zu Jahr "weiterzuschleppen".
Es ist natürlich anmaßend zu sagen, man kenne die Person nun, nachdem man die Memoiren gelesen hat, aber es ist tatsächlich so, dass man erkennt, wie viel der Selbstzweifel in jedem von uns stecken und wie viel Kraft es auch scheinbar "erfolgreiche" und berühmte Menschen kostet, ein halbwegs glückliches Leben führen zu können. 

Der rote Faden hier sind sicherlich die vielen Andeutungen an den Beginn und den letztlichen Ausbruch ihrer Krankheit, Multiple Sklerose. In den letzten Jahren hat sie sich öfters selbstbewusst auf dem roten Teppich präsentiert, um die Krankheit nicht stillschweigend hinzunehmen und zu verstecken, sondern als Botschafterin darüber aufzuklären.

 


My mother just laughed. She kept on laughing as she told the story for years. "What a drama queen! What an actress! Dragging that leg across the floor!"
I learned that I couldn´t show pain, and I certainly couldn´t talk about it. To do so would only provoke laughter.
 
- Mean Baby, Selma Blair, S.58

 

So sehr ich euch beide Memoiren ans Herz lege, möchte ich dies nicht ohne eine Vorwarnung (Trigger Warnung) machen. Die Schilderungen thematisieren Verlust und andere Erlebnisse, die sicherlich nicht für jeden leicht zu lesen, ertragen und verarbeiten sind. 

Bei "I´m Glad My Mom Died" wird unter anderem Folgendes erwähnt und beschrieben: Bulimie, Anorexie, emotionaler und körperlicher Missbrauch, Alkoholsucht, Selbstgefährdung.

Bei "Mean Baby" wird unter anderem Folgendes erwähnt und beschrieben: Anorexie, emotionaler Missbrauch, Alkoholsucht, Vergewaltigung, Multiple Sklerose, Krebs, Tod.

Der emotionale Missbrauch wird hier nicht so benannt wie bei McCurdy. Bei vielen Äußerungen und Einflüssen der Mutter von Selma Blair erkennt man jedoch, dass sie gezielt gewisse Mechanismen benutzt hat, um ihre Tochter zu lenken oder sogar unter Druck zu setzen. Für mich war es erschreckend (so kurz nach McCurdy) davon zu lesen, aber in einer Art, als sei das "eben ihre Mutter". Die starke Kritik an dem Verhalten blieb hier aus, obwohl ersichtlich ist, dass dies, zumindest in diesen beschriebenen Auszügen der Situationen, kein gesundes "Mutter-Tochter"-Verhältnis ist.

 

Kurz und knapp: Diese beiden Memoiren sind nicht aufgrund ihrer vermeintlichen Inside-Einblicke ins Showgeschäft (Gossip) lesenswert, sondern aufgrund der wirklich bewegenden Schilderung beider Frauen, ihre eigene Stimme zu finden. Sie lösen sich von vielen Zwängen, erkennen Schwächen an, gehen jedoch stärker (wenn auch mit Rückschlägen) aus den Situationen heraus. Man hat das Gefühl, dass sie absolut nichts beschönigen und diese Memoiren gebraucht haben, um unter gewisse Themen einen Schlussstrich zu ziehen sowie gleichzeitig auf Missstände in gewissen Bereichen aufmerksam zu machen oder ein Zeichen gegen Stigmatisierung von Krankheiten zu setzen. 

Zwar kannte ich beide Schauspielerinnen und habe mich für ihre Einsichten interessiert, ich bin mir jedoch sicher, dass diese Schilderungen genauso emotional für Leser*innen sind, die sie nicht kennen. Das Erlebte orientiert sich an den Erfolgen, ist aber auch losgelöst davon eine sehr psychologische Aufarbeitung dessen, was widerfahren ist. Und dies ist auch ohne Vorkenntnis der Personen absolut lesenswert.

 

 



Read More

"Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow" von Gabrielle Zevin

September 20, 2022

(Original: "Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow"/ 2022) Chatto and Windus, Übersetzer*in: - , ★★★★☆ 4 Sterne


Dies ist keine Liebesgeschichte, aber es geht um Liebe.

Zwei Kinder treffen sich in einem Gaming-Zimmer eines Krankenhauses im Jahr 1987. Eines davon besucht seine Schwester, das andere erholt sich von einem Autounfall. Beide verbindet die Liebe zu Videospielen, doch nach einiger Zeit verlieren sie sich aus den Augen. 
Als sie sich acht Jahre später zufällig in einem überfüllten Bahnhof wiedersehen, fühlen sie sich zurückkatapultiert. Gemeinsam arbeiten sie an ihren eigenen Videospielen, eine Beschäftigung, die sie beide lieben. Das macht sie zu Superstars.
Dies ist eine Geschichte über die perfekten Welten, die Sadie und Sam bilden. Und die unperfekten, in denen sie selbst leben. Über das, was durch den Erfolg kommt: Geld, Ruhm, Duplizität, Tragödien.

__________________________________________________________________________________
 

To design a game is to imagine the person who will eventually play it.  S.22

 

Ich spiele gerne Videospiele, würde aber nicht behaupten, dass ich zu denen gehöre, die es wirklich gut können oder die sich ständig auf den neuesten Stand bringen müssen, was Konsolen und neue Spiele betrifft. Und dennoch hat mich das neue Buch von Gabrielle Zevin sofort neugierig gemacht.
Und man bekommt eigentlich genau das, was versprochen wurde: Einen Roman, der sich durchgängig mit der Geschichte des Videospiels beschäftigt und gleichzeitig eine sehr intensive und doch sehr spezielle Freundschaft nachzeichnet. 

Der Fokus auf Videospielen ist durch das ganze Buch gegeben. Die Protagonist*innen spielen sie, erschaffen, erweitern und verkaufen sie. Hier und da erfährt man interessante Details zu Hintergrundgeschichten oder Theorien, die (wie von der Autorin im Nachwort erwähnt) zwar nicht immer stimmen, wenn es um die Jahreszahl geht, aber dennoch dazu beitragen, dass man danach etwas mehr über das Thema weiß. Das Feeling der Gaming-Szene ist also ganz klar zu spüren. Dieses wird aber zudem stark durch die Liebe zum Prozess des Erschaffens selbst ergänzt. Kunst, inspirierende Maler, Texte, Gedichte, Erfahrungen, die einen geprägt haben. Das alles spielt immer mit ein und macht das Ganze zu einem sehr lesenswerten Roman mit Tiefgang.

Dennoch würde ich behaupten, dass die Stimmung sehr eigen ist, da eigentlich viel und über eine lange Zeitspanne geschieht, aber alles in einem eher ruhigen Ton erzählt wird. Es wird keine stimmungshafte Aufruhr verursacht, sogar in Situationen, die aufwühlend sind. Der Roman transportiert eine emotionale, wenn auch manchmal zurückhaltende Atmosphäre. Dadurch ist er vielschichtig und komplex, aber eben auch nicht immer greifbar gewesen.


As Sam often said to Sadie, "Why make anything if you don´t believe it could be great?"
    It is worth noting that greatness for Sam and Sadie meant different things. To simplify: For Sam, greatness meant popular. For Sadie, art.   S.12
  
 

 
Grundsätzlich ist es daher eine Geschichte, die ich mir zu Beginn anders vorgestellt habe, die aber ihren Reiz hat und auch überzeugt, wenn man sich darauf einlässt.
Die Figuren, ihre Konstellation und ihre Handlungen waren für mich eine Überraschung. Auch hier ist vieles eher ruhig, manchmal sogar eigenartig gefühlsarm. Es wirkt, als seien zum Beispiel Sadie und Sam (Marx ist da die Ausnahme und stellt einen guten Kontrast dar) nicht in der Lage, ihre Emotionen klar zu definieren und kommunizieren. Dadurch erlebt man drei ganz verschiedene Welten, die allein für sich manchmal eigenartig wirken, im Zusammenspiel mit allen aber wunderbar stimmig sind und zueinander passen, wie eben ein Computerspiel, das man nicht beenden oder schaffen kann, ohne alle Teile freigespielt zu haben.
 
Mir gefiel, dass alle Figuren ihre Ecken und Kanten haben, problematische Dinge tun und manchmal auch wenig selbstreflektierend sind. Das gibt den Leser*innen die Möglichkeit, diese Konflikte einzuschätzen, ohne, dass die Autorin aus jedem dieser Sackgassen oder Probleme ein Drama heraufbeschworen hat, das im "wahren Leben" nicht herbeikonzipiert worden wäre. Einige Situationen wirken dabei, wie bereits erwähnt, vielleicht unterkühlt, sind aber meiner Meinung nach, gerade dadurch oftmals sehr nahe an der Realität und den zwischenmenschlichen Interaktionen, die man selbst erlebt. Nicht immer werden problematische Beziehungen genug reflektiert und oder sogar beendet. Hier bleibt jedoch immer ein merkwürdiges und kritisches Gefühl zurück, wenn gewisse Handlungen zwischen Figuren problematisch sind. 

In games, the thing that matters most is the order of things. The game has an algorithm, but the player also must create a play algorithm in order to win. There is an order to any victory. There is an optimal way to play any game. “  S.171

 
Der Roman rund um zwei Protagonist*innen und ihre Liebe zu Videospielen, hat mich an vielen Stellen deutlich stärker getroffen und mitfühlen lassen, als ich zwischenzeitlich gedacht hätte. Um ein absolutes Highlight zu werden, hat für mich allerdings etwas gefehlt, das sich nicht in Worte fassen lässt. Es ist ein Gefühl, das einfach nicht eingetreten ist, welches ich jedoch gebraucht hätte, um mich gänzlich in die Abläufe und Konstellationen zu verlieben. Nichtsdestotrotz ist es ein wirklich gelungener Roman, der gefühlvoll und sanft die Entwicklung zweier junger Menschen porträtiert und dabei die Begeisterung zum Gaming an die Leser*innen weitergibt.


Read More

Ein neuer Stapel mit 24 Büchern

September 14, 2022

Wow, okay. 24 neue Bücher, das ist nicht ohne. Dabei sind die letzten Neuzugänge gar nicht mal so lange her und schon da, wollte ich den Kauf neuer Bücher reduzieren. 

Aber (!) es kamen wirklich vielversprechende neue Bücher raus, die schon lange auf meinem Merkzettel standen und vorbestellt wurden. Zusätzlich hatte ich zwischenzeitlich Geburtstag, sodass mich auch meine Familie ein wenig mit neuen Büchern versorgt hat (Danke dafür an dieser Stelle! Mit Buchgeschenken / - Gutscheinen macht man nie etwas falsch).

Lassen wir uns also nicht länger mit meinen Ausreden aufhalten, sondern werfen mal einen Blick auf die lange Liste der neuen Bücher:


"The Ballad of Never After" (Once upon a Broken Heart #2) von Stephanie Garber: Als der Hype damals um "Caraval" den Höhepunkt erreicht hatte, war ich an der Reihe überhaupt nicht interessiert. Irgendwie dachte ich, das sei gar nicht meins. Als die Bücher dann im Social-Media-Raum ein wenig Platz gemacht haben, wurde ich plötzlich doch neugierig. Es hat nicht lange gedauert, da hatte ich dann plötzlich alle drei Teile gelesen und war ganz aufgeregt, als das Spin-Off verkündet wurde. Der zweite Teil ist nun frisch erschienen und ich habe ihn mir natürlich direkt vorbestellt (inklusive "hidden Bookcover under the dust jacket"). Ich hoffe, dass der zweite Teil mich ebenso unterhalten wird, wie der erste, auch wenn ich einige Passagen darin schon etwas zu weit hergeholt fand. 

"Love in the Time of Serial Killers" von Alicia Thompson: Crime & Love vereint? Ob das gut geht, werde ich bald herausfinden. Alles daran klingt aber erstmal ganz interessant. Vor allem der vielversprechende Spruch: "The true crime is not reading this novel" von Ali Hazelwood.
In dem Roman geht es um eine Studentin, die True Crime liebt und alles darüber recherchiert. Zudem ist sie davon überzeugt, dass ihr Nachbar ein Serienmörder ist. Doch was, wenn sie wirklich das Gruseligste an ihm entdeckt und sieht, dass er ein wirklich netter Typ ist, der auch noch ihr Herz erobern könnte?

"Oh William" von Elizabteh Strout: Ein Longlist-Titel des Booker Prize 2022 und ich konnte mal wieder nicht daran vorbeigehen, als vor allem auf Twitter so angepriesen wurde. Ich bin ehrlich, anfangs dachte ich, es ginge um William Shakespeare... Nach einem kurzen Blick auf die Inhaltsangabe sieht das ganze aber wohl ganz anders aus. Nichtsdestotrotz klingt es nach einem schönen Roman, der über die Facetten des Lebens erzählt und dabei darauf setzt, die richtigen Gefühle bei den Leser*innen hervorzukitzeln. 

Aus dem Bereich leichte Romance habe ich mich zudem noch sicherheitshalber mit "Funny You Should Ask" von Elisa Sussman und "People We Meet on Vacation" von Emily Henry eingedeckt. Ich merke, dass ich einfach immer mal wieder etwas "Einfaches" Zwischendurch brauche, um nicht ständig einer Art "Literatur muss schwer und aussagekräftig sein"-Stimmung zu unterliegen. Lesen soll auch Spaß machen und besonders auf Emily Henrys Romane ist da irgendwie Verlass. Freue mich also sehr auf beide Titel. 

"Mary B" von Katherine J. Chen: Okay, ich muss gestehen, dass ihr neues Buch "Joan", eine fiktive Geschichte über das Leben der Jeanne d´Arc, noch ungelesen hier liegt. Aber dieses habe ich gekauft, um es als Vergleich zu haben. Ein separater Beitrag über beide Bücher wird also ganz sicher folgen. In diesem Buch näheren wir uns dem Leben der unscheinbaren Bennet Schwester, Mary, aus Jane Austens "Pride & Prejudice".

"Our Crooked Hearts" von Melissa Albert: Meine Schwester und ich haben bereits die "Hazel Wood"-Bücher zusammen gelesen. Als ich gesehen habe, dass Albert eine neue Geschichte geschaffen hat, habe ich nicht lange überlegt und das Buch für uns beide gekauft. Ich hoffe, dass es genauso spannend wird!

 

Neuzugänge-Buchstapel     

Werbung Rezensionsexemplar - "Ein System, so schön, dass es dich blendet" von Amanda Svensson: Habe ich gewusst, dass das Buch ganze 704 Seiten umfasst? Ich glaube schon. Habe ich es bei der Anfrage verdrängt? Definitiv. Naja, lang, aber fein. Hoffe ich zumindest. Habe jedoch das Gefühl, das könnte wirklich gut werden. Ich habe mir damals schon die Leseprobe durchgelesen, da ich mich nicht durch so ein langes Buch quälen wollte, das mir bereits auf den ersten Seiten nicht gefällt.
Und ja, das Cover bekommt ganz klar einen Pluspunkt.

"Dark Earth" von Rebecca Stott: Eines der Bücher, das ich von meiner Schwester zum Geburtstag bekommen habe. Sie liegt wirklich nie falsch mit ihrer Einschätzung meines Lesegeschmacks. Stotts Roman über den Kampf zweier Schwestern, im männlich dominierten "Dark Age-Britain" klingt richtig gut. Mal sehen, ob mir die mythologische Erzählung besser gefallen wird als Jennifer Saints "Elektra" und "Ariadne".

3 x orange sind zudem: "Bad Fruit" von Ella King, "The Rabbit Hutch" von Tess Gunty und "The Burning Girls" von C. J. Tudor
Ersteres war ein Spontkauf, klang für mich aber wie ein vielversprechender Thriller. Bin gespannt, ob die Geschichte das auch hält.
Das zweite Buch hat vor kurzem den "Debut Fiction Prize" gewonnen und hat mich Dank meiner letzten "Hasen-Phase" direkt neugierig gemacht. Das wird wohl auch noch eine Zeit lang so bleiben, denn Hasen sind weiterhin sehr beliebt auf den Covern und im Titel.
"The Burning Girls" war ein noch spontanerer Spontankauf. Als ich mit meinem Freund am Kölner Hauptbahnhof auf den Zug gewartet habe, war das Buch im Buchladen auf 4,95 EUR reduziert, in der Hardcover-Version. Eigentlich hatte ich das Buch kurz vorher von meinem Merkzettel geschmissen, bei dieser Gelegenheit, habe ich es aber ziemlich schnell wieder draufgepackt und natürlich mitgenommen.

"Carrie Soto is Back" von Taylor Jenkins Reid: Gefühlt alle haben auf diesen Roman gewartet! Ich auch. "Daisy Jones & the Six" sowie "Malibu Rising" waren wirklich positive Überraschungen. Daher bin ich nun auch neugierig, auf alles, was von Taylor Jenkins Reid kommt. Diese Geschichte folgt einer der erfolgreichsten Tennisspielerin aller Zeiten.
Anfangs musste ich an "Eine perfekte Familie" von Liane Moriarty denken, hier geht es jedoch nicht in die Thriller-, sondern in die Liebesrichtung. Denn sie sieht sich gezwungen mit einem Rivalen zu trainieren, der ihr einst das Herz gebrochen hat. Wie das wohl ausgeht?

 
Tylor Jenkins Reid - Carrie Soto is Back

Aus meinem Frankreichurlaub habe ich mir zudem eine neue Büchertasche mitgebracht. Diesmal kein literarisches Motiv, dafür aber schön verträumt und malerisch. Claude Monets Garten in Giverny beherbergt jetzt exzellent meine nächsten Bucheinkäufe.

 

Bei dem Titel "I´m Glad My Mom Died" von Jennette Mccurdy wusste ich zunächst nicht, ob das düster-ironisch gemeint war oder nicht. Nach einigen Einblicken in Interviews und Meinungen über das Buch, offenbarten sich aber wirklich harte Sachen, die sie in den letzten Jahren so erlebt hat. Und Spoiler: Ja, ihre Mutter ist tatsächlich verstorben.
Ich weiß nicht, welcher Generation ihr angehört, aber ich bin mit iCarly schon irgendwie großgeworden. Natürlich hat man dann auch mitbekommen, dass sie mit einigen Dingen Schlagzeilen gemacht hat, die niemand gerne über sich gelesen hätte. In ihrem Buch geht sie ihrem Kinderstar-Dasein, ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und anderen Dingen auf den Grund und erzählt, wie sich der Pressezirkus und die ganzen Gerüchte auf sie ausgewirkt haben.

"Sirens & Muses" von Antonia Angress: Absoluter Coverkauf. Ich weiß nicht einmal genau, worum es in dem Buch geht, aueßr dass vier Student*innen an einer Elite-Kunstschule wohl in Rivalitätskämpfe verwickelt werden. Da bin ich eigentlich immer für zu haben,

"Venomous Lumpsucker" von Ned Beauman: Auch hier weiß ich nur die Eckdaten, dass es um den Kollaps der Umwelt und den Kapitalismus geht. Ich lasse mich einfach mal überraschen.


"Hearts & Bones" von Niam Mulvey: Ein Erzählband ist auch dabei! Hier geht es um Freundschaften, die Liebe und Familie. Hoffentlich etwas für verregnete Herbsttage.

"Thrust" von Lidia Yuknavitch: Von der Autorin habe ich bereits seit ihrem Roman "Das Lied der Kämpferin" gehört. Dieser wurde aber eher nicht so positiv rezensiert. Oftmals greife ich dennoch zu solchen Titeln, die als eher durchschnittlich wahrgenommen werden, hier jedoch, hatte ich das Gefühl, dass es mir auch nicht gefallen würde. Ich hoffe daher sehr, dass diese Geschichte eher überzeugen kann.


Geburtstagsbücher waren unter anderem auch "Art Matters" von Neil Gaiman und "Before Your Memory Fades" von Yoshikazu Kawaguchi. Meine Schwester hatte mir ein Buch geschenkt, das ich schon hatte, nämlich "Cursed Bunny" (absolute Empfehlung übrigens!). Sie hatte so ein schlechtes Gewissen, dass sie darauf bestand, mit mir in die Buchhandlung zu gehen und ein neues auszusuchen. Das wäre natürlich überhaupt nicht nötig gewesen, ich freue mich, wenn sie das Buch stattdessen gelesen hätte. Jedoch bin ich dennoch fündig geworden und habe den dritten Teil der "Before the coffee gets cold"- Reihe. Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit den Protagonist*innen!
Und da meine Schwester einfach die beste Schwester der Welt ist (natürlich sind für euch eure Schwestern die besten!), hat sie mir noch das kleine Büchlein von Neil Gaiman mit dazu gepackt. Einfach, weil sie weiß, dass ich seine Bücher absolut liebe. 

"Remainders of the Day" von Shaun Bythell: Musste ganz klar bei mir einziehen, da ich seine anderen Tagebucheinträge aus der Buchhandlung sehr unterhaltsam fand. Hier, habe ich bereits gesehen, gibt es deutlich mehr fotografische Einblicke. Eigentlich ganz schön, daher freue ich mich sehr drauf!



Habt ihr eines der Bücher schon gelesen? Könnt ihr eines empfehlen oder würdet ihr von einem abraten? 
Was ist denn bei euch zuletzt eingezogen?
Read More

Neue Aufbewahrung für Lesezeichen

September 09, 2022

Ich mag Lesezeichen. Auch wenn ich oftmals gerne einfach einen alten Kassenzettel, ein schönes Etikett von Büchersachen oder kleine Flyer verwende, war ich schon seit langem auf der Suche nach einer schönen Möglichkeit, die besonders schönen Ausführungen zu verstauen. Viele Ideen haben sich letztlich aber irgendwie nicht durchgesetzt, weil zu chaotisch, umständlich oder Ähnliches. 

Im Auge hatte ich daher die Literary Stationery Sets von Insights Edition. Eigentlich  sind dies kleine Buchaufbewahrungen, in denen sich Karten, Briefumschläge, Sticker und ein Notizbuch befinden. Derzeit gibt es diese Buchboxen in den Ausführungen zu: Jane Austen, William Shakespeare, Emily Dickinson, Edgar Allan Poe, Charlotte Bronte und "A Christmas Carol" von Charles Dickens

Obwohl ich eigentlich sofort zu Charlotte Bronte gegriffen hätte, waren mir die Preise bisher etwas zu hoch, nur um es als Aufbewahrung zu nutzen. Doch wie der Zufall so wollte, konnte ich eines der Exemplare überraschenderweise vergünstigt in einer bekannten Kaufhaus-Kette finden. Dort gab es bisher nur die Dickinson-Edition, worüber ich mich jetzt letztlich jedoch umso mehr freue, weil sich die Farbe besonders gut macht.  
Meine ganz besonderen Lesezeichen-Stücke haben nun also ein neues Zuhause und sind alle an einem Ort vereint. Ich mag, dass sich das Büchlein perfekt in das Bücherregal einfügt und dennoch ein kleines Geheimnis bereithält. 


Den Inhalt der eigentlichen Box werde ich natürlich bei Gelegenheit verwenden. Es ist ja immer schön, wenn man mal einen handgeschriebenen Brief verschicken kann oder erhält...



Read More