BELIEBTE BEITRÄGE







Neue Bücher im Gepäck: Romane und Polnisches

Zugeschlagen, meine Damen und Herren! Und das auch noch kurz vor Monats- / Sommerende. Letzte Woche ging es für eine Woche mal wieder in den Urlaub nach Polen. Dort habe ich die Chance genutzt und die vier Romane von Louisa May Alcott der "Little Women"-Reihe sowie meinen Lieblingsroman von Neil Gaiman ergattert, die ich schon so lange angeschmachtet habe.
Darüber hinaus gab es noch das ein oder andere Buchgeschenk, spontane Käufe und ein Rezensionsexemplar. 

Nun also die näheren Infos zu den Neuzugängen:

  • "Małe kobietki", "Dobre żony”, "Mali mężczyźni" & "Chłopcy Jo" von Louisa May Alcott (Little Women #1-4): Ich bin mir ziemlich sicher, dass es etwas länger dauern wird, bis ich es schaffe, alle vier Romane auf Polnisch auszulesen, aber ich konnte bei der schönen Gestaltung der Bücher nicht widerstehen. Zudem ist es so, dass ich den ersten Teil zwar schon mehrmals gelesen habe und unzählige Male in verschiedensten Ausführungen besitze, mir aber bisher noch Teil 3 und 4 fehlten. Nun werde ich versuchen, die Bücher in der Winterzeit bei gemütlicher Atmosphäre zu genießen. (Übrigens: Das polnische Lesezeichen musste natürlich auch mit. Da steht schließlich "Zeit für Kaffee" drauf... und ohne Kaffee geht momentan gar nichts.)
  • "Ocean na końcu drogi" von Neil Gaiman: Möchte ich nur kurz erwähnen, weil ich den Roman bereits kenne, rezensiert habe und auch sowieso wirklich sehr oft auf dem Blog etc. empfehle. Da es eines meiner absoluten Favoriten aller Zeiten ist und die polnische Ausgabe sehr schick aussieht, habe ich sie ebenfalls als kleines Urlaubsandenken mitgenommen.
  • "Piranesi" von Susanna Clarke: Ganz frisch eingetroffen ist bei mir das neue Buch (erschienen 16 Jahre nach dem Debütroman!) von Susanna Clarke, der Autorin von "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Ich wollte vorher eigentlich noch besagtes Buch lesen, kam aber mal wieder nicht dazu. Zum Glück ist "Piranesi" deutlich kürzer als "Jonathan Strange", so bleibt es vielleicht nicht so lange ungelesen liegen. Der Roman klingt aber auch ganz nach meinem Geschmack. Es heißt, es sei eine hypnotische Geschichte, die in einer traumähnlichen und alternativen Realität spielt.
  • "Interview with The Vampire", "The Vampire Lestat" & "The Queen of the Damned" von Anne Rice: Drei Bände einer der bekanntesten Vampirreihen. Letzten Herbst hatte ich ein sehr großes Interesse an den verschiedensten Dracula-Adaptionen. Das hat wohl jemand mitbekommen und mir daraufhin zum Geburtstag die Bücher von Anne Rice geschenkt! Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut und kann es kaum erwarten, diesen Herbst erneut in diese Thematik einzutauchen. Den Film zum Buch habe ich vor Jahren mal so halb gesehen, kann aber nicht mehr sagen, ob ich ihn gut oder schlecht fand. Mal sehen, ob die Romane da einen größeren Eindruck hinterlassen werden. 
  • "Death on the Nile" von Agatha Christie (Hercule Poirot #17): Ein weiteres Geschenk bekam ich von den Arbeitskolleginnen aus der Buchhandlung. Ebenfalls ein Buch, das natürlich genau meinen Geschmack trifft, da ich in letzter Zeit wirklich im Murder Mystery und Crime-Fieber bin. Über "Death on the Nile" freue ich mich zudem noch einmal besonders, da der Film bald als Neuverfilmung in die Kinos kommen soll!
  • "Queenie" von Candice Carty-Williams: Auf Instagram habe ich diesen Neuzugang bereits vor einiger Zeit erwähnt. Wirklich interessiert war ich daran überwiegend durch die positive Rezension von Miss Bookiverse. Die deutsche Übersetzung erschien letztens im Aufbau Verlag und auch da gab es sehr viele positive Stimmen. Nun muss ich endlich nachziehen. Ich hoffe meine Erwartungen sind nun nicht zu hoch, aber der Klappentext klingt sehr vielversprechend.
  • (Rezensionsexemplar) "Das Flüstern der Bäume" von Michael Christie: Erscheint am 05. Oktober im Penguin Verlag. Laut Internetseite heißt es: "Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas". Ich bin seit einigen Jahren recht angetan von Generations- und Familienromanen (wenn sie spannend geschrieben sind), aber darüber hinaus mag ich Kanada - nicht zuletzt da mein Schwager Kanadier ist. War also ein absolutes "muss ich lesen"- Gefühl, als ich den Titel in den Vorschauen entdeckt habe. Ich bin nun sehr gespannt auf den Inhalt.
  • "True Story" von Kate Reed Petty: Ebenfalls schon kurz auf Instagram vorgestellt und ein Buch, das ich eigentlich sofort lesen möchte. Mich spricht einfach alles daran an: Titel, Inhaltsangabe, Cover... Jedoch habe ich das Gefühl, dass es vielleicht noch etwas stärker in die kälteren Herbstmonate passt, daher warte ich noch ein wenig ab, auch wenn es ziemlich schwerfällt.

 

Kennt ihr eines der Bücher und würdet sie empfehlen? War eines davon ein Flop für euch? Kauft ihr auch Bücher in anderen (eurer Mutter-)Sprache(n), obwohl ihr wisst, dass ihr sie nicht so schnell lesen werdet oder einfach nur, weil sie ein schönes Andenken sind?


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Everyone´s A Suspect: 2 x Lucy Foley

September 22, 2020

Jede*r ist verdächtig. Und jede*r kann das Opfer sein. 
 
Lucy Foley sorgt in ihren "Murder Mysteries" für doppelt Verwirrung, denn man weiß als Leser*in zunächst nicht, wer der Täter und obendrein noch nicht einmal, wer überhaupt das Opfer ist. Erst langsam nähert man sich den Geschehnissen, den dunklen Geheimnissen und letztlich den Antworten auf das Ganze. 
 
"I was surprised at myself. I´m not, as a rule, a judgmental person. But even if you don´t have much interaction with other human beings - as I do not - it turns out that the instinct to judge one another, that basic human trait, does not leave us." (The Hunting Party, S.57)

Die Schauplätze

Abgelegen. Sehr abgelegen. In beiden Romanen ist die Umgebung eher düster, verlassen, (eis-) kalt oder stürmisch. Alles funktioniert nach dem Prinzip "niemand kann entkommen und ist an dem Ort des Verbrechens gefangen". Ich persönlich fand beide Schauplätze clever in die Handlung eingebaut und konnte die Stimmung genießen. Vielleicht wirken die Geschichten aber tatsächlich noch einmal deutlich besser, wenn man sie bei prasselndem Regen liest.
Mir gefiel zudem, dass die Orte durch ihre Abgeschiedenheit die Verdächtigen eingrenzen. Es muss einer von ihnen sein, nun liegt es an den Leser*innen herauszufinden, wer es war und warum.

 

Die Figuren und die Handlung

Bei den Figuren habe ich mich teilweise etwas schwergetan. In beiden Romanen werden die Figuren und ihre Vergangenheit recht detailliert beschrieben. Skandale, Jugendsünden, Jobs, Träume, Wünsche und Partner. Nach "The Hunting Party" war ich dann erst einmal etwas zwiegespalten. Einerseits trägt es deutlich zur "tieferen Bindung" zu den Figuren bei, andererseits hat es sich dadurch manchmal in die Länge gezogen, ohne am Ende wirklich einen spürbaren Effekt gehabt zu haben. Oftmals hätte ich einige Dinge über die Personen gar nicht gebraucht. 
Dass auch Infos ausgelegt wurden, um falsche Fährten zu legen, ist denke ich klar, dennoch hat es mich manchmal eher etwas abgelenkt, sodass ich eigentlich nur schnell zum Ende kommen und wissen wollte, was die Auflösung des Ganzen ist. 

In "The Guest List" hat sich der Eindruck rund um die Figurengestaltung nicht wirklich geändert. Manchmal gefielen mir die zwielichtigen Verhaltensweisen und die Andeutungen, manchmal war es mir dann einfach schon zu viel "gewolltes" Verwirren der Leser*innen. Bei einigen oder vielen Figuren habe ich sogar mit den Augen gerollt. Zudem fand ich die Zusammenfügungen der Figuren in diesem Roman viel offensichtlicher, als in "The Hunting Party", daher war ich sogar ein ganz klein wenig enttäuscht über gewisse Entwicklungen oder Offenbarungen.

In beiden Fällen gefiel mir aber grundsätzlich die Dynamik der Gruppe und letztlich auch die Auflösung. Es war stimmig, plausibel und hat auch zu den Figuren gepasst. Und es gibt dennoch einige Überraschungen, mit denen ich nicht ganz gerechnet habe.

Die Handlung selbst wird recht geschickt erzählt, indem jede*r Anwesende zu Wort kommt und ihre Erlebnisse, Vermutungen und Erfahrungen schildert. So ist es uns überlassen, ob wir ihnen glauben, Hinweise finden oder merken, dass sie etwas verheimlichen. 
Aufgelockert werden diese Kapitel durch Einschübe, die zu dem jeweiligen Verbrechen oder Finden des besagten Opfers führen.

"There are real dangers out there, the landscape unfamiliar and treacherous in the dark. They are only now beginning to realize it fully. To understand just how unprepared they are." (The Guest List, S.144)

Foley vs. Christie?

Man kann und sollte die beiden nicht vergleichen. Zwar nehmen sich beide die Sparte der "Murder Mysterys" oder "Whodunits" vor, aber der Stil geht doch etwas auseinander. Christie setzt auf pointierte Hinweise, auf einen scharfsinnigen Detektiv und auf eine relativ kurz gehaltene Charakteristika der Täter*innen und Opfer.

Foley hingegen versucht ein kurzes Whodunit mit einem doch recht komplexen und psychologischen Denkmuster zu kombinieren, um einen umfangreichen Roman zu präsentieren. Tatsächlich ergänzt sich das manchmal ganz gut und sorgt für eine zusätzliche Tiefe, manchmal sind viele Details aber letztlich doch zu viel und lassen den Roman an der einen oder anderen Stelle so erscheinen, als drehe sich alles nur im Kreis, ohne wirkliches Ende.

Ich würde die Romane von Foley empfehlen, wenn man etwas Rätseln und dennoch das Gefühl eines umfangreichen Romans haben möchte. Aber eben vielleicht auch besonders zur Herbst- und Winterzeit!

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Kinostart von "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" + Gewinnspiel

September 10, 2020

Werbung ~ Pressevorführung + Bereitstellung der Gewinne   //  Copyright der Filmbilder: © 2020 eOne Germany

Zehn Jahre ist es nun her, dass die letzte Adaption des Romanklassikers "David Copperfield" von Charles Dickens als Fernsehfilm zu sehen war. Ganze fünfundachtzig Jahre liegt sogar der letzte große Kinofilm zurück.
Der gefeierte Regisseur Armando Iannucci hat es nun erneut gewagt, den Klassiker, mit einem mehr als bekannten Cast und einem wahnsinnig schönen Szenenbild und charmanten Kostümen, zum Leben zu erwecken. Der Kinofilm "DAVID COPPERFIELD - EINMAL REICHTUM UND ZURÜCK" (engl. Original: "The Personal History of David Copperfield") startet deutschlandweit am 24. September!

In diesem Beitrag möchte ich euch gerne den Inhalt des Films näherbringen und meine Eindrücke zur Umsetzung präsentieren. Gleichzeitig habt ihr zum Schluss auch noch die Chance etwas zu gewinnen!

"Vom verarmten Waisenkind zum gefeierten, strahlenden Schriftsteller – und dazwischen jede Menge spannende, skurrile, lustige und bewegende Ereignisse: Charles Dickens‘ berühmte, halbbiografische Geschichte wird [...] mit viel frischem Wind, Humor und einer großartigen Besetzung neu aufgelegt."

 

ZUM INHALT


David Copperfield (Dev Patel) verbringt mit seiner verwitweten Mutter Clara (Morfydd Clark) eine glückliche Kindheit im viktorianischen England. Als er jedoch eines Tages von einem Besuch bei der Verwandtschaft der von ihm sehr geliebten Haushälterin Peggotty (Daisy May Cooper) zurückkehrt, erfährt er, dass seine Mutter inzwischen Mr. Murdstone (Darren Boyd) geheiratet hat. Dieser entpuppt sich schnell als gemein und grausam – und Davids Anwesenheit im Haus ist ihm offensichtlich ein Dorn im Auge. Schon bald wird David nach London geschickt, wo er in einer Flaschenfabrik einer harten und äußerst schlecht bezahlten Arbeit nachgehen muss. Jahre vergehen, David ist inzwischen ein junger Mann, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Zutiefst erschüttert flieht er aus der Fabrik zu seiner Tante Betsey Trotwood (Tilda Swinton), die ihm gemeinsam mit ihrem äußerst exzentrischen Mitbewohner Mr. Dick (Hugh Laurie) wieder auf die Beine hilft. Doch Davids Reise ist noch lange nicht zu Ende, denn allerlei Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die ihm nicht immer Gutes wollen, sorgen dafür, dass sein Leben gleich mehrmals durcheinandergewirbelt wird. Allen Widrigkeiten zum Trotz reift in David ein Ziel: Er möchte als Schriftsteller berühmt werden und seinen Teil dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

 

FILMKRITIK

Die Idee einer Neuverfilmung von "David Copperfield" stieß bei mir zu Beginn auf eine gegensätzliche Reaktion. Einem "ist das wirklich nötig", folgte sogleich ein "könnte interessant werden". Das Bedürfnis, den Film letztlich sehen zu wollen, wurde durch den Trailer hervorgerufen. Rasant, humorvoll, teils absurd, aber wirklich unterhaltsam. Das waren die Adjektive, die mir sofort in den Kopf schossen. 
Und tatsächlich war die Neuverfilmung Iannuccis für mich eine wilde Fahrt durch das viktorianische England. Das Tempo ist durchaus zügig, denn man wird teilweise nur so von einem Lebensabschnitt David Copperfields zum nächsten geschubst. An einigen Stellen habe ich mich gefragt, ob man nicht hätte etwas in die Tiefe gehen sollen, aber im Endeffekt hätte es dem Film den "Witz" genommen. 
Gerade dadurch verspürt man das Gefühl, welches der Erzähler und gleichzeitig Autor David Copperfield wohl verspüren muss, wenn er beim Versuch, sein Leben aufzuschreiben, von einem Kapitel zum nächsten springt.
Teilweise hatte ich zudem das Gefühl, dass ich keinen Film, sondern ein Theaterstück schaue, das etwas außer Kontrolle gerät (nicht negativ gemeint!).

Dieser Aspekt führt auch schon zum nächsten Punkt: Der Film bemüht sich um eine starke Verbindung zum Schreiben selbst, zum Entwerfen einer Geschichte und den Charakteren. Es war schön zu sehen, dass einige Geschehnisse, wie im direkt stattfindenden Schreibprozess, wiederherausgeschrieben, beschönigt oder verstärkt wurden. Bei all dem Chaos, den man manchmal meint zu verspüren, wird man schlicht stärker in den Schreibprozess der Geschichte hineingezogen. Das gefiel mir letztlich wirklich sehr!
Somit ist der Film durchaus etwas, das man einfach genießen kann oder man legt Wert auf die kleinen Details und versucht in der Bedeutung etwas tiefer zu gehen. So oder so, habe ich den Eindruck, genießt man den Film, vielleicht auch besonders als bibliophiler Mensch.


DER CAST

Was mir ganz besonders gefallen hat, war der wirklich, wirklich toll besetzte Cast! Dev Patel als Copperfield hat immer so einen nachdenklichen, aber gleichzeitig auch naiven Gesichtsausdruck, der wunderbar zur Figur passt.
Ebenso war ich auch von Tilda Swinton, Hugh Laurie und Ben Wishaw überzeugt. Ben Wishaw als einer der bekanntesten "Bösewichte" Uriah Heep war mehr als unterhaltsam. Jeder hat seine eigenen Marotten, seine speziellen Grundzüge und bringt sie auch im Film wunderbar rüber. Auch die Gruppe als solches, die immer um den heißen Brei herumredet, aber oftmals nicht auf den Punkt kommt oder ehrlich ist, hat einen eigenartigen Charme.
Mir fällt es daher wirklich schwer, einen einzigen Liebling zu nennen, da die Schauspieler insgesamt und vor allem im Zusammenspiel wunderbar funktioniert haben. Ich empfehle wirklich, den Trailer zum Film anzusehen, um einen annähernden Eindruck vom Auftreten und auch der Art und Weise der Gespräche zu bekommen.

FARBEN, KOSTÜME UND DAS SZENENBILD

Auch das Szenenbild und die Kostüme haben mich stark in den Bann gezogen. Wir bekommen einen leichten Eindruck davon, wie es wohl im viktorianischen England zu Charles Dickens´ Zeiten war, werden aber gleichzeitig in eine ganz neue, bunte und farbenfrohe Welt entführt, die dadurch sehr modern wirkt. Die Farben sind oftmals kräftig und passen eher in unsere heutige Welt, spielen aber oftmals auch mit dem Tristen, um die Gefühlswelt des Erzählers zu untermalen. Der Stil der Häuser, Straßen und Anziehsachen orientiert sich aber an den früheren Zeiten.
Ich persönlich fand diese Mischung wahnsinnig ansprechend, da der Film dadurch eben nicht verstaubt wirkt, sondern vor Unterhaltung und dem "Neuen" sprüht.

GIBT ES UNTERSCHIEDE ZUM BUCH BZW. MUSS EIN VERGLEICH SEIN?

Aus alt mach neu? Bei dieser Neuverfilmung definitiv. Ich muss hier vielleicht doch gestehen, dass ich die Romanvorlage bisher gar nicht vollständig gelesen, sondern lediglich zum Vergleich reingeschnuppert habe. 
Iannuccis Interpretation grenzt sich schon deutlich von Dickens´ Klassiker ab und lehnt sich sogar noch ein Stück weiter aus dem Fenster heraus. Die im Roman stark thematisierte Armut des Protagonisten ist im Film sicherlich auch ein Hauptaspekt, jedoch wird er ganz anders transportiert. Im Film wurde daraufgesetzt, dass das Thema nicht so "schwer" und traurig rübergebracht wird. Man wird als Leser*in vernünftig damit konfrontiert, empfindet aber sicherlich kein Gefühl eines "Les Miserable". Der Film möchte bei all der Schwere trotzdem noch unterhalten. 

Wie so üblich, ist eine 1:1 Adaption nicht möglich. In diesem Fall hat man sich aber wohl noch größeren künstlerischen Freiheiten bedient.
Besonders markant war hierbei, dass sich die Filmemacher dazu entschieden haben, David Copperfield (und auch weitere Figuren) nicht mit einem weißen Schauspieler zu besetzen, obwohl dies im Roman deutlich genannt wird. Ich persönlich fand die Idee gut, dass man sich nicht auf den Rassismus der damaligen Zeit gestürzt hat und man wieder in der alten "Falle" hing, dass man die Figuren nach Hautfarbe und nicht nach Charakter besetzt. 
In dieser Neuverfilmung wird sich diesem Denken gezielt widersetzt. Es geht zwar noch um Unterschiede zwischen Arm und Reich, aber nicht mehr um Weiß und Schwarz. Diese Herangehensweise kann ich natürlich nur aus meiner privilegiert weißen Sichtweise bewerten. Mich würde durchaus interessieren, ob schwarze Zuschauer*innen sich davon gestört fühlen, dass dieser Aspekt sozusagen "ausradiert" wird oder, ob es für sie auch eine fortschrittliche und geglückte Umsetzung ist.
Diese Besetzung hatte aber für mich zusätzlich das schöne Gefühl, dass man mit einem alten Klassiker mal nicht wieder die alten Stereotypen aufzeigt, nach dem Motto: "So war es halt einfach", sondern sich eher die Mühe gemacht hat zu zeigen, wie unsere Gesellschaft sich weiterentwickelt (auch, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich wohl bleiben wird).

Daher bin ich auch der Meinung, dass man in diesem Falle der Neuverfilmung nicht zwingend im Detail auf die Romanvorlage blicken sollte. Beide Geschichten sind in ihrem Inhalt gleich, sie beschreiben das Leben des David Copperfield, der durch Höhen und Tiefen zum Schriftsteller avanciert. Aber die Zeiten ändern sich und der Film hat die Chance ergriffen, uns einen neuen David Copperfield der Moderne zu präsentieren, wenn auch mit gelungenen Verweisen auf die viktorianische Zeit.


GEWINNSPIEL

Neugierig geworden auf Neuverfilmung und Klassiker? Dann habt ihr jetzt die Möglichkeit 1 x 2 Kinogutscheine und 1 x die Romanvorlage von Charles Dickens aus dem Fischer Verlag zu gewinnen! Das Gewinnspiel endet am 23. September um 23:59.

Alles was ihr dafür tun müsst: Vervollständigt folgenden Satz: Tante Betsey Trotwood (gespielt von Tilda Swinton) und Mr. Dick sagen, "Wir sind ruiniert wie eine ...? (Pssst, kleiner Tipp: Die Antwort findet ihr im Trailer)  Schon seid ihr im Lostopf!


TEILNAHMEBEDINGUNGEN:
Beantwortet mir die oben gestellte Frage (unter Angabe eurer gültigen Kontakt-/ E-Mail-Adresse). Ihr müsst 18 Jahre alt sein (oder die Erlaubnis eurer Eltern einholen). Die Auslosung des / der Gewinner*in erfolgt am 24. September unter allen Teilnehmern. Im Anschluss wird der /die Gewinner *in benachrichtigt. Im Falle eines Gewinns bitte ich denjenigen / dienige dann, mir seine / ihre Adresse zukommen zu lassen. Der Gewinn wird euch dann direkt von "JETZT UND MORGEN GbR" zugeschickt. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Teilnahme ist für alle aus Deutschland möglich (da die Tickets nur deutschlandweit einlösbar sind).


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August: Geburtstagsmonat und Instagram-Frust

September 07, 2020


Ein Jahr älter (die Neuzugänge hierzu werden bald noch folgen) und immer noch die gleichen Gedanken, Träume und Wünsche sowie Fragen an das Leben und technische Schwierigkeiten...
Ich merke derzeit wieder, wie abhängig man sich von Social-Media-Plattformen macht, ohne dies bewusst wahrzunehmen. Normalerweise poste ich nur etwas, wenn ein neuer Beitrag auf dem Blog erschienen ist oder es literarische Neuigkeiten gibt. Es kommt also auch mal vor, dass gut ein oder zwei Wochen nichts veröffntlicht wird. Dennoch verbringe ich wohl wahnsinnig viel Zeit damit, zu kommentieren, Neue Accounts zu entdecken, Beiträge und Stories anzusehen und natürlich auch darauf mit einem Herzchen zu reagieren. bewusst wird mir das mal wieder, weil ich derzeit auf Instagram gar nicht interagieren kann. Aus irgendeinem Grund kann ich mit meinem privaten Account nichts machen, bis auf mir die Beiträge anzusehen. Alle weiteren Aktionen werden abgebrochen oder gelöscht. Nach gut einer Woche wird man immer nervöser, statt gelassener, weil man denkt, man verpasse einfach etwas oder verliere den Bezug zu allen anderen (hello, FOMO). Stimmt natürlich nicht, weil es den meisten sowieso nicht auffällt, aber das zeigt doch ganz gut, wie uns (und unsere Gedanken) diese Plattformen steuern können. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Monat war zusätzlich zu vielen Geburtstagen und einer Geschäftsreise recht turbulent. Zum Abschluss des Augusts ging es dann noch in eine sehr späte (und sehr leere) Kinovorstellung. "TENET" Christopher Nolens neuestes Projekt kommt für mich zwar nicht an Inception und Interstellar heran, hat aber durchaus spannende Aspekte zu bieten. Ich bin ja generell sehr für solche Raum-/Zeitspielereien zu haben!

Aber auch literarisch hatte der Monat einiges zu bieten. Hier die Infos im Überblick:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 
  • "Murder on the Orient Express" (Hercule Poirot #10), "The ABC Murders" (Hercule Poirot #13) & "Dumb Witness" (Hercule Poirot #16) von Agatha Christie: Crime, Crime und noch mehr Crime. Im August hat mich die Lust nach den detektivischen Arbeiten des Herrn Poirot gepackt. Drei Romane durften demnach direkt hintereinander gelesen werden. Ich fand alle durchaus spannend und geschickt konstruiert. Natürlich läuft es nun auch darauf hinaus, dass ich noch weitere Fälle heranziehen werde. Christie versteht es, die Leser*innen auf falsche Fährten zu führen, ihnen das Gefühl zu geben, alles durchschaut zu haben und letztlich noch zu überraschen. Übrigens so als kleiner Tipp: Alle drei Bücher passen perfekt in die kommende Herbst- und Winterzeit!
  • "Normale Menschen" von Sally Rooney: Ein Buch, das letzten Monat sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hat, vor allem auf den Social-Media-Kanälen. Es geht um eine Jugendliebe, die keine ist und auch irgendwie doch. Es geht um die Abhängigkeit und Gewohnheit einer anderen Person, um gebrochene Menschen, instabile Familien und um den kleinen Hoffnungsschimmer im Leben. Grundsätzlich gefiel mir doch einiges an der Geschichte, einiges jedoch war mir dann doch wieder zu viel beziehungsweise zu aufgesetzt, was die körperliche Komponente betrifft. Schön jedoch fand ich durchaus, dass beide Figuren nicht den typischen Klischees aus Liebesgeschichten / Beziehungen entsprechen. Es gibt kein "typisches Bild des Mannes" (á la rivalisierend, emotionslos, typischer Beschützer und Retter), ebenso wenig wie das "typische Bild der Frau" (á la unschuldig, muss vom Mann versorgt werden). 
  • "You Let Me In" von Camilla Bruce: Eine sehr spannende, teils bizarre und durchaus psychologische Geschichte. Zumindest, wenn man eine Seite der Erzählung als Wahrheit betrachtet. Die andere biegt in eine dunkle, märchenhafte Richtung ab. Ich persönlich fand den Roman sehr stark, aber ich liebe es auch, wenn es um Themen mit düsterer Atmosphäre geht. Wird vielleicht sogar eines meiner Highlights werden.
  • "Wir sind fünf" von Matias Faldbakken: Auch hier sind zwei Interpretationen möglich. Beide auf ihre Art plausibel und interessant dargelegt. Ich persönlich fand die Thematik rund um den Lehm packend, ebenso wie die Entfaltung der Dynamik der Familie. Für mich definitiv ein Buch, das mich mit einem positiven Eindruck zurückgelassen hat, weil es sich von anderen Romanen abhebt, ein gutes Tempo aufweist, leicht „runterzulesen“ ist, aber auch gleichzeitig ein wenig von den Leser*innen an Interpretationen abverlangt.
  • "The Hunting Party" von Lucy Foley: Hierzu folgt in Kürze noch ein Beitrag, daher nur kurz vorab: Die Romane von Lucy Foley habe ich mir bestellt, um den Crime-Aspekt auch abseits von Agatha Christie etwas zu ergründen. Mal sehen, was mir am Ende also besser gefallen wird...


Wie war euer Lesemonat August denn so? Gab es etwas Spannendes, Unerwartetes oder etwas, das euch verärgert hat? Habt ihr schon etwas von Agatha Christie gelesen?


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Wir sind fünf von Matias Faldbakken

September 05, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Vi er fem"/ 2019), Heyne Hardcore (2020), Übersetzer/in: Maximilian Stadler (aus dem Norwegischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Ein faustischer Pakt mit der Hölle.
In der Nähe von Oslo in einem kleinen Ort namens Råset führt Tormod Blystad mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ein beschauliches Leben. Nach einer wilden Jugend ist aus Tormod ein verlässlicher Vater und Ehemann geworden. Aber in jeder Familie gibt es eine Lücke, die gefüllt werden muss. So kommt die kleine Hündin Snusken auf den Hof. Die Kinder lieben das Tier sehr, doch eines Tages verschwindet Snusken spurlos. Um seine Kinder zu trösten, mischt Tormod in seiner Werkstatt aus verschiedenen Zutaten ein Ersatzwesen aus Lehm – und fordert damit Kräfte heraus, deren Reichweite er nicht einmal erahnen kann."
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Faldbakkens neuer Roman ist für mich ein Fall von: Was habe ich da gerade eigentlich gelesen? Ist es schlichtweg eine Darstellung der inneren Zerrissenheit während eines Rausches oder ist es ein Roman, der darauf abzielt, die Leser*innen mit einer bizarren Form eines neuen, intelligenten Lebens vertraut zu machen?
Für mich war es zwar ein interessantes Zusammenspiel beider Varianten, jedoch bin ich generell nicht so für Romane zu haben, die von dem Einnehmen verschiedener Substanzen berichten und daraus eine Handlung generieren. Daher habe ich diesen Aspekt für mich eher beiseitegeschoben und versucht mich auf letzteres zu konzentrieren und einzulassen.

Dies bedeutete, dass die Handlung natürlich etwas absurd scheint. Ein Wesen aus Lehm, mit dem die ganze Familie interagiert und das als fünftes Familienmitglied angesehen wird. Interessant fand ich aber, dass sich dadurch viele Fragen rund um das Konstrukt "Familie" entspinnen, die man zunächst gar nicht vermuten würde zum Beispiel: Wann wird "etwas" oder jemand zum Teil der Familie? Welche Dynamiken entstehen, wenn eine Familie das Gefühl hat, dass sie noch nicht komplett ist? Wieviel würde man für die Familie opfern?
Nach und nach lernen wir verschiedene Sichtweisen der Familienmitglieder kennen und werden so durch deren Zusammenhalt oder deren Zerrissenheit gelenkt.


"Der Professor war zwar von den Erfindungen des Jungen so beeindruckt gewesen, dass er Jorstad mehrmals daran erinnerte, aber dieser erklärte ihm - wahrheitsgemäß -, dass Thorstad neben der Spur war, dass er neben sich stand. Er sei zu einer tickenden Zeitbombe geworden. Ja, Jorstad benutzte tatsächlich das Wort "Zeitbombe" als Beschreibung für den Jungen aus Raset." S.18

Grundsätzlich ist der Roman interessant, da er ganz neue Ideen aufgreift und diese auch stilistisch relativ spannend umsetzt. Das Tempo ist durchaus geglückt. Man bewegt sich schnell vorwärts, verweilt aber dennoch lange genug bei bestimmten Geschehnissen oder blickt darauf zurück, sodass nichts losgelost und vergessen scheint. Als Leser*in wird man von einem zum nächsten Kapitel gezogen, ohne, dass es einem zu langatmig vorkommt. Das war für mich ein großes Plus. 
Zudem war und bin ich auch jetzt noch, sehr angetan von dem gesamten Konzept. Mir gefiel die Idee des "Pakts mit dem Teufel" und auch die etwas bizarre, düstere, aber gleichzeitig oft heitere und ironische Stimmung. Es liest sich wie eine Tragikomödie. Dennoch fand ich einige Kapitel etwas überflüssig, weil sie mir wieder zu sehr in diese Schiene des "Drogenkonsums", der den Menschen steuert und irrational handeln lässt, gelenkt wurden. Ich weiß, dass dies ein zentraler Aspekt des Romans ist und dadurch auch erst viele Interpretationen Sinn ergeben, jedoch traf dies einfach nicht meinen persönlichen Geschmack. 

Die Figuren selbst, die Familie, hat mich teils sehr an sich gebunden und teils blieb sie mir doch fremd. Dies lag natürlich ein wenig daran, dass wir überwiegend Tormod Empfindungen folgen, aber auch daran, dass ich mit vielen Handlungen nicht sympathisieren konnte. Spannend wird es aber dennoch besonders zum Ende hin, wenn sich einige Geschehnisse aus anderen Blickwinkeln betrachten lassen. Dadurch stellt man einige Eindrücke erneut in Frage.
Mich persönlich hat die "Entwicklung" des Tonklumpens am meisten interessiert. Ich war stets gebannt, wenn es darum ging, zu erfahren, welche Fortschritte, welche Veränderungen wir miterleben können und wohin dieses ganze Experiment letztlich führen wird.


Ein durchaus gelungener Roman, der sich wie eine Tragikomödie liest und für mich mit einem starken Ende überzeugen konnte. Die Idee des Ersatzwesens aus Lehm hat mich wahnsinnig fasziniert und in den Bann gezogen. Leider griff der Roman auch vordergründig die Erfahrung und die Eindrücke eines Drogenrausches mit auf, (was auch maßgeblich zu einigen Interpretationen beitragen kann) was mich persönlich aber eher weniger interessiert, sodass ich mich zu der sehr bizarren Version der "realen Geschehnisse" in dem Dorf hingezogen gefühlt habe. Der Roman thematisiert vordergründig viele Fragen, die sich mit dem Konzept der Familie und gleichzeitig mit den individuellen Wünschen und Erwartungen jedes Familienmitglieds beschäftigen. Für alle, die gerne Romane abseits der Norm lesen.


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