Die Melodie meines Lebens von Antoine Laurain

September 21, 2017







(Original: "Rhapsodie francaise"/ 2017) Atlantik Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Sina de Malafosse, 256 Seiten, gebunden★★ 3 Sterne
"Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden … Humorvoll und mit feinem Gespür für Nostalgie erzählt Antoine Laurain von vergessenen Lieben, verlorenen Freundschaften und verpassten Chancen – die plötzlich neues Glück versprechen. "


MEINE MEINUNG | FAZIT
  
Antoine Laurains Geschichten machen mich immer neugierig. Allein schon aufgrund der Ideen, die sich in den Klappentexten immer andeuten und sich auf das Schicksal beziehen.
Es geht meist immer um einen bestimmten Moment im Leben einer Person, die wie ein Dominoeffekt den ersten Stein ins Rollen bringt und unzählige weitere mitreißt. Am Ende weiß man nie, was daraus wird und wie sich die Figuren mit den Ereignissen zurechtfinden werden. Auch "Die Melodie meines Lebens" greift so einen Moment auf. Und obwohl der Roman wieder den französischen Charme aufgreift und viele kulturelle Elemente aus Frankreich einbaut, schien mir die Gesamthandlung letztlich etwas zu "mager".
Damit meine ich gezielt die Verbindung der anfänglichen Idee mit den ausgeführten Schilderungen der Lebenswege der Protagonisten. Irgendwie schien mir vieles zu lose in der Geschichte herumzuschwirren, einige Handlungsstränge wollten sich für mich nicht ganz gelungen mit dem Ziel der Aussage verbinden. Es gibt zwar durchaus gelungene Ansätze, die etwas überraschende Wendungen offenbaren, aber auch hier war mir einiges zu "einfach" umgesetzt beziehungsweise im Endeffekt dann doch zu stereotypisch.

"Ein Nachmittag Anfang der achtziger Jahre, als sie noch jung waren, als sie, wie es so abgedroschen und doch wahr heißt, das ganze Leben noch vor sich hatten. Und das Leben war so schnell verschwunden wie ein Umschlag im BriefkastenschlitzS.146

Auffallend war für mich, dass diesmal die philosophische Komponente des Romans, wie es bei Laurains anderen Büchern der Fall war, etwas rückhaltig erschien. Viele Passagen haben sich mit der Politik selbst befasst und wirkten eher losgelöst, fast wie ein kurzes "Rede-Intermezzo".
Das Vorkommen dieses Inhalts fand ich gar nicht schlecht und möchte ich nicht kritisieren, weil ich finde, dass es eigentlich wunderbar zu einem bestimmten Protagonisten gepasst hat und man dieses Thema durchaus öfter aufgreifen sollte, allerdings schien mir die Umsetzung nicht ganz so gelungen.
Insgesamt gab es natürlich die kleinen Augenblicke während des Lesens, die einem dieses wohlige Gefühl geben, die man bei der Geschichte erwartet hat, besonders wenn alle Leben irgendwie zueinander finden, sei es auch gerade dann, wenn sie am weitesten voneinander entfernt scheinen, aber mir hat zum Schluss die bestimmte Portion "des Besonderen" gefehlt, die ich mir von Antoine Laurains neuen Roman so erhofft hatte. Die Figuren selbst bleiben durch die relativ große Gruppe, die man kennenlernt eher unausgereift, aber man findet an einigen Stellen ganz sympathische und humorvolle Aussagen, die letztlich das Leben so wiederspiegeln, wie es nun einmal ist, meist auf imperfekte Weise perfekt.


Ist durch den enthaltenen französischen Charme und viele Andeutungen an die französische Kultur ganz unterhaltsam, befasst sich aber auch etwas stärker mit politischen Ansichten. Die Figuren schienen mir etwas zu skizzenhaft und auch einige Handlungsabläufe wirkten auf mich zu abwegig. Grundsätzlich kann man sich mit diesem Roman aber einen schönen Lesenachmittag machen, der einen gut unterhält. Mich persönlich konnte dieser Roman nicht so überzeugen, wie die "Vorgänger" Laurains, allerdings haben mir auch hier wieder die vielen Andeutungen an die Launenhaftigkeit des Zufalls und Schicksals gut gefallen.


























Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Neuerscheinungen Oktober

September 18, 2017


Der Oktober scheint mir jedes Jahr aufs neue sehr verlockend, was seine Neuerscheinungen betrifft. Die herbstliche Jahreszeit lädt dazu ein, sich ins Bett zu kuscheln und thematisch passende Bücher zu lesen. Daher bestehen meine derzeitigen Buchbestellungen tatsächlich auch überwiegend aus Halloween- und Weihnachtsbüchern. 
Dennoch habe ich auch einiges an "neutraleren" Büchern gefunden, die mich sehr interessieren zum Beispiel die neu gestaltete Manesse Bibliothek oder der neue Roman von Edward St. Aubyn.

Wie immer gelangt ihr durch einen Klick auf den Titel, auf die jeweilige Verlagsseite und zu den dazugehörigen Informationen zum Buch.

"Wovon sie träumten" von Fiona Davis, Goldmann, Tachenbuch, 10. Oktober
Klingt mysteriös und nach einem eigentlich schönen Roman zum "Abtauchen". Mal sehen, ob sich dieses Geheimnisvolle auch gut auflöst und es nicht zu "überdramatisch" wird, aber der Klappentext selbst macht mich schon sehr neugierig.

"Schriftstellerinnen und ihre Gärten" von Georg Möller und Gary Rogers, DVA, gebunden, (voraussichtlich) 29. Oktober (2018)
Allein schon der Titel hat mich sofort angesprochen. Musste also unbedingt auf den Merkzettel. Allerdings scheint auf der offiziellen Seite das Erscheinungsdatum auf den 29. Oktober 2018 verlegt worden zu sein. Bleibt aber dennoch solange im Hinterkopf.

"Ein Srück Land" von John Lewis-Stempel, DuMont, gebunden, 12. Oktober
"Der englische Landlord John Lewis-Stempel erzählt von einer Wiese. Sie gehört zu seinem Hof Trelandon in Herefordshire an der Grenze zu Wales. Mit fesselnd genauer Beobachtungsgabe hält der Historiker, Schriftsteller und Farmer fest, wie sich dieses kleine Landstück über das Jahr hinweg verändert, was darauf und wer davon lebt."
Hört sich für mich wunderbar liebevoll und erholsam an. 

"Das kleine ABC vom Unglück" von Edward Gorey, Diogenes, gebunden, 25. Oktober
Das Büchlein hat recht wenige Seitenzahlen, enthält dafür aber zahrleiche Illustrationen, die jeweils ein "makaberes" Verschwinden der Figuren aufzeigen und dabei mit kleinen Reimen ergänzt werden. Passt eigentlich perfekt zu Halloween, bleibt also vorgemerkt.

"Dunbar und seine Töchter" von Edward St. Aubyn, Knaus, gebunden, 30. Oktober
Tatsächlich war ich hier zunächst etwas verwirrt. Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um einen "normalen" neuen Roman des Autors handelt. Allerdings scheint es nun so, dass dies sein Beitrag zum "Hogarth Shakespeare" Projekt des Knaus Verlags ist. Dabei war der Erscheinungstermin eigentlich für den Herbst 2018 angesetzt! Umso mehr freut es mich, dass man sich schon diesen Herbst auf diese Neuinszenierung von "König Lear" freuen kann. Ich kann es kaum erwarten!

"Kleine große Schritte" von Jodi Picoult, C. Bertelsmann, gebunden, 02. Oktober
Ich bin zwar kein so großer Picoult-Fan, denn bisher habe ich nur einen Roman der Autorin gelesen, aber dieser hatte mir damals wirklich gut gefallen. Hier hat sich zudem der Klappentext recht interessant angehört und die Geschichte scheint in die gesellschaftskritische Richtung zu gehen, so bleibt auch dieses Buch vorläufig auf dem Merkzettel.

"Die große Verblendung - Der Klimawandel als das Undenkbare" von Amitav Ghosh, Blessing, gebunden, 23. Oktober

"Der kleine Freund" von Donna Tartt, Goldmann, Taschenbuch, 16. OktoberNicht gänzlich neu, denn das Buch erschien glaube ich, schon einmal 2013. Nun kommt es mit einem, ein wenig abgeänderten Cover daher. Den "Distelfink" habe ich bisher immer noch nicht gelesen, daher wird das Buch wohl auch nicht so schnell bei mir einziehen, dennoch bleibt es auf der Liste, weil sich der Inhalt tatsächlich wirklich spannend anhört.


"Das Museum der Pflanzen - Postkarten Buch" von Katie Scott, Prestel, Broschur, 30. Oktober
Kein Buch in dem Sinne, aber vielleicht ebenso schön: Ein Postkarten Buch mit schönen floralen Illustrationen.

"Dich suchte ich" von Pablo Neruda, Luchterhand, gebunden, 16. Oktober
Gedichte sind für Zwischendurch immer ganz gut. Man kann sich von den längeren Büchern lösen und man kann sich die Gedichte selbst durch das Tempo "einteilen". Zudem sollen dies neu gefundene Liebesgedichte des verstorbenen Autors sein, was die ganze Sache meiner Meinung nach auch wieder interessant macht, da es sich nicht nur um ein Sammelband handelt, den man vielleicht schon kennt.


"Taschenliebe" von Manuela Reichert (Hrsg.), btb, gebunden, 16. Oktober

"Aus Neugier und Leidenschaft" von Margaret Atwood, Berlin Verlag, gebunden, 13. Oktober
Stories von Margaret Atwood. Mehr muss ich eigentlich nicht mehr sagen. Landet immer automatisch auf dem Merkzettel. Diesmal überlege ich nur, ob ich sie nicht lieber im englischen Orginal lesen würde.

"Das Zelt" von Margaret Atwood, Piper, Taschenbuch, 02. Oktober
Diese Erzählung hört sich ebenfalls wieder nach einer wunderbaren Idee der Autorin an. Eine Katze, die in den Himmel kommt und sich mit Gott unterhält. Musste also auch vorgemerkt werden.

"Nachtlichter" von Amy Liptrot, btb, gebunden, 09. Oktober

"Unzertrennlich" von Joyce Scott, Kösel, gebunden, 02. Oktober

Die vier Titel der neuen Manesse Bibliothek: Erscheinen am 02. Oktober
Die drei neuen Titel des Imprints Wunderraum: Erscheinung 16. Oktober
Weihnachtliche (Unterhaltungs-)Romane:



Einfach mal raus: Vier Städte in zwei Tagen

September 15, 2017









Es gibt eigentlich immer genügend Gründe, um nicht wegzufahren. Der Ausflug ist zu kurzfristig, die Uni sitz einem ständig im Nacken oder man will lieber einfach entspannen. Letzteres war auch meine Top-Ausrede (wobei die Uni auch nicht gerade dezent nach diversen Fristen schreit), als meine Mama mich fragte, ob ich sie nicht auf eine kleine "Städtereise" begleiten würde.

Ihr Plan: Hauptsächlich Straßburg. Was sie mir "verschwiegen" beziehungsweise womit sie mich überrascht hat: Ein Abstecher zum Schwarzwälder "Bärenpark", nach Lunéville und Heidelberg. Und das alles in zwei Tagen.
Wie gesagt, der Alltag scheint einem eigentlich viel zu sehr im Rücken zu sitzen, aber man stellt schnell fest, dass so eine kleine Auszeit wahre Wunder bewirken kann. Man vergisst nach einiger Zeit tatsächlich sämtliche unnötige Aufgaben, die man sich selbst Daheim auferlegt hat, ohne einmal über den Sinn nachzudenken. Vielleicht lag dieses, sich entfaltende Gefühl der "Freiheit" auch daran, dass ich mein Handy ausgeschaltet hatte, während wir uns in Frankreich aufhielten. Wer weiß, es hat mir zumindest gezeigt, dass ich (sollte meine Schwester das lesen, sagt sie "Ich hab es dir doch gesagt") spontaner auf solche Vorschläge mit einem "ja" reagieren sollte, um dem Alltag für kurze Zeit zu entfliehen und die eigenen Kräfte auf Vordermann zu bringen.

Pflichtbewusst, wie ich mich anfangs gefühlt habe, packte ich sofort ein Buch für unterwegs mit ein. Die Wahl fiel ziemlich schnell auf "The Circle", da ich mir das Buch von meinem Schwager ausgeliehen habe und es noch vor der Buchverfilmung, die übrigens gerade anlief, beenden wollte. Natürlich habe ich nicht eine einzige Seite gelesen, weder im Auto, noch im Hotel, noch in einer anderen Situation. Es gab einfach viel zu viele andere Dinge, die nach Aufmerksamkeit gerufen haben.

Da wären natürlich die unfassbar süßen Bären, die im Schwarzwald ihrem neu erlangten, unbeschwerten Alltag nachgehen. Es ist schon fast Tradition geworden, dass unsere Familie sämtliche Bäreninitiativen "feiert", denn meine Schwester ist seit Kindheitstagen eingefleischter "Bärenfan", wie man so schön sagen könnte. Natürlich hat sie uns damit angesteckt. Dieser Zwischenstopp musste also einfach sein.
Besonders an diesem Bärenpark ist allerdings, dass die Tiere nicht wie eine Zirkusattraktion behandelt werden, ganz im Gegenteil. Der Park setzt sich dafür ein, Bären aus Gefangenschaften zu befreien und ihnen ein angenehmes Leben ohne Schmerzen und Qualen zu ermöglichen. Nähere Informationen darüber findet ihr übrigens auch hier auf der offiziellen Seite. 
Auf der einen Seite ist man als Besucher natürlich zuerst entzückt, dass man die Tiere aus dieser Nähe beobachten kann, liest man sich aber durch die Hinweisschilder wird einem erst bewusst, wie viel die Tiere durchgemacht haben und was für eine außerordentliche Leistung die Mitarbeiter und Organisatoren dort jeden Tag leisten. Daher bin ich natürlich mal sehr dreist und empfehle euch den Besuch dort ohne Einschränkung, auch wenn euch andere Arten mehr ansprechen, denn dieses Engagement zu sehen, die Bären zu füttern und zu pflegen ist wirklich vorbildlich und der Eintritt unterstützt den Park natürlich ein klein wenig in finanzieller Hinsicht.

Anschließend ging es dann also geradewegs richtung Hauptziel: Straßburg. Ah, wie französisch man sich plötzlich gefühlt hat, obwohl die deutsche Grenze nicht allzu weit entfernt liegt.
Überall springen einem Wörter entgegen, wie "Macarons", "Croissant" und natürlich für mich immer wieder schön "Librairie". Auch wenn die Großstädte sich immer ähnlicher werden und man kaum noch Geschäfte findet, die es nicht auch bei uns gibt, hat die Stadt ein ganz besonderes und eigenes Flair. Das hat uns dazu veranlasst, dass wir einfach ohne Ziel (außer einem kurzen Zwischenstopp am Notre Dame) durch die Stadt geschlendert sind und uns bei wirklich fabelhaftem Wetter mitten in die Stadt gesetzt und unterhalten haben.

Nach einer Übernachtung in Straßburg ging es weiter nach Lunéville. Dort steht ein Schloss, in dem ein polnischer König (ungewöhnlich und besonders: Er wurde durch die Abstimmung des Volkes gewählt) herrschte. Aufgrund meiner polnischen Wurzeln war dies also ebenso ein Wunschbesuch meiner Mutter. Nach einigem Gezeter meinerseits (ja, pubertäre Verhaltensweisen lassen sich nicht komplett abschütteln), haben wir eine kleine Runde durch die noch erhalten gebliebenen Räume gedreht. Leider steht das Schloss unter keinem wirklich guten Stern, denn laut Recherchen entfachte dort bereits drei Mal ein Feuer, welches den Großteil zerstört hat.
Die Restauration dauert immer noch an, sodass nur ein kleiner Teil zugänglich war. Nichtsdestotrotz sehr lohnenswert, allein aufgrund dieser mysteriösen Geschichte, dem schönen Schlossgarten und der angenehm leichten Atmosphäre, die dort herrscht.
Kleiner "Fun-Fact" hierzu: Das Schloss besaß den ersten "Flying Table", der von der Küche im Erdgeschoss in die oberen Etagen gezogen wurde und die feinen Damen und Herren ihre Mahlzeiten ohne große Umstände einnehmen konnten.
In diesem Städtchen besuchten wir übrigens die erste und einzige Büchhandlung auf der Reise. Der Wortlaut meiner Mutter: "Das nenn ich mal eine Buchhandlung." Sie war wirklich klein, aber der komplette Laden stand voll mit Büchern. Selbst die Ladeninhaberin hatte kaum Platz, sie wusste allerdings tatsächlich immer, wo welches Buch zu finden war.

Der letzte Halt folgte in Heidelberg. Zugegeben, sonderlich fit waren wir nicht mehr, dafür haben wir uns dort etwas Zeit gelassen und haben uns gemütlich zum Essen hingesetzt. Ich persönlich finde die Altstadt Heidelbergs so unfassbar charmant und angenehm, dass ich dort wirklich länger hätte verbringen können. Allerdings ist das wohl dieses typische "Touristen-Gefühl", das sich bei einem so einschleicht.

Alles in allem haben wir keine Extremsportarten ausgeführt, haben an keinen großen "Touristen-Führungen" teilgenommen, haben uns nicht in Shoppingexzesse gestürzt, sondern haben die Städte einfach durch Spaziergänge genossen und haben genau dadurch den Abstand zum Alltag bekommen, den wir glaube ich wirklich gebraucht haben. Einfach mal raus aus den vier Wänden, einfach mal abschalten und sich nicht selbst hinter "dringenden" Aufgaben verstecken (vor allem Social Media), einfach mal die Reise genießen, die einem die Schönheit der Welt aufzeigt und sei es auch nur durch einen kleinen Trip nach Frankreich.

Habt ihr Lieblingsstädte zu denen ihr immer wieder fahren könntet? Braucht ihr auch ab und zu solch eine kleine Reise, um nicht im Alltag zu versinken?






Die Letzten von Madeleine Prahs

September 13, 2017


(Original: "-"/ 2017) dtv Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in:-, 304 Seiten, gebunden★★★() 3 bis 4 Sterne
"Ich als Haus würde Ihnen Widerstand empfehlen!
Es ist Herbst in einer Großstadt: Das letzte, unsanierte Haus in der Hebelstraße wird »leergewohnt. Karl Kramer, 55 Jahre alt, Hausmeister, Elisabeth Buttkies, 72, Deutschlehrerin a. D., und Jersey, 28 Jahre, Studentin in Teilzeit, sind noch übrig – und sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Welt vor der Tür meint es nicht immer gut mit ihnen, so glauben sie, aber drinnen pflegen sie ihre Wunden und streicheln die Narben. Bis der Brief des neuen Hauseigentümers kommt: Auszug. Kernsanierung. Endgültig. Der Kampf der Bewohner um ihr vermeintlich letztes Stückchen »Ich« beginnt. Man verbarrikadiert sich, Katzen werden vergiftet und Perücken abgefackelt – fast ist es zu spät, doch dann schließen sich „die Letzten“ zusammen. Am Ende blühen die Geranien wieder. Es ist Frühling. Drei sind glücklich. Und einer ist tot."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Wir befinden uns in der Hebelstraße 13. Es ist Montag, der langweiligste Tag der Woche. Eben war der Briefträger da, und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.“  S.12
  
Die Geschichte beginnt recht überschaubar und normal. Drei menschliche Schicksale, die sich als Träumereien gemischt mit den harten Fakten des Lebens entpuppen. Drei Lebenswege, die sich zunächst nur dadurch kreuzen, weil die drei Figuren und Protagonisten in demselben Haus wohnen.
Es wird anschließend zunehmend kurioser und makaberer. Das Haus bekommt eigene Kapitel und Sprechanteile, gibt sich als Regisseur des Ganzen aus und schließlich endet alles in einem regelrechten Verwirrspiel.
Eines musste ich dem Buch demnach durchaus lassen: Zum Ende hin wird die ganze Sache deutlich spannender und verrückter, als der Anfang vermuten lässt.
Dem Leser werden drei Personen vorgestellt, die sich in einem anderen Lebensalter befinden und mit anderen Sorgen zu kämpfen haben. Es sind aber Ängste, die man als Leser sehr gut nachempfinden kann. Ins Auge sticht aber sofort, dass alle eine sehr aufweckte Seite an sich haben und sie allesamt ziemlich "frech" daherkommen. Vorprogrammiert sind also die Streitigkeiten unterhalb der Mieter. Dennoch entwickelt sich das Ganze auf sehr spezielle Weise weiter. Die Figuren beginnen natürlich öfter miteinander zu kommunizieren und lernen sich nach und nach besser kennen. Allianzen scheinen sich zu bilden. Zugegeben, einige Stellen fand ich durch scheinbar gewollte "Slapstick"-Momente etwas zu oberflächlich, allerdings hat sich die Entwicklung der Geschichte und der Figuren entgegenwirkend sehr positiv ausgebaut. Jedes Kapitel geht zwar auf die Situation des einzelnen Mieters ein, greift aber auch die Blickwinkel der anderen auf und wird so zu einem Gesamtbild, welches sich der Leser sehr gut vorstellen kann und wodurch die Figuren auf den wenigen Seiten etwas mehr Tiefe bekommen.
Mich persönlich hat wohl die Geschichte von Elizabeth Buttkies am ehesten "interessiert" und unterhalten. Obwohl sie unfassbar eigen, schusselig und deutlich neben der Spur ist, sorgt sie für den meisten Vorantrieb. Ebenso fand ich die zeitgleich ernste Thematik, hinsichtlich ihres Zustandes, recht lesenswert.

"Dann löschte sie das Licht, legte sich zurück auf das Bettsofa, das Mondlicht schien durch die Gardine, es war still, nur das Ticken der Uhr war zu hören, und sie fragte sich, wann diese Kellerkinder endlich begreifen würden, dass das Leben immer ein wenig kleiner und dreckiger war als im Prospekt angegeben.S.23

Was die Geschichte aber wohl wirklich eigen- und einzigartig macht ist die Darstellung und die Personifizierung des Hauses selbst, in dem die Mieter wohnen.
Tatsächlich hatte ich mir die Verteilung des "Sprechanteils" des Hauses durchaus größer vorgestellt. Lediglich die Anfangs- und ich glaube auch Endkapitel eines jeden größeren "Blocks" werden durch das Haus übernommen, aber auch das finale Kapitel lässt sich dieser besondere Erzähler dann nicht nehmen. Und dieses Kapitel hat für mich das Buch noch etwas "wertvoller" gemacht, weil dort gezielt mit den makaberen Elementen der Geschichte und dem Leser gespielt wird.
Das sorgt durchaus für ein wiederum größeres Interesse beim Leser, sich den Inhalten zuzuwenden und noch einmal zu überlegen, in wieweit die Geschehnisse eine Wahrheit enthalten und in wieweit dies auch überhaupt relevant ist.
Tatsächlich habe ich den Großteil des Buches gedacht, dass es sich um eine ganz nette Geschichte handelt, die zwar ab der zweiten Hälfte deutlich "schlimmer" wird, die aber dennoch etwas "Essentielles" nicht aufgreift, was den Leser wirklich beeindruckt. Das letzte Kapitel hat mich aber völlig überrascht und das auf positive Weise, jedoch weiß ich nicht ganz, ob dadurch der etwas mittelmäßige Start völlig davon überlegt werden konnte.
Grundsätzlich thematisiert das Buch aber wunderbar den Prozess der Veränderung und auch der Angst davor.

"Seit einigen Minuten schon starrte Kramer, aus welchen Gründen auch immer, in den Dunstschleier über der Ampel - als sei dort oben vor Kurzem ein Paralleluniversum entdeckt worden, das es wert wäre, näher betrachtet zu werden." S. 155


Drei Bewohner eines alten Hauses und das Haus selbst erzählen eine Geschichte. Dabei kommt eine sehr menschliche, aber auch absurde, wie auch teilweise makabere Handlung heraus, die am Ende eine Gratwanderung zwischen Fakt und Fiktion bereithält und dem Leser komplett einen persönlichen Blickwinkel überlässt, was diesen Wahrheitsgehalt anbelangt. Hat mich im Großen und Ganzen wirklich gut unterhalten, auch wenn mir einige "Witze" zu platt oder zu gewollt erschienen und mich das Ende deutlich stärker überzeugen konnte, als der Anfang. Sicherlich aber für alle gut geeignet, die auf skurrile Charaktere stehen, die ein loses Mundwerk haben und sich nicht davor scheuen in absurde Situationen zu geraten.

Vielen Dank an den dtv Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

September 09, 2017



(Original: "-"/ 2017) Knaus Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in:-, 344 Seiten, zahlreiche Illustrationen von Lydia Rode, gebunden★★ 4 Sterne
"Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"'Es gibt genügend praktische Erfindungen, die uns keinerlei Trost spenden', hatte Dylia einmal ihren Brüdern mitgeteilt. 'Aber viel zu wenig trostspendende, die überhaupt keinen praktischen Nutzen haben.'“  S.45
  
Schlaflose Nächte kennen die meisten von uns, aber nicht in dem Ausmaß, in welchem sie Dylia begegnen. Wochenlang plagt sie sich damit herum, dass sie nicht zur Ruhe kommt und sich nicht erholsamen Träumen zuwenden kann.
Genau mit diesem Aspekt beschäftigt sich der neue "Zamonien-Roman" von Walter Moers, mit der Vielfalt der Träume und deren scheinbar schier unbegrenzten fantastischen Möglichkeiten. Und doch stellt man sich als Leser ständig die Frage, ob die Protagonistin nun doch träumt oder wacht, wobei sich die Relevanz, diese Frage zu beantworten, zum Ende hin verschiebt und keine allzu große Rolle mehr zu haben scheint.
Wer Walter Moers´ Geschichten bereits kennt, wird wissen, dass der Leser sich auf viele und sehr eigene "Kreativschöpfungen" einlassen muss und vieles einer eigenen Logik folgt. In diesem Abenteuer geht es rasant zu, verschiedene "Phasen" und "Etappen" des Bewusst- und Unterbewusstseins werden bewältigt und dabei treten wieder schauderhafte, aber auch sehr liebevolle Figuren auf, welche die Geschichte stets unterhaltsam, amüsant und um es mit Dylias Lieblingswort zu sagen "interessant" machen. Die Protagonistin ist nicht immer einfach, sie schwankt in ihren Ansichten selbst noch hin und her, weiß sich allerdings zu zügeln. Ihre Gedanken sind bunt, genauso wie ihre Freude an der Vielfalt und den Möglichkeiten, die die Welt ihr bieten können. Dadurch ist man als Leser natürlich immer gern an ihrer Seite und folgt ihr gerne auf dem Weg, den ihr der Nachtmahr aufzeigt.
Den Nachtmahr selbst kann man meiner Meinung nach gut in einen "stimmigen" Kontext einordnen, denn für mich stellte der Gnom sehr viele Eigenschaften und metaphorische Figuren dar, die sich mit der Zeit wunderbar entfalten. Ich persönlich hatte mir, zeitweise, in etwa der Mitte, eine vielleicht etwas "spannendere" Offenbarung des Nachtmahrs erhofft, beziehungsweise hatte ich die Hoffnung, dass es ein etwas tieferes Geheimnis geben würde, allerdings hat sich die Nichterfüllung des Verdachts nicht negativ auf den Gesamteindruck ausgeübt, denn letztlich werden ganz andere "Geheimnisse" sichtbar. Das Ende überzeugt nämlich wirklich durch eine schlichte, gefühlvolle Stimmung, die den Leser dazu auffordert oder dazu ermutigen möchte, das Abenteuer vielleicht nicht nur als wortwörtlich zu betrachten, sondern sich zu fragen, was der Nachtmahr während solch einer Reise vielleicht auch bei einem selbst zum Vorschein gebracht hätte.

"Ihr spendete nun einmal der Gedanke, ein Buch im vielfarbigen Licht einer spektralspektakulären Wunderkerze zu lesen, einen gewissen Trost - völlig egal, wie kitschig das aussehen mochte. Ah, wie sie es hasste, dieses Totschlagargument 'Kitsch', das meist von Leuten im Mund geführt wurde, die zu verbittert geworden waren, um die Schönheit einer Seifenblase überhaupt nur erkennen zu können."  S.45

Mich hat aber nicht nur die Geschichte an sich wunderbar unterhalten, sondern auch die farbenfrohe und moderne Illustration der verschiedenen Figuren (obwohl es in der zamonischen Spätromantik spielt). Dabei fand ich es aber ebenso geglückt, dass nicht jede Kleinigkeit illustriert wurde, sodass man seiner eigenen Fantasie durchaus noch genug Spielraum lassen konnte. Die Darstellung trägt aber sicherlich einen Großteil dazu bei, dass man sich in dieser Welt bewegt, als sei sie etwas ganz Normales und als sei man wirklich ein Teil davon.
Walter Moers gibt zudem im Nachwort noch einige Details zu der Illustratorin Lydia Rode preis, die den Leser einige Vorkommnisse in der Geschichte noch einmal mit anderen Augen sehen lassen. Wie wichtig ist der Schlaf für uns tatsächlich? Können wir uns ein Leben ohne ihn überhaupt vorstellen? Und was würde sich unser Gehirn überlegen, um uns diese Anstrengung erträglicher zu machen?
Daher ist das Buch für mich keineswegs nur ein nettes, ausgedachtes Abenteuer, was mich gut unterhalten hat, sondern auch ein Buch, das wirklich eine neue Sicht auf Dinge offenbart, die uns viel zu selbstverständlich scheinen.

"Der Gnom lachte heiser. 'Klar! Das denkt jeder! Dass er eigentlich gar keine Abgründe besitzt: Abgründe? Triebwünsche? Iiich? Niemals! Aber deswegen verdrängt man sie ja. Damit man weiter an das Märchen der eigenen Unschuld glauben kann.'" S. 220


Ein neues zamonisches Abenteuer, welches die schlaflosen Nächte einer Prinzessin aufgreift und sie auf eine spannende Reise schickt, auf der sie sich selbst und vor allem ihre Ängste besser kennenlernt. Es ist abwechslungsreich, entführt den Leser in eine sehr bunte und ironische Welt und lässt uns an dem "Beruf" eines Nachtmahres teilhaben. Grundsätzlich scheint alles stimmig, an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir vielleicht etwas "größere" Geheimnisse gewünscht, welche die Spannung aufrecht erhalten hätten. Am Ende jedoch wird man mit einer Denkflut belohnt, die einen nicht so schnell aus dem königlichen Palast der Prinzessin entkommen lässt.





Vielen Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



New York von Megan Hess

September 06, 2017







(Original: "New York Through a Fashion Eye"/ 2016) Prestel Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Christine Schnappinger (aus dem Englischen), 208 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, gebunden★★ 3 Sterne
"Spätestens seit der Kultserie »Sex and the City« ist klar, dass für It-Girls (und solche, die es werden wollen) an New York kein Weg vorbeiführt. Ob auf der Fashion Week, in den neuesten Hotspots oder direkt auf der Straße: Im Big Apple werden Trends gesetzt, die sich auch jenseits des großen Teichs in Windeseile durchsetzen. Kein Wunder also, dass die Stadt, die niemals schläft, zu den absoluten Traumzielen von Fashionistas aus aller Welt zählt. Für den perfekten Überblick in der Style-Metropole hat Megan Hess einen ganz besonde-ren Guide zusammengestellt: Mit launigen Illustrationen verrät die gefragte Modezeichnerin ihre persönlichen Lieblings-Locations in den Shopping-Areas uptown und downtown. Darunter finden sich nicht nur die großen Namen der internationalen Mode- und Designszene, sondern auch so mancher Insidertipp, der in keinem anderen Reiseführer verzeichnet ist. Und weil selbst die hartgesottenste Shopping-Queen irgendwann mal eine kleine Pause braucht, gibt es neben den besten Einkaufsadressen auch jede Menge Tipps für hippe Bars, Cafés und Restaurants, Hotels mit traumhaften Spas oder entspannende Spaziergänge durch den Park."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Der Blick auf die Brooklyn Bridge von Manhattan aus entzündet in mir stets einen Funken Romantik, denn er erinnert mich an Filme wie Ihre beiden Verehrer mit Frank Sinatra oder Manhattan von Woody Allen.“  S.57
  
Megan Hess illustriert in ihrem neuen Buch "New York", eine ihrer Lieblingsstädte und versucht darüber hinaus, dem Leser einige "Tipps" mit an die Hand zu geben, welche Hotspots man nicht ignorieren sollte.
Dabei fällt aber sehr schnell auf, dass das Buch auf eine ganz bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist. Es finden sich sehr viele Bezüge zu "Sex and The City" und Carrie Bradshaw, wie auch zahlreichen Luxusmarken und berühmten Designern. Die Welt von Megan Hess besteht daher, aus nicht gerade preiswerten Shoppingmöglichkeiten. So finden sich unter den "Insider-Adressen zum Shoppen" eher die hochpreisigen und die eigentlich jedem schon bekannten Luxusgeschäfte, wie Dior, Chanel, Micheal Kors und andere. Auch bei der Kategorie "Essen & Trinken" fallen die Vorschläge nicht in das Budget von Studenten.
Daher bietet das Buch für mich eher Einblicke in das Leben der Schönen und Reichen, mit den angesagtesten Orten und Läden, die man aus bekannten Filmen kennt und in die man sich vielleicht das eine oder andere Mal hineingeträumt hat. Mag man also Lifestyle-Bücher, die dieses "Sex and The City"-Gefühl vermitteln, dann ist man hier definitiv richtig. Man blättert die Seiten um und lässt sich von der Art und Weise der Darstellung inspirieren, allerdings denkt man sich als "Normalverdiener" eben auch sofort, dass man sich wohl nicht einem Shoppingexzess durch die genannten Läden hingeben kann. 
Da Megan Hess aber selbst sehr erfolgreich ist und in diesen "Kreisen" keine Unbekannte ist, konnte man von vorne herein vermuten, dass man hier keine super geheimen Insiderspots kennenlernen wird. Zudem wird auch in der Originalfassung hervorgehoben, dass dies "New York Through a Fashion Eye" sei und diesen Fashion-Aspekt bekommt man hier definitiv gut präsentiert.

"Kunst- und Mode-Liebhabern dürfte es schwerfallen, an Rizzoli vorbeizukommen. Herausgeber einiger der luxuriösesten Bücher, die je gemacht wurden.“  S.112

Wie aber auch bereits in ihrem ersten Buch "Coco Chanel", konnte mich die Autorin mit ihren wunderschönen Illustrationen verzaubern. Alles ist natürlich sehr mädchenhaft angehaucht. Die abgebildeten Frauen sind (wie sollte es in der Wahrnehmung der Modewelt anders sein), alle sehr schlank und zierlich und tragen nur die zauberhaftesten Kleider und Accessoires. Natürlich ist es rein objektiv betrachtet nicht sehr realitätsgetreu, aber man lässt sich als Leserin gerne von den Ideen und den Umsetzungen von Megan Hess inspirieren. Seien es nur die kleinen Küchlein, die dazu gemalt werden oder einfach die gewisse Leichtigkeit, die in all ihren Abbildungen auftreten.
Man merkt deutlich, dass sie der Stadt verfallen ist und selbst Fan der genannten Modemarken ist, wie auch bestimmter Fernsehserien, aber dadurch schwappt das eine oder andere Mal auch eine gewisse Begeisterung zum Leser über. Es ist einfach ein wirklich nettes Buch, das man gerne durchblättert und was man eben als typisches "Lifestyle"-Buch ansehen würde.
Mir hat aber zum Ende hin deutlich das "persönliche" an dem Buch gefehlt. Megan Hess beschreibt die Locations sehr sachlich und fügt meist nur hinzu, mit welchen Stoffen oder Mustern die Geschäfte dekoriert wurden. Da hätte ich mir vielleicht die eine oder andere nette Anekdote gewünscht, um das ganze etwas interessanter zu gestalten. So wirkte es manchmal einfach, wie eine neutrale "Internetquelle".


Enthält keine wirklich "neuen" Tipps rund um die Stadt New York, überzeugt aber durch die wirklich schönen und verspielten Illustrationen der Autorin. Der Inhalt bezieht sich sehr stark auf die luxuriösen Gegenden und Geschäfte, sodass man hier eher in den Vorstellungen schwelgt, als sich tatsächlich vorzunehmen, diese Orte anzusteuern. Auch wenn hier die typische Darstellung der stereotypen Modefrau in New York aufgegriffen wird (schlank, schön und reich), blättern man gerne durch das Buch und lässt sich inspirieren. Sicherlich ein Buch, das Fans von "Sex and The City" oder Ähnlichem gefallen würde, da es dieses bestimmte New Yorker-Gefühl vermittelt und auch viele Bezüge dazu aufweist. 
Blieb für mich an der einen oder anderen Stelle aber leider auch etwas zu unpersönlich. Als Geschenkidee für wirkliche Fans der Stadt oder des Lifestyle-Gefühls ist es aber sicherlich eine Überlegung wert.


Vielen Dank an den Prestel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!




Der Fluch des Hauses Foskett (Gower Street Detective #2) von M.R.C. Kasasian

September 04, 2017


(Original: "The Curse of the House of Foskett"/ 2014) Atlantik Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Johannes Sabinski und Alexander Weber (aus dem Englischen), 496 Seiten, gebunden★★(☆) 4 bis 5 Sterne
 Dies ist der zweite Teil einer Buchreihe
"Sidney Grice ist zurück, und seine Laune ist nicht besser geworden. Die Stimmung in der Gower Street 125 ist mies. Seit Sidney Grice durch seine Ermittlungen einen unschuldigen Mann an den Galgen gebracht hat, laufen die Geschäfte schlecht. Der scharfsinnigste Detektiv des viktorianischen England liegt stundenlang apathisch in der Badewanne. Selbst zum Einsetzen seines Glasauges fehlt ihm die Kraft. March Middleton, Sidneys Patentochter, langweilt sich zu Tode … Bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied des bizarren Clubs »Finaler Sterbefallverein« sein Leben aushaucht – mitten in Sidneys Wohnzimmer. Immerhin haben Sidney und March endlich wieder etwas zu tun. Und das nicht zu knapp, denn es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Die Ermittlungen führen das ungleiche Paar von London bis nach Kew in ein unheimliches Herrenhaus, dessen Eigentümerin, die enigmatische Baroness Foskett, eine alte Bekannte Sidneys ist."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"'Haben Sie denn kein Herz?' , fragte sie.

        'Aber gewiss doch.' Er stieß sich mit der Zange gegen die Brust. 'Es pumpt Blut zu meinem einzigartigen Gehirn, aber es beherrscht mich nicht.' “  S.66
  

Ja, der Detektiv der Gower Street 125 ist wieder da und auch March Middleton, dessen Vormund Sidney Grice ist, muss sich wieder mit ungeheuren Morden auseinandersetzen.
Die Fortsetzung des Bandes "Mord in der Mangle Street" (Rezension hier zu finden), kann meiner Meinung aber voll und ganz mithalten. Der Stil ist natürlich gleich geblieben. Sidney Grice versprüht einen sehr eigensinnigen Charme, wenn man dies überhaupt so nennen kann. Er lässt kaum ein gutes Haar an einer Person, beschäftigt sich ausschließlich mit seinen Teestunden und kämpft zusätzlich noch mit seinem schlechten Ruf, der sich seit seinem ersten Fall, bei den Mitmenschen, verfestigt hat. Und dennoch kann man ihn als Leser nicht gänzlich unsympathisch finden. Sein Scharfsinn in Hinblick auf die Verbrechen, die er zu lösen hat, scheint sicherlich oftmals verletzend, denn er ist keine Person, der freundlichen und höflichen Umschreibungen. Dennoch hat er kein schlechtes Herz, was diese scheinbare "Oberflächlichkeit" erträglich macht und man ihm trotzdem gerne zur Seite steht.
Den zweiten Band kann man sicherlich auch dann lesen, wenn man den ersten nicht partout in voller Gänze abrufbereit hat, dadurch muss man aber an der einen oder anderen Stelle noch einmal überlegen, in welchem Zusammenhang gewisse Anspielungen fallen. Die Einschübe aus March Middletons Tagebüchern gibt es nämlich weiterhin und als die erste Stelle kam, wo diese eben aufgegriffen werden, fiel es mir erst einmal schwer, sich die Zusammenhänge zu erschließen. Nach und nach ist man aber tatsächlich wieder gänzlich im Bilde, da vieles, zumindest kurz, noch einmal aufgegriffen wird.
Der Fall an sich hat mich auch in diesem zweiten Teil gut unterhalten, wenn ich auch der Meinung bin, dass es etwas brutaler und blutiger zuging. Ich finde aber, dass diese beschriebenen Passagen, in denen die verunglückten Personen beschrieben werden, noch akzeptabel sind und man sich durch den Stil des restlichen Buches nicht zu sehr in eine "eklige" Richtung bewegt.
Als wirklicher Tierfreund (und obwohl Sidney Grice laut eigener Aussage auch Vegetarier ist) sind manche Stellen diesbezüglich aber wirklich sehr makaber, auch wenn das Buch dadurch und durch gezielte Aussagen von March oder anderen betroffenen Personen darauf hinweist, dass Grausamkeiten in dieser Form tatsächlich passieren. Im weitesten Sinn erfüllt es also wirklich ein wenig den Zweck, dass der Leser dadurch sehr sensibilisiert wird.
Dies fiel mir auch deutlich bei den Passagen auf, in denen March ebenso als "Sprachrohr" für die starken Frauen einsteht. Der Roman scheint dies sehr sarkastisch umzusetzen, aber die Andeutungen darauf, dass Frauen in der damaligen Gesellschaft keine wirklichen Qualitäten zugesprochen wurden, außer schön zu sein, wird meiner Meinung nach ebenso gut angesprochen und auf zwar sehr eigene, aber angemessene Weise umgesetzt.


"'Mr. Grice', sagte sie, als wäre ich nicht anwesend. 'Ich dachte schon, Sie würden gar nicht mehr kommen.'

         'Wir haben uns um fünf Minuten verspätet', gab ich zurück, während wir durch die Stuhlreihen
          auf sie zugingen.


Sie hieb dreimal auf das eingestrichene C ein. 'Versuchen Sie Mal, fünf Minuten die Luft anzuhalten, und dann sagen Sie mir, ob das keine lange Zeit ist.'

       'Warten Sie, bis man Ihnen sagt, Sie hätte nur noch fünf Minuten zu leben, und dann sagen Sie
        mir, ob das eine lange Zeit ist' , entgegnete ich, und aus ihrem Auge traf mich ein offen
        feindseliger Blick.“ 
S.162f.


Tatsächlich dominiert hier das Gefühl des typisch alten Englands. Wie schon in der ersten Rezension angekündigt, liegt der Vergleich zu Sherlock Holmes nicht weit, dennoch grenzt sich Sidney Grice durch seine eigene Art noch einmal etwas ab.
Die Atmosphäre des Buches ist aber durch die häufige Erwähnung der wirklich armen Bevölkerungsschicht und der oft auftretenden Bettler eher noch glaubwürdiger, als nur die Erwähnung gewisser Tee-Exzesse seitens des Detektives (welche aber auch ihren Reiz haben).
Besonders gut, gefallen mir aber weiterhin die vielen Dialoge, die einerseits manchmal tatsächlich grausam erscheinen, wenn Sidney Grice seine emotionslosen Kommentare loslässt, die aber andererseits durch einen sehr angenehmen Wortwitz und eine allgemeine Komik überzeugen. Besonders die Kombination aus Sidney Grice, March Middleton und Molly, der Bediensteten waren für mich wirklich erheiternd und machten die Geschichte wieder etwas lebendiger und tatsächlich "fröhlicher". Ich, als Leserin, konnte mich der Sogwirkung des zweiten Falls von Sidney Grice dadurch einfach nicht entziehen.
Zudem finde ich ebenfalls durchaus gelungen, dass die beiden Bände sich inhaltlich, abgesehen des Fortschreitens der beruflichen Laufbahn des Ermittlers, weiterentwickeln und auf neue, scheinbare Geheimnisse aufmerksam machen. So wird man zum Ende des zweiten Bandes mit einem Cliffhanger "belohnt", der die Hintergründe der Lebensläufe der Protagonisten in den Vordergrund rückt und die ganze Geschichte etwas persönlicher wirken lässt. Ich kann es zumindest wieder kaum erwarten, bis der nächste Teil erscheint.

"'Wir könnten übrigens noch einen anderen Ermittlungsansatz verfolgen', sagte Sidney Grice. Das wir gefiel mir, obschon ich den Verdacht hegte, er meinte damit nur sich selbst." S.194


Der zweite Band der Kriminalreihe rund um den persönlichen Ermittler Sidney Grice und seine "Assistentin" geht in die nächste Runde und ist dabei ebenso spannend, makaber, aber durch die eigenen Charaktere und die recht witzigen Dialoge sehr unterhaltsam. Es stehen zwar wieder Mordfälle im Vordergrund, die es zu lösen gilt, dennoch wird auch die persönliche Ebene der Figuren auf eine neue Ebene gehoben, was die Reihe deutlich "intimer" gestaltet.
























Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Neue Bücher: Herbstlich angehaucht

September 02, 2017







Obwohl neulich erst einige neue Bücher dazugekommen sind (siehe den Beitrag zu "The Folio Society"), haben es auch diese fünf Bücher in meine Bücherregale geschafft. Darunter ein wirklich heiß ersehnter Neuzugang, nämlich "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" von Walter Moers.
Zunächst wird es mit der "Stadt der träumenden Bücher" wohl nicht so schnell weitergehen, daher freue ich mich umso mehr, dass man als Leser trotzdem nach Zamonien zurückkehren und sich in neue Abenteuer stürzen kann.
Ansonsten haben noch vier weitere Kostbarkeiten bei mir Einzug gefunden. Hier also etwas nähere Informationen dazu:
  • "New York" von Megan Hess Bereits das erste illustrierte Buch von Megan Hess, "Coco Chanel" konnte mich gut unterhalten. Zwar sind die Illustrationen natürlich etwas an die "High Class" angelehnt, aber ich finde die Bücher durchaus ansprechend gestaltet. Mal sehen, was der Inhalt hier zu Tage bringen wird. 
  • "Die Letzten" von Madeleine Prahs Eher zufällig, bin ich durch den dtv Newsletter auf dieses interessante Buch gestoßen. Eine Wohnung, die geräumt werden soll und einige verbliebene Bewohner, die sich vehement dagegen wehren. Ich bin sehr gespannt, wie die Autorin diese Situation umgesetzt hat und es tragikomische Züge annimmt.
  • "Faery Tales" von Carol Ann Duffy Meine unfassbar lange Liste an vorgemerkten Büchern musste einfach mal etwas reduziert werden und da dieses Buch, bestehend aus bereits bekannten und aber auch neuen Märchen, schon viel zu lange auf dieser Liste stand, musste ich es neulich einfach mal bestellen.
    Ich glaube das Buch passt auch wirklich perfekt in die bald folgende herbstliche Stimmung.
  • "The Booklovers´ Anthology" (hrsg.) von The Bodleian Library Auch hier eines der Kandidaten, die es irgendwann einmal beim durchstöbern im Onlineshop auf den Merkzettel katapultiert und vergessen wurde. Jetzt wurde es endlich erlöst und darf sicherlich auch bald von mir gelesen werden.
  • "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" von Walter Moers Und natürlich das bereits erwähnte Buch von Herrn Moers. Mehr als, ich freue mich wahrlich darauf es bald zu lesen, muss ich eigentlich nicht mehr sagen. Es schreit schon förmlich nach mir!

Welche Bücher sprechen euch am meisten an?