Die Frankfurter Buchmesse und der Buchblog-Award '18

Oktober 15, 2018







Die Woche voller Bücher, Buchmenschen, farbenfrohen Verlagsständen und interessanten Buchneuerscheinungen ist tatsächlich wieder vorbei. Aber die diesjährige Frankfurter Buchmesse war für mich alles andere als ruhig.

Zunächst möchte ich als erstes die Gelegenheit nutzen und auf die Verleihung des Buchblog-Awards 2018 eingehen. Abgehalten wurde die Veranstaltung ebenfalls auf der Buchmesse - im neuen Pavillon auf der Agora - inmitten des Messegeländes. 
Insgesamt wurden neun Kategorien ausgezeichnet. Gewonnen haben in den jeweiligen Kategorien:
Ich möchte allen Gewinnern ganz herzlich gratulieren! Und ich hoffe ihr konntet bereits alle ein wenig feiern. Ich freue mich für jeden Gewinner und tollen Blog, der ausgezeichnet wurde. Es ist so schön zu sehen, dass Buchblogs (und die Menschen dahinter) so vielfältig sind, wie die Literatur selbst. Klickt euch unbedingt mal durch alle Gewinnerblogs, es lohnt sich!
Einige andere Blogs hätte ich auch nur zu gern unter den Finalisten und Gewinnern gesehen, aber nächstes Jahr wird meinerseits genauso eifrig nominiert. 

Wer nun mitgezählt hat, wird auf acht Blogs kommen. Ich kann es selbst nach zwei Tagen Erholung immer noch nicht glauben, aber "little words" hat in der Kategorie "Liebe & Herz" ebenfalls als Gewinner hervorgehen können. Ich war schon wahnsinnig glücklich meinen Blog als Finalist zu sehen, hätte aber nicht damit gerechnet, dass er gewinnt...
Dabei war die Anreise eine zusätzliche Odyssee. Natürlich dachte ich mir, dass so eine kurzfristige Anreise für einen Tag mit der Bahn zu gefährlich und risikoreich werden könnte, daher entschieden wir uns für eine Anreise mit dem Auto. Realistisch gesehen dauert die Fahrt etwa zweieinhalb Stunden bis nach Frankfurt. Daher schien uns eine Abfahrt um 7 Uhr keinesfalls zu spät. Nach einer gewissen Strecke stellten wir allerdings fest, dass die Autobahn aufgrund eines brennenden ICEs gesperrt wurde. Ironie des Schicksals, dass man selbst auf der Autobahn von den Zügen ausgebremst wird. 
Nichtsdestotrotz stellte ich mich schon darauf ein, dass es also etwas länger dauern würde. Gegen elf bekam ich dann leichte Panik und wusste, ich werde zur Messe sprinten müssen, wenn ich die Verleihung mitbekommen wollen würde.
Völlig außer Atem (und natürlich dank der herrlich sommerlichen Temperaturen, auch verschwitzt) stieg ich auf das Rollfeld der Messe, runter auf die Agora, als mich schon beglückwünschende Tweets zum Sieg des Buchblog-Awards 2018 erreichten. 
Ja, pure Freude und eine gewisse Trauer, dass ich die Verleihung verpasst hatte, wechselten sich auf dem Weg zum Pavillon stetig ab. 

Als ich dann im Zelt ankam, schaffte ich es noch das Ende mitzubekommen und mich auf das Gewinnerfoto zu quetschen. Ich habe mitbekommen, dass für jeden Gewinner eine kleine Rede gehalten wurde, in dem die Gründe für die Entscheidung erläutert wurden und ich hatte ein so schlechtes Gewissen, dass ich es nicht mitbekommen habe. Ich habe mir natürlich das Video noch einmal nachträglich angesehen und hätte im Boden versinken können, als mich die liebe Sarah vom Blog Pinkfisch auf die Bühne bat, ich aber nicht kam. Es waren aber so liebe Worte, dass ich vor dem Bildschirm saß und einfach nur gerührt war. Auch wenn es für viele keine Bedeutung hat und das Interesse an Buchblogs sich (im Gegensatz zu Lifestyle-Blogs) in Grenzen hält, bedeutet es für mich so viel, dass man Buchblogs und damit auch die Bücher und Literatur unterstützt. Daher bedanke ich mich auch noch einmal bei den gesamten Veranstaltern, der Jury, den Moderatoren und allen Unterstützern (auch denen, die fleißig nominiert haben) des Buchblog-Awards! 
Alle weiteren Informationen findet ihr noch einmal auf der offiziellen Seite des Buchblog-Awards. Unter anderem könnt ihr dort alle einzelnen Begründungen seitens der Jury nachverfolgen, wie auch einige Leserstimmen zu den Blogs. -  Also genau HIER-  

Nun ja, nach diesem holprigen Start ging es dann wieder zu den Messeständen. Dort hatte ich einen kurzen Termin für die Besprechung des neuen Verlagsprogramms des Aufbau Verlags. Haltet dort auf jeden Fall mal Ausschau. Es kommen wirklich ein paar spannende Titel im Neujahr raus. 

Anschließend bin ich rumgeschlendert und wollte ein paar Eindrücke sammeln. Gibt es etwas Neues? Etwas Außergewöhnliches? Ehrlich gesagt haben mich natürlich einige Stände mehr angesprochen als andere, aber außer einem kurzen Interview mit Dunya Hayali habe ich wirklich nichts von dem ganzen Programm auf der Messer mitnehmen können. Ich bin eher einfach rumgelaufen und habe einige Schnappschüsse gemacht.

Danach habe ich noch kurz beim Emons Stand vorbeigeschaut. Als Praktikantin war ich natürlich neugierig darauf zu sehen, wie sich so ein Messetag für Verlagsmitarbeiter anfühlt. 
Entdeckt habe ich dabei die schöne Aktion der "Woche unabhängiger Buchhandlungen", die mit Sprüchen wie "Nicht ohne mein Buch" oder "Bleib´ unabhängig" definitiv ein kleiner Hingucker war. Zudem bin ich einfach auch ein großer Fan des Bildbandes "The Boss don´t care" der gerade erschienen ist. Darin geht es um Kinderarbeit in Amerika zwischen 1908 und 1917. Der Bildband enthält wirklich tolle und ergreifende Bilder. Blättert bei Gelegenheit auf jeden Fall mal rein.

Einen meiner Lieblingsstände, nämlich den vom Manesse Verlag, musste ich danach natürlich auch noch besuchen, um einen Blick auf die neuen Ausgaben der Manesse Bibliothek zu werfen. So macht Literatur und so machen vor allem Klassiker wirklich Spaß. 
Ebenso war natürlich auch die Rosenwand des Groh Verlags, wie auch die gesamte Gestaltung des Coppenrath Verlags ein wahrer Hingucker.
Insgesamt war es also ein eher kurzer, aber doch sehr glücklicher Besuch.

Was waren eure Highlights der Frankfurter Buchmesse 2018? Habt ihr euch auf etwas ganz besonders gefreut?





The Overstory von Richard Powers

Oktober 14, 2018





(Original: "The Overstory"/ 2018) W.W. Norton & Company, Übersetzer/in: -, ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
Ein Roman, der den wohl größten Konflikt auf der Erde beschreibt: Den zwischen den Menschen und "nicht Menschen". Denn es gibt eine Welt, die parallel zu der unseren verläuft - überwältigend, langsam, erfindungsreich und für uns beinahe unsichtbar. Wenn Bäume dieser Erde reden könnten, was würden sie uns sagen?
Neun menschliche Schicksale stehen im Fokus und werden den Leser gleichzeitig in eine Welt entführen, in der die Natur eine große und wichtige Rolle spielt.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"There´s a Chinese saying. ´When is the best time to plant a tree?
           - Twenty years ago.´“ S.30

Nominiert für den 'Man Booker Prize 2018' und von großen Autoren wie Margaret Atwood und Ann Patchett gelobt, habe ich mir durchaus viel von dem Roman versprochen. 
Das eigentliche Thema des Romans war ebenfalls ein ausschlaggebender Punkt, wieso ich mich so zur Geschichte hingezogen gefühlt habe. Im Zentrum der Handlungen stehen nämlich Bäume. Bäume verschiedenster Arten, Größen, Formen und Farben. Deutlich wird, dass sie ein wichtiger Bestandteil der Erde sind, was uns Menschen durchaus bewusst sein sollte, was wir aber immer gerne wieder allzu schnell vergessen. So wird in dem Roman, der Mensch, einerseits als Helfer und 'Botschafter' für die Natur angesehen, in dem die neun Schicksale der Protagonisten für den Erhalt von Bäumen kämpfen andererseits aber auch als 'Parasit', der die Welt befällt und sich über alles hermacht, es zerstört und sich dann wundert, wieso es mit der Erde bergab geht. 
Es ist also durchaus ein Roman, der aneckt und uns einen sehr kritischen Spiegel vor Augen hält. Es wird durchgehend aufgegriffen, wie wichtig die Natur ist und wie schuldig sich der Mensch fühlen sollte, dass er diese Natur angreift und teils auch keinen Respekt und kein Verständnis für diese eigene Welt aufbringen kann. Diese Darstellung mag auf den ersten Blick etwas 'hart' erscheinen, jedoch fand ich diesen Aspekt des Buches genau richtig. Der Mensch flüchtet sich viel zu schnell in angenehmere Ansichten, die ihm sagen, dass er doch so schlecht gar nicht sei, dass es noch genug Natur gebe und man nicht so eine 'Panik' schieben solle. Doch langsam muss man sich eingestehen, dass dies eben nicht mehr der Fall ist und das mochte ich in "The Overstory". Der Roman ist dem Menschen als Spezies skeptisch gesinnt, vertraut aber teils doch auf die vernünftige Seite der Menschen und die Einsicht, dass wir für ziemlich viel Chaos verantwortlich sind.

"That´s when Adam realizes: Humankind is deeply ill. The species won´t last long. It was an aberrant experiment. Soon the world will be returned to the healthy intelligences, the collective ones. Colonies and hives." S.56

Der Inhalt des Buches, also die Thematik, hat mich demnach vollkommen überzeugt. Es fallen sehr viele wichtige Sätze, die man nicht vergessen sollte (darum werden sie wohl auch öfters wiederholt). Der Leser bekommt auch einige Einblicke in die Funktion von Bäumen und in die außergewöhnlichen Aufgaben, die die Wälder für uns vollbringen. 
Was für mich auch wichtig war, ist die Tatsache, dass dem Leser bewusst wird, dass man diese Geschichte über Bäume auf genau diesem verarbeiteten 'Material', dem Papier, wiederfindet. Hier hätte ich mir vielleicht noch eine stärkere Verknüpfung oder gezielte Andeutungen daran im Buch gewünscht. Denn ich bin auch davon überzeugt, dass der Mensch eine gewisse Zerstörungskraft besitzt (siehe Hambacher Forst) und man oft die Tatsache vergisst, dass wir im Alltag so unfassbar viele Produkte aus Papier verwenden, die vielleicht auch sinnlos produziert und dadurch wertvolle Rohstoffe vergeudet werden. 
Für mich wäre es also wichtig gewesen, dass das Buch auf sich selbst verweist. Dass der Leser sich verdeutlichen sollte, dass man Bücher ebenso schätzen und sie nicht einfach wegwerfen sollte, weil man sie ja an der nächsten Ecke direkt wieder käuflich erwerben kann. 
Ebenso haben mich nach und nach an anderen Stellen auch einige Punkte eher negativ gestimmt. Der Roman führt mit neun Protagonisten durch die Geschichte. Jede Figur tritt in seinen eigenen Kapiteln auf, verschmilzt aber oftmals mit anderen. An sich gefiel mir die Idee durchaus, denn man könnte dieses Leben der Menschen mit einem Wald assoziieren, der aus vielen Bäumen besteht, die sich durch das Wachsen der Wurzeln, der Blätter und Kronen ebenfalls treffen können. Dennoch konnte bei mir zum Schluss nicht ganz der Funke überspringen, so sehr ich die Idee und die Thematik gemocht habe. 
Vieles schien mir etwas zu langatmig, zu wiederholend. Die Handlung wird zwar vorangetrieben, aber einen Spannungsbogen habe ich beim Lesen nicht wahrgenommen. Hier und da wird auf neue Erkenntnisse verwiesen, aber auch in Bezug auf die im Klappentext angedeutete Welt, in der die Bäume reden könnten, fand ich die Ausarbeitung der Idee für mich persönlich leider etwas zu schwach.
Obwohl sich bei mir zum Ende hin die Euphorie etwas gelegt hat, haben mich im Rückblick die Anfangskapitel der Figuren doch sehr berührt. Nicht nur werden hier Bäume auf sehr bildliche Weise beschrieben, auch die Protagonisten bekommen eine Wichtigkeit. Besonders hier mochte ich die erzählten Lebenswege und Verknüpfungen zu der Natur. Diese detailreichen Beschreibungen fehlten mir am Ende, paradoxerweise, trotz der Länge des Buches. Zwischenzeitlich sprangen die Geschichten so hin und her, dass ich manchmal nicht mehr genau wusste, welche Vorgeschichte mit dem Namen der Figur im Kontext stand.

“The seeds are humming. They´re singing something - she´d swear it - just below earshot“ S.389


Eine durchaus interessante Idee mit wichtigen Passagen und Sätzen, die wir Menschen nicht nur lesen, sondern auch beherzigen sollten. Das Buch verdeutlicht, dass es wirklich an der Zeit ist, dass wir unsere Ressourcen wertvoll nutzen und die Natur, Bäume und den Wald nicht als etwas Totes ansehen sollten. Auch wenn ich von der Umsetzung nicht ganz überzeugt gewesen bin, ist es ein Buch, das ich nicht vergessen werde und das gewisse Stärken aufweist. Ich persönlich hätte mir eine noch stärkere Verknüpfung zu der angedeuteten geheimen Welt und Sprache der Bäume gewünscht. Die anfänglichen Kapitel über die neun Protagonisten fand ich hingegen sehr geglückt.




Wenn Klassiker lebendig werden: Ein neues Projekt des Coppenrath Verlags

Oktober 07, 2018







Rezensionsexemplar (Jane Eyre Ausgabe) - Schaut man sich im englischsprachigen Bereich ein wenig um, so stellt man schnell fest, dass es wahnsinnig viele und schöne Ausgaben bekannter Klassiker gibt. Manchmal fällt es sogar schwer, sich letztlich für ein Exemplar zu entscheiden. Allein der Penguin Verlag hat unzählige Reihen, die unterschiedlich gestaltet sind und die es einem leicht machen, Klassiker zu entdecken, zu lieben und zu sammeln.
Im deutschsprachigen Bereich hat mir diese optisch ansprechende Variante bisher etwas gefehlt. Hier kommen die Bücher teils sehr schlicht und unaufgeregt daher. Kein wirklicher Blickfang fürs Regal. Natürlich, es zählt das Innere, die Geschichte selbst. Doch wieso nicht auch Klassiker für Leser anbieten, die es lieben, wenn die Gestaltung etwas interessanter ist?

Das hat sich wohl auch der Coppenrath Verlag gedacht, denn nun können sich Leser über "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen und "Jane Eyre" von Charlotte Bronte in einer sehr schönen Geschenkausgabe freuen.
Bekannt ist der Verlag bereits für die Übernahme der (Kinder-)Klassiker, die von "MinaLima" gestaltet werden. (MinaLima wiederum ist bekannt für die ganzen Ausstattungen für die Harry Potter Filme). Dort findet man wunderschöne interaktive Elemente, mit denen man die Geschichten noch einmal auf ganz neue Art kennen und lieben lernt. 

Nun gibt es also auch "erwachsene" Klassiker, die ebenfalls an diesen Look erinnern. Unterstützt werden die Elemente durch die Illustrationen der Künstlerin Marjolein Bastin.
Die Bücher beinhalten jeweils zehn Extras, die man herausnehmen und bewundern kann. Dazu zählen unter anderem:
  • Lebensläufe der Autorinnen
  • Stammbäume
  • (Stadt-) Pläne
  • Zeichnungen, die die Verbindungen zu den Figuren aufzeigen
und einige andere kleine Zusätze, die sich an die Geschichte anpassen.

Das Schöne an diesen Büchern ist aber wirklich, dass nicht nur einfach die Extras reingelegt wurden, sondern dass sich die Illustrationen durchgehend im Buch finden lassen und viel Wert auf ein schönes Gesamtbild gelegt wurde. Mir persönlich gefällt vor allem, dass die Cover "herausstechen", denn die Blumen heben sich von dem Rest ein wenig ab und erzeugen einen kleinen 3D-Effekt.
Es sind Bücher, die man hervorragend verschenken kann, die hochwertig aussehen und sich auch anfühlen (die Seiten sind sehr fest) und die einfach Lust auf Klassiker machen.

Wer sich grundsätzlich noch nicht mit diesen beiden Klassikern vertraut machen möchte, der wird vielleicht in Zukunft auf den Geschmack kommen, denn der Verlag hat bereits bekannt gegeben, dass es weitere Ausgaben (Programm 2019) der Reihe geben wird. Vorerst weiterführend mit den Autorinnen Jane Austen und Charlotte Bronte, später aber (hoffentlich) auch mit weiteren lesenswerten Klassikern, die bisher zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben.


Welche Klassiker würdet ihr euch in so einer Ausführung wünschen? Findet ihr solche Ausgaben von Klassikern interessant? Kennt ihr vielleicht auch schon die MinaLima Ausgaben?







September: Vom Storytelling und ein Hauch von Herbst

Oktober 04, 2018





Es ist schon merkwürdig. Die Tage und auch der Oktober deuten an, dass der Herbst nun vor der Tür steht und doch wechseln sich Wolken und Sonnenschein ständig ab. Ebenso können sich die Temperaturen nicht wirklich entscheiden, ob es nun gänzlich kalt oder warm bleiben soll.
Dieses Zwischenstadium macht sich auch bei meinen gelesenen Büchern im September bemerkbar. Mal sind sie noch etwas sommerlich angehaucht, mal schweifen sie aber schon in eine gemütlichere Atmosphäre für kältere Tage ab... 


Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 
  • Die wohl kürzeste Lektüre im September: Das "Do - Story" Buch von Bobette Buster. Es trägt den vollen Titel "Wie man eine Geschichte richtig erzählt" und kommt relativ unterhaltsam daher. Ich persönlich finde das Buch hält einige gute Tipps bereit, aber ich schätze es als sehr schwierig ein, ein Buch oder eine Geschichte nach Anleitung zu schreiben. Man kann sich hier durchaus den einen oder anderen Ratschlag für eine bessere Planung abschauen, jedoch muss ich ehrlich sagen, dass das Hauptrezept wohl die eigene Kreativität sein sollte. Ich bin mir aber sicher, dass es für den einen oder anderen eine gute Starthilfe sein könnte.
  • Das Buch, das mich am meisten ergriffen hat: Da gibt es zwei. Zum einen "Das Vogelhaus" von Eva Meijer und zum anderen "Befreit" von Tara Westover. Beide Bücher schildern das Leben ganz besonderer Frauen. Beide kämpfen dafür, das tun zu können, was sie wollen. Sie möchten unabhängig sein und eigene Ziele verfolgen. "Das Vogelhaus" ist zwar eine fiktive Geschichte, basiert aber auf einer wahren Biographie einer Vogelkundlerin. Tara Westovers Geschichte hingegen ist autobiographisch, auch wenn es hier einige kritische oder skeptische Stimmen dazu geben soll, was den Wahrheitsgehalt anbelangt. 
  • Besonders interessiert hat mich zudem diesen Monat auch der Erzählband "I am Heathcliff" herausgegeben von Kate Mosse. Hier lassen sich sechzehn Geschichten finden, die auf den Klassiker "Wuthering Heights" anspielen. Einige Geschichten fand ich durchaus gelungen und sehr lesenswert zu einigen anderen konnte ich keinen richtigen Zugang finden. Dennoch, wenn man "Wuthering Heights" mag, lohnt es sich hier mal rein zu lesen.
  • "Mister Weniger" von Andrew Sean Greer war ein Geburtstagsgeschenk von meiner Schwester und meinem Schwager und hat mich ganz gut unterhalten. An den anderen Roman des Autors "Ein unmögliches Leben" kam es nicht ganz ran, dennoch mochte ich sehr viele Eigenschaften des Romans. Er kommt eher unaufgeregt daher, obwohl der Protagonist einiges zu berichten hat. Zunehmend erfährt man immer mehr über seine Beweggründe, seine Ängste, seine Hoffnungen und Träume und begibt sich mit ihm auf eine ganz persönliche Reise. Hier und da fand ich den Roman etwas zu "unausgebaut", aber im Großen und Ganzen mochte ich ihn gerne. 
  • Als besonders eigen empfand ich diesen Monat "The Hills" von Matias Faldbakken. Ich brauchte zwar einige Seiten, um wirklich rein zu kommen, aber nach und nach nimmt einen der Roman tatsächlich ein. Vielleicht auch, weil er schon etwas Besonderes an sich hat. Bisschen mysteriös was den Protagonisten und einige Ecken des Restaurants angeht, aber immer mit einer ganz schönen Prise Ironie. 
Ansonsten habe ich im September noch das wuchtige Buch "The Overstory" von Richard Powers begonnen. Ich bin schon einige Kapitel vorangekommen (werde aber wohl auch etwas länger brauchen) und bin sehr gespannt, wohin es noch gehen wird. Zuerst wird man nur mit einigen Charakteren vertraut gemacht, die eine besondere Beziehung zu Bäumen haben oder zu Gegenständen, die sich auf Bäume beziehen. Es bleibt spannend...


 Was hat euch im September besonders gut unterhalten, aufgewühlt oder lange begleitet?



Bücher für den Herbst und für Halloween: Eine Leseliste

September 30, 2018





"I ´m so glad I live in a world where there are Octobers!" - L.M. Montgomery (Anne of Green Gables)

Der Oktober naht und damit auch gleichzeitig die Lust auf ganz spezielle Lektüren. Es gibt zahlreiche Bücher, die perfekt in diese Herbst- und Halloweenzeit passen. Bei mir sammeln sich solche Bücher immer sehr schnell an und liegen dann den ganzen Sommer über so vor sich hin. Ich starre dann etwas gequält zu ihnen rüber, weil mich der Inhalt zwar reizt, ich aber weiß, dass mir die etwas schaurige und düstere Atsmosphäre fehlen würde, wenn ich sie in den warmen Monaten lese. 
Daher habe ich mir wieder eine sehr optimistische Leseliste für die Halloweenzeit und die nächsten Monate zusammengestellt. 

  • "Unnatural Creatures" (hrsg.) von Neil Gaiman: Eine kleine Sammlung verschiedener Erzählungen und Autoren, die sich mit mysteriösen Kreaturen befassen. Die enthaltenen Illustrationen werden sicherlich ihren Teil für die passende Stimmung beitragen. 
  • "Harry Potter and the Philosopher´s Stone" von J.K. Rowling: Bereits letztes Jahr habe ich zur selben Zeit den ersten und zweiten Teil erneut gelesen (damals allerdings die illustrierten Ausgaben). Nun starte ich erneut mit einem Reread....Einfach weil es passt und ich jedes Jahr Lust darauf bekomme.
  • "The Corn Maiden" und "Carthage" von Joye Carol Oates: Gleich zwei Bücher von Joyce Carol Oates haben es auf meine Leseliste geschafft. Ersteres trägt den zusätzlichen Untertitel "And other Nightmages", passt also wunderbar, wenn man etwas Gruseliges sucht. Zweites soll zwar nicht unheimlich, aber mysteriös sein, da sich alles um ein verschwundenes Mädchen dreht. Bei beiden Büchern bin ich schon sehr gespannt, ob mich auch der Schreibstil packen wird. Da hört man sehr verschiedenes bei anderen Rezensenten.
  • "The Mirror" von Richard Skinner: Dieses Buch beinhaltet zwei Kurzgeschichten, die sich mit dem Leben und dem Altern beschäftigen. Auf den ersten Blick vielleicht keine klassische Herbstlektüre, aber sonderlich erfreulich schätze ich das Buch auch nicht ein. Daher werde ich mich auch hier gerne überraschen lassen. 
  • "Ill Will" von Michael Stewart habe ich bereits vor einigen Tagen kurz vorgestellt. Es ist eine Erzählung über die, dem Leser nicht bekannten, vier Jahre, die Heathcliff aus "Wuthering Heights" außerhalb verbringt. Da schon der Klassiker sehr atmosphärisch und herbstlich angehaucht ist, bin ich mir sicher, dass sich diese schöne Lektüre auch wunderbar in der nächsten Zeit lesen lässt. 
  • Ein weiteres Buch, welches einige kurze Geschichten vereint, ist "Angela Carter´s Book of Fairy Tales". Mythische Gestalten sind auch hier an der Tagesordnung. Erinnert mich auf den ersten Blick etwas an Neil Gaimans Sammelband, daher bin ich gespannt darauf zu sehen, wie beides umgesetzt wurde. 
  • Das letzte Buch, das sich vorerst in die Reihen der Herbstlektüren einordnen darf ist "The silent companions" von Laura Purcell. Lange habe ich darauf gewartet, dass das Buch in der gebundenen Version bei mir ankommt. Nun bin ich voller Vorfreude, mich mit den gruseligen Inhalten auseinanderzusetzen. Ich wollte mir nicht zuviel vorwegnehmen lassen, daher habe ich nur einige Bewertungen überflogen... aber an der düsteren Stimmung soll es hier nicht fehlen. Daher ein ganz klarer Kandidat für Halloween.


Wie sieht eure Planung für den Herbst und vielleicht auch für Halloween aus? Habt ihr ein Buch, das ihr euch für diese Jahreszeit  "aufgespart" habt?






The Hills von Matias Faldbakken

September 27, 2018



Rezensionsexemplar (Original: "The Hills"/ 2017) Heyne Verlag, Übersetzer/in: Maximilian Stadler (aus dem Norwegischen),   ★★★★☆ 4 Sterne
"Was geschieht, wenn das Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Dieser Frage widmet sich Matias Faldbakken in seinem neuen Roman. Den Rahmen bildet ein altmodisches Restaurant namens The Hills, dessen Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Ein Pianist sorgt für ruhige Hintergrundmusik, die Einrichtung ist klassisch, gediegen. Der Leser wird in ein eigenes Universum eingeführt. Chef, Koch, Kellner: Die Hierarchien sind klar verteilt. Es herrscht eine Mischung aus strikten Routinen und hochsensiblen Umgangsformen. All das gerät ins Wanken, als eine unbekannte Frau ins Lokal kommt. Wer ist die Frau? Was will sie? Nicht nur der Kellner, sondern auch die Stammgäste geraten in Aufruhr."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Wir alle hier in The Hills sind gewissenhaft. Es ist ein Ort der Gewissenhaftigkeit. Gewissenhaftigkeit und Umsorge hängen zusammen, davon bin ich überzeugt.“ S.10

"The Hills" war und ist weiterhin eines der Bücher, die man erst recht schnell durchliest, nach dem man aber danach noch über die Bedeutung verschiedener Passagen nachdenkt.
Das beschriebene Restaurant ist Schauplatz eines Umschwungs. Ein Umschwung, den der Protagonist und Kellner wahrnehmen muss, denn eine Veränderung im Restaurant durchbricht seine routinierte Arbeit, die er schon seit Jahren vollzieht. Und das Restaurant ist ebenso Sinnbild des Umschwungs der Generationen selbst.
Man erfährt, dass das "The Hills" eine lange Geschichte erzählen kann. Gleichzeitig entdeckt man viele Ansichten der Gesellschaft zu gewissen Zeitpunkten der Weltgeschichte. Zugegeben, ich musste mich erst ein wenig einlesen, um diese Verknüpfungen passend einordnen zu können, denn es fallen manchmal Äußerungen, bei denen man manchmal kurz aufhört zu lesen und sich wundert. Zum Beispiel greift der namenlose Kellner eine Erinnerung auf, in welcher er erwähnt, dass sie sich gerne über Beleidigungen für andere Menschen amüsiert haben. Betrachtet man solche Aussagen nicht im Kontext, macht das Buch und die Figuren einen sehr negativen Eindruck. Allerdings werden diese Aussagen verwendet, um aufzuzeigen, wie die Gesellschaft funktioniert. Die einen sind priveligiert, haben ihren Besitz, ihre Erfolge und verlassen sich auf ihren Status. Andere werden als zweite Klasse gesehen, über die man nicht länger nachdenken muss, über die man auch einen Witz reißen darf. Nach und nach merkt man die deutliche Kritik in den Aussagen und das empfand ich als wichtig.

"Und da spaziere ich da herum und schmore in meinem eigenen Saft, überzeugt davon, dass wir alle in einer Falle gefangen sind, die aus den mehr oder minder gelungenen ästhetischen Entscheidungen und klugen Ideen vieler anderer geflochten sind. Aus Geschäftsideen, schlicht und ergreifend, entworfen im Laufe mehr oder minder gelungener Arbeitstage und stets getrieben von der Gier nach Geld." S.37f.

Grundsätzlich habe ich mich von dem Roman schnell einnehmen lassen. Man verfolgt die Ambition des Kellners, perfekt sein und das hoch angesehene Restaurant vernünftig repräsentieren zu wollen und die gleichzeitig auftretenden Missgeschicke, die ihn schwanken, die ihn immer mehr aus dem Konzept bringen lassen. Der Schein, den er versucht zu wahren, bröckelt beim Leser.
Ja, das Buch ist, wenn man es nur als diese eine Geschichte betrachtet sogar an vielen Stellen amüsant, weil sie sogar absurd scheint. Es ist eine Show, eine Performance die aufgeführt wird.
Es verstecken sich aber wirklich sehr viele Passagen, die eine wirkliche Bedeutung und Wucht haben.
Wonach streben wir Menschen da eigentlich? Wieso wollen wir uns für andere so aufopfern und verlieren uns selbst dabei? Warum lassen wir uns von anderen so viel vorschreiben und streben nach deren Idealen?
Die Atmosphäre des Restaurants ist sehr speziell. Ich habe mir stets ein etwas abgelegenes Restaurant vorgestellt, das einen eigenen Kosmos bildet, sich aber dennoch auf die außen stattfindenden Dinge beziehen muss. Dennoch ist es ein Ort, der einen festhält und von dem man sich beeinflusst fühlt, als müsse man sich eigentlich anpassen, obwohl man etwas ändern würde. Als Leser betrachtet man alles nur aus den Augen des Kellners, aus den Augen die sich hinter dem Samtvorhang am Eingang des Restaurants befinden und die Gäste eintreten sehen.
Es ist eine Geschichte, die mir sicherlich in Erinnerung bleiben wird und die deutlich macht, die die Übergänge der Gesellschaft stattfinden können, ausgelöst durch eine Gruppe gewisser Menschen oder sogar nur durch eine Person. Und früher oder später, zieht diese Veränderung auch den stärksten Widerständler an.


“Es hängt so viel in der Luft. Hängt irgendwann mal nichts in der Luft?“ S.128


Die Ansichten und die Veränderungen der Gesellschaft, aufgegriffen aus der Sicht eines Kellners.  Eine sehr eigene Atmosphäre, die den Leser gerne im "The Hills" verweilen und beobachten lässt, auch wenn einiges mit kritischen Augen gesehen werden kann.  Man begegnet aber klugen Wahrnehmungen des menschlichen Verhaltens und fühlt sich, als würde man die Figuren beim Erkennen ihrer eigenen Schwächen ertappen.