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LITTLE WORDS




"Growing up, I took so many cues from books. [...]
They were my teachers and my advisers."
Neil Gaiman / "The Ocean at the End of the Lane"

BELIEBTE BEITRÄGE




NEUE   BEITRÄGE

Das Flüstern der Bäume von Michael Christie

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Greenwood"/ 2019), Penguin Verlag (2020), Übersetzer/in: Stephan Kleiner (aus dem Englischen), ★★★★(☆) 4,5 Sterne
"Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder …"
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"'Liebst du den Wald mehr als mich?', [...]

      'Du bist ein guter Mensch, Liam. Einer der besten, die es gibt. Aber du bist nur ein einziger Mensch', sagte sie, saugt sich Fruchtmarkt aus den Zähnen und spuckt es in den Sand. 'Die Natur ist größer als wir alle.'" S.84
 
Habe ich einen solchen Roman erwartet? Nein. Hat er mich enttäuscht? Definitiv nicht. Der Klappentext und auch das erste Kapitel haben mich erst einmal auf eine "falsche" Fährte gelockt. Ich dachte wir lernen die Familie Greenwood auf die übliche Art und Weise kennen. Eine Einführung, die nach und nach stattfindet, die aber stets in der Gegenwart spielt. 
Der Roman ist jedoch anders und gleichzeitig ganz clever aufgebaut, nämlich wie eine Art Jahresring des Baums. Wir bewegen uns vom Ausgangspunkt der Gegenwart, in mehreren Schritten, in die Vergangenheit und anschließend wieder zurück. Schicht um Schicht werden so die Familiengeschichte und auch die möglichen Geheimnisse offengelegt.
Die Geschichte erinnerte mich, natürlich auch aufgrund der Thematik selbst, ein wenig an "The Overstory" von Richard Powers. Eine Familienchronik und die Verantwortung, die wir für die Bäume und Natur tragen in einem. Was für mich bei Powers jedoch nicht ganz funktionieren wollte, hat sich hier jedoch durchaus als geglückt herausgestellt. Beide Aspekte, der Familienzusammenhalt, also auch die Frage danach, was eine Familie überhaupt ausmacht und der Bezug zur Erhaltung beziehungsweise Rettung der Natur, wirkten nicht überladen und haben sich wunderbar ergänzt.
 
"'Menschen ergeben nie Sinn', sagt Everett. 'Merken Sie das jetzt erst?'." S.382

Bis zur Hälfte des Romans hatte ich noch das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Etwas Kleines, das ich nicht bestimmen konnte, was ich aber bräuchte, um die Geschichte vollends greifen zu können. Als sich die Handlung dann aber zum Ende hin wieder "herausgezoomt" hat, verspürte ich eine gewisse Trauer, dass ich die Figuren nun gehen lassen muss. 
Dabei sind die Figuren nicht einmal alle liebevoll oder fehlerfrei. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Man merkt, dass jedes Schicksal, jede Aufopferung nur soweit reicht, wie diejenige Person imstande ist sie zu tragen. Die nächsten Generationen sehen sich dann wieder mit anderen Konflikten, Problemen und Fragen konfrontiert, sodass jede*r neue Regeln schreibt. Das bedeutet auch, dass wir als Leser*in mitbekommen, welche Gegenstände, Orte, Taten für gewisse Personen eine wichtige Rolle gespielt haben und für welche Nachkommen diese eben nicht mehr von großer Wichtigkeit sind. So vermischen sich Schuld, Verantwortung, Verständnis und Ablehnung durchgehend.

Es entsteht durchaus eine melancholische Stimmung, da uns hier immer wieder die Vergänglichkeit aller Dinge und auch uns selbst vorgeführt wird. Zwar geht es um Themen, die uns hinterfragen lassen, ob wir richtig handeln, gute Menschen sind und wieweit wir selbst gehen würden, um jemandem zu helfen, jedoch bleibt es letztlich auch eine Geschichte, die den Lauf der Zeit und den Verfall einer gewissen Beständigkeit aufgreift.
 
"Seiner Erfahrung nach behandeln wir einander umso schlechter, je härter das Leben wird. Und das Schlimmste heben wir uns für unsere Familien auf." S.436
 
  
"Das Flüstern der Bäume" lässt uns mit einem nachdenklichen und vielleicht nicht gerade fröhlichen Gefühl zurück, schenkt uns dafür aber eine Geschichte, die sich von Kapitel zu Kapitel tiefer in unser Herz bohrt. Auch wenn mir bis zur Hälfte des Romans noch etwas gefehlt hat, haben sich die vielen Schichten der Familie und einzelnen Protagonisten zum Ende hin für mich wunderbar ergänzt, sodass ich sie schwer loslassen konnte. Mir gefiel das Zusammenspiel der Familienchronik und dem Aspekt der Bäume. Zwar rückt der Aspekt des Naturschutzes letztlich doch etwas in den Hintergrund, aber die Botschaft bleibt durch die Art und Weise, wie die Geschichte rein optisch aufgebaut ist, haften. Insgesamt ein Roman, der wenig optimistisch, aber realistisch ist und sich nach und nach um einen schmiegt.

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If We Were Villains von M.L. Rio

Oktober 19, 2020

(Original: "If We Were Villains"/ 2017) Titan Books, Übersetzer/in: -, ★★★★☆ 4 Sterne
Wenn Freunde zu Feinden werden.... gibt es keine Grenzen für den Schaden, den sie anrichten können.

Oliver Marks hat gerade zehn Jahr wegen Mordes im Gefängnis gesessen, den er vielleicht oder vielleicht auch nicht begangen hat. Am Tag seiner Entlassung wird er von dem Ermittler begrüßt, der ihn damals verhaftet hat. Ermittler Colborne geht in Rente und will nun wissen, was sich wirklich vor Jahrzehnten zugetragen hat.

Als junger Schauspieler an einer Eliteschule, bemerkt Oliver zunehmend, dass seine talentierten Mitschüler*innen, abseits der Bühne, dieselben Charaktere zu spielen versuchen, wie auf der Bühne - Bösewicht, Held, Verführerin. Doch als die Lehrer die Besetzung verändern, entwickelt sich eine gutartige Rivalität zu einer hässlichen Schlacht und das Theaterstück schlägt gefährlich ins wahre Leben ein.

Als das Unglück zuschlägt, wird eine*r der sieben Freunde tot aufgefunden. Der Rest sieht sich ihrer größten schauspielerischen Herausforderung gegenüber: Die Polizei und auch sich selbst zu überzeugen, dass sie unschuldig sind.

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"It has been a warm autmn so far.
        Enter the players. There were seven of us then, seven bright young things with wide precious futures ahead of us, though we saw no further than the books in front of our faces."  S.12

Shakespeare. Theater. Intrigen? M. L. Rios Roman bewegt sich inmitten einer recht düsteren Atmosphäre einer Eliteuni. Es ist Herbst, an Halloween wird ein Stück im Waldgebiet aufgeführt, das alle Beteiligten unsicher und verstört zurücklässt und die sieben Freunde (gleichzeitig Protagonist*innen) scheinen immer mehr Geheimnisse voreinander zu haben. 
Ich fand die Idee und auch die Umsetzung größtenteils wirklich gelungen. Einige Fakten sind bereits zu Beginn bekannt, andere Dinge werden erst nach und nach offenbart. Und mittendrin: Shakespeare. Shakespeare als Vorbild, Held und Stütze der Figuren. 
Als Leser*in sind wir also ständig mit den Texten (wenn auch oftmals in abgewandelter / angepasster Form) in Berührung. Das sorgt dafür, dass man sicherlich einerseits die Bildungseinrichtung als solche präsenter wahrnimmt, aber eben auch tiefer in die Theaterthematik reingezogen wird. Welche Figuren verkörpern was bei Shakespeare? Welche Dynamiken gibt es? Welche Bedeutungen hat das Gesagte und wie lässt sich alles auf diese neue, von Rio erschaffene Welt "anwenden"? 
Es war spannend zu sehen, dass der Roman sozusagen wie ein Stück im Stück verschachtelt wurde. Einige Figuren lösen sich von den Rollen, einige jedoch bleiben daran hängen.

"With a sip of tea I persuaded myself that we were all simply overreacting. Actors are by nature volatile -alchemic creatures composed of incendiary elements, emotion and ego and envy. Heat them up, stir them together, and sometimes you get gold. Sometimes disaster."  S. 68

Betrachte ich die Spannung in dem Roman, muss ich sagen, dass diese definitiv vorhanden ist. Allerdings nicht so stark, wie ich anfangs gehofft hatte. Viele Wendungen oder Auflösungen habe ich kommen sehen, sodass ich nicht überrascht war zu erfahren, was letztlich passiert ist.
Dennoch habe ich mich nie wirklich gelangweilt. Das lag wohl überwiegend daran, dass ich den Stil des Romans einfach mochte. Mir gefiel die Vermischung der modern, düsteren Aspekte einer Crime-Story mit der klassischen Auseinandersetzung von Shakespeares Texten. 
Letztlich ist es ein Roman, der eine spezielle Stimmung transportiert und durchaus nachdenklich ist, der aber vielleicht nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben wird, zumindest was den Inhalt angeht. Das Gefühl während des Lesens, also in diese Welt einzutreten, werde ich aber schon ein wenig vermissen.

"Me:'I hate you.'
      Richard: 'Hatred is the sincerest form of flattery.'
Alexander: 'That´s imitation, dickhead.'
S. 32

 

Ein Roman in einer Campus- /Dark-Academia-Welt, der sich sehr stark auf Shakespeares Stücke und die darin vorkommenden Figuren bezieht. Der Todesfall, welcher erwähnt wird, sorgt dafür, dass man als Leser*in rückblickend an die Uni der sieben Protagonist*innen kommt und nach und nach erfährt, was zu deren Entrückung geführt hat. Hier hätte ich mir vielleicht noch mehr "Twists" gewünscht, grundsätzlich hat der Roman für mich aber gut funktioniert. Die Figuren und Handlungen sind plausibel und die Atmosphäre fand ich so schön speziell, dass ich dort gerne länger verweilt wäre. Eine Geschichte, von der man nicht zu viel erwarten sollte, die aber vor allem für Leser*innen interessant ist, die etwas für Shakespeare, das Theater und eine Spurensuche innerhalb einer Clique übrighaben.


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Spooky all the time: Leseliste für Halloween und den Herbst

Oktober 11, 2020


Es ist mal wieder soweit. Die Monster und Geister klopfen an die Türen, rasseln mit ihren Ketten und verstecken sich unter unseren Bettdecken, und sorgen so für eine schaurige Stimmung. Halloween nimmt in Deutschland immer mehr Platz ein. Wenn auch nicht unbedingt in dem Sinne, dass wir so wie in Amerika durch die Straßen ziehen, so doch definitiv im Bereich des Fernsehprogramms und der Lektüreauswahl.
Natürlich habe ich es mir daher nicht nehmen lassen, mich dieses Jahr erneut mit passenden Büchern dafür einzudecken. Da Halloween aber schon in gut drei Wochen vorbei ist, werde ich die Leseliste auch noch für den November in Betracht ziehen. Dunkel und düster bleibt es ja sowieso, nicht wahr?

Hier also die Halloween-/ Herbstbücher im Überblick:

  • "The Devil all the Time" von Donald Ray Pollock: Spooky all the time aka The Devil all the time. Letzten Monat habe ich die Verfilmung gesehen und wollte daraufhin doch gerne noch die Buchvorlage gelesen. Die Geschichte ist ziemlich brutal und thematisiert den Fanatismus von Menschen und der Gesellschaft, aber auf so packende und gruselige Weise, dass es meiner Meinung nach ganz gut zu Halloween passt. Ich bin gespannt, wie viel für den Film verändert oder angeglichen wurde. 
  • "If We Were Villains" von M. L. Rio: Das Buch hatte ich in meinen vorletzten Neuzugängen gezeigt und schon damals gesagt, dass es nach einer perfekten Herbstlektüre klingt. Ein Verbrechen, Protagonisten, denen man nicht trauen kann und Shakespeare-Verweise. Klingt nach viel Potential!
  • "Interview With The Vampire", "The Vampire Lestat" & "The Queen of the Damned" von Anne Rice: Die bekannte Vampirtrilogie von Anne Rice darf auf meiner Leseliste natürlich nicht fehlen. Vampire gehören ja quasi zum Standardinventar von Halloween. 
  • Dazu kommt passenderweise auch noch "Dracula´s Child" von J.S. Barnes hinzu. Ein Roman, der die Geschichte nach dem Kampf von Jonathan und Mina Harker gegen Dracula erzählt. Wieder in England angekommen, versuchen sie wie gewohnt weiterzumachen, doch etwas stimmt nicht und die Beziehung gerät in Schwierigkeiten. Geheimnisse brechen bahn und etwas längst Vergessenes bahnt sich wieder den Weg zu ihnen...
  • "The Monsters we deserve" von Marcus Sedgwick: Okay, haltet euch fest. Dieser Roman greift nämlich einen der größten Halloween-Klassiker par excellence auf. Es geht um Mary Shelley und ihr Meisterwerk "Frankenstein". In einer stürmischen, regnerischen Nacht werden alte Geistergeschichten erzählt und neue erfunden. Aber wer wird hier eigentlich wirklich von wem erfunden und erschaffen? Eine Geschichte über die Einbildungskraft und den kreativen Akt des Lesens und Schreibens.
  • "Monster, She Wrote" von Lisa Kröger & Melanie R. Anderson: Wo wir gerade beim Thema Geistergeschichten schreiben sind. Dieses schöne Buch musste natürlich auch unbedingt mit auf die Liste. Hier geht es um all die Schriftstellerinnen, die ihre Gruselgeschichten in die Welt hinausgelassen haben. Von "Frankenstein" bis "The Hunting of Hill House". Ist nicht nur perfekt, um mehr über die Romane und Schriftstellerinnen zu erfahren, sondern auch eine schöne Quelle für die noch folgenden Jahre und Leselisten!
  • "The Artful Dickens" von John Mullan: Zugegeben, etwas weiter entfernt von einer Grusellektüre, aber definitiv schön für die kälteren Tage, ist dieses Buch. In 13 unterhaltsamen Essays stellt Mullan aber durchaus auch die Fragen "Was ist Dickens häufigste Art einen Charakter sterben zu lassen?" und "Wann trifft eine Figur am ehesten / häufigsten auf einen Geist?". Bleibt also sicherlich eine Lektüre für November, aber ich freue mich schon darauf, mich den Tricks des großen Charles Dickens zu nähern.
  • "Piranesi" von Suanna Clarke: Ebenfalls recht neu bei mir eingetroffen und ein großer Anwärter als Grusellektüre ist "Piranesi". Über den Inhalt heißt es: "Ein riesiges Gebäude, in dem sich endlos Räume aneinanderreihen, verbunden durch ein Labyrinth aus Korridoren und Treppen. An den Wänden stehen Tausende Statuen, das Erdgeschoss besteht aus einem Ozean, bei Flut donnern die Wellen die Treppenhäuser hinauf. In diesem Gebäude lebt Piranesi. Er hat sein Leben der Erforschung des Hauses gewidmet. Und je weiter er sich in die Zimmerfluchten vorwagt, desto näher kommt er der Wahrheit – der Wahrheit über die Welt jenseits des Gebäudes. Und der Wahrheit über sich selbst." (Quelle: Blessing Verlag). Klingt für mich so, als könne es nur gut werden! 
  • "Little Nothing" von Marisa Silver: "Pavla ist kein gewöhnliches Kind. Aber dies ist auch kein gewöhnliches Märchen." Mystische und mythische Anspielungen, genauso wie Märchenhaftes wird hier wohl an der Tagesordnung sein. Vielleicht gibt es auch Gestaltenwandler? Ich rechne zumindest mit etwas, das die "normale Welt" etwas sprengt und ins Übernatürliche geht. Daher super für die Halloweenzeit!
  • "We Have Always Lived in the Castle" von Shirley Jackson: Das ist wohl mittlerweile DIE Lektüre zu Halloween, die man überall auf Instagram sieht. Das kleine Büchlein wollte ich eigentlich schon vor Jahren lesen, konnte mich aber nie für eine Ausgabe entscheiden. Im November wird ein Exemplar in der Penguin Vitae Series erscheinen, auf die ich dann warten wollte. Nun hat mich aber die Neugier doch zu sehr gepackt, sodass ich mir vorerst die Penguin Modern Classics Ausgabe zugelegt habe. Vielleicht schaffe ich es danach auch endlich die Verfilmung davon zu schauen!
  • "A Deadly Education" (The Scholomance #1) von Naomi Novik: Eine neue, gefährliche Schule für zauberbegabte Schüler*innen, in der Versagen jederzeit den Tod bedeuten kann, bis eine Schülerin die Gesetze neu schreibt? Da bin ich doch direkt dabei! 
  • "True Story" von Kate Reed Petty: Ein Verbrechen, vier Erzählperspektiven. Mittlerweile schon öfters gezeigt und erwähnt, kann ich es nun kaum erwarten, die Geschichte zu lesen. Was ist wirklich geschehen? Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Ist sicherlich keine Monster-/ Gruselgeschichte im typischen Sinne, aber ungeklärte Verbrechen passen ja trotzdem in die Halloween- und Herbstzeit. Also: Her damit!
  • "Eight Detectives" von Alex Pavesi: Hier geht es ebenfalls um Crime und Ermittlungen. Dieser Thriller beschäftigt sich mit einem Autor und seiner Geschichte, die von einem Mord handelt. Doch die Lektorin dieses Buches findet, dass vieles gar nicht zusammen zu passen scheint und einiges verdächtig ähnlich zu einem Verbrechen wirkt, das dreißig Jahre zurückliegt...

Durchaus, ich war etwas optimistisch, als ich die Anzahl der Bücher festgelegt habe, aber jedes davon klingt so spannend, dass ich hoffe, sie alle tatsächlich in den zwei Monaten lesen zu können. 

Also liebe Monster jeglicher Art. Kommt nur her, ich warte auf euch!


Habt ihr euch auch mit passender Lektüre eingedeckt? Ist vielleicht eines der Bücher auch auf eurer Leseliste zu finden?


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Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad

Oktober 06, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Parisian"/ 2019), Luchterhand Verlag (2020), Übersetzer/in: Henning Ahrens (aus dem Englischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Montpellier, zu Beginn des Ersten Weltkriegs: Als der junge Palästinenser Midhat von Bord eines Dampfers aus Alexandria geht, ist das für ihn der Aufbruch in eine strahlende Zukunft. Begierig wirft er sich in sein Medizinstudium, saugt die französische Kultur auf, verliebt sich in die emanzipierte Jeannette. Doch in den vom Krieg aufgeschreckten bürgerlichen Salons bleibt Midhat ein Fremder - und muss lernen, wie zerbrechlich alles ist: aus Freunden werden Feinde, aus Liebe wird Verrat. Er flüchtet sich in das exzessive Treiben in Paris und von dort zurück in die strenge väterliche Obhut nach Palästina. Doch auch aus seiner Heimat ist im Streben um Unabhängigkeit mittlerweile ein Pulverfass geworden..."
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Mag ich, aber zu lang. Das war der Gedanke, der am meisten Platz eingenommen hat. Zumindest hat es sich unfassbar lang angefühlt und das sollte eigentlich nicht das Empfinden sein, mit dem man solch einen Roman verlässt.
Hammad hat eine Geschichte geschrieben, die vieles sein will und sich für mich irgendwo auf halber Strecke teilweise verloren hat. Ich habe mich manchmal gefragt, was der Roman eigentlich sein möchte. Eine Liebesgeschichte, wie es auf dem Buchrücken deklariert wird? Eine Geschichte über die Suche nach der eigenen Identität? Über die Unruhen in Palästina? Mir waren die Verknüpfungen durchaus bewusst und an vielen Stellen fand ich sie auch geglückt, an vielen Stellen jedoch sprang der Funke einfach nicht über, sodass ich hätte sagen können, dass mich die Geschichte wirklich in den Bann gezogen hat. 

Midhats Jahre in Paris sind prägend. Bildung, Liebe, Freiheit, Frieden. Alles scheint er dort zu finden. Durch gewisse Umstände verlässt er allerdings die Stadt und zieht weiter. Ich dachte an diesem Punkt, dass die Geschichte dann "losgehen" würde. Doch dann folgte wieder ein neuer Strang und ein neuer Strang und ich fühlte mich so, als würde ich immer beinahe am gewollten Inhalt ankommen, bevor er sich mir wieder entzog. Das Gefühl, es nicht greifen zu können, blieb bis zum Schluss. Die Orte, die Figuren, die (inneren) Konflikte, alles war zwar präsent und wurde angesprochen, hat mich persönlich aber durch den Erzählstil einfach nicht überzeugt. In der Mitte des Buches war ich teilweise erschöpft von den vielen Beschreibungen, die mich nirgends wirklich hingeführt haben.

"'Nein', sagte Midhat, 'dazu hat er sich nicht geäußert. Ich finde, dass Palästina zu Syrien gehören sollte, weil Einheit mächtiger ist als Unabhängigkeit.' 
Das entsprach nicht seiner Argumentation in Paris, aber der Tenor der Fragen verriet ihm, dass diese Haltung in Nablus begrüßt wurde. Und die Parole 'Einheit ist mächtiger als Unabhängigkeit' hatte er in Faruqs Wohnung regelmäßig gehört, sie ging ihm also leicht über die Lippen." S.270
 
Ich kann nicht einmal sagen, dass mir die Figuren komplett egal waren, denn das waren sie nicht, aber während des Lesens kam nie das Gefühl auf, dass Midhat, der Protagonist, mich wirklich spüren lassen möchte, was in ihm vorgeht. Für mich blieb er teilweise auch ein Fremder, weil er selbst unsicher schien, wer er ist und wo er hingehört. Das ist sicherlich ein sehr wichtiger Aspekt für den Roman und die Botschaft als solches, wenn wir darüber reden, wie sich die Identität durch Midhats Reisen "verändert", aber führt dazu, dass das Verhältnis zwischen Figuren und Leser*innen immer recht kühl bleibt. 
Die Figuren um ihn herum und ihre Intentionen werden meist nur angerissen. Auch hier waren mir viele Persönlichkeiten daher nicht "intensiv" genug. Besonders in Hinblick auf die Kriegserfahrungen und die Unruhen im Land war ich überrascht, dass es etwas emotionslos herangetragen wurde. Viele Sätze wirkten wie Feststellungen, die natürlich aufzeigen wollen, wie schlimm die Situation war, aber dabei leider viel zu sachlich klangen. 

Was mir jedoch an dem Roman besonders gefiel war die leise Stimme, die einen mit einem sehr dünnen, aber doch roten Faden, durch die Geschichte gezogen hat. Wir bekommen hier und da Verweise wie auch Hinweise zugespielt, die sich vor allem auf Midhats und auch die Psyche von Jeanettes Mutter beziehen und einen sehr interessanten Strang eröffnen. Ebenfalls geglückt sind die Passagen, wenn es um eine erwähnte Uhr geht, die Midhat durch den Roman zu folgen scheint. Diese kleinen Details sorgen dafür, dass man zumindest an einigen Stellen das Gefühl bekommt, dass da eine Ebene ist, die etwas tiefer geht, als die bloße Erwähnung von Zahlen und einige Beschreibungen der Aufruhr. 
Da bereits zu Beginn ein Namensverzeichnis und zum Ende hin auch ein Glossar mit Schlüsselereignissen der Nationalbewegungen beigelegt wurde, hätte ich mir einfach gewünscht, dass die Geschichte noch stärker auf die persönliche Ebene gezogen wird und man die Figuren so greifbarer gemacht hätte.
 
"Liebe war ein Gebiet für sich und wurde in der Anthropologie kaum beachtet, weil sie kapriziös und schwer zu analysieren war. Manche erlebten sie als Krankheit, andere als Segen, je nachdem." S.118


Ein recht vollgepackter Roman, der mir in gewissen Aspekten gefallen hat, der sich aber leider im Großen und Ganzen doch etwas schwerfällig gelesen hat.  Midhat als Protagonist ist einerseits geglückt, weil er sich der Frage nach der "Fremdheit im (eigenen) Land" anschließt, aber gleichzeitig dafür sorgt, dass er bei Leser*innen ebenfalls an Distanziertheit dazugewinnt. Beobachtungen der Stadt oder der Nationalbewegungen und die Lebensgeschichte der Figuren wirkten für mich teilweise langatmig und viel zu stark voneinander losgerissen. Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir der Roman als solcher beim Lesen nicht gefallen hat. Vielleicht hätte hier eine etwas kürzere, aber gezieltere Erzählweise mehr erreicht. Mir war es am Ende daher etwas zu lang und der Funke wollte nicht ganz überspringen.
 

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Neue Bücher im Gepäck: Romane und Polnisches

September 24, 2020

Zugeschlagen, meine Damen und Herren! Und das auch noch kurz vor Monats- / Sommerende. Letzte Woche ging es für eine Woche mal wieder in den Urlaub nach Polen. Dort habe ich die Chance genutzt und die vier Romane von Louisa May Alcott der "Little Women"-Reihe sowie meinen Lieblingsroman von Neil Gaiman ergattert, die ich schon so lange angeschmachtet habe.
Darüber hinaus gab es noch das ein oder andere Buchgeschenk, spontane Käufe und ein Rezensionsexemplar. 

Nun also die näheren Infos zu den Neuzugängen:

  • "Małe kobietki", "Dobre żony”, "Mali mężczyźni" & "Chłopcy Jo" von Louisa May Alcott (Little Women #1-4): Ich bin mir ziemlich sicher, dass es etwas länger dauern wird, bis ich es schaffe, alle vier Romane auf Polnisch auszulesen, aber ich konnte bei der schönen Gestaltung der Bücher nicht widerstehen. Zudem ist es so, dass ich den ersten Teil zwar schon mehrmals gelesen habe und unzählige Male in verschiedensten Ausführungen besitze, mir aber bisher noch Teil 3 und 4 fehlten. Nun werde ich versuchen, die Bücher in der Winterzeit bei gemütlicher Atmosphäre zu genießen. (Übrigens: Das polnische Lesezeichen musste natürlich auch mit. Da steht schließlich "Zeit für Kaffee" drauf... und ohne Kaffee geht momentan gar nichts.)
  • "Ocean na końcu drogi" von Neil Gaiman: Möchte ich nur kurz erwähnen, weil ich den Roman bereits kenne, rezensiert habe und auch sowieso wirklich sehr oft auf dem Blog etc. empfehle. Da es eines meiner absoluten Favoriten aller Zeiten ist und die polnische Ausgabe sehr schick aussieht, habe ich sie ebenfalls als kleines Urlaubsandenken mitgenommen.
  • "Piranesi" von Susanna Clarke: Ganz frisch eingetroffen ist bei mir das neue Buch (erschienen 16 Jahre nach dem Debütroman!) von Susanna Clarke, der Autorin von "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Ich wollte vorher eigentlich noch besagtes Buch lesen, kam aber mal wieder nicht dazu. Zum Glück ist "Piranesi" deutlich kürzer als "Jonathan Strange", so bleibt es vielleicht nicht so lange ungelesen liegen. Der Roman klingt aber auch ganz nach meinem Geschmack. Es heißt, es sei eine hypnotische Geschichte, die in einer traumähnlichen und alternativen Realität spielt.
  • "Interview with The Vampire", "The Vampire Lestat" & "The Queen of the Damned" von Anne Rice: Drei Bände einer der bekanntesten Vampirreihen. Letzten Herbst hatte ich ein sehr großes Interesse an den verschiedensten Dracula-Adaptionen. Das hat wohl jemand mitbekommen und mir daraufhin zum Geburtstag die Bücher von Anne Rice geschenkt! Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut und kann es kaum erwarten, diesen Herbst erneut in diese Thematik einzutauchen. Den Film zum Buch habe ich vor Jahren mal so halb gesehen, kann aber nicht mehr sagen, ob ich ihn gut oder schlecht fand. Mal sehen, ob die Romane da einen größeren Eindruck hinterlassen werden. 
  • "Death on the Nile" von Agatha Christie (Hercule Poirot #17): Ein weiteres Geschenk bekam ich von den Arbeitskolleginnen aus der Buchhandlung. Ebenfalls ein Buch, das natürlich genau meinen Geschmack trifft, da ich in letzter Zeit wirklich im Murder Mystery und Crime-Fieber bin. Über "Death on the Nile" freue ich mich zudem noch einmal besonders, da der Film bald als Neuverfilmung in die Kinos kommen soll!
  • "Queenie" von Candice Carty-Williams: Auf Instagram habe ich diesen Neuzugang bereits vor einiger Zeit erwähnt. Wirklich interessiert war ich daran überwiegend durch die positive Rezension von Miss Bookiverse. Die deutsche Übersetzung erschien letztens im Aufbau Verlag und auch da gab es sehr viele positive Stimmen. Nun muss ich endlich nachziehen. Ich hoffe meine Erwartungen sind nun nicht zu hoch, aber der Klappentext klingt sehr vielversprechend.
  • (Rezensionsexemplar) "Das Flüstern der Bäume" von Michael Christie: Erscheint am 05. Oktober im Penguin Verlag. Laut Internetseite heißt es: "Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas". Ich bin seit einigen Jahren recht angetan von Generations- und Familienromanen (wenn sie spannend geschrieben sind), aber darüber hinaus mag ich Kanada - nicht zuletzt da mein Schwager Kanadier ist. War also ein absolutes "muss ich lesen"- Gefühl, als ich den Titel in den Vorschauen entdeckt habe. Ich bin nun sehr gespannt auf den Inhalt.
  • "True Story" von Kate Reed Petty: Ebenfalls schon kurz auf Instagram vorgestellt und ein Buch, das ich eigentlich sofort lesen möchte. Mich spricht einfach alles daran an: Titel, Inhaltsangabe, Cover... Jedoch habe ich das Gefühl, dass es vielleicht noch etwas stärker in die kälteren Herbstmonate passt, daher warte ich noch ein wenig ab, auch wenn es ziemlich schwerfällt.

 

Kennt ihr eines der Bücher und würdet sie empfehlen? War eines davon ein Flop für euch? Kauft ihr auch Bücher in anderen (eurer Mutter-)Sprache(n), obwohl ihr wisst, dass ihr sie nicht so schnell lesen werdet oder einfach nur, weil sie ein schönes Andenken sind?


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