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LITTLE WORDS




"Growing up, I took so many cues from books. [...]
They were my teachers and my advisers."

Neil Gaiman / "The Ocean at the End of the Lane"

BELIEBTE BEITRÄGE




NEUE   BEITRÄGE

Leute wie wir von Diana Evans

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Ordinary People"/ 2018) Atlantik Verlag (2021), Übersetzer/in: Mayela Gerhardt (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3 Sterne
"Ein bittersüßer Roman über die Liebe und das moderne Familienleben unter den Zwängen des Alltags -- Es ist nicht lange her, dass Melissa und Michael, von ihren Freunden liebevoll M&M genannt, das allseits bewunderte Paar waren. Doch jetzt ist ihre Ehe so einsturzgefährdet wie das Einfamilienhaus im Süden Londons. Melissa ist gerade Mutter geworden, aber statt Erfüllung empfindet sie Überforderung und sucht Trost bei den nigerianischen Eintöpfen und Zaubern ihrer Mutter. Das macht Michael nur noch unzufriedener, der sich ein aufregendes Leben ohne Kinder zurückwünscht. Und da gibt es noch ein anderes Paar: Damian und Stephanie – und ihre drei Kinder. Damian kommt mit dem Verlust seines Vaters nicht zurecht er und sehnt sich mehr als denn je nach … Melissa."
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"'Die größte Herausforderung im Leben besteht darin, nicht vor unserem Tod zu sterben.' sagte Melissa. 'Das habe ich einmal irgendwo gelesen. Das geht nämlich vielen Menschen so.'"  S.266

Wieder ein Buch, das ich mit einem sehr gemischten Gefühl verlasse. Der Titel setzt der Geschichte schon einen ganz guten Stempel auf, denn tatsächlich kann man sich darauf vorbereiten, dass man hier von ganz gewöhnlichen Leuten liest. Es folgen Beschreibungen der alltäglichen (Beziehungs-)Krisen, Ängsten, Sorgen um die Kinder und der Frage danach, was wir eigentlich noch mit unserem Leben anstellen und was wir erreichen wollen.
Grundsätzlich also keine schlechte Idee. Ich mag Alltagsgeschichten. Geschichten, in denen man sich wiederfindet, in denen man diese Sorgen teilweise teilen kann und sich sagt "Okay, es geht nicht nur mir so". Die Protagonist*innen sind dabei sogar stehts recht nahbar, weil sie mitten im Leben stehen und eben keine Traumjobs mit Megagehalt beziehen. Jedoch fällt man dadurch auch schnell in den Modus, dass man deren Verbitterung annimmt und die Menschen um sie herum genauso kritisiert und "nervig" findet. Es findet kaum die Möglichkeit statt, diese Menschen objektiv wahrzunehmen, obwohl man weiß, dass jede*r sein eigenes Päckchen zu tragen hat. 

Irgendwann schwingt dadurch so eine gewisse Ablehnung mit, die nur häppchenweise durch Annäherungen aufgebrochen wird zum Beispiel, wenn mal fallen gelassen wird, dass der oder die Partner*in ja eigentlich doch der Mensch ist, mit dem man das Leben verbringen möchte. Leider bin ich daher eher mit dem Gefühl aus dem Roman gegangen, dass "Leute wie wir" einfach nur anstrengend sind, nur nörgeln und nie zufrieden sind. Natürlich, dadurch greift in gewisser Hinsicht die Kritik an den Maßstäben an uns selbst, verhindert aber, dass teilweise das große Ganze in Frage gestellt wird, was überhaupt dazu führt, dass sich die Gesellschaft so unter Druck gesetzt fühlt.

Insgesamt schien mir der Roman dann jedoch mit jedem Kapitel einfach zu lang zu werden, zu ausufernd. Manchmal hat er sich dann doch in Details verzettelt, welche die Geschichte sehr gestreckt haben, sodass auch die Figuren immer wieder um sich selbst gekreist sind ohne "voranzukommen".

"'Faszinierend, wie Musik einen das ganze Leben lang begleitet und es einem stückchenweise wieder zurückbringt, selbst Dinge, die man glaubte vergessen zu haben."  S.266
 
Es gab allerdings auch durchaus positive Dinge an und in dem Roman zu entdecken. Den ersten Teil empfand ich als sehr zart, nachdenklich, beinahe philosophisch. Einigen Gedankengängen bin ich mehr als gerne gefolgt und ich habe auch die vielen Musikverweise sehr geschätzt. Es entsteht eine wirklich sehr eigene Note (auch in Bezug auf den Schreibstil), die schon etwas Neues an sich hatte. Das gefiel mir wirklich sehr.  
Bis zu einem gewissen Punkt bin ich auch den Figuren gerne gefolgt und habe von ihren ganz banalen alltäglichen Erfahrungen lesen wollen. Es hatte teilweise etwas Beruhigendes an sich, davon zu lesen, dass niemand das perfekte Leben führt oder führen kann. Mir gefielen die Einblicke in die verschiedenen Beziehungen. Wie geht ein Vater oder eine Mutter mit ihrer Rolle den Kindern gegenüber um? Gibt es Unterschiede darin? Und wenn ja, wieso überhaupt? Welche Sorgen lasten auf wessen Schultern? Zugegeben, diese Fragen sind in vielen Romanen essenziell, doch hier hatte ich einen besseren Zugang zu einigen Aspekten, als in anderen Geschichten.
Was mir dahingehend besonders gefallen hat, war die sich langsam zuspitzende Situation, in der sich Melissa und ihre Tochter befinden. Irgendwas scheint in ihrem Verhalten vor sich zu gehen und hier und da vermischen sich Realität und Aberglaube / Übernatürliches.


Der Roman liest sich wie das Cover. Es ist eine Karte. Darin eine Hauptstraße, die viele Abbiegungen nimmt, mal in diese Nebenstraße einfährt, mal mit einer anderen verläuft und dann plötzlich endet. Grundsätzlich waren es dann zum Schluss auch einfach zu viele Nebenstraßen. So werden wichtige Themen aufgegriffen (z.B. Gefahren in Londoner Straßen, Gangkriminalität), die aber sehr abrupt enden und sich nicht richtig in den Rest eingliedern. So bleiben viele Stränge bloße Schnipsel und Einblicke in andere Leben, der Leute wie wir. Daraus folgt, dass sich der Roman an vielen Stellen endlos anfühlt und in Details verirrt.
Geglückt ist jedoch das Porträt der Durchschnittsfamilie, die sich durch Leistungs- und Gesellschaftsdruck an ihre Grenzen gebracht sieht. Bis zu einem gewissen Grad bin ich den Paaren gerne gefolgt, habe gerne von ihren Träumen und Wünschen gelesen, zum Schluss jedoch bin auch ich irgendwo abgebogen, wo ich die Familien nur noch schwer finden konnte und sie mich ein wenig ermüdend zurückgelassen haben.


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Neuzugänge: Meteoriten, Heilige und Geheimclubs

Mai 05, 2021


Sieben neue Bücher haben es diesen Monat bereits in meine Regale geschafft. Mit dabei sind Vorbestellungen, Sammlerausgaben und mal wieder etwas von der Women´s Prize for Fiction Longlist:

  • "The Live of Saints" & "Shadow and Bone" (Shadow and Bone #1) Collector´s Edition von Leigh Bardugo: Nachdem ich die Verfilmung zu Ende geschaut hatte und das Buch "The Live of Saints" darin gezeigt wurde, war es um mich geschehen. Also habe ich es kurzerhand bestellt. Die Idee dahinter finde ich mittlerweile tatsächlich ganz interessant, da man darin einen Überblick über alle genannten Heiligen bekommt und sich ein wenig Hintergrundwissen aneignen kann.
    Und ja, ich besitze tatsächlich schon die andere Collector´s Edition vom ersten Teil, aber der blaue Buchschnitt und das Vorsatzpapier waren schuld. Jetzt überlege ich nach dem rewatch der Serie noch einmal die Bücher zu lesen...
  • "The Mary Shelley Club" von Goldy Moldavsky: Der letzte Roman, von dem ich mir Intrigen und Geheimnisse an einem Internat gewünscht habe ("The Divines"), hat mich letztlich nicht ganz überzeugen können. Dafür habe ich nun sehnsüchtig auf diese Vorbestellung gewartet. Darin geht es um einen Club einer Highschool Clique, der auf sechs Regeln setzt (Erste Regel: Der Mary Shelley Club ist geheim, letzte Regel: Deine Mutprobe oder "Angst Test" ist zu Ende, wenn dein Ziel schreit.") und nach Mary Shelley benannt ist - der Schöpferin eines der bekanntesten Monster. Lassen wir uns mal überraschen, aber ich hoffe natürlich, dass der Roman die "dark academia"- Elemente aufgreift und ausreichend Bezüge zur Autorin herstellt. 
  • "The House of Hollow" von Krystal Sutherland: Ebenfalls in die düstere Richtung soll dieser Roman gehen. Er wird als "Darkly seductive, [...] twisty modern-day fairy tale" beschrieben. Klingt für mich perfekt. Ich liebe es, wenn es etwas düsterer, geheimnisvoller und "anders" wird. Hier treffen wir auf drei Schwestern, die verschwinden und wieder auftauchen, aber merkwürdige Veränderungen an sich wahrnehmen. Nach einigen Jahren, in denen sie versuchen sich irgendwie anzupassen, verschwindet erneut eine der drei Schwestern. Sie hinterlässt Spuren und Rätsel, die den beiden anderen helfen sollen sie zu finden. Doch sie sind nich die einzigen, die nach ihr suchen. Letztlich offenbart sich (inklusive der Vermischung mit übernatürlichen Geschehnissen), was vor langer Zeit geschehen ist...
  • Rezensionsexemplar ~ "Meteoriten" von Eloise Cohen de Timary: Zugegeben, hier hat mich vor allem das Cover auf die Geschichte aufmerksam gemacht, aber ein zweiter Blick auf die Inhaltsangabe lohnt sich ebenfalls. Die Geschichte verspricht französisches Flair, Fragen (und Antworten) an das Leben und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. 
  • Bei "Melmoth" von Sarah Perry bin ich im Vergleich ziemlich spät dran. Der Großteil der Buchblogger*innen (und sicherlich auch Leser*innen abseits des Internets) haben den Roman kurz nach Erscheinen verschlungen. Ich war mir lange Zeit unsicher. Nun habe ich es spontan mitgenommen, da es mir wieder häufiger über den Weg gelaufen ist und mich die Anspielung an die "Frau in Schwarz" natürlich unfassbar neugierig macht. 
  • "Small Pleasures" von Clare Chambers: Die Longlist des Women´s Prize for Fiction behalte ich immer gerne im Auge, da dort oftmals wirklich gute Romane landen (Hamnet)! Obwohl mich die Hinweise auf den Inhalt noch nicht übermäßig reizen (Jemand kontaktiert die Zeitung, um von einer jungfräulichen Schwangerschaft zu berichten - Wunder oder Betrug?), möchte ich dem Ganzen mal eine Chance geben.


Welche Bücher würden euch ansprechen? Longlist, Grusel, Beziehungsroman oder doch lieber der Geheimclub?


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The Divines von Ellie Eaton

April 14, 2021

(Original: "The Divines"/ 2021) William Morrow, Übersetzer/in: -, ★★★☆☆ 3 Sterne
Memor Amici. Remember friends.
Die Mädchen der Eliteschule St. John the Divine sind bekannt und berüchtigt für das ständige Zurückwerfen der Haare, Schikanieren der Lehrer*innen, die Jagd nach Jungs und das Kettenrauchen. Sie waren scharfzüngig, loyal und bereit für alle möglichen Scherze.
Für Jospehine, nun in ihren Dreißigern, fühlt sich die Zeit an der St. John wie ein anders Leben an. Seit fünfzehn Jahren hat sie nicht mehr mit einer der anderen Divines gesprochen, nicht seit dem Tag, an dem sich die Türen der Schule beinahe voller Schande geschlossen haben.
Nun wandert Josephine wieder auf dem Campus und an der heruntergekommenen Schule entlang. Der Besuch weckt verschwommene Erinnerungen an die letzten Wochen, welche der Schule den Untergang beschert und die Gemeinde erschüttert haben.
Während des Nachsinnens wird Jospehine immer versessener nach ihrem jugendlichen Ich und der damals eingeschweißten Mädchenclique. Mit jeder Erinnerung, die wieder nach oben gespült wird, kommt sie dem hässlichen Geheimnis näher, welches die Schule mit einem großen Skandal zurückgelassen hat...
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"A townie could spot a Divine a mile away and vice versa."  S.23

Eine Eliteschule für Mädchen? Dunkle Geheimnisse, plakative Attitüden und ein Rückblick in die "unreife" Vergangenheit? Klang für mich tatsächlich sehr vielversprechend. Das Setting der Geschichte ist nicht neu (zum Beispiel "Bunny" oder "Mean Girls") und dennoch wurde impliziert, dass es hier um mehr gehen würde, als die bloße Beschreibung des Alltags an der Schule. Es gäbe nämlich unter anderem einen bestimmten Vorfall zu enthüllen. 

Nun, irgendwie hat mich der Roman dann zunehmend in eine Richtung gelenkt, die ich leider eher uninteressant fand. Aber von vorne: Wir bekommen immer wieder kleine Einschübe präsentiert, wie garstig die Mädchen sein konnten, was es für Traditionen (der Spruch "Memor Amici" als Erinnerung an das Bündnis war gut platziert und hatte durchaus eine Wirkung) und Streiche untereinander gab und wie diese auch von Generation zu Generation weitergereicht wurden (Mütter als Randfigur, aber Trägerinnen eines bestimmten Prestiges). Diese Aspekte fand ich an vielen Stellen gut herausgearbeitet und auch interessant. Wozu verleiten uns alte Muster? Wie entfalten wir uns in der Jugend, wenn wir nach vorgegebenen Verhaltensweisen und Erwartungen agieren - und können wir das überhaupt?
Zudem wurde die Auslegung und Perspektive bis zum Ende hin sehr geschickt umrundet. Wir folgen den Erinnerungen und Eindrücken einer Protagonistin, die uns in die Vergangenheit mitnimmt. Somit sind wir als Leser*innen durchaus ebenfalls beeinflusst worden. Der Clue jedoch war, dass am Ende noch einmal alles in Frage gestellt wird. Welche Perspektive stimmt? Kann man den eigenen Empfindungen vertrauen? Was versuchen die anderen zu verheimlichen? Und: Was ist deren Schutzmechanismus für diese Art von gesellschaftlichem Druck?
Das sind durchaus viele psychologische Eindrücke, die da mit einbezogen werden, was ich persönlich sehr mochte und was mich über den Roman hinweg zum Weiterlesen motiviert hat.

"´[W]hat´s your name?'
'Joe.'

The townie rolles her eyes once again.
'Seriously, what´s your real name?'
Our habit of using boys´ names was one of the peculiarities of the Divine that was to be heavily reported in the press later that summer."
 
S.41
Leider war für mich jedoch der mittlere Teil eine kleine Enttäuschung. Der Roman schwenkte plötzlich verstärkt auf teils merkwürdige sexuelle Anspielungen und Erlebnisse, die sicherlich für die Erfahrungen in dem Alter nicht unerlässlich sind, die sich hier für mich aber nicht recht einfügen wollten. Ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass diese Szenen eingebaut werden mussten, um für kleine Schocker (?) zu sorgen, um noch mehr zu provozieren, um dem Schema des "Sex sells" zu folgen? In Hinblick dazu schien mir die Ehe der Protagonistin so absurd und schon beinahe fremd. Der Mann verhielt sich für mich wie so ein programmiertes Irgendwas, das hier Verständnis zeigte, da mal aufgebracht war und sonst kaum zur eigentlichen Handlung passte.
Ich verstehe durchaus, dass versucht wurde, eine Verbindung und Abgrenzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart beziehungsweise Zukunft zu schaffen, aber wie das umgesetzt wurde, erschien mir etwas holprig.
Zudem schienen mir manche Aspekte ein wenig gegensätzlich. Wir erfahren, dass sich die Mädchen der städtischen Schule ("Townies") und die Divines absolut nicht ausstehen können. Die Tatsache, dass sich die Protagonistin jedoch mit einem Townie anfreundet und sich dadurch verstärkt der Divines-Clique entzieht, wirkte manchmal etwas zu unaufgeregt, da der Fokus auf die verhassten Seiten dabei gar nicht so stark zur Sprache kam. Zwar merken wir, dass sich die anderen Divines distanzieren, jedoch passen die beschriebenen Attitüden manchmal nicht mit der Handlung überein.

Grundsätzlich fand ich den Roman daher wirklich nicht so schlecht, aber er hat mir die Aspekte, die zunächst angedeutet wurden, zu sehr unter den Teppich gekehrt, um andere, die weniger wichtig schienen, in den Vordergrund zu rücken. Ich hätte gerne noch viel mehr von der Dynamik der Mädchen erfahren, von anderen "Festlichkeiten", die für die Divines eine Rolle spielten, eventuell auch einen noch stärkeren Fokus auf die nicht anwesende und durch den Bund der Schule aber omnipräsente Mutter.


Ein Roman, der sich letztlich verstärkt auf die jungen (sexuellen) Erfahrungen eines Mädchens stützt, das eben zufällig auch Teil einer Eliteschule ist. Obwohl einige Aspekte durchaus hervorgehoben werden, fehlte mir besonders im mittleren Teil der Fokus auf die Schule, die Gruppenbildung und die Erwartungen, die immer mitschwingen.  Zwar erhält die Geschichte durch den Aspekt des "großen Geheimnisses" oder Skandals eine gute Spannungskomponente, diese konnte für mich aber auch hier, besonders in der Mitte, nicht gut gehalten werden. Das Ende hat die Geschichte sicherlich noch einmal deutlich verbessert, da die psychologischen Aspekte erneut aufgegriffen werden und wir uns mit der Perspektive der Erzählerin beschäftigen, jedoch blieb der Roman für mich am Ende im Mittelfeld.


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März: Her mit den Trilogien!

April 02, 2021

Der März stand ganz im Zeichen der Buchreihen. Ich habe es tatsächlich geschafft, drei Trilogien und eine Dulogie zu lesen. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich bei Buchreihen eher unglaublich lange brauche, um diese wirklich zu beenden. Wenn ich mit nach Band eins einfach zu viel Zeit lasse, verfliegt meist leider die Euphorie. Bei den Reihen diesen Monat ist dies zum Glück nicht geschehen.
Hier also der Überblick über die gelesenen Bücher...

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Shadow and Bone", "Siege and Storm" & "Ruin and Rising" (Shadow and Bone Trilogy) von Leigh Bardguo: Die erste Trilogie habe ich wirklich geradezu verschlungen. Das lag sicherlich größtenteils daran, dass ich die Bücher lesen wollte, bevor bald die Netflix-Verfilmung erscheint. Dennoch: Ich habe gemerkt, dass mir solche Jugendbuchreihen für Zwischendurch helfen, nicht in eine Leseflaute zu stürzen. Die Shadow and Bone Trilogie war für mich persönlich nicht außerordentlich gut geschrieben, aber sie ist interessant, beinhaltet spannende Ideen und spielt in einer außergewöhnlichen Welt über die ich mehr erfahren wollte. Die Beschreibungen der Eigenschaften der Grisha und auch der Kräfte haben mich ein wenig in den Bann gezogen. Ich mochte einfach die gesamte Idee daran. Mir persönlich hat zudem durchgehend, also in allen drei Teilen, vor allem die Dynamik und Entwicklung zwischen Alina und dem "Darkling" gefallen. Alle weiteren Komponenten waren durchaus gut eingeleitet und gelöst, jedoch fehlte mir im letzten Teil dann doch ein wenig so ein "Boom"- Gefühl. Also etwas, das noch einen besonderen Twist hätte. Allerdings verließ ich die Welt mit einem positiven Gefühl und ich es ist eine Reihe, bei der ich mir durchaus vorstellen könnte, sie noch ein weiteres Mal zu lesen. 
  • "Legendary" (Caraval #2) & "Finale" (Caraval #3) von Stephanie Garber: Die zweite Reihe, die ich beendet habe war die Caraval Trilogie. Den ersten Teil hatte ich bereits einen Monat zuvor in Angriff genommen. Auch hier habe ich mich so gerne in der beschriebenen Welt aufgehalten, dass ich direkt zu den nächsten Bänden greifen wollte. Der zweite Teil hatte für mich eine ähnliche Stärke wie Teil 1. Obwohl sich hier die Perspektiven drehen und wir nun die andere Schwester (Tella) als Protagonistin sehen, gefiel mir diese Umsetzung nach anfänglicher Skepsis ganz gut. Natürlich liegt der Aspekt der Annäherungen der Protagonistin im Vordergrund, sprich auch die mögliche Liebesgeschichte, aber mir gefielen vor allem die Inhalte zu "Caraval" und dem Spiel selbst. Die Geheimnisse, die gelüftet werden, die Vergangenheit, die in die Gegenwart gespült wird, die Intrigen, die gesponnen werden. Alles hat ganz gut zusammengepasst und auch funktioniert. Mir gefiel vor allem, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass ich mich gelangweilt habe. Ja, einige Stellen wirken ein wenig schmalzig und an manchen Handlungssträngen hätte man noch etwas feilen können, um die "Logik" zu erhalten, aber im Großen und Ganzen ist es eben eine Reihe, die gut unterhält und bei der man nicht allzu angestrengt mitlesen muss. 
  • "Jugend" (Kopenhagen-Trilogie #2) & "Abhängigkeit" (Kopenhagen-Trilogie #3) von Tove Ditlevsen: Nicht wirklich zu vergleichen mit den beiden anderen Reihen, aber auf eben ganz andere Art und Weise sehr lesenswert! Ditlevsens Erinnerungen und Selbstreflexion lässt die Leser*innen nicht ohne Emotionen zurück. Es ist nicht immer leicht ihren Entscheidungen zu folgen, aber es sind Schilderungen, die so geschickt beschrieben werden, dass man ständig zwischen Unverständnis, Perplexität und einem Fürsorge-Gefühl schwankt. Man kann manchmal nicht nachvollziehen, wieso sie so leichtsinnig und scheinbar unüberlegt handelt und gleichzeitig versteht man ihre Sorge darum, dass sich sonst keine anderen Möglichkeiten mehr für sie ergeben. Die Sprache ist überraschenderweise beinahe simpel gehalten, hat einen leicht kindlichen und auch unnahbaren Ton, beinahe als wolle sie die Leser*innen ständig mit einer gewissen Nüchternheit vor dem wahren "Grauen" ihres Lebens bewahren. Dadurch wirkt die Trilogie zwar an einigen Stellen kühler und anteilnahmsloser als erwartet, aber sie verliert dennoch nicht die Kraft, nach dem Lesen Gefühle und Gedanken loszutreten, die sich in einer Gedankenspirale verlieren. 
  • "The Memory Police" von Yoko Ogawa: Ein sehr eigen(sinnig)es Buch, das mich durchaus in vielerlei Hinsicht beeindruckt und fasziniert hat, welches mich aber auch ein klein wenig unbefriedigt zurückgelassen hat, weil es auf viele Fragen keine Antworten gibt. Ich hatte während des Lesens durchaus das Gefühl, dass es mich von der Atmosphäre an "Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel erinnert hat. Es trägt so eine Endzeitstimmung in sich, so eine Ruhe, aber gleichzeitig so eine "Aufgeschrecktheit", dass sich die Bücher schon geähnelt haben. Darüber hinaus geht dieser Roman aber noch einen Schritt weiter und beschreibt die Angst vor einem totalitären Regime, das die Menschen vollkommen zu vereinnahmen droht.
    Besonders gut und interessant fand ich aber zudem die Thematik rund um das Vergessen! Was bedeutet es zu vergessen? Sind wir nicht mehr wir, wenn wir bestimmte Erinnerungen vergessen? Kann das Vergessen manchmal auch eine Art Befreiung sein? Es sind Fragen, die man sich selbst beginnt zu stellen und darüber nachdenkt, was wäre, wenn einem selbst die Erinnerungen genommen würden. Für mich daher auch ein wahnsinnig gutes Gedankenexperiment!
    Wenn man gerne Bücher liest, die etwas mystisch, dunkler und nicht durchgängig optimistisch sind und die reichlich Raum für Spekulationen lassen, dann würde ich den Roman sofort empfehlen - einfach, weil er so besonders ist und für ein spezielles Leseerlebnis sorgt. 
  • "Eileen" von Ottessa Moshfegh: Bereits im letzten Beitrag besprochen. Daher halte ich es hier etwas kürzer. Lesenswert, aber auch sehr ruhig im Erzähltempo. Wer mit einem wirklich spannenden Thriller rechnet, wird hier eventuell enttäuscht sein. Für mich ein Roman, der ganz clever die psychologischen Machteinflüsse aufzeigt, die verschiedene Menschen auf jemanden haben können, der vielleicht noch unsicher ist oder sich nicht dazugehörig fühlt. Ich habe es zwar letztlich gerne gelesen und fand vieles sehr stark, jedoch weiß ich, dass das ein Buch ist, welches man nicht immer lesen kann. Wenn man ein eine Geschichte mit viel Handlung und Tempo braucht, sollte man damit noch warten. Hier werden nämlich viele Alltagssituationen und Gedanken der Protagonistin beschrieben, welche den Spannungsgrad der Erzählung etwas  herunterfahren.
  • "The Harpy" von Megan Hunter: Ebenfalls im letzten Beitrag rezensiert, daher die Kurzfassung: Lesenswert, aber mit vielleicht auch verschenktem Potential. Die Idee fand ich super, die Verbindungen zur "Harpyie" waren mir (bis auf das Ende) manchmal noch zu schwach. Ich hatte mir da mehr erhofft / erwartet. Wer also durchaus etwas "anderes" lesen möchte, ist hier genau richtig, das Gefühl für die super Begeisterung blieb bei mir aber etwas aus. Wenn ich daran zurückdenke, merke ich aber, dass ich viele Aspekte der Geschichte sehr schätze und vor allem wieder einmal die psychologische Raffinesse gemocht habe. 
  • "Six of Crows" & "Crooked Kingdom" (Six of Crows Duology) von Leigh Bardugo: Natürlich musste (wollte) ich nach der Shadow and Bone Trilogie weiterhin im GrishaVerse verweilen. Auch, weil die Six of Crows Dulogie ebenfalls einen Platz in der Verfilmung einnehmen wird. Leider(!) muss ich sagen, dass ich hier nicht so schnell vorangekommen bin. Bei beiden Teilen fehlt mir ein wenig die Handlungsstärke. Die Charaktere werden eingeführt und beschrieben, deren Verhältnisse werden offenbart und auch eine zu erledigende Aufgabe steht im Raum, aber irgendwie kommt da für mich keine "Action" ins Spiel.
    Derzeit bin ich noch mittendrin im zweiten Teil "Crooked Kingdom" und langsam freunde ich mich etwas mehr mit allem an, daher bleibe ich gespannt, ob mich die Reihe am Ende doch noch etwas mehr überzeugen kann. Was mich glaube ich bisher etwas enttäuscht hat, ist die Tatsache, dass weniger Anspielungen an "Shadow and Bone" kommen als gedacht und dass die Grishas (vor allem in Band 1) gar nicht so im Fokus stehen. Aber ich bleibe wie gesagt noch bis zur letzten Seite zuversichtlich. Vielleicht werde ich ja noch überrascht und komme am Ende zu einem ganz anderen Schluss...


Habt ihr die Bücher des GrishaVerse so kurz vor dem Start der Verfilmung auch noch gelesen? Hat euch eine Reihe besser gefallen?


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Zwei Frauen, zwei intensive Entwicklungen: "The Harpy" & "Eileen"

März 28, 2021


"I asked my mother what a harpy was; she told me that they punish men, for the things they do." - The Harpy, S.28


Die Autorinnen Megan Hunter und Ottessa Moshfegh (auch "My Year of Rest and Relexation") sind derzeit gut im Gespräch. Ihre Romane werden zahlreich besprochen und sogar für Preise nominiert. Mit gut 193 ("The Harpy") und 260 Seiten ("Eileen") bewegen sie sich in einem Feld der Art von Büchern, die man schnell durchliest. Oder etwa nicht? Das wollte ich herausfinden und habe mir die beiden Romane für eine Lesezeit von zwei Tagen vorgenommen. Im Folgenden also meine Einschätzung, ob sich die Bücher für einen "Quick Read" eignen, was die Stärken sowie auch Schwächen der Geschichten sind und inwieweit die erwähnten Transformationen und Veränderungen umgesetzt werden.

Die Ausgangssituation

"The Harpy" von Megan Hunter: Lucy und Jake leben in einem Haus, das von einem Feld umgeben ist und wo die Sonne wie ein Feuerball brennt. Lucy hat ihre Karriere auf Eis gelegt, um ihr Leben ihren Kindern zu widmen, ihrem gemeinsamen routinierten Tagesablauf und dem Haus selbst, das ihr wie ein alter und listiger Freund Trost spendet. Doch eines Nachmittags ruft ein Mann an und hinterlässt eine Nachricht: Seine Frau hat eine Affäre mit Jake. Diese Enthüllung markiert einen Wendepunkt: Lucy und Jake beschließen zusammenzubleiben, vereinbaren aber eine ganz besondere Abmachung, um die Ehe zu retten und die Wogen zu glätten - Sie wird ihm drei Mal weh tun.
Als sich das Paar diesem dunklen Spiel unterwirft, beginnt sich Lucy zu verändern und gibt sich einer Transformation hin, von der es kein Zurück mehr gibt.

"Eileen" von Ottessa Moshfegh: Die Weihnachtszeit beschert Eileen Dunlop wenig Freude. Gefangen zwischen der Fürsorge ihres alkoholkranken Vaters und ihrem Job als Sekretärin im Gefängnis für Jungen, füllt sie ihr Leben mit den Träumen an eine Flucht in die Großstadt. Als die schöne und charismatische Rebecca Saint John auftaucht, ist Eileen verzaubert. Doch schon bald zieht sie die Zuneigung zu Rebecca in ein Verbrechen, das sie sich nicht in ihren kühnsten Träumen hätte vorstellen können... 

Die Entwicklungen der Figuren

"The Harpy": Verwoben mit dem Mythos der "Harpie", bietet der Roman einen deutlichen Reiz. Was verbindet Lucy mit dieser Gestalt und wie weit wird sie sich ihr annähern? Mir gefiel sehr, dass die alltäglichen Geschehnisse von den Deutungen der Harpyie unterbrochen wurden. Den Leser*innen wird ein wenig das Wissen an die Hand gegeben, woher der Mythos kommt, was die Eigenschaften der Harpyie sind und inwieweit diese eben auch auf die Protagonistin "anzuwenden" sind.
Zunehmend bemerken wir eine unterschwellige Unzufriedenheit, die anfangs noch versucht wurde, klein zu halten. Damit gehen Fragen einher wie: Was ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft? Was wird verlangt? Wie viel "opfert" man, um Kinder und Ehemann gleichermaßen zufrieden zu stellen? Ist man (als Frau, Mutter und Ehefrau) jemals genug?
Die Entwicklung von Lucy geht, da die Erzählung nur wenige Seiten lang ist (und auch da viel gestreckt wird), relativ schnell von statten, ist aber ebenso intensiv. Es wird zunehmend düsterer, vielleicht sogar verbitterter. Ihre Ängste, Sorgen und auch ihre Wut brechen Bahn. Grundsätzlich war ich daher mit der Umsetzung zufrieden und habe die Annäherung an die Harpyie nachvollziehen können. Tatsächlich hätte ich mir aber sogar noch eine viel stärkere Verknüpfung gewünscht, um diese Entwicklung noch packender zu machen.

"Eileen": Die Außenseiterrolle, Armut, der Lebensort und familiäre Situation lassen sie zur Einzelkämpferin werden. Umso stärker wird auch die Sehnsucht nach einer engen Freundin, mit der sie alles teilen könnte, um dem "normalen Bild einer jungen Frau" zu entsprechen.  Dieser Wunsch lässt sie zum Schluss Dinge tun, derer sie sich zumindest nur in ihrer Vorstellung angenommen hat. Ihre Persönlichkeit, die sich durch Zurückhaltung und vor allem Einhaltung der Regeln und des ständigen träumerischen Wunsches nach einem selbstständigen Durchsetzen und Handeln, auszeichnet, ist Mittelpunkt der Erzählung. Ihre Verwandlung und Flucht vor ihrem alten selbst wird zum Lichtblick für einen Neuanfang.
Und trotz dieser recht cleveren Umsetzung, konnte ich nie richtig zum Roman selbst durchdringen - anders als zur Protagonistin (denn diese ist trotz ihrer negativen Eigencharakterisierung nahbar und man hat das Gefühl, dass man sich einerseits selbst darin erkennt oder auch Mädchen im Kopf hat, die einen an dieses Mädchen erinnern). Die Beschreibung der Entwicklung startet, wird dann wieder zurückgeworfen, um dann erneut voranzuschreiten und aufs Neue zurückgeschubst zu werden. Dadurch, dass Eileen ihre Erlebnisse als erwachsene Frau erzählt (was bereits auf der ersten Seite erkennbar ist), habe ich erwartet, dass nach all den großen Ankündigungen ihrerseits, der Einfluss von Rebecca noch stärker in den Vordergrund rücken würde. Ich hatte oftmals den Eindruck, als hätte sich Rebecca stärker verändert als Eileen, da sie bereits zu Beginn andeutet, dass sie gelernt hat, sich zu verstellen.
Obwohl ich die Geschehnisse teilweise mit Spannung mitverfolgt habe, blieb mir die groß angepriesene Veränderung Eileens zu schwach zurück. Es blieb eine Verstellung und keine Entwicklung, wie sie zum Beispiel in "The Harpy" zu erkennen ist.

Gute und schlechte Seiten (des Romans)

Bei beiden Romanen blieb letztlich das Gefühl, dass ich mir etwas anderes vorgestellt hatte. Vielleicht war ich sogar ein wenig "enttäuscht", dass nicht das ganze Potential ausgeschöpft wurde. Daher gibt es folglich auch einige Aspekte, die ich im Großen und Ganzen mochte, die ich aber auch etwas zu schwach fand. 
 
"The Harpy": Düster, geheimnisvoll, "zurückgezogen". Das sind drei Begriffe, die mir einfallen, wenn ich an die Atmosphäre des Romans denke. Wir sind "im Kopf" der Protagonistin, der sich zunehmend zu einer recht gefährlichen Stimme entwickelt. Dadurch entsteht eine sehr eigene Stimmung, die das Lesen zu einem besonderen Erlebnis macht. 
Ich mochte zudem sogar (was mich selbst überrascht hat), dass gewisse Handlungsstränge nur kurz angerissen werden. Das bezieht die Kritik am Verhalten von Jake und am Verhalten des Ehemanns der Affäre mit ein. Das Gefühl, dass die Situation beinahe irrwitzig scheint, ist somit ebenfalls vorhanden. Die Protagonistin sieht sich in den Fängen ihrer Mitmenschen und dem Spott ausgesetzt ohne etwas unternehmen zu können. Das Gefühl ist durchaus spürbar und wurde auch gut umgesetzt. Sie bleibt alleine mit ihren Gedanken, die immer "verbitterter" und wütender zu werden scheinen. 
Der Fokus liegt daher wirklich sehr stark auf Lucy, nicht auf den anderen Figuren. Deren Emotionen und Absichten bleiben verborgen, wobei man vieles erahnen kann.
Daher war ich sehr von dem stark psychologischen Aspekt des Romans angetan. Es sind Feinheiten und Nuancen, auf die man achten muss, welche die Geschichte zum Schluss zu einer ganz raffinierten kleinen Erzählung machen, die man doch im Kopf behält.
 
Wie bereits angedeutet, hätte mir jedoch sogar ein noch stärkeres Zusammenbringen der Protagonistin und der "Harpyie" gewünscht. Zwar ist ein deutlicher Höhepunkt erkennbar, aber ich habe damit gerechnet, dass die Züge der mythischen Figur noch intensiver im Mittelteil eingebaut wären. 
 
 
"Eileen": Was mir während des Romans sehr stark aufgefallen ist, war die ständige Kritik an dicken Menschen. Es griff oftmals den Gedanken des "fat shamings" auf. Dies kann man natürlich überwiegend auf Eileens eigene Problematik mit Essen zurückführen (sie beschreibt sich als sehr mager und erzählt von einem schwierigen Verhältnis zu Essen), dennoch entsteht ein abschätziges Gefühl, das sich schon beinahe unangenehm liest.
Obwohl "The Harpy" ab und zu auch zu einer härteren Wortwahl greift (auch sexuelle Andeutungen), ist dies hier noch präsenter. Hier stehen zum Beispiel Missbrauch und auch grundsätzlich viele sexualisierte Anspielungen im Fokus. Sie sind hier nicht deplatziert, da sie für die Handlung essentiell sind, jedoch sollte man wissen, dass die Inhalte nicht immer leicht zu verdauen sind. 

Ich kann in diesem Fall nicht wirklich sagen, ob ich den Roman gemocht oder nicht gemocht habe. Er hatte durchaus seinen Reiz, vor allem, weil er die Leser*innen damit ködert, dass man wissen will, um welches Verbrechen es sich handelt, jedoch bleibt einiges unklar zurück. Um die fehlenden Informationen geschickt "zu kürzen", deutet die Protagonistin immer an, es sei "nicht Teil ihrer Geschichte" und solle somit keinen weiteren Platz einnehmen. Auch hier: clever gemacht und während des Lesens auch nicht weiter störend. Zum Schluss jedoch merkte ich, dass ich mir da doch mehr gewünscht hätte. Letztlich schien mir alles etwas chaotisch, was den Ausgang der Geschichte nicht so spektakulär gemacht hat, wie er hätte sein können. 
Dennoch! Auch hier ist die Atmosphäre eine sehr eigene, die die Leser*innen vielleicht auch zur richtigen Zeit wirklich in den Bann ziehen kann.

Quick Reads Fazit: Romane für Zwischendurch?

Ich habe beide Romane relativ schnell durchgelesen. Das bedeutet: Ein Buch pro Tag. Bei "Eileen" war es jedoch so, dass ich erst nach den ersten 100 Seiten richtig schnell vorankam. Der Anfang hatte für mich einige Längen und auch die Spannung hielt sich noch in Grenzen. Nach und nach jedoch empfand ich eine Neugier, die Lösung des Ganzen herausfinden zu wollen.

Doch trotz der geringen Seitenzahl sind die Inhalte schwerfälliger. Zwar kann man die Geschichten schnell "runterlesen", die Thematik jedoch lädt auch dazu ein, sich für gewisse Wendungen und Inhalte Zeit zu nehmen. Besonders bei "The Harpy" habe ich nun den Drang die Geschichte noch einmal zu lesen, um mir die Details noch einmal genauer anzusehen.
Daher: Ja, es sind Bücher, die man an einem Tag gut lesen kann, die sicherlich auch ihre Wirkung hinterlassen. Es sind aber auch Bücher, die durch die schwere und ernste Thematik gut geeignet sind, um sie langsamer zu lesen und auf ihre psychologische Stärke hin zu untersuchen.

 

"I was like Joan of Arc, or Hamlet, but born into the wrong life - the life of a nobody, a waif, invisible. There´s no better way to say it: I was not myselfback then. I was someone else. I was Eileen" - Eileen, S.2


Die Ausgaben: "The Harpy" (Original: "-"), Picador (2020), Übersetzer*in: - // "Eileen" (Original: "-"), Penguin (2015), Übersetzer*in: - //


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