The Gloaming von Kirsty Logan

Juli 16, 2018





(Original: "The Gloaming"/ 2018) Harvill Secker, Übersetzer/in: -, Englische Ausgabe, ★★★★★5 Sterne
Maras Insel besteht aus Geschichten und Magie, aber jede Geschichte endet gleich. Sie wird ihre letzten Tage an der Klippe verbringen, zu Stein erstarrt, mit dem Blick zum Horizont gewandt. Genauso wie es bei all den anderen Menschen der Inselbewohner gewesen ist.
Maras Eltern - ein Boxer und eine Ballerina - wählen diesen Ort als Zuflucht von den Turbulenzen ihres Lebens. Sie wollen ihren Kindern nun einen Platz geben, der vor Besonderheit und Sicherheit strahlt. Aber die Insel und das Meer interessiert es nicht, was die Menschen möchten und als von der Familie dafür ein Preis verlangt wird, gerät Maras Welt aus den Fugen.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"The Island´s secret was its stone statues, but the more she travelled the more stories she heard, and it seemed that every place has its own small magic." S.108

Kennt ihr dieses Gefühl, das man meist bei einem emotionalen Film verspürt? So einen sich breit machenden Herzschmerz, ein Gefühl, als stünde man jede Sekunde vor dem Weinen? Genau dieses Gefühl hat sich beim Lesen an mir festgehalten.
Mehr kann ich zu dem Buch auch eigentlich kaum sagen oder eben so viel, dass es aber eigentlich keinen Sinn machen würde. Die Geschichte verknüpft nämlich unsere Realität, vor allem unser aller emotionalen Haushalt und eine phantastische Parallelwelt (?), die sich durch mythische Sagengestalten und Märchen auszeichnet. Es geschehen Dinge, die alle für normal halten, die es aber nicht sind (oder doch?) und es gibt Figurenkonstellationen, die uns so nah und dann wieder so entfernt scheinen. Es ist ein ständiges Annähern und Abstoßen – hinsichtlich der Gefühle der Figuren zueinander und der Möglichkeit die Handlung an sich vollkommen zu verstehen. 

"Small sins. But even the tiniest splinter can poison our blood if we don´t pull it out."  S.157

Die Kapitel sind kurz und immer mit einer Überschrift versehen, für die man die Übersetzung erst am Ende der Geschichte erzählt bekommt. Alles in allem scheint der Roman auf eine Weise so merkwürdig zu sein, dass man seine Gedanken erst sortieren muss und auf andere Weise so einleuchtend zu sein, weil man weiß, was das zentrale Thema sein soll: Das Verlieren, Finden und Festhalten von Liebe in jeglicher Form.
Die Darstellung des Ganzen scheint sehr speziell, aber mich konnte insgesamt alles fesseln. Die Idee, die Figuren- so wenig ich sie manchmal verstehen konnte- diese Anlehnung an die mythischen Wesen – insbesondere die Meermenschen – das Spiel des Ortes und seiner Magie und die vielen Metaphern, die sich auf das Haus der Ross Familie beziehen. Mehr kann und will ich gar nicht dazu erzählen, weil es eine Geschichte ist, die jeder für sich selbst entdecken und irgendwie interpretieren muss. Zudem weiß ich genau, dass mir diese Geschichte als besonders magisch in Erinnerung bleibt, wenn ich sie nicht `totdiskutiere`.

“To stay in the gloaming ist o hold off the night. But if the night never comes, then neither can the day.” S.215


Eine magisch-realistische Geschichte über Familie, Verlust, Liebe und den Willen, vergangene Fehler wiedergutzumachen. Alles verpackt auf eine meiner Meinung nach neue Art, die durch viele bezaubernde Metaphern und Märchenanlehnungen wunderbar funktioniert.



Kommentare:

  1. Eine wirklich, wirklich schön geschriebene Rezension. Von Kirsty Logan hatte ich vor einigen Jahren "The Gracekeeper" gelesen und war da schon beeindruckt von ihrem detailreichen und beeindruckend schönen Stil. Die Geschichte klingt so anders, so verwirrend und so schön, dass ich jetzt auch richtig Lust aufs Lesen bekommen habe. Danke also für den Tipp, das Buch werde ich definitiv im Blick behalten!

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    1. "The Gracekeepers" möchte ich auch noch unbedingt lesen! Ich hoffe aber noch irgendwo die gebundene Ausgabe zu bekommen. : )


      Liebe Grüße
      Karin

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  2. Eine klasse Rezension über ein Buch, welches ich bisher noch gar nicht kannte. Aber nicht nur der Klappentext und deine Worte machen mich neugierig, sondern auch durch die Optik schaut man da natürlich zwei mal hin. Da wären wir wieder beim klassischen Coverkauf, aber es sind auch solche Bücher, die man aus einer Masse von Büchern sofort sieht und umdreht.

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    1. Ehrlich gesagt war es bei mir auch ein totaler Coverkauf. Auch einige eher mittelmäßige Rezensionen konnten mich nicht davon abhalten. Und ja, das Buch ist schon recht speziell, aber mich hat es einfach ins Herz getroffen. : )


      Liebe Grüße
      Karin

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  3. Wieder ein sehr hübsch anzuschauendes Buch!

    Neri, Leselaunen
    www.leselaunen.net

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    1. Ich könnte es auch die ganze Zeit bestaunen! Es wirkt so schön Träumerisch.


      Liebe Grüße
      Karin

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