The Binding von Bridget Collins

März 20, 2019



(Original: „The Binding“/ 2019) The Borough Press, Übersetzer/in: -, ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
Stell dir vor, du könntest deine Trauer auslöschen. Stell dir vor, du könntest deinen Schmerz vergessen. Stell dir vor, du könntest ein Geheimnis bewahren. Für immer.
Emmet Farmer soll nach einer Krankheit sein Leben auf dem Land aufgeben und eine Lehre bei einer Buchbinderei beginnen. Schnell wird ihm bewusst, dass hinter dieser Aufgabe etwas Besonderes steckt. Und ein Buch wird sein Leben ganz besonders verändern…

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"One evening when we were eating dinner in the kitchen I said, ‘Seredith, where are the books?’
                    ‘In the vault, she said. ‚Once they´re finished, they have to be kept out of harm´s way.’
S. 29

Ich wollte dieses Buch und diese Geschichte lieben. Wirklich. Und es hat so vielversprechend angefangen. Der Roman beginnt mit spannenden Momenten, in denen man sich fragt, was die Euphorie um Bücher und vor allem die Angst vor Büchern überhaupt soll. Collins schafft es, den Leser sicherlich in eine aufregende, wenn auch düstere Welt zu locken, die aus zahlreichen Geheimnissen besteht.
Auch die anfängliche Wende, dass der Protagonist Emmet Farmer an einer ominösen Krankheit litt und nun als Buchbinder ausgebildet werden soll, klang vielversprechend. Natürlich möchte man wissen, was es mit der Vergangenheit und der Geheimnistuerei seiner Familie auf sich hat. Es gibt auch durchaus viele Ansätze, die mir sehr gut gefallen haben und die uns die Bücher und deren Geschichten danach mit anderen Augen sehen lassen.
So sehr ich den Anfang demnach mochte (zum Beispiel die Schilderungen von Emmets Erlebnissen und Erinenrungen) und sicherlich auch von vielen Ideen im restlichen Verlauf überzeugt war, so schade fand ich es, dass mich der Roman dann letztlich doch etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Für mich war es wieder einer der Fälle, in dem die Idee unfassbar stark war, die Umsetzung allerdings schwächelte und das Fesselnde währenddessen verloren ging.

"Could one really tell the difference? Novels, they call them. They must be much cheaper to produce. You can copy them, you see. Use the same story over and over, and as long as you´re careful how you sell them you can get away with it. It makes one wonder who would write them. People who enjoy imagining misery, I suppose.” S. 156f.

Das Problem, das ich vielleicht mit der Spannung habe, ist, dass sie irgendwann zu verschwinden scheint. Im Mittelteil erfährt der Leser viel aus der Vergangenheit des Protagonisten, es tauchen neue Figuren, wie der ebenfalls mysteriöse Lucian Darnay, neue pikante Details auf, aber im Großen und Ganzen verliert die besondere Idee der Bücher etwas ihre Wirkung. Es wurde mir zu wenig auf mögliche doppelte Böden eingegangen, die man hätte durchaus einbringen können, denn vor allem zum Ende hin löst sich plötzlich alles so einfach auf, dass man sich fragt, ob die eigentlich problematischen Inhalte nur als Lückenbüßer eingesetzt wurden.
Mit problematischen Inhalten meine ich ganz besonders die Machtausübungen der Reichen, insbesondere gegenüber Frauen. Dies wird, nachdem gewisse andere Handlungsstränge aufgelöst werden, komplett fallen gelassen. Es wird über keine Konsequenzen gesprochen, keine kritische Stimme weiterführend aufgegriffen, so dass der Eindruck entsteht, als sei dies eben nur aus Spannungsgründen eingeführt worden. Und das ist für mich leider unpassend, wenn das Buch anfangs stark darauf aufbaut und es in den Fokus setzt.
Beim Lesen verspürte ich tatsächlich stets ein schwankendes Empfinden, das sich mal auf die begeisterte und mal auf die enttäuschte Seite zubewegt hat.
Alles, was mit der Buchbinderei und der Idee dahinter zusammenhing und auch die persönliche Geschichte von Emmett Farmer haben mir gefallen und haben das Buch mit Emotionen und einer Portion neuer Sichtweise gefüllt. Die Inhalte jedoch, die auf eine Familienstreitigkeit verweisen, waren mir oftmals einfach zu unüberlegt eingesetzt und haben mich doch etwas entsetzter zurückgelassen, als ich vermutet hätte. 


Ein Roman, der von der Grundidee sehr viele Möglichkeiten bietet und durchaus starke Momente hat. Die Beschreibung der Buchbinderei und die Idee von Büchern und deren Funktion sorgen für Spannung und lassen den Leser in eine andere Welt eintauchen, leider schien mir diese aber besonders zum Ende hin immer weniger Inhalt zu haben. Es wurde sich ab der Mitte zu sehr auf das Leben des Protagonisten konzentriert, andere am Anfang wichtige Aspekte wurden fallengelassen, sodass der Roman etwas bruchstückhaft schien. 



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