Eine Kiste gefüllt mit Weihnachten

November 29, 2017








Der erste Advent naht und mein Bücherherz schlägt bereits für weihnachtliche Lektüren. Daher hat sich im letzten Monat einiges bei mir angesammelt, was thematisch passend ist. Insgesamt stehen sicherlich mal wieder viel zu viele Bücher auf meiner Leseliste, aber dennoch muss man ja vorbereitet sein.
Neben den üblichen Verdächtigen, sprich "Harry Potter" haben sich elf weitere Bücher bei mir eingefunden. Vielleicht findet der ein oder andere ja auch noch eine winterliche Inspiration.

  • "The Winnie-the-Pooh Winter Collection of Stories and Poems" von A. A. Milne: Winnie Pooh in der Weihnachtszeit geht doch eigentlich immer. Zudem ist das Buch wirklich so dünn, dass man es ganz gemütlich an einem Abend auslesen kann. 
  • "A Christmas Carol" von Charles Dickens: Ein Klassiker, den ich wirklich jedes Jahr zu Weihnachten lese. Da vor einigen Monaten die schöne V&A Collector´s Edition mit der Geschichte erschienen ist, werde ich sie passend einweihen können.
  • "The Hundred and One Dalmatians" von Dodie Smith: Auch wenn dieser Klassiker nicht hauptsächlich den Winter als Thema aufgreift, versprüht es dennoch diesen weihnachtlichen Charme. Selbst das Cover lädt schon dazu ein, sich mit einem Tee ins Bett zurückzuziehen. Darüber hinaus beinhaltet das Buch aber auch einige Kapitel, die tatsächlich das Weihnachtsfest thematisieren.
  • "The Nutcracker" E.T.A. Hoffmann: Dieses Buch gehört zur Reihe der "Christamas Penguin Classics" und da ich drei davon bereits gelesen habe, mir also noch drei weitere fehlen, werde ich mir wohl jedes Jahr eines dieser Bücher 'vornehmen'. Dieses Jahr also "Der Nussknacker" von E.T.A. Hoffmann.
  • "Ein Mord zu Weihnachten" von Francis Duncan: Das Buch habe ich bereits vor einiger Zeit in meinen Neuzugängen vorgestellt. Nun kommt es bald auch endlich zum Einsatz. Auf dieses Buch bin ich wirklich schon sehr gespannt, da ich mir davon eine etwas nostalgische Geschichte erhoffe. Das Buch selbst ist nämlich zwar erst letzten Monat in Deutschland erschienen, wurde aber schon vor längerer Zeit zum ersten Mal veröffentlicht.
  • "Weihnachtskätzchen - Die schönsten Geschichten zum Fest" von diversen Autoren: Ehrlich gesagt bin ich nicht der 'Katzen-typ'. Das Buch hätte mich mit Hunden sicherlich mehr angesprochen. Da ich es aber vor einiger Zeit als Mängelexemplar entdeckt habe und ich die Gestaltung der Piper-Weihnachtsreihe so gerne mag, habe ich mich mal hinreißen lassen. Mal sehen, ob mich die Geschichten überzeugen werden.
  • "Sleep no more" von P.D. James: Obwohl dieser Kurgeschichtenband wohl weniger weihnachtlich sein wird, als "The Mistletoe Murders" werde ich mir dennoch damit in der Weihnachtszeit die Zeit vertreiben. Scheint eine dennoch ganz gute 'Kerzenlicht'-Stimmung zu haben.
  • "A Boy Called Christmas" / "The Girl Who Saved Christmas" von Matt Haig: Bei dieser schönen Box konnte ich nicht wiederstehen und habe nun beide Teile für Weihnachten bereitgestellt. Die liebe 'Miss Bookiverse' hat sie mir letztens unter einem Beitrag empfohlen und ich vertraue ihrem Urteil immer sehr gerne. Die Geschichten sehen wunderbar unterhaltsam, sehr weihnachtlich und nach voller kindlicher Neugier aus. Die Bücher stehen daher auch weiter oben auf der Liste.
  • "Christmas with the Savages" von Mary Clive: Natürlich habe ich mich durch etliche Weihnachtslisten in den Onlineportalen 'gekämpft' und bin auf dieses kleine Büchlein gestoßen, das gerade durch seinen kleinen Preis förmlich angepriesen wurde. Musste also spontan mit. Erwartungen habe ich daher noch keine an das Buch, ich werde mich wohl überraschen lassen.
Ein Buch ist hier leider noch nicht abgebildet, da sich die Lieferzeit auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Bestellt habe ich mir aber noch
  • "Moominland Midwinter" von Tove Jansson: Vielleicht bin ich durch Liesa von 'Frühlingsmärchen' wieder besonders auf die Moomins aufmerksam geworden, aber seit meiner Kindheit, in der ich die Filmserie sehr gerne geschaut habe, habe ich die Bücher nicht wirklich beachtet. Das wollte ich nun ändern und beginne thematisch passend mit dieser Lektüre.

Sprechen euch Weihnachtsbücher an oder reicht euch schon die weihnachtliche Stimmung in den Einkaufshäusern?






Dunbar und seine Töchter von Edward St. Aubyn

November 23, 2017






(Original: "Dunbar"/ 2017) Knaus Verlag, Übersetzer/in: Nikolaus Hansen (aus dem Englischen), 256 Seiten, gebunden★★ 4 Sterne
"Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion."


MEINE MEINUNG / FAZIT

In diesem Shakespeare Projekt wendet sich jeder Autor seinem Text anders zu und lässt den Leser auch auf unterschiedliche Weise an der Neuinterpretation des jeweiligen Shakespeare Stücks teilhaben. Edward St. Aubyn hat sich dazu entschieden, keine Zusatzinformationen zu dem Originalstück hinzuzufügen. Das bedeutet, dass man die Geschichte als Leser natürlich ohne jegliche Vorkenntnis lesen kann und dadurch ein ganz eigener Roman entsteht oder man muss sich das Vorwissen selbst aneignen, um die Bezüge zu dem Original 'König Lear' erspüren zu können.
Hat man 'König Lear' tatsächlich vorher gelesen oder kennt man sich zumindest mit dem Grundgerüst der Geschichte aus, so fallen natürlich starke Parallelen auf, welche wunderbar diese Neuinterpretation inszenieren, andererseits findet man auch Unterschiede, die St. Aubyns Roman dadurch noch etwas interessanter machen. 
Hier finden wir uns nämlich nicht im alten England wieder, sondern in der uns bekannten modernen Welt. Macht, Ansehen, Konzerne und Firmen, wie auch der Besitz von Geld und Reichtümern nimmt immer mehr Platz im Leben der Menschen ein und ganz besonders im Leben der Protagonisten. Doch Henry Dunbar, Vater dreier Töchter unterschätzt deren Willen nach mehr Besitz. Es entspinnt sich ein Konflikt, der einerseits ins Kriminelle geht, andererseits mit den Werten des Menschseins spielt. 
Was ist uns wichtig und was sollte uns wichtig sein? Wie viel sind wir bereit zu opfern, nur um materiellen Reichtum unser Eigen nennen zu dürfen?

"'Dürfen?' , donnerte ich los, 'dürfen? Wer wagt es, Dunbar seine Wünsche abzuschlagen? Wer wagt es, Dunbar seine Marotten zu versagen?' 

    'Natürlich niemand', sagte Peter. 'Dunbar allein hat die Macht oder hatte die Macht oder hatte einstmals die Macht.' S.15

Grundsätzlich war ich von der Neuauflage St. Aubyns wirklich angetan. Er spielt geschickt mit den Elementen des Originals und weiß auch, wie er modernere Erzählstränge einbauen soll. Die Tatsache, dass ganz zu Beginn schon der Protagonist Dunbar in einer Klinik sitzt, in welche ihn seine Töchter einliefern lassen haben, bringt das Ganze auf ein interessantes Level, da hier ebenfalls der freie Wille und die Zurechnungsfähigkeit thematisiert werden.
Auch die folgenden Verwicklungen und Verstrickungen zwischen den Charakteren untereinander sind gut ausgebaut, allerdings fehlte mir an der ein oder anderen Stelle eine stärkere Tiefe und Charakterisierung der Figuren. Besonders zwei Töchter wurden nur auf das Nötigste an Eigenschaften reduziert, was einerseits natürlich eine deutliche Botschaft an den Leser ist, was aber auch dazu führt, dass man einige Verhaltensweisen kaum nachvollziehen kann. 
Deutliches Kennzeichen für mich, war hier aber auch das Spiel zwischen 'normal sein' und 'verrückt sein' und die Wirkung nach außen. Es treten Figuren auf, die der Leser ebenfalls als echt oder unecht identifizieren muss und welche der Geschichte eine erneute spannende Komponente verleihen.
Auch die 'Auflösung' des Ganzen fand ich durchaus gelungen. Leider muss ich aber sagen, dass zwischen dem Mittelteil und dem Ende für mich einige Längen aufgetreten sind, die sich beinahe wie eine Wiederholung angefühlt haben.

"'Ich fühl mich wie von der Alarmanlage aufgeschreckt' , sagte Florence, 'als wäre mein Leben mit Benjamin ein teurer Spaß gewesen, während meine Schwestern den Konzern gekapert und meinen Vater entführt haben.' 

     'Vielleicht ist es an der Zeit, dass du dich auf deine herkunft besinnst und deine Dunbar-Rüstung anlegst.'" S. 51f.


Ein würdiger 'Hogarth Shakespeare' Roman, der sich durch die klassischen Shakespeare Elemente, aber auch durch interessante und neue Einflüsse auszeichnet. Es entstehen viele Fragen, die sich mit der Familie, dem Zusammenhalt, dem wirklich wichtigen im Leben beschäftigen und der Roman thematisiert gleichzeitig die bittere Gier nach Macht und Reichtum. 
Auch wenn sich für mich einige Längen eingeschlichen haben und ich mir auch bei einigen Figuren eine etwas stärkere Charakterisierung gewünscht hätte, ist Edward St. Aubyn der Ansatz 'aus Alt mach Neu' durchaus geglückt.


Vielen Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Das Glück an Regentagen von Marissa Stapley

November 20, 2017



(Original: "Things to do when it´s raining"/ 2018) Rowohlt Polaris Verlag, Übersetzer/in: Katharina Naumann (aus dem Englischen), 304 Seiten, Broschur★★ 3 Sterne
"Wenn Geheimnisse eine Liebe zerstören, kann die Wahrheit sie wieder heilen?
Tausend Inseln unter einem Himmel voller Tropfen. Das ist Maes Heimat, ein kleiner Ort am St. Lorenz Strom. Hier in Alexandria Bay hat Mae nicht nur als Kind ihre Eltern verloren, sondern auch ihre erste große Liebe Gabe. Eines Tages war er einfach verschwunden. Und so ist auch sie gegangen.
Zehn Jahre später: Mae kehrt zurück nach Alexandria Bay, in das Inn ihrer Großeltern, um sich von einer schlimmen Trennung zu erholen. Aber ihre Großeltern haben sich verändert. Geheimnisse werden gelüftet, die ein neues Licht auf Gabes Verschwinden werfen. Lässt sich die Vergangenheit zurückerobern, und damit die Chance auf das Glück? "


MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Lies einen Liebesroman. Schäm dich nicht dafür: Die Menschen brauchen Liebesgeschichten" S. 152

 Ja, Liebesgeschichten braucht man durchaus immer mal wieder. Romane mit großen Gefühlen, etwas mit Kalorien fürs Herz. Grundsätzlich bin ich immer an solchen schönen Liebesgeschichten interessiert, weil sie einen zum einen relativ gut unterhalten können, man vielleicht tatsächlich etwas stärker abschaltet, man aber auch wiederum daran erinnert wird, dass Gefühle das wichtigste im Leben sind. Die Liebe das Wichtigste ist, welche man zu seinen Mitmenschen aufbauen kann und die auch ein so wichtiges Gut ist, vor allem in Zeiten, in denen in der Gesellschaft der Hass propagiert wird.
"Das Glück an Regentagen" ging da zunächst einen gar nicht mal so schlechten Weg. Der Roman beginnt zunächst etwas verschachtelt. Es tauchen viele Namen und Orte auf, der Leser muss sich vorerst etwas zurechtfinden. Nach einem kurzen Einstieg werden einem aber die Protagonisten durchaus bewusst und man verspürt schon ein gewisses 'Liebesroman'-Gefühl.
Auch die Idee, dass sich alles wieder auf die Kindheitserinnerungen und den Ort der Kindheit der Protagonistin stützt ist recht vielversprechend. Wie schon im Klappentext angedeutet geht es um Geheimnisse, die der Leser nach und nach erfährt und welche gewisse Handlungen in Gang setzen, mit denen die Figuren zu kämpfen haben, ihnen aber auch neue Möglichkeiten bieten. Dadurch ist der Roman zwar durchaus auch 'ernster', spielt aber auch mit den bekannten Motiven zum Beispiel, dass das Lüften der Geheimnisse eine bestimmte Reaktion hervorruft oder dass die Charaktere erkennen, was für sie am wichtigsten ist.

"In diesem Augenblick schwor sie sich: Das hier ist nicht nur meine erste Liebe: Es wird meine einzige bleiben. Erst viel später wurde der Schwur zum Fluch.S.124

Tatsächlich gefiel mir an dem Roman auch ganz gut, dass es hier nicht ausschließlich um die Liebe eines Paares geht, sondern auch um die Liebe allgemein. Die Liebe, die man als Verbindung in der ganzen Familie spürt, spüren sollte oder vielleicht vergeblich sucht.
Hier wurden meiner Meinung nach ganz gute Ansätze gefunden, um die Geschichte etwas tiefgründiger zu gestalten, dennoch gab es für mich auch einige Kritikpunkte.
Diese äußerten sich vor allem in einigen Ansichten zu den angesprochenen Geheimnissen. Besonders zum Schluss empfand ich es als etwas missglückt, dass sich die Figuren mit gewissen Entscheidungen trösten, die ich doch etwas als problematisch angesehen habe, auch wenn die Botschaft dahinter vielleicht wirklich gut gemeint war. Der Roman will darauf aufmerksam machen, dass die Offenheit innerhalb der Familie wichtig ist und dass man über Ängste oder Gefühle und mögliche Probleme sprechen sollte, allerdings wird dieser Ansatz zum Ende dann teilweise völlig verworfen, sodass ich mich etwas fragend zurückgelassen fühlte.
Ich konnte auch an vielen Stellen keinen wirklichen Bezug zu Gabe und Mae finden. Viele Handlungen kamen mir doch sehr gestellt vor, sodass eine wirklich gefühlvolle Stimmung nicht aufgekommen ist. Es gab einige Stellen die durchaus einen Charme hatten, diese fand ich aber eher überwiegend in der Beziehung der Großeltern Lilly und George. 
Zuletzt muss ich leider auch noch kritisieren, dass Gedanken hinsichtlich eines Selbstmords fiel zu lasch in den Raum geworfen und verworfen werden. Die Figuren bedienen sich dieses Gefühls viel zu flüchtig und es erscheint teilweise wirklich etwas deplatziert. Dies ist aber, wie alles andere auch, eine ganz persönliche Meinung.

"Vielleicht bleibt der Zauber des Flusses auch ein Geheimnis. Und das ist in Ordnung, manche Geheimnisse sollten besser geheim bleiben. Andere aber nicht, und zu den schwierigen Aufgaben im Leben gehört, die einen von den anderen zu unterscheiden." S.78


Im Großen und Ganzen eine Liebes-, wenn auch eher Familiengeschichte, die durchaus einige schöne Passagen aufweist, welche für mich aber einige Schwachstellen beinhaltet. Zwischen den Protagonisten Mae und Gabe verspürte ich nicht die gewünschte 'Atmosphäre', die man vielleicht von einem Liebesroman erwartet, da sie zu oft 'gestellt' wirkten. Die Beziehung der Großeltern hingegen fand ich deutlich gefühlvoller. Ebenso konnte ich mich nicht mit allen Ansichten anfreunden. Grundsätzlich aber ein Roman, der in gewisser Hinsicht dazu anregt, über schwierige Situationen in Familien nachzudenken und welcher seinen Reiz dadurch ausmacht, dass die Stimmung durch die gut ausgebaute Beschreibung des Ortes aufkommt. Dadurch bekommt der Roman etwas mehr Charakter.



Neuerscheinungen Dezember

November 19, 2017








Nach einem Monat 'Neuerscheinungs-Post'-Pause geht es nun in die Dezemberphase. Auch hier tummeln sich nicht gerade viele Neuerscheinungen im klassischen Sinne, denn mein Augenmerk richtet sich in diesem Monat eher auf Klassiker, die einen neuen Look bekommen. Dennoch möchte ich euch diese Ausgaben nicht vorenthalten, denn manchmal tut so eine Pause von den gängien Neuerscheinungen auch mal ganz gut, so kann man seine ungelesenen Bücher etwas aufarbeiten.

"Zeit der Unschuld" von Edith Wharton, Piper, Taschenbuch, 15. Dezember 
Die erste Neuerscheinunge ist zwar nicht wirklich neu, da sie ein Klassiker ist, aber dennoch präsentiert sie sich nun im neuen Gewand. Durchaus ansprechend und einige weitere Bücher in dieser Ausstattung scheinen geplant zu sein. Könnte also eine schöne Sammelleidenschaft wecken.

"This Modern Love - Liebe in Briefen" von Will Darbyshire, Goldmann, Broschur, 18. Dezember
"Nach einer schmerzhaften Trennung kam Will Darbyshire die Idee zu "This modern love". Er ermutigte seine Follower, ihm Briefe an aktuelle oder verflossene Liebhaber zu schicken, die er veröffentlichen würde." Na wenn sich das nicht interessant anhört, dann weiß ich auch nicht. Bleibt auf jeden Fall vorgemerkt.

"Frühstück für einsame Herzen" von Rowan Coleman, Piper, Taschenbuch, 01. Dezember
Nach 'Einfach unvergesslich' kam für mich bisher keines der Bücher von Coleman an den Vorgänger heran, dennoch bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem ich die Bücher komplett ignorieren kann. Daher wird auch dieses hier erst einmal auf dem Merkzettel landen.

Die "Aldous Huxley" Reihe, Piper, Taschenbuch, 1.- 12. Dezember:
Im Piper Verlag erscheinen wirklich schöne Reihen verschiedener Klassiker. Ähnlich wie das Buch von Edith Wharton sind auch die Bücher von Aldous Huxley neu gestaltet worden. Meine Aufmerksamkeit konnten sie sofort auf sich ziehen und drei dieser Bücher interessieren mich zunächst besonders. Diese wären "Nach vielen Sommern",  "Kontrapunkt des Lebens" und "Zeit muss enden".

Interessieren euch Neuauflagen beziehungsweise Neugestaltungen von Klassikern?



Ganz schön...bezaubernd: Schöne literarische Geschenkbücher

November 16, 2017







Buchliebhabern macht man nicht nur mit Romanen eine große Freude, auch literarische Geschenkbücher können manchmal genau das richtige sein. Im arsEdition Verlag sind im August wunderschöne Ausgaben erschienen, die man wunderbar verschenken, aber auch als bibliophiler Mensch für zwischendurch genießen kann. Zudem ist die Gestaltung so gelungen, dass die Bücher nicht nur inhaltlich eine Freude sind, sondern gleichzeitig auch das Bücherregal verschönern. Die Ausgaben gibt es derzeit in vier Varianten, die sich jeweils auf einen Schriftsteller konzentrieren und jeweils den Namen "Ganz schön..." tragen. Jedes der Bücher wirkt meiner Meinung nach durchaus hochwertig für den Preis, da die Seiten dick und stabil sind, sodass man nicht fürchten muss, dass das Buch nach einem Lesevergnügen 'verbraucht' aussieht.
Ebenso findet man auch unter dem Schutzumschlag ein schön gestaltetes Buch, das sich sehen lassen kann. Zudem befindet sich in jedem Buch ein farblich abgestimmtes Lesezeichen, welches dafür sorgt, dass man auf den Seiten so lange verweilen kann, wie man möchte oder mit dem man seine liebste Seite festhalten kann.

"Die Gesellschaft verzeiht oft den Verbrechern. Sie verzeiht nie den Träumern." - Oscar Wilde
  • "Ganz schön Oscar Wilde - Eine literarische Reise", 96 Seiten: Ich bin wirklich ein großer 'Fan' von Oscar Wilde und blättere gerne in solchen Büchern, die seine schönsten, witzigsten, unterhaltsamsten oder bedeutendsten Zitate enthalten. Nicht zuletzt konnte er mich mit seiner Erzählung "Die Nachtigall und die Rose" komplett für sich gewinnen. Diese 'literarische Reise' befasst sich hier wie gesagt mit den markantesten Zitaten Oscar Wildes. Eingeführt wird man allerdings zunächst mit einer kleinen Vita des Schriftstellers, was natürlich auch wunderbar für Leser ist, die sich erst mit seiner 'Art' vertraut machen möchten und auch gerne mehr über ihn selbst erfahren wollen. Ebenfalls findet man einige Fotografien des Schriftstellers, was das Buch etwas persönlicher erscheinen lässt.
    Zusätzlich gibt es auch zwei kleinere Ausschnitte aus seinen umfangreicheren Texten, die sich aber wunderbar in das Gesamtbild eingliedern und seine ironische, aber erfrischende und kluge Art wiederspiegeln.
    Die Gestaltung des Buches wird durchweg mit schönen Illustrationen und Grafiken begleitet. Passend zum Cover sind diese eher verschnörkelt und blumig, wie auch farbenfroh und laden immer wieder zum Blättern und Staunen ein.
"Ich bin dieser Geistreicherei sterbensüberdrüssig. Jeder ist heutzutage geistreich. Du kannst nirgendwohin gehen, ohne geistreiche Leute zu treffen. Das ist förmlich zu einer öffentlichen Plage geworden. Ich wünschte zum Himmel, wir hätten noch ein paar Dummköpfe übrig behalten." - Oscar Wilde
  • "Ganz schön Morgenstern - Ein fantastisches Lesevergnügen", 96 Seiten: Obwohl der Münchener Sprachvirtuose zu den Klassikern gehört, habe ich bisher keines seiner Gedichte bewusst in die Hand genommen. Dieses kleine Buch hat mir aber definitiv Lust auf mehr gemacht. Hier sind seine bekanntesten und schönsten Gedichte versammelt, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern auch den Fortschritt des Dichters zeigen. Anfangs noch mit beinahe kindlich spielerischem Inhalt gefüllt, werden seine Gedichte zunehmend philosophischer und orientieren sich viel stärker an den ernsthafteren Überlegungen der Menschen.
    Mich persönlich hat sein Gedicht  'An jeden, den´s angeht' zudem sofort gepackt und zeigt auf, dass Menschen immer noch ganz groß darin sind nur zu reden und zu überlegen, statt etwas zu unternehmen um die Welt besser zu machen.
    So lange ich mit der Entdeckung seiner Texte gewartet habe, so sehr reizen mich nun auch weitere Gedichte von ihm.
    Im Gegensatz zu der Ausgabe von Oscar Wilde ist die Gestaltung innen etwas schlichter gehalten, gibt sich also etwas zurückhaltend. Es gibt auch hier schöne Illustrationen, welche die Seiten schmücken, diese breiten sich aber meist nicht über die gesamte Seite aus. Durchaus passend, wenn man bedenkt, dass hier die Gedichte im Vordergrund stehen sollen.
"Das aesthetische Wiesel: Ein Wiesel / saß auf einem Kiesel / inmitten Bachgeriesel. / Wisst ihr, / weshalb? / Das Mondkalb verriet es mir / im Stillen: / Das raffinier- / te Tier / tats um des Reimes willen." - Christian Morgenstern
  • "Ganz schön Ringelnatz - Ein vergnügliches Lesebuch", 96 Seiten: Bleiben wir bei seinem Pseudonym Joachim Ringelnatz; Ringelnatz´ Gedichte haben mich ein wenig an die von Christian Morgenstern erinnert. Auch hier findet man zahlreiche, spielerische Texte, die sich auf alltägliche Situationen beziehen und welche tatsächlich vor Neugier und Spaß sprühen. Ringelnatz hat es wirklich geschafft, dass ich mich mehrmals dabei ertappt habe, wie ich gegrinst und dann laut aufgelacht habe. Die Gedichte sieht man förmlich vor Augen zum Leben erwecken. Vielleicht klappt es hier besonders gut, weil es eben Situationen sind, die man selbst schon so oft erlebt hat und die man nur zu gut nachvollziehen kann, zum Beispiel dass man auf etwas wartet, was nie mehr zurückzukommen scheint oder dass man seine Schuhe vergeblich sucht (und diese scheinbar auch einen selbst).
    Ich persönlich finde es oft durchaus schwierig bei Gedichten einen geeigneten Zugang zu finden, besonders wenn es nur so voller persönlicher Metaphern wimmelt, die der Dichter eingefügt hat und die man als Leser 'entschlüsseln' muss. Hier ist aber alles verständlich und unterhaltsam zugleich und dennoch haben die Gedichte immer eine schöne Bedeutung, ohne zu gehoben zu sein. Zudem enthält das Buch eine wunderbar verfasste Ode an die Bücherfreunde von Ringelnatz, die es sich wirklich zu lesen lohnt.
    Die Gestaltung wird auch hier meist durch kleinere Illustrationen ergänzt, zusätzlich zu einigen Fotos des Dichters.
"Die sonnige Kinderstraße: Meine frühe Kindheit hat / auf sonniger Straße getollt; / hat nur ein Steinchen, ein Blatt / zum Glücklichsein gewollt.

Jahre verschwelgten. Ich suche matt / jene sonnige Straße heut, wieder zu lernen, wie man am Blatt, / wie man am Steinchen sich freut." - Joachim Ringelnatz

  • "Ganz schön Konfuzius - Literarische Weisheiten", 96 Seiten: Die Weisheiten des Konfuzius sind den meisten bekannt, auch wenn sie vielleicht manchmal gar nicht wissen, dass diese von ihm stammen. Das Buch ist, wie auch die Ausgabe von Oscar Wilde, reichlich illustriert und ergänzt die Zitate des Philosophen auf wirklich bunte Art und Weise.
    Jedes Themengebiet wird durch eine ebenfalls schön gestaltete Doppelseite abgegrenzt.
    Die Weisheiten selbst stimmen wohl mit den Erfahrungen, die die Menschheit bisher gemacht hat überein und hat auch sicherlich das Ziel die Menschen auf den richtigen Weg zu führen oder ihnen aufzuzeigen, wie ein 'reiches' Leben aussehen könnte, allerdings fand ich es manchmal schade, dass immer erwähnt wird, man soll nach einem 'besseren ich' streben und die Überlegung nicht aufgegriffen wird, dass man vielleicht schon ein wirklich guter Mensch ist, trotz des ständigen Fortschritts und Wachstums den ein Charakter natürlich immer vollziehen kann. Dennoch bietet auch dieses Buch darüber hinaus wirklich schöne, knappe Weisheiten, die man sich aber das ein oder andere Mal doch gerne vor Augen führt und führen sollte. 
"Es gibt drei Wege, klug zu handeln: durch Nachdenken - das ist der edelste; durch Nachahmen - das ist der leichteste; durch Erfahrung - das ist der bitterste." - Konfuzius


Kennt ihr die Reihe des arsEdition Verlags bereits? Wären diese Bücher für euch interessant oder würdet ihr sie selbst einfach nur an jemanden verschenken, der mal in die Werke der Autoren reinschnuppern möchte?






Wovon sie träumten von Fiona Davis

November 12, 2017


(Original: "The Dollhouse"/ 2016) Goldmann Verlag, Übersetzer/in: Ann-Catherine Geuder (aus dem Amerikanischen), 448 Seiten, Taschenbuch★★(★) 3  bis 4 Sterne
"Das Barbizon in New York: Die junge Journalistin Rose ist erst vor Kurzem in das elegante Apartmenthaus eingezogen. Im Lift trifft sie auf eine ältere Dame, deren ungewöhnliche Erscheinung Rose fasziniert. Vom Portier erfährt sie, dass Darby schon in den 1950ern hier lebte, als das Barbizon ein Wohnheim für junge Frauen war. Noch kann Rose nicht ahnen, wie eng ihr Schicksal mit Darbys verknüpft ist. Darby, die nicht nur ihr Gesicht hinter einem Schleier, sondern in ihrem Herzen ein dunkles Geheimnis verbirgt …"


MEINE MEINUNG | FAZIT
  
"Wie es wohl gewesen war, als diese exklusive Adresse Hunderte von hübschen jungen Frauen beherbergte? Einige von ihnen hatten Weltruhm erlangt: Grace Kelly, Sylvia Plath, Candice Bergen..." S.15

Die Idee des Buches reizte mich sofort. Ich liebe es an alten Gebäuden oder verlassenen Geschäften vorbeizugehen und darüber nachzudenken, was vor vielen Jahren vielleicht darin beherbergt war, welche Menschen ihr Leben dort verbracht haben und welche Gründe es hatte, dass das Haus oder der Laden nun leer stehen.
Fiona Davis greift diese Überlegungen ebenfalls in ihrem Roman auf. In einem stetigen Wechsel zwischen den Jahren 1952 und 2016 lernt der Leser die Protagonistinnen Darby und Rose kennen. Beide wohnen nun im berühmt berüchtigten 'Barbizon', wobei Rose berufsbedingt Interesse an Darbys Vergangenheit in diesem Gebäude findet.
Man wird natürlich sofort in den Sog der New Yorker Stadt gezogen. Die großen Wolkenkratzer die in die Lüfte ragen und die Hektik die in der Stadt herrschen, kann man sich blendend vorstellen. Und doch bleibt das 'Barbizon' ein ganz guter Fixpunkt in der ganzen Geschichte. Das bietet dem Ganzen eine ausgewogene Festigkeit. Natürlich treten auch andere Orte auf, die eine gewisse Wichtigkeit aufweisen, aber mir gefiel, dass sich die Geschichte wirklich auf die Bedeutung und die Geschichte des 'Barbizon' stützte und man sozusagen das bekommen hat, was man sich von dem Roman auch erhofft hat.
Durch den lebendigen Wechsel in das Jahr 1952 erfährt man auch recht viel darüber, wer in diesem Haus gelebt hat, auch welche Berühmtheiten dort residiert haben. Dennoch bleibt auch hier der Fokus gezielt auf den Protagonistinnen, was die Geschichte für mich spannender und harmonischer machte.

"Esme verfügte zwar über einen forschen Ton und Selbstvertrauen, aber sie hatte ebenfalls Angst. Keine Angst vor Veränderung wie Darby, sondern Angst davor, auf der Stelle zu treten, sich nicht zu verändern.S.159

Bei den Protagonistinnen selbst musste ich dann nach einiger Zeit überlegen, ob mir die Handlungsstränge und die 'Verknüpfung der Schicksale' so gut gefallen haben. Ehrlich gesagt fand ich Darbys Geschichte deutlich interessanter und charismatischer, als Roses Auftreten. Wo die Vergangenheit etwas Geheimnisvolles und etwas schön Aufgearbeitetes bekommen hat, da hat es bei der Darstellung der Gegenwart nicht mehr ganz ausgereicht, um mich vollständig fesseln zu können.
Natürlich braucht man eine Art Verbindungsstück, um die Geschichte eines Gebäudes über mehrere Jahrzehnte hinweg zu erzählen, aber hier wirkt Rose einfach als eine Art 'Funktion' ohne wirklich das Gefühl zu vermitteln, dass sie auch einen sehr persönlichen und menschlichen Teil zu der Geschichte beitragen könnte. Sie blieb für mich deutlich hinter Darby und den 50er Jahren zurück.
Obwohl mir grundsätzlich auch viele kleine Einfälle gefallen haben und ich die Geschichte rund um Darby und ihre Freundin Esma wirklich geglückt fand, verlief zum Ende hin alles etwas zu 'Friede Freude Eierkuchen'-mäßig. Es ist vielleicht dieses klassische Ende, was man sich eigentlich mittlerweile überhaupt nicht mehr wünscht, weil es unfassbar stereotypisch wirkt. 
Zudem fand ich auch einige Formulierungen und Ausdrücke zu 'Vorlagenmäßig', was das Buch zwar zu einer guten Zwischenlektüre macht, wodurch man aber leider die Ernsthaftigkeit in Bezug auf die historischen Bezüge zu der Position der Frau in den 50ern oder ihrer Berufswahl etwas musterhaft wahrnimmt. 
Ich muss aber dennoch zugeben, dass die eigentliche Idee, zwischen den Zeiten zu wechseln durchaus gelungen ist und man sich so stets darauf gefreut hat, in die jeweils andere Zeit zurückzukehren, um dem Geheimnis der Vergangenheit auf die Spur zu kommen.

"'Wusstest du, dass das Barbizon früher >das Puppenhaus< genannt wurde? Kann man noch mehr zum Objekt degradiert werden? Als hätten diese Frauen nur Theater gespielt, bis sie durch die magischen Kräfte der Ehe zu einem lebenden, atmenden Wesen wurden.' " S. 201f.


Träumerisch und ernst zugleich, wenn mich auch die durchgängige Sprachwahl beziehungsweise die Formulierungen nicht immer überzeugt haben, da sie zu vorhersehbar und durchschnittlich wirkten. Zu der schönen Atmosphäre der 50er Jahre der New Yorker Großstadt passt aber die Idee, ein berühmtes Gebäude aus der Vergangenheit in der Gegenwart erneut aufleben zu lassen. Die Geschichte rund um Darby gefiel mir durchaus sehr, die Umsetzung von Roses Lebenssituation erschien mir allerdings leider manchmal als deutlicher Lückenbüßer. Dennoch ist es eine schöne Geschichte, die nicht nur ein Geheimnis in der fiktiven Welt aufdecken möchte, sondern auch eine, die uns daran erinnert, dass jeder Mensch eine Jugend durchlebt hat und wir deren Erfahrungen zu wenig wertschätzen. Ebenso greift der Roman die Idee auf, dass man sich gerne man die Zeit nehmen sollte, um auch alte Gebäude nach ihrer Geschichte zu 'befragen'.
























Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Babbitt von Sinclair Lewis

November 09, 2017



(Original: "Babbitt"/ 1922) Manesse Verlag, Übersetzer/in: Bernhard Robben (aus dem Amerikanischen), 783 Seiten, gebunden★★★() 4 bis 5 Sterne
Diese Ausgabe ist Teil der neuen Manesse Bibliothek
"In seinem ereignislosen, durchschnittlichen Kleinstadtleben hat der Immobilienmakler George F. Babbitt sich recht bequem eingerichtet. Seine drei Kinder sind wohlgeraten, wenn sie auch meist nicht auf ihn hören; mit seiner Frau verbinden ihn liebgewonnene Gewohnheiten. Sein ganzes Streben ist auf gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftlichen Aufstieg gerichtet. Bis ihm eines Tages bewusst wird, dass er all dies so nie gewollt hat, und einen Ausbruchsversuch wagt. Mit feinem Spott, ironischem Witz und stets voller Sympathie für den charakterschwachen Protagonisten erzählt der Roman, wie Babbitt sein rebellisches Selbst wiederentdeckt."


MEINE MEINUNG | FAZIT
  
"Er hieß George F. Babbitt, war gerade, im April 1920, sechsundvierzig Jahre alt geworden und stellte selbst nichts Nennenswertes her, weder Butter noch Schuhe oder Gedichte, doch war er äußerst schick darin, Häuser für weit mehr Geld zu verkaufen, als sich die Leute eigentlich leisten konnten." S.9

"Zenith" ist die Stadt, in der sich George F. Babbitt und seine Familie Zuhause fühlen. Und diese Stadt ist ihrem Namen sehr treu, denn sie bildet den Höhepunkt des Ansehens für die Bewohner. Sie ist das Zentrum des Geschehens, das Zentrum der Menschen die dort leben und das Zentrum aller 'guten' Wert- und Moralvorstellungen. So zumindest empfinden das die Protagonisten und Charaktere in Sinclair Lewis´ Roman.
Dabei fühlt sich 'Babbit' während der umfangreichen Darstellung seiner Gesellschaft immer hin und her gerissen zwischen den Absichten die er eigentlich verfolgen sollte und den Wünschen, nach denen er persönlich strebt. Ein gewisses Bild muss natürlich für die Gesellschaft gewahrt werden. Man muss erfolgreich sein, Geld besitzen, beliebt sein, auf Partys der Mittelpunkt sein und sich bestenfalls einer Bürgergruppe anschließen, die gewisse standhafte, wenn auch nicht immer fortschrittliche Meinungen vertritt. Und mittendrin findet sich eben der Protagonist wieder. Genau dieser Strudel und Zwiespalt macht die Geschichte und auch die Darstellung des Lebens der Figur so interessant. Bereits nach den ersten Seiten war ich sofort gefesselt von den schlagfertigen, wenn auch chaotischen Dialogen der Familie Babbit, dem mitschwingenden Gefühl davon, dass keiner genau weiß, was er eigentlich macht, aber vorgibt es zu wissen und der allgemeinen Atmosphäre des Buches.
Insgesamt bleibt bereits zu Beginn das Gefühl von bösem, aber sehr genauem und feinfühligem Witz bestehen, welches sich mit dem Eindruck vermischt, dass sich die Gesellschaft, insbesondere die vermeintlich 'bessere' und 'gehobenere' Gesellschaft nicht sonderlich verändert hat. Oberflächlichkeiten spielen in diesem Roman, der zu einer doch recht frühen Zeit erschienen ist, eine erhebliche Rolle.

"Babbit schnaubte verächtlich. 'Was erwartest du denn? Glaubst du, wir sind zum Vergnügen hier auf Erden? Um wie sagt man, <aus Rosen gebettet> zu leben? Glaubst du, der Mensch wurde geschaffen, um glücklich zu sein?'S.128

Man könnte zunächst annehmen, dass dem Leser nach einer gewissen Seitenzahl dieses ständige 'Ja, so mach ich das jetzt' und 'Nein, das kann ich nicht tun' nur noch ermüdet, aber hier ist es erstaunlich amüsant umgesetzt. Natürlich weiß man als Leser nach einiger Zeit worauf er sich bei 'Babbit' einlassen muss, was für Handlungen für ihn realistisch erscheinen und in welchen Konflikten er nachgibt und dennoch bleibt man gerne an seiner Seite und gibt sich den manchmal absurden Gesprächen und Treffen der Mitmenschen gerne hin.
Die Handlung selbst wirkt am Ende etwas zurückhaltend. Es gibt durchaus einige Wendungen, die mich erstaunt haben, die aber eher seine Freunde involvieren. 'Babbitts' Leben und die Umsetzung im Buch sind meiner Meinung nach auf einer anderen Ebene interessanter, als der bloßen Handlung. Sein Charakter entfaltet sich mit der Zeit. Anfangs schien mir alles wirklich wie eine Kulisse. Manchmal hatte ich sogar eine Art 'Set' vor Augen, wie aus 'Die Truman Show', da sich alle wie nach einem geplanten Ablauf verhalten haben. Ganz abschütteln konnte ich das Gefühl zum Schluss nicht, aber es gibt ein durchaus gut aufgebautes Gerüst der Figur 'Babbit', das sich zumindest so entfaltet, dass der Leser gewisse Fortschritte im Denken des Protagonisten sieht, die ihn mitreißen.
Greift man zu diesem Roman, muss man sich aber eben durchaus darauf einlassen, dass es eben verstärkt um den zwischenmenschlichen Druck geht, der ständig zwischen verschiedenen Parteien aufgebaut wird und dass man es eher vereinzelt mit wirklichen 'Plottwists' zu tun hat.

"'Ja, und erst Howard Littlefield! Weißt du, erst gestern Abend hat Eunice erzählt, ihr Papa würde drei Sprachen sprechen!', sagte Mrs. Babbitt.

      'Na und? Ist doch nichts dabei! Ich spreche auch drei: Amerikanisch, Baseball und Poker!'" S.200


Setzt die Frage in den Fokus, wie 'anständige, amerikanische' Bürger in den Zwanzigern auszusehen hatten und spielt mit Vorurteilen und Stereotypen. Zudem gefüllt mit Witz, bösem Humor und einer feinen Beobachtungsgabe. Geld, Macht und die Anerkennung in der Gesellschaft sind ebenfalls vordergründig vertreten. Im Gegensatz zu den oberflächlichen und strengen Ordnungen der Menschen der Stadt 'Zenith' steht aber der Protagonist 'Babbit', der sich durch eine sehr lebhafte und wechselhafte Entscheidungsfreude auszeichnet. Hin und hergerissen zwischen seinen Wünschen und den Anforderungen seiner Gesellschaft, wirkt er manchmal wie ein kleiner Lichtblick. Doch kann er sich selbst davon überzeugen, dass Geld und Beliebtheit nicht alles sind oder wird ihn 'Zenith' letztlich verschlingen und wieder zum Mittelpunkt aller Anstrengungen?
























Vielen Dank an den Manesse Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Oktober: Buchmesse- und Gruselzeit

November 02, 2017





Ein weiterer Monat ist vergangen. Diesmal war er recht prall gefüllt und zwar mit der Buchmesse und meiner doch stattlichen Leseliste für den Herbst. Natürlich habe ich nicht alle Bücher geschafft, die ich mir vorgenommen habe. Da der November aber weiterhin kühl, wahrscheinlich auch regnerisch und herbstlich bleibt, werde ich einige Bücher auch jetzt noch lesen können.
Die Buchmesse war für mich dieses Jahr wieder einmal ein tolles Ereignis, das einen aus dem Alltag holt und bei dem man sich umzingelt von Büchern und Verlagen seiner Leidenschaft hingeben kann.
Welche Bücher es bisher geschafft haben gelesen zu werden, das seht ihr im folgenden Überblick: Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

„LieberDaddy-Long-Legs“ von Jean Webster Ein Jugendbuchklassiker, den man wirklich auch heute noch wunderbar lesen kann. Er ist leicht, aber dennoch voller Tatendrang seitens der Protagonistin und versprüht einfach ein schönes Gefühl.

„Harry Potter und der Stein der Weisen“ (Harry Potter #1
) von J.K. Rowling Den ersten Teil der illustrierten Ausgaben habe ich tatsächlich geschafft erneut zu lesen. Teil zwei und drei warten dann im November auf mich.

„Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filler Das Buch begleitete mich ganz spontan einige Tage lang, da ich auf 'Nachschub' gewartet habe. Ehrlich gesagt wusste ich am Ende nicht recht, ob mir das Buch so zugesagt hat, wie ich es gehofft hatte. Durch den Klappentext war ich auf eine ganz andere Geschichtsentwicklung vorbereitet, die sich natürlich während des Lesens nicht bestätigt hat. Obwohl mir gewisse Aspekte durchaus gefallen haben zum Beispiel, dass sich das Geheimnis um den Protagonisten erst nach und nach lüftet, schienen mir einige wichtige Entwicklungen der Handlung selbst, gefehlt zu haben.

„Frankenstein“ von Mary Shelley Ein Gruselklassiker, den ich wahnsinnig gerne gelesen habe und der sich auch in der neuen Aufmachung einfach gut macht. Es finden sich zwar auch etwas längere Passagen, die Naturschilderungen ausschmücken, aber dennoch hat die Geschichte einen ganz eigenen Reiz, da sie mit der Frage spielt, wie weit Menschen gehen dürfen und inwieweit sie gewisse Rechte beanspruchen dürfen, hier speziell hinsichtlich selbst erschaffener Kreaturen und deren Fortleben.

„The Halloween Tree“ von Ray Bradbury Sehr passende, kurze Lektüre für Halloween, die sich mit den Bräuchen und Entwicklungen der Feste befasst. Durchaus lesenswert, einige Aspekte haben mir aber dennoch gefehlt, daher gab es vorerst eine mittlere Bewertung. Vielleicht werde ich das Buch aber auch nächstes Jahr erneut aufgreifen.

„Nicht nur ein Liebesroman“ von Emma Mills Ebenfalls aus dem Königskinder Verlag kam dieser schöne Jugendroman. Mich konnten die Handlung, die Figuren und die Umsetzung der Idee überzeugen. Auch hier fühlt man sich als Leser gut aufgehoben und verspürt am Ende ein aufmunterndes Gefühl, obwohl es einige Aspekte gibt, die sich nicht gänzlich auflösen. Aber genau das macht das Buch etwas 'echter' und durchaus sympathischer.

„Jenseits von Afrika“ von Tania Blixen Der Roman hat durchaus seine Reize, da dem Leser das afrikanische Leben auch durch negative Aspekte näher gebracht wird. Vordergründig spielt hier natürlich auch die Beziehung zwischen den 'Weißen' und den 'Schwarzen' eine Rolle und dementsprechend auch die Machtverhältnisse, die zwischen ihnen herrschen. Nichtsdestotrotz konnte ich mit vielen Ansichten und Handlungen der Erzählerin nicht sympathisieren, weswegen der Klassiker für mich nicht so überragend positiv ausgefallen ist.

„Museum der Erinnerung“ von Anna Stothard Anfangs wirklich spannend und gut geschrieben, doch zum Ende hin kam eine leichte Enttäuschung. Es gilt auch hier ein Geheimnis aufzudecken, das sich um die Protagonistin schließt. Ihre Vergangenheit 'verfolgt' sie in Form eines Mannes, der ihr sehr nahe stand. Es geht um wirklich schwierige und ernste Themen und dafür wurde mir dann am Ende einfach zu viel 'Hollywood' eingebaut, nach dem Motto, dass am Ende auf einmal alle Probleme in Luft aufgelöst werden und man gar nicht genau weiß, wieso das Ganze dann überhaupt passiert ist. Wie gesagt der Anfang und auch noch der mittlere Teil waren durchaus vielversprechend, das Ende hat mir die Geschichte aber deutlich die Qualität geraubt.


„The Girl Who Circumnavigated Fairylandin a Ship Of Her Own Making“ von Catherynne M. Valente Ein wundervolles Jugendbuch, das mit fantastischen Elementen spielt und bei dem man sich auf vier weitere Teile freuen kann. Bunt, nachdenklich, voller Freundschaft und Opferbereitschaft (aber die gute Sorte). Für mich ein absolut gelungener Start für dieses Abenteuer der Protagonistin "September".

„Hallowe´en Party“ von Agatha Christie Obwohl der Titel dies vermuten lässt, ist die Geschichte nicht so "Halloween"-lastig. Anfangs wird kurz die Party erwähnt, dann übernimmt Hercule Poirot aber seine Ermittlungen außerhalb dieses Geschehens. Daher muss man es nicht unbedingt genau an Halloween lesen, es ist aber dennoch ein schöner Kriminalfall für den Herbst. Der Anfang ist etwas stockend, da sich viele Dialoge beinahe wiederholen, das Ende jedoch kann sich durchaus durch einige gekonnte Wendungen sehen lassen.



Habt ihr die Buchmesse besucht? Und haben euch spezielle Herbstbücher durch den Oktober begleitet beziehungsweise stehen diese vielleicht noch im November an?