März: Vor lauter Bäumen...

März 31, 2020

... sieht man den Wald kaum? Im März war es ja wirklich ein Auf und Ab, was das Stimmungsbarometer von den meisten von uns anbetraf. Die (Arbeits-) Situation ist weiterhin etwas merkwürdig, auch wenn man die Hoffnung hat, dass sich ab April wieder einiges zur Normalität wenden wird. Zudem soll man sich ja, soweit dies möglich ist, Zuhause aufhalten. Aber so ein kleiner Waldspaziergang wirkt ja auch manchmal wahre Wunder (mit nötigem Sicherheitsabstand zu anderen, versteht sich). Bewegung, frische Luft und die Gedanken auf etwas anderes (wie die Natur) lenken, sorgt für neue Motivationen und eine etwas entspanntere Einstellung.

Wie passend demnach, dass ich mich im März auch literarisch des Öfteren in den Wald begeben habe. Ich glaube es waren insgesamt sechs der neun Bücher, in denen es um einen Wald ging oder in dem die Handlungen zentral im Grünen gespielt haben. Aber hier die näheren Details:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 
  • In "Frankly in Love" von David Yoon geht es zwar nicht um einen Wald, spielt aber dafür rein äußerlich im Team "Grün" mit. Die ganz süße Geschichte rund um den Jugendlichen Frank, der sich einfach nur verlieben und eine Beziehung führen will, die nicht nach dem Wunsch seiner Eltern läuft, hat mir ganz gut gefallen. Nicht nur hat er diese eine leichte Teenie- oder sogar Teenie-Netflix-Film-Atmosphäre, sondern konfrontiert den Leser stark mit den Themen Rassismus und Vorurteile. Ein Jugendbuch also, das unterhält und wachrüttelt, dabei schonungslos ehrlich und irgendwie verständnisvoll ist. Auch wenn ich mir manche Aspekte stärker ausgearbeitet vorgestellt hatte, war ich am Ende von der Umsetzung angetan.
  • "Pine" von Francine Toon: Ein klarer Favorit in diesem Jahr, war dieser Roman. Düster und packend. Psychologisch, versetzt mit Magical-Realism-Elementen. Genau mein Ding. Toon entführt uns hier in einen Wald, der dunkle Geheimnisse beherbergt. Zwar geht es hier gar nicht so stark um den erwähnten Kriminalfall, aber allein die Figuren und deren Dynamik haben es mir angetan. Irgendwie scheint auf der einen Seite alles normal und dann plötzlich könnte alles völlig absurd und unerklärlich sein. Ein Reread wird hier sicherlich nicht ausgeschlossen sein.
  • Danach kamen "Dracul" von Dacre Stoker & J. D. Barker sowie "The Deathless Girls" von Kiran Millwood Hargrave. Beide ebenfalls mit dem Fokus auf den Wald, denn wenn Dracula im Spiel ist, dann hat die Natur natürlich einen besonderen Stellenwert. Da ich im März weiterhin im Dracula-Fieber war, haben mich beide Geschichten gut unterhalten. In beiden geht es eher um die Vergangenheit des dunklen Fürsten und irgendwie auch um seine schon wahnhafte Gier nach der Liebe (den Lieben) seines Lebens. Wer den Klassiker von Bram Stoker mochte, der wird hiermit sicherlich auch seinen Spaß haben. "Dracul" geht natürlich dank der Informationen von Dacre Stoker etwas tiefer in die beabsichtigte Richtung von Bram Stoker selbst, wohingegen "The Deathless Girls" mit der Sichtweise der Frauen von Dracula spielt. 
  • "The Night Country" von Melissa Albert: Zugegeben, ich bin gerade mittendrin im zweiten Teil der Reihe (Rezension: "The Hazel Wood" #1). Aber da ich das Buch gemeinsam mit meiner Schwester lese und wir schon beinahe bei der Hälfte angekommen sind, lasse ich es mal als Märzlektüre gelten. Das Einstiegskapitel konnte uns zunächst gar nicht überzeugen, da wir schon befürchtet haben, dass es jetzt eher langweilig zugehen wird und sich die Protagonistin nur mit Teenie-Dramen beschäftigen würde. Doch mittlerweile kommt doch ordenlich Spannung auf und wir sind schon ganz neugierig darauf, zu erfahren, wohin die Reise diesmal führt. 
  • Danach ging es auch endlich mal wieder weiter mit meinem Philip Pullman Lesemarathon. Mit "The Book of Dust" (La Belle Savauge #1) bin ich nun beinahe auf dem aktuellen Stand. Pullman schafft es irgendwie, mich jedes Mal von der Reihe, nach dem Lesen (!) wieder abhängig zu machen. Während des Lesens denke ich mir immer: Ja, ganz interessant. Okay, okay, aha, gut. Und dann am Ende will ich die Figuren gar nicht gehen lassen und bin unheimlich sentimental. Ich kann es mir selbst nicht erklären wie das geht, aber nun ja. Daher werde ich im April definitiv noch den zweiten Teil der Trilogie lesen und ich dann wohl sehnsüchtig auf den dritten Teil freuen. Ich hoffe ja wirklich sehr, dass am Ende noch etwas unfassbar unerwartetes geschieht...
  • "The Princess and the Goblin" von George MacDonald und "Meine Schwester, die Serienmörderin" von Oyinkan Braithwaite habe ich gerade erst etwas ausführlicher rezensiert, daher halte ich mich an dieser Stelle mal wieder etwas kürzer. Unterschiedlicher könnten sie wohl nicht sein, aber ich habe beide sehr gerne gelesen. Ersteres ist natürlich märchenhaft und durch die Illustration wahnsinnig schön, um mal wieder das Gefühl vom typischen "Lesen vor dem Einschlafen" zu bekommen und letzteres ist sehr konfliktreich, was das moralische Verhalten eines Menschen betrifft. 
  • "Worüber wir schweigen" von Michaela Kastel: Meine letzte Lektüre diesen Monat war irgendwie eine positive Überraschung. Viel habe ich mir ehrlich gesagt nicht erhofft. Ich bin einfach erstens nicht so der super Thriller-Fan, weil es mir meist doch zu langweilig ist und ich schon viel zu früh weiß, worauf das hinausläuft und zweitens habe ich oftmals wenig Vertrauen in deutsche Romane (shame on me!). Nach den ersten Kapiteln dachte ich noch, ich lege es gleich zur Seite, doch plötzlich hatte ich es innerhalb von vierundzwanzig Stunden ausgelesen. Mich hat dieses hin und her der Figuren einfach doch packen können, auch wenn ich viele Ausdrucksweisen wirklich missglückt fande und mir die Tatsache, dass wenig Verständnis da von irgendwie jedem für psychische Erkrankungen aufgebracht wird, ebenfalls sehr negativ aufgefallen ist. Natürlich, solche Haltungen gibt es, aber hier hatte man den Eindruck, dass die Frauen wieder an allem schuld sind und den Männern das Leben schwer machen, weil sie depressiv sind oder Ähnliches. Ein klares No-Go. Auf der anderen Seite gab es hingegen auch gute Aspekte, die klarstellen, dass die Lebensweise eines jungen Mädchens, wie ausufernd auch immer, ihre Angelegenheit ist und dass es nun mal sehr offene und eher zurückhaltende Menschen gibt. Grundsätzlich war ich demnach positiv überrascht, bin aber im Großen und Ganzen mit einem mittelmäßigen Gefühl zurückgeblieben. Was mich aber nicht ganz loslässt: Habe ich das Ende verstanden? Eigentlich wurde alles aufgelöst, aber irgendwie blieb es doch offen... Ich hatte zwischenzeitlich noch eine These, die nie bestätigt wurde und dadurch war ich am Ende etwas unsicher, ob ich ein Detail überlesen habe. Vielleicht gibt es hier ja aber auch gar keinen doppelten Boden.
Ansonsten habe ich mir für den nächsten Monat bereits schon einiges zurechtgelegt, das ich gerne lesen würde. Zusätzlich natürlich zu meiner Liste aus dem Februarbeitrag "Die ewig Zurückgestellten". Da würde ich zumindest gerne Donna Tartts "Der Distelfink" in Angriff nehmen.


Wie habt ihr den März verbracht (überstanden)? Unternehmt ihr auch Spaziergänge, um den Kopf freizubekommen?

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Meine Schwester, die Serienmörderin von Oyinkan Braithwaite

März 29, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "My Sister, the Serial Killer"/ 2018), Blumenbar / Aufbau Verlag (2020), Übersetzer/in: Yasemin Dinçer (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön - und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen.
Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist -- und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt."
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"Ich ertappe mich dabei, wie ich um drei Uhr morgens Serienmörder in die Google-Suchleiste eintippe. Da stand es: drei oder mehr Morde...Serienmörder" S.52

Laut der New York Times ist der Roman, der auch für den Booker Prize nominiert ist 'Schnell und witzig. Ironisch und böse funkelnd'. Ich kann allem zustimmen, bis auf das 'witzig'. Ich weiß nicht, was das immer ist, dass viele Menschen bestimmte Romane urkomisch finden, die ich absolut nicht so wahrnehmen kann. Ja, der Roman ist unfassbar ironisch (dass man vielleicht lächelnd aufseufzt und den Kopf schüttelt) und bitterböse, aber weitestgehend wollte ich einfach laut losschreien. Manchmal fühlt man sich in dem Szenario, als stiller Zuhörer, genauso gefangen, wie der Komapatient, den die Protagonistin Korede besucht. Man kann nicht einschreiten, würde aber nur zu gerne alle Beteiligten schütteln.
Auch wenn ich dieser Kategorisierung von 'witzig' also nicht zustimmen kann, finde ich den Roman darüber hinaus sehr klug, erfrischend scharfzüngig und richtig geschickt konzipiert.

"Hat ihr nie jemand gesagt, wie schmerzhaft es ist, stumm zu weinen? S.221

Die Protagonistin beginnt ihre Erzählung direkt mit der Tatsache, dass es einen Toten gibt, man wird also ins kalte Wasser geschmissen. Keine Vorgeschichte, keine Hintergrundinformationen. Doch nach und nach beginnt Korede ihre Schwester und ihr Verhalten zu analysieren und reflektieren. Was ist da eigentlich los? Wieso gerät alles so schnell außer Kontrolle und wer muss noch um sein Leben fürchten?
Gleichzeitig (und das fand ich ebenfalls sehr gut umgesetzt) erfahren wir zum Ende hin auch immer mehr über die Vergangenheit der Schwestern. Der Leser beginnt zu erahnen, dass die Geheimnisse rund um die Familie selbst, tiefer sitzen, als zunächst angenommen. An dieser Stelle und auch in Hinblick auf die Gesamtdynamik des Romans hatte ich stets den Originaltitel "Thicker Than Water" im Hinterkopf. Und er ist so, so passend. Natürlich thematisiert die Geschichte die Tatsache, dass eine der Schwestern eine Serienmörderin ist, aber der Roman geht viel weiter. Er thematisiert, was es bedeutet, mit der Frage konfrontiert zu werden, was man für die Familie machen würde, ob man sich von ihr distanziert, wenn moralisch verwerfliche Dinge gestehen und ob man ausnahmslos zu ihr steht.

"Ich hole mir ein paar Staubtücher aus dem Vorratsschrank. Könnte ich damit doch nur auch all unsere Erinnerungen fortwischen." S.69


Der Roman, der sich schnell liest und mit einer bitterbösen, aber doch leichten Stimmung daherkommt, hält Wahrheiten bereit, welche der Geschichte einen nötigen Tiefgang verleihen. Die Beziehung zwischen den Schwestern also auch die Spielerei zwischen der "guten und vernünftigen" und "kaltblütig und impulsiven' ist geschickt konzipiert. Ebenso steht hier die Verbundenheit zur Familie wie auch die Bevorzugung der Gesellschaft von "schönen" und damit wohl 'wertvolleren' Menschen im Vordergrund. Man würde viele Protagonisten gerne mehrfach wachrütteln und gleichzeitig wird immer die Frage á la: Würdest du deine Familie verraten oder zu ihr stehen? aufgeworfen. Wer also auch nach dem Lesen die Handlungen der Figuren hinterfragt und zu analysieren versucht, gerät in einen psychologisch-moralischen Gedankenstrudel.


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The Princess and the Goblin von George MacDonald

März 26, 2020

(Original: "The Princess and the Goblin"/ 1872) The Folio Society, mit einem Vorwort von Maria Tartar und Illustrationen von Madalina Andronic, Übersetzer/in: -, ★★★★☆ 4 Sterne
Die achtjährige Prinzessin Irene lebt ein eher abgeschiedenes Leben in ihrem großen Anwesen. Ihr Vater, der König, ist dauernd unterwegs, ihre Mutter bereits verstorben. Durch Zufall entdeckt sie oben in ihrem Schloss, entlang einer Treppe, ein verborgenes Geheimnis und gerät plötzlich, mit einem jungen, der als Minenarbeiter tätig ist, in ein Abenteuer. Jeder von ihnen stößt zunächst auf eigene Entdeckungen, nach und nach können sie aber nur gemeinsam zu einer Lösung kommen, denn sie müssen sich vor den "Goblins" in den benachbarten Unterbauten schützen...
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"'People must believe what they can, and those who belive more must not be hard upon those who believe less. I doubt if you would have believed it all yourself if you hadn´t seen some of it.'"  S.120

Der Klassiker von MacDonald, der nach seinen eigenen Aussagen keineswegs nur für Kinder gedacht ist, scheint irgendwie ziemlich in Vergessenheit geraten zu sein (es gibt wohl nämlich auch eine kurze Fortsetzung namens "The Princess and Curdie"). Dabei wurden davon auch bekannte Autoren wie J.R.R Tolkien oder C.S. Lewis inspiriert.
Man muss schon sagen, wenn man die Geschichte liest, fühlt man sich zurück katapultiert in die alten Märchen und Sagen, in die Erzählungen, die einem Mut machen und die einen träumen lassen.
Es gibt eine Prinzessin, die ängstlich und doch tapfer ist, die sich gar nicht schämt, wenn sie öfters mal weinen muss, denn ihr geht es danach einfach besser und die nicht versteht, wieso ein Junge (Minenarbeiter), der ihr eine große Hilfe gewesen ist, scheinbar dennoch nicht gleichgestellt sein sollte. Es ist wieder mal ein Aufeinandertreffen der Kindersicht (durch Irene) und der Erwachsenensicht (durch Lootie, ihr Kindermädchen) auf Dinge und die eventuelle Überbrückung gewisser Vorurteile. Und wieso fehlt einem zunehmend die Gabe einfach an Dinge zu glauben, wenn man sie zunächst nicht sehen kann?

"'It is so silly of people [...] to fancy that old age means crookedness and witheredness and feebleness and sticks and spectacles and rheumatism and forgetfulness! It is so silly! Old age has nothing whatever to do with all that. The right old age means strength and beauty and mirth and courage and clear eyes and strong painless limbs.” S. 84

Es gibt aber nicht nur diese schöne Auslegung der Engstirnigkeit, sondern auch der Betrachtung des Lebens selbst. Was heißt es schon, alt zu werden? Geht uns wirklich so viel verloren oder gewinnen wir eher was hinzu? Was bedeutet Freundschaft? Und für mich ganz wichtig, die Tatsache, dass klargestellt wird, dass ein durch Erbe angetretener Adelstitel nichts über eine "königliche" Verhaltensweise aussagt.

Zusätzlich zu den Dingen, die vor allem Irene beschäftigen und sich auf ihre Situation beziehen, wird noch die Rivalität der Menschen und den Goblins ins Spiel gebracht. Bei ihnen ist es interessant, dass sie den Menschen gar nicht so (auch äußerlich) unähnlich sind und manchmal auch das gleiche Ziel verfolgen. Daher wirkte es für mich eher, als stünden sie für die "schlechte" Seite der Menschen, die durch die Freude und Gesänge des jungen Curdie versucht wird, zunächst auf spielerische Weise, in die Flucht zu schlagen.

"[The Princess] treated the plants on which they grew like bird´s nests; every fresh flower was like a new little bird to her. She would pay visits  to all the flowernests she knew, remembering each by itself. She would go down on her hands and knees beside one and say, 'Good morning!' Are you all smelling very sweet this morning? Good-bye!" S.88


Eine sich zart und dennoch ernst anfühlende Kindergeschichte, die mit vielen Weisheiten für alle Lebensjahre brilliert. Auch wenn ich die Stränge insgesamt sehr gemocht habe, gefiel mir vor allem das Aufeinandertreffen der Prinzessin Irene und der alten Frau im Turm. Dies eröffnete stets eine sehr träumerische und beruhigende wie auch wohlige Perspektive. Alles andere sorgt für das Tempo und die Abenteuerlust, aus der eine sehr schöne Freundschaft entsteht.

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The Un-Dead, Vlad, Dracul oder Dracula?

März 22, 2020


Mein Interesse am Mythos "Dracula" hat sich nach dem Lesemonat Januar noch nicht wirklich gelegt. Daher habe ich mir nach Bram Stokers Klassiker zwei Bücher ausgesucht, welche die Geschichte noch einmal von einer anderen Seite beleuchten sollen. Es handelt sich dabei einerseits um "Dracul" von Dacre Stoker & J.D. Barker und andererseits um "The Deathless Girls" von Kiran Millwood Hargrave. Konnten diese Bücher neue Aufschlüsse bieten und mit dem bekannten Meisterwerk mithalten?

Zunächst einmal sei gesagt, dass mich die Hintergrundinformationen rund um "Dracula" und die Figur dahinter wahnsinnig interessieren. Der Roman selbst hat durchaus seine Stärken und Vorzüge, aber es fehlt ihm manchmal auch einfach an Handlung und Tiefe. Vieles bleibt unerwähnt, offen. Der monströse Feind lebt im Schatten und offenbart sich kaum. Die Helden der Geschichte sind die "Detektive" rund um Mina Harker und Van Helsing. 
Daher stellte sich mir tatsächlich die Frage, ob die Geheimhaltung tatsächlich von Bram Stoker so beabsichtigt gewesen ist. Sollte der Leser das Gefühl haben, dass man einem Phantom hinterherjagt und wenig von seiner Vergangenheit weiß?

In der Penguin English Library Version gibt es im Anhang ein kurzes Nachwort von John Sutherland. In dieser wird durchaus ein wenig darauf Bezug genommen, was im Fokus des Ganzen steht oder stehen soll. So heißt es zum Beispiel:  
"What this means is that in the struggle between Van Helsing and Dracula, we have a contest between the `pagan world of old` and 'modernity'. A demon from the Dark Ages pitted against men of the 1980s armed with Winchester Rifles, telegrams, phonographs, modern medicine and science." (S.443.)
Also alles ein Spiel zwischen Alt und Neu? Verstaubt und Modern? Das wäre wohl zu einfach. Dracula ist nicht nur eine Figur, die durch alte Manieren und Verhaltensweisen brilliert, sondern eben besonders durch Machtspiele und Furcht.
Wer also war demnach Dracula? Was waren seine Motive für diese Verbreitung von Angst? War es wirklich nur eine Liebesbesessenheit zu einer Frau, wie in zahlreichen Verfilmungen angedeutet?

Diesen Fragen kommt man ein Stück näher, wenn man nun zu "Dracul" von Dacre Stoker & J.D. Barker greift. Angepriesen mit "Inspired by the notes DRACULA´s creator left behind" und "The prequel to the most celebrated and terrifying story of them all" treffen wir 1868 auf den einundzwanzigjährigen Protagonisten Bram Stoker, der sich bewaffnet und voller Angst in einem Turm verbarrikadiert. Von wem wird er sich wohl verstecken?
Als ich das Buch entdeckte, war ich sofort Feuer und Flamme. Dacre Stoker ist, wie man am Namen vielleicht erahnen kann, ein Nachfahre von Bram Stoker und verfügt über den literarischen Nachlass. Daher dachte ich sofort, dass man hier eventuell weitere Aufschlüsse zur Entstehungsgeschichte finden kann und somit auch mehr zu der (historischen) Figur von Dracula.
Die Geschichte selbst hat mich sehr gut unterhalten und hat tatsächlich gehalten, was sie versprochen hat. Es ist eine Geschichte, die sehr an Bram Stokers Klassiker erinnert, denn auch hier geht eine bestimmte Gruppe von Menschen und Freunden auf die Suche nach dem scheinbar blutsaugenden Monster. Zusätzlich ist es natürlich spannend zu sehen, wie Bram Stoker als literarische Figur eingeführt und Teil des Abenteuers wird.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Tatsache, dass das Original im Hinterkopf behalten, aber durchaus noch mit dem Inhalt gespielt wurde. Es gibt Überschneidungen, bei denen man leicht schmunzelt oder sich freut, weil man sie in dem Klassiker bereits gelesen hat und es gibt Fortführungen, die den Mythos noch einmal auf eine neue Stufe stellen. Der Roman ist spannend, manchmal gruselig, aber auch wunderbar durchdacht und durch den Fokus auf die Figur von Nanna Ellen ausgewogen. Es ist nicht ausschließlich Bram Stoker, der hier die Hauptrolle übernimmt,

Und dennoch stellt sich die Frage: Kommt man Dracula hier näher? Ja und nein. Wir stellen fest: (Graf) Dracula heißt nun "Dracul", angelehnt an die Übersetzung und fortführend in Bezug zum "Sohn des Drachen". Im Roman selbst erfahren wir durchaus wichtige Hintergrundinformationen, was die zeitliche Einordnung betrifft, es wird aber nie explizit ein zum Beispiel historischer Name genannt. 
Anders sieht es da im Nachwort der beiden Autoren aus. Neben zahlreichen Fotos von Brams Originalnotizen lässt sich auch folgende Feststellung finden:
"This Connection between Vlad the Impaler and Dracula was not made by Bram; instead it was a conjecture put forth by two professors from Boston College. [...] The 'Vlad the Impaler' story line was also advanced by Francis Fod Coppola in his 1992 feature film Bram Stoker´s Dracula. Brams monster was far older than Vlad the impaler." (S. 488)
Hat Bram Stoker sich nun an Vlad Tepes, der historischen Figur orientiert und sie so angepasst, wie er sie für den Roman benötigte oder ist es nur durch die Produktionen von Filmen fälschlicherweise im Gedächtnis geblieben? Interessant ist es ja schon, dass Vlad Tepes als "der Pfähler" bekannt wurde und Vampire, also auch Dracula nur durch einen Pfahl ins Herz sterben kann.
Ebenso erwähnt Bram Stoker eben doch in seinem "Dracula" etwas zur Geschichte des Count Dracula: "He must, indeed, have been that Voivoide Dracula who won his name against the Turk, over the great river on the very frontier of Turkey-land." (S.280)
So ganz abwegig scheint die These, dass Vlad Tepes also das Vorbild für die Figur gewesen ist nicht. Es gibt schlichtweg keine hundertprozentige Bestätigung.
Interessant war in "Dracul" allerdings zu lesen, dass Bram Stokers Buch, aufgrund Stokers eigener Aussage, dass es sich nicht um Fiktion, sondern um Fakten handelt, um gute 101 Seiten gekürzt wurde und zahlreichen Änderungen unterliegen musste, da die Verlger in England sonst einer Publizierung nicht zugestimmt hätten. Ging dadurch die Identität des "wahren Dracula" verloren?
Dacre Stoker & J.D. Barker haben wohl versucht diese 101 Seiten mit dem Buch ein wenig aufzufangen. Teilweise sicherlich gelungen, teilweise natürlich etwas unstimmig, da Bram Stoker als Figur "später" gänzlich wegfällt. 
Den Änderungen oblag allerdings auch der Titel. Aus Brams eigentlicher Idee "The Un-Dead" wurde "Dracula". Auf den ersten Blick wohl kaum ein schwerwiegender Fehler. Seien wir mal ehrlich: Dracula. Das ist ein Titel, der sich irgendwie zurecht zu einem Klassiker entwickelt hat und mehr Kultstatus hat, als "The Un-Dead". Stokers Liebe für die Geschichte, den Titel und auch Überzeugung, dass es sich um wahre Begebenheiten handelt, macht das ganze aber noch einmal umso spannender und interessanter...

Grundsätzlich denke ich, dass das Buch eine sehr gelungene und schöne Idee ist, das Vermächtnis von Bram Stoker und seiner Begeisterung für seine eigene "Dracula"-Figur zu stärken und neu aufleben zu lassen. Ob Fakt oder Fiktion: Unterhaltsam und irgendwie auch gefühlvoll bleibt es trotzdem. 
Das liegt tatsächlich eben auch an der guten Umsetzung der Figur Nanny Ellen, die gezielt den Liebesaspekt auf neue Weise offenbart. 

Den Liebesaspekt greift aber auch "The Deathless Girls" von Kiran Millwood Hargave auf. Vorerst an Folklore orientiert, offenbart sich nach und nach die Verbindung zu Bram Stokers "Dracula".
Ich war sehr angetan von der Idee, als ich hörte, dass es hier um die Sicht der "Bräute von Dracula" handelt. Auch diese werden im Orginal nicht ausführlich beschrieben, aber doch zu Beginn kurz angedeutet ("Two were dark, and had high aquiline noses [...] the other was fair, as fair as can be", S.42). Hargrave wollten diesen drei Frauen ihre Stimme geben, hat es meiner Meinung auch teilweise gut geschafft. Interessant hierbei wiederum, dass dieses Buch, zum Ende hin, irgendwie auf "Dracul" anspielt. 
Mich hat die erste Hälfte leider etwas enttäuscht. Es ist wenig passiert, alles verlief sich in immer wiederkehrenden Anspielungen und auch die Wortwahl war teilweise schlecht beziehungsweise nicht sehr angenehm zu lesen, weil sich manchmal über fünf, sechs Seiten hinweg Wörter ständig wiederholt haben. Dennoch, ab der zweiten Hälfte geht es deutlich bergauf. Die Figuren werden lebendiger und ihre Hintergrundmotivationen werden deutlich. Besonders gelungen ist zudem, dass zum Ende hin die Verbindung der Schwestern und gleichzeitig Protagonistinnen gut herausgearbeitet wurde. 
Die Identität des monströsen Vampirs wird hier quasi schon offensichtlich als Vlad ausgelegt. Hargrave orientiert sich da wirklich stark an den bisherigen Hypothesen. Dennoch tut es der gesamten Geschichte nicht schlecht, da sie gezielt auf das ganze Geflüster der Menschen eingeht, die von dem "Hause Dracul" also dem "Haus des Drachen" gehört haben. 
Für mich ist "The Deathless Girls" daher, mit leichten Anlaufschwierigkeiten, ein gelungenes Buch, das letztlich mit viel Trauer und Wut die Geschichte der Frauen an Draculas Seite erzählt und gleichzeitig eine wunderbare Verbindung zwischen zwei Schwestern schildert - mit allen schönen, wie auch schlechten Seiten.

Eines ist bei allen Büchern jedoch gewiss: Dracula wird immer als das dargestellt, was er auch bei Bram Stoker war: ein blutsaugendes Monster. Anders als bei der Verfilmung "Dracula Untold" trifft man hier auf wenig Verständnis für den Fürsten der Nacht. Hier stehen tatsächlich die Dinge im Vordergrund, die dazu führen, dass andere unter ihm leiden. Körperlich wie auch seelisch.
Ob nun "The Un-Dead", "Dracul", "Count Dracula" oder das historisch grausame Vorbild von Vlad Tepes, diese Verschmelzung aller Theorien und möglichen Figuren lässt den Mythos nicht sterben, sozusagen ein Vampir der Literaturgeschichte. 

Daher bleibe ich dem ganzen sicherlich noch eine Weile auf der Spur. Demnach habe ich mir schon weitere Lektüren ausgesucht, die demnächst folgen sollen:
  • Am 01.05. erscheint "Dracula´s Child" von Jonathan Barnes. Ein Roman, der als Fortsetzung an "Dracula" dienen soll. Jonathan und Mina Harker wie auch ihr Sohn Quincy werden hier wohl mit dem Nachfahren ihres Feindes konfrontiert. Bin gespannt worauf das alles hinausläuft und wie erklärt wird, dass Dracula plötzlich ein Kind hat, aber dieses Cover, das sehr stark an Christina Henrys retellings erinnert, spricht mich wirklich an!
  • Dann gibt es natürlich noch "Dracula - The Un-Dead" von Dacre Stoker & Ian Holt, was ebenfalls als Fortsetzung des Klassikers angesehen wird. Auch hier übernimmt der Sohn Quincy (fünfundzwanzig Jahre später) eine wichtige Rolle und auch Van Helsing begegnen wir wieder.  
  • Natürlich habe ich auch "The Annotated Dracula" im Blick, inklusive Vorwort von Neil Gaiman. 
  • Und zu guter Letzt erstmal noch Elizabeth Kostkovs "The Historian". Hier weiß ich nicht so viel, allerdings habe ich häufiger mitbekommen, dass es wohl auch auf Dracula anspielt.
Ob diese weiteren Bücher wohl eine neue Identität für Dracula bereithalten?


Wie steht ihr zu dem Klassiker? Habt ihr ihn gemocht oder interessiert er euch nicht sonderlich? Kennt ihr vielleicht noch andere Bücher, die darauf Bezug nehmen und könntet sie empfehlen?

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Pine von Francine Toon

März 12, 2020

(Original: "Pine"/ 2020) Doubleday (Imprint of Penguin RandomHouse UK), Übersetzer/in: -, ★★★★☆ 4 Sterne
Lauren und ihr Vater Niall leben im Bergland, in einem kleinen Dorf, umgeben von einem Kiefernwald. Als eine Frau plötzlich mitten in der Halloweennacht auf die Straße stolpert, fährt Niall sie zu sich nach Hause. Am nächsten Morgen ist sie weg.
In einer Gesellschaft, in der Töchter rebellieren, Männer in Stille toben und das Trinken als Sinnbild für das Vergessen steht, sind Rätsel und Geschehnisse wie diese nicht ungewöhnlich. Und dann gibt es noch das Verschwinden von Laurens Mutter vor etwa einem Jahrzehnt.
Lauren sucht nach Antworten, überwiegend in ihren Tarotkarten. Sie möchte die Gedanken und Gefühle ihres Vaters lesen können. Die Nachbarn scheinen mehr zu wissen, als sie zugeben möchten, aber als ein Teenager aus der Stadt verschwindet, weiß man nicht mehr, wem man trauen kann...
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"Lauren sees a skinny figure standing in the scrub of the verge, enveloped in a large white dressing gown. 'Jesus', her father says as they bump past.
'Who´s that?' Lauren cranes back at the dark road. The trees are thinning out.
'Who´s what?' replies her father and turns up the music." 
S.2

"The Woman in White" neu aufgelegt? Irgendwie schon und irgendwie auch nicht. Der Roman greift das Motiv des Klassikers ganz gut auf, spielt aber zudem mit weiteren Elementen von Mystery, Horror, Thriller, Gothic und magical realism. Dies aber nur auf subtile Art und Weise. Im Fokus steht letztlich doch der Umgang und die Aufarbeitung mit der Vergangenheit.
Zugegeben, bei dem Roman bin ich anfangs davon ausgegangen, dass die Thriller und Crime-Aspekte noch stärker im Vordergrund stehen würden, aber dennoch habe ich das Buch sehr genossen. Genossen, soweit das bei dem recht schweren Inhalt möglich ist. Denn die Geschichte ist durchaus an einigen Stellen düster und spukhaft, greift das Verschwinden der Mutter der Protagonistin auf und spielt mit möglichen Theorien, was geschehen sein könnte.

Die Atmosphäre, die Versuche dem Leser / der Leserin ein Stück weit das schottische Leben, in den Tiefen der Wälder, zu präsentieren und die Anspielungen hinsichtlich der zweideutigen Verhaltensweise und Vergangenheit der verschiedenen Figuren haben mir insgesamt wirklich sehr gut gefallen. Im Großen und Ganzen scheint sich der Roman erst auf den letzten Seiten in Gang zu setzen, sodass eine wirkliche Handlung in der ersten Hälfte nicht vorhanden und von Beschreibungen dominiert scheint, aber auch das gefiel mir ganz gut. Für mich lebte die Geschichte eben davon, dass man die Gefühlswelt von Lauren kennenlernt und sich ihrer Bewunderung für das Okkulte bewusst wird.

"Niall flicks away a fly and smiles a smal, dry smile, thinking of how Christine would have brought their daughter up. Naming her was an issue. Christine wanted to choose something 'special', a name like 'Solstice', but Niall refused. He gave in to the name 'Oren', even though it was a name for a boy, meaning ash or pine. Yet, in the first few years following Christine´s disappearence, Oren morphed to Lauren.” S. 70

Im Gedächtnis geblieben sind mir tatsächlich die vielen Verweise auf mythische Wesen und das Übernatürliche. Daher gefiel mir auch die anfangs sehr merkwürdige Verhaltensweise der Figuren, wenn sie "die Frau in Weiß" gesehen, sich im Dialog mit jemandem aber nicht daran erinnern konnten/ wollten. Ich fand es allerdings etwas schade, dass genau dies zum Schluss etwas zu kurz kam. Einiges wurde versucht hier und da zu erläutern, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man da noch mehr hätte rausholen können.

Ebenfalls etwas schade fand ich, dass die Beziehung zwischen Lauren und ihrem Vater Niall zwar verständlich und auch sinnvoll geschildert wurde, somit auch die distanzierte Art durchaus nachzuvollziehen war, jedoch ist (zumindest für mich) an einigen Stellen etwas die Gefühlsebene zu kurz gekommen. Obwohl die Geschichte von Verlust geprägt ist, wirken die Figuren manchmal viel zu neutral und zu weit von allem entfernt, wie Beobachter. Auch hier, wenn man sich mit den einzelnen Elementen des Textes befasst, ist es schlüssig, aber beim Lesen einfach etwas zu "wenig".
Dennoch hat mich das Buch packen und auch irgendwie mitreißen können. Das liegt aber sicher daran, dass ich, wie gesagt, Texte mit Anspielungen an "Kelpies" und "Selkies" und andere mythische Wesen sehr gerne mag.

"It´s only the dark, she tells herself. The dark can´t hurt you. Her body feels skittish.'" S.230


Ein recht düsteres Buch, das sich mit Verlusten und Geheimnissen der Vergangenheit befasst und mit vielen (bekannten) mystery/ horror/ gothic/ crime Elementen spielt. Größtenteils geht es aber um die Gefühlswelt der Protagonisten und nicht in erster Linie um die Suche nach der "Auflösung", dafür kommt die Geschichte doch etwas zu spät in die Gänge. Dennoch ein wahnsinnig packendes Buch, besonders um die Halloweenzeit herum, wenn man ein klein wenig Gänsehaut bekommen möchte. Mich hat es trotz einiger Kritik überzeugen können.

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Frankly in Love (Frankly in Love #1) von David Yoon

März 06, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Frankly in Love"/ 2019), cbj Verlag (2020), Übersetzer/in: Claudia Max (aus dem amerikanischen Englisch), ★★★★☆ 4 Sterne
"Frank liebt Joy. Joy liebt Frank. Das erzählen sie jedenfalls ihren Eltern ...
Als Sohn koreanischer Einwanderer in Kalifornien lebt Frank Li zwischen zwei Welten. Obwohl er fast kein Koreanisch spricht, respektiert er seine Eltern, die ihm alles ermöglicht haben. Doch sie haben eine Regel: Frank darf nur ein koreanisches Mädchen daten. Als Frank sich in Brit verliebt, ein weißes Mädchen, schließt er mit seiner Kindheitsfreundin Joy einen Pakt: Sie werden ein offizielles Paar, während sie heimlich jemand anderen treffen. Was soll da schon schiefgehen? Doch als Franks Leben eine unerwartete Wendung nimmt, merkt er, dass er rein gar nichts verstanden hat: weder die Liebe noch sich selbst …"
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"Wir sitzen da und nicken kurz und lassen Ellas Worte vor uns schweben. Wir wollen doch alle einfach nur lieben dürfen, wen wir wollen. S.166

"Frankly in Love" ist auf den ersten Blick ein typisches Jugendbuch, das die Liebe in den Fokus stellt. Und irgendwie ist es auch recht "typisch", geht aber in einigen Punkten doch weit darüber hinaus.
Zu Beginn eins vorweg: Ich bin mittlerweile einfach nicht mehr genau die richtige Zielgruppe für solche Jugendbücher (auch wenn ich ihnen gegenüber nicht generell abgeneigt bin). Soll heißen, ich bin teilweise rausgewachsen und bewerte das Buch natürlich etwas anders, als jemand, der sich gerade genau mit dem Alter und den Umständen identifizieren kann. 
Daher meine negativen Punkte zuerst. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit der Wortwahl und der "zu gewollten" Jugendlichkeit (?). Mir kam es immer etwas gespielt vor, wie die Protagonisten mit einigen Jugendwörtern herumwerfen. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass es aus dem amerikanischen Englisch übersetzt wurde und dort solche Phrasen eher auf die Spitze getrieben werden, in deutscher Sprache dann einfach etwas merkwürdig wirken. An einigen Stellen passt es zwar, aber im Großen und Ganzen war es mir dann im Gesamten einfach etwas zu konstruiert.
Was mich nicht wirklich gestört, aber doch verwundert hat, war die Tatsache, dass die Inhaltsangabe etwas verspricht, was es nicht ganz einhält. Wer sich besonders auf die Fake-Beziehungs-Elemente freut, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, denn die Handlung entwickelt sich sehr schnell weiter, sodass man ein Gefühl á la "Moment, sollte das nicht irgendwie stärker ausgebaut sein" entsteht.

"Denn egal, ob ich Ahnung habe oder nicht, von mir wird immer noch erwartet, dass ich der koreanische Experte bin. In anderen Worten, in erster Linie wird von mir immer noch verlangt, dass ich koreanisch bin, und erst danach einfach typisch amerikanisch. Das ganze verdammte »Koreanischstämmige« vor »Amerikaner« ist einfach nicht totzukriegen."  S.262f.

Nichtsdestotrotz fand ich den Roman trotz oder auch gerade wegen seiner anders verlaufenen Handlungen und Stränge sehr geglückt, denn es ist eben nicht unbedingt der Standardinhalt, den man anfangs erwartet. Man kann aber sicher sein, dass das Thema "Liebe" natürlich mehr als genügend ausgelegt wird und zwar in all seinen Facetten.

Was mir an dem Jugendbuch aber besonders gefallen hat, ist die gesamte Thematik, die sich nicht nur allgemein mit Beziehungen beschäftigt, sondern Beziehungen zwischen Menschen, die durch ihre Familie an bestimmte Vorstellungen und kulturelle Wünsche gebunden sind. Wieso ist es uns so wichtig, dass die Eltern unsere Partner akzeptieren oder gerade nicht akzeptieren? Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen zu lieben, wen wir lieben? 
Daran angelehnt wird das Thema Rassismus auch gezielt angesprochen und wunderbar ausgelegt. Ich mochte dabei sehr, dass der Protagonist Frank die Zustände und Dinge nicht beschönigt. Seine Eltern lässt er nie mit irgendwelchen Verharmlosungen davonkommen. Wenn sie sich rassistisch äußern, dann sagt er es auch so: "Sie sind Rassisten". Gleichzeitig wird die Problematik, die hinter gewissen Äußerungen, Vorurteilen und Wörtern steckt aufgegriffen und erklärt. Der (junge) Leser wird hier also wunderbar für das Thema sensibilisiert und versteht, wie schwierig es ist, sich als Amerikaner (der nun einmal eine koreanische Familie hat) in der Gesellschaft vorurteilsfrei zu bewegen und wie sich Vorurteile generell auf unsere Kommunikation mit anderen (Kulturen) auswirken.
Eine scheinbar geplante Fortsetzung würde ich daher durchaus noch lesen, besonders, weil mich auch der Handlungsstrang von Franks bestem Freund Q interessieren würde.

"Um zu verstehen, warum das ein Problem darstellt, ist es hilfreich zu wissen, dass historisch gesehen beinahe jedes Land in Asien irgendwann jedes andere Land in Asien gehasst hat. Die Koreaner hassten die Chinesen, und die Chinesen hassten die Koreaner, und zwar schon immer. Außerdem hassten Chinesen Japaner hassten Koreaner hassten Thais hassten Vietnamesen und so weiter. Alle verbindet eine Geschichte, irgendwo einmarschiert oder von den andern überfallen worden zu sein.
So wie die europäischen Länder Scheiße übereinander erzählen? Das gleiche Ding.
" S.39


Voller Liebe und schonungslos ehrlich. Auch wenn mir einige Gespräche zu überspitzt vorkamen (mag an der Tatsache liegen, dass Jugendliche in Amerika einfach anders miteinander reden), gefiel mir der Roman rund um Frank, Brit und Joy ganz gut. Die Inhalte zum Thema Rassismus und eigener Identität in einem "fremdem" Land fand ich dabei sehr gut herausgestellt und erläutert. Obwohl ich mir von der "Liebesgeschichte" irgendwie mehr erhofft hatte, fand ich die Stärke des Romans darin wieder, dass er sich eben nicht an ein spezielles Schema hält. Quasi ein Netflix-Teenie-Film mit ernsten Themen und letztlich viel Gefühl.

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Februar: Ach du grüne Neune... und Winterwetter

März 04, 2020


Der Februar war für mich (und der März ist es weiterhin) etwas "nervig" und mein Umfeld kann es glaube ich auch nicht mehr hören, aber die Voreinstellung des Bildschirmfarbprofils am neuen Laptop bringt mich derzeit zur Weißglut. Ich saß bisher schon Stunden an der Kalibrierung und bei jedem Neustart kam es mir immer noch nicht "richtig" vor. Es blieb stets ein Grün- (oder wahlweise auch mal zur Abwechslung Gelb-) Stich in allen Bildern. Kein Wunder, aus irgendeinem Grund setzt sich die Einstellung bei jedem Hochfahren zurück. 
Da ich bisher auch trotz Google nicht wirklich weiterkomme, ist die Bildbearbeitung für mich gerade eher etwas lästig und mühselig. Und wenn man mit dem Gesamteindruck unzufrieden ist, ist man ja bekanntlich eher unmotiviert. Aber hoffen wir mal das Beste.

Aufgrund des doch nochmal schneereichen Wetters habe ich mich in einige Bücher gestürzt, welche durch eine düstere Atmosphäre noch besser wirken. Besonders "Bunny", "The Girl Who Fell Beneath Fairyland..." und "Der Golem" haben da sehr gut gepasst. Aber nun einmal alles im Detail: 

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 

  • "The Ocean at The End of the Lane" von Neil Gaiman: Schon sehr oft erwähnt und auch davon geschwärmt habe ich von diesem Buch. Im Februar habe ich ganz impulsiv abends dazu gegriffen und auch direkt durchgelesen. Diese illustrierte Ausgabe hat mich einfach aufs Neue ganz in die Geschichte eintauchen lassen. Die Zeichnungen sind nicht zu aufdringlich, nehmen nicht zu viel von der eigenen Vorstellung der Figuren vorweg, passen sich aber sehr gut an die Geschichte an. Ein wenig hat mich der Stil an Patrick Ness´ "A Monster Calls" erinnert, welches von Jim Kay illustriert wurde.
  • "The Testaments" von Margaret Atwood: Endlich habe ich dann auch mal die Fortsetzung zu "The Handmaid´s Tale" gelesen. Und ich stimme vielen überein. Ich meine es waren vor allem Liesa von mscaulfield und MissBookiverse, die meinten, es sei nicht zwingend notwendig es noch zu lesen, aber doch ganz interessant. So war es tatsächlich. Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber man erfährt nicht sooo viel Neues. Wer aber "The Handmaid´s Tale" wirklich als Buch und auch als Serie sehr mag, der wird auch an "The Testaments" Gefallen finden. 
  • Als nächstes habe ich zu "Alice´s Adventures in Wonderland & Through the Looking-Glass" von Lewis Carroll gegriffen. Natürlich, weil ich endlich die interaktiven Elemente der MinaLima-Ausgabe entdecken wollte. Wie zu erwarten findet man dort schöne, lustige, unterhaltsame Inhalte, die beim Lesen einfach Spaß machen. 
  • "Bunny" von Mona Awad war ein sehr extremes Leseerlebnis, weil es so skurril ist. Ich liebe ja so Geschichten, die einen herausfordern und bei denen man anfängt um die Ecke zu denken. Ist alles wie es erzählt wird, oder doch ganz anders? Kann man der Erzählerin (ver-)trauen? Bereits jetzt eines meiner Highlights in diesem Jahr.
  • "The Girl Who Fell Beneath Fairyland and Led the Revels There" von Catherynne M. Valente: Wow, was für ein Titel und was für eine Geschichte. Valente entführt uns wieder einmal auf ein ganz besonderes Abenteuer mit September. Es gibt keine Grenzen, was die Möglichkeit von Dingen anbelangt und das finde ich so wahnsinnig schön an der Reihe. Alles scheint möglich, aber auch in die schlechte Richtung. Daher muss die Protagonistin im zweiten Teil mit ihren (Schatten-) Freunden dafür sorgen, dass das Gleichgewicht von und in Fairyland bestehen bleibt. Hier kann man mit einem sehr familiären Gefühl rechnen, bei dem man ganz zum Schluss nicht nur gut unterhalten zurückbleibt, sondern auch ein kleines Tränchen verdrücken könnte.
  • Der Anfang von Gustav Meyrinks "Der Golem" ließ mich zunächst etwas ratlos zurück. Die ersten beiden Kapitel lasen sich irgendwie sehr gehässig. Nach und nach entwickelt sich die Geschichte aber tatsächlich zu einer sehr interessanten, wenn auch nicht leicht verständlichen und sehr psychologischen Geschichte. Hier steht das Wahrnehmen des "Inneren" sehr im Fokus. Ich muss tatsächlich sagen, dass ich nach der Lektüre erst einmal viel recherchiert habe, was man wie deuten kann und welche Einflüsse der Text aus anderen Gebieten hatte (wird auch gerne mit Kafka vergleichen). Daher denke ich, dass man das Buch vor allem dann erst richtig erfassen kann, wenn man sich mit der Zeit, in welcher es spielt und den intertextuellen Bezügen auseinandersetzt. Nur zu gerne hätte ich hierzu ehrlicherweise ein Seminar in der Uni besucht. Zwar hatte ich mir den "Golem" anders vorgestellt, also in der ursprünglichen "Sagengestalt" (hier hatte ich anfangs die Supernatural-Folge im Hinterkopf), jedoch gefiel mir die Auslegung hier auch ganz gut. Wie gesagt, man muss sich mit vielen Schichten der Erzählung vertraut machen und diese Schichten auch auf die Selbstwahrnehmung und Identität beziehen, da die Spielerei mit dem / den Erzähler/n dies ebenfalls verlangt. Daher nicht zwingend eine leichte Lektüre für zwischendurch.
  • "Orchid & The Wasp" von Caoilinn Hughes: Anfangs war ich so angetan von der Inhaltsangabe und habe voller Motivation mit der Geschichte begonnen. In der Mitte hatte ich dann einen wahnsinnigen Tiefpunkt erreicht und ich dachte wirklich, dass ich das Buch abbrechen würde. Nach weiteren fünfzig Seiten ging es dann tatsächlich wieder bergauf und ich wollte wissen, wie es mit den Figuren weitergeht. Die Auflösung und der Gesamteindruck blieben aber letztlich leider hinter meinen Erwartungen zurück. Irgendwie hat mir etwas gefehlt, das dem Ganzen einen "Sinn" (?) verleiht. Es war nicht schlecht, aber wie gesagt...
  • Das letzte Buch im Februar habe ich noch am 01. März zu Ende gelesen. Da dieses Jahr sowieso ein Schaltjahr war, sind die Linien für den Februar eh verschoben, daher habe ich mir die kleine Schummelei irgendwie selbst verziehen ;). Wie dem auch sei, "Things a Bright Girl Can Do" von Sally Nicholls hat mich noch einmal sehr gut unterhalten und mir nach der eher zähen Lektüre davor gutgetan. Die Rezension ging ja gestern erst online, daher hier nur kurz gesagt: klare Leseempfehlung, wenn man Lust auf eine feministische Geschichte hat, in der drei junge Frauen dafür kämpfen, selbst Entscheidungen über ihr Leben treffen zu können.


Was waren eure Favoriten / Flops im Februar?

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Things a Bright Girl Can Do von Sally Nicholls

März 02, 2020

(Original: "Things a Bright Girl Can Do"/ 2017) Andersen Press, Übersetzer/in: -, ★★★★☆ 4 Sterne
1914. Die Welt steht vor einer großen Veränderung. Aber Frauen haben weiterhin nicht das Recht zu Wählen.
Evelyn ist reich und clever, aber es ist ihr untersagt auf die Universität zu gehen. Sie will Freiheit und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie ihr Leben aussehen soll, auch wenn sie dafür einen gewissen Preis zahlen muss.
Gleichzeitig setzt sich May dafür ein, dass Frauen ein Wahlrecht zugesprochen wird. Als sie auf Nell trifft, ein Mädchen das die Härte das Lebens nur allzu gut kennt, kommt ihr irgendwie die Liebe zwischen. Gemeinsam beginnen sie von einer Welt zu träumen, in der jede Art von Frau ihren Platz finden kann.
Aber der Kampf nach Freiheit wird Evelyn, May und Nell stärker herausfordern, als sie es sich hätten vorstellen können. In Zeiten, in denen der Krieg droht: wie viel sind sie bereit zu opfern?
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"Women teachers were paid less than men. So were women in mills, and factories, and country houses, and shops, and tearooms, and places. [...]The argument was that man had to earn enough to support a family. What widows were supposed to do was never explained."  S.44

Ehrlich gesagt hatte ich anfangs nicht damit gerechnet, dass "Things a Bright Girl Can Do" eher wie ein Jugendbuch daherkommen würde. Die Charaktere, die Ausdrucksweise und die allgemeine Stimmung sind sicherlich besonders für ein junges Publikum geeignet. Aber auch als Erwachsene / Erwachsener findet man Gefallen an der Erzählung der drei jungen Protagonistinnen.
Was mir besonders zugesagt hat, ist die gesamte Aussage und die Umsetzung des Ganzen. Jedes Mädchen, jede Frau ist anders, verfolgt andere Absichten, andere Ziele und hat auch eine eigene Wertvorstellungen für die sie kämpft. Besonders geglückt fand ich dabei, dass man selbst bei gleicher Meinung, anders reagieren kann, je nachdem wie die eigenen sozialen Umstände sind. 
Man lernt hier drei außerordentliche Persönlichkeiten kennen, die sich etwas abseits der typischen "Heldinnen" bewegen, die man sonst präsentiert bekommt. Hier bekommen auch die ruhigen, zurückgezogenen, die dennoch für ihre Rechte kämpfen die nötige Stimme und Aufmerksamkeit. 
In Zusammenhang damit, gefiel mir auch die gleichzeitig etwas nüchterne / normale Betrachtung von Emmeline Pankhurst. Sie wird zwar durchaus als wegweisend dargestellt, aber dennoch nicht als so heroisch, dass auch eine kritische Betrachtung ihrer Aktionen und Einstellungen ermöglicht wird.

"She threw the badges to Kezia and Hetty. Little round enamel badges in the colours of  Mrs Emmeline Pankhurst´s Women´s Social and Political Union: green, white and violet. VOTES FOR WOMEN, the badges said.” S. 25

Die Geschichte beschreibt zwar Kämpfe, Widerstände, Kriege und ungemütliche Situationen im Leben der Mädchen und Frauen, aber es ist in einem doch ruhigen Ton geschildert. Dadurch wirkt das Buch weniger radikal und der Fokus liegt auf dem Wunsch aller, ein zufriedenes, glückliches Leben führen zu können, ohne, aus dem bloßen Grund, eine Frau zu sein, benachteiligt zu werden. Dennoch werden hier auch die "anderen" Seiten aufgegriffen. Man kann in etwa erahnen, wie die wirklich radikalen Seiten der feministischen Gruppierungen vorgehen.
Ich bin tatsächlich im Großen und Ganzen sehr angetan von der Geschichte, da es ein ermunterndes Buch ist, das verdeutlicht, dass nicht nur die "lauten" unter uns etwa ausmachen, sondern auch die, die in leisen Tönen für das einstehen, was wichtig ist. Auch, wenn die Politik und die, welche die Macht haben, wohl so oder so über alles hinwegsehen werden, was ihnen nicht passt.

Ein klein wenig enttäuscht war ich leider ab und an, wenn es um einige Formulierungen ging (dabei habe ich natürlich beachtet, dass es 1914 spielt). Alles, was die Entwicklung, die Hobbys, die Talente von Mädchen und deren Wunsch nach einem Partner anging, fand ich wirklich schön dargelegt. An der einen oder anderen Stelle war es vielleicht sogar ZU schön um wahr zu sein (wie gesagt in Anbetracht der damaligen Verhältnisse). Daher fand ich es dann schade, dass doch so Sätze fielen wie "Sie ist ein besserer Mann, als ich es je sein werde". Auch hier weiß ich, wie es gemeint war, aber wenn man schon darauf achtet und es auch umsetzt, dass Mädchen und Frauen von ihren Klischeerollen losgerissen werden, sollte man vielleicht auch "echte Männer"-Klischees vermeiden. Eine Person zeichnet sich durch charakterliche Züge aus, ja. Aber für mich sind sie nie an das Geschlecht gebunden. Die Intention, die Figuren dadurch handeln zu lassen, kann ich wie gesagt durchaus verstehen, nur leider passte dies dann nicht zu der anderen, doch fortschrittlichen Umsetzung des Ganzen.

"In English they all had to write patriotic essays about why Britian had to enter the war. 'It´s aweful', May sid to hermother. 'It´s like... like it´s a game or something. Don´t they realisepeople are going to be killed?'" S.187


Ein motivierendes, trotz aller Kämpfe und Widerstände, doch ruhiges Buch, das Mut macht zu sich selbst zu stehen. Die Bewegung der "Suffragtes" rund um Emmeline Pankhurst wird durchaus gut aufgegriffen, im Fokus stehen aber die Entwicklung, die Träume und auch Wünsche der drei Protagonistinnen Evelyn, May und Nell. Hier finden auch die zurückhaltenden Unterstützer eine verdiente Stimme.

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