A Winter´s Promise (The Mirror Visitor #1) von Christelle Dabos

Oktober 10, 2019



(Original: "La Passe-Miroir. Livre 1. Les fiancés de l´hiver"/ 2013) Europa Edition (2018), Übersetzer/in: Hildegarde Serle (aus dem Französischen), dt. Übersetzung: "Die Verlobten des Winters" (Die Spiegelreisende #1) ★★★★☆ 4 Sterne
Durch einen Bruch der uns bekannten Welt, entstanden zahlreiche schwebende Inseln, auch Archen genannt. Auf der Arche 'Anima' lebt die junge Ophelia. Sie hat die Fähigkeit, die Vergangenheit von Gegenständen und ihren Besitzern zu lesen. Zeitgleich besitzt sie auch die Gabe, durch Spiegel wandern zu können - ein Vermächtnis, das von Generation zu Generation an sie weitergereicht wurde. Ihr bisher ruhiges Leben gerät plötzlich in Aufruhr, als für sie eine Heirat mit Thorn arrangiert wird, einem Mitglied eines verfeindeten Clans. Sie muss ihr Zuhause verlassen und ihrem Verlobten in die eisigen Gebiete von Citaleste folgen. Doch die Gefahr lässt nicht lange auf sich warten...
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"With arms behind her back, she looked at him with vacant expression and said nothing more. This is what Ophelia was like: in situations where any young girl would have cried, moaned, shouted, implored, she usually just observed in silence."  S. 26

Der erste Teil der "Mirror Visitor"-Reihe beginnt, wie man ihn sich eigentlich vorstellt. Es ist eine Art Einführung in die zerbrochene Welt. Figuren werden charakterisiert und Umstände näher erläutert. Handlunsgtechnisch passiert durchaus einiges, dies entwickelt sich aber schleichend und hinterlässt den Eindruck, als wüsste man am Ende des Buches noch nicht wirklich, wem man trauen kann.
Darauf zielt "A Winter´s Promise" auch tatsächlich größtenteils ab. Es ist ein Wechselspiel von Schein und Sein. Wer sind die Figuren wirklich? Was haben sie vor? Politische Streitigkeiten und familiäre Kämpfe sind Gang und Gäbe und scheinen, zumindest im Gebiet Citaleste durchaus legitim. Jeder weiß, dass man niemandem trauen kann und man vorsichtig sein muss.
Als Leser ist das einerseits natürlich spannend, da man selbst überlegen muss, wen man zu Ophelias Vertrauten zählt, andererseits bleiben am Ende noch alle Fragen offen. Dies ist in Hinblick auf die drei noch folgenden Bücher aber eher nicht verwunderlich.

"An object repaired itself quicker if it felt useful, it was all a question of psychology." S. 80

Grundsätzlich gefiel mir der erste Teil sehr gut, auch wenn man einige Dinge sicherlich anmerken kann. Die negative Kritik, dass die weiblichen Rollen wieder einmal aus einem nicht feministischen Blick betrachtet werden, kann ich nur teilweise bestätigen. Ich musste zwar an einigen Stellen mit den Augen rollen, aber grundsätzlich liegt in den Zeilen doch verborgen, dass Frauen eine gewisse Macht haben und diese auch mit Köpfchen einsetzen. Selbst die anfängliche Vermutung, dass sich Ophelia von ihrem Verlobten beschützen lassen muss, wird hinfällig, denn er tritt nicht so oft auf und sagt immer wieder, sie solle nur seiner Tante vertrauen. Dadurch lag für mich das Augenmerkt auf dem weiblichen Duo, sogar auch Trio, da Ophelias Tante ebenfalls als Beschützerin fungieren soll. Zudem ist Ophelia clever und selbstbewusst genug, um sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen.
Die Figur des Archibald verkörpert dagegen das pure, unfassbar schleimige Männerbild, das nur darauf aus ist, die Frauen in seiner Umgebung zu verführen und ihnen so das Ansehen zu "rauben". Für mich eine bisher nicht ganz verständliche Handlungsausarbeitung, aber vielleicht wird dies noch in den folgenden Bänden aufgelöst.
Natürlich ist die Reihe durch viele passende und bekannte Elemente sehr jugendbuchlastig, aber meiner Meinung nach wird durch das stark politische Thema, inklusive Intrigen, der Grad an "Beziehungs-/Verlobungsgeschichte" deutlich geschmälert. Der Fokus liegt zudem durchaus stärker auf den Fantasyelementen und (noch) nicht auf dem Gefühlspingpong der Protagonisten.

"Ophelia understood that that´s what being a society lady was: covering one´s true feeling with a sweet smile." S. 193



Ein gelungener erster Teil, der ausführlich in die Welt einleitet und die Verbindungen, wie auch Gegebenheiten der Gebiete und Familien offenbart.  Zwar gibt es viele Geschehnisse, mit denen Ophelia zu kämpfen hat, diese werden aber kaum aufgelöst. Man ist sozusagen gefangen in einer Welt von möglichen Theorien. Intrigen und Familienkämpfe lassen aber darauf schließen, dass man bei der Charakterisierung der Figuren vorsichtig sein muss, da man noch niemanden gänzlich einschätzen kann. Was die Darstellung des Verhältnisses von Männern und Frauen anbelangt bin ich noch unschlüssig, da man noch nicht genau weiß, welche Entwicklungen folgen werden. Einige Dinge haben mich daran eher gestört, andere fand ich gut umgesetzt. Mir gefielen zudem die ganzen Anspielungen auf Ophelias Gabe und die damit verbundenen Eigenschaften oder Aufgaben, da man hier noch etwas 'Größeres' vermutet. Den zweiten Teil möchte man hiernach am liebsten sofort lesen.




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Currently Reading #7

September 25, 2019




“When we read too fast or too slowly, we understand nothing.”   - Blaise Pascal

Derzeit liegt "A Winter´s Promise" von Christelle Dabos auf meinem Nachttisch und obwohl die Zeit momentan ein Übeltäter ist, habe ich mir bereits Kirsty Logans neuen Erzählband "Thinks We Say In the Dark" bereitgelegt.
Da aber in gut zwei Wochen der Abgabetermin meiner Abschlussarbeit ist, bin ich momentan nicht einmal ansatzweise in der Lage, die Bücher zu öffnen, geschweige denn sie zu lesen.
Wie Blaise Pascal schon sagte, versucht man zu schnell zu sein, um das Gefühl zu haben, voran zu kommen, entgeht mir zu viel, die Konzentration schwindet. Nehme ich mir hingegen zu viel Zeit, verträgt sich das erst recht nicht mit der Lektüre, die ich parallel zur Arbeit lese.
Es kostet zu viel Kraft sich immer wieder auf das andere Buch einzustellen, sich aus den Verbindungen und Zusammenhängen zu lösen und sozusagen zwischen den Welten hin und herzuspringen. So bleiben meine "Currently Readings" mit Sicherheit noch bis Mitte Oktober das was sie sind, Bücher, die ich gerade lese und irgendwie doch nicht lese.

Christelle Dabos´ erster Teil ihrer vierteiligen Serie gefiel mir bisher (nach den vorerst erreichten 157 Seiten) aber recht gut. Am Anfang wird man glücklicherweise erst einmal in die Welt eingeführt und nicht direkt mit zu viel aufeinanderfolgenden Handlungssträngen erschlagen. Man tastet sich langsam voran, lernt Ophelia kennen und entdeckt kleine Besonderheiten, die sich im weiteren Verlauf, hoffentlich noch entfalten werden...

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Das langweiligste (Hör-)Buch der Welt?

September 18, 2019





Werbung ~ Rezensionsexemplare

"Alles, was Sie für einen erholsamen Schlaf niemals wissen müssen". So lautet der Untertitel des Buches von Prof. K. McCoy und Dr. Hardwick. Das Hörbuch hingegen trägt sogar den abgewandelten Titel "Na dann gute Nacht".
Ich muss natürlich gestehen, dass mich nicht unbedingt der Name neugierig gemacht hat, sondern das, an das Thema, wunderbar angelehnte Cover. Denn wer kennt nicht den Trick des Schäfchen Zählens, um besser einschlafen zu können. Im Inneren finden sich zusätzliche, kleine Illustrationen, die an das Schlafthema anlehnen oder die besonders einschläfernd wirken sollen. Aber sind die beiden Ausgabearten wirklich so langweilig, wie sie von sich selbst behaupten? Bleibt einem nichts anderes übrig als einzuschlafen?
Es folgt eine kleine Gegenüberstellung.

Das Buch
Nach einem kurzen Vorwort der Autoren soll quasi der Countdown bis zum Zeitpunkt des Einschlafens starten. So ist das zweite Kapitel eine Auflistung von Dingen, die bereits schläfrig machen, wenn man nur daran denkt. Einige dieser Dinge, wie das "Zusehen, wie Farbe trocknet" können durchaus ermüden, andere hingegen haben mich unfassbar schmunzeln lassen, wie zum Beispiel das "Schneckenwettrennen". Dadurch, dass natürlich jeder Leser / jede Leserin andere Assoziationen mit den Begriffen verbindet, kann es also doch durchaus sein, dass sie eher in die spannende, witzige, unterhaltsame Richtung gehen und man vorerst eher etwas wacher ist.
Es folgen aber gerne mal Kapitel mit dem Titel "Die Verwaltungsbürokratie des byzantinischen Reichs" oder einer Doppelseite, in der man einen "Ausreißer" finden soll, sprich eines der vielen kleinen Bilder, die sich von dem Rest abheben. Ehrlich gesagt habe ich bis heute keines der Ausreißer finden können. Da stellt man sich die Frage, ob es ihn überhaupt gibt. Da hilft wohl nur weitersuchen. das führt aber eindeutig dazu, dass man sehr schnell, sehr schläfrig wird. Ein Punkt also für das Buch.
Auch wenn einige Kapitel (wie die oben genannte Verwaltungsbürokratie) sehr langweilig scheinen, bin ich jemand, der sich dennoch für so etwas begeistern kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich in jedem solcher Kapitel viele mögliche Quizfragen entdecke, sie mich an das bereits bekannte Buch "Unnützes Wissen" erinnern oder aber ich bin jemand, den langweilige Sachen einfach nicht zu stören scheinen.
Daher fand ich das Buch an sich auch nicht einschläfernd, sondern im Gegenteil recht unterhaltsam. Man merkt auch an vielen Stellen, dass das Buch genau das auch beabsichtigt, um nicht gänzlich als "verschwendet" angesehen zu werden. Oftmals schmunzelt man also, wenn besonders absurde Dinge erklärt werden oder sie nicht wirklich auf den Punkt zu kommen scheinen (wobei es für mich einfach nach hochgestochenen Wissenschaftstexten klang, die ja ebenfalls manchmal um sich selbst kreisen ohne etwas auszusagen).
Bei dem Buch ist es zudem natürlich sehr einfach, schnell mal etwas zu mogeln. Da überspringt man hier mal einen Absatz, da mal eine Seite und liest dann nur das, was einen tatsächlich interessiert, mit der eigenen "aufgeregten" Stimme im Kopf, die einen auch hier nicht sofort schlafen lässt. Ich muss aber durchaus zugeben, dass ich nach einigen Kapiteln, die ich pflichtbewusst hintereinander ohne Hektik gelesen habe, mehrfach gähnen musste.

"Untypische Erbsenschoten können zwischen zwei und zwanzig Erbsen enthalten" (aus dem Kapitel: Wie viele Erbsen enthält eine Schote?)

5 Lieblingskapitel aus dem Buch: 37 Namen für Schnee, Einige Sportstatistiken, Die belanglosesten Einträge in interessanten Tagebüchern, Eine kurze Geschichte der Sehprobentafel,  (absoluter Favorit, der gerne hätte länger sein können): Ein Katalog über widriger Wetterbedingungen in dem Roman Sturmhöhe von Emily Bronte

Das Hörbuch
Etwas anders sah es da mit dem Hörbuch aus. Hier fällt natürlich das Tricksen mit dem Vorblättern eher weg und auch die eigene Stimmlage, die sich durchaus spannender Stellen kann, als der Inhalt eigentlich ist, wird eliminiert.
Stattdessen liest uns der Schauspieler Bjarne Mädel in einer Gesamtlaufzeit von sage und schreibe 2 Stunden und 45 Minuten ausgewählte Kapitel vor. Und das in einer sehr schönen, monotonen, schläfrigen Tonlage.
Den zwei CDs liegt ein kleines Booklet bei, in dem man die Kapitel nachschauen kann und welches auch einige der Suchbilder aus dem Buch beinhaltet.

Ich bin ja persönlich kein großer Fan von Hörbüchern, weil ich sowieso immer abschweife und mich dann nicht mehr sonderlich auf den Inhalt konzentriere, aber dieses Hörbuch ist wirklich perfekt, wenn man einschlafen möchte. Die ersten paar Kapitel habe ich probehalber mit meinem Freund gehört, da er meist derjenige ist, der schon längst schläft, während ich hochinteressiert (und spät in die Nacht) die Fälle von Medical Detectives weitergucke.
Überraschenderweise kamen wir aber beide sehr schnell an den Punkt, an dem wir hätten direkt einschlafen können. Das liegt bei dem Hörbuch aber wirklich an der Kombination aus den sich oftmals langgezogenen, repetitiven und verschachtelten Sätzen einiger Kapitel und der sehr gelungenen Leseart von Bjarne Mädel. Ich musste an einigen Stellen aber ebenfalls schmunzeln, da man weiß, dass der Schauspieler auch herrlich ironisch sein kann und seine Erzählweise zu vielen selbstironischen Textpassagen passt. 

"'Rydw i´n diflannu' ist Walisisch für 'Ich schlummere ein'". (Aus dem Kapitel: "Schlaf: Ein kurzer Leitfaden für Reisende)

Was ist langweiliger? Ein kurzes Fazit
Beide Ausgabearten unterscheiden sich dahingehend, dass man beim Lesen des Buches, durch eigene Betonung und Versuche des Überspringens von Absätzen dazu tendiert, sich die interessantesten Dinge der langweiligen Inhalte herauszupicken. Wobei viele Fakten durchaus interessant und unterhaltsam sind, denn einiges kann man sich sicherlich als Quizwissen abspeichern.
Wer aber wirklich etwas zum Einschlafen sucht, derjenige/ diejenige wird im Buch selbst am schnellsten bei den Suchbildern fündig, ansonsten kommt er/ sie aber doch beim Hörbuch voll auf seine/ ihre Kosten. Hier beherrscht der Sprecher Bjarne Mädel das monotone Vorlesen so gut, dass man nicht lange braucht, um sich in den Schlaf zu hören. Ein kleines Lächeln zaubern dem Zuhörer/ Zuhörerin, dank kleiner ironischer Einschübe und des unterhaltsamen Untertons, aber beide Ausgabearten ins Gesicht.


Zu welcher Edition würdet ihr greifen? Buch oder Hörbuch? Interessieren euch die scheinbar langweiligen Fakten oder würdet ihr euch tatsächlich eher darüber freuen, wenn das Buch beim Einschlafen hilft?




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Idaho von Emily Ruskovich

September 15, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Idaho"/ 2017) Diana Verlag, Übersetzer/in: Stefanie Jacobs (aus dem Amerikanischen), ★★★★(★) 4,5 Sterne
"Ein flirrend heißer Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Eine Tochter ist tot, die zweite flieht in den Wald und verschwindet spurlos. Ist es Gnade, dass der Vater Jahre später langsam sein Gedächtnis verliert? Während Wade immer mehr vergisst, erkundet seine zweite Frau Ann tiefer und tiefer die Tragödie jenes heißen Augusttages und nimmt schließlich Kontakt zu seiner Exfrau im Gefängnis auf. "
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"Sie fragt ihn, warum er die Handschuhe im Schrank liegen ließ, anstatt sie zu tragen. Um den Geruch zu bewahren, sagte Wade.
            Was ist das für ein Geruch?
Der eines brennenden Mäusenests.
Der letzte Geruch im Haar seiner Tochter." 
S. 10

Emily Ruskovichs "Idaho" ist kein Roman, den man mal eben in kurzer Zeit weglesen kann, nicht wirklich etwas für Zwischendurch. Die Sprache fühlt sich oftmals wuchtig und schwer an, nimmt automatisch das Tempo raus, ringt einen zu Boden, genauso wie die bedrückenden Inhalte.
Wir werden durch sehr viele Rückblicke verschiedener Personen und Jahresangaben geleitet. Manchmal muss man zurückblättern und sehen, wie sich alles verbinden lässt, wann welches Ereignis auf das nächste folgte, denn Zeitsprünge sind hier keine Seltenheit. Alles ist zwar miteinander verwoben, aber an einigen Stellen kann man dies nicht auf den ersten Blick erkennen. Bei einigen Kapiteln scheint man sich sogar zu fragen, was sie mit der eigentlichen Erzählung gemeinsam haben, letztlich offenbaren sie aber eine ganz neue, mögliche Wahrheit, die nur zwischen den Zeilen existiert.

"Aber als sie sich weiter in die Geschichte hineinlas, fiel ihr auf, dass das nicht stimmte; das Wort 'Idaho' gab es in keiner Sprache. Es bedeutete nicht 'Juwel der berge', wie so viele Quellen behaupteten." S. 374
Obwohl man bereits zu Beginn den scheinbaren Ausgang, die Tragödie der Familie Mitchell erzählt bekommt, erfährt man auf den folgenden vierhundert Seiten immer mehr von den Schattenseiten, den Nuancen der Charaktere, ihrer Stärken und Schwächen. Was mich dabei besonders irritiert und im weiteren Verlauf begeistert hat, war die Art und Weise wie man an die Figuren herangeführt wird. Alle Personen, die an dem heißen Sommertag anwesend waren und den Tod einer Tochter der Familie mitbekommen haben, kommen nie selbst zu Wort. Wir lernen sie nur durch Menschen kennen, die ihnen irgendwie Nahe stehen zum Beispiel durch Wade Mitchells neue Frau oder die Zellengenossin von Jenny Mitchell. Lediglich einige Rückblicke der verstorbenen Tochter, May, werden erzählt. Die Mutter schweigt und der Vater, der Licht ins Dunkel bringen könnte, beginnt zu Vergessen.
Die Charaktere sind unterschiedlich, verfolgen aber bestimmte Ziele, offenbaren Sehnsüchte und Wünsche, aber nichts, wirklich gar nichts ist in diesem Roman geprägt von einem leichten und einfachen Leben. Immer schwingt eine kleine Wolke über einem und man erwartet zu jeder Zeit, dass es zu Regnen beginnt. Trauer ist in dieser Geschichte ein ständiger Begleiter - auch, wenn die Hoffnung an kleine Glücksmomente, wie ein schmaler Sonnenschein, durchzukommen versucht.
Für mich war es tatsächlich so, dass ich selbst über einige Strecken hinweg, während des Lesens, im Dunkeln getappt bin. Ich wusste mit vielen Dingen nichts anzufangen, einige Einschübe schienen mir irrelevant und doch beginnt der Roman sich nach dem Lesen weiterzuentfalten. Plötzlich scheinen aber gewisse Kapitel einem mehr Informationen zu geben, als zum vorherigen Zeitpunkt und man setzt sich alles, wie bei einem Puzzlestück zusammen. Was den einen aber vielleicht deprimieren, nicht zufriedenstellen könnte, ist die Tatsache, dass man nie eine wirkliche Auflösung zu bekommen scheint. Es gibt vieles, das nie gänzlich beantwortet wird und so bleibt der Leser irgendwie gefangen, in einem Zustand, der einem sagt, man könnte mit seiner Annahme genau richtig oder daneben legen. Vertraut man auf das, was der Text explizit verrät oder liest man lieber zwischen den Zeilen und sucht nach einer anderen Wahrheit?



Investiert man die nötige Zeit und Geduld in den Roman, entfaltet er sich zu einem kleinen Meisterwerk. Es gibt sehr vieles, das zwischen den Zeilen verborgen liegt oder liegen könnte und zieht den Leser / die Leserin in einen Strudel der Vergangenheit, der auch Böses offenbart. Eine Geschichte die zwischen Vergeltung und Vergebung schwankt und sich durch viele Perspektiven- und Zeitwechsel auszeichnet. Zwar verspürt man zwischendurch ein Gefühl der Anstrengung, was aber letztlich mehr als passend zum Inhalt des Romans erscheint, denn dadurch spürt man die Last, die auf allen Figuren zu liegen scheint.


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Der Store von Rob Hart

September 09, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Warehouse"/ 2019) Heyne Verlag, Übersetzer/in: Bernhard Kleinschmidt (aus demAmerikanischen), ★★★★(☆) 4,5 Sterne
"Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.
Paxton und Zinnia lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Paxton hat dort eine Anstellung als Security-Mann gefunden, nachdem sein Unternehmen ausgerechnet von Cloud zerstört wurde. Zinnia arbeitet in den Lagerhallen und sammelt Waren für den Versand ein. Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Bis eine schreckliche Entdeckung alles ändert."
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"Ja, Ihre Arbeit wird manchmal schwer sein oder Ihnen monoton vorkommen, dass verschweige ich nicht, aber Sie sollten nie vergessen, wie wichtig Sie für das große Ganze sind. Ohne Sie ist Cloud absolut nichts."  S. 47f.

Unfassbar, in welchen Sog mich das Buch gezogen hat. Mich faszinierte bereits zu Beginn grundsätzlich die Idee, auch wenn sie uns zum Beispiel durch Romane wie "The Circle" bekannt zu sein scheint. Nach den ersten Kapiteln gibt es vielleicht durchaus Parallelen, besonders was den Fortschritt der Technik angeht, aber der Roman schlägt doch einen etwas anderen Weg ein.
Schnell wird deutlich, dass ein sogenannter "Luxus" nur sehr wenigen zusteht. Die Städte sind heruntergekommen, Autos, Häuser, Wohnungen sind kaum bezahlbar. Einziger Lichtblick: Das Unternehmen namens "Cloud", denn er ist der weltweit größte Arbeitgeber. Gleichzeitig ist auch dort vieles aufgrund von Sparmaßnahmen (natürlich um den Profit des Unternehmens zu steigern) runtergekommen und alle Wohnungen der Mitarbeiter sind mehr als spärlich eingerichtet, Duschen und WCs gibt es nur im Flur als Sammelanlage. Dadurch entspinnt sich natürlich ein wunderbares Paradoxon, was in dem ganzen Roman hinüber aufrecht erhalten bleibt. Positive gegen negative Argumente für das Unternehmen. Mitarbeiteraussagen gegen die Aussagen des obersten Chefs. Und was ich besonders wichtig finde: Hier wird nicht nur die Schuld auf "den Store" abgewälzt, sondern es wird sich auch kritisch mit dem Konsumverhalten jedes Einzelnen auseinandergesetzt. Schließlich können solche Firmen nur wachsen, wenn sie von Kunden unterstützt und weiter gefördert werden.
Man muss zudem nicht lange darauf warten, dass sich die Verbindungen zum weltweit größten Onlinehändler unserer Zeit herstellen lassen. Rob Hart geht hier in einer gar nicht so unrealistischen Zukunftsvision noch einen Schritt weiter und skizziert einen Verlauf, der nicht nur Positives bereithält und ein besonderes Ausmaß der Abhängigkeit aufzeigt.

"Das Schlimmste ist, wir hätten es kommen sehen sollen. Jahrelang haben wir Geschichten darüber gelesen, Bücher wie Schöne neue Welt und 1984 und Fight Club. Die Geschichten darin haben wir verschlungen, aber die Botschaft ignoriert. Und jetzt kann man zwar alles auf der Welt bestellen, was schon am nächsten Tag geliefert wird, aber wenn man versucht, ein Exemplar von Fahrenheit 451 oder Der Report der Magd zu bestellen, dauert es Wochen, falls das Buch überhaupt ankommt. Das liegt daran, dass wir diese Geschichten nicht mehr lesen sollen. Man will nicht, dass wir auf bestimmte Ideen kommen. Ideen sind gefährlich." S. 415

Was ich an dem Roman zudem sehr mochte, war, der doch sehr detaillierte Prozess der Arbeitsabläufe der Protagonisten. Besonders bei den eintönigen Aufgaben konnte man sich gut vorstellen, wie schwierig, anstrengend, ermüdend und wenig erfüllend ein solches Leben sein muss. Ganz zu schweigen davon, dass man sich gleichzeitig die Verzweiflung der vielen Mitarbeiter vorstellt, die auf diese Arbeit dennoch angewiesen sind. Durch die strategische Erschöpfung der Menschen heißt das natürlich: wenig Widerstand. Auch die psychologischen Tricks mit denen das Unternehmen versucht alle in Schach zu halten, waren erschreckend. Größtmögliche Isolation von anderen, um Gruppenbildungen verhindern zu können oder wenig Freizeit sind da nur zwei Beispiele.
Insgesamt ist es wirklich (wieder ein Mal) ein deutliches Warnzeichen an uns alle. Hinterfragt euer Konsumverhalten, hinterfragt wen ihr mit euren Käufen unterstützt.
Erschreckend zu lesen waren auch einige sehr düstere Szenarien, die in Amerika wohl noch schneller stattfinden könnten, hier am Beispiel der Jagd auf Schnäppchen am "Black Friday" nahegelegt.

Grundsätzlich kam ich auch gut mit den Protagonisten und den Charakteren zurecht. Bei vielen weiß man schon worauf gewisse Anspielungen hinauslaufen werden, aber dennoch fand ich alles recht gut umgesetzt. Zinnia und Paxton bleiben zwar als Figuren immer etwas auf Distanz, weil nicht alles offen gelegt wird und wir nicht deren ganze Vergangenheit kennen lernen, aber auch hier fand ich gerade das interessant. Mir gefielen auch die vielen verschiedenen Kritikpunkte an der Gesellschaft insgesamt, die nicht nur Zukunftsdenken, sondern auch aktuelle Lage sind. Zum Beispiel wie die Machtstrukturen in Unternehmen aussehen und die "Förderung" von Diversität und Minderheiten eher wie Scheinprojekte für die reichen Weißen wirken.
Bei mir kam zudem ganz zum Schluss auch das Gefühl auf, dass das Ende so ausgelegt ist, als könnte man eventuell mit einer Fortsetzung rechnen. Sollte dies aber nicht der Fall sein, so lässt das Ende sehr viel Raum für Spekulationen und weitere Überlegungen, was ich ebenfalls recht geglückt fand.
Zwar gibt es hier und da einige Enthüllungen, aber diese verbinden sich jetzt nicht zu einem riesigen Schocker. Der Fokus lag für mich wirklich auf der Thematik selbst, nämlich, dass die endlose Gier und der Profit, der immer weiter erzielt werden soll, ein Ende finden muss, um den Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen zu können. Das beginnt aber damit, dass wir selbst diesen Konzernen nicht noch mehr Macht zukommen lassen und uns im schlimmsten Fall gänzlich von ihnen abhängig machen.



Fortsetzung folgt? Für mich ein Roman, der Spannung bis zum Schluss aufkommen lässt und man das Gefühl hat, dass die Geschichte eventuell noch weitererzählt werden könnte. Falls nicht, so bleibt man mit einigen Fragen zurück, die für viele Gedankenspiele sorgen. Es gibt Entwicklungen in der Handlung, die man vorausahnt, aber diese waren für mich eher zweitrangig. Ich mochte die Thematik selbst und den Appell an den Leser, es nicht zu so einer Zukunftsvision kommen zu lassen (soweit man es teilweise noch in der eigenen Hand hat). Die Protagonisten bleiben etwas distanziert, aber auch dies passte zur gesamten Stimmung des Buches, denn in vielen Teilen bestimmen gerade Monotonie und eine wenig individuelle Persönlichkeit das Unternehmen "Cloud". So war es ein ständiges Spiel zwischen Widerstand und Vereinnahmung der Figuren durch deren Arbeitgeber, immer mit der Frage im Hinterkopf: Wo würde man selbst stehen?



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Neu auf "Lesestunden": Meine schönsten Bücher

September 06, 2019




“A book, too, can be a star, a living fire to lighten the darkness, leading out into the expanding universe.”  - Madeleine L'Engle


Wie Madeleine L´Engle im obigen Zitat schon sagte, können Bücher mit ihrem Inhalt zu einem Licht werden, das die Dunkelheit entfacht und uns Dank der Botschaft für immer im Gedächtnis bleiben.
Es gibt zudem aber auch Bücher, die uns auch aufgrund ihrer äußeren oder allgemein liebevollen Gestaltung ein Funkeln in die Augen zaubern. 

Tobi von Lesestunden hat genau diese Eigenschaft von Büchern zum Anlass genommen und eine neue Beitragsreihe gestartet. Sie heißt: "Meine schönsten Bücher" und bittet Buchblogger und Buchmenschen darum, ihre schönsten Exemplare zu zeigen. Mir war es eine große Ehre ebenfalls einen Beitrag für die Reihe verfassen zu dürfen. Danke an dieser Stelle noch einmal für die Anfrage, lieber Tobi!
Wer von schönen, deutschsprachigen Ausgaben ebenfalls nicht genug bekommen kann und seine Sammlung mal wieder erweitern möchte, der sollte unbedingt mal bei Lesestunden vorbeischauen! Man findet dort auch abseits der neuen Reihe sehr viele schöne (und qualitativ hochwertige) Bücher zu entdecken, die inhaltlich und äußerlich überzeugen.

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August: Zwischen Feierlaunen und Nachtschichten

September 05, 2019



Auch diesen Monat dominiert die Abschlussarbeit alle Nächte. Da ich immer das Gefühl habe, dass ich die Tage sonst verschwende, haben sich meine Motivation und meine Schreibintensität nämlich in die Abend- und Nachtstunden verabschiedet. 
Das hieß aber gleichzeitig, dass ich den Geburtstag einigermaßen gut genießen konnte und mich nicht (ständig) das schlechte Gewissen plagte. Ende des Monats ging es dann noch auf eine Hochzeit, die ebenfalls gebührend gefeiert werden wollte. 
Überraschenderweise sammelten sich dennoch einige Bücher bei mir an, die ich im August beendet habe. Auch so ein Phänomen: Je weniger Zeit man eigentlich hat, desto mehr scheint man in anderen Bereichen zu schaffen. Ich hoffe, dass es sich nicht am Ende irgendwie rächen wird. 

Mit den Geschichten war ich grundsätzlich ganz zufrieden, auch wenn mir bei den meisten, genauso viele Dinge daran gefallen haben, wie sie mir missfallen sind. Dennoch gab es überwiegend eine Bewertung, die knapp über dem Durchschnitt lag.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "The Guest Cat" von Hiraide hat mich nicht vollkommen überzeugt, auch wenn mich viele Passagen und angedeutete Geschehnisse zum Nachdenken gebracht haben. Im Nachhinein habe ich die Erzählung besser in Erinnerung, als ich sie bewertet habe, kann aber auch daran liegen, dass ich unterbewusst einfach die "langweiligen" Stellen schon mal eliminiert habe.
  • "Instructions for a Heatwave" von Maggie O´Farrell: Zu Beginn des Monats gelesen. Hier ist aber noch ein separater Beitrag geplant, daher habe ich mir eine einzelne Rezension zunächst vorbehalten. Dazu also bald mehr.
  • Eines meiner Lieblingsbücher diesen Monat war "Tagebuch eines Buchhändlers" von Shaun Bythell. Hier liegt es tatsächlich stark an dem eigenen Geschmack, ob man seinen Humor, Sarkasmus und seine Ironie mag, mir hat es aber in Kombination mit den Begegnungen der Kunden gut gefallen. Vielleicht mochte ich es aber auch deshalb, weil ich die Vorstellung, eine Buchhandlung / ein Antiquariat zu besitzen und ständig (beim Ankauf der Bücher) neue Schätze entdecken zu können, wahnsinnig spannend und schön finde. Zwischen lustigen Situationen und unverschämten Konversationen ist alles dabei. 
  • Mein zweites Retelling von Gregory Maguire, namens "After Alice" habe ich durch die vielen Verbindungen zum Original gerne gelesen, aber es gab mir hier und da doch einige Kapitel die eher uninteressant wirkten und die nicht ganz ausgereift schienen. Im Sinne, dass zu viel reingebracht werden wollte und einige Aspekte auf der Strecke zu bleiben schienen.
  • "Give Me Your Heart" von Joyce Carol Oates hat mich diesen Monat vollkommen in den Bann gezogen und mir erst recht gezeigt, dass ich nun weitere Texte von ihr lesen möchte. Mal sehen, wozu ich als nächstes greifen werde...
  • Die Geschichte des Protagonisten aus Anne Griffins "Ein Leben und eine Nacht" fand ich ebenfalls geglückt und habe sie grundsätzlich gerne gelesen. Mich konnte nur leider die Umsetzung einiger Gedanken und vor allem die Umsetzung des Endes nicht überzeugen. Hier sind mir ernste Themen zu weich gespült worden und die Intensität dessen was geschieht scheint nicht problematisch genug gesehen zu werden.
  • "Lichter auf dem Meer" von Miquel Reina: Bei diesem Roman fand ich die Idee und die Botschaft wunderbar, doch leider sagte mir der Stil der Dialoge weniger zu. Es klang oftmals sehr klischeebehaften und schon oft gehört. Da hätte ich mir gewünscht, dass sich diese einzigartige Geschichte auch sprachlich etwas abhebt. Wer darauf aber nicht so viel wert legt und damit gut zurecht kommt, dem kann ich die Geschichte empfehlen. Es geht um die Trauer, die uns manchmal zu erdrücken scheint und wie man sie überwinden kann.
  • Mein letztes Buch für diesen Monat war "Nordwasser" von Ian McGuire. Blutig, brutal und sicherlich nicht beschönigend. Enthält durchaus viele gute Aspekte und auch die Spannung bleibt bis zum Schluss vorhanden, da man wissen möchte, welche Geheimnisse es noch zu lüften gilt, für mich war es manchmal doch etwas zu blutig und die zu Beginn verwendeten rassistischen Begriffe hätten wirklich überhaupt nicht sein müssen. Mir gefiel aber der Fokus auf die Abscheulichkeiten, die der Mensch im Stande ist zu begehen und die Kritik an dem Egoismus. Da wird einem nicht nur aufgrund der nordischen Umgebung eiskalt.


Habt ihr eines der Bücher gelesen? Gab es in eurem Lesemonat ein Highlight?



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Nordwasser von Ian McGuire

September 03, 2019


Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The North Water"/ 2016) Goldmann Verlag, Übersetzer/in: Joachim Körber (aus dem Englischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Maschinist auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das im Jahr 1856 von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben. Er ahnt nicht, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . ."
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"'Schweine grunzen, Enten quaken, Menschen lügen, so läuft das für gewöhnlich." S. 161

Zu aller erst: Der Roman ist nichts für schwache Nerven. Die Sprache ist vulgär, brutal, ziemlich blutig und thematisiert auch Vergewaltigung. Es werden die verschiedensten Aufspießungen und Häutungen beschrieben, die an Robben oder Eisbären vorgenommen werden, sodass jemand, der damit nicht gut zurechtkommt, hier seine Schwierigkeiten haben könnte.
Für mich persönlich war die Wortwahl manchmal zu derb, auch wenn ich verstehe, dass sie natürlich der Gruppendynamik und den damaligen Umständen geschuldet ist. An einigen Stellen konnte ich darüber noch hinwegsehen, aber die rassistischen Begriffe, die besonders im ersten Kapitel gefallen sind, finde ich einfach mehr als unpassend. Sie sollten nicht verwendet werden, auch wenn man denkt, dass sie zur damaligen Zeit passen. Gerade heute finde ich es wichtig da entgegenzuwirken.

Als ich vor dem Klappentext diese Zusammenfassung gelesen habe: "Das Schicksal einer Gruppe von Walfängern zwischen Eis, Blut und den Schrecken der Finsternis", musste ich (natürlich) sofort an Moby Dick denken. Umso gelungener fand ich den ersten Satz des Romans, der wie folgt lautet: "Sehet den Menschen." Kurz und knapp, Identitätslos, verallgemeinernd und auf eine Figur bezogen, die wir erst am Ende des Kapitels namentlich kennenlernen. Ein deutlicher Unterschied zu Melvilles "Call me Ishmael". Und doch passt dieser Kontrast sehr gut, besonders wenn man ihn den ganzen Roman über im Kopf behält.
Hier geht es nämlich grundsätzlich um die dunklen Seiten der Menschen. Und man wird mit der Frage konfrontiert, ob es überhaupt irgendjemanden in dieser Geschichte gibt, der nichts zu verbergen hat, der seine Identität (namentlich) gänzlich offenlegen kann.

"Er ist ein Drecksack und Schläger, aber das gilt für die Hälfte aller Männer an Bord. Wenn sie sanftmütige und zivilisierte Menschen suchen, Sumner, ist der Walfang vor Grönland nicht der geeignete Ort dafür." S. 127

Die Spirale, in die man als Leser / Leserin gezogen wird, fand ich durchaus geglückt. Zwar beginnt der Roman schon mit einer grausamen Tat, aber die Spannung und vor allem die Anspannung, die man am Anfang hatte, bleibt bestehen. An einigen Stellen ertappte ich mich dabei, wie ich die Augen weit aufgerissen habe, weil es nie aufhört, dass man sich von der Grausamkeit nicht überrumpelt fühlt. Hier kann man durchaus diskutieren, ob es eine geglückte und ehrliche Darstellung der menschlichen Abgründe ist oder ob es schon an der Grenze zum Übertriebenen ist.
Die angedeutete Dynamik zwischen den Figuren Drax und Sumner ist aber durchaus gelungen. Sumner, der sich eher bedeckt hält und einen Hang zum Lesen der Ilias hat und Drax, der nach und nach zum Mittelpunkt allen Geschehens zu werden scheint. So bleibt es auch eher eine Geschichte, die zwar auf dem Eismeer stattfindet und Wale, Robben, Eisbären (der Eisbär wird zu einem wichtigen Motiv!) erwähnt, aber es bleibt eine Geschichte, die sich auf den Menschen und seine eigenen egoistischen Interessen konzentriert.
Während des Lesens fielen mir zudem so viele interessante Aspekte auf, die man sicherlich noch näher analysieren und einen Kontext bringen könnte, aber leider habe ich auch hier meist nur noch die ganzen blutigen Passagen im Kopf, die alles zu übertönen scheinen. Daher bleibe ich bei diesem Roman mit einem sehr gemischten Gefühl zurück.


Der Roman, rund um den Arzt Patrick Sumner auf einem Walfangschiff, hat durchaus viele Spannungs- und Enthüllungsmomente, aber er ist gleichzeitig auch sehr brutal und weist oft eine vulgäre Sprache auf. Für mich war es, trotz der Umstände / Zeit / Gruppe einfach manchmal zu viel. Ich kann aber nicht leugnen, dass ich bis zum Schluss auf die Auflösung des Ganzen gespannt war. Ebenso gefielen mir die Kritik an gewissen menschlichen Verhaltensweisen und der damit zusammenhängenden Bestechlichkeit.

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Lichter auf dem Meer von Miquel Reina

August 28, 2019




Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Luces el en mar"/ 2018) Penguin Verlag, Übersetzer/in: Anja Rüdiger (aus dem Spanischen), ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
"Harold und Mary Grapes verbindet eine große Liebe, doch der Tod ihres Sohnes hat sie den Glauben an das Schöne im Leben verlieren lassen. Nur ihr kleines, auf einem Felsen hoch über dem Meer gelegenes Holzhaus bereitet ihnen noch Freude, aber nun sollen sie es verlassen. In der Nacht vor dem gefürchteten Umzug ins Altersheim schlägt das Schicksal plötzlich noch einmal zu: Ein heftiges Unwetter fegt das Haus ins Meer und schickt das tief schlafende Ehepaar auf eine außergewöhnliche Reise. Eine Reise, die sie bis hoch in den Norden führt, wo die Toten sich in Polarlichter verwandeln und ein Zuhause nicht aus vier Wänden besteht, sondern aus geliebten Menschen. Einer Reise, von der Harold und Mary plötzlich gar nicht mehr wollen, dass sie endet …"
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"'Wenn wir Antworten haben wollen, müssen wir danach suchen' , meinte Harold und hielt ihr die Hand hin." S. 59

Mit "Lichter auf dem Meer" hat es Miquel Reina definitiv geschafft, mich bezüglich einiger Aspekte in den Bann zu ziehen. Allein die Idee der Geschichte, dass das Ehepaar Grape mit dem eigenen Haus auf dem offene Meer treibt und sich verschiedenen, gefährlichen Situationen stellen muss, sorgt für ein ganz besonderes Gefühl beim Lesen.
So wie Reina die Situation und das Haus beschreibt, kann man es sich wunderbar bildlich vorstellen. Alle Einzelheiten, die den Grapes dabei wichtig sind, die symbolisch für etwas stehen, werden stets gelungen in den Vordergrund gerückt. Leider hatte ich dennoch an vielen Stellen das Gefühl, dass einige Dinge unnötig in die Länge gezogen wurden. Das lag größtenteils an Beschreibungen, die sehr detailliert waren und sich zum Beispiel, ganz zu Beginn des Abenteuers, auf handwerkliche Maßnahmen beziehen. An anderen Stellen ging es thematisch nicht um Handwerkliches, aber auch da schien mir vieles zu oft wiederholt worden zu sein, ohne, dass es wirklich relevant gewesen ist. Es gab aber durchaus auch schöne Wiederholungen, welche die Aussage des Romans gut unterstützt haben und die hier tatsächlich einen besonderen Wert für die Geschichte dargestellen. So greift die Geschichte zum Beispiel gut auf, dass wir uns viel zu oft von materiellen Besitztümern und Habseligkeiten beherrschen lassen und uns die Voranschreitung einer solch materialistischen Gesellschaft nicht glücklicher macht als andere Menschengruppen, die "primitiver" leben.

"'Das ganze Leben ist eine Reise' , erklärte Aga. 'Wir reisen von einem Ort zum anderen, weil es das ist, was einen Fisch von einem Stein unterscheidet, die Bewegung von der Starre, das Licht von der Dunkelheit, das Leben vom Tod." S. 275

Grundsätzlich finde ich die Geschichte und die Ausarbeitung der Handlung recht geglückt. Was dabei ganz besonders zum Vorschein kommt, ist die Bitte an den Leser, offen gegenüber unrealistischen Zufällen und Gegebenheiten zu sein. Die Figuren selbst verweisen zwar darauf, dass sie selbst an vielen Dingen zweifeln die ihnen zustoßen, aber hinter allem schwingt auch die Überlegung, dass man sich einfach auf das Geschriebene einlassen soll. 
Mir gefielen die emotionalen Aspekte, die Kämpfe, die das Ehepaar untereinander, aber auch jeder für sich selbst auszutragen hat. Besonders zum Ende hin wird es meiner Meinung nach, von der Qualität der Kernaussage des Romans und auch der eigentlichen Äußerungen der Figuren, noch einmal deutlich gefühlvoller und anspruchsvoller. Hier entfaltet sich eine, auch für den Leser, wichtige Lektion, die er mitnehmen kann, falls ähnliche Situationen in seinem Leben zu verarbeiten sind. Das ist gezielt bezogen auf den Verlust eines geliebten Menschen, hier eben auf den im Klappentext erwähnten Verlust des Sohnes der Grapes und der damit verbundenen Trauer. 
Auch wenn der Roman den Leser daher gezielt mit Ängsten, dem Verlust und der Trauer konfrontiert, ist der Roman voller Zuversicht und motivierenden Aussagen. 
Was mich jedoch sehr oft unzufrieden zurückgelassen hat, war die recht einfache Dialogführung, welche wie gesagt, zum Ende hin noch einmal besser wurde. An vielen Stellen jedoch klang vieles sehr stereotypisch, nach Unterhaltungen, die man schon hunderte von Malen gelesen hatte und die dadurch ihre Wirkung verlieren, weil sie wie bekannte Floskeln á la "Wie geht´s?" "Gut und dir?" oder "Du musst an dich glauben" wirken. Das ist etwas, was ich sehr schade finde, weil der Roman selbst und die Idee sehr viel Potential haben und in vielen Bereichen auch angemessen umgesetzt wurden.


Nach dem Lesen bleibt mir vor allem das Bild des schwimmenden Hauses in Erinnerung und die damit verbundene, für mich, sehr spezielle und interessante Idee des Romans. Die Grapes schließt man sehr schnell in sein Herz und auch das Abenteuer selbst bleibt präsent. Mir gefielen die meisten Umsetzungen und auch symbolischen Spielereien, die dem Roman etwas Besonderes entlocken. Zum Ende hin wird es natürlich noch einmal besonders gefühlvoll. Leider sind mir gewisse zu lang wirkende Passagen nicht ganz stimmig erschienen und auch die Dialoge fand ich in vielen Teilen einfach stilistisch zu schwach. Vieles wirkte dadurch, trotz der neuen, eigenständigen Idee des Romans, wie ein schon sehr oft gehörtes Gespräch, das seinen Glanz verloren hat, was der Geschichte nicht gerecht wird.



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Kleine Geburtstagsneuzugänge mit großer Wirkung

August 26, 2019




Der 23. August kam, ließ mich wieder ein Jahr älter werden und ging dann mit einer großen buchigen Überraschung, für die meine Schwester und mein Schwager gesorgt haben.

Neben einigen Büchergutscheinen, die ich geschenkt bekommen habe, um meine eigene Wunschliste abarbeiten zu können, wurde ich noch mit drei Büchern überrascht, die von meiner Familie selbst ausgesucht wurden. Ich wiederhole mich meist, aber ich finde es immer so schön, wenn ich Bücher geschenkt bekomme mit denen ich gar nicht rechne. Meine Schwester kennt mich einfach so gut, dass sie zudem bei der Auswahl der Lektüre bisher nie falsch lag. Dadurch entdecke ich gleichzeitig Bücher, die ich sonst weniger im Blickfeld hatte.
  • So zum Beispiel auch Christina Henrys "Lost Boy". Es handelt sich hierbei um eine abgewandelte Geschichte rund um Peter Pan. Der Klappentext erinnert mich stark an "The Song of the Achilles", was ich sehr mochte. Ich bin daher zuversichtlich, dass mir dieses Buch auch gefallen wird. Mir ist zudem später bewusst geworden, warum mit der Name der Autorin zu bekannt vorkam. Ihr anderes Retelling "The Mermaid" hatte ich auch auf meine Wunschliste gesetzt. Und beim Stöbern entdeckte ich dann noch weitere Bücher, die sich zu dieser Reihe gesellen unter anderem auch eine separate Reihe rund um Alice´s Adventures in Wonderland. Na da kann mir der Lesestoff nun wirklich erst mal nicht mehr ausgehen...
  • Das zweite Buch, das ich auspacken durfte war "Das Labyrinth des Fauns" von Cornelia Funke und Guillermo del Toro. Ich habe so lange überlegt, ob ich es mir kaufen soll oder nicht, habe mich aber vorerst davon abgehalten, weil ich den Film noch gar nicht kenne (ich weiß, das muss ich unbedingt nachholen). Umso mehr freue ich mich nun, dass das Buch auf diesem Weg bei mir eingezogen ist. Es wird, glaube ich, auch nicht lange ungelesen bleiben. Die Aufmachung und die Illustrationen, die ich so beim Durchblättern entdeckt habe sind einfach wahnsinnig geglückt!
  • Bei "Norse Mythology" von Neil Gaiman habe ich dann BUCHSTÄBLICH. GEWEINT.  Es lag nicht nur daran, dass es ein Buch meines Lieblingsautors ist und ich es noch nicht besaß, sondern es war eine SIGNIERTE EDITION. Leute, SIGNIERT! Bei mir sind quasi alle Sicherungen durchgebrannt. Dabei habe ich nicht wirklich aufgrund dieser einen Unterschrift geweint, sondern darum, weil meine Schwester und mein Schwager sich die Mühe gemacht haben dieses Buch irgendwie aufzutreiben. Ich weiß nicht, ob sie wissen, was mir diese Geste bedeutet hat, aber ich hoffe sie tun es! Sie haben damit einer kleinen buchverrückten Frau (mit 28. Jahren kann man das ja mittlerweile von sich sagen) eine wirklich, wirklich große Freude gemacht. Jetzt muss ich nur überlegen, wie ich mich dafür revanchieren kann...

Kennt ihr eines der Bücher? Habt ihr vielleicht schon Christina Henrys Retelling gelesen und könnt sie empfehlen / eher nicht empfehlen?



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Ein Leben und eine Nacht von Anne Griffin

August 24, 2019




Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "When all is said"/ 2019) Rowohlt - Kindler Verlag, Übersetzer/in: Martin Ruben Becker, ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
"In einer irischen Kleinstadt sitzt Maurice Hannigan, 84 Jahre alt, an einer Hotelbar und blickt auf sein Leben zurück. Dies ist keine gewöhnliche Nacht. Fünf Mal wird er im Lauf des Abends sein Glas erheben, um auf die Menschen anzustoßen, die ihm am meisten bedeutet haben.
Der Mann, der seinen Gefühlen kaum Ausdruck verleihen konnte, erzählt in dieser Nacht von Momenten der Freude und des Zweifels, von verpassten Chancen und der Tragödie seines Lebens, die er vor allen verborgen hielt...
Ein Roman über Liebe und Verlust. Traurig und tröstend zugleich hallt die Stimme seines Helden noch lange nach."
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"Dieses 'hätt ich doch bloß' bedrängte mich am Tag und raubte mir den Schlaf des Nachts. Raubte mir auch den Atem und verfolgte mich bis in meine Träume hinein." S. 109

Dieses Buch letztlich zu bewerten, war für mich schwieriger als gedacht. Die Schwierigkeit lag darin, das Gefühl, dass ich das Buch eigentlich gerne gelesen habe und meine doch kritische Meinung bezüglich des Endes in Einklang zu bringen.
Aber fangen wir einmal vorne an. Wie wir schon aus der Inhaltsangabe entnehmen, lernen wir den Protagonisten Maurice kennen, den Erzähler der Geschichte, seiner Geschichte. An diesem Abend möchte er auf sein Leben zurückblicken und sich anhand von fünf Trinksprüchen, an fünf Personen seines Lebens erinnern, ebenso wie an die damit verbundenen (teilweise schwerwiegenden) Ereignisse.
Immer im Fokus: eine alte Goldmünze, die das Schicksal des Erzählers in vielen Fällen scheinbar gelenkt hat. Die Verknüpfung der Geschichten mit der Goldmünze fand ich tatsächlich geglückt. Man erfährt Schritt für Schritt mehr über sie und ihre Auswirkung auf die Zukunft, ohne, dass es jedoch absurd oder überladen wirkt.
Der Leser wird in einer Nacht durch ein ganzes Leben geführt. Ein Leben voller Aufgaben, Leid, Trauer, Schmerz, aber auch Liebe, Freude, Glück und der Frage nach den Fehlern, die man im eigenen Leben begangen und eventuell vermeiden hätte können. Somit wird man automatisch mit der Frage konfrontiert, ob man dem Protagonisten in seinen Handlungen, Überlegungen und Ansichten zustimmt oder nicht. Würde man wie er handeln? Würde man alles anders machen? Oder ist es schlichtweg unmöglich sich ein Urteil zu fällen, da jeder der genannten Personen seine eigenen Laster mit sich trägt?

"Es ist etwas Schreckliches, Zeuge davon zu werden, wie die eigene Mutter weint. Man kann nichts mehr heilen, nichts flicken, kein Pflaster darauf kleben. Es ist qualvoll. Ich wollte mir den Schmerz herausreißen." S. 77

Während der Rückblicke konnte ich im Großen und Ganzen immer eine Verbindung zwischen Maurice und den genannten Figuren herauslesen. Mir fehlte es daher nicht an Emotionen, zumal viele Reaktionen, zum Beispiel auf Verluste eines geliebten Menschen, recht realistisch dargestellt werden und man merkt, dass sich der Protagonist anhand dessen auch versucht ein wenig selbst zu analysieren. Wie hätte er ein besseres Elternteil oder besserer Ehemann sein können, wenn ihm vielleicht die Vorbilder gefehlt haben? Man fühlt daher mit ihm mit, kritisiert ihn aber auch genauso oft für gewisse Dinge, was er selbst aber auch beabsichtigen möchte. Leider fand ich, so gut es sicher gemeint war und es auch ab und an durch Sadie, Maurices Ehefrau angemerkt wurde, dass einige Ausdrücke in Bezug auf Noreen, Sadies Schwester, unglücklich gewählt waren. Hier hätte ich mir eine kritische Behandlung des Themas gewünscht, wenn es schon an den Leser herangetragen wird.
Für mich war es spannend zu sehen, dass ich das Geschriebene schnell gelesen habe, was heißen soll, dass man sich nicht lange mit dem Text selbst befasst. Man hat den Eindruck, als könnte man es schnell "weg lesen". Allerdings haben es manche Aussagen und Situationen doch in sich. Es geht um schwere Familienkrisen, Streitereien, Lügen, Vorwürfe, an denen manche zerbrechen und auch um Überlegungen des Suizids. Das sollte man durchaus wissen, wenn man zu dem Buch greift. Auch wenn es anfangs und auch zwischendurch locker wirkt, sind die Inhalt für manche wahrscheinlich nicht so leicht zu ertragen und zu lesen.
Was mich auch zu dem Zwiespalt bringt, mit dem ich dem Buch gegenüberstehe. Einige Lösungen und Überlegungen hinsichtlich der Figuren fand ich etwas zu "freudig" dafür, was es wirklich bedeutet. Es werden positive Dinge mit Handlungen assoziiert, die, wenn man wirklich darüber nachdenkt, nicht nur für die ausführende Person problematisch sind, sondern auch für diejenigen, die ebenfalls dadurch in ihrem Leben eine erneute, wahrscheinlich negative, Entwicklung verbinden. So sehr ich eigentlich schätze, dass sich das Buch mit den schwierigen Seiten des Lebens befasst und Fragen hinsichtlich der jungen Fehltritte im Leben, wie auch der Schwierigkeiten im Alter - überwiegend Einsamkeit - aufwirft, konnte ich mich mit einigen Umsetzungen und den damit verbundenen, ausgelösten Gefühlen und Gedanken, nicht immer anfreunden.


Hat durchaus gute Überlegungen hinsichtlich der Fehler, die man sich im eigenen Leben vergeben wollen würde und dem Versuch, mit ihnen abzuschließen. Die Verbindung zwischen der zu Beginn genannten Goldmünze und der Familiengeschichte des Protagonisten fand ich geglückt, da alles stimmig schien und auch die Rückblicke selbst haben emotionale Kapitel vorzuweisen. Auch die angesprochenen Themen rund um das Altwerden an sich und die damit oftmals eintretende Einsamkeit finden hier gute Ansätze. Leider konnte mich das Buch durch gewisse Lenkungen hinsichtlich des Endes nicht überzeugen. Da sind mir doch zu wichtige Themen, mit zu einfachen, scheinbar glücklichen Lösungen ausgegeben worden. Zwar soll dies den Leser am Ende noch einmal besonders in gefühlvolle Emotionslagen versetzen, ich hingegen blieb mit der Frage zurück, ob diese Sichtweise nicht viel zu problematisch ist. So gerne ich Maurice an dem Bartisch auch zugehört (und seinen Schmerz, wie auch seine Freuden mitgefühlt) habe, konnte ich nicht allen Umsetzungen der Geschichte etwas abgewinnen.



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