Liebe in der Nacht von F. Scott Fitzgerald

Mai 20, 2019




(Original: verschiedene Titel, da einzeln erschienen/ 1920-1949) Diogenes (2015), Übersetzer/in: Melanie Walz, Christa Schünke, Bettina Abarbanell & pociao (aus dem Amerikanischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
Erzählband mit sieben Erzählungen des Autors F. Scott Fitzgerald, die sich alle mit dem Thema der Liebe auseinandersetzen.

MEINE MEINUNG / FAZIT

"Verzweifelt spürte er, dass sich die ganze Welt der Schönheit über ihn ergoss wie Mondschein, dass sie ihn erdrückte, seinen Atem in ein Seufzen verwandelte und im nächsten Augenblick stocken ließ, während er hilflos in einem Übermaß an Jugend feststeckte, für die unzählige Erwachsene Jahre ihres Lebens gegeben hätten." S. 167

Der Titel dieses Erzählbandes "Liebe in der Nacht" ist durchaus sehr passend. Die sieben Geschichten, die der Leser hier vorfindet, greifen allesamt das Thema der Liebe auf. Und diese Liebe wird stets mit dem Gedanken des sozialen und finanziellen Wohlstands betrachtet. Eine Dynamik, die man auch bei Fitzgeralds wohl bekanntesten Roman "The Great Gatsby" (dt. "Der große Gatsby") findet. 
Demnach sind es keine ganz üblichen Liebesgeschichten, die von einer glücklichen Beziehung ohne Hindernisse  erzählen, sondern ihnen steht immer die Frage der "Vorteile" gegenüber. Die Figuren sehen sich nach Personen, hinterfragen aber die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, wundern sich, ob das eigene Ansehen unter einer Beziehung leiden würde und kommen je nach Überlegung zu einem anderen Ergebnis. 
Alle Erzählungen haben dabei das irgendwie typisch Träumerische, den Wunsch nach dem einfach zu erreichbarem Glück und dem Streben nach der eigenen Zufriedenheit mit sich selbst.

"'Oh, ich bin durch die Hölle gegangen, mehr als einmal, ohne zu jammern - und die weibliche Hölle ist tödlicher als die männliche.'" S.87

Ich persönlich fand, dass jede Erzählung für sich dennoch etwas sehr Eigenes hatte, sich aber gut an die anderen Geschichten angepasst hat, sodass eine schöne Sammlung herausgekommen ist. Ebenso bin ich davon angetan, dass Fitzgerald die Gesellschaft oft (auch stark) für ihr Verhalten und ihre Oberflächlichkeit kritisiert und sie auch mit scharfer Ironie auf die Schippe nimmt. 
Was ich jedoch absolut nicht verstehen konnte und was mir die Erzählungen an vielen Stellen in schlechter Erinnerung behalten lassen hat, war, die Entscheidung des Verlags, gewisse rassistische Wörter beizubehalten. Ob aus Gründen der Authentizität oder der getreuen Abbildung des Originals, das weiß ich nicht genau, aber da das Buch hier im Jahr 2015 erschien, hätte ich mir da eine deutlich überarbeitete Version gewünscht. Den Erzählungen hätte es zumindest keine große, bedeutende Veränderung gebracht, wenn diese Wortwahl durch nicht rassistische Wörter erneuert oder ergänzt worden wäre. Das fand ich tatsächlich sehr schade.

"Als er zu ihnen emporsah, begriff er, dass es seine Sterne waren, wie immer - Symbole für Ehrgeiz, Kampf und Ruhm. Der Wind wehte durch sie hindurch und stieß jenen hohen Fanfarenton aus, auf den er immer horchte. Die ausgedünnten Wolken zogen in einer Parade vorbei, bereit zum Gefecht. Die Szene war von beispiellos herrlicher Pracht, und nur das geübte Auge des Befehlshabers bemerkte den einen Stern, der jetzt fehlte." S.191


Ein Erzählband mit sieben Geschichten eines der berühmtesten Autoren der Zwanziger Jahre, welche das Thema der Liebe und des gesellschaftlichen Status in den Fokus setzen. Träumerisch, verspielt, romantisch und immer mit einer gewissen Portion Ironie und Augenzwinkern. Auch wenn einige Geschichten vor Sehnsüchten und Liebesbeziehungen triefen, wird die Oberschicht kritisch beäugt, was den Erzählungen mehrere Schichten und Tiefen ermöglicht. Daher grundsätzlich gelungene Sammlung. Lediglich die vom Verlag beibehaltenen rassistischen Wörter (wohl aus Originaltreue?) haben den positiven Eindruck geschmälert.


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Der Riss von Hye-Young Pyun

Mai 14, 2019


Werbung ~ Rezensionsexemplar (engl. Titel: "The Hole"/ 2016) btb (2019), Übersetzer/in: Ki-Hyang-Lee (aus dem Koreanischen), ★★★★(★) 4,5 Sterne

"Kann das Leben einen so tiefen Riss bekommen, dass man durch ihn hinabstürzt und darin verschwindet? Ein so kafkaesker wie hypnotisierender Roman von den verstörenden Rissen, die Einsamkeit, Schuld und Entwurzelung im Leben hinterlassen können."

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Das haben sie wirklich hervorragend gemacht. Jetzt heißt es, alle Kraft zusammennehmen. Haben sie mich verstanden? Der Kampf geht jetzt erst los. Dabei spielt ihre mentale Stärke die entscheidende Rolle." S.8f.

Für mich hat sich die Schriftstellerin Hye-Young-Pyun mit diesem Roman definitiv einen Favoritenplatz erkämpft. 
Anfangs schon erschütternd, durch das einschneidende Erlebnis, das der Protagonist Ogi zu verantworten hat, steigert sich die Geschichte immer mehr zu einem packenden, sehr intensiven und sehr psychologisch fixierten Roman, der mich schlichtweg beeindruckt hat. Auf den knapp zweihundertundzwanzig Seiten durchlebt man zudem eine so facettenreiche Emotionspalette, dass man das Gefühl hat, man lese ein Familienepos. Es erdrückt einen nur so weit (und das ist recht positiv gemeint), dass man sich sehr stark in die verschiedenen Perspektiven der Figuren einfühlt, lässt einem aber dennoch genug Distanz, um nicht nur einem Charakter zu vertrauen.
Hoffnung, Trauer, Wut, Gleichgültigkeit, Liebe und Rache sind dabei abwechselnd zentrale Gefühle, die einerseits die Handlung beeinflussen und andererseits die psychologischen "Spielchen" erklären. Für mich hatte der Roman zudem etwas Thriller-haftes. Die Handlung nimmt ein Ausmaß an, bei dem man förmlich die Luft anhält, weil man beginnt, einige Befürchtungen wahrzunehmen, die dem Ganzen eine Spannung entlocken.

"Damals wollten sie sogar die Lampe im Schlafzimmer brennen lassen, auch wenn sie sich die ganze Nacht im Bett wälzen würden, weil sie keinen Schlaf fanden. Als Ogi mitten in der Nacht aufwachte, waren alle Lichter aus.
       Wann war all das Licht erloschen?“ S.28

Erstaunlich dabei ist, dass der Protagonist in seiner aktuellen Lage nicht viel macht. Er lässt sein Leben in Gedankenfetzen Revue passieren. Was wird ihm nun, nach einigen Jahren, nach begangenen Fehlern, nach eingeschlagenen Lebenswegen deutlich? Was scheint ihm immer noch belanglos? Wie steht er nun zu seiner Frau und ihren, ihm nicht immer verständlichen, Verhaltensweisen?
Gezwungenermaßen wird dadurch seine Schwiegermutter zum Hauptakteur. Und diese Lenkung der Handlung durch sie ist meiner Meinung nach einfach großartig. Sie ist das Bindeglied zwischen ihm und ihrer Tochter, verkörpert die Fragen nach Familienzusammenhalt und Gerechtigkeit, aber auch der Frage nach der Seite auf welcher man als Elternteil wohl unweigerlich steht.
Die emotionale und psychologische Ebene, die der Roman dabei eröffnet und anspricht ist für mich ebenfalls sehr geglückt. Nicht klischeebehaftet, tiefgründig, zwielichtig und nicht immer eindeutig werden die Charaktere vorgestellt, zwischenzeitlich muss man sich als Leser sogar fragen, in wieweit und durch welche Erzählungen der Erlebnisse sich diese Figuren wieder in eine andere Richtung entwickeln.

"Egal, wie genau man die Welt darzustellen versuchte, man konnte nie ein exaktes Bild von ihr zeichnen. Das war die Erkenntnis, die Ogi aus seiner Forschung zog. Man konnte das Leben nicht mithilfe einer Karte darstellen." S.79


Sehr lesenswert, wenn man auf der Psychologie des Menschen aufbauende Geschichten mag. Zunehmend wird sich mit Themen wie der Schuld, dem Verrat, Verständnis, der Liebe zum Partner, Enttäuschungen und auch anderen befasst. Etwa ab der Mitte nimmt die Geschichte zusätzlich einen etwas unheimlichen, aber grandios spannenden Kurs auf. Für mich ein definitiv geglückter Roman, der trotz seiner knappen Seitenzahl unheimlich viel zu bieten hat.

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Ein feines Gespür für Schönheit von J. David Simons

Mai 09, 2019


Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "An Exquisite Sense of What is Beautiful"/ 2013) Goldmann (2019), Übersetzer/in: Bettina Eschenhagen (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3,Sterne

"Im Jahr 2003 kehrt der berühmte britische Autor Edward Strathairn zurück nach Hakone in Japan. Hier, in einem herrlich gelegenen Hotel in den Bergen, hatte er sich einst als junger Mann in das Zimmermädchen Sumiko verliebt, das ihn zu seinem Bestseller »Das Wasserrad« inspirierte. Darin kritisierte Edward Amerikas Doppelmoral und warf dem Land vor, die entsetzlichen Folgen der nuklearen Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki zu verdrängen. Nach seiner Rückkehr aus Japan heiratete Edward seine große Liebe Macy, eine amerikanische Künstlerin. Doch die Ehe war nicht glücklich. Nun, viele Jahre später, muss Edward erkennen, dass er zwar nicht als Künstler, aber doch als Mensch gescheitert ist. "

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Wie hatte Aldous noch gesagt?  »Die Japaner haben ein feines Gespür für Schönheit, aber keinerlei Gespür für Hässlichkeit.« Das traf es. Wie beides in ein und derselben Kultur nebeneinander existieren konnte, war ihm ein Rätsel." S.91

"Ein feines Gespür für Schönheit" ist ein Roman von dem ich mir anfangs leider mehr erhofft hatte und der mich zum Schluss etwas enttäuscht zurückgelassen hat, auch wenn er einige gute Überlegungen aufwirft. Eigentlich könnte das schon ausreichen, um meinen Eindruck zusammenzufassen, aber holen wir doch ein wenig weiter aus.
Was mich an der Geschichte gereizt hat, war die angedeutete Thematik rund um den britischen Schriftsteller, der nach vielen Jahren nach Japan zurückkehrt, also die menschliche Entwicklungsgeschichte und die Verknüpfung zum Krieg rund um Hiroshima und Nagasaki. Kann man einem Land überhaupt die Schuld für die Katastrophe entziehen und das andere als das "Opfer" beziehungsweise den "Retter" darstellen?
Letztlich fühlte ich mich von beiden Aspekten nicht wirklich abgeholt. Keines ging für mich so tief, dass ich persönlich aus der Darstellung gute Erkenntnisse ziehen konnte.

"'Schriftsteller sind wie Elstern, oder? Sie stibitzen die glitzernden Teile aus dem Leben anderer Leute, wenn die gerade nicht aufpassen.'

          'Wie meinst du das?'“ S.107

Mein größtes Problem bestand dabei einfach in der Darstellung des Protagonisten und der gleichzeitigen Lenkung der Sympathie für eben diesen - Sir Edward Strathairn.
Es wird zwar schnell deutlich, dass er kein Musterschüler ist, was das Führen eines verantwortungsvollen Lebens angeht und dass ihm die Fähigkeit mit seinen Mitmenschen irgendwie respektvoll umzugehen, das ein oder andere Mal abhandenkommt, aber zunehmend war ich von dieser banalen Erkenntnis genervt. Der Protagonist wird in den Kapiteln abwechselnd als junger aufstrebender Schriftsteller und alter Mann, der auf sein Leben zurückblickt, dargestellt. Und dennoch hatte ich stets das Gefühl, dass sich beide Perspektiven oftmals kaum unterschieden.
Der Fokus liegt an vielen Stellen nur auf seiner Männlichkeit, seiner zügellosen Lust auf Frauen und dem Wunsch etwas zu erreichen, wie auch anderen seine Meinung aufzudrängen. Zugegeben, die Meinung, die er über die Rolle der Amerikaner hat ist durchaus spannend für den Roman und sorgt für einen Tiefgang, den ich mir an mehr Stellen gewünscht hätte. 
Schnell wird dieser Aspekt aber wieder auf sein Leben gelenkt, was ja gut wäre, wenn ich mich eben nicht von ihm, ab einem gewissen Zeitpunkt, lieber komplett abgewendet hätte. Mich haben die Leben seiner Mitmenschen teilweise deutlich mehr interessiert. Sein Freund und Verleger Aldous zum Beispiel gibt einen schönen Input, der sich auf die schriftstellerischen Aspekte bezieht und strahlt dabei einfach mehr Esprit aus.
Mir war Edward an vielen Stellen vielleicht einfach zu angepasst an die japanische Stimmung, irgendwie als Figur und Charakter zu ruhig, zu blass. Und gleichzeitig hat mich dann zum Schluss unfassbar gestört, wie versucht wurde, den Protagonisten durch gewisse Geschehnisse sympathisch wirken zu lassen, in dem man die Mitleidsschiene gewählt hat. Er ist ein erwachsener Mann gewesen als die Kapitel beginnen und kehrt als ebenso erfahrener Mann zurück nach Japan, verhält sich aber irgendwie immer noch daneben, auch wenn man das nur zwischen den Zeilen wahrzunehmen scheint. Natürlich, die Jahre haben ihn geprägt, an einigen Stellen hat er Fehler eingesehen und beklagt die Nachteile des Älterwerdens, aber ich konnte mit ihm nicht gänzlich sympathisieren. Und der Versuch sein schlechtes, wie auch gewaltbereites Verhalten zu verharmlosen, indem man ihn bemitleidet, fand ich einfach zu schwach. Eine viel zu einfache Lösung für den Roman, der eigentlich viel Potential hätte.

"Der Himmel war wolkenlos, strahlend blau, für ihn hatte er jedoch jegliche Farbe verloren, wie die Blätter an den Bäumen und die Blumen in den Fensterkästen. Ihres sommerlichen Leuchtens beraubt." S.144


Eine Geschichte, die mich leider etwas enttäuscht zurückgelassen hat.  Gefallen haben mir die Überlegungen hinsichtlich des Konflikts zwischen Japan und Amerika und der Frage nach einem Schuldigen im Krieg. Auch einige Schnappschüsse, die man aus der Landschaftsbeschreibung mitnimmt sind durchaus geglückt und die Charaktere, die den Protagonisten in der Handlungsentfaltung unterstützen sind gut gewählt, allen voran sein Freund Aldous. Leider konnte ich persönlich mit Edward, dem Schriftsteller der auf sein Leben zurückblickt, nach und nach immer weniger anfangen. Für mich hat sich zwischen seinen jungen Jahren und der Gegenwart nicht viel verändert und seine Fehler abzuschwächen, die meiner Meinung nach teilweise schwerwiegend waren, in dem das Mitleid der Leser verlangt wird, ist für mich dann doch zu banal und eine schlechte Lösung gewesen.


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April: Kurze Bücher und kleine Unternehmungen

Mai 03, 2019





In dem Beitrag zum Welttag des Buches hatte ich es schon angedeutet. Es ging im April auf eine kleine Reise nach Amsterdam. Dort haben wir uns aber natürlich nicht nur die Buchhandlungen angeschaut. So ging es zunächst auf eine Grachtenfahrt, gefolgt von einem Spaziergang durch die Stadt Richtung Van Gogh-Museum. 
Obwohl mir die Ausstellung wirklich gut gefallen hat, war ich von der amsterdamer Atmosphäre deutlich eingenommener. Ich mochte es, durch die kleinen Straßen zu schlendern und sich die Geschäfte anzuschauen. Auch wenn die Stadt nicht weit weg liegt, hat man das Gefühl, dass man etwas ganz Neues entdeckt. Die kleinen Läden, die so charmant und eng beieinander stehen hinterlassen ein wohliges Gefühl und erinnerten mich zum Teil an die berühmte "Diagon Alley" aus Harry Potter, auch wenn dafür eher Irland als Vorbild diente.
Was meine Lektüren angeht, so hielt ich mich eher an kurze Bücher. Dennoch waren einige schöne und auch neue Lieblingsgeschichten dabei. Hier also der Überblick:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.  


  • "The Gracekeepers" & "A Portable Shelter" von Kirsty Logan: Beide Bücher habe ich in einem separaten Beitrag etwas näher beschrieben und meine Eindrücke dazu festgehalten. Daher erwähnte ich hier nur kurz, dass ich nun sehnsüchtig auf eine neue Geschichte der Autorin warte.
  • Ein neues Lieblingsbuch habe ich diesen Monat mit "Lanny" von Max Porter gefunden. Poetisch, mysteriös, intensiv und doch so nah am Menschen. Hatte wirklich alles, was ich mir von einem guten Roman erhoffe - besonders, dass es mal anders ist, als alles, was man bisher so gelesen hat.
  • "Die Farbe von Milch" von Nell Leyshon: Anders war tatsächlich auch Leyshons Roman. Erzählt wird die Geschichte von Mary, einem jungen Mädchen, dessen Leben sich von einem auf den anderen Tag verändert. "Einfach" geschrieben, aber mit großer Wirkung. Setzt zudem sehr gut in den Fokus, wie gut sich Menschen selbst belügen können. 
  • "The Red Pony" von John Steinbeck: Die Erzählung ist sehr kurz, aber teilweise doch grausam. Den Erzähler, einen heranwachsenden Jungen, der die Lektionen des Lebens lernen soll, konnte ich oft nicht richtig einschätzen. Mal hatte ich Verständnis für ihn und habe ihn innerlich ermutigt an dem festzuhalten, was er für richtig hält und mal fand ich ihn unfassbar unsympathisch. Das lag vor allem daran, dass er Tiere so zum Spaß "quält". Andere Zeiten und das Leben auf einer "Farm" hin oder her, bei solchen Szenen bin ich einfach empfindlich. Grundsätzlich greift Steinbeck aber wieder einmal gekonnt auf, dass der Mensch eben aus Fehlern und guten Eigenschaften besteht, die sich im Leben abwechselnd zeigen. Thematisiert werden aber auch der Respekt vor älteren Generationen wie aber auch das Entmachten dieser Generationen (zum Beispiel durch Wegnahme des Landes). Obwohl das Buch also sehr kurz ist, ist es vollgepackt mit wichtigen Themen, die reichlich Gesprächsstoff bieten.
  • Zuletzt auf dem Blog rezensiert wurde dann "Ein Tropfen vom Glück" von Antoine Laurain. Auch hier verlinke ich lieber auf die ausführliche Besprechung. Kurz gesagt. Wer eine Portion Optimismus braucht und ein Buch, das ein gutes Gefühl hinterlässt, liegt hier genau richtig.
  • Zuletzt ausgelesen habe ich aber "Die Leserin" von David Bielmann. Das Büchlein habe ich tatsächlich am letzten Tag des Monats angefangen und beendet. Das Cover passt sicherlich wunderbar zur Geschichte, hinterlässt meiner Meinung nach aber einen etwas falschen Eindruck vom Inhalt. Die Erzählung geht teilweise viel "tiefer", als nur diese angedeutete Liebesgeschichte. Ab und an habe ich mich etwas mit den Namen (vor allem Blogname) schwer getan, weil diese einen sehr platten Eindruck erweckt haben, aber die Geschichte an sich fand ich im Großen und Ganzen doch gelungen. Am Ende hat es mich an "Lila, Lila" von Martin Suter erinnert, aber eben nur assoziativ.  Es fällt mir tatsächlich schwer genau zu erklären, was das Buch in mir ausgelöst hat, aber es war eine wirklich schöne Lektüre, die ganz zauberhafte Momente enthält. Es spielt mit den Genres und dem Text an sich, öffnet dabei aber inhaltlich eine schöne Lenkung des Geschehens.
  • Angelesen habe ich dann noch endlich "Ein feines Gespür für Schönheit" von J. David Simons. Ich wollte es schon direkt bei Erscheinen lesen, aber es kam irgendwie immer ein anderes Buch dazwischen. Da es aber auch mehr als vierhundert Seiten hat, werde ich damit frisch in den Mai starten.

Wie verlief euer April? Gab es Highlights oder Flops? Habt ihr frühlingshafte Ausflüge unternommen?
 




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Ein Tropfen vom Glück von Antoine Laurain

Mai 01, 2019



Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Millésime 54"/ 2018) Atlantik Verlag (2019), Übersetzer/in: Claudia Kalscheuer (aus dem Französischen), ★★★★☆ 4 Sterne

Um den Schreck eines Einbruchs zu verdauen, trinken vier Nachbarn eines Pariser Mehrfamilienhauses zusammen eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954. Ein fröhlicher Abend mit überraschenden Folgen: Am nächsten Morgen erkennen sie ihre Stadt nicht wieder – sie sind zurückversetzt ins Jahr, aus dem der Wein stammt! Für alle vier wird die Zeitreise zu einer Gelegenheit, sich über ihre Gefühle klar zu werden. Doch wie kommen sie zurück in die Zukunft?

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Endlich brach etwas Zufälliges und Unvorhergesehenes in diese trüben Herbsttage ein."
S.51

Antoine Laurains bisherige Romane enthielten immer einen gesunden Optimismus und spielten mit der Frage, was wohl wäre, wenn sich eine bestimmte Möglichkeit auftun würde, die unsere Sichtweisen verändert. 
Damit kann man auch in "Ein Tropfen vom Glück" rechnen. Dieses Mal sorgt eine ganz besondere Weinflasche für die folgenden Ereignisse, inklusive Zeitreise. Der Grund dafür wird bereits auf den ersten Seiten offenbart, sodass dahingehend keine großen Überraschungen auf den Leser warten, aber letztlich geht es nicht um das Lösen der Frage "Wie", sondern der Betrachtung des eigenen Lebens aus einer neuen, wenn auch vielleicht in der Vergangenheit liegenden, Sichtweise. 
Was macht unsere moderne Welt praktischer, sinnvoller, besser? Was sind die negativen Seiten der technischen Entwicklung? Und letztlich natürlich auch "Was und wer ist uns im Leben wirklich wichtig"?
Beinahe spielerisch lädt uns Laurain dabei in ein Paris der 50er Jahre ein, in dem wir bekannten Persönlichkeiten begegnen, gewissen Erfindungen auf den Grund gehen und mit den Protagonisten durch die Straßen flanieren.

"Bob betrachtete Lisa Gherardini, genannt Mona Lisa. Im Jahr 1954 hing sie nicht hinter Panzerglas und war nicht mit LED-Lampen beleuchtet, [...] sie war auch nicht von zwei Leibwächtern flankiert, die Tausende von Touristen davon abhielten, näher als zwei Meter an sie heranzutreten. Sie hing einfach mit den anderen Gemälden in der Galerie.“ S.141

Besonders angenehm sind dabei die kleinen Hinweise auf heute bekannte Dinge, die durch die vier Bewohner irgendwie beeinflusst werden. Natürlich ist nichts davon genau belegt, alles recht vage, aber es geht um diese kreativen Einfälle, die eben möglich sein könnten.
Und um diese Möglichkeiten dreht sich dann letztlich der ganze Roman. Was wäre, wenn es Wunder gäbe, die auch in Erfüllung gehen? Was wäre, wenn man einfach etwas Neues beginnt und seine vermeintlichen (beruflichen) Sicherheiten aufgibt, dadurch aber glücklicher sein könnte? Was wäre, wenn wir uns von den gängigen Vorstellungen des Möglichseins einfach lösen und bereit sind, das Unmögliche zu akzeptieren?
Ich mochte diesen Ansatz sehr, denn dadurch verliert man nicht, an das Gute zu glauben, dass einfach passieren könnte. Man entfernt sich ein wenig von den mathematisch belegten und anerkannten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die alles versuchen physikalisch zu erklären und das Wunder und den Zauber der Welt damit ein wenig zerstören. 
Immer mal wieder baut Laurain dann auch, passend zum gesellschaftlichen Unterschied zwischen 2017 und 1954 Entwicklungen und Zustände ein, die sich zum Beispiel auf das Frauenwahlrecht, den Feminismus oder den negativen Umgang mit Mindestlohnarbeiten aus ärmeren Ländern beziehen. Sicherlich eine gute Sache, jedoch wirkt es für einen solch kurzen Roman manchmal (nicht deplatziert, aber) etwas erzwungen. Nach dem Motto: Passt vielleicht nicht ganz hier rein, aber darauf sollte man aufmerksam machen. Ich weiß leider nicht, ob es dann die richtige Wirkung entfacht. Dennoch ist es positiv hervorzuheben, dass solche Diskussionspunkte auch in "leichterer Unterhaltungsliteratur" aufgegriffen werden.

Die Idee eines Weins - Jahrgang 1954 -, der diejenigen in die Zeit zurückversetzt, aus dem er stammt ist durchaus unterhaltsam, greift aber auch Überlegungen auf, die den Leser mit der ernsteren Frage konfrontieren, was ihm (in seiner jetzigen Zeit und Situation) wirklich wichtig ist. Der Roman nimmt schnell an Fahrt auf und wechselt auch rasch die Erzählperspektive, sodass jeder der vier Bewohner, inklusive Vorfahren, eine eigene Geschichte bekommt. Dies sorgt dafür, dass man sich nicht zu sehr in die einzelnen Figuren "hineinfühlt", aber man hat eine ganz sympathische Gruppe, die ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Die Beschreibungen des Paris der 50er Jahre ist sehr atmosphärisch und entfacht ein Nostalgiegefühl.


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Die magische (Wasser)-Welt von Kirsty Logan

April 25, 2019





Vor knapp einem Jahr bin ich in die Welt von Kirsty Logan eingetaucht. Eingetaucht in eine ganz besondere, ganz eigene, mystische Welt, die sich stark auf das Element Wasser fokussiert. Überflutete Länder, Zirkusse auf Schiffen, die weiten Meere und deren geheimnisvolle Bewohner. All dies wird dem Leser in Logans Büchern nähergebracht. 
Sie weisen zudem etwas Magisches auf und spielen mit der Überlegung, ob die erzählte Geschichte nun wahr oder teilweise erfunden ist oder auch in wieweit die Bücher in unserer Welt spielen. Dadurch werden die Bücher gerne auch mit dem Begriff des "Magic Realism" in Verbindung gebracht. Also durchaus Erzählungen, die eine realistische Spiegelung unserer Welt sind, dabei aber Elemente des Phantastischen aufweisen.

Der erste Roman, den ich von Kirsty Logan gelesen hatte war "The Gloaming". Er hat mich unweigerlich in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Ich war wirklich davon überzeugt, dass mir eine Geschichte in die Hände gefallen ist, die ich schon sehr lange gesucht habe und die auf mich gewartet hat. Ich verspürte eine durchgehende Emotionalität, die ich selbst nicht erklären konnte, aber der Roman ist zu einen meiner absoluten Lieblingsbücher geworden. 

"Unless - Pearl grinned in the dark. Unless the magician only pretends it´s a trick, so you won´t know that the magic is real." ("The Gloaming")

Es hat schließlich fast ein Jahr gedauert, bis ich die beiden Vorgänge gelesen habe. Auch sie haben für mich eine ganz eigene Botschaft bereitgehalten, haben mich in gewissen Teilen berührt und bewegt, haben mich in eine neue Wasserwelt eingeladen. Und doch kamen sie nicht ganz an "The Gloaming" heran.
Was mich dabei jedoch erstaunt oder verwundert, ist, dass es scheinbar vielen Lesern so geht. Der erste Roman, den sie von der Autorin lesen, bleibt ihr Liebling. Vielleicht, weil sie damit etwas Neues entdeckt haben und davon so beeindruckt gewesen sind, dass dieses Buch ein Ausdruck und Zeichen eben dieses Moments bleibt. Was nicht bedeutet, dass man die anderen Geschichten nicht mag, sie sind aber mit der ersten verwandt, ergänzen sie um einige Elemente, fügen sich zusammen und bilden eine noch größere Geschichte. Man nimmt sie aber nicht mehr als wirklich eigenständig wahr. Alles scheint miteinander verknüpft zu sein.

Als ich mit "The Gracekeepers" begonnen habe, wusste ich aus den Beschreibungen und auch von "Miss Bookiverse", was mich in etwa erwarten würde. Ein auf dem Meer treibender Zirkus, eine überwiegend überflutete Welt und zwei Protagonistinnen, die miteinander verbunden sein würden.
In diesem Roman geht es, wie in "The Gloaming" ruhiger zu. Es geschieht zwar einiges, das wie ein aufbrausendes Meer erscheint, aber die Geschehnisse werden mit einer ruhigen, klaren Stimme erzählt. Eher wie das Treiben eines kleinen Bootes auf dem Meer, das sanft hin und her gewogen wird - Im Hintergrund aber lautes Donnergrölen.
Mich bewegte die innige Beziehung zwischen North, einem Mädchen welches Teil des "Flaoting Circus" ist und ihrem Partner der Auftritte, einem Bären. Ja, einem echten Bären (Auch hier treffen die Ebenen des Magischen und des Realen aufeinander). Es sind meist kurze Beschreibungen, die ihre Verbindung einfangen, aber sie entwickeln sich in dem Roman zu stark, dass dies vor allem zum Ende der Geschichte sehr gefühlvoll wird. Auch Callanish, die zweite Protagonistin durchlebt gewisse Abenteuer, wenn auch auf andere Weise, denn sie lebt an Land. Ein Zustand, der nicht vielen vergönnt ist. Dennoch hat sie ihr eigenes Päckchen zu tragen, sodass der Roman den Fokus nicht nur auf die spezielle Art des Lebens setzt, sondern auch auf persönliche Schicksale, die sich mit Vergebung und dem eigenen Seelenfrieden beschäftigen.

"North stuck her head back into the coracle, listening for the snuffle of her bear in sleep. If he was there, then nothing bad could happen to her, not even if the sea swallowed the bones of everyone in the world." ("The Gracekeepers")

Da ich durch den zweiten Roman also wieder von der Autorin und ihren Geschichten angetan gewesen bin, habe ich kurz darauf noch zu dem Erzählband "A Portable Shelter" gegriffen.
Das Merkwürdige hier ist ebenfalls, dass ich zunächst dachte, dass ich die Kurzgeschichten nicht so sehr mochte, wie die Romane. Je länger man aber über die Erzählungen und deren Verknüpfungen nachdenkt und sie eventuell noch einmal liest, desto mehr entfalten sie ebenfalls eine ganz spezielle Melancholie, die einen nicht ganz loslässt.
Logan vereint hier dreizehn Märchen oder überlieferte Familiengeschichten, die aber vollkommen der Wahrheit entsprechen sollen. Einer Wahrheit, die irgendwo in diesen Worten verborgen liegt. Allein dies macht das Buch zu einer kleinen Schatzkarte. Entdeckt man irgendwo ein verstecktes Geheimnis, das man zusammenfügen kann? Stellt man fest, dass es einfach nur Geschichten sind? Was zieht man für sich aus diesen doch teilweise skurrilen Erzählungen?
Besonders eingenommen hat mich aber die Grundstruktur des Buches. Es sind keine komplett voneinander isolierten Kapitel, denn die Erzählerinnen sind zwei Frauen, zwei Mütter, die ein Kind erwarten und diesem Kind abwechselnd etwas zuflüstern, bevor es geboren wird. Sie lassen dabei aber auch nicht die grausamen Details aus, die zum Beispiel von Hexen erzählen, die Kinder verschlingen oder Frauen, die sich von Männern abhängig machen und scheinbar alles verlieren.
Es sind Geschichten, die das Leben widerspiegeln, die traurig sind, die manchmal ein kleines Lächeln entlocken, die auch hier sehr oft mit dem Meer und dem Wasser in Verbindung stehen und die ebenso magisch wie auch real sein könnten, je nachdem wie man sie betrachtet und interpretiert.
Auch hier ist die Dynamik zwischen den beiden Frauen (wie auch bei "The Gracekeepers") sehr intensiv und stimmig.

"The dark brings stories, and I want to share one." ("A Portable Shelter")

Bei allen drei Büchern entlockte mir das Ende einen Seufzer. Aus Freude, Trauer oder anderen emotionalen Gemütslagen? Um das herauszufinden, lade ich euch gerne dazu ein, ebenfalls in die wunderbaren Geschichten der Autorin einzutauchen und euch von den ruhigen Tönen mitreißen zu lassen. Ich werde derweil sehnsuchtsvoll auf weitere Romane von Kirsty Logan warten und hoffen, dass sich das Wasseruniversum um ein weiteres Stück ergänzen lässt.




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Welttag des Buches 2019: Der Besuch von Buchhandlungen auf Reisen

April 23, 2019



Fotos zwei und drei: "American Book Center" in Amsterdam

"Perhaps that is the best way to say it: printed books are magical, and real bookshops keep that magic alive."   - Jen Campbell ("The Bookshop Book")

Heute ist wieder Welttag des Buches und wie feiert man ihn besser, als entweder mit dem Lesen von Büchern selbst oder einem Besuch in der Buchhandlung? Vielleicht mit beidem? 

Buchhandlungen in der eigenen Stadt zu besuchen, darin zu verweilen und neue Bücher zu entdecken ist ein durchaus schönes Erlebnis, vor allem wenn die Atmosphäre stimmt. Buchhandlungen in einer fremden Stadt oder sogar einem anderen Land zu besuchen ist aber noch einmal etwas ganz Besonderes, denn man kennt sich in ihnen nicht so gut aus, wie in den schon oft besuchten in der Heimatstadt. Man betritt diese Läden zum ersten Mal und ist von dem Anblick (wenn es gut läuft) direkt eingenommen. Ein neues Schaufenster, das es zu entdecken gibt, eine neue Einrichtung, neue Thementische oder gar andere Buchbereiche, Bücher in anderen Sprachen und eine neue Atmosphäre. 
Und dennoch haben diese Buchhandlungen immer etwas Heimisches. Irgendwie findet man sich immer zurecht, entdeckt vielleicht ein Lieblingsbuch und freut sich, es auch in anderen Städten und Ländern auf den Präsentiertischen zu sehen. 
So erging es mir zumindest, als ich am Ostersonntag mit meiner Familie einen Ausflug nach Amsterdam unternommen habe. Zwar sind wir schon relativ erschöpft von anderen Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen in den Buchhandlungen angekommen, aber die Begeisterung und die Freude an diesen Orten ist jederzeit vorhanden. Selbst eine Stöberrunde von wenigen Minuten lässt das Bücherherz höher schlagen. 

  • Die erste Buchhandlung, die wir in Amsterdam betreten haben war das "American Book Center". Äußerlich geht es vielleicht etwas unter, besonders wenn man die gegenüberliegende Buchhandlung "Atheneum Boekhandel" mit den Überdachung erblickt, aber im Inneren wird man mit einem kleinen Paradies belohnt.
    Man kommt in einen sehr charismatischen Eingangsbereich. Blickt man hoch, sieht man nichts als (englischsprachige) Bücher und meterhohe Bücherregale. Die Treppen und auch die Inneneinrichtung haben, meiner Meinung nach, etwas Altertümliches (wenn auch auf moderne Art und Weise), was für eine sehr gemütliche Stimmung sorgt. Bisschen uneben hier und da, fühlt man sich auch ein wenig wie in einer Buchhandlung, die aus einem Film stammen könnte. Insgesamt besteht der Laden aus drei Etagen, aufgeteilt auf die jeweiligen Genres. Zudem gibt es eine ganze Menge reduzierter Bücher, die passend bei den Themengebieten ausgelegt sind. Sollte man schon genügend Bücher besitzen, hält der Buchladen auch einiges an literarischem Zubehör bereit zum Beispiel schöne Lesezeichen, Buchtaschen und Ähnliches.
  • Die zweite besuchte Buchhandlung war die "Waterstones"-Filiale. Eigentlich ein englische Shop, findet man ein Exemplar davon eben auch in Amsterdam. Auch hier ist das Konzept natürlich auf englischsprachige Bücher ausgelegt. Penguin Classics, Barnes & Noble Collectible Editions, MinaLima Bücher und natürlich die ganz "normalen" Romane und Non-Fiction Bücher lassen sich hier finden. Auch hier gibt es zudem eine interessante Auswahl an literarischem Zubehör.
    Was besonders für schöne Stimmung sorgt sind die vielen literarischen Poster und Bilder, die in unterschiedlichen Bilderrahmen an den Wänden hängen. Hallo Inspirationsquelle! Und auch hier ist die Buchhandlung zwar modern, aber in einem klassisch gemütlichen Stil eingerichtet. Dunkles Holz, viele verteilte Sessel und runde Büchertische, die prall gefüllt sind.
  • Die letzte Buchhandlung, die wir aufgesucht haben hat sich schließlich eher als modernes Antiquariat entpuppt. Im "New English Bookstore" gibt es sehr viele preisreduzierte Bücher, welcher Klassiker, Romane, Biographien, Kochbücher und Kinderbücher bereithält. Ist zwar sicherlich nicht so charmant und schön möbliert wie die beiden oberen Buchhandlungen, aber durchaus interessant, wenn man günstigere Bücher sucht und einfach mal stöbern möchte.
    Da wir etwas mehr Zeit mit dem Besuch von dem Van Gogh Museum und einer Grachtenfahrt verbracht haben (Lohnt sich übrigens beides sehr!), sind wir an den Läden angekommen, als sie bereits schließen wollten oder es in kürze in Angriff nehmen würden. Dennoch waren diese kurzen Momente in den Buchhandlungen ebenfalls ein kleines Highlight.

Ich liebe es, auf Reisen Buchhandlungen zu betreten oder sie zumindest von außen zu betrachten. Meiner Meinung nach wäre es unfassbar schade, wenn man an den Punkt kommen sollte, dass man sie nicht mehr entdeckt, weil sie durch die (Online-)Konkurrenz "aussterben". Sie sind ein so wichtiger und schöner Ort für das Stadtbild (denn ohne sie wäre es wirklich trist) und ich hoffe, dass nicht nur Viellesern und Buchbloggern die Buchhandlungen wichtig sind, sondern auch den "Weniglesern". 
Lasst uns den Welttag des Buches daher feiern und darüber hinaus weiter dafür sorgen, dass Bücher und Buchhandlungen in unserer Stadt und anderen Städten und Ländern erhalten bleiben, damit es immer einen Ort gibt, an dem wir uns willkommen fühlen und überall in fremde Welten eintauchen können.
Und nicht vergessen: Steckt andere Menschen weiter mit eurer Begeisterung an. Man weiß nie, wann man jemanden dazu bekommt auch eine Bücherleidenschaft zu entwickeln. Manche können vielleicht nicht so viel mit Büchern anfangen, aber einige wissen es vielleicht noch nicht!


Feiert ihr den Welttag des Buches mit einem besonderen Buch, eurer aktuellen Lektüre oder einem Besuch in der Buchhandlung? Habt ihr ein anderes literarisches Event geplant? Oder ist der Tag für euch in dem Sinne nichts Spektakuläres?




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Osterfeiertage

April 21, 2019



Zu aller erst möchte ich allen, die es denn überhaupt feiern, frohe Ostern wünschen!
Ich persönlich bin einfach kein Fan der Kirche als Institution und "feiere" solche Tage auch nicht dort, nichtsdestotrotz finde ich es schön, wenn man sich die Zeit nimmt und bewusst darüber nachdenkt, wozu diese Feiertage eigentlich da sind und wie sie entstanden sind. Es scheint, als bräuchten wir sie, damit wir in dem Alltagstrott immer mal wieder einen Schritt zurückgehen und uns auf das wirkliche Wichtige besinnen. Auch wenn es den einen mehr gelingen mag, als den anderen.

Die ruhige Zeit kann man aber natürlich auch mit einem guten Buch oder Film überbrücken. Ich muss gestehen, dass ich mit meinem Freund bereits einen Osterhasenfilm geschaut habe, der nicht wirklich was mit dem eigentlichen Feiertag zu tun hatte. Typisch Hollywood-mäßig, fast wie die Weihnachtsfilme. Aber süße, animierte Hasen kriegen mich irgendwie immer. 
Zudem habe ich über die Tage zu "A Portable Shelter" von Kirsty Logan gegriffen. Ich habe erst einige Seiten angelesen, aber ich bin bereits sehr angetan. Mal sehen, ob das so bleibt.
Ansonsten ging es für mich noch auf einen kleinen Osterausflug mit Kulturprogramm.Vielleicht wird es dazu in nächster Zeit noch einen separaten Beitrag geben.
Bis dahin: Genießt die Osterzeit.


Wie verbringt ihr die Osterfeiertage? Feiert ihr sie? Versteckt, bemalt, sucht ihr nach Ostereiern? Oder greift ihr lieber zu einem Buch?


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Die Farbe von Milch von Nell Leyshon

April 20, 2019




Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Colour of Milk"/ 2013) Heyne (2019), Übersetzer/in: Wibke Kuhn (aus dem Englischen), ★★★★(☆) 4,5 Sterne
„' Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.'
Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.“

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Ich stützte die Hände in die Hüften. Ich hab mein Leben lang ständig Ärger bekommen, sagte ich, aber das hat mich noch nie davon abgehalten weiter zu sagen was ich denke." S.11

Obwohl der Roman aufgrund des Bildungsstands der Protagonistin und in Anlehnung an die Ausdruckweise eher einfach erscheint, ist er nicht einfach zu verkraften. Besonders der letzte Teil hat einige sehr intensive Passagen, die auf körperliche Gewalt bezugnehmen.
Nell Leyshon erschafft mit der Figur Mary ein Mädchen, welches weiß, was sie kann und was sie will, was sie vom Leben erwartet. Vieles erscheint ihr so simpel, die Menschen in ihrer Umgebung aber verhalten sich so, als würde es für sie manchmal keinen Sinn ergeben. Zu viele Regeln, zu viele Bestrafungen, zu wenig Nächstenliebe. 
Was den Leser an der Protagonistin aber vor allem begeistert, ist die ehrliche und direkte Art, wie sie ihre Geschichte erzählt. Sie gerät durch ihre Äußerungen manchmal in Schwierigkeiten, erhält gerade dadurch aber auch Möglichkeiten, die sie weiterbringen. Sie ist einigen Menschen durchaus dankbar, aber sie verliert sich nicht in dem Dank. Sie weiß, dass sie selbst auch viel leistet und erarbeitet, fühlt sich also nie völlig untergraben. Das ist eine Eigenschaft der Figur, die sich durch den ganzen Roman zieht und die unheimlich wichtig ist. 
Grundsätzlich sieht der Leser durch Mary viele Dinge anders, obwohl man auf Anhieb versteht, welche Beziehungen und Konfrontationen problematisch sind. Durch ihre sehr einfache und direkte Sicht auf die Lebensweisen, lässt sie aber alles so einfach wirken. Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass es selbstverständlich ist, dass man älteren Familienmitgliedern hilft und sich um sie kümmert oder dass man Menschen die Wahrheit schonungslos ins Gesicht sagen muss, auch auf die Gefahr hin, dass sie trotzdem nichts daran ändern werden. Der Versuch, etwas besser machen zu wollen, ehrlicher machen zu wollen, zählt.

"‘schau mich an, sagte ich, ich hab dieses große Futterkiste rausgezerrt. Ich hab nicht gesehen dass Gott da seine Finger im Spiel gehabt hätte.'
                'Kann schon sein dass er kein Futter rumzerrt, sagte sie. aber er lässt es wachsen.‘
Verdammt aber auch, sagte ich, und ich dachte doch tatsächlich ich hätte die ganze Saat ausgebracht.'“ S.10

Die Thematik rund um den Glauben und die göttliche Macht wie auch das Verhältnis zwischen Gut und Böse spielen in diesem Roman ebenfalls eine zentrale Rolle. Besonders wenn man die Zeit betrachtet, in welcher der Roman spielt (um 1830), setzt man sich mit der Ideologie dieser Kraft Gottes auseinander. Zudem wird durch die Figur des Pfarrers natürlich erweiternd darauf eingegangen, in wieweit die guten Absichten an Kraft verlieren, wenn Menschen selbst zu schwach sind, um das "Gute" zu beherzigen und umzusetzen. Daraus folgen natürlich auch Überlegungen, die darauf anspielen, wie unehrlich Menschen sein können (zu sich selbst und anderen gegenüber), wie sie sich von ihrem Schein, den sie nach außen hin versuchen aufrechtzuerhalten, abgrenzen und wie der Glaube als Vorwand dienen kann, um sich dahinter zu verstecken.
Der Roman bietet wirklich einiges an pikanten Gesprächsthemen, die in Kombination mit der Protagonistin durchaus gut funktionieren. Man fühlt immer mit ihr mit, versucht ihre Hinweise, die am Anfang jedes neuen Kapitels auftauchen, zusammenzusetzen und man empfindet oftmals auch einfach eine gewisse Begeisterung für sie, weil sie sich auf dem Weg nicht selbst verliert und weiterkämpft.

"Mutter, fragte ich, wenn ich ein Baby bekommen würde, hätte das dann auch so ein Bein wie ich? Weiß nicht, sagte sie. Kein Mensch weiß vorher was er kriegt. Ich hab dich gekriegt und schau dich doch an." S.44
 

Sicherlich ein Roman, der nicht für alle leicht zu verkraften ist. Besonders das letzte Drittel spielt zunehmend auf körperliche Gewalt an. Die Protagonistin Mary lässt den Leser aber keineswegs unberührt. Sie ist direkt und gibt all ihre Erfahrungen an den Leser weiter. Ihr Schreibstil ist eher simpel, offenbart aber dadurch schonungslose Wahrheiten, die andere Menschen in ihrer Umgebung versuchen, gerade durch die gebildetere Sprache, zu verschleiern. Es ist eine Geschichte die den Leser bewegt und die darüber hinaus Fragen stellt, die sich auch auf den Unterschied zwischen "gebildeten" und "einfachen" Leuten und deren moralisches Verhalten bezieht.



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Bücher für ein Hygge-Gefühl

April 11, 2019




Wenn der Alltag wieder einmal zu anstrengend, zu grau erscheint, dann greift man am besten zu einem Buch und macht es sich hyggelig.
Doch was ist Hygge überhaupt? Hygge ist ein Gefühl das man hat. Ein gemütliches, entspanntes, vom Stress losgelöstes Gefühl, das einem besonders Zuhause helfen soll, nicht ständig zu grübeln, sondern den Moment zu genießen. Wichtig dabei ist eher die Atmosphäre in der Wohnung, auf die man natürlich selbst den größten Einfluss hat. Wer hier ganz nach Ratgeber gehen möchte, zündet am besten einige Kerzen zum Leseabend (oder -Tag) an. Wichtig dabei: Gut durchlüften, denn Kerzen sind nicht gerade gesund, wenn sie in geschlossenen Räumen abbrennen.

Da mein letzter Monat ganz im Zeichen der "gemütlichen Lektüre" stand und ich selbst öfters gerne zu Büchern greife, mit denen man sich nach einem eher turbulenten Tag entspannen kann, dachte ich mir, stelle ich eine kleine Liste zusammen. 
Grundsätzlich eignet sich natürlich jedes Buch für hyggelige Lesestunden, unabhängig von dem Genre. Doch wenn ich so durch meine Bücherregale schaue, dann verbinde ich mit Hygge ganz bestimmte Bücher. Bücher, die vielleicht etwas umfangreicher sind, damit man sich endlich mal etwas mehr Zeit zum Lesen nimmt (sie können einen dabei durchaus fordern, sollten aber nicht überanstrengen) oder damit man einen komplett verregneten Tag auskosten kann. Oder Bücher, die eben einfach dieses wohlige Gefühl zurücklassen, wenn man sich an sie zurückerinnert.

Daher hier eine kleine Auswahl an Büchern, die ein Hygge-Gefühl verbreiten (Die Liste kann man natürlich beliebig erweitern):

Die Basics:
  • "The Little Book of Hygge" von Meik Wiking: Wie schafft man es am einfachsten, sich in eine hyggelige Stimmung zu versetzen? Natürlich mit einem amüsanten Hygge-Ratgeber. Meik Wiking bringt uns den dänischen Lebensstil auf unterhaltsame Weise näher, mit Bildern, Statistiken, Anekdoten und kleinen Hilfestellungen, wie man sein Zuhause zu einer wahren Wohlfühlzone macht. Unbedingt lesenswert, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, auch wenn man vieles sicherlich bereits beherzigt. Denn, wie er auch selbst erwähnt, nicht nur die Dänen kennen sich mit Hygge aus - der Unterschied liegt in der Bezeichnung.

Hygge-Stimmung ohne Genrekategorie:
  •  "The Luminaries" von Eleanor Catton: Eines der wohl längsten Bücher auf der Liste, aber eines, das sich am Ende mehr als lohnt. Die Geschichte begleitet einen so lange, dass man einfach mit den Figuren zusammenfindet und sich intensiver mit ihnen beschäftigt. Auch wenn es manchmal etwas langsamer voran geht, entfaltet das Buch eine sehr eigene, interessante, geheimnisvolle Stimmung, nach der man sich nach Beenden doch zurücksehnt. Allerdings muss man bereit sein, sich mit vielen Namen und Figuren vertraut zu machen.
  • "The storied life of A.J. Fikry" von Gabrielle Zevin: Bücher, Bücher, Bücher und eine Buchhandlung. Was gibt es Schöneres für eine Hygge-Stimmung? Die Geschichte ist zwar recht schnell ausgelesen, aber sie hinterlässt einfach ein gutes Gefühl ohne allzu kitschig zu sein.
  • "Stardust" von Neil Gaiman: Man könnte sicherlich noch weitere Bücher des Autors anführen, aber Stardust ist wohl eines, das am besten passt. Märchenhaft, frech, schräg, spannend, komisch und einfach nur voller Fantasie entführt uns Gaiman auf einen Weg, den wir gemeinsam mit einem (wahrhaftigen!) Stern als Protagonistin entlang wandern. Eines der Bücher, die ich wirklich immer lesen könnte, wenn ich eine wohlige Stimmung benötige.
  • "Dinner mit Edward" von Isabel Vincent: Zugegeben, hundertprozentig überzeugt hat mich das Buch damals nicht, aber den Hygge-faktor hat es in der Tat. Das liegt sicherlich daran, dass Essen bei der Philosophie der Dänen eine sehr große Rolle spielt - und vor allem auch viel Fleisch (wo ich persönlich leider raus bin). In "Dinner mit Edward" gibt es sehr viele Essensbeschreibungen und einige Lebensratschläge, die man sich gerne durchliest und die für einige Stunden bei Kerzenschein und einer kuscheligen Decke sicherlich ganz interessant sein können. 
  • "Was im Leben wichtig ist" (herausgegeben) von Richard Reed: Auch einige Sachbücher eignen sich wunderbar. In diesem Buch hat Reed einige erfolgreiche, bekannte oder bemerkenswerte Persönlichkeiten getroffen und sie nach dem gefragt, was für sie wichtig ist. Daraus hat sich ein Band ergeben, der voller guter Motivationen und inspirierender Lebensläufe steckt. Liest sich dabei gut bei einer heißen Tasse Tee / Kakao oder aber auch tatsächlich an warmen Sommerabenden. 
  • "S - Das Schiff des Thesues" von J.J. Abrams & Doug Dorst: Auf den ersten Blick erscheint dieses Buch vielleicht als ungewöhnliche Wahl, da es wirklich viel Aufmerksamkeit von dem Leser verlangt und man sich etwas mehr anstrengen muss, um alle Puzzleteile zusammenzufinden. Aber genau hier setzte bei mir auch gleichzeitig das Hygge-Gefühl ein - Man nimmt sich die Zeit und geht jedem Hinweis nach, nimmt die beigefügten Zeitungsartikel zur Hand, studiert sie ausgiebig und liest sich durch die, von den "Protagonisten" angemerkten, Notizen im Buch. Es ist sozusagen eine Geschichte in einer Geschichte. Geheimnisvoll und doch am Ende rührend lässt es einen dann mit einem Gefühl zurück, als hätte man etwas ganz Großes entdeckt, aber etwas, das nur für einen selbst bestimmt ist, was die anderen leser des Buches vielleicht nicht herausgefunden haben - oder aber vielleicht begibt man sich nach einiger Zeit erneut auf die Suche nach weiteren Antworten, die möglicherweise offen geblieben sind.
    Dass das Buch dabei wie eine alte Bibliotheksausgabe gestaltet ist, macht das ganze noch gemütlicher.

Gut für´s Herz:
  • "The Secret Lives of Dresses" von Erin McKean: Das Buch habe ich selbst erst letzen Monat gelesen, eben in einer stressigen Zeit, in der ich beim Lesen einfach abschalten wollte. Daher ein ganz klarer Hygge-Kandidat. Es geht um eine Protagonistin, die aufgrund eines familiären Notfalls zurück in ihre Heimatstadt zurückkehrt und sich die Frage stellen muss, wonach sie sich wirklich sehnt und was sie sich für ihre Zukunft wünscht. An sich keine gänzlich neue Handlung, die Idee mit den "geheimen Leben der Kleider", die in dem Geschäft ihrer Großmutter hängen machen daraus aber eine wirklich schöne Geschichte mit viel humorvollen und rührenden Passagen.
  • "The Secrets of Happiness" von Lucy Diamons: Besonders hyggelig wirds anscheinen mit Geheimnissen, zumindest, wenn man nach den Buchtitel geht. Wie dieser Fall bestätigt. Die Geschichte dreht sich um eine (Stief-)Schwesterbeziehung, die nicht ganz problemlos verläuft. Doch durch ein Ereignis im Leben einer der Protagonistinnen sehen sie sich gezwungen, einige Dinge auszudiskutieren. Dies sorgt auch hier für einige zukunftsweisende Entwicklungen. Was mir hierbei besonders gefiel: Die Autorin ist darauf bedacht, problematische Verhaltensweisen bei den Geschlechterrollen aufzuzeigen und verliert sich nicht in den typischen Klischees. Man rollt nicht ständig mit den Augen, weil Standardsätze fallen und die Schwestern sind auch keine hilflosen Weibchen, die auf die große Liebe warten. Es geht tatsächlich eher um die Familie und um die Verbindung der Geschwister. Daher definitiv gut für eine hyggelige Atmosphäre. Hier finden sich zudem ganz zum Schluss auch einige Rezepte, die im Buch gebacken / gekocht wurden. Also ein Hygge-Pluspunkt.
  • "The Lark" von E. Nesbit: Diese Geschichte, in welcher ebenfalls zwei Protagonistinnen versuchen sich gemeinsam durchzuschlagen und unter anderem ein Blumengeschäft ins Leben rufen möchten, ist nicht wirklich als Liebesroman ausgelegt, könnte also auch durchaus ohne Kategorie auskommen. Aber wenn ich an das Buch zurückdenke, dann ist es ein Inhalt, der sich schon irgendwie um das Herz schmiegt. Vor tatenkraft sprühende junge Frauen, die mal mehr, mal weniger Glück im Leben haben, die natürlich auch auf den einen oder anderen attraktiven Mann treffen und die füreinander da sind. Liest sich aber tatsächlich besser im Sommer, da die beschriebene Stimmung so mehr wirkt.

Die Klassiker:
  • "Das Haus der vergessenen Bücher" von Christopher Morley: Man kann hier sicherlich noch die Vorgeschichte des Buches, "Eine Buchhandlung auf Reisen" hinzuzählen. Hier kann sich der Leser wunderbar in die Welt der Bücher fliehen und unter anderem auf Spurensuche gehen. Perfekt, um sich wirklich für einen ganzen Abend in eine andere New-Yorker-Welt zu begeben und in das Jahr 1919.
  • Auf Spurensuche und in Hygge-Stimmung kann man sich auch ohne Zweifel mit den Fällen von Sherlock Holmes begeben. Zum Beispiel mit "A Study in Scarlett" von Arthur Conan Doyle. Ein zeitloser Klassiker, bei dem man mitgrübeln, mitschmunzeln und sich einfach gut unterhalten fühlt. Wer zudem gerne Adaptionen des bekannten Detektivs liest, der sollte mal auf dem Blog "Fiktion. fetzt" von der lieben Karo vorbeischauen. Dort gibt es hinsichtlich dieser Thematik wirklich alles, was das Herz begehrt!
  •  Mein persönlicher Favorit ist aber "Jane Eyre" von Charlotte Bronte. Ein wenig geheimnisvoll und mit Andeutungen an Geister, ein wenig verspielt und herzerwärmend durch die Beziehung zwischen Mr. Rochester und Jane und zum Schluss noch einmal etwas spannender durch gewisse Handlungsstränge, die man nicht unbedingt erwartet. Wenn es draußen stürmt und regnet passt die Lektüre zudem doppelt so gut.
  • Generell eignen sich aber eigentlich alle Klassiker, zum Beispiel auch Charles Dickens, der den Leser in das alte England entführt. Zwar nicht Dickens selbst, aber ähnlich ist zudem auch "Jack Engles Leben und Abenteuer" von Walt Whitman. Auch hier steht ein zu lösendes Geheimnis im Vordergrund und die wirklich ansprechende Atmosphäre der Stadt lässt den Leser den eigenen Alltagswahnsinn für kurze Zeit vergessen.

Habt ihr euch schon mit dem Hygge-Konzept beschäftigt? Hilft euch eine bestimmte Atmosphäre beim Lesen? Habt ihr bestimmte Bücher, die für euch ganz besonders hyggelig sind? 




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