Florida von Lauren Groff

Dezember 10, 2019

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Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Florida"/ 2018) Hanser Berlin (2019), Übersetzer/in: Stefanie Jacobs (aus dem Englischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Erzählungen wie der Ort, nach dem sie benannt sind – Florida: wild und schön, gleißend hell, dunkel und unberechenbar. Eine Mutter läuft Nacht für Nacht gegen Wut und Zweifel an, zwei Mädchen werden allein in der Wildnis zurückgelassen, eine junge Frau gibt jeglichen Besitz auf. Situationen schlagen um, und Menschen verwandeln sich in der flirrenden Hitze Floridas, das hier viel mehr ist als ein Land: eine Atmosphäre, in der alles, was das Leben ausmacht, üppig gedeiht und gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, die vertraute Oberfläche durchbricht. Mit grausamer Präzision und mitreißender Sprachgewalt erzählt Groff von Zorn, Furcht und Einsamkeit inmitten einer Natur, deren neue Schrecken wir selbst geschaffen haben. "
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"Er sah sich selbst als Insel mitten im Ozean, ohne jede Hoffnung, in der Ferne je eine andere Insel oder auch nur ein vorbeifahrendes Schiff zu sichten."  S.37

Florida, auch genannt der Sunshine-State. Im ersten Momente denkt man an Urlaub, Strände, Erholung und eben Sonnenschein. Doch Lauren Groff entführt den Leser in eine Welt des "gefährlichen" Floridas. Nicht zwangsläufig nur aufgrund der Schlangen und Alligatoren, sondern aufgrund der Lasten, welche die jeweiligen Protagonist*innen mit sich herumtragen. 
Die elf Erzählungen sind düster, sorgen für wenig Aufheiterung, beginnen aber relativ unspektakulär. Es wird von dem Alltag erzählt, beiläufige Sachen werden erwähnt, Situationen nahegelegt, von denen man denkt, sie seien unwichtig. Am Ende fügt sich immer alles so zusammen, dass man erahnt, worauf das gesagte hinauslaufen soll und zu einigen Geschichten fühlte ich mich durchaus verbunden. Allerdings sind diese unaufgeregten Darlegungen manchmal so "ruhig", dass man nicht genau weiß, was man damit anfangen soll. Man liest einfach weiter, weiß aber nicht genau, ob man davon etwas mitnehmen kann. 
Wenn man dies auf die Figuren bezieht, ist das natürlich großartig umgesetzt, denn genau das ist es, was sie empfinden. Eine stete Frage danach, was sie noch erwarten können, ob es für sie ein gutes, glückliches Ende geben wird. Für die Leser*innen hingegen fehlt es den Erzählungen da manchmal ein wenig an Hilfestellungen, damit man nicht das Gefühl einer Gleichgültigkeit verspürt. Denn an der einen oder anderen Stelle verflüchtigt sich der Impuls bei den Figuren bleiben zu wollen, man weiß nicht was sie von einem verlangen oder wollen und entzieht sich ihrer "Botschaft".

"Alles schimmerte, aber man konnte es nicht anfassen, als wäre es hinter Glas." S.71

Es gab aber eben durchaus auch Erzählungen, die ich sehr gelungen fand. Dort hat diese zurückgenommene Atmosphäre, gepaart mit der typischen (auch gefahrbereiten) Landschaft Floridas und der Sehnsüchte der Figuren wunderbar harmonisiert. Auch hier bleiben diese Geschichten meist düster, aber sie tragen so ein ganz leichtes Flackern in sich, als könnte man den Sonnenschein kurz aufleuchten sehen. Eine komplette Auflösung bekommen die Leser*innen jedoch nicht immer, denn vielleicht verschwindet das Licht wieder hinter einer dunklen Wolkendecke.
Ich habe mir in dem Buch sehr viele Stellen angemerkt, die ich sehr schön, stimmungsvoll, klug oder einfach als passend empfunden habe, daher bin ich natürlich der Meinung, dass die Erzählungen lesenswert sind. Für mich hat aber noch das kleine Fünkchen gefehlt, damit ich sagen kann, dass mich das Buch komplett überzeugt hat. Schade fand ich zudem, dass rassistische Begriffe fallen, wahrscheinlich der "Authentizität der Zeit" wegen. Hätte für meine Verhältnisse nicht sein dürfen, wo Groff doch sonst darauf geachtet hat, sich vernünftig auszudrücken.

Was ich an den Geschichten besonders mochte, war die Verbindung zwischen dem alltäglichen Leben, seinen Herausforderungen und der Literatur. In jeder Erzählung finden sich Bücher, die einen besonderen Wert für die Personen haben. Die letzte Erzählung "Yport" fand ich dahingehend noch einmal besonders interessant. Hier steht im Fokus, ob Altgeliebtes und Hochgelobtes für immer ein Anker sein kann, oder ob man sich nicht lieber davon trennen sollte, wenn man merkt, dass es problematisch und belastend ist.

"'Sag mal. Meinst du, es gibt noch gute Menschen auf der Welt?
            O ja, sagte er. Milliarden. Das Problem ist nur, dass die schlechten so viel mehr Lärm machen." S.224


Ein Erzählband mit einem eher düsteren, nachdenklichen Setting. Einige Geschichten konnten mich überzeugen und mitreißen, bei anderen hingegen fehlte mir das Durchhaltevermögen komplett dranzubleiben und nicht abzuschweifen. Thematisiert die Ängste, Hoffnungen, Tragödien und kleinen Lichtblicke der Protagonist*innen und vereint sie mit der Kulisse des Sonnenstaates, der sich hier unteranderem durch die heimischen Tiere als eher gefährlich präsentiert. Interessant für alle, die gerne von Lebensschnappschüssen lesen, welche nicht gänzlich auserzählt / aufgelöst werden.

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Christmas-Crime: "The Mistletoe Murder" von P.D. James

Dezember 09, 2019

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Die Weihnachtszeit ist eine besinnliche Zeit, so sagt man. Einige Autor*innen lassen es sich aber nicht nehmen, die kalte, verschneite Stimmung zu einer Kulisse des Verbrechens werden zu lassen. Auch P.D. James macht in "The Mistletoe Murder & Other Stories" das Weihnachtsfest, in vier kürzeren Erzählungen, zum Mittelpunkt von Verschwörungen und Spurensuchen. 


"I recall Christmas Eve in a series of images, like a gritty black-and-ahite film, disjointed, a little surreal."  S.13


Diese vier Erzählungen funktionieren, weil James nicht alles bis ins kleinste Detail beschreibt. Einiges wird nur impliziert oder es wird erst ganz zum Schluss beiläufig offenbart. Das sorgt manchmal für kleine Schockmomente, die man zwar manchmal schon kommen sieht, die aber eine gewisse Emotion nicht ausbleiben lassen.
Als Leser wird man in die Geheimnisse von Familien und deren Weihnachtstraditionen eingeweiht und begibt sich auf die Suche nach vermeintlichen Motiven. 
Das Weihnachtsfest ist oftmals das Zentrum des Verbrechens, versprüht aber einen doch distanzierten, keinen kitschigen Eindruck. So ist es oft ein Fest der Notwendigkeit, ein Fest als Spurenverwischer. Dennoch hatte ich beim Lesen stets das Gefühl, als befände ich mich in einem Karussell aus Aufnahmen, die von einem Winterszenario zum nächsten reichen und sich auf geschickte Weise miteinander verbinden, ohne inhaltlich Bezug aufeinander zu nehmen.

"The Mistletoe Murder & Other Stories" ist für mich daher ein wunderbares, wenn auch tatsächlich sehr böses Buch, das zur Winter- und Weihnachtsstimmung passt, sich aber nicht nur in dieser Thematik verliert. Es geht immer noch darum, welches Begehren, welche Intentionen ein Mensch verspürt und in was für Katastrophen dies enden kann. 
Die Verbrechen wirken zum Schluss zwar eher harmlos und verweisen des Öfteren auf die Klassiker Arthur Conan Doyle und Agatha Christie, aber sie offenbaren die dunklen Seiten des Menschen. Und wenn man über den atmosphärischen "Winterzauber" hinwegsieht, hält man Geschichten in der Hand, welche die Psyche des Menschen beleuchten. Man kann diese Erzählungen daher durchaus schnell hintereinander lesen, um sich in weihnachtliche Krimigeschichten zu stürzen, die auf der einen Seite unterhaltsam sind, man kann sich aber auch etwas Zeit lassen und zusätzlich die Genialität der Figurenzeichnung von P.D. James zu bewundern. 
So oder so: Eine Empfehlung von mir für die noch folgenden, kalten (vielleicht auch verschneiten) Festtage oder, wenn man Lust auf gute Kurzgeschichten hat.


"'Was that really what you wanted, to give me a peaceful Christmas? Was that all?'" S.32

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"The Mistletoe Murder & Other Stories" von P.D. James (einzeln veröffentlicht von 1969-1996), Faber & Faber (Erzählband erschienen 2016)


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November: Auf zur Signierstunde

Dezember 03, 2019

Bücherstapel-vom-Lesemonat-November-2019-Buchblog
Illustriertes-Buch-von-Jim-Kay-signiert

Anfang November ging es direkt mit einem kleinen Ausflug nach Köln los. Dank Liesa von MsCaulfield habe ich es nämlich noch geschafft, rechtzeitig zu entdecken, dass Jim Kay, der Illustrator der Harry Potter Schmuckausgaben, dort eine Signierstunde eingeplant hat. Mit dem vierten Teil unter dem Arm warteten wir also geduldig darauf, dass es losging. Zwar sind das natürlich vorrangig gute Möglichkeiten, um nochmal den Verkauf zu fördern, aber ich mag solche Signierstunden und freue mich immer, wenn ich diese wahrnehmen kann. Wenn man das Buch dann aufschlägt und die Widmung sieht, liest sich das Buch irgendwie noch einmal mit einem anderen Gefühl. 

Im November habe ich zudem eine sehr schöne Rezension bei Miss Bookiverse zu "Things We Say in the Dark" von Kirsty Logan entdeckt. Sie greift wirklich alles auf, was man von dem Buch erwarten kann. Schaut unbedingt mal vorbei, wenn euch das Buch interessiert und ihr euch vielleicht noch unsicher seid, ob es etwas für euch wäre.

Ansonsten habe ich in diesem Monat sechs Bücher beendet und den Lesemarathon zu Philip Pullmans "His Dark Materials"- Reihe begonnen. Nun einmal näher im Detail:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Once Upon a River" von Diane Setterfield: Der Roman mit den märchenhaften Elementen hat mir durchaus gut gefallen. Es gab kleinere (negative) Kritikpunkte, die den Gesamteindruck für mich aber nicht gemildert haben. Hier treffen Familiengeschichte und (altertümliche) Sagen aufeinander, verknüpfen sich aber geschickt und lassen den Leser wieder ein wenig an das Unmögliche glauben.
  • Der Erzählband "Dubliner" von James Joyce hat mich nur zum Teil überzeugen können. Einige Geschichten fand ich großartig, weil sie auf sehr subtile Weise eine Wahrheit offenbaren, die den Menschen, nicht bloßstellt, aber sozusagen offenlegt, zu anderen hingegen habe ich keinen wirklichen Draht gefunden. Das ist aber bei Erzählbänden denke ich häufiger der Fall. So ist aber vielleicht für jede*n mindestens eine Geschichte dabei, die sie /ihn in den Bann zieht. 
  • "Neverwhere" (London Below #1) von Neil Gaiman: Dies war ein Reread, da im neuen Jahr eine Art Fortsetzung folgen soll. Ich war wieder einmal sehr angetan von der Geschichte und bin nun umso gespannter, in welche Richtung sich der nächste Teil entwickeln wird.
  • "Die Geheimnisse der Gaslight Lane" (The Gower Street Detective #4) von M.R.C. Kasasian: Dieser Teil konnte mich leider nicht so überzeugen wie die drei Vorgänger. Hier wurden mir einige spitzzüngige Bemerkungen zu weit getrieben. Zwar soll Mr. Grice natürlich unausstehlich rüberkommen, aber hier wirkte es beinahe durchgehend beleidigend. Das milderte bei mir den unterhaltsamen Charakter. Der Fall selbst war durchaus knifflig, die sehr vielen Figuren und Ereignisse sorgen aber ab und an für einen "Overload". Ich hoffe, dass der nächste Teil wieder etwas durchdachter (?) daherkommen wird.
  • "Everything Under" von Daisy Johnson: Durch das Buch bin ich fast schon durch gesprintet. Nicht, weil ich es schnell hinter mich bringen wollte, sondern weil es mich tatsächlich irgendwie in den Bann gezogen hat. Da hierzu noch ein gesonderter Beitrag folgen wird, belasse ich es mal bei dieser ersten Einschätzung.
  • Zoe Gilberts "Nebelinsel" fand ich ebenfalls ziemlich gelungen. Es ist düster, bizarr, märchenhaft und dennoch mitten aus dem Leben gegriffen. Zumindest was die Ängste und Gedanken der Menschen rund um die Zukunftsplanung angeht. Ich habe lediglich das Gefühl, dass es für manche Leser zu speziell sein könnte. Wer aber gerne Geschichten liest, die einfach anders sind und sich nach und nach entfalten, dem kann ich das Buch empfehlen.

Gab es bei euch interessante Rezensionen, die ihr entdeckt habt? Wart ihr vielleicht auch auf einer Signierstunde? Oder interessieren sie euch nicht sonderlich?

Buch-von-Daisy-Johnson-Everything-Under

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Der Philip Pullman Lesemarathon

November 29, 2019

Bücher-von-Philip Pullman-His-Dark-Materials

Die His Dark Materials Trilogie, "La Belle Savauge" & "The Secret Commonwealth". Alle Bücher lagen hier noch ungelesen bei mir herum. Das wollte ich unbedingt ändern und habe mich nun dazu entschieden, kurz nachdem am 03. November die Neuverfilmung als Serie gestartet ist, einen kleinen Philip Pullman Marathon einzulegen. Ich habe vor Jahren schon einmal die erste Verfilmung mit Nicole Kidman gesehen, irgendwie aber auch nur so halb, da ich von den Inhalten und den Geschehnissen eher verwirrt war. Dadurch, dass ich die Bücher nicht gelesen hatte, fehlte mir einfach zu viel Vorwissen. Nun wird es langsam frostiger und eisiger, was wohl irgendwie ganz gut zu den Büchern passen dürfte, somit freue ich mich nun umso mehr auf die Welt, die Pullman erschaffen hat. 

Der Vorgang soll so aussehen: Ich beginne mit der Trilogie und werde nach jedem (mal größeren, mal kleineren) abschnitt, meine Gedanken niederlegen. Was überrascht mich während des Lesens? Welche Erwartungen werden nicht erfüllt? Und da dies sicherlich etwas länger dauern wird, ich gegebenenfalls auch andere Bücher zwischendurch lesen werde, wird dieser Beitrag immer mal wieder aktualisiert. Ihr könnt also gerne öfters rein schauen. Bilder und Texte werden nach und nach ergänzt. Ich hoffe ich kann ihn auf der Seite so positionieren, dass er sozusagen in Reichweite bleibt. Wenn der Beitrag abgeschlossen ist, werde ich ihn auf den Social-Media-Kanälen teilen, für alle, die nicht daran interessiert sind, die einzelnen Schritte zu verfolgen.

"Northern Lights" (His Dark Materials #1)

28.November: 
  • Es geht los! Ich greife zu meiner Everyman´s Library Ausgabe und überspringe erst einmal schön die Einleitung. Da diese Spoiler aufgreift, lese ich sie am Ende nachträglich. 
  • Das Vorwort von Pullman finde ich hingegen sehr gelungen. Kurz und knapp, aber reflektiert. Bin gespannt, ob ich seiner Meinung bin, was die möglichen Verbesserungen angeht.
  • Part One: "The Decanter of Tokay": Diese sehr detaillierte Einteilung der Geschichte hätte ich nicht erwartet und auch nicht, dass der Roman mit so vielen Fragen, Geheimnissen und Vermutungen beginnen würde. Somit steigt natürlich die Spannung auf das Folgende, die Einführung in die Welt ist bisher noch recht zurückhaltend. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich auf den folgenden knapp tausendeinhundert Seiten noch etwas tun wird.
01. Dezember:
  • Über das Wochende hinweg war die Lesezeit irgendwie kaum vorhanden. Heute kamen meine Schwester und mein Schwager zu Besuch, um ein wenig den ersten Advent einzuläuten. Dennoch habe ich mich Abend noch an die nächsten Kapitel von His Dark Materials gemacht.
  • S. 21 - 74: Die ersten hundert Seiten sind fast gelesen und mir gefällt es bisher wirklich gut. Lyra hat noch diese naive und kindliche Sichtweise, was natürlich, wenn man noch an eine mögliche Charakterentwicklung und an das authentische Verhalten eines jungen Mädchens denkt, mehr als passend ist.
    Die beschriebene Welt selbst finde ich unfassbar spannend und natürlich bin ich sehr gespannt darauf mehr zu erfahren. Die vielen Anspielungen auf bevorstehende Ereignisse und die Frage danach, wem man vertrauen soll, bieten eine gute und spannungsreiche Grundlage. Zudem sympathisiere ich bisher auch sehr stark mit den "Deamons" selbst und lerne gerne mehr über sie und ihre Eigenschaften kennen.
    Dadurch, dass bereits zu beginn schon das Thema um den "Dust" kreist, habe ich direkt schon die Vorgeschichte im Hinterkopf, die ja als Reihe den Namen "Book of Dust" trägt.

02. Dezember:
  • Was für ein Zufall. Ich habe heute durch einen Twitterbeitrag des Folio Society Verlags einen Test von BBC entdeckt. In diesem kann man seinen persönlichen "Daemon" (ähnlich wie der Test für den Patronus) herausfinden. Meiner war eine "Silk Moth". HIER gelangt ihr zu dem Post inklusive Link zum Test, falls ihr es auch herausfinden möchtet. 

03. Dezember:
  • S.74-141: "Part One" habe ich nun beendet und bin einerseits immer noch sehr von der Geschichte eingenommen, andererseits besteht beinahe alles weiterhin aus Vermutungen und nicht aufgelösten Verwandtschaftsverhältnissen. Ich weiß immer noch nicht, wem ich vertrauen und glauben soll. Aber es fühlt sich ganz so an, als wäre ich dadurch absolut in Lyras Situation.
    Und das eigentliche Abenteuer scheint jetzt erst loszugehen. Die Thematik rund um den Norden und die geheimen Organisationen spornen den Leser aber zum Weiterlesen an, passen zudem auch wunderbar zu der momentan steigenden Winter- und Weihnachtsstimung. Vielleicht bereite ich mir für den zweiten Teil noch einen Kakao zu...

05. Dezember: 
  • S.141-261 (kompletter "Part Two") : Hmm, also im zweiten Teil stagnierte das neue Wissen um die Welt von Lyra ein wenig. Zumindest kam es mir so vor. Alles wurde noch einmal verdeutlicht, die Beziehung zwischen Mensch und "Daemon" wurde erneut als eigentlich unlösbarer Bund herausgestellt, aber irgendwie ist man dem Ziel nicht näher gekommen. Es war ehe ein Teil, der schlichtweg den Schlagabtausch darstellen sollte - ein kurzes hin und her.
    Ich glaube von diesem Abschnitt hatte ich mir doch etwas mehr erhofft, aber ich bin noch guter Dinge, dass der letzte Teil des ersten Buches einiges offenbaren wird.
    Zumindest ist mir jetzt deutlich geworden, dass der Eisbär (Iorek Byrnison) gar nicht Lyras Daemon ist. Das hatte ich seit dem Film und aus einem Halbwissen heraus irgendwie immer angenommen. 
  • S. 261-351: Den erste Band habe ich noch beendet. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und irgendwie bleibt man mit einem großen Cliffhanger und vielen Fragen zurück. Wird demnach nicht lange dauern, dass ich mich zum nächsten Abenteuer mit Lyra begebe.
    Grundsätzlich fand ich den ersten Teil ganz gut, aber dadurch, dass noch zwei weitere Teile folgen, wurde es tatsächlich etwas "gezogen". Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gerne in dem Universum der Protagonisten aufgehalten. Die "Daemons", der "Dust", der Kompass und auch das Nordlicht sind alles Elemente, welche die Geschichte besonders machen. Zudem war ich, wie Lyra, ein Sympathisant des Eisbären. Das Buch hat durch die junge Protagonistin definitiv einen gewissen "Jugendbuch"-Charme, das hat mich aber ganz und gar nicht gestört.

Fortsetzung folgt...


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Nebelinsel von Zoe Gilbert

November 23, 2019

Buch-Nebelinsel-Zoe Gilbert

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Folk"/ 2018) Wunderraum (2019), Übersetzer/in: Regina Rawlinson (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Das Porträt einer archaischen Inselgemeinschaft, erzählt in betörenden Märchen Die salzige Luft ist schwer vom Duft der Ginsterbüsche, und etwas Mystisches liegt über der Insel. Wundersame Geschichten erzählen von diesem Ort, an dem das Leben geprägt ist von der rauen Natur, alten Bräuchen und dunklen Mythen, die in den Alltag der Menschen eindringen. Da ist beispielsweise Verlyn, der mit einem Flügel statt eines zweiten Arms geboren wurde. Oder Plum, die von einem Mann entführt wird, aus dessen feuchten Locken sie winzige Muscheln kämmt … Mit jeder Erzählung taucht man tiefer ein in die Schicksale der Bewohner von Neverness und verfällt ihrer eigentümlichen Heimat."
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"Hinter Gullers kindlichen Zügen verbirgt sich etwas Dunkles, das ihm zuwider ist."  S.40

Nach dem ersten Kapitel, hatte ich das Gefühl, dass es eine Art "Herr der Fliegen" á la Golding werden könnte, mit zunehmenden Geschichten der Stadt Neverness hingegen verstärkte sich ein Empfinden, als würde ich moderne Erzählungen der Gebrüder Grimm lesen. Letztlich war es beides und keines von beidem, denn Zoe Gilberts erschaffene Welt hebt sich noch einmal davon ab.
Anfangs war ich etwas zwiegespalten. Der Einstieg ist sehr skurril und ungewöhnlich. Man muss sich auf Rituale und ein Denken von einer Gemeinschaft einlassen, die sehr fremd und manchmal auch brutal wirken. Als Leser schlendert man als Beobachter durch die Häuser der Erzähler, erfährt von ihren Schicksalen und entdeckt dabei Inhalte, die an zurückliegende Sagen erinnern.
Einige davon konnte ich beim ersten Lesedurchgang noch nicht ganz entziffern oder wollte es vielleicht zu dem Zeitpunkt gar nicht. Besonders die Beziehung zwischen Jungen und Mädchen / Männern und Frauen ist hier sehr an die Grenzen getrieben worden. Alte Muster werden noch nicht ganz durchbrochen, denn bereits zu Beginn wird klar, alles zielt darauf ab, einen Partner fürs Leben zu finden. An einigen Stellen erspürt man eine kleine Wende, als wolle der Erzähler sagen, so WAR es, so muss es aber nicht bleiben, nur um kurz darauf wieder von dem alt bekannten Dorfleben verschluckt zu werden.

"'Wasserbulle', sagte sie.
Jetzt müsste mir vor Angst eiskalt, denn das ist die Geschichte, die Win am häufigsten erzählt, ob im Bardenhaus oder hier auf dem Sofa.”
S.78

Ich habe mich dennoch gerne von Geschichte zu Geschichte gelesen. Einige Erzählungen haben mich dabei tatsächlich auch komplett überzeugen können. Sie vereinen Gedanken, die man sehr gut auf das "moderne" Leben anwenden kann, spielen dabei aber mit dem Märchenhaften und weben Elemente ein, die uns in eine andere Welt entführen können. Die Idee, dass jeder Dorfbewohner sozusagen mit etwas Übernatürlichem, nicht leicht Erklärbaren in Verbindung steht, fand ich dabei ebenfalls sehr geglückt. Zwar wechseln die Erzähler immer mit jedem Kapitel, jedoch erfährt man meist noch etwas über diese in den anderen Geschichten. Ein roter Faden ist dadurch auf jeden Fall erkennbar. Gleichzeitig wird nicht alles bis auf das kleinste Detail erzählt und es bleibt genügend Spielraum für eigene Interpretationen.
Die Stimmung ist durchgehend etwas düster, als würde gleich von irgendwoher ein Nebel aufziehen (der deutsche Titel trifft es also ziemlich gut), dennoch ist es nicht zu erdrückend oder deprimierend. Besonders gut liest sich das Buch aber wirklich an regnerischen, dunklen Abenden. Dann hat man das Gefühl, als sei man selbst in dem Dorf und lausche den Erzählern im Bardenhaus.

"'Horch, wie der Rhythmus durch das Ginsterlabyrinth rollt." S.223


Eine sehr eigener, aber auch fesselnder psychologischer Erzählband, der das Alltägliche mit dem Märchenhaften geschickt verknüpft. Mir haben zum Zeitpunkt des Lesens nicht alle Geschichten zugesagt, das liegt aber wohl auch daran, dass das Buch gut dazu geeignet ist, langsam und bewusst gelesen zu werden. Andere Erzählungen hingegen haben mich direkt gepackt und überzeugt. Für jeden, der gerne von außergewöhnlichen Dorfgemeinschaften liest. 


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Neuzugänge: Penguin Minis und Bookstagram-Verlockungen

November 22, 2019

Bücherstapel-Neuzugänge

Penguin Minis-Puffin in Bloom
The Hazel Wood-Melissa Albert

Seit den letzten (kleinen) Geburtstagsneuzugängen sind wieder einige Bücher bei mir eingetrudelt und momentan bin ich wieder voll und ganz im Lesefieber, denn die früh eintretende Dunkelheit am Tag sorgt für die perfekte Lesestimmung. Zudem könnte ich einfach den ganzen Tag damit verbringen mir alle Bücher anzuschauen (in meinem Regal oder auch auf Instagram), sie neu anzuordnen, die Vorsatzpapiere und die, sich unter dem Schutzumschlag verborgenen, Zusätze wiederzuentdecken und sie anzuschmachten. Es ist wirklich nichts Neues, aber jedes Mal, wenn man wieder feststellt, wie sehr man gewisse Dinge liebt und sie einen glücklich machen, fühlt man sich einfach wohl und beinahe geborgen. Als würde einem jemand zuflüstern, dass man endlich seine Leidenschaft gefunden hat und man allein dadurch eine gewisse Inspiration in sich trägt. Für mich können Bücher und das Entdecken neuer Geschichten genauso aufregend und spannend sein, wie für andere ein Ausflug zum Bungee Jumping. Somit präsentiere ich - Et voilá - die Neuzugänge im November:

  • Genau einen Monat sind die kleinen Puffin in Bloom Bücher nun auch in der Penguin Minis-Variante auf dem Markt. Gestartet ist die Reihe mit einem John Green Set (mittlerweile gibt es noch zahlreiche weitere Romane in dem Format), welches ich bisher allerdings etwas gemieden habe. Die Verfilmung zu "Paper Towns" fand ich nicht so überzeugend, dass ich, nach "The Fault in Our Star", noch zu weiteren Romanen von ihm greifen wollte (lediglich "Turtles all the way down" habe ich noch etwas im Blick). Aber mal zurück: Obwohl ich schon die großen Ausgaben der Puffins besitze, konnte ich letztlich doch nicht widerstehen. Die Minis sind perfekt für Unterwegs und man kann sie in beinahe jede noch so kleine Tasche packen. Dieses Set besteht aus "A Little Princess", "Anne of Green Gables" & "Heidi". "Little Women" ist leider nicht dabei, aber wie schon auf Instagram angedeutet, denke ich, dass es etwas zu wuchtig für das Format gewesen wäre.
  • "The Hazel Wood" von Melissa Albert: Ich bin mal wieder spät dran, denn Anfang 2020 wird schon die Fortsetzung folgen. Nichtsdestotrotz dachte ich mir, kann ich ruhig mit dem ersten Teil beginnen. Es klingt nach einem Buch, das wunderbar in die Herbst-/ Winterzeit passt. Hier verweise ich zwar nicht auf eine Bookstagram-Empfehlung, aber meine Schwester hat das Buch vor einiger Zeit ebenfalls gelesen und war recht angetan. Das stimmt mich dann immer zuversichtlich.
  • Über das Rezensionsexemplar zu Lauren Groffs "Florida" habe ich mich ebenfalls sehr gefreut. Bei mir liegt hier zwar noch ihr Roman "Fates & Furies", aber mit Kurzgeschichten fällt es mir manchmal leichter zu beginnen. Man tastet sich dann Stück für Stück, Kapitel für Kapitel vor und hat schon einmal einen etwas gröberen Eindruck vom Schreibstil. Nachdem @literarischernerd die Erzählungen auch so sehr gelobt hat, bin ich nun umso gespannter darauf!
  • Ebenfalls als Rezensionsexemplar eingezogen ist das Buch "Gartenstadtbewegung", herausgegeben von Tobias Roth und erschienen im Verlag "Das kulturelle Gedächtnis". Die Bücher, die dort veröffentlicht werden sind ein Hingucker. Hochwertiges Papier und oben gibt es einen farblich angepassten Buchschnitt. In diesem Buch finden sich "Flugschriften, Essays, Vorträge und Zeichnungen aus dem Umkreis der Deutschen Gartenstadtgesellschaft". Ich habe mich bis jetzt noch nie mit diesem Thema befasst und auseinandergesetzt, daher bin ich auch hier gespannt, was mich erwarten wird. Der Klappentext klingt aber recht vielseitig. Gerade in der heutigen Zeit, in der bezahlbare Wohnungen immer seltener werden und die Klimadebatte im vollen Gange ist, scheint es hochaktuell zu sein.
  • "Orchid & The Wasp" von Caoilinn Hughes: Das Buch habe ich das erste Mal auf dem Instagram-Account von @biblio.babble entdeckt und war sofort von dem Cover angetan. Zudem geht es laut Angaben um die Anforderungen an persönlichen Ambitionen im Leben und um soziale Umbrüche, also ein guter Roman, wenn man wieder Lust auf einen Roman hat, der die Schwierigkeiten des Alltags hervorhebt.
  • "Bunny" von Mona Awad hat mich ebenfalls des Öfteren auf Instagram verfolgt. Zuerst gesehen bei @missbookiverse, habe ich direkt mal etwas nachgehakt, ob es sich lohnt. Kurz darauf habe ich es dann auch noch öfters bei @lottelikesbooks entdeckt, die es sogar mit fünf Sternen bewertet hat. Und irgendwie war ich seither ziemlich neugierig darauf. Es soll wohl etwas heftig sein, wenn es um den Umgang mit Tieren geht, aber wenn selbst Margaret Atwood von dem Buch schwärmt, habe ich die Hoffnung, dass es alles einen "Sinn" macht und es eine Botschaft verfolgt, also nicht wahllos auf Gewalt aus ist. Hoffe daher, dass ich es schaffen werde, das Buch in ganz naher Zukunft zu lesen.
  • Und dann wurde es auch mal Zeit (nach gefühlt zehn Jahren), dass ich endlich den zweiten Teil "The Girl Who Fell Beneath Fairyland and Led the Revels There" der "Fairyland"-Reihe von Catherynne M. Valente weiterlese. Ich kann mich daran erinnern, dass der erste Teil ebenfalls wunderbar in den Herbst gepasst hat. Verträumt und doch voller abenteuerlicher Bezüge zur Realität. Ich freu mich schon darauf! Bleiben dann also nur noch drei weitere Bände...


Habt ihr eines der Bücher schon gelesen? Würde euch eines besonders ansprechen? Wie sieht eure momentane Lesesituation aus?




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Die Geheimnisse der Gaslight Lane (The Gower Street Detective #4) von M.R.C. Kasasian

November 18, 2019

Buch-Die Geheimnisse der Gaslight Lane-Kasasian

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Secrets of Gaslight Lane"/ 2016) Atlantik Verlag (2019), Übersetzer/in: Alexander Weber (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3 Sterne
"Alles ist ruhig in der Gower Street 125 – zu ruhig. Während Sidney Grice über die anatomische Struktur menschlichen Haares nachdenkt, raucht seine Patentochter March Middleton eine heimliche Zigarette nach der anderen. Endlich werden die beiden von einer jungen Dame erlöst, die Sidney um Hilfe bittet. Ihr Vater wurde brutal ermordet. Alles geschah in seinem hermetisch abgeriegelten Haus und es gibt keine Spuren eines Einbruchs. Doch schnell kommt Sidney dahinter, dass er in Wahrheit zwei Mordfälle aufklären muss. Denn Onkel und Tante des Verstorbenen wurden zehn Jahre zuvor auf die gleiche grausame Art umgebracht. Kein leichtes Unterfangen – selbst für Londons besten Detektiv."
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"'Sie hat numal nich unsere Intelligentheit, nich wahr, Sir?' versetzte Molly süffisant, und ihr Dienstherr musterte sie prüfend.
          'Deine kognitive Insuffizienz wird einzig noch von deinem mentalen Vakuum übertroffen', entgegnete er, und Molly grinste.
'Keine Sorge, Miss', beschied sie mir. 'Von Ihnen sagt er dasselbe.'
      'Ganz bestimmt tut er das' , versicherte ich ihr." 
S.40

Oh wow, ich hatte wirklich vergessen, wie unausstehlich Sidney Grice sein kann. Er wettert gegen alles und jeden, aber eines muss man ihm lassen - er "verachtet" alle Menschen gleichstark. An der einen oder anderen Stelle habe ich mich gefragt, ob ich sensibler geworden bin oder ob sich die Ausdrücke und Kommentare der Figuren wirklich verschärft haben. Ich muss leider gestehen, dass es mir in diesem vierten Band oftmals schon einfach zu viel war. Der Autor hat sich hier etwas zu sehr an Sidney Grice ausgetobt und es meiner Meinung nach etwas zu weit getrieben. Und das, obwohl seine helfende Hand Miss Middleton klar macht, dass sie ihm in seinen Ansichten nicht zustimmt und auch gegen ihn wettert.
Dies rettet den Roman hinsichtlich dieser Äußerungen ein klein wenig. Denn March Middleton und die Haushaltskraft Molly sind so eigen und versuchen im 19. Jahrhundert tatsächlich eine Art Gleichberechtigung für Frauen voranzutreiben. Man merkt immer mal wieder durchaus, dass hier versucht wird die negativen Seiten des Ermittlers abzumildern und sie zu kritisieren. Dennoch gab es für mich leider zu viele kritische Begriffe, die irgendwie unüberlegt reingeworfen wurden, selbst in einem sehr sarkastischen, humorvollen Kriminalroman. 

"'Alibis sind wie Hosen.' MrG fuhr mit dem Finger wieder zurück. 'Je öfter man sie trägt, desto fadenscheiniger werden sie.'” S. 69

"Der Diener straffte seinen Rücken und streckte die Brust heraus wie ein Gefreiter beim Antreten. 'South Easterly Gale Nutter, zweiunddreißig Jahre alt, Sir.'
       'Entschuldigen Sie...' Nur mit Not konnte ich ein Lachen unterdrücken. 'Heißen Sie wirklich so?'
'Jawohl Miss' , sagte er. 'aber alle nennen mich Easterly. Öch habe zwei Brüder, Westerly und Norherly, und eine Schwester namens Southerly.'"
S.106

Der Fall selbst war dieses Mal wieder recht interessant und bot einige Entwicklungen, die man nicht vermutet hat. Allerdings hatte ich auch hier das Gefühl, dass sich der Autor etwas zu sehr hineingesteigert hat. Es gibt sehr viele Figuren, Namen, Orte, Daten und Fälle, die einem beinahe um die Ohren geworfen werden und einige davon kann man sich einfach nicht vernünftig merken. Dadurch viel es auch oftmals schwer selbst "Ermittlungen" aufzunehmen.
Man kann allerdings nicht behaupten, dass es demnach langweilig ist, da ständig etwas geschieht oder angedeutet wird. Ebenfalls wird sehr häufig von den Taten berichtet, die mit reichlich Blut und aufgespießten Körpern zu tun haben, was mir zusätzlich an vielen Stellen überflüssig schien. Der Fokus lag aber eher auf den scharfzüngigen Interaktionen der Figuren, die mir, wie ich schon angedeutet habe,  diesmal einfach zu extrem waren, auch wenn man an der einen oder anderen Stelle durchaus schmunzelt (wenn es gerade nicht beleidigend ist, sondern ein gut überlegter Schlagabtausch stattfindet).

"'Solch bittere Armut neben solchem Reichtum', klagte ich. 'Es muss etwas getan werden.'
        'Da kann ich Ihnen nur zustimmen.' , sagte MrG und stiefelte durch die Nebelschwaden. 'Man sollte sie alle fortjagen.'
'Der beste Weg sich der Armen zu entledigen, ist, sie reich zu machen.' wiedersprach ich. Doch da widmete er sich bereits der Eingangstür und den quer verlaufenden Metallriemen, mit denen sie beschlagen war.
"
S.103


Der vierte Fall von Sidney Grice und March Middleton hat viel Tempo, ist aber auch ziemlich blutig und verliert sich manchmal in zu vielen Einzelheiten, da es schwer fällt, über die Personen und Ereignisse den Überblick zu behalten. So sehr ich die Dynamik der Protagonisten eigentlich schätze, schien mir hier über die Stränge geschlagen worden zu sein. Mr. Grice äußert Dinge, die einfach zu weit gehen und manchmal einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlassen, trotz der guten und charmanten Gegenwehr der Damen im Haus.



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Once Upon a River von Diane Setterfield

November 14, 2019

Buch-Once Upon a River-Diane Setterfield


Buch-Once Upon a River-Diane Setterfield

(Original: "Once Upon a River"/ 2018) Emily Bestler Books (Simon & Schuster Imprint), Übersetzer/in: -, ★★★★(☆) 4,5 Sterne
An einem kalten Winterabend in einem antiken Gasthaus, entlang der Themse, unterhalten sich die Stammgäste, indem sie sich Geschichten erzählen. Doch plötzlich wird die Tür aufgestoßen und ein verletzter Mann tritt ein. In seinen Armen hält er den Körper eines ertrunkenen Kindes. Nur einige Stunden später beginnt das Mädchen allerdings wieder zu atmen und bewegt sich erneut unter den Lebenden.
Ist es ein Wunder? Oder doch Magie? Und zu wem gehört das Mädchen?
Die britische Online-Zeitung "Independent" sagt, das Buch vereine einen Hauch von "Jane Eyre", "Rebecca" und "The Woman in White".
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"She tried to catch the tail end of the feeling and name it. Almost too late, yet she did catch it, fleetingly, for she heard the words her tongue pronounced in the empty room:
'Something is going to happen.' " 
S.65

"Once Upon a River" ist endlich mal wieder eines dieser Bücher, das mich absolut gefesselt hat, bei dem es mir aber umso schwerer fällt, die Magie, die davon ausgeht, wirklich zu beschreiben. Vielleicht auch, weil ich vermute, dass sie nicht bei jedem gleich stark hervorgerufen werden wird.
Der Roman, die Geschichte mit märchenhaften Elementen, die Erzählung, der etwas von "magical realism" anhaftet, man könnte viele Genres und viele Beschreibungen für Setterfields Text heranziehen, aber es bleibt ein Text, den man nicht gänzlich kategorisieren kann.
Ebenso bin ich mir sicher, dass für den einen vielleicht zu wenig geschieht, für den anderen hingegen zu viel, denn das Buch beinhaltet viele - wirklich viele - Wendungen und Plottwists, die einen immer wieder nach vorne gehen oder zurücktreten lassen. Perspektiven werden gewechselt, Vergangenheiten werden hervorgeholt und Geheimnisse werden offenbart. Für mich persönlich haben die vielen Wendungen durchaus Sinn gemacht und haben nicht für eine Überfüllung der Handlung gesorgt. Die Geschichte lebt davon, dass alles möglich sein könnte, dass zu jedem Zeitpunkt, eine andere Wahrheit existieren kann und es einen Erzähler gibt, der sich und diese Wahrheit im Verborgenen hält. Die Spannung war für mich daher durchaus in beinahe jedem Kapitel gegeben.

"There are stories that may be told aloud, and stories that must be told in whispers, and there are stories that are never told at all.” S. 247

Was mich allerdings weitaus mehr beeindruckt hat als die Spannung, war die bloße Idee, die Wortwahl und diese sogenannte "Magie", die alles umschließt. Immer mal wieder kamen Sätze, wie aus dem nichts, die mich gepackt haben und mich nicht loslassen wollten, weil sie in sich vor der Grenzenlosigkeit sprühen. Ich liebe Geschichten, die dies bewirken können. Das Gefühl, dass der Text einem kleine Hinweise zuschiebt, die man entweder annehmen kann und sich in eine ganz besondere Welt entführen lässt oder aber die Hinweise so deutet, dass man sich auf einem sicheren Pfad befindet, den man jederzeit verlassen könnte, wenn man wollte. Es ist eine Geschichte, die um das Erzählen selbst kreist und den Leser / die Leserin vielleicht auch dazu ermutigt, selbst Geschichten weiterzuerzählen.
Diese ganze Stimmung wird wunderbar getragen von dem historischen Setting. Besonders gelungen fand ich die Verbindung zu der damals noch aufwendigen Produktion von Fotografien und der Tradition sich in den Gasthäuserin, wie dem "Swan" zu treffen. Ebenfalls geglückt ist das durchgängige Aufgreifen des Sees und des Wassers, was durch die Nässe und teilweise Kälte dafür sorgt, dass man das Buch wunderbar an Herbst- /Winterabenden lesen kann.
Gesagt werden muss aber auch, dass das Buch gewisse Themen anspricht, nicht zwingend explizit, aber doch gezielt auf diese verweist, die mit traumatischen Erlebnissen und der Bewältigung dieser zu tun haben. Dadurch passiert es, dass man von diesem märchenhaften Stil durchaus abrupt in eine kalte, echte, und harte Welt katapultiert wird, die sich mit dem menschlichen Abgrund beschäftigt. Psychologische Ansichten werden hiermit zwangsläufig auch bedient und greifen oft die Überlegungen der psychischen Unterdrückung oder Manipulation auf.

"The philosophers of the Swan fell to thinking and very quickly to disputing. Does the occurrence of one impossible thing increase the likelihood of a second?" S. 301


Ein Roman, den man schwer kategorisieren kann, der sich aber durchaus zwischen einer märchenhaften, magischen und einer "kalten", realen Welt bewegt. Es gibt viele Wendungen und mögliche Ansätze zur Interpretation, für mich jedoch liegt die Besonderheit darin, dass der Text zum Glauben an das Unmögliche einlädt. Trotz einiger kleiner Kritikpunkte, bisher eines meiner Highlights.


Buch-Once Upon a River-Diane Setterfield

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Neverwhere (London Below #1) von Neil Gaiman

November 09, 2019

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Viele Leser / Leserinnen haben lange darauf gehofft, vor zwei Jahren wurde es dann schon einmal bestätigt, und nun ist es bald soweit. Die Fortsetzung (oder Erweiterung) von "Neverwhere" steht in den Startlöchern und soll nächstes Jahr im September unter dem Titel "The Seven Sisters" erscheinen. Aus gegebenem Anlass habe ich nun erneut zu dem Roman gegriffen und frische die alte Rezension zusätzlich ein wenig auf. Hat sich meine euphorische Ansicht über die Geschichte gelegt? Will ich immer noch eine Fortsetzung lesen (Das kleine Büchlein "How The Marquis Got His Coat Back", das ebenfalls zu dieser Welt gehört, mal außer Acht gelassen)?

"She nodded. The rain fell harder, pattering on the roofs and on the asphalt of the road. 'I´d watch out for doors if I were you." S. 3

Was erwartet den Leser in "Neverwhere"?

Richard Mayhew ist ein junger, gutherziger Mann mit einem recht gewöhnlichen Leben, welches sich jedoch für immer verändert, nachdem er einem Mädchen hilft, das er blutend auf dem Gehweg Londons vorfindet. Sein Akt der Hilfsbereitschaft manövriert ihn direkt hinein in eine Welt, von der er niemals geahnt hat, dass sie existierten könnte. Es gibt Menschen, die durch das Raster der Gesellschaft fallen und Richard wird zu einem von ihnen. Er muss lernen, in der Stadt voll von Schatten und Dunkelheit, Monstern und Heiligen, Mördern und Engeln zu überleben und gleichzeitig herausfinden, wie er in das London, das er kennt, zurückgehen kann.

Kritikpunkte, denen ich aus der alten Rezension immer noch zustimme

Es ist durchaus so, dass ich vielen Kritikpunkten aus meiner alten Besprechung zustimmen würde. Einiges sollte aber durchaus ergänzt werden, denn es klingt oftmals tatsächlich so, als sei ich verwundert darüber gewesen, dass eine Fantasygeschichte mit phantastischen Elementen spielt (okay...?). Daher folgt nun eine Rezension, die sich auf meine nun etwas erweiterte "Leseerfahrung" stützt.
  • Die Geschichte ist "typisch Neil Gaiman": Definitiv! Man lernt eine Parallelwelt Londons kennen, die vollkommen neuartig und einzigartig ist, die man sich aber dennoch gut vorstellen kann. Eine Welt, die neben unserer existiert und die wir nicht wirklich wahrnehmen, weil wir es nicht wollen. Gaiman schafft es daher, dem Leser / der Leserin wieder den berühmt berüchtigten Spiegel vorzuhalten und die Gesellschaftsnormen in Frage zu stellen. Zusätzlich gibt es Charaktere und Figuren, die nach der Handschrift des Autors schreien und welche mit der Mythologie verwoben werden.
  • Humor, eine gute Portion Mystery, Tiefgang und kleine Horrorelemente werden gelungen vereint: Tatsächlich findet man hier von allem etwas und es wirkt überhaupt nicht überladen. Durch die Aufgaben, die der Protagonist erledigen muss, ist ein Stillstand nicht gegeben und man schwankt ständig zwischen erfreulichen Passagen, die einem ein Lächeln entlocken, schaurigen oder sogar emotionalen Passagen.
  • Die Figuren funktionieren als Gruppe sehr gut: Damit ist gemeint, dass sich die Dynamik der Charaktere sehr gut entwickelt und man niemanden als überflüssig ansieht. Bei jedem fragt man sich, ob man ihm / ihr vertrauen kann. Selbst die kleineren Auftritte, wie von "Anaesthesia" bleiben im Gedächtnis und sorgen für ein vertrautes Gefühl. 
  • Es gibt spannende Plot-Twists: Nach dem zweiten Lesedurchgang kann ich dem zwar immer noch zustimmen, jedoch würde ich schon sagen, dass sich einiges anbahnt und man dies auch wahrnimmt. Nichtsdestotrotz hatte ich tatsächlich einige Wendungen wieder vergessen und wurde dann mit diesen überrascht. Dadurch bleibt die Geschichte glücklicherweise durchgängig spannend und lässt zu, dass man mit rätselt, während man sich von Kapitel zu Kapitel begibt.


Kritikpunkte, die noch erwähnt werden sollten

  • London!: Was ich in der ersten Rezension gar nicht erwähnt habe, ist die Tatsache, dass London hier wahnsinnig gut in Szene gesetzt wird. Neil Gaiman beschreibt die Straßen, die Orte, wichtige Sehenswürdigkeiten so herrlich, dass man direkt dort hinfahren wollen würde. Man findet hier ebenso einige sehr schöne Überlegungen, wieso gewisse Stationen so heißen, wie sie nun einmal heißen und welche Geschichten sich um diese Orte und benannten Figuren ranken. Die Reihe heißt schließlich nicht umsonst "London Below". Daher gibt es auch einen klaren Pluspunkt für das gesamte Setting. Wichtig und gut zugleich aber: Londons "Schattenseiten" und die Kritik werden aufgegriffen, sprich auch das Gesellschaftsraster, durch das viele zu fallen scheinen.
  • Das Buch ist für viele Leser / Leserinnen geeignet: Quasi für alle, die auf spezielle und ausgefallene, Fantasy angehauchte, Geschichten stehen und die sich gerne darauf einlassen etwas Neues und Ungewöhnliches zu erleben. Dennoch bleibt das Spiel und die Frage nach Wahrheit und Fiktion ständig erhalten. 
  • Das Spiel mit Türen und Schlüsseln. Der Aspekt nimmt einen großen Teil in dem Roman ein und ich finde ihn unfassbar spannend. Die Figur "Door" verweist bereits darauf, dass die Übergänge zwischen den "Welten" eine besondere Rolle spielen und diese Spielerei wird, meiner Meinung nach, im gesamten Roman gelungen aufrecht erhalten. Wie werden Orte betreten, wie wieder verlassen? Welche Schlüssel benötigt man? Allein die Vorstellung der Möglichkeit einer solchen "Reise" ist sehr einnehmend und macht Lust darauf, sich selbst eine ganz eigene Welt zu erschaffen oder diese zumindest selbst um gewisse Eigenschaften zu erweitern. Der Roman fördert damit die eigene Fantasievorstellungen und macht dadurch unheimlich Spaß.

"Everybody was buying. Everybody was selling. Richard listened to the market cries as he began to wander through the crowds.
    'Lovely fresh dreams. First-class nightmares. We got ´em Get yer lovely nightmares here'.
S.110

Fazit

Ja, ich will unbedingt eine Fortsetzung lesen! Zwar bin ich mir nicht ganz sicher, ob Richard Mayhew und Door wieder im Fokus stehen werden, da der Titel unweigerlich auf die Figuren "The Seven Sisters", die bereits in Teil 1 kurz erwähnt wurden, verweist, aber dennoch kann ich es kaum erwarten wieder in diese Welt einzutauchen. Bis dahin werde ich mir noch die kleine, bereits erwähnte, Zusatzerzählung "How The Marquis Got His Coat Back" schnappen.

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Dubliner von James Joyce

November 05, 2019

Buch-Dubliner-von-James Joyce

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Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Dubliners"/ 1914) Manesse Bibliothek (2019), Übersetzer/in: Friedhelm Rathjen (aus dem irischen Englischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Das Augenmerk dieses legendären Klassikers gilt nicht den Lichtgestalten, sondern den Stiefkindern des Glücks – den Sündern und Lügnern, den Bedrückten, Säufern und Schmarotzern. Wie der «Ulysses» lebt auch Joyce‘ Erstling «Dubliner» von der faszinierenden Atmosphäre seiner Vaterstadt. In fünfzehn Storys schildert der Autor darin das Alltagsleben einfacher Leute. Das Bahnbrechende daran: die nackte Realität wird von ihm weder beschönigt noch diffamiert. Um große Literatur zu schaffen, braucht Joyce keine spektakulären Schicksale. In der Welt der kleinen Leute findet er den Reiz ungeschminkter Wahrheiten und den Stoff, aus dem die wahren Dramen des menschlichen Daseins sind."
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"' Schlüpf mal runter, Gabriel, sei bitte so gut und sieh nach, ob mit ihm alles in Ordnung ist, und lass ihn nicht rauf, wenn er beduselt ist. Ganz sicher ist er beduselt. Ganz sicher."  S. 316

Die Flasche Stout. Eine der wohl am häufigsten erwähnten Gegenstände in "Dubliner" und für viele ein treuer Gefährte. Die Erzählungen halten sich alle zwischen einem träumerischen "Es könnte sich alles zum Guten wenden" und  dem gegensätzlichen "Es wird sich nichts ändern" auf. Die Figuren schildern ihren Alltag, aus dem sie meist ausbrechen möchten, der sie aber schon beinahe wie ein wildes Tier gefangen hält. Wirklich raus aus ihrer Situation kommen sie nicht.
Grundsätzlich finde ich den Erzählband durchaus lesenswert, wenn man Einblicke in die Version des menschlichen Alltags in Irland aus James Joyces´ Sicht erhalten möchte. Allerdings fand ich einige der Erzählungen etwas zäh und für mich persönlich schienen sie sich manchmal um sich selbst zu kreisen, ohne so wirklich auf den Punkt kommen zu wollen (erinnerte mich an "Ulysses", nur deutlich weniger komplex). Vielleicht genau das Gefühl also, was die Protagonisten in Hinsicht auf das Leben verspüren und dennoch, wenn man es in dem Moment liest, fällt es manchmal einfach schwer, sich darauf zu konzentrieren. Ab und an schweiften meine Gedanken schon beinahe ab oder gesellten sich eher noch einmal zu der bereits davor gelesenen Erzählung. Und dies ist auch ein Phänomen, das ich beim Lesen gemerkt habe. Im Moment des Lesens fehlte mir manchmal das Besondere, was mich gepackt hielt, als ich die Geschichte dann beendet hatte, entfalteten sich erst die Gedanken und dadurch gefielen sie mir deutlich besser. Zu einigen hingegen habe ich einfach nicht diesen sogenannten "Draht" gefunden. Vielleicht fehlte mir hier einfach auch die Vorkenntnis der Gegebenheiten des damaligen Irlands und der Ängste wie auch Wünsche der Menschen dort.

"Die Bürger Dublins werden davon profitieren. Sieh dir bloß mal die ganzen Fabriken unten an den Kais an, da steht alles still! Sieh dir das ganze Geld hier im Lande an, wenn wir bloß die alten Industrien wieder in Gang kriegten, die Mühlen, die Schiffswerften und Fabriken. Kapital ist das, was wir brauchen." S. 226f.

In den Geschichten und den Leben, die Joyce skizziert, steht sehr vieles zwischen den Zeilen. Der Leser wird in den Alltag eines Menschen hineingeworfen, der zunächst sehr ausführlich dargelegt wird. Dabei wird wirklich alles Mögliche genannt, vorwiegend auch das Gerede der Nachbarn und die momentane Situation. Diese beherbergt aber immer ein Geheimnis, das mit Sehnsüchten zu tun hat. Und in vielen Fällen, bekommt man die Auflösung mit einem Satz, irgendwo am Ende der Geschichte, präsentiert, die man nur entschlüsseln kann, wenn man diese Enttäuschungen, Ängste oder Akzeptanz irgendwie nachvollziehen kann. Dies ist mir besonders bei der Geschichte "Arabia" aufgefallen, welche ich letztlich mitunter am gelungensten fand. Dort kommen diese Verbissenheit und Wunschvorstellung, mit einem Ereignis sein Leben "besser" machen zu wollen und die abrupte Feststellung, dass dies in den meisten Fällen nicht funktioniert und man sich oft selbst täuscht, zusammen. Alles aber auf so eine wirklich subtile und doch geniale Art, dass ich beeindruckt gewesen bin.

"Die Luft war erbarmungslos rau, und tief im Herzen schwante mir schon Schlimmes."  S. 48


Ein Erzählband, welcher sicherlich angenehmer zu lesen ist als "Ulysses" und dennoch das Leben der Iren gelungen porträtiert. Dennoch entfalten die Geschichten erst nach dem Lesen die eigentliche Wirkung, wenn man sich die Zeit nimmt, um sie zu reflektieren. Dadurch empfindet man leider ab und zu, während des Lesens, das Gefühl, als seien die Erzählungen langatmig und würden sich in sich selbst verlieren. Vieles steht zwischen den Zeilen verborgen und wird nicht konkret benannt, sodass man auch durchaus die Äußerungen der Protagonisten in Hinsicht auf ihren Wahrheitsgehalt anzweifeln muss. Für mich gab es daher einige Geschichten, die ich besonders gut fand und einige, zu denen ich (noch) keine Verbindung aufbauen konnte.

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September und Oktober: Doppelt hält besser

November 01, 2019




Die letzten beiden Monate waren lesetechnisch etwas zurückhaltend. Wie schon öfters erwähnt, standen andere Aufgaben im Vordergrund und nachdem ich diese vorerst hinter mir lassen konnte, packte mich zusätzlich der Drang, wieder einmal auszumisten. Jeglichen Ballast und alles, was sich durch beinahe magische Hände unnötigerweise angesammelt hat, loszuwerden (also ganz nachhaltig für den nächsten Flohmarktverkauf bereitzulegen). Manchmal braucht man irgendwie einen "Tapetenwechsel", um frische Energie zu bekommen und sich von Dingen zu lösen, die nicht mehr zu einem passen möchten, weil man sich weiterentwickelt hat.
Ich habe ebenfalls den Versuch gestartet, meine Bücherregale zu entlasten, wobei dies nicht so leicht vonstattengeht, wie bei anderen Gegenständen. Aber ich bin guter Dinge.

Im September und Oktober habe ich demnach glatte zehn Bücher gelesen, die im Großen und Ganzen überzeugen konnten. Näheres nun im Detail:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Harry Potter und der Feuerkelch" (Harry Potter #4) von J.K. Rowling, illustriert von Jim Kay: Hooogwarts! Lange hat man auf den vierten Band warten müssen, dafür hat es sich aber durchaus gelohnt. Illustrator Jim Kay hat durch die Gestaltung wahnsinnig schöne Momente beim Lesen geschaffen. Tatsächlich habe ich mich manchmal zwischendurch gefragt, wieso wahnsinnig viele Bilder der Drachen zu sehen waren und so wenige von zum Beispiel dem Weihnachtsball. Ich schätze mal, er wollte den Lesern noch eigene Vorstellungen der Szenen überlassen, was ich im Nachhinein ganz gut fand, aber an den schönen Zeichnungen kann man sich kaum satt sehen.
  • "Der Store" von Rob Hart: Hat mich sehr gut unterhalten und irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass da vielleicht noch ein weitere Band folgen wird. Falls nicht, bleibt man aber dafür mit einem Gefühl zurück, das reichliche Theorien aufwerfen lässt. 
  • "Idaho" von Emily Ruskovich war eines meiner absoluten Highlights, weil es den Fokus auf die Psychologie legt und man immer zwischen den Zeilen lesen muss / sollte. Hier gibt es reichlich Platz für Spekulationen und das führt dazu, dass man den Roman sehr intensiv wahrnimmt. Ich liebe es, wenn Autoren / Autorinnen eine Geschichte erschaffen, die einen packt, an einem rüttelt und versucht, die eigene Vorstellungskraft an die Grenzen zu bringen. Ruskovichs nächster Roman wird ganz sicher auch gelesen!
  • Etwas unaufgeregter ging es da mit "Das langweiligste Buch der Welt" zu. Texte, die einen eher an den Rand des Schlafbedürfnisses bringen sollen. Ich persönlich fand das Buch sehr unterhaltsam und werde mir viele Fakten sicherlich mal für Notfälle als "Quiz-Wissen" abspeichern. Wer wirklich Hilfe beim Einschlafen braucht, dem empfehle ich aber definitiv das dazugehörige Hörbuch, eingesprochen von Bjarne Mädel. So schön monoton und gleichgültig, da bleibt kein Auge offen.
  • "A Winter´s Promise" (The Mirror Visitor #1) von Christelle Dabos: Teil eins der Reihe fand ich durchaus ansprechend, wenn auch erst noch etwas zurückhaltend. Das fand ich aber durchaus legitim und gelungen, da man bei einer solchen Reihe erst einmal vernünftig in die Welt eingeführt werden sollte. Daher bin ich mal gespannt, wie es weitergehen wird. Die kalte Welt, die dort beschrieben wird, würde zumindest auch sehr gut in die winterlichen Monate passen.
  • Einige Bücher sind für mich immer ein Muss. Dies galt auch für "Things We Say in the Dark" von Kirsty Logan. Die Erzählungen hätten wunderbar zu Halloween gepasst, entfalten sich aber denke ich generell wunderbar während dunklen, leisen und kalten Herbstabenden. Bei der Autorin verschwimmen immer ein wenig die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, aber sie haben immer eine ganz spezielle, wenn auch manchmal gruselige Note. Hier geht es hauptsächlich um die Ansichten und Gefühlswelt, insbesondere Ängste der Frau. 
  • Das einzige Buch, das mich etwas enttäuscht hat kam leider (!) von Jojo Moyes mit "Wie ein Leuchten in tiefer Nacht". Viele feiern den Roman aufgrund des Themas und das kann ich durchaus verstehen, weil es den Fokus auf die Wander-Bibliothekarinnen legt und ermutigen soll, aber für mich klang im Buch alles etwas nach Klischees und Stereotypen. Mir fehlte die Originalität, da es sehr nach einem Roman wirkte, der nach einer Art Muster verfasst wurde. Dadurch fehlte es für mich auch an vielen Stellen an Gefühl.
  • "Das Labyrinth des Fauns" von Cornelia Funke und Guillermo del Toro: Glücklicherweise habe ich, bevor ich das Buch begonnen habe, zuerst die Verfilmung gesehen. Das würde ich auch tatsächlich jedem raten, der überlegt, das Buch zu lesen. Obwohl die Geschichte durchaus noch einige Neuheiten bereithält (die ich persönlich sehr gelungen fand), hält sie sich sehr nahe am filmischen Original. Dadurch ist es eher ein netter Zusatz, wenn man ein Fan des Films ist oder einige Stellen noch einmal nachlesen möchte. Ich muss allerdings sagen, dass der Film die tragische und ernste Stimmung noch ein wenig besser transportiert. Das Buch wirkt manchmal eher wie ein Filmscript. Dennoch, wie gesagt, für Fans sicherlich ein schönes Extra.
  • Als nächstes habe ich mich in "Norse Mythology" von Neil Gaiman gestürzt. Die Neuerzählungen der bekanntesten nordischen Götter, Orte und Geschehnisse hat mir ganz gut gefallen, aber mir fehlte ein wenig die persönliche Note des Autors. Als genereller Einstieg in die Thematik gefiel mir die Zusammenstellung aber durchaus.
  • "Petite" von Edward Carey: Zum Schluss gab es dann noch einen regelrechten Buchbrocken. Der Roman von Edward Carey, der den (teilweise fiktiven) Lebensweg der berühmten Madame Tussauds skizziert war ebenfalls ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und das mich an vielen Stellen sehr überzeugen konnte. Lediglich der Mittelteil hat dem Buch etwas das Tempo geraubt. Da die Rezension erst vor einigen Tagen erschienen ist, verweise ich mal ganz elegant darauf und mache an dieser Stelle Schluss.

Was hat euch in den vergangenen Monaten beschäftigt oder in Bewegung gehalten?


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