Neverwhere (London Below #1) von Neil Gaiman

November 09, 2019

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Viele Leser / Leserinnen haben lange darauf gehofft, vor zwei Jahren wurde es dann schon einmal bestätigt, und nun ist es bald soweit. Die Fortsetzung (oder Erweiterung) von "Neverwhere" steht in den Startlöchern und soll nächstes Jahr im September unter dem Titel "The Seven Sisters" erscheinen. Aus gegebenem Anlass habe ich nun erneut zu dem Roman gegriffen und frische die alte Rezension zusätzlich ein wenig auf. Hat sich meine euphorische Ansicht über die Geschichte gelegt? Will ich immer noch eine Fortsetzung lesen (Das kleine Büchlein "How The Marquis Got His Coat Back", das ebenfalls zu dieser Welt gehört, mal außer Acht gelassen)?

"She nodded. The rain fell harder, pattering on the roofs and on the asphalt of the road. 'I´d watch out for doors if I were you." S. 3

Was erwartet den Leser in "Neverwhere"?

Richard Mayhew ist ein junger, gutherziger Mann mit einem recht gewöhnlichen Leben, welches sich jedoch für immer verändert, nachdem er einem Mädchen hilft, das er blutend auf dem Gehweg Londons vorfindet. Sein Akt der Hilfsbereitschaft manövriert ihn direkt hinein in eine Welt, von der er niemals geahnt hat, dass sie existierten könnte. Es gibt Menschen, die durch das Raster der Gesellschaft fallen und Richard wird zu einem von ihnen. Er muss lernen, in der Stadt voll von Schatten und Dunkelheit, Monstern und Heiligen, Mördern und Engeln zu überleben und gleichzeitig herausfinden, wie er in das London, das er kennt, zurückgehen kann.

Kritikpunkte, denen ich aus der alten Rezension immer noch zustimme

Es ist durchaus so, dass ich vielen Kritikpunkten aus meiner alten Besprechung zustimmen würde. Einiges sollte aber durchaus ergänzt werden, denn es klingt oftmals tatsächlich so, als sei ich verwundert darüber gewesen, dass eine Fantasygeschichte mit phantastischen Elementen spielt (okay...?). Daher folgt nun eine Rezension, die sich auf meine nun etwas erweiterte "Leseerfahrung" stützt.
  • Die Geschichte ist "typisch Neil Gaiman": Definitiv! Man lernt eine Parallelwelt Londons kennen, die vollkommen neuartig und einzigartig ist, die man sich aber dennoch gut vorstellen kann. Eine Welt, die neben unserer existiert und die wir nicht wirklich wahrnehmen, weil wir es nicht wollen. Gaiman schafft es daher, dem Leser / der Leserin wieder den berühmt berüchtigten Spiegel vorzuhalten und die Gesellschaftsnormen in Frage zu stellen. Zusätzlich gibt es Charaktere und Figuren, die nach der Handschrift des Autors schreien und welche mit der Mythologie verwoben werden.
  • Humor, eine gute Portion Mystery, Tiefgang und kleine Horrorelemente werden gelungen vereint: Tatsächlich findet man hier von allem etwas und es wirkt überhaupt nicht überladen. Durch die Aufgaben, die der Protagonist erledigen muss, ist ein Stillstand nicht gegeben und man schwankt ständig zwischen erfreulichen Passagen, die einem ein Lächeln entlocken, schaurigen oder sogar emotionalen Passagen.
  • Die Figuren funktionieren als Gruppe sehr gut: Damit ist gemeint, dass sich die Dynamik der Charaktere sehr gut entwickelt und man niemanden als überflüssig ansieht. Bei jedem fragt man sich, ob man ihm / ihr vertrauen kann. Selbst die kleineren Auftritte, wie von "Anaesthesia" bleiben im Gedächtnis und sorgen für ein vertrautes Gefühl. 
  • Es gibt spannende Plot-Twists: Nach dem zweiten Lesedurchgang kann ich dem zwar immer noch zustimmen, jedoch würde ich schon sagen, dass sich einiges anbahnt und man dies auch wahrnimmt. Nichtsdestotrotz hatte ich tatsächlich einige Wendungen wieder vergessen und wurde dann mit diesen überrascht. Dadurch bleibt die Geschichte glücklicherweise durchgängig spannend und lässt zu, dass man mit rätselt, während man sich von Kapitel zu Kapitel begibt.


Kritikpunkte, die noch erwähnt werden sollten

  • London!: Was ich in der ersten Rezension gar nicht erwähnt habe, ist die Tatsache, dass London hier wahnsinnig gut in Szene gesetzt wird. Neil Gaiman beschreibt die Straßen, die Orte, wichtige Sehenswürdigkeiten so herrlich, dass man direkt dort hinfahren wollen würde. Man findet hier ebenso einige sehr schöne Überlegungen, wieso gewisse Stationen so heißen, wie sie nun einmal heißen und welche Geschichten sich um diese Orte und benannten Figuren ranken. Die Reihe heißt schließlich nicht umsonst "London Below". Daher gibt es auch einen klaren Pluspunkt für das gesamte Setting. Wichtig und gut zugleich aber: Londons "Schattenseiten" und die Kritik werden aufgegriffen, sprich auch das Gesellschaftsraster, durch das viele zu fallen scheinen.
  • Das Buch ist für viele Leser / Leserinnen geeignet: Quasi für alle, die auf spezielle und ausgefallene, Fantasy angehauchte, Geschichten stehen und die sich gerne darauf einlassen etwas Neues und Ungewöhnliches zu erleben. Dennoch bleibt das Spiel und die Frage nach Wahrheit und Fiktion ständig erhalten. 
  • Das Spiel mit Türen und Schlüsseln. Der Aspekt nimmt einen großen Teil in dem Roman ein und ich finde ihn unfassbar spannend. Die Figur "Door" verweist bereits darauf, dass die Übergänge zwischen den "Welten" eine besondere Rolle spielen und diese Spielerei wird, meiner Meinung nach, im gesamten Roman gelungen aufrecht erhalten. Wie werden Orte betreten, wie wieder verlassen? Welche Schlüssel benötigt man? Allein die Vorstellung der Möglichkeit einer solchen "Reise" ist sehr einnehmend und macht Lust darauf, sich selbst eine ganz eigene Welt zu erschaffen oder diese zumindest selbst um gewisse Eigenschaften zu erweitern. Der Roman fördert damit die eigene Fantasievorstellungen und macht dadurch unheimlich Spaß.

"Everybody was buying. Everybody was selling. Richard listened to the market cries as he began to wander through the crowds.
    'Lovely fresh dreams. First-class nightmares. We got ´em Get yer lovely nightmares here'.
S.110

Fazit

Ja, ich will unbedingt eine Fortsetzung lesen! Zwar bin ich mir nicht ganz sicher, ob Richard Mayhew und Door wieder im Fokus stehen werden, da der Titel unweigerlich auf die Figuren "The Seven Sisters", die bereits in Teil 1 kurz erwähnt wurden, verweist, aber dennoch kann ich es kaum erwarten wieder in diese Welt einzutauchen. Bis dahin werde ich mir noch die kleine, bereits erwähnte, Zusatzerzählung "How The Marquis Got His Coat Back" schnappen.

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Kommentare:

  1. Als ich Neverwhere vor einer Weile noch mal gelesen habe, hat es irgendwie was von seinem Zauber verloren. Ich habe irgendwie mehr die Strukturen hinter allem gesehen und es war nicht mehr so magisch. Die Idee mit dem London Below und vor allem mit den Ubahnstationen finde ich aber immer noch toll :D
    Und das Foto mit den ganzen kleinen Schlüsseln ist ja super! Liegen die bei dir so rum? xD

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    1. Oh, echt? Schade! Welche Strukturen meinst du genau? Ich hatte so viel von der Geschichte vergessen, dass ich es immer noch echt gut fand. :D Und bin schon sehr gespannt, was die Seven Sisters für eine Vergangenheit oder Geschichte zu erzählen haben. Ja, die Idee mit London Below finde ich auch großartig. Vor allem, weil Gaiman ja sagte, dass er, die sonst "ausgeblendeten" Menschen, weil sie einem eben das Elend der Gesellschaft zeigen, in den Vordergrund rücken wollte.

      Der ganz große Schlüssel liegt tatsächlich als Deko offen hier rum. Die anderen sind Überbleibsel von der Hochzeit meiner Schwester, die hab ich in einem kleinen Beutel verstaut. :)

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    2. Ich mochte z.B. nicht, dass die Perspektiven so viel gewechselt haben und dass die Bösewichte so richtig karikativ waren und Richard so ein Langweiler (auch wenn das zum Plot gehört), da war einfach viel auf typischen Strukturen/Stereotypen aufgebaut und das hat mich glaube ich gestört bzw. auch gelangweilt.

      Ha, das ist lustig, ich habe nämlich auch einen großen Schlüssel als Deko im Bücherregal liegen xD Die sind einfach zu schön! Stelle ich mir als Hochzeitsdeko richtig toll vor!

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    3. Ja, das kann ich zum Teil nachvollziehen. Ich fand es hier aber irgendwie doch passend. Richard war dadurch so ein zurückgenommener Beobachter, das gefiel mir wiederum ganz gut. Die stereotypischen Elemente hab ich auch wahrgenommen, aber ich hatte irgendwie so diese zwei Vebrecher von "Kevin allein Zuhaus" im Kopf und mochte es dadurch irgendwie... Der eigene Kopf macht halt was er will. :D

      Die sehen wirklich immer irgendwie schick aus! :) War tatsächlich eine hübsche Idee, man musste auf so einem großen Bild (was mein Schwager selbst gemalt hat) seinen Schlüssel finden und dadurch hat man seinen Sitzplatz gefunden. :D

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