Die Geheimnisse der Gaslight Lane (The Gower Street Detective #4) von M.R.C. Kasasian

November 18, 2019

Buch-Die Geheimnisse der Gaslight Lane-Kasasian

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Secrets of Gaslight Lane"/ 2016) Atlantik Verlag (2019), Übersetzer/in: Alexander Weber (aus dem Englischen), ★★★☆☆ 3 Sterne
"Alles ist ruhig in der Gower Street 125 – zu ruhig. Während Sidney Grice über die anatomische Struktur menschlichen Haares nachdenkt, raucht seine Patentochter March Middleton eine heimliche Zigarette nach der anderen. Endlich werden die beiden von einer jungen Dame erlöst, die Sidney um Hilfe bittet. Ihr Vater wurde brutal ermordet. Alles geschah in seinem hermetisch abgeriegelten Haus und es gibt keine Spuren eines Einbruchs. Doch schnell kommt Sidney dahinter, dass er in Wahrheit zwei Mordfälle aufklären muss. Denn Onkel und Tante des Verstorbenen wurden zehn Jahre zuvor auf die gleiche grausame Art umgebracht. Kein leichtes Unterfangen – selbst für Londons besten Detektiv."
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"'Sie hat numal nich unsere Intelligentheit, nich wahr, Sir?' versetzte Molly süffisant, und ihr Dienstherr musterte sie prüfend.
          'Deine kognitive Insuffizienz wird einzig noch von deinem mentalen Vakuum übertroffen', entgegnete er, und Molly grinste.
'Keine Sorge, Miss', beschied sie mir. 'Von Ihnen sagt er dasselbe.'
      'Ganz bestimmt tut er das' , versicherte ich ihr." 
S.40

Oh wow, ich hatte wirklich vergessen, wie unausstehlich Sidney Grice sein kann. Er wettert gegen alles und jeden, aber eines muss man ihm lassen - er "verachtet" alle Menschen gleichstark. An der einen oder anderen Stelle habe ich mich gefragt, ob ich sensibler geworden bin oder ob sich die Ausdrücke und Kommentare der Figuren wirklich verschärft haben. Ich muss leider gestehen, dass es mir in diesem vierten Band oftmals schon einfach zu viel war. Der Autor hat sich hier etwas zu sehr an Sidney Grice ausgetobt und es meiner Meinung nach etwas zu weit getrieben. Und das, obwohl seine helfende Hand Miss Middleton klar macht, dass sie ihm in seinen Ansichten nicht zustimmt und auch gegen ihn wettert.
Dies rettet den Roman hinsichtlich dieser Äußerungen ein klein wenig. Denn March Middleton und die Haushaltskraft Molly sind so eigen und versuchen im 19. Jahrhundert tatsächlich eine Art Gleichberechtigung für Frauen voranzutreiben. Man merkt immer mal wieder durchaus, dass hier versucht wird die negativen Seiten des Ermittlers abzumildern und sie zu kritisieren. Dennoch gab es für mich leider zu viele kritische Begriffe, die irgendwie unüberlegt reingeworfen wurden, selbst in einem sehr sarkastischen, humorvollen Kriminalroman. 

"'Alibis sind wie Hosen.' MrG fuhr mit dem Finger wieder zurück. 'Je öfter man sie trägt, desto fadenscheiniger werden sie.'” S. 69

"Der Diener straffte seinen Rücken und streckte die Brust heraus wie ein Gefreiter beim Antreten. 'South Easterly Gale Nutter, zweiunddreißig Jahre alt, Sir.'
       'Entschuldigen Sie...' Nur mit Not konnte ich ein Lachen unterdrücken. 'Heißen Sie wirklich so?'
'Jawohl Miss' , sagte er. 'aber alle nennen mich Easterly. Öch habe zwei Brüder, Westerly und Norherly, und eine Schwester namens Southerly.'"
S.106

Der Fall selbst war dieses Mal wieder recht interessant und bot einige Entwicklungen, die man nicht vermutet hat. Allerdings hatte ich auch hier das Gefühl, dass sich der Autor etwas zu sehr hineingesteigert hat. Es gibt sehr viele Figuren, Namen, Orte, Daten und Fälle, die einem beinahe um die Ohren geworfen werden und einige davon kann man sich einfach nicht vernünftig merken. Dadurch viel es auch oftmals schwer selbst "Ermittlungen" aufzunehmen.
Man kann allerdings nicht behaupten, dass es demnach langweilig ist, da ständig etwas geschieht oder angedeutet wird. Ebenfalls wird sehr häufig von den Taten berichtet, die mit reichlich Blut und aufgespießten Körpern zu tun haben, was mir zusätzlich an vielen Stellen überflüssig schien. Der Fokus lag aber eher auf den scharfzüngigen Interaktionen der Figuren, die mir, wie ich schon angedeutet habe,  diesmal einfach zu extrem waren, auch wenn man an der einen oder anderen Stelle durchaus schmunzelt (wenn es gerade nicht beleidigend ist, sondern ein gut überlegter Schlagabtausch stattfindet).

"'Solch bittere Armut neben solchem Reichtum', klagte ich. 'Es muss etwas getan werden.'
        'Da kann ich Ihnen nur zustimmen.' , sagte MrG und stiefelte durch die Nebelschwaden. 'Man sollte sie alle fortjagen.'
'Der beste Weg sich der Armen zu entledigen, ist, sie reich zu machen.' wiedersprach ich. Doch da widmete er sich bereits der Eingangstür und den quer verlaufenden Metallriemen, mit denen sie beschlagen war.
"
S.103


Der vierte Fall von Sidney Grice und March Middleton hat viel Tempo, ist aber auch ziemlich blutig und verliert sich manchmal in zu vielen Einzelheiten, da es schwer fällt, über die Personen und Ereignisse den Überblick zu behalten. So sehr ich die Dynamik der Protagonisten eigentlich schätze, schien mir hier über die Stränge geschlagen worden zu sein. Mr. Grice äußert Dinge, die einfach zu weit gehen und manchmal einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlassen, trotz der guten und charmanten Gegenwehr der Damen im Haus.



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