März

März 30, 2017










Auch im März lassen sich folgende Standardfloskeln wie gewohnt, an den Anfang solch eines Posts setzen: "Der Monat verging wie im Flug", "Wo ist nur die Zeit geblieben?", "Es war doch eben erst Anfang Februar" etc. Ja, ein weiterer Monat ist vergangen, die Zeit wurde wieder einmal umgestellt und die Leipziger Buchmesse ist auch schon wieder vorüber. Für alle Daheimgebliebenen gab es die tolle Alternative zur Buchmesse, nämlich die "Leseparty", organisiert von Alex (Bücherkaffee), Petzi (Die Liebe zu den Büchern) und Evelyn (Literatour). Ich habe mal wieder mit voller Überzeugung und Eifer mitgemacht und habe dadurch zwei Bücher geschafft. Das Twittern hat aber mindestens genauso viel Spaß gemacht. Sollte ich demnächst noch die Zeit finden, werde ich meinen "Leseparty Update Post" mit allen lesenswerten Links erweitern, die ich während der Leseparty aufgeschnappt habe.

Wie passend, dass auch genau heute noch der Gewinn der #Leseparty bei mir eingetrudelt ist (Vielen lieben Dank noch einmal dafür!). So kann ich euch noch ein Foto mit anhängen, was da mitunter drinnen lag (alles hat einfach nicht draufgepasst). Zu den vier Büchern zählen: "Hier treffen sich fünf Flüsse", "Eine Liebe im Kaukasus", "Das letzte Bild der Sara de Vos" und das kleine Comic-Büchlein "Luther haut rein". Die Bücher treffen wirklich genau meinen Lesegeschmack, wobei ich bei "Eine Liebe im Kaukasus" als einziges noch nicht ganz sicher bin, ob ich es nicht vielleicht weiterverlose. Ebenfalls in dem Paket enthalten waren ganz viele kleine Nettigkeiten, wie Post-its, einen Keksstempel mit dem Schriftzug "Frohe Ostern" oder ein zauberhafter "Miffy"-Button über den ich mich glaub ich mitunter am meisten gefreut habe (er ist einfach nur zuckersüß!). Außerdem mit dabei, was ich ebenfalls kaum aus den Händen legen wollte: Blumen- und Illustrationen-Postkarten. Hach, ich bin einfach vielleicht viel zu schnell zu beeindrucken, aber ich liebe schöne Postkarten. Und als Topping hab es noch zahlreiche Leseproben, wie auch eine "Paper Princess" Plakette, die aussieht wie ein Button, den man aber leider nicht anstecken kann. Da ich die Bücher nicht lesen werde, weil sie mich nicht wirklich ansprechen, ich aber weiß, dass viele sie lieben, würde ich die Plakette ebenfalls an Interessenten abgeben, falls Bedarf besteht.

Interessante Beiträge auf anderen Blogs habe ich natürlich auch wieder gefunden. Zum Beispiel die Rezension zu "Fast eine Familie" von Bill Clegg auf dem Blog von Inga, "schonhalbelf". Das Buch klingt wahnsinnig interessant, auch wenn das Thema ein sehr ernstes ist. Zudem haben mich Ingas Worte noch neugieriger gemacht. Eine weitere, gelungene Rezension oder Buchvorstellung habe ich auf dem Blog "Die Liebe zu den Büchern" von Petzi gefunden, nämlich zu einem Backbuch, das sich "Jennys Lieblingskuchen" nennt. Der Name ist jetzt vielleicht nicht so spektakulär, dafür aber umso mehr die liebevolle Aufmachung. Verleitet wirklich dazu, sofort selbst backen zu wollen. Und vor einigen Tagen habe ich dann noch den unterhaltsamen Tag-Post von Liesa ("Fruehlingsmaerchen") , "Netflix - Book Tag" gesehen. Pfiffige Fragen und gute Antworten. Vielleicht habt ihr ja Lust mal vorbeizuschauen.

Ansonsten verlief der Monat recht harmonisch, auch wenn meine Hausarbeit weiterhin aussteht. Insgesamt habe ich fünf Bücher (+ drei kleinere) gelesen, darunter auch den Bestsellerroman "Ein wenig Leben". Mehr dazu weiter unten. Mitte des Monats habe ich ebenfalls ganz spontan von dem Buchbloggerstammtisch NRW- Treff erfahren (Danke Twitter!) und habe mich ganz dreist ebenfalls in der Buchhandlung einquartiert. Die bisherigen, fleißigen Organisatoren haben es nämlich geschafft, uns für einen Abend in einer Buchhandlung unterzubringen. Für mich war es tatsächlich das erste Treffen so einer Art (kleine, persönliche Runde) und ich bin wahnsinnig froh, dass ich so spontan mitgemacht habe. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht in der kleinen Runde über Bücher und Persönliches zu reden und natürlich auch, alle mal "in echt" kennenzulernen. (Das Bild weiter unten von der Buchhandlung ist übrigens von Philipp von "Book Walk")

Nun aber zu den gelesenen Büchern. Wie immer gelangt ihr durch das Anklicken der Titel zur jeweiligen, falls vorhandenen, Rezension.

"Östlich der Sonne und westlich des Mondes" (illustriert) von Kay Nielsen Immer noch bin ich ganz begeistert von den zauberhaften Illustrationen, die das Buch und die Märchen zu etwas ganz Besonderem machen. Wenn man nordische Märchen nicht nur lesen, sondern wirklich erleben möchte, dem würde ich das Buch wärmstens ans Herz legen.

"Coco Chanel" von Megan Hess Ganz pfiffig für zwischendurch, zum Auffrischen des Wissens über Coco Chanel oder als Geschenk für Modebegeisterte. Auch hier stechen die liebevollen Illustrationen hervor, die das Leben der Designerin, aber auch der Marke an sich veranschaulichen. Es mag den typischen "Schicki-micki"-Eindruck machen, da die Illustrationen natürlich durch sehr schlanke Frauen und edle Etablissements geprägt sind, aber diese sollte man nicht zu "ernst" nehmen. Manchmal wirken solche Bücher wahre Wunder, weil man sich einfach mal gehen lässt und sich von etwas Schönem inspirieren lassen kann.

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara Mein Buch des Monats, des Jahres, wenn nicht sogar eines meiner liebsten Bücher aller Zeiten. Hanya Yanagiharas Buch hat mich ins Herz getroffen und das mit enormer Wucht. Immer wenn ich daran zurückdenke, wird mir ganz anders. Beim Anfang hielt es sich noch in Grenzen, aber zum Schluss haben meine Gefühle Loopings geschlagen. Ihre Sprache überzeugt aber durchgehend. Für mich ein sehr lesenswertes Buch, das sich mit sehr vielen verschiedenen Themen auseinandersetzt, die in unserer Gesellschaft (leider immer noch) viel zu oft totgeschwiegen werden.

Antoine de Saint-Exupéry Geschenkausgaben Diese kleinen Ausgaben kommen als neu aufgelegte Serie daher. Darunter finden sich "Nachtflug", "Südkurier" und "Flug nach Arras". Natürlich anders als "Der kleine Prinz", aber dennoch überraschend träumerisch, nachdenklich und oft stark metaphorisch, womit ich nicht unbedingt gerechnet habe. Mein persönlicher Favorit beim ersten Lesedurchgang war "Flug nach Arras", in dem sich Saint-Exupéry mit seinen persönlichen Erlebnissen und Ansichten in Bezug auf den Krieg äußert. Die beiden anderen Romane sind ebenfalls lesenswert, verlangen aber eine etwas intensivere Lektüre.

"Alles, was ich nicht erinnere" von Jonas Hassen Khemiri Ein Buch, welches mich durch die #Leseparty begleitet hat und das sogar recht kurz, denn ich habe es verschlungen. Das Spiel mit der Identität und der Suche nach dem "richtigen" Samuel macht den Leser zum Ende hin fast rasend. Zumindest erging es mir so. Man möchte unbedingt wissen, wie es ausgeht. Da zum Schluss wirklich vieles aufeinanderprallt, blieben bei mir bezüglich des erwähnten "Autors" einige Fragen offen, die ich mir sicherlich versuchen werde zu erklären, wenn ich das Buch noch einmal zur Hand nehme. Die aber recht aktuellen Themen wie Integration, Emanzipation und die Suche nach sich selbst bannt den Leser bis zum Schluss und ich kann nicht leugnen, dass es für mich tatsächlich auf sehr direkte Weise zum Reflektieren meiner eigenen Ansichten angeregt hat.

"Mein Wildgarten" von Meir Shalev (Rezension folgt) Mein letztes Buch für diesen Monat, über welches es bald mehr geben wird.

Gab es im Lesemonat März Highlights in eurer Leseliste? Oder ist euch im März etwas ganz Besonderes widerfahren, das euch aufgewühlt, beschäftigt oder glücklich gemacht hat?



Fühlen wir uns von Buchkritiken zu schnell angegriffen?

März 28, 2017








Bücher sind immer auch eine emotionale Angelegenheit. Mit ihnen verbinden wir Gefühle, Erinnerungen an eigene Erlebnisse, wir fühlen uns ihnen manchmal ganz nah, manchmal aber eben auch nicht. Es sind subjektive Ansichten, die ein Buch für jeden Leser zu etwas Besonderem machen oder es schnell vergessen lassen. Lieben wir ein Buch, so möchten wir es der ganzen Welt mitteilen, uns mit jemandem darüber unterhalten was uns berührt hat und ob es uns zum nachdenken angeregt hat. Man fühlt sich mit seiner Meinung ganz wohl, denn wie sollte es auch anders sein? Und ganz plötzlich und ohne Vorwarnung entdecken wir, dass jemand über ein Buch, welches wir lieben, etwas Negatives sagt. Was löst das in uns aus und fühlen wir uns dann vielleicht manchmal zu schnell angegriffen?

Auslöser für diesen Post war meine eigene Erfahrung, die letzte Woche seinen Weg zu mir bahnte. Nichtsahnend sitze ich vor dem Fernseher und warte auf die Sendung "Druckfrisch" mit Denis Scheck. Man kennt ihn, er teilt gerne mal etwas härter aus und hat auch so seine Favoriten. Nach einem fabelhaften Interview mit Hanya Yanagihara fühlte ich mich mit dem Gesagten bestätigt. Ja, er versteht mich, das Buch ist wirklich etwas Besonderes. Gleichzeitig spinnt sich, vielleicht auch vor allem bei uns Literaturbloggern, der Gedanke, dass man eine qualitative Meinung geäußert hat, wenn der Denis Scheck oder viele andere eine ähnliche Meinung haben, wie man selbst. Das Selbstwertgefühl ist also mittlerweile an einem annehmbaren Punkt angelangt. Nun nähern wir uns aber dem Fiasko. Kurze Zeit später wird die Bestsellerliste mit einigen Kommentaren versehen; entweder hoch gelobt und zur Seite gelegt, oder aber das Buch wird ohne Hemmungen, unsanft, in eine Kiste geworfen. Das absolute Signal dafür, dass man bloß die Hände davon weglassen sollte. Soweit so gut, in den ersten Büchern und Kommentaren fühle ich mich noch bestätigt, "Ein wenig Leben" und "Die Terranauten" gehörten auch zu meinen "Favoriten" und dann geschieht es: Denis Scheck versetzt einem, von mir gemochten Buch, einen Tritt und katapultiert nicht nur das Buch, sondern auch meine Einschätzung über meine literarischen Meinungen, in eine Kiste, die schon quasi als Müll deklariert wird. Ich sitze vor dem Fernseher und frage mich: Was ist da gerade passiert?

Das Merkwürdige an der ganzen Sache war für mich, dass ich weiß, dass Menschen unterschiedliche Meinungen zu Büchern haben und natürlich auch haben sollten. Nicht jedem gefällt ein Buch gleich gut. Kritik ist nichts Verwerfliches. Und dennoch hatte ich das Gefühl, mich selbst erklären zu müssen. Wieso habe ich das Buch gemocht? Hat er da nicht besondere Aspekte einfach außer Acht gelassen? Das Buch, um das es sich handelte war "Elefant" von Martin Suter. Schecks genauer Wortlaut: "indiskutabler Schrotthaufen" (hier noch einmal nachzuhören und sehen). Er stürzt sich so auf diese wissenschaftlichen Aspekte, genauer gesagt das angebliche Fehlen dessen, dass man den Eindruck bekommt, als gehe es in dem Buch nur darum, einen hundertprozentig nachweisbaren Beleg dafür vorzulegen, warum dieser Elefant existiert. Ich kann verstehen, wenn Leser nichts mit der Geschichte anfangen können, oder ihnen das Hintergrundwissen zu ungenau ist, aber diese absolut schonungslose Kritik wird automatisch gegen alle Leser gerichtet, die sich an dem Buch erfreut haben. Und vielleicht erfreut man sich daran auch deshalb, weil der Roman unterschwellig auf etwas anspielt, das auch fabelhaft ohne dreihundertseitige wissenschaftliche Detailliertheit funktioniert, ohne viel zu ernste Herangehensweise. Einfach eine Art, die hängen bleibt, auch wenn sie sich in erster Linie nach Unterhaltung anfühlt. Es ist schon merkwürdig, wie scharf mich die persönliche Kritik von ihm getroffen hat, einfach weil ich mich dadurch als weniger qualifiziert angesehen habe. Man beginnt noch einmal zu überdenken, ob es vielleicht doch ein schlechter Roman war, ob einem das Buch vielleicht tatsächlich auch nicht gefallen hat. Aber ich weigere mich auch einfach ab einem gewissen Punkt, mir immer die Meinung anderer Leute aufzwängen zu müssen, nur weil sie in den Literaturkreisen als vielleicht etwas Besseres angesehen werden. Was natürlich nicht heißen soll, dass man seine Lektüre unter verschiedenen Anhaltspunkten reflektieren kann und vielleicht auch manchmal sollte.

Letztlich habe ich nun für mich entschieden, dass zumindest diese Form der Buchkritik nichts für mich ist. Ich habe keine Möglichkeit meinem Gegenüber mit anderen Argumenten eine andere Sichtweise nahezulegen und zusätzlich fühle ich mich nur in meinen eigenen Ansichten unfassbar angegriffen. Daher stelle ich mit einer umso größeren Freude fest, was für eine schöne Möglichkeit Blogs bieten, bei denen man sich untereinander austauchen und vielleicht auch inspirieren kann, ohne dem Gegenüber dabei zu vermitteln, dass die von ihm gemochten Bücher, aus den unterschiedlichsten Gründen, "Schrott" seien (Ausgenommen natürlich Bücher, die rassistisch etc. sind). Und man sollte nicht vergessen, dass Bücher und Menschen gleichermaßen vielfältig sind und somit auch verschiedene Meinungen dazu legitim sind.


Fühlt ihr euch manchmal von Buchkritiken angegriffen? Oder akzeptiert ihr sie, wenn es nicht ganz eurer Meinung entspricht und beschäftigt euch nicht länger damit? Ergreift ihr in den Kommentaren Partei für Bücher die euch gefallen haben, die aber schlecht bewertet wurden? Wie stark lasst ihr euch von bekannten Kritikern beeinflussen?



Alles, was ich nicht erinnere von Jonas Hassen Khemiri

März 27, 2017









(Original: "Allt jag inte minns" / 2015) DVA Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Susanne Dahmann (aus dem Schwedischen), 330 Seiten, gebunden,  ★★★★() 4 bis 5 Sterne 

„Welchen Preis zahlen wir, um nicht allein zu sein? Samuel hat so viele Gesichter, wie ihn Menschen kennen. Nun lebt er nur noch in der Erinnerung aller, und jeder erinnert sich anders an diesen schmächtigen jungen Mann, der ein fürsorglicher Enkel, großzügiger Freund und hingebungsvoller Liebhaber war – bis zu jenem Tag, an dem er den alten Opel seiner Großmutter in voller Fahrt gegen einen Baum lenkt. War es ein Unfall oder Selbstmord? Die einen sagen, dass Samuel sich hat rächen wollen an seiner großen Liebe Laide, die sich nun immer an ihn erinnern muss. Die anderen sagen, dass das alles nie passiert wäre, hätte sich Samuels bester Freund, der geldgierige Vandad, nicht eingemischt. Was nur ist tatsächlich passiert?“


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Er hat eine Hand gehoben und sich leicht auf die Wange geschlagen, als wollte er sich wecken oder vielleicht trösten." S.15

Das Buch hat mich auf den letzten Seiten schon fast wahnsinnig gemacht. Ich weiß gar nicht, ob es positiv oder negativ war. Die Spannung steigt einfach ins unermessliche, weil man scheinbar dem ganz großen Finale bevorsteht. Es ist tatsächlich so, dass mich das Buch so in den Bann gezogen hat, als sei es ein wahnsinnig guter Thriller oder Krimi. Dabei spiegelt es eigentlich „nur“ das normale Leben wieder. Es geht um Familie, Liebe, Verrat, das Verlassen werden, aber auch um sehr politisch aktuelle Themen wie Ausländerfeindlichkeit oder auch Ausländerfreundlichkeit. Dennoch entwickelt sich diese Spur, der man folgt, um mehr über Samuel zu erfahren, zu einer nervenaufreibenden Schnitzeljagd. Denn von Samuel selbst lesen wir nichts. Alles, was wir an Informationen bekommen, sind Aussagen seiner engsten Freunde und Verwandten. Zu Beginn war ich etwas ratlos, wer nun was sagt. Schnell spielt sich das aber ein. So bleibt ein Erzählstrang stets konstant; nämlich der von Vandad, seinem besten Freund. Er ist immer Teil des Sprechakts. Abwechselnd dazu, treten Aussagen von anderen Freunden auf. Mit der Zeit wird es einfacher, die Unterschiede zu ziehen. Vandad hat eine sehr wiedererkennungsfähige Sprachweise, die etwas an einen „Straßenjargon“ erinnert. Andere Passagen klingen aber hin und wieder doch stark nach guter Literatur und machen das Buch dann eben nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch sprachlich. Was mich sehr stark an dem Buch angesprochen hat war zudem die Intention, dass der Leser selbst entscheiden muss, welchen Aussagen und Personen er vertraut und sich so sein Bild über Samuel und die Sachverhalte ergibt. Mein einziges Manko ist die Tatsache, dass ich es nicht leiden kann, wenn in Büchern mittlerweile „gucken“ als „kucken“ übernommen wird, was hier der Fall ist. Für mich sieht es einfach falsch aus. Aber natürlich entwickelt sich alles irgendwann weiter.

"Wenn ich da und dort alles hätte abwenden können, dann hätte ich es getan. Ich hatte ein mieses Gefühl. Aber die Flipperkugel des Schicksals rollte, und nichts konnte sie aufhalten.“  S.118

Die Art und Weise wie der Autor mit den Identitäten des Protagonisten spielt, fand ich wirklich gut gelungen. Es zeigt, dass scheinbar immer noch eine „Macht“ davon ausgeht, wie andere uns sehen und wahrnehmen und wie schmerzlich es sein kann, wenn man sich nicht einmal selbst sicher ist, wer man ist. Obwohl man manchmal von den skurrilen Figuren eingenommen wird und vieles als nur unterhaltsam ansieht, bei mir war es zum Beispiel die Freundschaft und die „Erfahrungskonten“, die Samuel mit der „Pantherin“ versucht aufzuholen, steckt deutlich mehr in der Erzählung. Wie gesagt, für mich war es rein sprachlich zunächst nicht überwältigend, aber ein Buch, das einen so fesselt, dass man nicht aufhören kann zu lesen und das schöne Impulse sendet, um über gewisse Dinge nachzudenken, ist ebenso viel wert. Ich mochte auch die Ansätze bezüglich der hoch aktuellen Gespräche bezüglich der Emanzipation. Ist sie nur ein Schein-Phänomen in unserer Gesellschaft? Sind Frauen wirklich so emanzipiert, wie sie es von sich selbst immer behaupten? Schnell wird auch hier deutlich, dass man alles zu streng und zu lasch sehen kann. Schön fand ich aber zu lesen, dass man nie stur hinter einer Ideologie stehen sollte, denn ein gesundes Gleichgewicht entscheidet über den Erfolg gewisser Entwicklungen. Auch die Erwähnung der multikulturellen Einflüsse in Berlin und Schweden kommen gut zum Ausdruck, was nicht immer positiv assoziiert wird. Mein „Problem“ kam erst am Ende ein wenig zum Vorschein, als versucht wurde vieles aufzulösen. Ich stand plötzlich überwiegend im Dunkeln und wusste gar nicht, wie ich nun den Initiator, den Autor, der die Freunde befragt, einordnen sollte. Das ganze ist wie ein Interview aufgebaut, bei dem aber keine Korrekturen vorgenommen wurden, heißt: auch wenn die Figuren sagen, man solle die Aussage bitte streichen, wird sie dennoch wiedergegegen Es hatte definitiv seine Wirkung, weil der Kopf dann beginnt oder versucht, alles bisher Gelesene erneut aufzurufen und in einen Kontext zu bringen und man sich so fast wie der Protagonist fühlt. Aber irgendwie hat es auch dazu geführt, dass ich den Faden zum Schluss ein wenig verloren habe und absolut nicht mehr wusste, ob es da hinsichtlich des Autors, der das Interview führt, eine versteckte Botschaft. gab.

"Sagen wir, jemand steht auf einer Silvesterparty und will was erzählen, dann sind solche Leute wie Laide sofort da und finden irgendwelche Fehler. Sie sagen: Was meinst du damit, dass Asiaten ´krass gut darin sind, zu lernen?´ Wie kannst du behaupten, Frauen wären schwächer als Männer - es gibt schließlich total starke Frauen? Und warum verwendest du das Wort ´man´, das ist zwar die dritte Person Singular für Mensch, aber gleichzeitig steht es doch nur für Menschen mit Penis, deshalb ziehe ich das geschlechtsneutrale ´du´vor. Schon klar, wie populär so eine Person auf einer Party ist." S.151f.


Für mich war das Buch seltsamerweise von allem ein wenig. Spannungsgeladene Schnitzeljagd nach einer Identität, nachdenkliche Rede über unsere heutige Gesellschaft und wie sie zu Emanzipation und Fremdenfeindlichkeit /-freundlichkeit steht und die Frage nach dem eigenen Glück. Wer sind wir und was macht uns zufrieden? Und natürlich steht auch das „Vergessen“ im Mittelpunkt, das sich wie eine Hülle um den Protagonisten schmiegt. Für mich gab es zwar kleine Schwachstellen, aber dennoch eine gelungene Geschichte.




 Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Neuerscheinungen April

März 26, 2017






Im April fällt es mir sehr schwer nicht daran zu denken, sehr viele Bücher kaufen zu wollen. Das liegt wohl zum größten Teil an der Menge der Bücher, die von Margaret Atwood erscheinen. Darunter fallen zwar auch drei bereits bekannte, aber eben neu aufgelegte Romane, die ich gerne lesen wollte. Ansonsten sind mir wieder Neuerscheinungen aus fast allen Bereichen aufgefallen, die es sich vielleicht lohnt, im Hinterkopf zu behalten. Hier einmal meine kleine Auswahl an Neuerscheinungen für den April 2017:

Durch das Anklicken der Titel, gelangt ihr wie immer auf die jeweilige Verlagsseite

"Hexensaat" von Margaret Atwood, Knaus, gebunden, 17. April
Wie bereits angedeutet, gibt es einige Atwood Romane, die ich mir unbedingt vorgenommen habe zu lesen. Dieser Roman ist nicht nur ein Atwood Roman, sondern ebenfalls Teil der Hogarth Shakpespeare Reihe aus dem Knaus Verlag. Steht daher ganz weit oben auf meinem Merkzettel.

"Lady Orakel", "Der Report der Magd" und "Katzenauge" von Margaret Atwood, Piper, Taschenbuch, 03. April
Diese drei Bücher sind nicht unbedingt neu, aber neu aufgelegt mit ganz ansprechendem Cover, wie ich finde. "Der Report der Magd" wird glaube ich sogar auch demnächst verfilmt und gilt auch sonst als ein sehr beliebtes Buch. Musste ich mir also vormerken.

"Das Herz kommt zuletzt" von Margaret Atwood, berlin Verlag, gebunden, 03. April
Und das letzte Buch, welches von Maragaret Atwood diesen Monat erscheint ist "Das Herz kommt zuletzt". Es geht wohl um eine ganz intensives Liebespaar, das sich nach und nach auf andere einlässt und es dadurch zu Spannungen kommt. Ist glaube ich auch futuristisch und dystopisch angehaucht. Ich versuche mich bei ihren Romanen nicht im Vorfeld schon zu "spoilern", deshalb kenn ich nur so in etwa die Richtung. Aber es hört sich interessant an und landet auf meinem Merkzettel.

"Für dich würde ich sterben" von F. Scott Fitzgerald, Hoffmann und Campe, gebunden, 11. April
Immer wenn von den Fitzgeralds etwas "Neues" erscheint, kribbelt es mich schon in den Fingern. Hier bin ich wirklich sehr gespannt, ob sich das Buch an den früheren "Erfolgen" messen kann und ob es einen ebenfalls in den Bann zieht.

"Unvollkommene Verbindlichkeit" von Lena Andersson, Luchterhand, gebunden, 10. April
Ich glaube ich erwähne ständig (nicht zuletzt bei meinem Beitrag #femaleauthors), dass ich Lena Anderssons Roman "Widerrechtliche Inbesitznahme" großartig fand. Als ich gesehen habe, dass ein neues Buch folgt, war ich sofort Feuer und Flamme dafür. Eines meiner absolut heißersehnten Neuerscheinungen im April.

Viel muss ich hier glaube ich nicht mehr hinzufügen. Jane Austen, Entdeckungsreise durch ihre Welt, reicht um mich neugierig zu machen. Und ja, auch das Cover hat mich etwas dazu verführt, es nicht aus den Augen zu lassen.

"Faszination Englische Rosen" von David Austin, DVA, gebunden, 25. April
Blumen sind einfach nur wunderbar. Meist farbenfroh, duftend und meiner Meinung nach einfach nur hinreißend. Sie verschönern jede Umgebung. Das Buch bezieht sich hier gezielt auf Rosen, scheint aber dadurch nicht weniger interessant zu sein.

"Eine kleine Gartenphilosophie" von Lorenza Zambon, Mosaik, gebunden, 10. April
Wo wir schon bei Blumen sind. Ich fände es ja großartig einen großen Garten zu haben und selbst ein wenig Handwerksgeschick zu beweisen. Weil es derzeit nicht der Fall ist, stürtze ich mich umso lieber in Lektüren, die das Thema aufgreifen. Daher landet diese kleine Gartenphilosophie sofort auf dem Merkzettel.

"Obwohl es dir das Herz zerreisst" von Jenny Downham, cbt, Broschur, 03. April
Auch hier ist das Buch keine absolute Neuheit. Lediglich der Titel und das Cover sind geändert worden. Merkwürdigerweise habe ich es beim letzten Mal komplett übersehen, jetzt ist es mir ins Auge gestochen. Bleibt also vorerst mal im Hinterkopf.

"Unter Sternen" von Gary Fildes, Ludwig, gebunden, 25. April
Sternenhimmel sieht man sich immer gerne an. Zusätzlich finde ich es immer unheimlich interessant, mehr darüber zu erfahren, was sich da in unserem Himmel abspielt, was man vielleicht wissen sollte oder über etwas zu lesen, was einen einfach etwas träumerisch zurücklässt.

"Lily und der Oktopus" von Steven Rowley, Goldmann, gebunden, 17. April
Mit diesem Buch habe ich lange gehadert. Will ich es wirklich lesen?  mir merken? Ich denke bei solchen Büchern immer, dass mich der Inhalt nicht überzeugen wird, weil er zu vorhersehbar oder stereotypisch wird, aber hier spielt einfach ein Hund eine Hauptrolle und da kann und will ich meine Augen nicht ganz verschließen. Bleibt also guten Willens erst einmal vorgemerkt.

"Das Königreich der Sprache" von Tom Wolfe, Blessing, gebunden, 17. April

"Bücher für die einsame Insel" von Francois Armanet, Atlantik Verlag, gebunden, 11. April
"»Welche drei Bücher würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?« Diese Frage stellte François Armanet zweihundert Schriftstellern auf der ganzen Welt. Seine vergnügliche Umfrage ist eine Anleitung zum Überleben in der Einsamkeit, eine Einladung, unbekannte Bücher zu entdecken, und gleichzeitig die ideale Bibliothek, zusammengestellt von denen, deren Leben das Schreiben ist." Hach, das reicht schon aus, um mich an der Angel zu haben.

"Die Zweige der Esche" von Laird Hunt, btb, gebunden, 25. April
Klingt nach einer bewegenden, aber starken Frauengeschichte. Ich hoffe das trifft auch zu, denn ich finde, davon kann es nie genug geben. Bleibt also vorgemerkt.

"Das Verbrechen" von David Grann, btb, gebunden, 25. April
Zwischendurch stehe ich unfassbar auf "Crime". Nicht unbedingt auf Krimis, aber auf solche Bücher wie dieses hier, die reale Sachverhalte bezüglich bekannter Morderserien aufdecken. Obwohl es so grausam ist, interessiert mich immer daran, was im Menschen dabei vorgeht oder wie die Ermittler dafür kämpfen die Mordserien zu stoppen oder aufzudecken.

"William Morris - Ein Musterbuch zum Ausmalen", Prestel, Taschenbuch, 17. April
Zum Schluss habe ich noch dieses schicke Büchlein entdeckt. Nichts zum lesen, aber zum ausmalen. Ich schleiche schon sehr lange um solche Ausmalbücher herum, fand aber bisher keins, vom Muster her, wirklich ansprechend. Da ich aber die Designs von William Morris liebe, musste ich mir das Buch vormerken. Sollte mal mehr Zeit vorhanden sein, werde ich mir das Buch zulegen und mich mal dem Malen hingeben.


Welche Neuerscheinungen interessieren euch am meisten im April?




#Leseparty zur Leipziger Buchmesse

März 23, 2017







Heute ist wieder ein Tag, an dem die Herzen vieler Büchermenschen höher schlagen. Die Leipziger Buchmesse öffnet ihre Tore und lockt mit tollen Veranstaltungen, Lesungen, Autoren und natürlich Büchern. Für alle, die jedoch nicht anwesend sein können gibt es eine Alternative, die ich sehr attraktiv finde. Es handelt sich um die berühmt berüchtigte #Leseparty. Während Twiiter, Instagram und andere Social Media Kanäle überlaufen mit Bildern des Messegeländes, widmen sich die Daheimgebliebenen dem Posten des eigenen, aber eben auch gemeinsamen Lesefortschritts. Während des 23. bis 26. März lesen wir also was das Zeug hält.

Die Liebe Petzi von "Die Liebe zu den Büchern" und Alex von "Bücherkaffee" haben sich wieder einmal bereiterklärt und dienen als "Moderatorinnen" der Leseparty. Hier könnt ihr auch noch einmal alles etwas genauer nachlesen. Für alle die mitmachen wollen; den Hashtag #Leseparty nicht vergessen, wenn ihr darüber auf Twitter etc. postet.

Derzeit stehen ganze fünf Bücher auf meiner Leseliste. Ganz sicherlich habe ich mich damit komplett übernommen, aber no risk - no fun. Vielleicht wird sich auch stimmungstechnisch spontan etwas ändern, das werde ich dann aber alles in dem Beitrag ergänzen. Die Titel und alle Angaben werden also passend zu den jeweiligen Uhrzeiten hinzugefügt.

Dieser Beitrag soll also nicht nur als Info für den Start der #Leseparty, sondern auch als Update-Post dienen. Daher werde ich all meine gelesenen Bücher, meine Leselaunen und dergleichen immer mal wieder aktualisieren. Wer also Interesse daran hat zu erfahren, welche Bücher ich letztendlich tatsächlich beendet habe, was mir dazu im Kopf herumschwirrt und wie ich die gestellten Fragen beantworte, der darf gerne immer mal wieder auf diesen Post zurückgreifen. Ich wünsche allen Teilnehmern, hier, wie auch auf der Buchmesse, fantastische Tage mit vielen Büchern. Lasset das Lesen beginnen!


Donnerstag, 23. März

Gestellte Fragen: Welche Bücher habt ihr euch denn für die #Leseparty vorgenommen? 
Ich habe mir ganze fünf Bücher vorgenommen, die ich sicherlich nicht alle schaffen werde. Darunter sind: "Alles was ich nicht erinnere", "Lila" (spontan beim Nrw Buchbloggerstammtisch-Treffen ergattert - war aber auch reduziert, von daher völlig legitim), "The Robber Bride", "Wem erzähle ich das?" und "Mein Wildgarten"

Uns interessiert, welche Genres ihr bevorzugt lest. Gegenwartsliteratur? Thriller? Krimi? Young Adult? ... Oder lieber querbeet?
Eigentlich bin ich da nicht so festgefahren. Ich lese gerne alles, was mich thematisch anspricht und auch einen gescheiten Eindruck macht. Da steht das Genre bei mir nur an zweiter Stelle. Dennoch fällt mir auf, dass ich sehr selten oder fast gar nicht zu Krimis greife und auch historische Romane á la Ken Follet stehen nicht unbedingt an erster Stelle, obwohl ich historische Einflüsse in "normalen" Romanen mag. Zu Young Adult greife ich mittlerweile nur noch sporadisch. Es gefällt mir zwar, ab und zu Geschichten zu lesen, die aus "jüngerer" Sicht erzählt werden, oftmals sind mir die Geschichten nun aber auch zu flapsig und stereotypisieren die Jugendwelt zu stark. Aber es gibt ja immer und überall Ausnahmen. Daher wie gesagt: Genre an sich nicht so wichtig, hauptsache die Handlung klingt gut (und beweist sich am besten dann auch durch ihren Schreibstil).

13:50: Etwas verspätet, aber dafür umso motivierter starte ich jetzt auch mit der Leseparty. Auf Twitter hab ich mich etwas eingelesen, was die erste Frage betrifft und nun werde ich, denke ich zumindest, mit "Alles, was ich nicht erinnere" von Jonas Hassem Khemiri starten. Wollte ich schon vor einigen Tagen, aber durch "Ein wenig Leben" hats einfach nicht geklappt.

15:30: Kleine Kaffee- und Schoko-Pause.

17:00: Knappe hundert Seiten habe ich von "Alles, was ich nicht erinnere" gelesen und muss sagen, dass es mir bisher ganz gut gefällt. Erstmal etwas ungewohnt, aber man kommt nun gut voran. Durch die kurzen Erzählkapitel trödel ich aber leider dadurch etwas zu oft.

18:50: Wieder einmal eine kleine Pause gemacht. Es lief "gefragt-gejagt", da musste ich meine Quiz-Sucht etwas stillen. Habe aber auch einige weitere Seiten gelesen und denke, dass ich mich auch die nächste Stunde ebenfalls mit dem Buch zurückziehen werde.

20:15: Noch einige Seiten geschafft. Jetzt wird erst einmal "Criminal Minds - Beyond Borders" eingeschaltet, um zu schauen ob es mit dem Orginal "Criminal Minds" mithalten kann. In der Werbung werde ich aber natürlich weiterlesen.

23:10: Die Mischung aus Fernsehen und Lesen war gar nicht so schlecht. Die Hälfte des Buches ist gelesen. Die Müdigkeit hat ein wenig gesiegt, obwohl ich gerne weitergelelsen hätte. Da morgen aber auch noch ein weiterer Leseparty-Tag ist, habe ich das Gefühl, dass ich das Buch beenden werde und dann mit einem neuen starten kann.

Freitag, 24. März 

Gestellte Fragen: Welche drei Bücher sind zuletzt bei dir eingezogen?
Das müssten "Lila" von Marilynne Robinson,  "Wem erzähle ich das?" von Ali Smith und "Ein Kleid von Bloomingdales" von Jane L. Rosen gewesen sein. Da ich die Bücher meist gerne sofort lese, die ich mir kaufe, sind zwei davon auch schon bei der Leseparty-Liste vertreten.

Welche Romanverfilmungen könnt ihr uns empfehlen?
Viele Leute sind bei sowas ja immer frei nach dem Motto: "Das Buch war viel besser als der Film". Bei mir ist es komischerweise einfach so, dass ich den Film als Ergänzung zum Buch sehe und ihn nicht unbedingt mit dem Buch gleichsetzen muss. Daher mag ich erstaunlich viele Verfilmungen. Ich mochte zum Beispiel "Ein ganzes halbes Jahr", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" oder auch die Dystopie-Romane wie "Tribute von Panem" und nun auch "Maze Runner". Ich finde es einfach interessant, wie die Ideen umgesetzt wurden.  Ich mag aber auch aufjedenfall die Klassiker, wie "Frühstück bei Tiffany", welches im Film deutlich "fröhlicher" rüberkommt oder auch "Stolz und Vorurteil". Dank des Twitter-Austauschs ist auch noch "Stardust" hinzugekommen. Definitiv eines meiner liebsten Bücher und auch Filme. Im Film kommen vor allem noch einige Elemente vor, die im Buch fehlen und die dem ganzen noch etwas mehr "Magie" verleihen.

Wenn du jetzt fünfzig Euro bekämst, welche Bücher würdest du dir davon kaufen?
Ich glaube jeder von uns hat auf seinen Wunschlisten weitaus mehr Bücher, als für fünfzig Euro gelistet. Das ist eine der schwierigsten Entscheidungen für mich, wenn ich jedes Mal wieder aufs neue überlege, was ich mir als nächstes kaufen soll. Wenn ich aber mal so ganz spontan entscheiden sollte (mit Blick auf meine Wnuschliste) wären es wohl die Ausgaben der Bronté Schwestern aus dem DVA Verlag. Ich finde sie so unheimlich hübsch anzusehen. Sind zwar Klassiker und ich habe sie auch schon in anderen (englischen) Ausgaben, wenn ich aber das Geld hätte, würde ich mir diese sofort, als Hingucker für das Regal, ebenfalls kaufen.


10:30: Es ist wieder einmal geschehen. Tief und fest war ich davon überzeugt schlafen zu gehen, habe mir das Buch auf meinen Nachttisch gelegt, denn wir wissen alle, dass uns das als Büchermenschen irgendwie beruhigt, und musste mich dann geschlagen geben. Das Buch hat mich nicht mehr losgelassen, gar nicht zwingend aufgrund des wunderbaren Schreibstils, aber doch wegen den Fragen, die offen bleiben. Man will einfach zu gerne wissen, was passiert. Naja, nun habe ich nicht einmal mehr hundert Seiten übrig, die ich sicherlich bis heute Mittag zu Ende lesen werde. Danach wird die Rezension verfasst, bevor ich hoffentlich noch mit einem anderen Buch starte. Einziger "Nachteil": Heute ist Wochenende und da hat man komischerweise immer noch weniger Zeit, als während der Woche.

13:40: Mein erstes Buch "Alles, was ich nicht erinnere" habe ich nun beendet. Nun erst einmal die Gedanken sammeln und dann anschließend die Rezension verfassen. Mal sehen,  ob ich es dann noch schaffe heute mit einem neuen Buch zu starten oder ob ich mir das für morgen aufhebe.

14:25: Rezension geschrieben und nun wird ein kleines Päuschen gemacht. Nach einem Buch brauche ich einfach immer etwas "Nachdenkzeit", um nicht mit der Atmosphäre des einen Buches, in ein neues einzutauchen. Vielleicht starte ich aber gleich noch für einige Seiten schon mit "Mein Wildgarten" von Meir Shalev. Dank "Primeballerina"s Vorschlag auf Twitter, musste ich nicht selbst wählen, welches Buch ich als nächstes lese. Bin aber schon ganz gespannt auf das Buch.

18:00 Pause gemacht für "gefragt-gejagt", aber zwischendurch einige Seiten von "Mein Wildgarten" gelesen und ich bin jetzt schon sehr angetan. Enthält nämlich vierzig Illustrationen und ist wunderbar aufgemacht. Denk aber, ich bin mache jetzt noch eine etwas größere Pause, hab nämlich noch etwas vor. Geupdated wird aber danach!


Samstag, 25. März 

Gestellte Fragen: Von welchem /welcher Autor / Autorin würdest du gern ein Buch lesen, hast es aber bisher nie gemacht?
Oh, sehr schwierige Frage, weil da einiges zusammen kommt.  Ich wollte schon immer mal etwas von Sylvia Plath lesen, vor allem "Die Glasglocke". Leider kenne ich nur den darauf basierenden Jugendroman "Was uns bleibt ist jetzt". Ansonsten gibt es ebenfalls sehr viele Klassiker, die ich gerne lesen würde, zum Beispiel auch endlich einmal Dostojewskis "Anna Karenina", bisher landete da auch nichts von ihm auf dem "gelesen-Stapel". Ich weiß, dass es noch zahlreiche weitere gibt, aber sie mir natürlich gerade nicht einfallen möchten. Vielleicht trage ich das später noch nach.

Nenne uns völlig spontan drei deiner Lieblingsbücher!
Ganz klar "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara, das ich vor kurzem gelesen und geliebt habe, dann "Loney" von Andrew Michael Hurley und "Lieber Mr. Salinger" von Joanna Rakoff.

13:10 Gestern Abend hatte ich leider absolut keine Zeit zum Lesen. Heute wird es auch eher schwieriger, da meine Schwester vorbeikommt und man zusammen etwas essen und quatschen wollte. Vielleicht gelingt es mir noch am frühen Abend in mein Buch reinzuschauen, ansonsten wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich erst am Sonntag wieder lesen kann. Aber mal sehen.

21:00 Den ganzen Tag unterwegs gewesen, heißt in Buchseiten: 17. Siebzehn Seiten habe ich heute geschafft. Hoffentlich wird das morgen etwas anders aussehen. Ich hoffe ihr genießt die Leseparty und lasst die Seiten nur so dahinblättern.

Sonntag, 26. März 

Gestellte Fragen: Immer wieder versucht, aber doch gescheitert. Mit welchem Genre kannst du einfach nichts anfangen? Und warum ist das so?
Also an die Frage vom Donnerstag angelehnt, habe ich grundsätzlich mit bestimmten Genres kein Problem, ich greife aber lieber zu Romanen. Obwohl alle Bücher nicht gleichen Inhalts sind und mir vielleicht auch einige davon gefallen könnten, habe ich aber kein großes Bedürfnis nach historischen Romanen, Krimis oder Thrillern. Irgendwie habe ich da noch nicht das Gefühl, dass ich mich dort auf Erkundungstour begeben müsste. Daher fallen sie in meinem Regal eher mager, bis gar nicht vorhanden, aus. Ebenfalls und komischerweise weiß ich es da tatsächlich einwandfrei, interessieren mich die ganzen erotikromane und Adult Romane überhaupt nicht. Gerade geht ja wieder die Begeisterung mit "Paper Princess" um, was für mich einfach nichts wäre.

13:30 Gestern hat sich hier wirklich nicht viel getan, was die Leseparty angeht. Dafür steige ich heute umso motivierter wieder mit ein. Weiterhin liegt "Mein Wildgarten" von Meir Shalev auf meinem Nachttsich, was für das heutige Wetter sehr passend ist.

18:30 Die Stunden schweben nur so dahin. Einige Kapitel habe ich noch geschafft zu lesen, bevor ich kurz unterbrochen habe, um einen Blogpost fertigzustellen. Werde mich noch ein wenig versuchen einzulesen, aber mit meinen knapp zwei Büchern bin ich an meiner Vorstellung von fünf gelesenen Büchern bei der Leseparty deutlich an meinem Ziel vorbeigeschrammt.



Antoine de Saint-Exupéry Geschenkausgaben

März 22, 2017








Antoine de Saint-Exupéry ist den meisten durch den weltweit großen Erfolg von "Der kleine Prinz" ein Begriff. Eine zauberhafte Geschichte über das, was im Leben wirklich wichtig ist. Leider fällt die Aufmerksamkeit für seine weiteren Bücher dadurch etwas kleiner aus. Umso erfreulicher habe ich der Ankündigung und Umsetzung einer Neuauflage von drei seiner Bücher, entgegengesehen. Der Karl Rauch Verlag hat sich dazu entschlossen die Titel "Südkurier", "Flug nach Arras" und "Nachtflug" in einer Sonderedition herauszubringen, besser gesagt als handliche Geschenkausgabe. Alle drei Bücher kommen natürlich im selben Format daher und ergänzen sich schön durch eine abwechslungsreiche, aber passende Farbpalette. Es gibt zwar keinen Schutzumschlag, aber das Material der Bücher an sich ist dennoch etwas Besonderes. Sie machen einen etwas "krepp"-artigen Anschein, liegen aber gut in der Hand und wirken vor allem als Geschenk auch wirklich bezaubernd. Sie sind etwas kleiner als die Normalgröße von Büchern, aber die Schrift ist meiner Meinung nach noch wirklich akzeptabel. Durch ihre Handlichkeit kann man sie dadurch aber wunderbar unterwegs lesen und sich so die Zeit mit Antoine de Saint-Exupérys wunderschöner Erzählweise versüßen.

"Nachtflug" (Original: "Vol de núit / 1931) von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Annette Lallemand, 128 Seiten
Die Anfänge der Luftpost in Südamerika: Man fliegt nachts, um schneller als die Konkurrenz zu sein. Es sind heroische Zeiten, die heldenhafte Persönlichkeiten verlangen. Ein Held ist der Pilot Fabienne, der in ein gewaltiges Gewitter gerät und um sein Leben kämpft. Ein Held ist auch der Direktor der Bodenstation, der im Zwiespalt zwischen Pflichtgefühl und Menschlichkeit die Konflikte des Alltags zu lösen versucht. Antoine de Saint-Exupérys Buch wurde 1931 erstmals veröffentlicht.
Der Einstieg in dieses Büchlein war für mich tatsächlich etwas holprig. Obwohl es ein verständliches Vorwort gibt, haben mir die ersten paar Seiten etwas Orientierungslosigkeit bereitet. Ich wusste zunächst gar nicht so recht wie ich die Charaktere einordnen soll. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen musste. Obwohl man ja Saint-Exupérys träumerische Züge kennt, war ich doch überrascht von der beinahe blumigen Erzählweise. Es treten sehr starke Bezüge zu den Himmelskörpern auf. Es zieht den Erzähler deutlich zu der Macht der Sterne, des Mondes der flackernden Lichter, die ihn umgeben. Alles trägt zunächst etwas dazu bei, dass man sich an einigen Stellen zu verlieren scheint, was die Handlung betrifft. Hat man sich aber etwas darauf eingelassen, so entfaltet die Geschichte eine ganz eigene Romantik, die aber auch von Verlust geprägt ist; vom Siegen und vom Verlieren und der Grenze, die man manchmal nicht mehr zu erahnen scheint. 

"Er sah zu den Sternen hinauf, die über dem schmalen Streifen, den die Leuchtreklame frei ließen, nur noch scheu flimmerten und dachte dabei: > Mit meinen zwei Kuriermaschinen, die noch in der Luft sind, bin ich heute Nacht verantwortlich für einen ganzen Himmel. [...]" S.51

Für mich ist die Thematik tatsächlich ebenfalls eine ganz neue. Mit den Anfängen der Luftpost habe ich mich bisher recht wenig auseinandergesetzt, was mir vielleicht auch hier etwas zum "Verhängnis" geworden ist. Ich musste mich ganz neu auf die Schwierigkeiten der Betroffenen einstellen. Jedoch hat mir die kurze aber durchaus starke Erzählung gut gefallen. Und das eben genau aufgrund der mir zunächst nicht zusammenfallenden Zusammenhänge. Es ist eine Geschichte, mit der man sich aufgrund ihrer Kürze sehr gut öfters auseinandersetzen kann und vielleicht das ein oder andere Mal, erst beim zweiten Lesen, auch ihre wirkliche Bedeutung versteht. 


"Südkurier" von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Paul Graf Thun-Hohenstein, 176 Seiten
Es geht um Liebe, Einsamkeit und Flucht aus dem Alltag. Der Flieger Jacques Bernis findet seine Jugendliebe Genovefa wieder. Auf dem Flug von Toulouse nach Saint-Louis du Sénégal – er der niemals eintreffen wird – lässt Bernis die Ereignisse der vergangenen Monate Revue passieren. Die Geschichte einer schicksalhaften Lebenssituation, in die mitreißende Beschreibungen von Landschaften und Himmelsformationen eingebettet sind. 
Auch hier zeichnet sich die Geschichte für mich, durch eine ganz eigene Zartheit und Verletzbarkeit aus. Wieder tritt die Aufgabe des "Kuriers" in den Vordergrund, wird aber durch viele weitere Komponenten, die das Leben bestimmen und scheinbar wertvoll machen, ergänzt. "Leider" ergibt sich für mich an viele Stellen, was die Erzählungen von Saint-Exupéry angeht, noch keine große Gemeinsamkeit. Für mich ist der Anfang und das Ende immer merkwürdigerweise etwas von der Mitte losgekoppelt, als seien es ganz andere Stadien oder Abläufe von Erzählsträngen. Aber ich muss auch sagen, dass mich das am Ende nie so ganz stört, weil der Text den Leser dazu auffordert, mal wieder etwas länger darin zu verweilen und nicht alles nur herunterzulesen und dann alles zu vergessen. Für den einen mag es vielleicht zu anstrengend sein, aber ich mag dieses etwas Geheimnisvolle, das mir sich erst nach und nach erschließt. Auch hier sind viele Metaphern enthalten, die sich auf Lichter, auf den Wind sogar auf die Symbolik des Meeres beziehungsweise des Schiffes beziehen. Alles aber in einer ganz stimmigen Atmosphäre. Ich mag aber an den Charakteren, dass sie nach dem Leben als solches trachten. Sie sehen sich nach etwas, das ihnen nicht vergönnt scheint und dennoch ist die Erzählung so lebendig. 

"Neben ihr lag das Kind und atmete leise: War das nicht der Motor der ganzen Welt, und die Welt wurde durch dieses zarte Atmen belebt?" S.62

"Flug nach Arras" von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Fritz Monfort, 240 Seiten
Frankreich steht vor der Kapitulation, und doch wird so getan, als sei die Schlacht noch nicht entschieden. In niedriger Höhe sollen Antoine de Saint-Exupéry und seine zwei Begleiter bei einem Aufklärungsflug feindliche Panzerverbände erkunden. „Ohne ein genaues Ziel werden Besatzungen geopfert. Pflichtgemäß erlassen die Stäbe ihre Befehle […], sie verlangen Erkundungen, die unmöglich einzuholen sind“. Antoine de Saint-Exupéry überlebte den Einsatz und veröffentlichte sein Buch 1942
Für mich war diese dritte Lektüre die, die mir am meisten gefallen hat. Vielleicht weil sie Saint-Exupérys eigene Ansichten über den Krieg und deren, wie beschrieben, Sinnlosigkeit offenbart. Man spürt auch hier philosophische Denkweisen, eine gewisse Verträumtheit und einen Hang zur Zartheit, aber im Gegensatz macht sich hier auch die Trauer über das Verhalten der Menschheit breit. Allein schon der Anfang hat mich sehr für sich eingenommen. Die Beschreibungen, wie die "Kämpfer" von den Offizieren gesehen werden, wie sie sich aufopfern und wie sie sich selbst versuchen müssen zu retten, hat mich wirklich tief getroffen und hat mich, so merkwürdig es klingen mag, Antoine de Saint-Exupéry näher gebracht. Denn er beschreibt wirklich tiefgründige Dinge, die ihn beschäftigen, die aber schienbar niemanden interessieren, weil die "große Aufgabe" (der Krieg) es verlangt, dass man einfach bereit ist dafür zu sterben. Und Saint-Exupéry fragt sich ob es das überhaupt wert ist, den eigenen Tod so vorgesetzt zu bekommen. Wirklich bewegend und meiner Meinung nach mit einer sehr starken Botschaft. Dieses Buch sagt so viel über das Leben aus, dass ich es am liebsten jedem als Geschenk übergeben wollen würde, auch wenn die Thematik des Kriegs alles andere als "fröhlich" ist. Aber ich würde Leuten immer wieder gern Texte ans Herz legen, die verdeutlichen, dass das Menschsein mehr sein sollte, als ein Kampf um Sieg und Niederlage.

"Wir sind weiter nichts als Objekte in der allgemeinen Sinnlosigkeit. Für ihn sind wir nicht Saint-Exupéry oder Dutertre, mit ihren eigenen Gaben, die Dinge zu betrachten oder nicht zu betrachten, zu denken, zu marschieren, zu trinken und zu lachen. Wir sind Steine eines großen Baus, der mehr Zeit, mehr Schweigen und mehr Abstand erfordert, um in seinem Zusammenhalt erkannt zu werden." S.25






























Vielen Dank an den Karl Rauch Verlag für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!


Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara

März 19, 2017







(Original: "A Little Life" / 2016) Hanser Berlin Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Stephan Kleiner, 960 Seiten, gebunden,  ★★★★ 5 Sterne 
Offizielle "Ein wenig Leben"-Homepage
""Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Es wird besser werden´ , sagte sie, und er nickte, weil er sich sein Leben nicht vorstellen konnte, wenn es nicht besser werden sollte." S.139

Kennt ihr dieses Gefühl, das euch überkommt, wenn ihr ein Buch gelesen habt, dass euch bis zum Schluss aufgewühlt und mitgenommen hat, ihr im Anschluss versucht es sacken zu lassen, schaltet zur Ablenkung den Fernseher ein und euch erscheint plötzlich alles so plump und nichtig? Genau das ist mir mit diesem Buch geschehen. Bereits zu Beginn der Lektüre hatte ich einige Gedanken dazu niedergeschrieben (Gedankenschnappschuss: Ein wenig Leben). Selbst an dem Punkt hat mich die Schreibweise unfassbar berührt und für sich eingenommen, auch wenn das Geschriebene nicht harmlos ist und die Dinge, die den Protagonisten wiederfahren größtenteils traumatisch sind. In allem was die Autorin schreibt, die Art und Weise wie sich die bestimmte Figuren zu den Geschehnissen äußern, existiert so eine Poesie, dass man denkt, es stehe im Gegensatz. Mir kam es aber immer mehr so vor, als wäre es die einzige Möglichkeit das Gesagte erträglich zu machen, die einzige Erzählweise, die den Leser nicht auch vollkommen vernarbt zurücklässt. Denn die Figuren, die Freundschaften, die Streitereien, die Kämpfe die dieses Buch schildert, zerren an dir und bitten dich aber gleichzeitig Empathie zu empfinden. Man kann es nicht leugnen, es wird tatsächlich von Kapitel zu Kapitel schwerer und nervenaufreibender. Zu lesen wie stark manche Menschen sein müssen und sich ein Schutzschild aufbauen müssen, um das zu ertragen, was ihnen wiederfahren ist. Umso stockender die Augenblicke, die aufzeigen, was wirkliche Freunde alles aufgeben, sich aufopfern, um einem dabei zu helfen Dinge durchzustehen. Und so sehr es nach einem Klischee klingt; man weiß nichts über das Buch, kann es eigentlich kaum in Worte fassen, solange man es nicht selbst gelesen hat. Wichtig ist nur, dass man vor allem wissen muss, dass es sehr sensible und auch selbstzerstörerische Themen beinhaltet, die traurigerweise zu vielen Schicksalen der Menschen gehören.

"Er lächelte, als er daran zurückdachte; manchmal wünschte er, einen Verstand wie JB zu haben, einen, der Geschichten ersann, die andere erheiterten, und der so anders war als sein eigener, der ständig nach Erklärungen suchte, Erklärungen, die, auch wenn sie vielleicht zutrafen, frei von Romantik waren, von Witz, von Esprit.“  S.178

Ich habe mir versucht Notizen zu machen; Stützen die das fast tausendseitige Buch etwas eingrenzen und kategorisieren können. So etwas wie, dass es aufzeigt was Freundschaft wirklich ausmacht und all ihre Facetten offenlegt. Dass es den Leser sensibel für sehr ernste Themen macht und es gleichzeitig den Impuls sendet, sich stärker mit seinem Umfeld auseinanderzusetzen, darauf zu achten, wenn man merkt, dass es geliebten Menschen nicht gut zu gehen scheint. Oder auch, dass Jude als Dreh- und Angelpunkt angesehen wird, mit ihm aber so viel mehr in Verbindung gesetzt wird und dass Missbrauch, wie auch Prostitution stark thematisiert werden. Letztlich sind dies aber eben nur Randnotizen. Das Buch hat mich zum Schluss wirklich so berührt, dass mir schlichtweg nur noch ein Kloß im Hals stecken bleibt, wenn ich daran denke. Es ist ein Buch, bei dem man sicherlich einiges bemängeln könnte, bei dem man sich fragen könnte, in wie weit die geschilderten Erlebnisse realistisch sind, in wie weit sie Menschen schockieren oder  traumatisieren können, wenn sie ähnliches durchgemacht haben (oder machen). Aber ich finde es ist ein Buch, das ebenso die Wichtigkeit dessen aufzeigt, was in der Gesellschaft immer verschwiegen wird, nämlich dass Dinge geschehen, die furchtbar sind und dass die Psyche des Menschen darunter leidet, so sehr, dass alles zu einem Kampf wird. Ja, das Buch ist heikel und verlangt viel von einem ab, aber es ist ein Buch das wir meiner Meinung nach auch brauchen, um uns vor Augen zu führen, worauf man abseits der "fiktiven" Handlungen des Buches achten sollte und Menschen aufhören müssen die Augen vor schlimmen Themen zu verschließen. Aber auch sie gibt es im Buch, die positiven Momente im Leben, die Liebe die Menschen einem entgegenbringen und einen zusammenhält, die lustigen Sachen, die manchmal wiederfahren und dieses enge Band, das Freunde miteinander verbindet.

"Das Leben war beängstigend; es war voller Ungewissheiten. Selbst Malcoms Geld machte ihn nicht völlig immun dagegen. Das Leben würde ihm widerfahren, und er würde versuchen müssen, darauf zu reagieren, so wie sie das alle mussten." S.665


Ein Buch, das sehr traumatische Ereignisse und den schwierigen Umgang damit thematisiert. Man kann zwar wirklich viel darüber schreiben, letzten Endes muss man es aber gelesen haben um die Wucht des Buches zu verstehen. Unfassbar ergreifend bis zur letzten Seite.
























Vielen Dank an den Hanser Berlin Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!