Macht das der Februar?

Februar 23, 2017





"Ich bin zwar kein Professor, aber ich hab kapiert, dass in der Zeit des Februars irgendetwas mit uns passiert." (Überschrift und Zitat aus "Thaddeus und der Februar" von Shane Jones)

Mich hat der Februar tatsächlich sehr überrascht, weil ich ungewöhnlich viele Bücher gekauft habe, obwohl ich erst einmal meine ungelesenen Bücher lesen wollte. Dennoch muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass eines der Bücher auch für die Uni vorgesehen ist und ich mich nun für die nächsten Monate gut gerüstet sehe, was meinen Vorrat an Lesematerial angeht. Zudem gab es auch einen wunderschönen Buchgewinn, den ich ebenfalls erwähnen möchte (Bilder werden sicherlich folgen).

» "Liebe in der Nacht und andere Lovestorys" von F. Scott Fitzgerald (Diogenes) Was soll ich sagen. An F. Scott Fitzgerald Büchern kann ich kaum vorbeigehen. Das Buch wollte ich beinahe schon letzten Monat kaufen, habe ich da aber zurückgehalten. Viel hat es nicht gebracht, denn nun ist es doch bei mir eingezogen. Die Ausgabe ist einfach wunderschön gestaltet und beinhaltet sieben Erzählungen des bekannten Autors. Wenn ich wieder Sehnsucht nach den "Roaring Twenties" habe, weiß ich also schon genau, welches Buch bereitsteht.

» "The Pearl" von John Steinbeck (Penguin Clothbound Classics) Auch hier steht das Buch schon sehr lange auf meinem Merkzettel. Es ist zwar recht kurz, soll aber dafür wirklich gut sein. Steinbeck soll hier die Gier der Menschen aufgreifen, was ich als Thema immer sehr spannend finde. Wird also sicherlich nicht lange ungelesen bleiben.

» "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara (Hanser) An diesem Buch kommt man wirklich gar nicht mehr vorbei. Weil ich sehr gehypten Büchern mittlerweile weder gut noch unfassbar schlecht entgegentrete, lasse ich mich selbst gerne davon überzeugen, ob was dahintersteckt. Daher bin ich schon ganz gespannt auf das wohl etwas schwierige Buch, das momentan alle aufschrecken lässt.

» "Schriftstellerinnen - Leben und Werke berühmter Autorinnen" von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi (Atlantik) Ein Buch welches bei mir als Rezensionsexemplar eingezogen ist, über das ich mich aber wahnsinnig freue. Es geht um die wichtigsten Werke und Autorinnen der Zeitgeschichte und zeigt so auch mal ganz schön auf, dass auch Frauen diesen Markt dominieren. Ich finde es manchmal wirklich schade, dass die Debüts der Frauen untergehen, obwohl sie oftmals stark herausstechen. Ebenso sieht es schon wunderbar danach aus, als perfektes Geschenk zu gelten, um anderen Lesern mal Tipps in Sachen weibliche Autorinnen zu geben.

» "4 3 2 1" von Paul Auster (faber books) In letzter Zeit scheinen tatsächlich wieder richtige "Brocken" populär zu sein. Nicht nur T.C. Boyle und  Hanya Yanagihara sind hier Beispiele, sondern nun auch der neue Paul Auster. Weil mich Geschichten mit der Frage, wie ein Leben wohl in anderen Bahnen verlaufen hätte können, wahnsinnig interessieren, konnte ich hier wirklich nicht wiederstehen. Es wird sicherlich seine Zeit brauchen, bis ich das Buch ausgelesen habe, aber ich bin wirklich neugierig auf die Geschichte der verschiedenen Lebenswege.

» "Tristan und Isold" von Gottfried von Straßburg (Suhrkamp / Insel Verlag) Unfassbar, dass eine Unilektüre so wahnsinnig schön aussehen kann. In zwei Leinenbänden kommt "Tristan und Isold" daher und bezaubert durch einen blumigen Schuber. Tatsächlich besitze ich schon die Reclam Ausgaben, da aber alle Studenten lieber mit derselben Ausgabe arbeiten sollten, habe ich mich natürlich ganz unfreiwillig dazu bereiterklärt, mir auch dieses Exemplar zu kaufen. Natürlich hat es mich nicht so sehr geschmerzt, nachdem ich die Aufmachung erblickt habe. So kann das Studieren doch wirklich mal Spaß machen!

» "Märchen und Erzählungen" von Oscar Wilde (Nikol Verlag) Schon lange war ich auf der Suche nach einer schönen Sammelausgabe der Werke von Oscar Wilde, eigentlich nur aufgrund meiner allerliebsten Erzählung "Die Nachtigall und die Rose". Glücklicherweise ist mir diese hübsche Ausgabe ins Auge gefallen, welche zehn Geschichten bereithält. Ich bin mir sicher, das wird nicht die einzige Ausgabe bleiben, aber vorerst bin ich sehr glücklich darüber und bin schon voller Vorfreude, die Erzählung noch einmal zu lesen.

» "Romeo und Julia / Der Kaufmann von Venedig / Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare (Nikol Verlag) Obwohl ich "Romeo und Julia" in zwei Varianten besitze, konnte ich bei dieser Ausgabe nicht wiederstehen. Die beiden anderen Stücke wollte ich sowieso noch einmal lesen, da mir die Hogarth Shakespeare Reihe aus dem Hause Knaus wirklich gefällt und ich die Originale kennen möchte. Klarer Vorteil war aber auch hier ehrlich gesagt der Preis. Mal sehen, ob mich Shakespeare also auch in den Bann ziehen kann

» "Östlich der Sonne und westliche des Mondes" (illustriert) von Kay Nielsen (TASCHEN) Das wohl schönste Buch, das mich diesen Monat erreichte ist dieses. Hierzu gibt es leider noch keine Bilder in dem Beitrag, das wird sich aber sicherlich bald ändern. Das Buch habe ich beim Gewinnspiel auf Petzis Blog "Die Liebe zu den Büchern", im Zusammenhang mit dem TASCHEN Warehouse Sale gewonnen. Danke noch einmal an dieser Stelle! Ich habe das Buch geöffnet und war sofort hin und weg. Es handelt sich hierbei um eine Zusammenstellung nordischer Märchenerzählungen und ist einfach fabelhaft illustriert. Hierzu wird sicherlich auch ganz bald eine Rezension folgen.

So kann ich zwar nicht sagen, ob es wirklich am Februar liegt, dass die Bücher sich so angesammelt haben, aber ich finde, dass es sicherlich keine schlechten Auswirkungen auf mich hat.








Melrose von Edward St. Aubyn

Februar 21, 2017












(Original: "The Patrick Melrose Novels" / 2014) Piper Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Ingo Herzke, Frank Wegner, Dirk van Gunsteren und Sabine Hübner, 880 Seiten, gebunden,  Sammelband aus allen fünf vorhandenen "Melrose" Romanen, ★★★(★)☆ 3 bis  4 Sterne 

"Mit seinem furiosen fünfteiligen Romanzyklus um sein Alter Ego Patrick Melrose hat sich Edward St Aubyn weltweit in die erste Riege der zeitgenössischen Literatur geschrieben: Die Romane erzählen Patrick Melroses Geschichte von seiner Kindheit bis zum späten Tod seiner Mutter und schildern dabei so elegant wie unnachsichtig das Erwachsenwerden eines begabten, sensiblen Jungen, das in einer aristokratisch privilegierten Umgebung eine schwarze Hölle aus Missbrauch und Vernachlässigung gewesen ist. St Aubyns Melrose-Romane liegen nun erstmals in einem Band vor. "


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Wer David gut kannte, suchte nach Zeichen des Verfalls, doch die Maske wurde mit jedem Jahr edler. So steif er den Nacken auch machte, hinter seiner dunklen Brille zuckten die Augen unbeobachtet hin und her und taxierten die Schwächen der anderen.S.27

Was für ein Klotz von einem Buch und das in vielerlei Hinsicht. Ganze achthundertundachtzig Seiten umfasst die wirklich bittere Geschichte rund um Patrick Melrose und seine Familie, wie auch sein näheres Umfeld, welche ständig vor seelischen und körperlichen Misshandlungen trieft. So ist es keine wirklich leichte Kost, auch wenn öfters zu hören ist, dass sich die autobiographische Geschichte durch bitterbösen Humor auszeichnen soll. Ich für meine Verhältnisse bin nach der Lektüre ehrlich gesagt etwas sprachlos, da ich zum einen nicht wusste, dass es so stark autobiographische Züge aufweist und zum anderen, weil das Buch tatsächlich einiges von dem Leser abverlangt. Als erstes sicherlich ein gutes Maß an Aushaltevermögen. Denn obwohl ich die Thematik der ganz und gar nicht schillernden "Upper Class" und deren Abgründe, lesenswert, wie auch gut ausgearbeitet fand, mischten sich deutliche Längen mit ein, die das Gesamtwerk zunehmend "dumpf" wirken ließen. Es gibt sehr viele Dialoge, die sich manchmal ziehen und die im Nachhinein deutlich "gezielter" hätten umgesetzt werden können, um diese gesamte Länge der Geschichten etwas "erträglicher" zu machen. Durchaus sehe ich den Reiz in den fünf einzelnen Büchern, die immerhin in einem längeren Abstand erschienen sind und so vielleicht eine wohlproportioniertere Wucht an Information erlauben. Liest man aber diesen Sammelband, muss man sich vielleicht selbst nach jedem "Buch" eine kleine Pause gönnen, sonst wirken eben vor allem die vielen Dialoge sehr überladen.

"Alle nickten düster, und Patrick fragte sich, nicht zum ersten Mal, wie es wohl wäre, frei zu sein, ein Leben ohne die Tyrannei von Sucht, Konditionierung und Groll zu führen.“  S.712

Bezieht man sich allerdings stärker auf den provokanten, aber eben auch sehr offenen und ehrlichen Inhalt der Bücher, so muss man sich eingestehen, dass die Geschichten durchaus großes Potenzial aufweisen. Der Schreibstil mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, aber die Art und Weise, wie Edward St. Aubyn die schwierigen Erlebnisse, des vor allem jungen Patrick Melrose (5 Jahre) schildert, ist unfassbar ergreifend. Selbst wenn es nur eine fiktive Person gewesen wäre, ist man als Leser durch diese Machenschaften der Familie und dem unmöglichen Entkommen des Jungen, mehr als mitgerissen. Das gesamte Bild, welches sich von der gut betuchten und "besseren" Gesellschaft, in welcher sich die Protagonisten befinden, ergibt ist meiner Meinung nach fabelhaft dargestellt. Man spürt förmlich diese Falschheit des ganzen Scheins, an dem aber alle hängen und sich lieber dazu bekennen würden, andere Menschen zu verachten und klein zu halten, statt ihr Ansehen zu verlieren. Besonders einige Passagen, welche die viel besuchten Partys der Upper Class beschreiben sind ein wahrer Genuss für den Leser, weil er fast durchgehend mit dem Kopf schütteln könnte und durch St, Aubyns Ausdrucksweise mehr als gut unterhalten wird, sogar wenn es eben den bitteren Inhalt trägt.

"Patricks Kindermädchen war tot. Eine Freundin seiner Mutter hatte gesagt, sie sei in den Himmel gekommen, aber Patrick war dabei gewesen und wusste ganz genau, dass man sie in eine Holzkiste gesteckt und in ein Loch geworfen hatte." S.31

Ich muss aber auch gestehen, dass mich gewisse Teile ebenso gar nicht oder kaum interessieren beziehungsweise packen konnten. Die Zeit, in welcher der Protagonist Patrick Melrose in der Blüte seiner Zeit steckt (22 Jahre) und sich dem Drogenkonsum widmet, haben mich nach einigen Seiten komplett abgeschreckt. Auch wenn hier die Intensität und Tragik der Autobiographie vielleicht ebenso groß ist, war es für mich schlichtweg zu viel, beinahe ein gesamtes Buch nur über den Vorgang des Spritzensetzens und der Drogenbeschaffung informiert zu werden. So ist es tatsächlich eine Reihe von Romanen, die vielleicht eine gewisse Zeit benötigt und von der man nicht erwarten kann, dass sie sich durch einen "flotten" Erzählstil auszeichnet, sondern tatsächlich das Abbild eines Lebens voller Höhen, aber meistens eher Tiefen ist.

"Patricks Stimme verlor sich. Er drehte die Wasserhähne wieder auf und  lief ins andere Zimmer, um sich einen Bourbon einzuschenken. Ein Bad ohne Drink, das war wie - wie ein Bad ohne Drink. Wozu sich verkünsteln oder Vergleiche finden?" S.244


Fünf autobiographisch geprägte Romane in einem Band, welche die, gar nicht so verborgenen Missstände einer Upper Class Familie und Society aufzeigen. Zeichnet sich vor allem durch seine Sprachgewalt in den richtigen Passagen aus, verfällt aber vielleicht auch etwas in eine zu detaillierte Beschreibung gewisser Lebensumstände, wenn man versucht das Buch in einem Durchgang durchzulesen. Hat einen sehr eigenen Schreibstil, speziell durch die intime Ansicht der Gegebenheiten des Autors in Bezug auf die Protagonisten und des daher stark vorkommenden bitteren Humors bezüglich gewisser Charaktere. Für Leser mit Ausdauer und dem Interesse an autobiographischen Geschichten, ist es aber ein sehr starkes und im Großen und Ganzen auch gelungenes Werk, welches einen aber durch die nicht erfreulichen Erlebnisse, manchmal stärker zu Boden drückt, als man zunächst angenommen hat.




Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

The Terranauts von T.C. Boyle

Februar 17, 2017








(Original: "-" / 2016) Bloomsbury Publishing, Übersetzer/in:-, 508 Seiten, gebunden,  Einzelband, Englische Ausgabe,  ★★★★☆ 4 Sterne 

Dt. Inhaltsangabe (Hanser Verlag): "4 Frauen, 4 Männer, 2 Jahre in einem riesigen Terrarium. Bestsellerautor T.C. Boyle erzählt vom halsbrecherischen Versuch, eine neue Welt zu erschaffen. In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn. T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit."


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"She was out in the world, your world (what we like to call E1, the original ecosphere) for less than five hours, but even if it had been five minutes, five seconds, the whole thing would have collapsed. Because it was the conceit that counted, and couldn´t anybody see that?S.29

Tatsächlich hat es mich sofort in den Fingern gejuckt, als ich von "The Terranauts" (dt. "Die Terranauten") gehört habe. Die Thematik verführt einen irgendwie dazu, sich direkt mit dem Buch zu befassen. Acht Wissenschaftler in einer Glaskuppel gefangen, um unser Leben unter erschwerten Bedingungen nachzubilden? Klang für mich durchaus sehr verlockend. Nicht zu vergessen, dass es dieses Experiment tatsächlich gegeben hat. Unglücklicherweise finde ich, nimmt die deutsche Inhaltsangabe schon einiges vorweg, was man sicherlich erahnen kann, was aber dennoch besser zur Geltung kommt, wenn man es sich "erliest". (Daher habe ich die deutsche Inhaltsangabe um einen entscheidenden Faktor gekürzt, für alle, die sich etwas mehr überraschen lassen wollen.) Ich muss sagen, dass mich T.C. Boyles neuer Roman sofort gefesselt hat. Man wird definitiv schnell mit den Gegebenheiten vertraut und verspürt auch einen gewissen Drang weiterlesen zu wollen. An vielen Stellen allerdings ist man sich irgendwie, vielleicht unterbewusst, aber schon sicher, was passieren wird. Daher fand ich, lag der Fokus sehr stark auf der Schilderung dessen, wie die Entwicklungen von den Teilnehmern, wie auch die in der uns bekannten "Außenwelt", aufgenommen wurden. Ein wirklich großer Schachzug des Buches ist wohl eben diese Darstellung der wahnwitzigen Denkweisen der Menschen. Die Schaulust und dann doch wieder dieses Desinteresse, die den Wissenschaftlern in der Kuppel gilt. Die Menschen leben ihre normalen Leben und befassen sich nur zu Weihnachten oder anderen besonderen Ereignissen, mit der Mission, wohingegen die "Terranauten" mit immer schwerwiegenderen Umständen zu kämpfen haben. Gut gelungen fand ich aber vor allem auch die häufigen Vergleiche zu der "Vorgänger-Mission" und den vielleicht unterschwelligen Bezugnahmen zu gewissen Personen, die alles zu verbinden scheinen.

"We chatted away, gossiping about everybody who wasn´t present, which had almost become official Terranaut policy [...].“  S.169

Grundsätzlich gefiel mir also die Reflexion der Situation durchaus besser, als die Darstellung der Protagonisten, wobei dies sicherlich auch teilweise beabsichtigt ist. Das Buch verleitet dazu, sich in verschiedene Perspektiven hineinzudenken und einzufühlen und dabei seine Sympathien für gewisse Charaktere zu erneuen oder eben abzulegen. Insgesamt wird das Buch aus drei Sichten erzählt. Zum einen von Dawn, welche Eos oder auch nur E. genannt wird. Linda, einer Außenstehenden Teilnehmerin des Projekts und Ramsay, welcher den Spitznamen "Vodge" trägt. Diese deutliche Einsparung an Inneneinsichten, wenn man bedenkt, dass eigentlich acht Terranauten unter verschiedenen Aspekten auch von unterschiedlichen Empfindungen zu erzählen hätten, sorgt zunächst vielleicht für ein eingeschränkteres Sichtfeld der Rivalitäten untereinander, sorgt aber dafür, dass man sich besser zurechtfindet. Zudem ist es auch sicherlich umso spannender, wenn man nicht alle Details der anderen kennt und man sich so ein wenig auf seine eigenen Erkenntnisse der Geschichte stützen muss. Daher fand ich wirkte die Geschichte, im positiven Sinne, nicht zu überladen. Man konnte sich anhand dieser drei Protagonisten ein ganz gutes Bild der Lage machen und konnte die anderen sechs Teilnehmer auch gut in ihrer charakteristischen "Färbung" wahrnehmen. Was mir persönlich aber immer wieder auffiel, war meine Abneigung Dawn gegenüber. Obwohl man an vielen Stellen Mitleid mit ihr empfinden sollte, war sie mir ständig etwas unsympathisch. Hinzu kommt, dass man zum Ende hin etwas die Motivation verliert, weil sich die Situation zwar zuspitzt, aber paradoxerweise doch etwas verliert. Ich hatte mir tatsächlich etwas mehr "Spannung" erhofft, zum Beispiel in Bezug auf die Leiter der Mission, die durch telefonische Kommunikation ständig in das Geschehen einzugreifen versuchen. Für mich ist es also einerseits ein wirklich gelungenes Buch, das viele interessante Aspekte in Bezug auf das Verhalten der Menschen aufzeigt und deren wahnwitzigen Ideen, aber eben auch ein Buch, das vielleicht manchmal zu "flapsig" daherkam.

"Nothing in, nothing out. That was our mantra." S.30


Ein durchaus lesenswertes Buch, das sich mit den Verhaltensweisen der Menschen beschäftigt und das unter ganz besonderen Umständen, nämlich einem experimentell geschlossenen Ökosystem, welches nun acht Wissenschaftler beherbergen soll. Animiert zum ständigen weiterlesen an, lässt den Leser aber auch oftmals schon viele Vorahnungen spüren, sodass man sich zum Ende hin nicht komplett mitreißen lässt. Dennoch enthält das Buch ganz wichtige Ansichtsweisen und Darstellungen, die aufzeigen, wie merkwürdig die Absichten der Menschen sein können und wie extreme Umstände den Menschen an die Grenzen seiner selbst treiben können.



Die Apokalypse (übersetzt) von Kurt Steinmann

Februar 10, 2017








(Original: "-" aus dem Altgriechischen , 81-96 n. Chr. / 2016 Manesse) Manesse Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Kurt Steinmann, 176 Seiten, gebunden im Schuber, Illustrationen von Daniel Egnéus,  Einzelband, ★★★★☆ 4 Sterne 

"Apokalyptische Reiter, Unheil kündende Engel mit Posaunen, der Zorn Gottes in sieben Schalen, Krieg, Geschwüre und Feuersbrunst ... Wenige Bücher können es an rauschhaften Visionen mit der «Offenbarung des Johannes» aufnehmen, diesem bis heute geheimnisvollen Teil des Neuen Testaments. Die vorliegende Neuübersetzung von Kurt Steinmann unterstreicht den literarischen Rang des gewaltigsten aller Endzeitszenarien."


MEINE MEINUNG | FAZIT

Für mich ist  "Die Apokalypse" als Text allein schwer zu bewerten. Schon im Religionsunterricht konnte ich aus den, mit unzähligen Metaphern und Symboliken der Bibeltexte wenig anfangen. Auch wenn ich an gewisse gläubige Überlieferungen glaube und mir vieles, was in Bezug auf die Nächstenliebe oder gar die Selbstzerstörung des Menschen durch sein Verhalten, verständlich ist, bleiben für mich dennoch viele Texte dieser alten Schriften so abstrakt, dass ich nur schwer einen Zugang dazu finde. Glücklicherweise erlaubt es einem die Neuauflage und auch die neu übersetzte Version der "Apokalypse" nun, sich etwas vertrauter mit den Texten zu machen, da sie dem Leser gewisse Hintergrundinformationen zu vielen Aussagen gibt. Man schlängelt sich so langsam am Text und dann an den dazugehörigen Anmerkungen entlang und erkennt, dass man bisher vieles gar nicht so gedeutet hat, wie es vielleicht gemeint war. Für mich war es jedenfalls eine ganz neue, literarische Erfahrung, da sich mein gezieltes Wissen über dieses wohl schreckliche Ereignis aus fiktiven Serien wie "Supernatural" ergab (heutzutage bin ich mir aber sicher, dass ich kein Einzelfall bin). Ja, ein Skandal könnte man meinen und irgendwie habe ich mich beim Lesen auch dabei ertappt, dass ich durch die neu gewonnenen Ansichten ein viel größeres Interesse an den biblischen Texten bekommen habe. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich den Texten, so interessant sie auch sein mögen, immer skeptisch gegenüber stehen werde. Ich fand "Die Apokalypse" an einigen Stellen so offensichtlich "gepresst" und "zurechtgestutzt", wie auch an mancher Stelle gar nicht so "christlich", dass ich immer zwischen Begeisterung und Ablehnung schwankte. Grundsätzlich ist dies aber ein, heute wohl immer noch, heikles Thema, da der Glaube immer zu unterschiedlichen Meinungen tendiert und man sich vielleicht über die Anmerkungen (hier im Buch) hinaus mit der richtigen Bedeutung beschäftigen müsste.

"Wen ich liebe, den rüttle ich wach und erziehe ihn. Reiß dich nun also zusammen und ändere dein Denken!“  S.31

Was mir an dieser Ausgabe aber besonders gefällt, sind vor allem auch zwei weitere Dinge. Zunächst einmal müssen die wirklich tollen Illustrationen erwähnt werden. Sieben sind es an der Zahl (was man vielleicht im Kontext zur "Apokalypse" verschwörerischer Weise auch deuten könnte), welche sich im gesamten Buch verteilen. Die Szene, die abgebildet ist, wird zudem noch einmal mit dem passenden Zitat der Stelle im Text, versehen, sodass man sich vielleicht auch die etwas abstrakteren Darstellungen besser interpretieren kann. Was mich aber ebenso überzeugt hat, war das informative Nachwort des Buches. Dort wird noch einmal darauf eingegangen, wer überhaupt "Johannes" ist, der diesen Text verfasst hat und welche Resonanz es durch diese "Offenbarung" in der damaligen Zeit gab, beziehungsweise wie die Kirche selbst dazu stand. Obwohl es nur einige Seiten sind, geben sie wirklich einen guten Einblick darüber, welche Dinge man beachten sollte, wenn man sich auf den Text einlässt und welche Äußerungen man mit dem nötigen Kontext betrachten muss. So bietet das Buch also nicht nur eine gute, verständliche und modernere Variante der "Apokalypse", sondern wird durch informative und wissenswerte Anmerkungen, wie auch ein nötiges (vielleicht besonders in der jetzigen Zeit, in der das Interesse für biblische Texte eher schwindet) Nachwort, welches die Grundlegenden Fragen klärt und zusätzliche Aufschlüsse über die Lektüre erteilt.

"Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel vollkommene Stille ein und währte ungefähr eine halbe Stunde lang." S.51


Die berühmt berüchtigte "Apokalypse" in neuem Gewand. Nicht nur ist der Text neu übersetzt und somit moderner und verständlicher, sondern er ist auch durch sieben bemerkenswerte Illustrationen geschmückt. Für ein besseres Verständnis der Metaphern und der Symboliken, wurde nicht an informativen Anmerkungen und einem interessanten Nachwort gespart. Alles zusammen ist ein tolles Buch für alle, die sich mit schönen Ausgaben beschäftigen, unabhängig von der Zustimmung oder Ablehnung des Inhalts. Mir gefiel vor allem, dass das Buch auch kritische Bemerkungen äußert und darauf achtet, dennoch sachliche Erläuterungen zu bieten.








#femaleauthors

Februar 08, 2017






Women writers specifically... are the ultimate outsiders.
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/keywords/women_writers.html
Women writers specifically... are the ultimate outsiders.
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/keywords/women_writers.html
"Women writers specifically...are the ultimate outsiders." - Janet Fitch

Kürzlich wurde ich von der lieben @meeneswelt über Instagram zu einem ganz schönen Aufruf getagged. Man sollte Bücher benennen, die zu dem Thema #femaleauthors passen. Mein erster Blick über mein Bücherregal entpuppte sich als eher Männerdominierendes Areal. Nach und nach aber vielen mir umso mehr, wichtige, wie auch unterhaltsame Bücher von Frauen ein, die mir viel bedeuten oder mich anderweitig beeindruckt haben. Weil mir ein Instagram-Post etwas zu knapp erschien, habe ich mir gedacht, setze ich den Tag als Blogbeitrag um. Die Auswahl der Bücher begrenzt sich auf eine kleine Anzahl, die ich aber zurzeit als am treffendsten empfand. Hier also meine Bücher zum Thema #femaleauthors.


» Jane Austen Um die Klassiker kam ich natürlich nicht herum. Jane Austen gehört für mich      
            jedenfalls sicherlich zu der Liste dazu, weil sie allein durch ihre Erfolge in ihrer Zeit, etwas 
            Großes geschaffen hat und man ihre Werke immer lesen kann.

» Die Bronté Schwestern Auch hier zählen ihre berühmten Werke zu den eigentlichen "must-reads". 
            Etwas unglücklich, dass ich bisher noch keines der Romane gelesen habe, wobei "Jane Eyre" 
            als Wunschbuch für diesen Monat bereitsteht.

» Zelda Fitzerald ("Himbeeren mit Sahne im Ritz") Der Name Fitzgerald wird meist mit ihrem sehr
             berühmten Ehemann in Verbindung gebracht.  Meiner Meinung nach nur halb verdient, da
             Zelda ebenfalls eine großartige Schriftstellerin gewesen ist, welche aber leider ein trauriges
             Schicksal erleiden musste. Umso schöner, dass einige ihrer Erzählungen den Weg zu uns
             Lesern gefunden haben, bevor ihr Mann diese auch unter seinem Namen veröffentlichen
             konnte.

» Emma Cline ("The Girls") Zugegeben, von Emma Cline befindet sich nur ein Buch in meinem
             Regal, ob sie sich zu einem Favoriten entwickeln wird, weiß ich daher derzeit noch nicht.
             Allerdings hat mich "The Girls" wirklich bewegt und wenn ich an das Buch zurückdenke,
             wüsste ich, dass ich es auch empfehlen würde, weil es eine ganz eigene Ausdrucksstärke
             hat. Ich fand es wieder einmal schön zu sehen, wie Frauen ebenso als "Newcomer" mit 
             einem Debüt durchstarten können und auch schockierende Geschichten mit dem nötigen    
             Gefühl transportieren können.

» Joanna Rakoff ("Lieber Mr. Salinger") Dieses Buch wird mich glaube ich nie wieder loslassen.
             Obwohl es "nur" von einem Praktikum bei einem kleinen Verlag erzählt, hat mich das Buch
             gefangen genommen und seither immer wieder in den Bann gezogen. Es ist einfach so
             wunderbar erzählt, dass man sich der Geschichte nicht entziehen kann und auch nicht
             möchte. Joanna Rakoff dürfte gerne mehr solcher Bücher schreiben.

» Margaret Atwood ("Die steinerne Matratze") Lange standen ihre Bücher auf meinem Merkzettel.
             Besonders ihre bekannte Trilogie hat mich immer wahnsinnig angesprochen. Bisher konnte
             ich mich aber noch nicht dazu durchringen, mich darauf einzulassen. Daher habe ich meine
             Bekanntschaft mit der Autorin mit ihrem Erzählband "Die steinerne Matratze" gemacht. Und
             das war für mich genau der richtige Einstieg. Ich liebe ihre "abgedrehten" Gedankengänge
             und ihre wahnwitzigen Ideen, die auch mal ins Makabre abdriften. Daher wird dieses Buch
             sicherlich nicht das letzte gewesen sein, welches ich von Atwood gelesen habe.

» Lena Andersson ("Wiederrechtliche Inbesitznahme") Ein überraschendes Lesehighlight hatte ich
             mit der Autorin Lena Andersson, die mit einer großen Schippe Ironie eine wunderbare
             Geschichte erzählt hat. Ihre Art zu Schreiben ist eigen, macht die Geschichte aber sehr
             atmosphärisch. Nicht überraschend also, dass ich schon sehnsüchtig auf ihr neuestes Werk
             warte, das dieses Jahr erscheinen soll.

» Gabrielle Zevin ("The storied life of A.J.Fikry") Herzliche Geschichte und meiner Meinung nach
             eine wunderbare Idee, welche die Autorin hier umgesetzt hat. Buchhandlungen stehen im
             Fokus und ebenso die Menschlichkeit.

» Kathrine Catmull ("Summer and Bird") Obwohl es ein Jugendbuch ist, hat sich die Autorin ein
             ganz bedeutsames Treppchen auf meinem Favoritenplatz ergattert. Das Buch habe ich
             damals genau in der Zeit gelesen, als ich wirklich Lust auf märchenhafte Umgebungen und
             Geschehnisse hatte. Und diese ganz besondere, zauberhafte Stimmung kann Catmull definitiv
             transportieren. Die Geschichte wirkt leicht und doch bedeutsam. Ein wunderschönes Buch,
             besonders zur Weihnachtszeit.

Natürlich ist die Liste der Bücher, die mich von Autorinnen geprägt haben durchaus größer und vielseitiger, aber das würde den Rahmen etwas sprengen. Welche Autorin mich aber jüngstens tatsächlich noch sehr beeindruckt hat, ist Rivka Galchen mit ihrem Erzählband "Amerikanische Erfindungen". Da sollte man unbedingt mal reinlesen, so als zusätzlichen, kleinen Tipp.

Welche weiblichen Schriftstellerinnen mögt ihr ganz besonders und welche Bücher haben euch vielleicht inspiriert?