Main Street von Sinclair Lewis

Juni 25, 2018



Werbung - Rezensionsexemplar (Original: "Main Street"/ 1920) Manesse, Übersetzer/in: Christa E. Seibicke (aus dem amerikanischen Englisch),   ★★★★(☆) 4,5 Sterne
"Carol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"'Ich frage mich...', Carol versank unversehens wieder im Weltschmerz des Vorabends, '...ich frage mich, ob diese Farmer nicht bessere Menschen sind als wir. So schlicht und so fleißig. Die Stadt lebt doch von ihnen. Wir Städter sind Parasiten, und trotzdem fühlen wir uns ihnen überlegen.'" S.128

Bei vielen sehr langen und ausführlichen Romanen neige ich dazu abzuschweifen, wenn sie nicht etwas an sich haben, was mich irgendwie fesselt. Sinclair Lewis hat dies bei mir nun zum zweiten Mal geschafft (nach "Babbitt"). Sie sind tatsächlich sehr lang und man muss diesen Stil dennoch einigermaßen mögen, dass vieles detailliert beschrieben wird; sprich die Wohngegend, die Nachbarn, die Stimmung und der Eindruck, den die Protagonistin von ihren Erlebnissen hat. Kann man sich aber darauf einlassen, so wird man mit einem weitgefächerten Inhalt, inklusive guten gesellschaftskritischen und allgemeinen Überlegungen zum Verständnis einer Gemeinschaft belohnt.
Diese Kritik ist aber nie zu schwerfällig. Man hat nicht das Gefühl, dass man einen deprimierenden Roman liest, denn der perfekte Funken Witz ist immer in den Zeilen versteckt.
Zudem sorgt Lewis dafür, dass die Erzählung trotz Länge wunderbar vielseitig und vor allem vielschichtig bleibt. Es gibt nicht nur einen Standpunkt der überwiegt. Als Leserin habe ich mich ständig in neue Positionen geworfen, man geht verschiedene Szenarien durch und muss entscheiden, ob es überhaupt eine perfekte Lösung für eine Stadtgemeinschaft geben kann. Oder sind Menschen nicht dazu in der Lage, vollkommen frei von Normen zu leben, die einen einschränken oder ausgrenzen können?
So ist auch die Protagonistin Carol eine erfreuliche "Begleiterin". Ihre Perspektiven und Einstellungen sind wechselhaft, je nach Erfahrung, neuer Bekanntschaft oder neuer Idee. Glücklicherweise ist aber immer alles sehr nachvollziehbar und realistisch. Man hat nicht das Gefühl, dass ihre Person, eben durch die Wechselhaftigkeit, keinen Sinn ergibt.
Carol kann man zudem schwer in eine Schublade stecken. Sie möchte etwas erreichen, ist an vielem interessiert, verfolgt so viele Ziele wie nur möglich, stellt aber fest, dass es nicht so einfach ist, Menschen, insbesondere Menschenmengen (wie in Gopher Prairie) zu etwas zu bewegen oder ihnen Ansichten nahezulegen, die etwas in Schwung bringen könnten.
Für mich war es zudem erstaunlich zu sehen, dass ein Roman aus den 1920ern so aktuell ist. Vor allem in Bezug auf das Verlangen der Menschen nach "Gleichem". Jeder will das haben, was der andere hat. Hier in einem größeren Ausmaß, da jede Vorstadt der anderen gleicht. Betrachtet man unsere heutigen Innenstädte, Shoppingmalls und anderes, stellt man ebenso fest, dass es eigentlich überall die gleichen Angebote gibt, die gleichen Läden und dass sich auch die Struktur der Städte immer mehr Ähnelt, weil man sich "schneller orientieren" möchte.
Grundsätzlich sind die gesamten Figuren lebhaft, auch wenn die Intention ist, einige davon als eben nicht "lebhaft" darzustellen. Sie erwecken aber oft den Eindruck, als seien sie einer Sitcom entsprungen. Sie passen sich ihrer Umgebung perfekt an und zeigen so einen guten Gegensatz zwischen Großstadt- und Prärieleben auf.

"'Der Spießervirus ist jener Krankheitserreger, der - und hierin ähnelt er auffallend dem Hakenwurm - ehrgeizige Menschen befällt, die zu lange in der Provinz hängen bleiben. Er grassiert wie eine Seuche unter Rechtsanwälten, Ärzten, unter Geistlichen und Kaufleuten mit Collegeabschluss - also bei all denen, die einen flüchtigen Blick auf die denkende, lachende Welt erhaschen und doch in ihrem Sumpf zurückgekehrt sind.'" S.335f.

Sehr präsent sind zudem die Bestrebungen der Protagonisten, ihre Erfahrungen mit den Mitmenschen und deren Vorurteile, aber auch der Kampf um Anerkennung. In Carols Fall auch die Anerkennung als leistungsstarke Frau, aber auch als ehrenvolles Mitglied einer Stadt, die diese voranbringen möchte. Sehr gelungen ist hier zudem die präsente "Botschaft", dass die Frauen nicht unterdrückt werden und keineswegs als brave Mütterchen angesehen werden sollten, die nur am Herd stehen.
Auch wenn die Länge es in sich hat, möchte man doch gerne weiterlesen und herausfinden, wer sein Glück findet und wer sozusagen kapituliert.
Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie realistisch die Wünsche und das Scheitern an ihnen dargestellt werden. Wie aktiv manche vorgehen, um etwas "besser" zu machen und andere sich davor ängstigen, dass sich etwas verändern könnte und dies so gut es geht unterbinden möchten. Es ist nicht nur der Kontrast zwischen Großstadt und Prärie, sondern auch der Kontrast zwischen Optimisten und Pessimisten, zwischen Menschen, die die Initiative ergreifen möchten und Menschen, die lieber im Hintergrund ihre Fäden ziehen, um alles beim Alten zu lassen und andere einzuschüchtern, der hier wunderbar aufgezeigt wird.
Mir gefiel somit die gesamte Darstellung der verschiedenen Menschentypen, die sich eine Vorstellung von dem Leben in der Großstadt oder den kleineren Städten machen. 
Zu Beginn des Romans bekommt man ein schönes Beispiel geboten, in dem der erste Anblick von Gopher Prairie von Carol und Bea, ihrer späteren Haushälterin eingebunden wird. Diese stehen in einem starken Kontrast zueinander, zeigen aber auf, dass es viele verschiedene Blickwinkel gibt und die Situationen von Menschen nie gleich bewertet werden.
Gestört hat mich leider die Beibehalten der Bezeichnung von Schwarzen aus früherer Zeit. Hier hätte ich mir eine neue Wortwahl gewünscht (eventuell notfalls mit Vermerkt auf das Original), weil ich mich persönlich unwohl fühle, wenn der Begriff einfach weiterhin verwendet wird, auch wenn sie in einem Klassiker vorkommen. Es ist auch hier an der Zeit, mal einen Schritt zur Veränderung zu gehen, wie es im Buch mehrmals vorgeschlagen wird.

“Ich lasse nicht gelten, dass Geschirrspülen ausreicht, um eine Frau zufriedenzustellen!” S.950


Wahnsinnig vielschichtiger Roman, der die gesellschaftlichen Muster aufzeigt. Großstadt- und Prärieleben werden hier gegenübergestellt, jedoch dominieren hier auch ganz andere Themen. Zum Beispiel die Stellung der Frau, der Wunsch nach Anerkennung von seinen Mitmenschen und die damit verbundene Zurückhaltung, wenn es um Initiativen geht, die eine Veränderung für alle mit sich bringen würden. Sehr empfehlenswerte Geschichte, auch wenn man die ausgeschmückten Beschreibungen von der Umgebung und anderen Details mögen muss.



Kleine Neuzugänge im Juni

Juni 19, 2018




Ich kann Büchern einfach viel zu schlecht wiederstehen. Auch wenn ich es diesmal geschafft habe, mich auf zwei Vorbestellungen (kommen noch an) und nur die 'nötigsten' Bücher zu beschränken, gibt es viel zu viele Bücher, die man gerne noch mit bestellt hätte. Vorerst hoffe ich aber, dass mich die folgenden Bücher in der nächsten Zeit gut unterhalten werden.

  • "The Gloaming" von Kirsty Logan: Das Buch ist mir in letzter Zeit wirklich sehr häufig auf den sozialen Plattformen aufgefallen. Da Kirsty Logans gebundene Bücher nach ziemlich kurzer Zeit bereits nicht mehr aufgelegt werden (siehe "A Portable Shelter" und "The Gracekeepers"), wollte ich nun etwas schneller sein und habe das Buch zu mir geholt. Ich hoffe, das Cover wird nicht das einzig Schöne an dem Buch bleiben.
  • "What A Bright Girl Can Do" von Sally Nicholls: Ach ja, auch hier war Instagram wieder Schuld an dem Kauf. Durch die vielen buchbezogenen Hashtags, läuft man schnell Gefahr, tausend interessante Bücher zu finden. In diesem Fall bin ich auf den Account von Emily Howarth gestoßen und gleichzeitig auch auf dieses Buch. Es klingt wirklich interessant und angemerkt wird häufig, dass es hier um eine Protagonistin geht, die sich durchzuschlagen weiß. Umso erstaunter war ich, als man das Buch auch noch in einer signierten Edition kaufen konnte. Gleich zugespannt, bin ich nun also sehr gespannt auf den Inhalt.
  • "Circe" von Madeline Miller war ein Tipp von Miss Bookiverse. Ich vertraue ihren Bücherurteilen grundsätzlich und habe festgestellt, dass wir oft die gleichen Bücher im Blick haben. Nach ihrer positiven Rezension habe ich also nicht lange überlegt und es bestellt. Ich bin neugierig auf die Umsetzung des mythologischen Themas.
  • "The Corn Maiden" von Joyce Carol Oates: Dies war wohl der spontanste Kauf dieses Monat. Bestellt hatte ich eigentlich die gebundene Version von "The Silent Companions", welcher aber, wie es scheint, ebenfalls bereits nicht mehr erhältlich ist. Dieses Buch ploppte sozusagen als neues Beispiel auf. Klingt auch 'gruselig' oder zumindest unheimlich und wird vielleicht perfekt für die Halloween-Zeit sein. Mal sehen...
  • Das letzte Buch erreichte mich nun noch sehr spontan. Es handelt sich um "Einfach drüber Nachträumen" aus dem arsedition Verlag. Unfassbar passend, denn genau heute hatte ich wieder einmal einen Traum, der perfekt war, um ihn festzuhalten. Sobald ich das Buch ein wenig 'getestet' habe, wird hier sicherlich noch eine ausführlichere Meinung dazu folgen.

Interessiert euch eines der Bücher oder eher weniger?

Cider with Rosie (The Autobiographical Trilogy #1) von Laurie Lee

Juni 14, 2018



(Original: "Cider with Rosie"/ 1959) The Folio Society, mit zahlreichen s/w Illustrationen von John Ward, Übersetzer/in: - , Englische Ausgabe, ★★★☆☆ 3 Sterne
Der erste Teil der autobiographischen Trilogie von Laurie Lee.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"I was lost and I did not expect to be found again. I put back my head and howled, and the sun hit me smartly on the face, like a bully." S.3  

Cider with Rosie war wieder einmal so ein Buch, zu dem ich gegriffen habe, ohne genau zu wissen worum es geht.
Der erste Eindruck vermittelt einen leichten, lockeren, sommerlichen, Roman. Vielleicht sogar eine Art Liebesroman. Allein bei dem Titel dachte ich an etliche Begegnungen des Protagonisten mit einer Rosie, bei denen nach und nach eine gewisse Bindung entsteht.
Und was soll ich sagen, es ging in eine komplett andere Richtung. Dies ist eine autobiographische Erzählung des Lebens von Laurie Lee, dem Autor. Er beschreibt das ländliche Leben und die Umgebungen in denen er aufgewachsen ist und geht auch auf recht problematische Dinge ein, die er getan beziehungsweise erlebt hat. 
Man weiß zudem erst recht zum Ende hin, warum das Buch überhaupt so heißt, wie es heißt. 
Ehrlich gesagt bin ich mir mit meiner Meinung über die Geschichte und die Art der Geschichte nicht ganz bewusst. Nachdem ich nach einigen Seiten einordnen konnte, dass es autobiographisch ist, da der Autor namentlich genannt wird, konnte ich mich zumindest schon einmal mit dem Genre an sich anfreunden. Die Problematik tat sich mit aber eher bei dem Inhalt auf.
Anfangs wirkt alles noch recht 'lustig', da zum Beispiel gemeine Ziegen, vor denen alle Angst haben oder andere Anekdoten erzählt werden. Auch die allgemeine Beschreibung der ländlichen Umgebung ist ganz gut geglückt. Alles scheint noch fernab der modernen Welt zu sein, als Leser stellt man sich die Kinder eben wie kleine Rabauken' vor und dass sie sich draußen selbst beschäftigt haben. Die 'Geschichte' ist also irgendwie nett zu lesen, wenn man auch merkt, dass vielleicht nicht alles nach den Wünschen des Protagonisten abläuft. 
Mir gefielen auch die Passagen, in denen er von seiner Familie erzählt, von seiner Mutter und ihren Eigenschaften, seinen Geschwistern, seinem Vater und der Problematik, dass er nicht mehr da ist und auch von seinen Onkeln. Alles hat immer etwas Unterhaltsames und gleichzeitig sehr Verletzliches.

"I alone, the drowsy middleman of these two, found it hard to win Miss Wardley´s approval. I achieved this in the end by writing long faked essays on the lives and habbits of otters. I´d never seen an otter, or even gone to look for one, but the essays took her in." S.52

Aber mit der Zeit schlichen sich immer mal wieder Äußerungen ein, die ich manchmal gar nicht glauben konnte. Die Erzählung hat sich für mich dann eher zu einem Anblick gewendet, dass der Erzähler von ganz falschen Vorbildern geleitet wird (seine Onkel sind unter anderem nicht die besten Beispiele, wenn es um vorbildliches Benehmen geht), dass dieses beschauliche Landleben ganz und gar nicht so schön harmonisch ist und sich nach einem tollen Romanauszug anhört.
Fangen wir aber vielleicht zuerst noch etwas weiter vorne an, denn die Erzählweise hat bei mir auch dazu geführt, dass ich nicht mehr so 'mitgefühlt' habe. Es gibt sehr starke Zeitsprünge, so wird quasi direkt zu Beginn schon ein Kapitel eingeleitet, das das Leben seiner Mutter beschreibt. Als Leser erfährt man aber gleichzeitig auch schon von ihrem späteren Tod und wie er ausgesehen hat. Eine Seite später springt er aber wieder zu den frühen Erlebnissen zurück, in denen sie natürlich bei ihm ist. Theoretisch ist das eine gute Art und Weise um nicht zu monoton zu werden und die Biographie nicht entsetzlich langweilig werden zu lassen. Hier allerdings führte das bei mir dazu, dass ich an der Stelle schon traurig gewesen bin, aber durch die spätere 'Lebendigkeit der Mutter' das Gefühl hatte, sie sei nie gestorben. Irgendwie ersetzen diese Zeitsprünge den Tod, sodass man diese Empfindung des Verlustes der 'Figur' nicht mehr spürt. Vielleicht war aber auch genau das die Intention dahinter, dass man denken soll, die Personen seien irgendwie omnipräsent für ihn.
Nach diesen Überlegungen, ob ich die Zeitsprünge nun hilfreich finde oder nicht, kam schon die nächste 'Problematik'. Ich konnte immer weniger mit dem Erzähler sympathisieren. Er lässt manchmal Sachen fallen, die so oberflächlich und beinahe schon kaltherzig wirken, dass ich viele Sachen gerne einfach übersprungen hätte. Manchmal bin ich ehrlich gesagt auch etwas abgedriftet. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel auch das noch unten folgende Zitat. Dort schubst er ein Mädchen einfach und verlangt von ihr, dass sie fliegen soll, weil er der Meinung ist, sie sehe wie ein Engel aus. Als sie hinfällt und nicht seinen Erwartungen entspricht, ist er verärgert und enttäuscht darüber. Was mich gewundert hat war, dass es keinerlei Konsequenzen gab und gibt, wenn solche Vorfälle passieren. Irgendwie scheinen solche Handlungen da einfach hingenommen worden zu sein. Für mich war es einfach schwer nachvollziehbar und Laurie Lee als Figur geriet deutlich in eine Distanz, in Bezug auf die Sympathie.
Diese merkwürdigen Handlungen Mädchen gegenüber kommen zudem häufiger vor. Sie werden als dick und hässlich beschimpft und relativ zum Schluss erwähnt der Erzähler sogar, dass er mit seinen Freunden eine Vergewaltigung geplant hatte. Ab diesem Punkt konnte ich schon gänzlich nicht mehr verstehen, warum viele das Buch als wunderbaren Klassiker betiteln, der das Landleben portraitiert. Auch wenn das Leben damals vielleicht grober war, solche Dinge in einem Buch zu ignorieren und nur auf die Beschreibung der Natur zu verweisen und der Entwicklung des Landlebens zum Modernen, finde ich etwas schwierig. Er erwähnt zwar, dass es dann nicht dazu kam, die Ausdrucksweise, wie sie das Mädchen aber betiteln und behandeln ist aber ebenso einfach daneben.

“´Fly!´ I commanded. ´You got wings, ain´t you?'
Poppy squirmed and wiggled her shoulders.
I grew impatient and pushed her off the mantlepiece, and she fell with a howl into the fireplace.” S.194


Ein autobiographisches Buch, das sich auf das Leben auf dem Land bezieht und mit Anekdoten und Erlebnissen von Laurie Lee und seiner Familie gefüllt ist. Obwohl das Buch zu Beginn noch vielversprechend und an einigen Stellen unterhaltsam wirkt, haben sich für mich zum Ende hin eher viele kritische Aussagen finden lassen. Die persönlichen Empfindungen, die sich auf seine Schulzeit beziehen oder die Beziehung seiner Eltern liest man noch mit Interesse, das despektierliche Verhalten Mädchen und Frauen gegenüber fand ich aber deutlich zu viel. Sicherlich sollte das als 'damaliger' Umgang vorangebracht werden, für mich hat es nur dazu geführt, dass ich den Erzähler kaum noch sympathisch finden konnte.



Die dritte Litblog Convention steht vor der Tür

Juni 07, 2018


Tatsächlich ist schon wieder ein Jahr vergangen und die nächste LitBlog Convention steht schon in den Startlöchern. 
Ich habe mir bereits den ersten Überblick über das Programm verschafft und dabei die ein oder andere interessante Veranstaltung entdeckt. Dieses Jahr werden aber glaube ich doch weniger Programmpunkte angeboten, die mich wirklich vom Hocker reißen. Dennoch mag ich die Atmosphäre bei der Veranstaltung und die Möglichkeit mit anderen Bloggern ins Gespräch zu kommen.
Die beiden Themen "Über das Schreiben & Verlegen" mit Mariana Leky und "(Un-)Lost in Translation - Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt sowie der Beruf des Übersetzers im Allgemeinen" mit Marion Herbert möchte ich mir aber nicht entgehen lassen. Bei den anderen Sachen bin ich mir noch recht unschlüssig, da werde ich mich dann wohl spontan entscheiden.
Vielleicht ergibt sich dann im Nachhinein doch noch die Möglichkeit einen etwas ausführlicheren Beitrag über die Veranstaltung zu planen.

Wen von euch Bloggern wird man dort noch antreffen können?


Kleines Update: Und schon ist die Litblog Con '18 auch schon wieder vorbei. Ich hatte wahnsinnig viel Spaß und fand auch die meisten Veranstaltungen geglückt. Man hat sich wunderbar mit anderen über Literatur austauchen oder 'rumblödeln' können (dank des bereitgestellten Fotowagens).
Das Anfangsinterview mit der Autorin Mariana Leky ("Was man von hier aus sehen kann") war sehr unterhaltsam und wurde auch wunderbar moderiert. Mir gefielen die kleinen intimen Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Autorin. Uns wurde zum Beispiel verraten, an welchen Stellen mehr Diskussionsbedarf herrschte und wann man sich einig war. Ich persönlich fand auch interessant zu erfahren, dass Mariana Leky sich sofort in das Cover verliebt und der Veröffentlichung zugestimmt hat, was bei ihren Vorgänger nicht der Fall war. Zudem ist es auch schön gewesen, zu sehen, dass so eine 'Geschäftsbeziehung' auch zu einer Freundschaft werden kann.

Die weiteren Programmpunkte, in denen es zum Beispiel darum ging einen guten Krimi zu schreiben oder um die Verbesserung der SEO (Suchoptimierung) des Blogs fand ich ganz okay, aber sie haben bei mir keinen wahnsinnig bleibenden Eindruck hinterlassen. Bei ersterem lag es vielleicht daran, dass ich generell keine Krimis lese, mich aber die Thematik generell angesprochen hat, was zum 'guten Plotting' gehört.
Die Veranstaltung über die SEO- Einstellungen und Hilfestellungen war etwas zu oberflächlich, vor allem in Hinblick auf die wohl verschärften Regelungen der DSGVO. Vorschläge, einfach gezielte Plug-ins zu installieren ist derzeit ja nicht so einfach, weil man sie erst auf ihre Datenschutzeigenschaften prüfen muss. Zudem wurde auch eher auf Wordpress-Nutzer eingegangen, was mich ehrlich gesagt etwas abschalten ließ.

Sehr unterhaltsam war hingegen der Vortrag, der von Marion Herbert gehalten wurde. Sie ist Übersetzerin zahlreicher Bücher und stellte ihr neustes Projekt "Lost in Translation - Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt" vor (geschrieben von Ella Frances Sanders). Wahnsinnig witzig, was sich Menschen so für Begriffe ausdenken, um etwas umfangreichere Gefühlslagen oder Situationen zu beschreiben.

Auch wenn mich nicht alle Beiträge vollkommen überzeugen konnten, liebe ich es die Litblog Con zu besuchen. Die Stimmung ist immer angenehm und freundlich und die Tatsache, dass man sich mit anderen über Bücher oder über das Bloggen austauschen kann ist wahnsinnig schön. (Dank vor allem hier an Verena von "Flying Thoughts" und Marie von "Wortmalerei" für die witzigen Momente!)
Und großes Dankeschön also auch an die Verlage, die sich bereits zum dritten Mal die Mühe gemacht haben, das Event auf die Beine zu stellen und ich hoffe, nächstes Jahr werde ich es wieder schaffen, daran teilzunehmen.

Unten seht ihr übrigens noch einen kleinen Ausschnitt der Mitbringsel. Beide Bücher (das Diogenes Buch ist Denis Lehanes "Der Abrund in dir") werde ich hoffentlich bald schaffen zu lesen.



Flush von Virginia Woolf

Juni 05, 2018



(Original: "Flush"/ 1933) Penguin Little Black Classics, Übersetzer/in: - ,Englische Ausgabe, ★★★☆☆ 3,5 Sterne
Eine Biographie über den Cockerspaniel der Dichterin Elizabeth Barrett Browning.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"But to sell Flush was unthinkable. He was of the rare order of objects that cannot be associated with money." S.9 

Eine teilweise fiktive, aber auch teilweise historisch belegte Biographie über einen Hund, einer berühmten englischen Dichtern? Das kann ja nur unterhaltsam und eher spaßig gemeint sein, denkt man sich auf den ersten Blick. Und teilweise trifft dies auch auf den kurzen Text von Virginia Woolf zu, denn das Buch ist tatsächlich an vielen Stellen unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern gemeint. 
Aber umso erstaunter war ich, dass sich auch viele kritische Aussagen finden lassen, die sich auf das Leben der Menschen und vor allem das 'systematische' Stadtleben beziehen.
Der Leser begegnet Flush von dem Moment an, in welchem er in dem Haus der Brownings eintrifft. Man verspürt also das Gefühl, dass man sich direkt zu ihm und seiner Sichtweise zugehörig fühlt. Gleichzeitig herrscht aber noch ein gewisser Abstand zu ihm, da wir nicht komplett in sein 'Hundedenken' eingeführt werden. Es werden zwar die Unterschiede zwischen dem Tier- und dem Menschsein deutlich, vieles was für ihn wichtig scheint oder eben unwichtig, steht oft im Gegensatz zu den Ansichten des Menschen. Dennoch wird uns Flush als ein recht kluger Hund präsentiert. Oftmals schienen mir seine Gedanken auch eher an die eines Menschen angepasst zu sein. Vielleicht konnte man auch genau dadurch eine schöne Parallele zwischen dem Innenleben seiner Besitzerin Elizabeth Barrett Browning und ihm selbst ziehen.

"[...] Flush knew before the summer had passed that there is no equality among dogs: some dogs are high dogs; some are low. Which, then, was he?" S.19

Mir gefielen die eingebauten, spannenden Elemente, die zum Beispiel die Entführung von Flush erwähnen und die sich auch tatsächlich so zugetragen haben sollen (und das nicht nur ein Mal). 
Dadurch wird der Text sehr vielfältig. Er ist eben eine unterhaltsame Abenteuergeschichte eines Hundes, eine tiefgängigere Kritik an den Machenschaften des Stadtlebens (Erpressungen und Anderes) und auch die Annäherung an die Gefühlswelt der Dichtern Browning selbst. 
Mir haben die wenigen Seiten also grundsätzlich gefallen, da auch die Sprache zum Weiterlesen einlädt. Allerdings hatte ich die eine oder andere Stelle, an der sich das recht positive Bild etwas abgeschwächt hat. Das hatte einfach damit zu tun, dass zum Beispiel die Ortswechsel sehr schnell abgearbeitet werden und der gesamte Verlauf etwas abgehackt wirkte. Das Letzte Kapitel und das zudem noch dort angefügte, kurze Gedicht von Elizabeth Barrett Browning sorgen aber für ein sehr rührendes und rundes Ende, das mich nicht unberührt gelassen hat. 
Zudem gefielen mir die stellenweise starken Anspielungen auf das Leben der Frauen in den Jahren und ihren Willen, sich nicht durch gewisse Vorkommnisse unterkriegen zu lassen. Die Beziehung zu Flush greift meiner Meinung nach, diese daraus resultierende Sehnsucht nach Geborgenheit zusätzlich ein wenig auf.

“Miss Barrett had forgotten the chain, therefore Flush was stolen. Such, in the year 1846, was the law of Wimpole Street and its neighbourhood.” S.49


Mai: Eine Handvoll Bücher

Juni 03, 2018





Im Mai sind es ganze fünf gelesene Bücher geworden. Eins, nämlich "Flush" von Virginia Woolf habe ich noch kurz vor Schluss begonnen und bin auch recht weit gekommen. Vielleicht nicht sehr überraschend bei der doch kleinen Seitenzahl.
Die anderen Bücher sind ziemlich unterschiedlich und nicht jedes hat mir so gut gefallen, wie das andere. Aber dazu gleich mehr.

Im Moment habe ich zwar Lust massenhaft Bücher zu lesen (und auch zu kaufen!), aber ich komme irgendwie nicht dazu. Das wechselhafte Wetter und die irgendwie fehlende Zeit, minimieren mein Lesepensum etwas. Das wird sich aber sicherlich oder besser gesagt hoffentlich bald wieder ändern.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • „Das babylonische Wörterbuch” von Joaquim Maria Machado de Assis: Ein sehr abwechslungsreicher Erzählband mit interessanten Ansichten. Religion und das menschliche Verhalten, wie auch die engstirnigen Ansichtsweisen sind hier ein zentraler Aspekt.
  • Das Buch, das mich diesen Monat am meisten motiviert hat, war wohl „Was im Leben wichtig ist“ von Richard Reed. Hier kommen sechzig Personen zu Wort, die von ihren schwachen Momenten erzählen und wie sie sich trotzdem immer wieder nach vorne kämpfen.
  • Ein Buch, das ich im Zuge der #meinlesemoment Aktion vom DuMont Verlag bekommen habe war
    „Das Mädchen, das in der Metro las“ von Christine Féret-Fleury. Es hat an gewissen Stellen schon seinen Charme, aber im Großen und Ganzen war es mir dann doch etwas zu oberflächlich und nicht gut genug ausgebaut. Die Figuren konnte ich nicht ganz fassen und die Tätigkeit, nämlich das Bücher aussetzen und dabei darauf zu achten, die Vorlieben desjenigen herauszufinden, kam auch nicht ganz gut heraus.
  • Nach Jane Eyre, was zu einem meiner Lieblingsbücher geworden ist, hat sich nun auch „Wide Sargasso Sea“ von Jean Rhys etwas in diese Richtung begeben. Die Vorgeschichte von Mr. Rochesters erster Frau liest sich spannend, verletzlich und auch kritisch, weil das Leben auf Jamaica mit all seinen Vorurteilen und rassistischen Handlungen thematisiert wird. Dennoch greift Rhys den Bezug zum Leben in England und dem Geschehen in Jane Eyre sehr gut auf.
  • Ein Buch, das mich noch sehr irritiert, wenn nicht sogar verstört zurückgelassen hat ist "Fische" von Melissa Broder. Hier ist noch ein etwas ausführlicherer Beitrag zusammen mit den Bloggerinnen von "vivre avec des livres" geplant, daher halte ich mich mit weiteren Aussagen etwas bedeckt.
  • Und zum Schluss kam dann noch ein Penguin Little Black Classic zum Zug und zwar "Flush" von Virginia Woolf. Lange habe ich mit der Biographie des Hundes der berühmten Dichtern Elizabeth Barrett Browning geliebäugelt. Bisher gefällt es mir auch ganz gut. Das finale Urteil fällt sicherlich noch in einer kleinen Rezension.
Wie verlief euer Lesemonat im Mai? Gab es Bücher, die euch überrascht haben?