Kategorie: Zitat
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Sachbücher by Rowohlt: 2x Feminismus

Oktober 28, 2025


Werbung ~ Rezensionsexemplare
 

Sachbücher gehören nicht gerade zu dem Genre, das man mit einem "Lesen zur Entspannung" verbindet. Ich muss gestehen, dass ich daher öfter dazu greife, wenn ich weiß, dass ich etwas mehr Ruhe habe und der Kopf etwas freier ist, um mich wirklich mit dem Geschriebenen auseinandersetzen zu können. 

So auch bei diesen beiden Büchern, die in den letzten Monaten im Rowohlt Verlag erschienen sind: "Ada Lovelace - Visionärin und Genie" von Vera Weidenbach und "Witches, Bitches, It-Girls" von Rebekka Endler.
Beides Bücher, die relativ nah beieinanderliegen. Obwohl ersteres primär auf das Leben einer Person abzielt, wird in beiden deutlich, was es eben für weiblich gelesene Personen bedeutet, sich Wissen anzueignen, etwas Neues zu kreieren und miterleben zu müssen, wie ihre Erkenntnisse von (überwiegend) männlichen Kollegen geklaut werden oder schlimmer noch, sie (verbal wie auch körperlich) attackiert werden. Der Fokus liegt also sehr stark auf dem feministischen Aspekt. 

 

„Vor nichts haben patriachale Mächte mehr Angst als vor dem feministischen Kollektiv!“ 
- S.264, "Witches, Bitches,It-Girls" von Rebekka Endler




 

"Ada Lovelace - Visionärin und Genie" von Vera Weidenbach

Dieses Buch hat es mit seinen knapp zweihundertundfünfzig Seiten durchaus in sich. Wir lernen Ada Lovelace kennen, die Vorreiterin im Bereich der Programmierung. Obwohl es damals noch nicht solche Computer gab, wie wir sie heute kennen, hegte Lovelace eine Begeisterung für Mathematik und hatte, durch ihre Stellung, auch einen Zugang zu den ersten Maschinen. 

Zwar wurden ihre Arbeiten in den letzten Jahren hier und da etwas präsenter in der Öffentlichkeit thematisiert, nicht zuletzt eben durch die Analysen der ausradierten Errungenschaften von Frauen durch feministische Aufklärungsarbeit, aber wirklich viel wusste ich bisher nicht über Ada Lovelace. 
Was mich hier selbst ein wenig (positiv) überraschte: Mir war bekannt, in welchem Bereich sie selbst Pionierin war, dass sie jedoch die Tochter von Lord Byron gewesen ist, hatte ich scheinbar als nicht ausschlaggebende Info irgendwo vergraben. Obwohl diese Verbindung meist weiterhin in den Vordergrund gerückt wird (in gewissem Maße ist dies auch teilweise relevant), wird Ada Lovelaces eigene Arbeit dadurch nicht (mehr) geschmälert. 

Dieses Buch zeigt auf, wie Lovelace groß geworden ist, welche Personen in ihrem Umfeld sie geprägt und tatsächlich auch teilweise gefördert haben und wie sie ihre Interessen überhaupt hat ausbauen können. Die gesellschaftlichen Strukturen und Mächte, die zu ihrer Zeit immer noch präsent waren, konnte sie teils gut "umgehen", dennoch konnte sie sich nicht alles erlauben. 
Mir gefielen die persönlichen Einblicke durch die eingebauten Briefwechsel zwischen Ada Lovelace und einigen ihrer Freund*innen, Partner und Familie. Dies sorgte dafür, dass man ihre Persönlichkeit etwas eher greifen konnte. 
Zwar skizziert das Buch ihren Werdegang und den Schritt von der "Visionärin zum Genie", allerdings erfahren wir hier auch viel über ihren langjährigen Arbeitspartner Charles Babbage, der ihr Zugang zu Wissen und Technologie ermöglicht, oder anderen Personen, die ihr nahestanden. Das mag manchmal etwas von Ada Lovelace ablenken, jedoch macht der Text dadurch wirklich gut deutlich, dass sie keine Selbstakteurin war und sein konnte. Ihre Arbeit war geprägt von Kontakten und dem Zusammenspiel anderer Menschen.  

 

„Die letzten Absätze des Briefes zeugen von einem großen Unwohlsein über die Art, wie Adas Gehirn arbeitete und zu was sie womöglich fähig war. Für De Morgan ist das etwas, das in einer Frau nicht vorkommen kann. Nicht vorkommen darf, denn sonst geriete seine Welt aus den Fugen.“ 
- S.123, "Ada Lovelace- Visionärin und Genie" von Vera Weidenbach

 

Insgesamt ein wirklich spannendes Buch, das nähere Einblicke in die Thematik (ja, auch mathematische Ansätze werden hier durchaus stark ausgelegt, um das Prinzip der Maschine zu erklären), Ada Lovelaces´ Leben und der Verbindung zu feministischen Ansätzen liefert. Wer sich bisher wenig oder gar nicht mit ihrer Person befasst hat, wird hier viel Neues und Interessantes finden und die noch meist dominierte Ansicht über die viel cleveren "Computer-Bros" hoffentlich anders sehen. 

 



 "Witches, Bitches, It-Girls" von Rebekka Endler

Das zweite Buch, das sich dann nicht mehr nur auf eine Person fokussiert, sondern sich dem Schaffen von weiblich gelesenen Personen annimmt und diesen unter dem feministischen Aspekt untersucht, ist von Rebekka Endler und trägt den Untertitel "Wie patriachale Mythen uns bis heute prägen".
Und holla die Waldfee... hier steckt wirklich einiges drin. Auch hier würde ich wieder behaupten, dass ich mit vielen neuen Erkenntnissen zum Thema vertraut bin. Auf Social Media kommt man durchaus öfters in Kontakt damit oder mittlerweile (zum Glück nicht drumherum). Viele Strukturen und "Tricks", will ich es jetzt mal nennen, wie man den Feminismus klein oder schlechtreden kann, sind mir bekannt und ich finde es bewundernswert, wie viele Menschen weiterhin die Kraft aufbringen, aktiv gegen all das anzukämpfen. Dennoch war ich sehr davon überrascht, was in unserem Umgang miteinander und der Art wie medial berichtet wird, noch so alles steckt, was den Patriachismus wirklich schützen soll. 
Das Erschreckendste für mich ist jedoch zu erkennen, dass sich die "übergeordnete Macht" der Gesellschaft immer einen Übeltäter herausnimmt, der stets für alle Probleme verantwortlich sein soll, die sie selbst verbockt hat. Erst waren es die Frauen, anschließend die Hexen, dann die It-Girls, jetzt die Feministinnen (und Ausländer*innen natürlich sowieso). Das Buch schlüsselt wirklich wunderbar auf, wie sich Männer die Welt so gestaltet haben, wie es ihnen passt, um dann weiterhin behaupten zu können, sie seien die eigentlich "armen Geschädigten" der heutigen Gesellschaft. 
 
Was Rebekka Endler aber hier dennoch wirklich außerordentlich gut hinbekommt: Trotz der zahlreichen Belege, Ausführungen und Beschreibungen aktueller Beispiele von Antifeminismus, löst das Buch eben keinen "Männerhass" aus (was ja so oft von feministischen Texten behauptet wird) und beweist, dass dies auch nicht nötig ist, um Gerechtigkeit zu fordern und zu fördern. Es ist eine Aufarbeitung dessen, was Frauen in der Vergangenheit angetan wurde (Hexenverfolgung, Unterdrückung) und was sich ändern müsste, um halbwegs an einen Punkt zu kommen, dass wir aufhören den politischen Ball, der gespielt wird, in Form von: "Männer vs. Frauen" fallen zu lassen und als ein Ganzes zusammenzuarbeiten, um unser aller Miteinander zu stärken. Schwierig, ich weiß... 
 

„In Zeiten, in denen offene Misogynie immer gesellschaftsfähiger wird [,,,], sollen wir - die Frauen - aufhören zu heulen und stattdessen Sektkorken knallen lassen, weil wir in einigen Bereichen kleine Fortschritte verzeichnen? Mein Eindruck ist: Die Gefahr geht noch nicht einmal von der gelebten Gleichberechtigung der Geschlechter aus, die noch in weiter Zukunft liegt, es reicht schon der Gedanke daran, dass es in diese Richtung gehen könnte, damit einige Männer mit ihrem gesamten journalistischen Gewicht auf die Bremse treten und "Es reicht!" rufen.“ 
- S.340, "Witches, Bitches, It-Girls" von Rebekka Endler
 
 
Es ist eines dieser Bücher, die wirklich, wirklich auch unbedingt von Männern gelesen werden sollte! Und ich hoffe, dass es dies auch wird und nicht als "Ah, wieder eines dieser Bücher, das über Männer herzieht" angesehen wird. Denn das ist es nicht! Es zeigt fehlerhafte Strukturen auf, aus denen wir uns scheinbar einfach nicht lösen können. 
Absolut lesenswert und sollte meiner Meinung nach auch an Schulen/ Unis etc. in den Unterricht aufgenommen werden!

 


 

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"Okaye Tage" von Jenny Mustard

Oktober 21, 2024


Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Okay Days"/ 2023), dt. Übersetzung: eichborn Verlag 2023, Übersetzer*in: Lisa Kögeböhn (aus dem britischen Englisch), ★★★★☆ 4 Sterne
Sommer in London: Die Schwedin Sam, impulsiv und leicht chaotisch, ist vorübergehend für ein Praktikum bei einer hippen Agentur in die Stadt gekommen. Auf einer Party trifft sie den idealistischen Luc, der nach der Uni noch nicht so recht seinen Platz in der Welt gefunden hat. Die beiden verlieben sich - im vollen Bewusstsein, dass ihre Verbindung aufgrund der Umstände nur von kurzer Dauer sein kann.


Meine Kurzrezension zu "Okaye Tage" auf Bookstagram

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„Am liebsten würde ich in die Menge eintauchen, aber die Stickigkeit und der Lärm sorgen für Distanz. Als hätte ich eine VR-Brille auf, die mir weismachen will, dass alles um mich herum real ist, aber wenn ich die Hand ausstrecke, ist da nur Luft. Irgendwie paradox, nicht die virtuelle Welt für real zu halten, sondern die reale Welt für virtuell. Wahnvorstellungen im digitalen Zeitalter.“ 

- S.129f.

 

Zeitgenössische Romane, die aktuell viele junge Leute ansprechen, haben derzeit unter anderem die Gemeinsamkeit, dass sie nicht immer ein klares Ziel verfolgen und zudem stark die Dynamik oder auch Entwicklung der Protagonist*innen in den Fokus rücken.
Jenny Mustards "Okaye Tage" reihte sich für mich definitiv in diese Kategorie mit ein und ähnelt somit den Büchern von Sally Rooney und Coco Mellors.

Vorrangig wird nämlich die Frage aufgeworfen: "Wann weiß man eigentlich, dass man wirklich glücklich ist und man an dem Punkt im Leben steht, den man sich immer erträumt hat?"
Und die Protagonist*innen Luc und Samantha stellen sich diese Frage oft. Sehr oft. Der Roman erzählt eine sehr lebensnahe Geschichte über zwei Menschen, die sich mögen, Fehler begehen, versuchen vieles richtig zu machen und ihren Platz in der Welt zu finden sowie die Tücken des Arbeitsalltags zu überstehen.
Und obwohl Sams Herkunft Schweden eine Rolle spielt, kriegen wir hier das wilde Londoner Leben zu spüren.

 

 

„Es machte mir Angst, dass wir unter so unterschiedlichen Bedingungen lebten, uns gegenseitig nie hundertprozentig verstehen konnten. Also retteten wir uns ans Ufer, unterhielten uns wieder über Filme, Fernsehen und Essen.“ 

- S.294

 

Die Geschichte ist durchaus turbulent und doch geschieht gefühlt „wenig“. Der Fokus liegt für mich deutlich auf der Entwicklung der Figuren aufgrund der Geschehnisse. Als Leser*in spüren wir, wie jedes Erlebnis dafür sorgt, dass neue Überlegungen stattfinden und sich Luc und Sam daraufhin erneut ausrichten. Sei es wo sie sich Zuhause fühlen und mit wem sie sie selbst sein können.

Ich würde behaupten, auch wenn man weiß, worauf man sich einlässt (falls man eben Bücher sucht, die denen von Sally Rooney etc. ähneln), muss man in der passenden Stimmung sein, weil man die psychologischen Aspekte irgendwie feinfühliger wahrnehmen und auch damit zurechtkommen muss, dass man sich über viele Entscheidungen der Figuren ärgert.  
„Okaye Tage“ zeigt aber wunderbar auf, dass das Leben nicht immer perfekt ist, wir aber auch einiges (wenn auch nicht alles) beeinflussen können.
Die Figuren sind für mich keineswegs gleichbleibend sympathisch, aber ich mochte sie sehr, weil sie "frei" wirken. Sams unüberlegte und Lucs vorsichtige, rücksichtsvolle Art bilden eine sehr realistische Konstellation, welche die Geschichte auf besondere, feinfühlige und moderne Art erzählen.
 
 
Fazit
 
Wenn ihr einen Roman sucht, der kleine Jahresschnipsel einer Freundschaft und Beziehung mit Höhen und Tiefen aufzeigt, dabei auch ein wenig dem Schema der Planlosigkeit folgt und viel Wert auf die Feinheiten der Dynamiken in der zwischenmenschlichen Interaktion legt, werdet ihr das Buch mögen. Man sollte sich jedoch darauf einstellen, dass man manchmal den Kopf schüttelt und gleichzeitig mit einem Lächeln die authentischen Handlungen der jungen Protagonist*innen nachvollziehen kann.
Es ist aber definitiv ein Buch, das ein ganz eigenes "Feeling" hinterlässt.


 

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Book Ranking: Emily Henry

September 06, 2024


Gelesene Bücher von Emily Henry


Bereits seit einigen Sommern ist die Autorin Emily Henry die Hauptquelle, wenn man einen unterhaltsamen und gefühlvollen Liebesroman für die warmen Monate sucht und aus dem Bereich nicht mehr wegzudenken. Auch ich bin von ihren Geschichten angetan, denn sie sind leicht und versprühen grundsätzlich genau das richtige Gefühl.
Im August habe ich es nun endlich geschafft, die bisher fünf bekanntesten Emily Henry Bücher zu lesen und damit sozusagen auf dem neuesten Stand zu sein. Zu den Büchern gehören:
  • "People We Meet on Vacation"
  • "Book Lovers"
  • "Beach Read"
  • "Happy Place" &
  • "Funny Story"

Übrigens: Für nächstes Jahr April ist bereits ein neues Buch angekündigt. Die Geschichte trägt den TItel "Great Big Beautiful Life".

Da bei einigen Romanen die Meinungen auseinandergehen und ich auch überrascht war, dass bei mir einige "least favourites" durchaus zu den Favoriten zählten, habe ich gedacht, erstelle ich ein kleines Ranking. Die Platzierungen orientieren sich dabei an meinen ganz persönlichen Eindrücken während des Lesens. Sollte euer Lieblingsbuch daher nicht ganz weit oben stehen, nehmt es nicht zu ernst. Jede*r darf das Ranking natürlich ganz nach eigenem Belieben anders sehen. 

 

Diese Buchverfilmungen sind geplant

Spannend ist zudem, dass bereits für alle Geschichten dazugehörige Buchverfilmungen geplant sind. Als Film und auch als Serie.

In "People We Meet on Vacation" werden Tom Blythe (als Alex) und Emily Bader (als Poppy) in den Hauptrollen zu sehen sein.
Für alle weiteren Bücher steht der Cast bisher noch nicht fest beziehungsweise wurde noch nicht bekanntgegeben.
Es bleibt also spannend!

 

Mein Ranking 

 

Platz 5: "Happy Place"

"Happy Place" war das erste Buch, das ich von Henry vorbestellt und mich riesig drauf gefreut hatte. Und doch war es irgendwie genau das Buch, das mich dann letztlich am wenigsten gepackt hat.
Zwar mochte ich die Protagonistin, aber die Dynamik der Figuren, die Ausarbeitung der Beziehungsprobleme sowie auch das Ende, haben mich nicht wirklich abgeholt. Es wurde einiges zu stark in die Länge gezogen oder besser gesagt "dramatisiert", was für mich hätte nicht sein müssen.
Ich mochte jedoch das Setting und dass sich die Gruppe an einem Ort zusammenfindet, da es einen perfekten Urlaubs-/Sommerflair versprüht hat.

Es ist eine nette Geschichte, landet aber im Vergleich zum Rest leider auf dem letzten Platz.


Platz 4: "Funny Story"

Das neueste Buch der Autorin hat mich wirklich gut unterhalten. Die Idee, dass man das "flirty couple" aus zwei Verschmähten zusammensetzt, die beide die jeweiligen Ex-Partner kennen und nun als Zweckgemeinschaft zusammenleben, ist schon interessant.
Ich mochte zudem, dass der Aspekt der "Funny Story" so schön hervorgehoben wurde. Dadurch waren Anfang und Ende einfach wirklich perfekt aufeinander abgestimmt. 

Dennoch glaube ich, dass man hier noch speziellere Momente hätte reinbringen können. Ab einem gewissen Moment wusste man schon genau wie alles ausgeht und welche Konflikte noch entstehen. Mir hat das gute alte "gewisse Etwas" gefehlt, damit ich die Geschichte etwas höher platziert hätte.


Platz 3: - 

Auf Platz drei landet - Überraschung - keines der Bücher. "Funny Story" und "Happy Place" landen zwar grundsätzlich im Mittelfeld, in diesem Ranking jedoch hatte ich das Gefühl, das keines der Bücher auf diese Position passt. Dafür waren mir die bereits genannten doch zu "schwach", die anderen jedoch zu gut. 

Daher bleibt diese Stelle unbesetzt.



„It hurts to want it all, so many things that can´t coexist within the same life.“ 
- "People We Meet on Vacation", S.285

 

Platz 2: "People We Meet on Vacation"

Mein Platz 2 ist vielleicht so ein "love it or hate it"-Fall, da ich weiß, dass viele dieses Buch gar nicht mögen. Das war auch genau der Grund dafür, warum ich es so lange vor mir hergeschoben habe. Als ich es diesen Sommer dann doch endlich gelesen habe, war ich sehr überrascht. Und zwar positiv. Denn ich finde, dass "People We Meet on Vacation" richtig gut ist.

Viele haben den Buchtitel selbst kritisiert, wobei ich auch hier finde, dass er wunderbar zur Geschichte passt. Ebenso mochte ich, wie gut die Protagonist*innen zusammen funktioniert haben, obwohl ihre Gegensätze im Vordergrund stehen (sollen). Die Dynamik hat zu schönen und unterhaltsamen Stellen geführt, die ich nach dem Lesen gerne nochmal aufgeschlagen habe.
Emily Henry spielt öfters mit Rückblenden und den "Second Chance"-Momenten, hier hat es mir aber besonders gut gefallen. 

Eventuell bin ich auch etwas voreingenommen an die Sache rangegangen, da ich eben wusste, dass das Buch verfilmt wird und ich mir viele Stellen bereits in filmischer Umsetzung vorgestellt habe und wirklich glaube, dass es richtig gut werden kann.
Nichtsdestotrotz kam "People We Meet on Vacation" genau zum richtigen Zeitpunkt und hat sich dadurch Platz 2 gesichert.


Platz 1: "Book Lovers" & "Beach Read"

Und somit haben wir nicht nur einen, sondern zwei Gewinner! "Book Lovers" und "Beach Read" liegen für mich wirklich sehr nah beieinander. Nicht nur, weil ich sie unheimlich gerne gelesen habe und irgendwie fast alles gepasst hat, sondern auch, weil sie sich stilistisch und inhaltlich doch ähneln.

Beide versprühen eben diesen sommerlichen Charme und dazu auch noch die Liebe zum Lesen sowie Büchern. So wie die Titel es andeuten, sind die Geschichten genau das Richtige für den Strand oder eben für Buchliebhaber.
Das Kleinstadt-Feeling und die Gespräche der Protagonist*innen sind auch hier wieder sehr unterhaltsam und haben doch etwas Besonderes an sich. Ich weiß noch, dass ich sehr überrascht davon war, wie erfrischend anders die Unterhaltungen verlaufen, im Vergleich zu den Romance-Büchern, die ich sonst kannte.

Mit diesen beiden Büchern habe ich mich in die Welt von Emily Henry gelesen und freue mich seitdem immer, wenn ein passendes Buch für die Sommersaison angekündigt wird. Daher verdient Platz 1.

 

 

„Hearts can be so stupid.“ 
- "Happy Place", S.165

 

Ein Ranking für alle Zeiten?

So eine Platzierung hält bei mir meist so lange, bis ich die Bücher ein zweites Mal lese oder wenn eben Verfilmungen bevorstehen. Wenn ich die Filme/ Serien mag, kann es sein, dass ich danach auch die Bücher noch einmal neu einordne.
Daher behalte ich mir mal vor, das Ranking hin und wieder zu aktualisieren, sollte sich etwas ändern (oder neue Bücher hinzukommen). Man weiß ja nie...




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"Blue Sisters" von Coco Mellors

Juni 18, 2024


(Original: "Blue Sisters"/ 2024), Übersetzer*in: -, ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne

Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel "Blue Sisters" im Eichborn Verlag erschienen.  

Die Blue Schwestern waren schon immer außergewöhnlich und außergewöhnlich anders. Da wären Avery, Bonnie, Lucky und Nicky, deren viel zu früher Tod die drei Schwestern hat taumeln lassen.
Als sich die drei nach einem Jahr in New York wiedersehen und versuchen den Verkauf der Wohnung aus Kindheitstagen zu verhindern, erkennen sie, dass sie nur durch das wieder Zueinanderfinden, an ihren Problemen arbeiten und das Leben wieder lieben lernen können.
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„Lucky is twenty-six years old, and she is lost. In fact, all the remaining sisters are.
But what they don´t know is this: As long as you are alive, it is never too late to be found.“
 
- S.7


Mit "Blue Sisters" bleibt Coco Mellors ihrem Stil weiterhin treu. Was das bedeutet? Für mich, dass der zweite Roman der Autorin erneut viele schöne und nachdenkliche Stellen beinhaltet, das "pure" Leben thematisiert und dennoch - und das sollte wirklich erwähnt werden - erneut auch die starke Abhängigkeit von Alkohol und Drogen im Vordergrund steht. 
 
Die Geschichte erzählt von den Leben der vier Schwestern, spaltet sich dabei in insgesamt drei Erzählstränge, die aber immer wieder zusammenlaufen, wenn etwas geschieht, das auf ein gemeinsames Erlebnis anspielt oder sich die drei an den gleichen Orten aufhalten. Ich mochte diese Herangehensweise, da wir dadurch jede Figur einzeln kennenlernen und uns dennoch die Dynamiken innerhalb der Familie vorstellen und eher greifen können. 
Die Erinnerungen an die vierte Schwester, Nicky, sind für mich die wohl emotionalsten, auch wenn jede der vier mit schwierigen Dingen zu kämpfen hat und emotionalen "Ballast" mit sich herumträgt. 
 
Was mich aber genau deshalb leider ein wenig enttäuscht hat, war, dass ich ständig das Gefühl hatte, dass etwas fehlt. Genau das ist ein wenig paradox, denn die Handlung selbst besteht durchaus aus Fortschritten und neuen Ansätzen. Auch die emotionale Ebene, die darauf anspielt, dass die Charaktere wachsen und die Vergangenheit verarbeiten sowie dass wichtige Gespräche geführt und Gedanken ausgetauscht werden, ist durchaus an vielen Stellen gut ausgebaut.
Dadurch habe ich gemerkt, dass es vielleicht daran liegt, dass ich mir im Mittelteil wohl eine etwas kompaktere und gezieltere Handlung gewünscht hätte. Der Roman zeigt in einem realistisch anhauchenden Stil auf, dass das Leben aus einem steten Vorwärtskommen und Rückwärtsgehen besteht. Für mich hat das an einigen Stellen leider in Romanform nicht ganz funktioniert. Hinzu kommt, dass ich gehofft hatte, dass hier die Beziehung der Schwestern noch stärker im Zentrum steht und nicht so oft und präsent von den Drogen- & Alkoholproblemen verdrängt wird. Zwar ist es ein wichtiges Thema, wird beleuchtet und kritisiert, letztlich ist es aber wieder zu banal behandelt worden, als dass es nicht wirkt wie ein schlecht verwendetes Stilmittel, um Sympathien zu erwecken.

 


Obwohl ich den mittleren Teil daher leider etwas schwächer fand, muss ich sagen, dass mich der Anfang und auch das Ende im Gegenzug abgeholt haben.
Die Einführung in die Figuren, die Stimmung, die wichtigen Themen, die angesprochen werden und auch eben der zentrale Aspekt der Verbindung der Schwestern, auch in Bezug zu dem problematischen Verhalten der Eltern, haben mir gefallen.
Jedoch fand ich die Beziehung zwischen Bonnie und ihrem Boxlehrer irgendwie merkwürdig und auch merkwürdig weitergeführt, nachdem wir den Time-skip haben.



„It was true. Being one of four sisters always felt like being part of something magic. [...] The seasons, the elements. The points on a compass. [...] Four chambers of a human heart.“ 
- S.107


Fazit

Grundsätzlich hat mich der zweite Roman von Coco Mellors leider nicht so überzeugen können wie ihr Debüt "Cleopatra und Frankenstein". Obwohl ich die Thematik liebe, weil ich Geschichten über Schwestern großartig finde, fehlte es mir an einigen Stellen an den nötigen Emotionen, gezielteren Handlungsverläufen und auch dem altbekannten "show, don´t tell." Der Roman dreht leider wieder zu stark in die Richtung ab, dass es wie eine Sucht-, Alkohol- & Drogengeschichte schöner Menschen wirkt und nicht wie eine Familiengeschichte. Das mag für viele vielleicht sogar gut funktioniert haben, mir hat es letztlich leider nicht so gut gefallen. Da mir jedoch viele weitere Aspekte und auch die Sequenzen, die auf die Beziehung der Blue Schwestern abzielen, dennoch gefallen haben, blieb das Buch zum Schluss im Mittelfeld im Gedächtnis.


Weitere Rezensionen zu Büchern von Coco Mellors

 

 

 

 

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"Yellowface" von Rebecca F. Kuang

März 25, 2024


(Original: "Yellowface"/ 2023), Übersetzer*in: - , , ★★★★☆ 4 Sterne

Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel "Yellowface" beim eichborn Verlag erschienen. 

Eine Notlüge. Dunkler Humor. Tödliche Konsequenzen...
Die Bestsellerautorin Juniper Song ist nicht, wer sie vorgibt zu sein. Sie hat das Buch nicht geschrieben, das sie behauptet eigenständig verfasst zu haben und sie ist ganz sicher nicht "Asian American".
Doch wie soll sie das richtigstellen? Soll sie das überhaupt? Und was werden die Leute sagen, falls die Wahrheit ans Licht kommt?


Meine Kurzrezension zu "Yellowface" auf Bookstagram

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„Every author hates their imprint. There are no Cinderella stories - just hard work, tenacity, and repeat attempts at the golden ticket.“ 
- S.4

 

"Yellowface" ist ein Roman, der für mich erst nach und nach seine ganze Wirkung entfaltet. Die Einflüsse des "Krimis" scheinen für das Interesse am Weiterlesen im Vordergrund zu stehen, doch ehrlich gesagt besteht die Geschichte aus so viel mehr.

Der Roman kritisiert gekonnt die Buchszene (online, wie zum Beispiel auf Social Media), die Buchbranche sowie Verlagsarbeit generell. Natürlich vorrangig in Hinblick auf das gestohlene Manuskript und wie ein „Skandal“ für den Erfolg beiseitegeschafft und klein gehalten werden soll.
Obwohl ich verstehe, dass viele mit der Erzählerin nicht zurechtkommen, ist gerade ihre Art das Clevere an der Umsetzung. Sie rechtfertigt sich ständig, um ihr Gewissen zu erleichtern und man ertappt sich dabei, wie ab und zu Verständnis aufkommt. Natürlich bei dem eingewobenen persönlichen und doch traumatisierten Schicksal, aber eben nicht der bei dem üblen Angriff auf Minderheiten und rassistischen Ansichten. Gerade hier wird der Grat zwischen Verständnis und absoluter Abneigung für die Protagonistin sehr schmal.
Gleichzeitig macht sie einen so wütend, weil sie gewisse Dinge nicht versteht beziehungsweise nicht nachempfinden kann und will. Es entsteht ein Strudel von: Wer ist am übelsten dran und verdient den Erfolg nun wirklich?
Durch die Erzählweise müssen Leser*innen oft selbst abschätzen was ihnen negativ am Verhalten der Protagonistin auffällt, was ich ziemlich gut fand. Es verlangt uns also einiges an Selbstreflexion ab.
 
 
 

 

„I know what you´re thinking. Thief. Plagiarizer. And perhaps, because all bad things must beracially motivated, Racist.
Hear me out.
It´s not so awful as it sounds.
“ 
- S.36

 

Das Thema der Aneignung spielt natürlich eine sehr große Rolle, wenn nicht eben die Rolle. Ich mochte, dass viele Aspekte aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden, dabei aber stets eine deutliche Botschaft vermittelt wird.
Die ständige Frage danach, ob der Diebstahl des Manuskripts nur auf einer moralischen Ebene hinsichtlich der Autorschaft untersucht werden sollte oder eben doch tiefgehender ist, führt erneut dazu, dass man sich als Leser*in in einer Schleife der Reflexion wiederfindet.

Einen besonderen Stellenwert hat weiterführend ebenfalls die im Buch auftauchende Kritik daran, dass man für Marketingzwecke eine Identität annimmt, die einem aller Deutlichkeit nach nicht gehört. Und das nicht nur in Hinblick auf das Buch selbst, sondern eben auch die Herkunft und die Kultur.
Wenn Buchbranche, also hier der Verlag, und Autorin Hand in Hand entscheiden, den Namen so für die Werbung des Buchs anzupassen, dass es "echter" oder "besser" wirkt, was sagt das über unsere Gesellschaft und den reinen Gedanken an "Profit und Erfolg geht über alles" aus?
Wichtige Fragen, deren Antworten man wie gesagt unbedingt auch für sich selbst beantworten muss. Das Buch versucht in beide Richtungen auszuschwenken, offenbart den Kern der eigentlichen Aussage aber durchaus.
 
 
Fazit
 
Was zunächst als makabre Situation startet, entfaltet sich zu einer Geschichte, die nicht mit Kritik an der Gesellschaft und Buchszene geizt. Die Spannung und das Tempo werden definitiv zugunsten des Leseinteresses aufrechterhalten, die leisen Zwischentöne und doch auch nachdenklichen Szenen bieten aber genug Raum für Reflexionen.
Insgesamt ist "Yellowface" ein wichtiges Buch, das durchaus unterhält, die wichtigsten Dinge und Aussagen aber zwischen den Zeilen versteckt hat
. Man sollte sich die Zeit nehmen, diese zu ergründen, denn der Buchmarkt steht hier zwar natürlich in der Schusslinie, es geht aber um deutlich wichtigere Themen.

  

 

 

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"The Book That Wouldn´t Burn" (The Library Trilogy #1) von Mark Lawrence

Januar 25, 2024


(Original: "The Book That Wouldn´t Burn"/ 2023), Übersetzer*in: - , , ★★★★☆ 4 Sterne

Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht angekündigt. 

Evar hat sein ganzes Leben gefangen in einer riesigen Bibliothek verbracht. Einer Bibliothek älter als viele Imperien und größer als viele Städte.

Livira hat ihres in einer winzigen Siedlung, draußen im Staub, verbracht. Dort, wo sich niemand hinauswagt und Albträume ihre Unwesen treiben.

Die Welt hat sie beide bisher nicht beachtet. Doch das wird sich ändern...

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„There are moments in life when you know with a great and unshakeable certainty that everything will change.“ 
- S.47

 
Fantasy-Trilogien oder ganze Reihen sind manchmal eine schwierige Angelegenheit. Auf der einen Seite liebe ich es, wenn ich eine Geschichte mag und länger darin verweilen kann. Auf der anderen Seite jedoch ist das Risiko da, dass man nicht ganz warm wird, weil vieles erst in den nächsten Büchern aufgebaut wird.
Mit "The Book That Wouldn´t Burn" sind beide Sachen eingetreten. 
 
Die Welt war für mich zunächst eine Mischung aus "Dune" und "Piranesi", was eigentlich sehr für das Buch spricht. Ich mochte die Atmosphäre, das Rätselhafte und den Wechsel zwischen Liviras und Evars Perspektive. Dadurch wissen und kennen wir nicht alles, können aber in beide Welten eintauchen - die Wüstenstadt und die Bibliothek. Nach und nach wird die Verbindung zwischen beiden Figuren erkenntlich gemacht und auch aufgebaut.
Rückblickend war das Tempo in Ordnung. Die Welt ist etwas komplexer, bedarf also hier und da mehr Informationen. Andererseits jedoch hatte ich an einigen Stellen beim Lesen das Gefühl, dass die Geschichte hätte kompakter sein können. Vielleicht nicht in Bezug auf den Informationsfluss, aber eben auf das Gefühl, dass sich manches zieht.



„'Nostalgia is a drug, a knife. Against young skin it carries a dull edge, but time will teach you that nostalgia cuts - and that it´s a blade we cannot keep from applying to our own flesh.'“ 
- S.322
 
 
Was wir im ersten Buch erfahren ist geprägt vom System, das in der dortigen Welt herrscht. Wie funktioniert die Gesellschaft, was für Werte sind wichtig und vor allem: Welche Gefahren begleiten die Personen dort tagtäglich?
Obwohl ich den Cliffhanger zum Schluss mochte, muss ich zugeben, dass ich mir bereits beim ersten Teil ein wenig mehr Offenbarungen gewünscht hätte. Es gibt hier und da überraschende Wendungen, aber gewisse Dinge versteht man weiterhin nicht genau. Das ist natürlich den Erfahrungen und (fehlenden) Erinnerungen der Erzählerstimmen geschuldet, jedoch sorgte das bei mir manchmal für ein unbefriedigendes Gefühl. Zumal vieles am Ende sehr chaotisch erzählt wird und einige Bezüge zu Figuren bruchstückhaft scheinen.
 
Die Thematik im Buch wird natürlich durch das Fantasy Genre gestützt, bezieht sich aber auch sehr stark auf unsere Gesellschaft und wie wir miteinander umgehen. Das ist ein Punkt, den ich am Buch durchaus mochte. Neben allen Aspekten, die auf Dinge abzielen, die in unserer Welt nicht möglich sind, findet man in der Geschichte viele wichtige Ansätze, die aufzeigen, wie sich Menschen wahrnehmen ohne sich wirklich zu kennen und wie sich der Blick verändern kann, wenn man sich eben die Möglichkeit gibt einander kennenzulernen - und zwar ohne Vorurteile. 
 
Auch wenn die negative Kritik hier stärker durchscheinen mag, muss ich noch einmal betonen, dass ich mich dennoch auf den zweiten Teil freue und natürlich unbedingt herausfinden möchte, wie es weitergeht. Die Figuren selbst fand ich nämlich durchaus interessant und ich bin auch beiden gerne auf ihrer Reise gefolgt. Beide sind eher ruhiger, wenig dramatisch und lassen die Leser*innen mit genau der richtigen Portion Kühnheit in das Abenteuer reingehen.



Der erste Band der Reihe ist eine etwas komplexere Einführung in die Welt, da uns viele Informationen noch vorenthalten werden und wir den Protagonist*innen teilweise mit Erinnerungslücken folgen.
Es gab Stellen, die hätte ich mir gerne packender und kompakter gewünscht, letztlich jedoch konnte mich der Roman immer wieder soweit zurückholen, dass ich zumindest den zweiten Teil noch unbedingt lesen möchte.

 

 
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Recent Reads: 3 x Sachbücher

Juni 27, 2023


Superbösewichte, Monster und ihre Fans & unsympathische Frauenfiguren 

Bücher aus dem Bereich Non-Fiction sind vielleicht nicht unbedingt das Lieblingsgenre vieler Leser*innen. Kann ich ein wenig nachvollziehen, da ich auch schon zu vielen gegriffen habe, die einfach so langweilig waren, dass ich mir im Nachhinein nicht einmal eine Handvoll interessanter Fakten merken konnte. Wozu also Zeit verschwenden, wenn man nicht einmal das Gefühl hat, sich damit weiterzubilden?

In letzter Zeit jedoch hat mich wieder die Neugier gepackt. Hier und da tauchten plötzlich Sachbücher auf, die mich wirklich angesprochen haben. Drei habe ich exemplarisch in die engere Auswahl genommen: 

  • "How to Take Over the World - Practical schemes and scientific solutions for the aspiring supervillain" von Ryan North
  • "Monsters - A Fan´s Dilemma" von Claire Dederer
  • "Unlikeable Female Characters - The Women Pop Culture Wants You to Hate" von Anna Bogutskaya (dt. Übersetzung: "Genie oder Monster", erscheint am 02.11.2023 bei Piper)

Überraschenderweise hat sich aufgrund der Lesereihenfolge ein ganz schöner roter Faden ergeben. Werfen wir also mal einen näheren Blick auf die einzelnen Themen und die Umsetzung.



„In 1967, the first corpse was frozen with the explizit goal of revival, and since then many more humans have been freezing some or all of their bodies in hope that, at some point in the future when there´s a cure for whatever they died of, they will be thawed out, restored to life, and cured. It´s worth stressing out that cryonics is absolutely not a plan for immortality.“ 
- "How to Take Over the World" von Ryan North, S.235


 

Die Pläne eines Superbösewichts...

 
...auf wissenschaftlicher Basis! Als ich das Buch "How to Take Over the World" von Ryan North entdeckt habe, war ich zunächst etwas skeptisch. Wissenschaftliche Lösung, um die Weltherrschaft zu übernehmen? Brauch ich das? Aber mein innerer Superhelden-Liebhaberinnen-Impuls sagte sofort: Ja!

Der Autor selbst hat bereits an Marvel-Comics mitgearbeitet, daher hatte ich durchaus den Wunsch, dass er in diesem Buch seine Erkenntnisse mit den Bezügen zu den uns bekannten Superschurken verbindet und so einige schöne Referenzen bereithält.
Am Anfang oder auch in kleineren Nebensätzen fielen tatsächlich einige Anspielungen an Thanos oder andere Bösewichte, allerdings deutlich weniger, als erhofft. 
 
Nichtsdestotrotz hatte ich erstaunlicherweise viel Spaß mit den theoretischen Ideen rund um eine Weltherrschaft.
Ich würde jedoch allen davon abraten, die es wirklich gar nicht wissenschaftlich mögen. Zwar werden immer mal wieder kleine Infoboxen eingebaut, die nette und kuriose Geschichten aufgreifen, der Rest jedoch geht wirklich sehr ins Detail, was das Wetter, Wohnlandschaften, das Universum, das Internet oder Ähnliches betrifft. Eine Kostenkalkulation ist aber ebenfalls dabei (kleiner Spoiler: paar Millionen/ Milliarden braucht man schon)!
North versucht seine Ideen mit einem kleinen Augenzwinkern zu versehen und ist sicherlich im Ton aufregender und unterhaltsamer als manch andere Bücher zu den Themen wie Umwelt, Klima, Ressourcennutzung etc. dennoch habe ich mich hin und wieder dabei ertappt, wie ich schnell über einige Kapitel hinweggelesen habe. Lag aber auch teilweise daran, dass ich bei diesen Dingen schon mehr darüber wusste und es nichts Neues war.
Spannend fand ich, dass ein Experiment beschrieben wurde, das sehr stark an T. C. Boyles "The Terranauts" (dt. Übersetzung: "Die Terranauten // erschienen bei Hanser) erinnerte. Ich kann mich nicht daran erinnern, davon gewusst zu haben, umso erstaunter war ich als ich an das Buch zurückgedacht habe. Hat mich definitiv zu einem Reread angeregt.

Ganz schön fand ich zudem die vielen Zeichnungen, welche die Ideen noch einmal visuell umsetzen. 

 

 


Darf ich noch Fan von xy sein?

Wie sagt man so schön, mein most anticipated read war sicherlich "Monsters - A Fan´s Dilemma" von Claire Dederer. Nach all den Skandalen, Machtmissbrauchen und auch jüngsten Ereignissen, fragen sich immer mehr Leute, ob es überhaupt noch okay ist, Fan von etwas zu sein, das ein "Monster" geschaffen hat. Gibt es darauf eine Antwort? Wenn ja, wie nähert man sich ihr? Dieses Buch hier versucht der Frage ein wenig auf den Grund zu gehen.

Meine Einstellung zu dem Thema war eigentlich ziemlich gefestigt, als ich das Buch gesehen habe. Ich kann mich ziemlich einfach von Dingen losreißen, von denen ich weiß, dass ein Mensch sie geschaffen hat, der übel ist.
Ich würde behaupten, dass ich soweit gefestigt bin, dass ich zwar meine Lieblingskünstler*innen, - Bands, Schauspieler*innen habe und sich dies sicherlich teilweise auf meinen Charakter ausübt, ich aber kein Problem damit habe, diese loszulassen und mir neue, "gute" Inspirationen zu suchen.
Als ich jedoch den Klappentext gelesen habe und an die "großen" Schriftsteller gedacht habe, die ich selbst noch im Bücherregal stehen habe, bei denen deren Vergangenheit weiterhin toleriert wird, weil "Weltliteratur" (Fitzgerald, Hemingway), musste ich mir eingestehen, dass es nicht in allen Fällen so einfach ist. Wollen wir also irgendwie die "Erlaubnis" von jemandem bekommen, zum Beispiel der Autorin dieses Buches, das es okay ist, die Kunst zu mögen? 

Schwieriges Thema, aber here we go.

Der Anfang: Fakten, Hintergrundinfos und die Ausgangsfragen

Das Buch beginnt wirklich direkt, scharfzüngig und mit glasklaren Fakten. So trägt das erste Kapitel den Titel "The Child Rapist" und ist Roman Polanski gewidmet. Mich hat diese erste Überschrift direkt damit konfrontiert, dass es hier nicht um kleine Bagatellen geht, sondern die beschriebenen Probleme wirklich schwerwiegend sind.
Es werden zunächst Fragen aufgeworfen, um sich selbst zu hinterfragen und die eigene Einstellung zu überprüfen. Ist es okay, wenn man zum Beispiel die Filme von Polanski oder Woody Allen zum Beispiel schaut, wenn sie zufällig im Fernsehen/ bei Freunden liefen? Würdet ihr es schauen? Was für Überlegungen finden zwischen dem Gedanken an den Film und den Taten der Künstler, von denen man nun weiß, statt?

 
Ich habe mir in der ersten Hälfte sehr viele Stellen gemerkt, die ich wichtig fand und die auch das widerspiegeln, was unsere Gesellschaft derzeit so beschäftigt. Wieso werden diese Dinge zugelassen? Warum werden die "männlichen Monster" nicht also solche, sondern als "Genies" gesehen?
Für diese Betrachtungsweisen gibt es durchaus gute Aufschlüsselungen und soziale, psychologische Erklärungen, doch die Frage danach, ob man die Dinge selbst weiterhin gut finden darf, bleibt erst einmal offen. Dederer nähert sich vielen Geschehnissen mit Fragen, gibt einige persönliche Standpunkte preis und zeigt durchaus, dass sie in vielen Situationen zwei Mal darüber nachdenkt. Unterstützt man das Verhalten der Männer damit weiterhin? 


Die Persönlichkeit und das Fandom

Ich glaube, es ist nicht schwierig, sich vorzustellen, dass man beim Lesen eine gewisse Wut auf diese (zunächst) Männer verspürt. Sie baden in Ruhm, Reichtum und Bewunderung und Hinterlassen in Schlachtfeld von (meist) zerbrochenen Frauen.
Umso schwieriger fiel es mir als Leser*in zu verstehen, warum viele ihre Persönlichkeit mit etwas so Kritischem verankern möchten und nicht loslassen können. Erstaunlicherweise hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass sich die Autorin selbst ein wenig in Ausflüchte sucht, um diesen Teil ihrer Persönlichkeit, der zum Beispiel die Filme von Polanski als großartig ansieht, nicht missen zu müssen.
Verliert man wirklich einen Teil von sich, wenn man sich einfach etwas Besserem zuwendet? Ich verstehe den Impuls etwas schützen zu wollen, was einen lange Zeit begleitet hat, aber für mich steht es einfach nicht über allem. Und besonders nicht über dem Schutz anderer und der Glorifizierung von Menschen, die anderen Schaden zufügen. 

Die Fandoms, die Bewunderung wird zunehmend aus dem psychologischen Blickwinkel betrachtet. Dederer zeigt dabei auf, dass dies als Kollektive Entscheidung und persönliche Entscheidung, etwas gut zu finden, geschieht. Wir fühlen uns zu etwas dunklem an den Personen und deren Werken hingezogen vs. ich fühle mich dazu hingezogen.

 

Die persönliche Verflechtung der Autorin: Gibt es eine Antwort?

Das Buch entwickelt sich ab der Hälfte plötzlich in eine andere Richtung. Nun greift Dederer auch das Fehlverhalten von Frauen(-charakteren) auf und setzt sie als Gegenstück ein. Deutlich wird, dass sie durchaus dafür einsteht, dass Frauen das gleiche Recht haben, selbstbestimmt zu leben und sich von gesellschaftlichen Normen zu lösen.
Für mich war hier ein Drift zu spüren, der etwas merkwürdig war. Natürlich, Frauen und ihre "Monstrosität" wird oftmals unverhältnismäßig ganz anders wahrgenommen, aber das "Loslassen" der Familie ist für mich noch einmal etwas ganz anderes, als Kinder zu missbrauchen. Mit zunehmenden Seiten wurde mir aber plötzlich klar, worauf die Autorin hinauswill. Sie wird sehr persönlich, schreibt über ihre eigenen Fehler. Und ja, es schien mir, als wolle sie ihre eigene Absolution und Regeneration als "gute Mutter" mit dem Buch manifestieren. Sich selbst von ihren eigenen Fehlern, die sie nun als "monströs" ansieht wieder wettmachen.
Das mag durchaus legitim sein, es ist ja ihr Buch, allerdings verfehlt das Ende für mich deutlich das Ziel der Ausgangsprämisse. 

Plötzlich ist das Ende nach der Auflistung der Taten der Männer (und nun auch Frauen - Virgina Woolfs Antisemitische Aussagen zum Beispiel, von denen ich bisher nichts wusste), ziemlich abrupt und mündet in einer komischen "Wenn man etwas liebt, fällt es schwer sich davon zu trennen"-Rede. Auch hier sage ich: Natürlich! Aber für mich wurden damit alle Taten über Bord geworfen und es bleibt jedem weiterhin selbst überlassen, was man mit den Infos macht (niemand kann einem die Entscheidung abnehmen, aber das eigene Pflichtbewusstsein kam abhanden). Eine kurze Verknüpfung zum Patriachat, Konsum und Kapitalismus wurde noch gezogen, aber zu wenig detailliert.
Die Anfangskapitel, die vielen Bezüge zur Kunst, Film, Büchern, das Thema an sich und die wichtigen Fragen und vor allem die laute Kritik an dem Fehlverhalten der Männer und der Gesellschaft, dass es toleriert wird, sind ein guter Bestandteil des Buches und absolut lesenswert.
Ich habe nicht erwartet, dass man eine wirkliche ja oder nein Antwort auf die Ausgangsfrage erhält, aber das Endkapitel war für mich doch irgendwie eine Enttäuschung. 

 

 

„I wished someone would invent an online calculator-the user would enter the name of an artist, whereupon the calculator would assess the heinousness of the crime versus the greatness of the art and spit out a verdict: you could or could not consume the work of this artist.“ 
- "Monsters" von Claire Dederer, S.9



Do you like me now?


Mein letztes Buch "Unlikeable Female Characters" von Anna Bogutskaya bildet nun ein perfektes Ende. Nachdem wir erst einen Blick auf mögliche Bösewichtsszenarien geworfen haben, die niemandem wirklich schaden, uns dann zu den wirklichen Monstern der Gesellschaft vorgearbeitet haben, sind wir nun zu Besuch bei den beliebtesten nicht-beliebten Frauenfiguren aus der Popkultur!

Der Ton hier ist entspannter, der Inhalt und die Wichtigkeit der Thematik büßen aber nicht ein. Bogutskaya stellt anhand vieler Beispiele heraus, warum Frauen, wenn sie laut, egoistisch und auch stark sind, in der medialen Welt eher nicht gemocht werden und als "unlikeable" gelten.
Von beliebten Serien wie "How to Get Away with Murder", über "Mean Girls", bis hin zu "Cruel Intentions" (dt. "Eiskalte Engel). Hier wird aufs Ganze gegangen.

Ich fand es sehr spannend, interessant und unfassbar informativ. Viele Entstehungsgeschichten oder Gespräche in Interviews zu bestimmten Figuren waren mir nicht bekannt und die Aufschlüsselung der Rezeption der "weiblichen Charaktere" war packend.
Auch hier spielt die Gegenüberstellung zwischen der männlichen (dominierenden) und der weiblichen (sich beugenden) Darstellung eine große Rolle. Zudem wird unsere alte Sichtweise (binär), zumindest an einigen kleineren Stellen, durch neue Ansichten und Erweiterungen ergänzt. Der Einfluss unserer gesellschaftlichen Entwicklung wird daher nicht außer Acht gelassen.
Allein die Betrachtung der Begrifflichkeiten (viele Tabus wie: Slut, bitch, psycho, crazy woman) und der damit einhergehenden Charakterisierung ist sehr lesenswert und wird auch hier gekonnt aus einem kritischen Blickwinkel betrachtet.

Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass hier durchaus ins Detail gegangen wird, was die jeweiligen Filme betrifft. Wenn man die Filme schon kennt, macht das nicht viel aus, bei einigen wird man aber doch stark gespoilert.
Wer das lieber vermeiden will, kann sich aber erst die Filme ansehen und dann das Buch lesen. Eine "Watch List" ist nämlich ebenfalls angehängt.


„Anger is a difficult emotion to tolerate because it´s not pretty, and being pretty is the primary expectation of women onscreen. If it´s directionless and it reinforces the idea that women are functionally incapable of managing their emotions, if it´s directed at one specific person, it´s a 'her' problem.“ 
- "Unlikeable Female Characters" von Anna Bogutskaya, S.148

 

 

Welche Bücher haben mich überzeugt? 

 
Letztlich habe ich durch jedes Buch neue Erkenntnisse und Sichtweisen kennengelernt, die ich zu schätzen weiß.
Daher würde ich wirklich alle Bücher empfehlen. Abzüge würde ich bei "How to Take over the World" machen, da es an einigen Stellen sehr theoretisch und detailreich wird. Ebenfalls nicht ganz gut umgesetzt fand ich bei "Monsters", dass die eigentliche Ausgangsfrage zum Schluss merkwürdig verschoben beziehungsweise abgewälzt wird. Schade, denn ansonsten greift das Buch wirklich wichtige, gute und richtige Punkte auf.
"Unlikeable Female Characters" war für mich ein Volltreffer. Eine Ansammlung an tollen Charakterisierungen und reichlich Filmtipps.
 

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