Vom Wind verweht von Margaret Mitchell

Januar 27, 2020

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Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Gone With the Wind"/ 1936), Kunstmann Verlag (2020), Übersetzer/in: Andreas Nohl & Liat Himmelheber (aus dem amerikanischen Englisch), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Vom Wind verweht ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, eine abenteuerliche Liebesgeschichte, vor allem aber das große Epos des amerikanischen Bürgerkriegs, ein Pendant zu Krieg und Frieden, das Andreas Nohl und Liat Himmelheber zum ersten Mal vollständig ins Deutsche übertragen haben.

Jeder kennt die tragische Liebesgeschichte von Scarlett O’Hara und Rhett Butler, wenn auch oft nur aus dem Film, in der Gestalt von Vivien Leigh und Clark Gable. Der Film gilt als einer der erfolgreichsten der Filmgeschichte, aber auch das Buch, das 1936 erschien, war umgehend ein Bestseller und wurde schon 1937 ins Deutsche übersetzt: Keine Geschichte hat unser Bild von den Südsaaten, dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Zeit der
Reconstruction so sehr geprägt wie Margaret Mitchells Gone With the Wind.
Vom Wind verweht, die erste Neuübersetzung seit 1937 – zugleich die erste ungekürzte Übersetzung in deutscher Sprache –, folgt dem schnörkellosen, journalistischen Stil von Margaret Mitchell und lässt uns so fast einen anderen Roman lesen. Natürlich ist es immer noch das große Epos des amerikanischen Bürgerkriegs, die tragische Liebesgeschichte und die Geschichte einer jungen Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt."
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"Sie lag im silbrigen Mondschatten und schmiedete Pläne, wie Sechzehnjährige es tun, wenn ihr Leben immer so angenehm dahingeflossen ist, dass eine Niederlage nicht infrage kommt, und wenn das Schicksal durch ein schönes Kleid und einen schönen Teint besiegt werden kann."  S.98

Da ich die alte Übersetzung und damit den Roman noch nicht kannte, fließt in die Bewertung nicht nur die Überarbeitung, sondern natürlich auch der Inhalt der Geschichte mit ein.

Daher erst einmal zur Übersetzung: Ich weiß nicht so ganz, ob ich zu naiv war, als ich die Ankündigung gelesen habe, dass die Bearbeitung sich der rassistischen Begriffe annehmen will, ob ich das alles zu "eng" sehe oder ob es letztlich nicht so gut gelungen ist, wie man dachte. 
Ich habe mir im Vorfeld die Interviews der beiden Übersetzer durchgelesen und auch alle Pressemitteilungen angeschaut, die es gab und war sehr positiv gestimmt. Ich dachte: wow, endlich traut sich jemand! Alles klang vernünftig und gut durchdacht. In einem Artikel auf deutschlandfunkkultur findet man zudem das Zitat des Übersetzers:
„Weshalb es absolut notwendig war, das N-Wort rauszunehmen“, ergänzt Himmelheber, „dabei zuckt man heute einfach zusammen.“.
Umso größer war dann meine Verwunderung, dass das Wort doch auftaucht. Einmal in "normal" ausgeschrieben und sonst unzählige Male, wenn die Sklaven selbst über sich reden oder die Figuren über sie herziehen, in seiner Slang-Variante. Und nun stand ich da und wusste eben nicht, ob ich etwas missverstanden hatte. Sollte es nicht darum gehen, diesen Begriff zu umschreiben? Und da trat dann schon die andere Überlegung auf. In dem Instagrampost zum Buch, wies mich @dubliner86 darauf hin, dass der Begriff "Darky" fällt, um den anderen Begriff zu umgehen. Das Wort war damals schon sehr verachtend, heute aber nicht minder. Auch hier frage ich mich, ist das dann überhaupt eine Verbesserung, wenn man den alten Begriff irgendwie nur halb herausnimmt und ihn durch einen anderen rassistischen Begriff ergänzt? Ich habe versucht mich in alle möglichen Argumente reinzulesen und zu denken. Für mich persönlich macht es die Sache selbst aber einfach nicht besser. Auch hier, muss ich leider sagen, zuckte ich innerlich einfach zusammen. 

Was das "Weichgespülte" betrifft, so muss ich sagen, dass ich den Roman glücklicherweise in den Formulierungen der Dialoge nicht zu modern fand. Meine Sorge war eher, dass der Charme der Zeit verschwinden würde. Es gibt durchaus noch die träumerischen (Originalpassagen), die etwas rührseliger daherkommen, aber sie sind doch irgendwie präzise und vermitteln ein Gefühl von Entschlossenheit.

"Aber [...] gleichgültig welch edlen Zwecke sie den Kriegen zuschrieben, es gibt immer nur einen Grund für Krieg, und das ist Geld. Alle Kriege sind in Wirklichkeit Geldstreitereien. Nur begreifen das sehr wenige Leute." S.288

Und nun zu Scarlett O´Hara. Scarlett O´Hara... Selbst nach den ganzen über tausend Seiten, weiß ich immer noch nicht so genau, wie ich zu ihr stehe. Sie ist jung, unerfahren, privilegiert und träumt so vor sich hin. Natürlich gibt es da reichlich Potential, um die Figur dann im Laufe der gesamten Geschichte wachsen zu lassen. 
An vielen Stellen gibt es tatsächlich diese Entwicklungen, aber größtenteils hat sie mich, vor allem bis zum letzten Drittel des Buches, einfach nur zur Weißglut getrieben. Ja, auch hier gehört das irgendwie dazu, das ist der Sinn des Ganzen, macht das Lesen aber dennoch etwas schwerfällig. 
Dennoch konnte ich tatsächlich nach einiger Zeit nicht aufhören zu lesen. Man will schließlich wissen, ob sie sich irgendwie verändert, ob sich in ihr ein gewisser Tatendrang bemerkbar macht und ob sie ihr Glück / Unglück finden oder beibehalten wird. Im Hintergrund nicht zu vergessen der Krieg, der die Figuren zusätzlich belastet und einen Preis verlangt. 

Die Geschichte ist wirklich voll mit allem. Mit Handlungen, mit Figuren, mit Schicksalsschlägen, mit Hochzeiten, mit Handlungsstrategien und natürlich mit der Frage nach der Liebe des Lebens. Vieles wiederholte sich aber für mich zu oft. Manchmal fühlte ich mich, wie vor einer Serie, die nach jeder zweiten Folge zurückgespult und wieder abgespielt wird. Als würde man einfach nicht wollen, dass das Buch endet. Das klingt irgendwie böser, als es eigentlich war, aber das ist mir so als Bild im Kopf geblieben. 
Ich mochte an dem Roman aber die Denkweise und Botschaft, wenn man so sagen möchte, an vielen Stellen. Was heißt es erwachsen zu werden und seinem Herzen zu folgen? Was bedeutet es, sich aufzuopfern und immer für alle anderen da zu sein, nicht nur an sich selbst zu denken? Ist die Liebe zu den eigenen Kindern immer so einfach? Und vor allem: Wieso um Himmels willen führen die Menschen immerzu Kriege? Darauf findet man durchaus Antworten. Antworten, die manchmal unbequem sind, die aber voller Wahrheiten stecken.

"Sie sah gequält zu ihm auf und fand irgendwie Trost in der reglosen Undurchdringlichkeit seines Gesichts. Den Grund dafür konnte sie sich nicht erklären, denn er war doch eigentlich so ein unberechenbarer und gefühlloser Mensch. Vielleicht lag es daran, dass sie beide, wie er immer sagte, sich so ähnlich waren. Manchmal kam es ihr vor, als wären alle Menschen, die sie je gekannt hatte, Fremde - alle, außer Rhett." S.1022


Ein wuchtiger Roman, der sehr viele Themen aufgreift, die das junges Leben (einer Scarlett O´Hara) beschäftigen. Auch wenn die Umstände der Zeit damals im Fokus stehen, findet man doch vieles darin wieder, dass auch heute von großer Bedeutung ist und sein kann. Tatsächlich ist Scarlett O´Hara eine Figur, die ich im Buch und während des Lesens nicht ausstehen konnte und doch irgendwie sehr zu schätzen gelernt habe. Leider bin ich mit der Neuübersetzung, trotz aller guten Bemühungen, nicht wirklich zurechtgekommen. Insgesamt habe ich in dem Roman wohl genauso viele gute, wie auch negative Dinge gefunden, die dafür sorgen, dass es eine Geschichte bleibt, die mich erst zum Ende hin richtig gepackt hat. Dennoch bleibt sie irgendwie fest in meinem Herzen verankert (im positiven Sinne). Ich würde es jedem empfehlen, der vielleicht auch so ein Gefühl von "Neverending"-Story mag.

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Seasons Edition: Winter - Classics

Januar 15, 2020

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Letztes Jahr durfte man sich mal wieder über neue und schöne (englischsprachige) Klassiker freuen. Ende Oktober erschien nämlich die Winter-Reihe der Seasons Editions aus dem Thomas Nelson Verlag (Imprint von Harper Collins). Winter, weil die Klassiker alle in dieser Jahreszeit spielen oder die Atmosphäre zumindest ausschlaggebend ist. 
Derzeit finden sich darunter: "Pride & Prejudice" von Jane Austen, "Little Women" von Louisa May Alcott, "Wuthering Heights" von Emily Bronte und "A Tale of Two Cities" von Charles Dickens. Ein Set besteht demnach immer aus vier Büchern. Ab Juni 2020 folgen dann die nächsten vier als Seasons Edition Summer und werden aus "The Adventures of Huckleberry Finn" von Mark Twain, "Jane Eyre" von Charlotte Bronte (yey!), "Persuasion" von Jane Austen und "The Wonderland Collection" von Lewis Carrol (ebenfalls yey!) bestehen.

Besonders gelungen ist vor allem die Gestaltung. Die Umschläge wurden mit einer Laser-Cut Technik erstellt und sind sehr filigran. Es gibt einen farblich an die jeweilige Ausgabe angepassten Buchschnitt und ein Lesebändchen. Einzelne Seiten sind zusätzlich an das Design angepasst und beinhalten dieses Laser-Cut Aussehen sozusagen als Illustration. Der Klappentext hinten auf dem Buchdeckel besteht zudem aus einem, an das Winter-Thema ergänztes Zitat aus dem Buch.

Wer ebenfalls ein Auge auf die Ausgaben geworfen hat, der sollte allerdings schnell sein oder zumindest nicht allzu lange warten. Laut Verlag wird es nur 10.000 Exemplare pro Buch geben, heißt, es werden keine weiteren Auflagen folgen. In jedem Buch findet sich daher auch eine Nummer, die sagt, welche Ausgabe man in den Händen hält.

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Quichotte von Salman Rushdie

Januar 10, 2020

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Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Quichotte"/ 2019) C. Bertelsmann (2019), Übersetzer/in: Sabine Herting (aus dem Englischen), ★★★★☆ 4 Sterne
"Salman Rushdies Quichotte ist ein Reisender, der besessen ist von der »unwirklichen Wirklichkeit« des Fernsehens. Er will das Herz der Königin der Talkshows erobern und begibt sich auf eine Reise quer durch Amerika, um sich ihrer als würdig zu erweisen; auf dem Beifahrersitz, Sancho, der Sohn, den er sich immer gewünscht hat, aber niemals bekam.
Rushdie nimmt Quichottes Abenteuer mit in unsere Gegenwart. Er erzählt dabei auch von Vater-Sohn-Beziehungen, Geschwisterstreitigkeiten, unverzeihlichem Handeln, alltäglichem Rassismus, der Opioidkrise, Cyber-Spionen, Science Fiction, dem Leben des Mannes, der Quichotte geschaffen hat, und nicht zuletzt vom Ende der Welt."
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"Wie auch immer, er würde sich nicht abhalten lassen.
             Solche Geschichten gehen alles in allem nicht gut aus." 
S.21

Aus Cervantes´ Don Quixote wird Rushdies Quichotte
Soviel sei tatsächlich verraten, auch bei Rushdie kämpft der Antiheld und Protagonist mit, auf dem Weg auftretenden, Widrigkeiten. Aber nicht immer ist direkt ersichtlich, wieso gewisse Stränge überhaupt erzählt werden.
Ich musste mich erst ein wenig in die Neuinterpretation hineinfinden, denn es passiert ständig etwas und doch weiß man nicht immer, worauf dies hinauslaufen soll. Gibt es überhaupt ein Finale oder ist, wie man so schön sagt, der Weg das Ziel? Mir schien es oftmals und auch besonders zum Ende hin, dass es ein Roman ist, den man entweder sehr mag oder eben nicht, denn er ist schon ein wenig speziell. Rushdie greift auch hier wieder zum magischen Realismus, verwischt demnach auch stark die Linien zwischen Fiktion und Realität und eröffnet eine neue Ebene, die Raum für jegliche Interpretationen lässt. 
Für mich war es letztlich eine kleine Lesefreude, nicht zwingend, weil ich die Geschichte und die Handlung so großartig fand, sondern weil er mit der Variation von Text und seiner Möglichkeit spielt. Es gibt zahlreiche intertextuelle Verweise (den Einschub mit Ionescos "Einhörnern" - hier Mammuts - fand ich super), aber auch Anspielungen an bekannte Filme, Serien und andere kulturell geprägte Ereignisse. Dadurch wird die Geschichte zu einem Bündnis unseres heutigen Weltverständnisses, was mir durchaus sehr gefallen hat. Was vielen als zu viel oder als Overload scheinen könnte, empfand ich als Punktlandung, was unser Empfinden der Welt angeht. Alles ist zu viel, zu laut, zu gefährlich, zu aggressiv, als würde die Erde tatsächlich bald vor lauter Anspannung explodieren...

"Damals gab es T-Shirts, Frodo lives, Go Go Gandalf, er trug sie alle. Selbst damals wollte er schon eine Quest. Es gibt Leute, die dem formlosen Leben eine Form geben müssen. Für solche Leute ist das Erzählen einer Quest immer attraktiv. Es bewahrt sie davor, unter den Qualen zu leiden, wie heißt das Wort. Sich zusammenhanglos zu fühlen." S.114

Bei aller Begeisterung für die Art des Romans, den magischen Realismus, universelle Fragen oder einfach für das Lesegefühl, mochte ich zudem die kritisch angeführten Äußerungen zu politischen Themen wie auch dem grundsätzlichen Umgang der Menschen miteinander. Hier wird natürlich die Trump-Ära unter die Lupe genommen und auch die daraus resultierenden, ich sage mal, Missstände. 
Ebenso darf man aufgrund der Tatsache, dass die Protagonisten Inder sind damit rechnen, dass auch der Rassismus eine zentrale Rolle einnimmt. Dabei wird darauf geachtet, dass auch hier das Verhältnis von beinahe fiktiver Angst und realer Angst angemessen hinterfragt wird. 
Die Figuren selbst waren mir ehrlich gesagt gar nicht mal so sympathisch. Dennoch kann man alle Ängste, Sorgen, aber auch Glücksgefühle und Taten irgendwie nachvollziehen. Oftmals scheinen sie sehr überspitzt und an einen Wahn grenzend, wenn nicht sogar sehr aufdringlich. Alles wird aber kritisch beäugt und auch benannt, als das, was es sein kann. Aufdringliche Textnachrichten zum Beispiel nicht nur als Akt der Bewunderung, sondern schlichtweg als Stalking. Die Frage nach der Perspektive ist demnach ebenfalls von Bedeutung (vor allem im Zusammenhang mit der Vergangenheit des Erzählers). Nebenbei bemerkt wirkte die Liebesquest für mich eher wie ein Deckmantel, sodass es hier nicht sonderlich romantisch zugeht. An sehr vielen Stellen merkt man zudem, dass man ein gewisses Verständnis für Ironie und Überspitztheit mitbringen sollte.

Obwohl die TV- und Showbranche hier im Mittelpunkt zu stehen scheint, weicht der Roman relativ oft davon ab und tendiert beinahe dazu, selbst wie ein Skript zu wirken. Auch hier weiß man letztlich nicht, in wieweit der "echte" Autor, also der Erzähler der Realität entspricht. Dadurch entspinnt sich natürlich wieder die Frage danach, wie sinnvoll, wichtig oder irrelevant eine Trennung von Autor und Erzähler ist. Auch hier dreht man sich also irgendwie im Kreis, denkt aber gleichzeitig über mehrere Aspekte nach. Ich persönlich finde solche "Irrungen und Wirrungen" ja wunderbar, weil das Buch letztlich einen Gedankenprozess in Gang setzt und die eigene Kreativität und das logische Denken in Schwung bringt.

"Unser Zeitalter, n.G. [nach Google], in dem der Mob herrscht und das Smartphone den Mob beherrscht." S.307


Eine Neuinterpretation mit sehr viel Inhalt. Sehr aktuell und kritisch wird die momentane Angespanntheit der Gesellschaft skizziert und hinterfragt, so werden politische Machtstrukturen, aber auch der Rassismus in den Vordergrund gesetzt. Der Roman lässt sich zusätzlich noch auf viele weitere Ebenen auftrennen und untersuchen, sodass sie Protagonisten selbst noch einmal mit weiteren psychologischen Themen konfrontiert werden. Grundsätzlich finde ich Rushdies Quichotte, in Anbetracht meiner Unkenntnis des Originals, geglückt, auch wenn ich denke, dass einige den Roman als "Overload" empfinden könnten, da dieser gewissermaßen das Überschlagen von Ereignissen der aktuellen Gesellschaft widerspiegelt.

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Dezember: Auf Wiedersehen letztes Jahrzehnt

Januar 06, 2020

Bücherstapel-des-Lesemonats-Dezember


Blumen-von-Fleurs-de-Paris

Es ist schon merkwürdig, diesen Text zu tippen, während bereits ein neues Jahr(-zehnt) begonnen hat (und genau genommen müsste es eigentlich eher leb wohl und nicht auf Wiedersehen heißen). Und doch soll ein letzter Blick in den Dezember 2019 natürlich nicht ausbleiben, denn einige interessante Bücher habe ich während der turbulenten Weihnachtszeit tatsächlich beendet.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

  • "Northern Lights" (His Dark Materials #1) von Philip Pullman: Ganz euphorisch habe ich mit dem Pullman- Lesemarathon begonnen. Mir hat der Einstieg in die Welt auch wirklich gut gefallen. Die besondere Verbindung zwischen Lyra und ihrem Dämon wie auch Lyra und dem Eisbären Iorek fand ich besonders schön, aber auch die ganzen Geheimnisse um bestimmte Prophezeiungen fand ich geglückt. 
  • Das zweite Buch im Dezember war ein Erzählband, nämlich "Florida" von Lauren Groff. Grundsätzlich kann ich Kurzgeschichten immer lesen. Irgendwie sind sie eine schöne Abwechslung von langen Romanen. Groffs Band ist aber alles andere als fröhlich oder unterhaltsam. Hier werden eher düstere Lebensschnappschüsse zusammengetragen, alle, ganz klar, spielen sich in Florida ab. Mich konnten einige Geschichten abholen, mit anderen jedoch blieb ich etwas auf Distanz. Dennoch sehr lesenswert für alle, die ebenfalls gerne zu Erzählungen greifen und damit umgehen können, wenn der Inhalt etwas "deprimierender" ist.
  • "The Mistletoe Murder & Other Stories" von P.D. James: Da dieses Jahr die Zeit etwas knapp war, habe ich keine separate Weihnachtsleseliste gehabt und auch hier musste ein Erzählband reichen. Mit P.D. James´ Buch bin ich aber, trotz der mörderischen Absichten und Intrigen, in Weihnachtsstimmung gekommen. Gut erzählt, mit nicht immer explizit aufgelösten Wahrheiten, aber immer mit einem kleinen Schubser in die richtige Richtung. Lesenswert!
  • "The Hazel Wood" (The Hazel Wood #1) von Melissa Albert: Im Januar ist der zweite Teil der Reihe erschienen, für mich also endlich mal der Zeitpunkt, um mit dem ersten zu beginnen. Ich fand ihn ehrlich gesagt wirklich gut, zumindest was die Idee und viele Umsetzung angeht. Bei den Figuren hat mich das eine oder andere noch etwas verwundert oder gestört, kann aber auch daran liegen, dass die Autorin schon im Hinterkopf hatte, dass ihnen im zweiten Teil etwas mehr Platz eingeräumt wird. Ich mochte aber unfassbar gerne das gesamte Setting und die wirklich sehr starke Bezugnahme zu Märchen und der Märchenwelt. Ich bin nun jedenfalls sehr gespannt auf den zweiten Band!
  • "Lost Boy" von Christina Henry hat mich dann noch einmal positiv überrascht, auch wenn ich mir vieles schon genau so vorgestellt hatte. Das Retelling sollte düster und geheimnisvoll daherkommen, etwas rabiater als wir den Disney-Peter kennen und das ist ihm auch gelungen. Es wird nämlich sehr, sehr blutig und alles andere als lustig, obwohl Peter da wohl anderer Meinung wäre. Erzähler des Ganzen ist Jamie, der engste Vertraute des Jungen, der niemals erwachsen werden will. Immer mehr wir die dunkle Seite der Welt, in welcher die Jungen leben, offenbart. Mich hat es zwar nicht an den Disney-Klassiker und schon gar nicht an die tolle Verfilmung mit Robin Williams erinnert, aber doch stark an das Original von J. M. Barrie. Dort lernen wir Peter nämlich auch schon als eher egoistischen Charakter kennen, der seinen Spaß über das Wohl anderer stellt. Ich fand es daher durchaus gelungen. 
  • "The Subtle Knife" (His Dark Materials #2) & "The Amber Spyglass" (His Dark Materials #3) von Philip Pullman: Beide Teile haben mich schließlich noch zum Ende des Jahres begleitet. Ehrlich gesagt bin ich vom Ende leider etwas enttäuscht und damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber mir fehlte am Ende schlichtweg irgendwie der Sinn des Ganzen. Es wird zunehmend immer deutlicher, dass Pullman seine religiösen Ansichten darlegen wollte, die eigentliche Aufgabe, Lösung und das Abenteuer erschien mir letztlich dann beinahe schon überflüssig. Das merkwürdige ist, ich liebe die erschaffene Welt und würde nie sagen können, dass ich die Trilogie nicht mag, ganz im Gegenteil. Aber allein von der Betrachtung des Handlungsstrangs war ich wie gesagt etwas enttäuscht. Mehr dazu gibt es natürlich im Lesemarathon-Beitrag. Da wird es bald sicherlich auch mit dem ersten Band der Book of Dust-Trilogie weitergehen.

Mit welchem Buch habt ihr euch von 2019 verabschiedet? Habt ihr überhaupt ein Gefühl, dass ein neues Jahrzehnt gestartet ist oder fühlt es sich für euch wie immer an (ist bei mir irgendwie tatsächlich der Fall)?

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