Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

September 09, 2017



(Original: "-"/ 2017) Knaus Verlag, Übersetzer/in:-, 344 Seiten, zahlreiche Illustrationen von Lydia Rode, gebunden★★ 4 Sterne
"Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"'Es gibt genügend praktische Erfindungen, die uns keinerlei Trost spenden', hatte Dylia einmal ihren Brüdern mitgeteilt. 'Aber viel zu wenig trostspendende, die überhaupt keinen praktischen Nutzen haben.'“  S.45
  
Schlaflose Nächte kennen die meisten von uns, aber nicht in dem Ausmaß, in welchem sie Dylia begegnen. Wochenlang plagt sie sich damit herum, dass sie nicht zur Ruhe kommt und sich nicht erholsamen Träumen zuwenden kann.
Genau mit diesem Aspekt beschäftigt sich der neue "Zamonien-Roman" von Walter Moers, mit der Vielfalt der Träume und deren scheinbar schier unbegrenzten fantastischen Möglichkeiten. Und doch stellt man sich als Leser ständig die Frage, ob die Protagonistin nun doch träumt oder wacht, wobei sich die Relevanz, diese Frage zu beantworten, zum Ende hin verschiebt und keine allzu große Rolle mehr zu haben scheint.
Wer Walter Moers´ Geschichten bereits kennt, wird wissen, dass der Leser sich auf viele und sehr eigene "Kreativschöpfungen" einlassen muss und vieles einer eigenen Logik folgt. In diesem Abenteuer geht es rasant zu, verschiedene "Phasen" und "Etappen" des Bewusst- und Unterbewusstseins werden bewältigt und dabei treten wieder schauderhafte, aber auch sehr liebevolle Figuren auf, welche die Geschichte stets unterhaltsam, amüsant und um es mit Dylias Lieblingswort zu sagen "interessant" machen. Die Protagonistin ist nicht immer einfach, sie schwankt in ihren Ansichten selbst noch hin und her, weiß sich allerdings zu zügeln. Ihre Gedanken sind bunt, genauso wie ihre Freude an der Vielfalt und den Möglichkeiten, die die Welt ihr bieten können. Dadurch ist man als Leser natürlich immer gern an ihrer Seite und folgt ihr gerne auf dem Weg, den ihr der Nachtmahr aufzeigt.
Den Nachtmahr selbst kann man meiner Meinung nach gut in einen "stimmigen" Kontext einordnen, denn für mich stellte der Gnom sehr viele Eigenschaften und metaphorische Figuren dar, die sich mit der Zeit wunderbar entfalten. Ich persönlich hatte mir, zeitweise, in etwa der Mitte, eine vielleicht etwas "spannendere" Offenbarung des Nachtmahrs erhofft, beziehungsweise hatte ich die Hoffnung, dass es ein etwas tieferes Geheimnis geben würde, allerdings hat sich die Nichterfüllung des Verdachts nicht negativ auf den Gesamteindruck ausgeübt, denn letztlich werden ganz andere "Geheimnisse" sichtbar. Das Ende überzeugt nämlich wirklich durch eine schlichte, gefühlvolle Stimmung, die den Leser dazu auffordert oder dazu ermutigen möchte, das Abenteuer vielleicht nicht nur als wortwörtlich zu betrachten, sondern sich zu fragen, was der Nachtmahr während solch einer Reise vielleicht auch bei einem selbst zum Vorschein gebracht hätte.

"Ihr spendete nun einmal der Gedanke, ein Buch im vielfarbigen Licht einer spektralspektakulären Wunderkerze zu lesen, einen gewissen Trost - völlig egal, wie kitschig das aussehen mochte. Ah, wie sie es hasste, dieses Totschlagargument 'Kitsch', das meist von Leuten im Mund geführt wurde, die zu verbittert geworden waren, um die Schönheit einer Seifenblase überhaupt nur erkennen zu können."  S.45

Mich hat aber nicht nur die Geschichte an sich wunderbar unterhalten, sondern auch die farbenfrohe und moderne Illustration der verschiedenen Figuren (obwohl es in der zamonischen Spätromantik spielt). Dabei fand ich es aber ebenso geglückt, dass nicht jede Kleinigkeit illustriert wurde, sodass man seiner eigenen Fantasie durchaus noch genug Spielraum lassen konnte. Die Darstellung trägt aber sicherlich einen Großteil dazu bei, dass man sich in dieser Welt bewegt, als sei sie etwas ganz Normales und als sei man wirklich ein Teil davon.
Walter Moers gibt zudem im Nachwort noch einige Details zu der Illustratorin Lydia Rode preis, die den Leser einige Vorkommnisse in der Geschichte noch einmal mit anderen Augen sehen lassen. Wie wichtig ist der Schlaf für uns tatsächlich? Können wir uns ein Leben ohne ihn überhaupt vorstellen? Und was würde sich unser Gehirn überlegen, um uns diese Anstrengung erträglicher zu machen?
Daher ist das Buch für mich keineswegs nur ein nettes, ausgedachtes Abenteuer, was mich gut unterhalten hat, sondern auch ein Buch, das wirklich eine neue Sicht auf Dinge offenbart, die uns viel zu selbstverständlich scheinen.

"Der Gnom lachte heiser. 'Klar! Das denkt jeder! Dass er eigentlich gar keine Abgründe besitzt: Abgründe? Triebwünsche? Iiich? Niemals! Aber deswegen verdrängt man sie ja. Damit man weiter an das Märchen der eigenen Unschuld glauben kann.'" S. 220


Ein neues zamonisches Abenteuer, welches die schlaflosen Nächte einer Prinzessin aufgreift und sie auf eine spannende Reise schickt, auf der sie sich selbst und vor allem ihre Ängste besser kennenlernt. Es ist abwechslungsreich, entführt den Leser in eine sehr bunte und ironische Welt und lässt uns an dem "Beruf" eines Nachtmahres teilhaben. Grundsätzlich scheint alles stimmig, an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir vielleicht etwas "größere" Geheimnisse gewünscht, welche die Spannung aufrecht erhalten hätten. Am Ende jedoch wird man mit einer Denkflut belohnt, die einen nicht so schnell aus dem königlichen Palast der Prinzessin entkommen lässt.





Vielen Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



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"New York" von Megan Hess

September 06, 2017

(Original: "New York Through a Fashion Eye"/ 2016) Prestel Verlag, Übersetzer/in: Christine Schnappinger (aus dem Englischen), 208 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, gebunden★★ 3 Sterne
"Spätestens seit der Kultserie »Sex and the City« ist klar, dass für It-Girls (und solche, die es werden wollen) an New York kein Weg vorbeiführt. Ob auf der Fashion Week, in den neuesten Hotspots oder direkt auf der Straße: Im Big Apple werden Trends gesetzt, die sich auch jenseits des großen Teichs in Windeseile durchsetzen. Kein Wunder also, dass die Stadt, die niemals schläft, zu den absoluten Traumzielen von Fashionistas aus aller Welt zählt. Für den perfekten Überblick in der Style-Metropole hat Megan Hess einen ganz besonde-ren Guide zusammengestellt: Mit launigen Illustrationen verrät die gefragte Modezeichnerin ihre persönlichen Lieblings-Locations in den Shopping-Areas uptown und downtown. Darunter finden sich nicht nur die großen Namen der internationalen Mode- und Designszene, sondern auch so mancher Insidertipp, der in keinem anderen Reiseführer verzeichnet ist. Und weil selbst die hartgesottenste Shopping-Queen irgendwann mal eine kleine Pause braucht, gibt es neben den besten Einkaufsadressen auch jede Menge Tipps für hippe Bars, Cafés und Restaurants, Hotels mit traumhaften Spas oder entspannende Spaziergänge durch den Park."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Der Blick auf die Brooklyn Bridge von Manhattan aus entzündet in mir stets einen Funken Romantik, denn er erinnert mich an Filme wie Ihre beiden Verehrer mit Frank Sinatra oder Manhattan von Woody Allen.“  S.57
  
Megan Hess illustriert in ihrem neuen Buch "New York", eine ihrer Lieblingsstädte und versucht darüber hinaus, dem Leser einige "Tipps" mit an die Hand zu geben, welche Hotspots man nicht ignorieren sollte.
Dabei fällt aber sehr schnell auf, dass das Buch auf eine ganz bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist. Es finden sich sehr viele Bezüge zu "Sex and The City" und Carrie Bradshaw, wie auch zahlreichen Luxusmarken und berühmten Designern. Die Welt von Megan Hess besteht daher, aus nicht gerade preiswerten Shoppingmöglichkeiten. So finden sich unter den "Insider-Adressen zum Shoppen" eher die hochpreisigen und die eigentlich jedem schon bekannten Luxusgeschäfte, wie Dior, Chanel, Micheal Kors und andere. Auch bei der Kategorie "Essen & Trinken" fallen die Vorschläge nicht in das Budget von Studenten.
Daher bietet das Buch für mich eher Einblicke in das Leben der Schönen und Reichen, mit den angesagtesten Orten und Läden, die man aus bekannten Filmen kennt und in die man sich vielleicht das eine oder andere Mal hineingeträumt hat. Mag man also Lifestyle-Bücher, die dieses "Sex and The City"-Gefühl vermitteln, dann ist man hier definitiv richtig. Man blättert die Seiten um und lässt sich von der Art und Weise der Darstellung inspirieren, allerdings denkt man sich als "Normalverdiener" eben auch sofort, dass man sich wohl nicht einem Shoppingexzess durch die genannten Läden hingeben kann. 
Da Megan Hess aber selbst sehr erfolgreich ist und in diesen "Kreisen" keine Unbekannte ist, konnte man von vorne herein vermuten, dass man hier keine super geheimen Insiderspots kennenlernen wird. Zudem wird auch in der Originalfassung hervorgehoben, dass dies "New York Through a Fashion Eye" sei und diesen Fashion-Aspekt bekommt man hier definitiv gut präsentiert.

"Kunst- und Mode-Liebhabern dürfte es schwerfallen, an Rizzoli vorbeizukommen. Herausgeber einiger der luxuriösesten Bücher, die je gemacht wurden.“  S.112

Wie aber auch bereits in ihrem ersten Buch "Coco Chanel", konnte mich die Autorin mit ihren wunderschönen Illustrationen verzaubern. Alles ist natürlich sehr mädchenhaft angehaucht. Die abgebildeten Frauen sind (wie sollte es in der Wahrnehmung der Modewelt anders sein), alle sehr schlank und zierlich und tragen nur die zauberhaftesten Kleider und Accessoires. Natürlich ist es rein objektiv betrachtet nicht sehr realitätsgetreu, aber man lässt sich als Leserin gerne von den Ideen und den Umsetzungen von Megan Hess inspirieren. Seien es nur die kleinen Küchlein, die dazu gemalt werden oder einfach die gewisse Leichtigkeit, die in all ihren Abbildungen auftreten.
Man merkt deutlich, dass sie der Stadt verfallen ist und selbst Fan der genannten Modemarken ist, wie auch bestimmter Fernsehserien, aber dadurch schwappt das eine oder andere Mal auch eine gewisse Begeisterung zum Leser über. Es ist einfach ein wirklich nettes Buch, das man gerne durchblättert und was man eben als typisches "Lifestyle"-Buch ansehen würde.
Mir hat aber zum Ende hin deutlich das "persönliche" an dem Buch gefehlt. Megan Hess beschreibt die Locations sehr sachlich und fügt meist nur hinzu, mit welchen Stoffen oder Mustern die Geschäfte dekoriert wurden. Da hätte ich mir vielleicht die eine oder andere nette Anekdote gewünscht, um das ganze etwas interessanter zu gestalten. So wirkte es manchmal einfach, wie eine neutrale "Internetquelle".


Enthält keine wirklich "neuen" Tipps rund um die Stadt New York, überzeugt aber durch die wirklich schönen und verspielten Illustrationen der Autorin. Der Inhalt bezieht sich sehr stark auf die luxuriösen Gegenden und Geschäfte, sodass man hier eher in den Vorstellungen schwelgt, als sich tatsächlich vorzunehmen, diese Orte anzusteuern. Auch wenn hier die typische Darstellung der stereotypen Modefrau in New York aufgegriffen wird (schlank, schön und reich), blättern man gerne durch das Buch und lässt sich inspirieren. Sicherlich ein Buch, das Fans von "Sex and The City" oder Ähnlichem gefallen würde, da es dieses bestimmte New Yorker-Gefühl vermittelt und auch viele Bezüge dazu aufweist. 
Blieb für mich an der einen oder anderen Stelle aber leider auch etwas zu unpersönlich. Als Geschenkidee für wirkliche Fans der Stadt oder des Lifestyle-Gefühls ist es aber sicherlich eine Überlegung wert.


Vielen Dank an den Prestel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



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Der Fluch des Hauses Foskett (Gower Street Detective #2) von M.R.C. Kasasian

September 04, 2017

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "The Curse of the House of Foskett"/ 2014) Atlantik Verlag, Übersetzer/in: Johannes Sabinski und Alexander Weber (aus dem Englischen), 496 Seiten, gebunden★★(☆) 4 bis 5 Sterne
 Dies ist der zweite Teil einer Buchreihe
"Sidney Grice ist zurück, und seine Laune ist nicht besser geworden. Die Stimmung in der Gower Street 125 ist mies. Seit Sidney Grice durch seine Ermittlungen einen unschuldigen Mann an den Galgen gebracht hat, laufen die Geschäfte schlecht. Der scharfsinnigste Detektiv des viktorianischen England liegt stundenlang apathisch in der Badewanne. Selbst zum Einsetzen seines Glasauges fehlt ihm die Kraft. March Middleton, Sidneys Patentochter, langweilt sich zu Tode … Bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied des bizarren Clubs »Finaler Sterbefallverein« sein Leben aushaucht – mitten in Sidneys Wohnzimmer. Immerhin haben Sidney und March endlich wieder etwas zu tun. Und das nicht zu knapp, denn es bleibt nicht bei dieser einen Leiche. Die Ermittlungen führen das ungleiche Paar von London bis nach Kew in ein unheimliches Herrenhaus, dessen Eigentümerin, die enigmatische Baroness Foskett, eine alte Bekannte Sidneys ist."

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"'Haben Sie denn kein Herz?' , fragte sie.

        'Aber gewiss doch.' Er stieß sich mit der Zange gegen die Brust. 'Es pumpt Blut zu meinem einzigartigen Gehirn, aber es beherrscht mich nicht.' “  S.66
  

Ja, der Detektiv der Gower Street 125 ist wieder da und auch March Middleton, dessen Vormund Sidney Grice ist, muss sich wieder mit ungeheuren Morden auseinandersetzen.
Die Fortsetzung des Bandes "Mord in der Mangle Street" (Rezension hier zu finden), kann meiner Meinung aber voll und ganz mithalten. Der Stil ist natürlich gleich geblieben. Sidney Grice versprüht einen sehr eigensinnigen Charme, wenn man dies überhaupt so nennen kann. Er lässt kaum ein gutes Haar an einer Person, beschäftigt sich ausschließlich mit seinen Teestunden und kämpft zusätzlich noch mit seinem schlechten Ruf, der sich seit seinem ersten Fall, bei den Mitmenschen, verfestigt hat. Und dennoch kann man ihn als Leser nicht gänzlich unsympathisch finden. Sein Scharfsinn in Hinblick auf die Verbrechen, die er zu lösen hat, scheint sicherlich oftmals verletzend, denn er ist keine Person, der freundlichen und höflichen Umschreibungen. Dennoch hat er kein schlechtes Herz, was diese scheinbare "Oberflächlichkeit" erträglich macht und man ihm trotzdem gerne zur Seite steht.
Den zweiten Band kann man sicherlich auch dann lesen, wenn man den ersten nicht partout in voller Gänze abrufbereit hat, dadurch muss man aber an der einen oder anderen Stelle noch einmal überlegen, in welchem Zusammenhang gewisse Anspielungen fallen. Die Einschübe aus March Middletons Tagebüchern gibt es nämlich weiterhin und als die erste Stelle kam, wo diese eben aufgegriffen werden, fiel es mir erst einmal schwer, sich die Zusammenhänge zu erschließen. Nach und nach ist man aber tatsächlich wieder gänzlich im Bilde, da vieles, zumindest kurz, noch einmal aufgegriffen wird.
Der Fall an sich hat mich auch in diesem zweiten Teil gut unterhalten, wenn ich auch der Meinung bin, dass es etwas brutaler und blutiger zuging. Ich finde aber, dass diese beschriebenen Passagen, in denen die verunglückten Personen beschrieben werden, noch akzeptabel sind und man sich durch den Stil des restlichen Buches nicht zu sehr in eine "eklige" Richtung bewegt.
Als wirklicher Tierfreund (und obwohl Sidney Grice laut eigener Aussage auch Vegetarier ist) sind manche Stellen diesbezüglich aber wirklich sehr makaber, auch wenn das Buch dadurch und durch gezielte Aussagen von March oder anderen betroffenen Personen darauf hinweist, dass Grausamkeiten in dieser Form tatsächlich passieren. Im weitesten Sinn erfüllt es also wirklich ein wenig den Zweck, dass der Leser dadurch sehr sensibilisiert wird.
Dies fiel mir auch deutlich bei den Passagen auf, in denen March ebenso als "Sprachrohr" für die starken Frauen einsteht. Der Roman scheint dies sehr sarkastisch umzusetzen, aber die Andeutungen darauf, dass Frauen in der damaligen Gesellschaft keine wirklichen Qualitäten zugesprochen wurden, außer schön zu sein, wird meiner Meinung nach ebenso gut angesprochen und auf zwar sehr eigene, aber angemessene Weise umgesetzt.


"'Mr. Grice', sagte sie, als wäre ich nicht anwesend. 'Ich dachte schon, Sie würden gar nicht mehr kommen.'

         'Wir haben uns um fünf Minuten verspätet', gab ich zurück, während wir durch die Stuhlreihen
          auf sie zugingen.


Sie hieb dreimal auf das eingestrichene C ein. 'Versuchen Sie Mal, fünf Minuten die Luft anzuhalten, und dann sagen Sie mir, ob das keine lange Zeit ist.'

       'Warten Sie, bis man Ihnen sagt, Sie hätte nur noch fünf Minuten zu leben, und dann sagen Sie
        mir, ob das eine lange Zeit ist' , entgegnete ich, und aus ihrem Auge traf mich ein offen
        feindseliger Blick.“ 
S.162f.


Tatsächlich dominiert hier das Gefühl des typisch alten Englands. Wie schon in der ersten Rezension angekündigt, liegt der Vergleich zu Sherlock Holmes nicht weit, dennoch grenzt sich Sidney Grice durch seine eigene Art noch einmal etwas ab.
Die Atmosphäre des Buches ist aber durch die häufige Erwähnung der wirklich armen Bevölkerungsschicht und der oft auftretenden Bettler eher noch glaubwürdiger, als nur die Erwähnung gewisser Tee-Exzesse seitens des Detektives (welche aber auch ihren Reiz haben).
Besonders gut, gefallen mir aber weiterhin die vielen Dialoge, die einerseits manchmal tatsächlich grausam erscheinen, wenn Sidney Grice seine emotionslosen Kommentare loslässt, die aber andererseits durch einen sehr angenehmen Wortwitz und eine allgemeine Komik überzeugen. Besonders die Kombination aus Sidney Grice, March Middleton und Molly, der Bediensteten waren für mich wirklich erheiternd und machten die Geschichte wieder etwas lebendiger und tatsächlich "fröhlicher". Ich, als Leserin, konnte mich der Sogwirkung des zweiten Falls von Sidney Grice dadurch einfach nicht entziehen.
Zudem finde ich ebenfalls durchaus gelungen, dass die beiden Bände sich inhaltlich, abgesehen des Fortschreitens der beruflichen Laufbahn des Ermittlers, weiterentwickeln und auf neue, scheinbare Geheimnisse aufmerksam machen. So wird man zum Ende des zweiten Bandes mit einem Cliffhanger "belohnt", der die Hintergründe der Lebensläufe der Protagonisten in den Vordergrund rückt und die ganze Geschichte etwas persönlicher wirken lässt. Ich kann es zumindest wieder kaum erwarten, bis der nächste Teil erscheint.

"'Wir könnten übrigens noch einen anderen Ermittlungsansatz verfolgen', sagte Sidney Grice. Das wir gefiel mir, obschon ich den Verdacht hegte, er meinte damit nur sich selbst." S.194


Der zweite Band der Kriminalreihe rund um den persönlichen Ermittler Sidney Grice und seine "Assistentin" geht in die nächste Runde und ist dabei ebenso spannend, makaber, aber durch die eigenen Charaktere und die recht witzigen Dialoge sehr unterhaltsam. Es stehen zwar wieder Mordfälle im Vordergrund, die es zu lösen gilt, dennoch wird auch die persönliche Ebene der Figuren auf eine neue Ebene gehoben, was die Reihe deutlich "intimer" gestaltet.


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Neue Bücher: Herbstlich angehaucht

September 02, 2017


Obwohl neulich erst einige neue Bücher dazugekommen sind (siehe den Beitrag zu "The Folio Society"), haben es auch diese fünf Bücher in meine Bücherregale geschafft. Darunter ein wirklich heiß ersehnter Neuzugang, nämlich "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" von Walter Moers.
Zunächst wird es mit der "Stadt der träumenden Bücher" wohl nicht so schnell weitergehen, daher freue ich mich umso mehr, dass man als Leser trotzdem nach Zamonien zurückkehren und sich in neue Abenteuer stürzen kann.
Ansonsten haben noch vier weitere Kostbarkeiten bei mir Einzug gefunden. Hier also etwas nähere Informationen dazu:
  • "New York" von Megan Hess Bereits das erste illustrierte Buch von Megan Hess, "Coco Chanel" konnte mich gut unterhalten. Zwar sind die Illustrationen natürlich etwas an die "High Class" angelehnt, aber ich finde die Bücher durchaus ansprechend gestaltet. Mal sehen, was der Inhalt hier zu Tage bringen wird. 
  • "Die Letzten" von Madeleine Prahs Eher zufällig, bin ich durch den dtv Newsletter auf dieses interessante Buch gestoßen. Eine Wohnung, die geräumt werden soll und einige verbliebene Bewohner, die sich vehement dagegen wehren. Ich bin sehr gespannt, wie die Autorin diese Situation umgesetzt hat und es tragikomische Züge annimmt.
  • "Faery Tales" von Carol Ann Duffy Meine unfassbar lange Liste an vorgemerkten Büchern musste einfach mal etwas reduziert werden und da dieses Buch, bestehend aus bereits bekannten und aber auch neuen Märchen, schon viel zu lange auf dieser Liste stand, musste ich es neulich einfach mal bestellen.
    Ich glaube das Buch passt auch wirklich perfekt in die bald folgende herbstliche Stimmung.
  • "The Booklovers´ Anthology" (hrsg.) von The Bodleian Library Auch hier eines der Kandidaten, die es irgendwann einmal beim durchstöbern im Onlineshop auf den Merkzettel katapultiert und vergessen wurde. Jetzt wurde es endlich erlöst und darf sicherlich auch bald von mir gelesen werden.
  • "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" von Walter Moers Und natürlich das bereits erwähnte Buch von Herrn Moers. Mehr als, ich freue mich wahrlich darauf es bald zu lesen, muss ich eigentlich nicht mehr sagen. Es schreit schon förmlich nach mir!

Welche Bücher sprechen euch am meisten an?



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Der Buchblog-Award 2017: Die Abstimmung beginnt

September 01, 2017







Heute ist es tatsächlich soweit: Die Abstimmungsphase für den Buchblog-Award 2017 startet!
Bereits vor einem Monat gab es zu dieser 'Veranstaltung', die dieses Jahr Premiere feiert, einen Beitrag von mir. Hier könnt ihr gerne noch einmal auf diesen Beitrag zugreifen.

Bis vorgestern durften sich alle Blogger, die die Kriterien erfüllen, anmelden. Nun seid ihr, die Leser an der Reihe. Ihr dürft ab heute, dem 01. September bis zum 14. September abstimmen und euren Lieblingsblogs, mit ein wenig Hilfe, einen Platz auf der Shortlist sichern.
Dabei dürft ihr jedem Blog, aus der kompletten Liste (einschließlich eurem eigenen, falls ihr selbst teilnehmt) eine Stimme geben. Das heißt also, dass ihr theoretisch für jeden einzelnen Teilnehmer stimmen könnt, dies aber nur ein einziges Mal. 

Wenn ihr "little words" mit einer Stimme unterstützen wollt, kommt ihr hier auf das Portfolio des Blogs und könnt unten den Button "Jetzt abstimmen" klicken. 

Natürlich freue ich mich unglaublich über jede Stimme, aber da ich nicht möchte, dass der Award in einer "Ellenbogen-Abstimmung" endet, fände ich es schön, wenn ihr einfach alle Blogs unterstützt, die ihr wirklich gerne lest und nicht darauf achtet, wer vorne oder hinten liegen könnte. Ansonsten würde ich sagen, wünsche ich wirklich allen Teilnehmern viel Spaß beim ersten Buchblog-Award! Ich bin sehr gespannt auf die lange Liste der Kandidaten und die Blogs. Vielleicht entdecke ich ja ein neues Schätzchen.


Falls ihr nicht dagegen habt dies preiszugeben: Für welche Blogs habt ihr gestimmt? Welche sind eure Favoriten und wen habt ihr neu entdeckt?

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