Juli

Juli 31, 2016


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Fragen und Antworten: Blogger gefragt #1

Juli 28, 2016







Buchblogger zu sein, ist meist ein eher "einsamer" Zeitvertreib. Dennoch ist die Buchblogger-Gemeinschaft mittlerweile ziemlich groß geworden, so dass ich mir gedacht habe, dass man etwas "gemeinsames" auf die Beine stellen könnte. Den Anfang soll dieser Post machen. 
Der Sinn und Zweck des Ganzen? Nun, ich dachte mir, man könnte die Vielfalt der Blogger nutzen, um in regelmäßigen Abständen Fragen zu stellen, deren Antworten, wie kleine Tipps funktionieren. Es sollen demnach "Sammelbeiträge" zu bestimmten Themen entstehen, in denen sich mehrere Blogger zu genau einer Frage äußern. Das kann konkret auf Bücher bezogen sein, aber vielleicht auch auf die Arbeit des Bloggers oder seinen liebsten "Bücherstöber-Orten". Ob und wie das ganze klappen wird, wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen, aber ich hoffe die Beitragsreihe wird einen gewissen Sinn ergeben. 

Um die erste Runde einzuläuten, haben sich netterweise vier Blogs (aber fünf Bloggerinnen) bereiterklärt, mir zwei Fragen zu Beginn zu beantworten, damit ihr ein Gespür dafür bekommt, wie das Ganze aussehen soll. Hier sehr ihr erstmal wer alles teilgenommen hat. Anschließend seht ihr die Frage gekoppelt mit allen Antworten der Blogger dazu:

Die Teilnehmer:
2. und 3.  Maike und Mareike "von "Herzpotenzial"
4. Vanessa von "Vanessasbücherecke"

Die Fragen und Antworten:
(Unterstrichene Passagen wurden von mir vermerkt, da ich sie gerne hervorheben wollte)

1. Gibt es einen besonderen Tipp, den du Blogger-Neulingen auf den Weg mitgeben würdest?

Mara: Mein 'effektivster' Tipp ist, einfach mal für sich in einem Notizbuch zu bloggen zu beginnen und etwa 10 Beiträge zu schreiben. Dabei merkt man ziemlich schnell, wie das so ist - wie viel Zeit das Bloggen für sich beansprucht und welchen Aufwand man zeigen muss. Ebenso lernt man seine Motivation kennen, wenn am Anfang noch gar keine Rückmeldung kommt, wie es beim Bloganfang ähnlich sein wird. Natürlich ist aber auch emotional zu sagen, dass das Bloggen immer eine Bereicherung für Dich sein sollte und niemals einen Druck. Da steckt nämlich die Qualitätsfrage, die nicht nur beim Bloggen an erster Stelle steht, dahinter. Solange Dir das Bloggen so Spass macht, soll Dein Herzblut weiterhin in diese Sache fliessen. Aber wenn nicht, dann gibt es immer die Möglichkeit, Veränderungen einzuführen. Das Wichtigste ist, dass es Dir wohltut und Freude bereitet!

Maike / Mareike: Überlegt euch eine Struktur, mit der sich der Blog in euren Alltag integrieren lässt. Der Blog soll ein Hobby sein, dass sich gut in den Rhythmus von Arbeit/Schule, Familie, Freunden und zusätzlichen Hobbys reibungslos einfügt. Gerade am Beginn ist die Begeisterung groß und man möchte am liebsten täglich einen Beitrag schreiben. Doch dann gibt es wieder Phasen, in denen sich Termin an Termin reiht und man kaum noch an den Blog denken kann. Für sowas ist es gut, wenn man sich von Anfang an überlegt: Wie viele Beiträge schaffe ich realistisch und auf Dauer auf dem Blog? Wann finde ich Zeit für das Schreiben von Beiträgen, für Fotos und Organisatorisches. Da ist natürlich Vorbereitung und Planung sehr wichtig. Viele Blogger schreiben Beiträge auf Vorrat, um auch in stressigen oder unmotivierten Phasen bloggen zu können. Das funktioniert übrigens auch mit Fotos: einfach bei Sonnenschein eine Vielzahl von Dingen fotografieren und auch an Regentagen Bilder mit gutem Licht posten können.

Vanessa: Ich glaube, da werde ich nichts neues erzählen aber das wichtigste ist: Habt Spaß bei dem, was ihr macht und lasst euch nicht verunsichern. Der Blog ist eine sehr persönliche Plattform und es geht um das, was einem selber wichtig ist. Das sollte man sich immer vor Augen halten. Natürlich kann und sollte man Kritik annehmen, letztendlich ist es aber immer an einem selber, was man mit seinem Blog macht. Lasst euch also nicht verunsichern ;) Außerdem kann ich nur empfehlen, sich zu vernetzen. Knüpft Kontakte, schreibt Kommentare auf anderen Blogs, schaut euch bei Facebook in diveresen Bloggergruppen um, twittert oder schaut, ob euch Instagram als Plattform zusagt. Und für die ganz mutigen ist bestimmt auch Snapchat interessant ;) Auch wenn am Anfang die Followerzahlen klein sind, diejenigen, die euch gerne lesen werden, werden euch nach und nach finden. Jeder hat mal klein angefangen :)

Petzi: Blogge dann, wenn dein Herz den Büchern gehört, deine Leidenschaft das Lesen ist und du jeden Tag anderen Menschen von tollen Entdeckungen erzählen willst. Blogge, wenn du mit Herzblut und Leidenschaft dabei bist und Zeit in deinen Blog investieren kannst. Mach es nicht, weil du vermeintlich Bücher umsonst bekommst. Diese Motivation wird ganz schnell die Falsche sein und die Begeisterung wird schnell versiegen. Bücher sind eine Herzensangelegenheit und genau darüber berichten die zahlreichen Blogger und literaturbegeisterten Menschen jeden Tag. Und hab Zeit. Dein Blog wird langsam wachsen und langsam immer mehr Menschen begeistern. Erwarte nicht zu viel in zu kurzer Zeit.


2. Welches Buch würdest du aufgrund seiner "Botschaft" (oder seiner Besonderheit), in einem von dir selbst entworfenen Film in den Fokus setzen und warum? (Falls es ein erfundenes Buch wäre, wie würde der Titel lauten und worum würde es grob gehen?)

Kleine Anmerkung zu der Frage: Anscheinend habe ich die Frage etwas kompliziert gestellt, da alle Blogger davon ausgegangen sind, dass ich von einer Verfilmung des Buches ausgehe. Dabei sollte das Buch als "Hauptmerkmal" im Film auftauchen, welcher dem ganzen eine besondere Note verleiht. Da ich die Antworten aber dennoch gut fand und ich wollte, dass sich die Kategorie selbst erst einmal "entfaltet", habe ich nicht noch einmal nachgehakt. : )

Mara: Wie schwierig aber auch spannend diese Frage ist! Grundsätzlich sehe ich nicht gerne Filme, da sie mir selten etwas auf diese Weise vermitteln können wie ein Buch. Filme sind für mich viel öfter auf einer reinen Unterhaltungsbasis und werden von mir nicht so wirklich ernstgenommen. Ich denke aber, dass ich '28 Tage lang' von David Safier gerne verfilmt gesehen hätte. Dieses Buch hat mir so viel gegeben und setzt sich so anders mit der Geschichte der Menschheit und der Erde auseinander und gerade in der globalen politischen Lage, in der wir uns gerade befinden, sollen wir uns wirklich öfters zurückbesinnen und endlich mal daraus lernen. Die Geschichte von einzelnen starken Personen ist bei Privatschicksalen sehr packend und muss auch nicht immer 'gross' sein, aber in 28 Tage lang bewirkt ein Mensch so viel und doch so wenig, dass einfach jeder es gesehen/gelesen haben muss, um diesen Satz überhaupt zu verstehen. Es ist wirklich grossartig, drängend, ehrlich und emotionaler als alles, was ich bisher erfahren habe.

Maike: Ich bin kein großer Freund von Filmen im Allgemeinen, aber ich würde gerne "Schmale Pfade" von Alice Greenway als Film sehen. Im Buch geht es darum, wie ein alter Weltkriegs-Veteran seine Zeit im Pazifik-Kampf verarbeitet und dabei von einem alten Weggefährten dessen Tochter als Unterstützung zur Seite gestellt bekommt. Das Buch hat mir eine neue Sicht auf den zweiten Weltkrieg eröffnet, weg vom europäischen Kontinent und so deutlich gemacht, warum es ein Weltkrieg war. Auch die Auseinandersetzung mit Traumata und deren Bewältigung halte ich in der heutigen Zeit für wichtig. Kriege haben vielfältige Auswirkungen auf Menschen und unser Umgang damit muss sich immer noch weiter entwickeln.

Mareike: Ich würde mir wohl eine Verfilmung von Sarah Moss „Wo Licht ist“ wünschen. Das Buch beschreibt die Kindheit der Pionierinnen der Frauenbewegung in England. Es geht also darum, wie diese Frauen zu den Vorreiterinnen einer ganz neuen Denkweise werden konnten. Was hat sie geprägt, dass die junge Frau im Buch entgegen aller Beschränkungen und Seilschaften den Arztberuf erlernen wollte? Wie kommt man darauf, völlig neue Wege zu gehen und völlig neue Ideen zu denken? Sich mit den Wurzeln des Feminismus auseinander zu setzen und nebenbei die Anfänge der modernen Medizin zu beleuchten fände ich spannend und in der aktuellen Debatte um weibliche Selbstbestimmung sehr wichtig.

Vanessa: Oje, ein sehr schwierige Frage für mich, auf die ich auch jetzt noch keine klare Antwort finde. Ich finde ja die Romane von Antoine Laurain wundervoll und gerade, weil in diesem immer ein Gegenstand im Mittelpunkt steht und die Handlung somit vorantreibt, hat einen ganz besonderen Charme. Da ja schon "Der Hut des Präsidenten" verfilmt wurde, würde ich mich wohl an "Liebe mit zwei Unbekannten" versuchen. Zum einen deshalb, weil es in Paris spielt, zum anderen finde ich die Botschaft so schön, das man, wenn man etwas wirklich will, dieses auch erreichen kann. In diesem Fall den Besitzer der Handtasche ausfindig zu machen und sich dabei auch noch in diese unbekannte Person zu verlieben :)

Petzi: Ich bin ein kleiner Parallelleser und aktuell u.a. bei „Ich wünsch dir ein glückliches Leben: Das Leid meiner Mutter und ihr Geschenk an mich“ von Jacky Dreksler (Dumont Verlag). In diesem Buch erzählt ein Sohn (der Autor) über das Leben seiner Mutter, die im 2. Weltkrieg in Gefangenschaft in vielen Konzentrationslagern war und den Krieg nur knapp überlebt hat. Das Leid und die Tragödie die er in eindrucksvollen Worten schildert lässt den Leser nicht kalt, berührt und fesselt und hält gleichzeitig eindringlich vor Augen, dass man so etwas nicht selbst erleben möchte. Angesichts der aktuellen weltweiten Ereignisse ist das Buch noch ein Stück tragischer und deshalb würde ich dieses Buch gerne in den Fokus rücken um deutlich zu machen, was Krieg bedeutet, welches Leid er hervorruft und dass es nicht das Ziel sein kann, einen neuen Weltkrieg zu provozieren.  

Vielen lieben Dank alle, dass ihr mitgemacht und mir so tolle Antworten da gelassen habt! Ich finde es sehr spannend zu sehen wie unterschiedlich die Fragen beantwortet wurden und wie sich eine Eigendynamik entwickelt. 

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Neuerscheinungen August

Juli 25, 2016


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Thaddeus und der Februar von Shane Jones

Juli 23, 2016








(Original: "Light Boxes"/ 2010) Übersetzer/in: Chris Hirte, mit zahlreichen Illustrationen von Ria Brodell,  ★★★★☆ 4 Sterne
 
"Viele hundert Tage schon währt die kalte Herrschaft des Februars: Der Wechsel der Jahreszeiten ist außer Kraft gesetzt, finstere Priester patrouillieren, Papierdrachen dürfen nicht mehr zum Himmel aufsteigen, Kinder verschwinden im Wald. Traurigkeit legt sich über die Stadt wie der Schnee, der endlos fällt, doch die Erinnerung an warme Tage lebt weiter. Die Stadt beschließt, in den Kampf zu ziehen, den Winter zu besiegen, und Thaddeus, der Ballonfahrer, soll ihr Anführer sein. Doch dann stößt Thaddeus in einer Hütte am Waldrand auf den Februar selbst - und es ist ein Mann, der eine Geschichte schreibt: die Geschichte der Stadt."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Sie zeigten auf Löcher am Himmel und warteten. Manchmal glühten alle Ballons gleichzeitig und bildeten ein Lichterzelt über der Stadt, unter deren Dächern die Traurigkeit des Februars wuchs.“ S.10

Zuerst einmal muss ich wirklich sagen, dass ich die Umsetzung der englischen Ausgabe ins Deutsche nicht ganz nachvollziehen kann. Der gewählte Titel scheint nicht sehr interessant und ausgefallen und auch das Cover, lässt meiner Meinung nach etwas zu wünschen übrig. (Zugegeben, vielleicht war die Gestaltungskultur, was Bücher angeht, vor sechs Jahren noch eine etwas andere…)Wenn man sich das englische Original ansieht, kann man deutlich stärker erahnen, auf was man sich einlässt. Man muss der Gestaltung aber dennoch zu Gute halten, dass sich unter dem „Duskjacket“ das wiederfinden lässt, was die Geschichte ausmacht, nämlich ihre Originalität und die schöne Gestaltung mit zahlreichen Illustrationen. Die Geschichte an sich ist wirklich nichts für Leser, die eine strikte Ordnung brauchen und den gänzlichen Regeln der Normalität folgen möchten. Denn die Geschichte lebt von ihrer Absurdität und ihrer Eigenart. Zu Beginn habe ich die „Kräfte“ die dort in der Stadt herrschen und die Situation gar nicht wirklich einschätzen beziehungsweise verstehen können. Ich glaube der Trick dabei ist, sich eben völlig von allen bisher bekannten Weltanschauungen zu lösen. So dauert hier der Februar zum Beispiel beinahe ein ganzes Jahr an und löst sogar einen Krieg aus. Merkwürdige Dinge geschehen und es finden sich Menschengruppen zusammen, die sich maskieren und durch ganz merkwürdige Handlungen versuchen gegen den Februar anzukommen. Man muss wirklich sagen, dass dies ein sehr außergewöhnliches Leseerlebnis mit sich bringt. Es ist einfach ein Stück Literatur, das man zunächst nicht richtig einordnen kann. Zudem wird auch die Erzählperspektive stets gewechselt, so dass nicht nur Thaddeus zu Wort kommt, der zum Anführer gewählt wird, sondern auch alle anderen Beteiligten Personen. Das führt sicherlich etwas zu Verwirrungen (besonders auch auf den Inhalt des Gesagten), ist aber, wenn man sich wirklich auf diese ungewöhnliche Geschichte einlässt, ein tolles Experiment, wenn ich es so sagen kann. 

"´Machen Sie sich mit allem vertraut - passen Sie nur auf, dass sie nicht in den Teich fallen. Der Schlamm ist ausgesprochen glitschig.´ ´Ich habe keinen Teich gesehen...Ist er hinterm Haus?´ ´Nein. Im dritten Stock. Sie können ihn nicht verfehlen.´“ S. 83

Die Geschichte an sich ist etwas poetisch und etwas abstrus. Zusammen mit den doch recht verständlichen und sehr schön gestalteten Illustrationen, wird das Buch und die Geschichte aber, zumindest für mich, zu etwas Besonderem. Das Merkwürdige ist, dass ich selbst nach Beenden des Buches nicht genau weiß, was ich aus der Geschichte ziehen soll, aber ich weiß, dass sie mir gefallen hat und dass sie etwas ganz Spezielles ist. Die Erzählung ist sehr surreal angelegt und lässt gar nicht richtig durchblicken, was nun der Realität entspricht, welche Handlungsstränge chronologisch richtig sind (besonders am Ende) oder welche Personen eine scheinbare Doppelaufgabe erfüllen. Was mich dabei sehr in den Bann gezogen hat, ist die Tatsache, dass der Februar tatsächlich personifiziert wird, wortwörtlich. Denn er erscheint als menschliche Gestalt und teilt seine Empfindungen. Dadurch wir die Geschichte noch einmal etwas kurioser. Es wird auch ständig mit sehr erschütternden Geschehnissen gespielt, welche aber komplett losgelöst sind, von der eigentlichen physischen Möglichkeit. Menschen werden zum Beispiel wieder zum Leben erweckt oder scheinen selbst gar nicht zu wissen, um welche Erscheinungen es sich handelt, sprich ob ihnen ein Mensch oder ein Geist gegenübersteht, was ja an sich erneut zu merkwürdigen Denkmustern führt. Ich kann also durchaus sagen, dass sich das Buch, wie ein „total abgedrehter“ Film anfühlt. Anders kann ich es leider nicht mit eleganteren Worten ausdrücken. Für mich war es aber eines der wohl prägendsten Leseerlebnisse dieses Jahres.

"´Apropos´ sagte er. ´In meinem Arbeitszimmer steht ein Einweckglas mit der Aufschrift >Kaution<. Wenn Sie bis heute Abend nichts von mir hören, dann bringen Sie das Glas einfach zur Polizeiwache in der Mason Street, ja? Ich bin normalerweise in der ersten oder zweiten Zelle.`´ " S.84


Diese recht kurze und wilde Erzählung zeigt wunderbar auf, wie vielfältig man mit Worten und mit Gebilden aus Worten umgehen kann. Sehr surrealistisch und unfassbar einzigartig. Die Verknüpfung aus kurzen, langen, chronologisch verwirrenden Passagen, lässt das Buch sehr frei interpretierbar wirken, auch wenn man gar nicht weiß, ob man es interpretieren will. Es steht einfach ohne jegliche Bewertung für sich. Ich glaube es ist ein Buch und eine verkörperte Idee, die man entweder liebt oder dem eher abgelehnt gegenübersteht, da vieles nicht mit unserer alltäglichen Erkenntnis vom Weltverständnis kompatibel ist. Meiner Meinung nach ist es aber ein tolles, verwirrendes, vielseitiges Buch, das einen zwingt, es in einem Ruck durchzulesen.



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Jackaby (Jackaby #1) von William Ritter

Juli 21, 2016







(Original: "Jackaby"/ 2014) cbt, Übersetzer/in: Dagmar Schmitz,  ★★ 4 Sterne
"New Fiddleham 1892: Neu in der Stadt und auf der Suche nach einem Job trifft die junge Abigail Rook auf R. F. Jackaby, einen Detektiv für Ungeklärtes mit einem scharfen Auge für das Ungewöhnliche, einschließlich der Fähigkeit, übernatürliche Wesen zu sehen. Abigails Talent, gewöhnliche, aber dafür wichtige Details aufzuspüren, macht sie zur perfekten Assistentin für Jackaby. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag steckt Abigail mitten in einem schweren Fall: ein Serienkiller ist unterwegs. Die Polizei glaubt, es mit einem gewöhnlichen Verbrecher zu tun zu haben, aber Jackaby ist überzeugt, dass es sich um kein menschliches Wesen handelt ... "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Ich bin kein Okkultist, Miss Rook.´ Jackaby drehte sich auf dem Treppenabsatz zu mir um und schaute mich an. ´Ich bin ein Mann der Logik und der Wissenschaft. Ich glaube an das, was ich sehen oder beweisen kann. Und was ich sehen kann, ist für andere oft schwer nachvollziehbar.´
S.43

Ich mag Sherlock Holmes. Das war wohl auch der erste Grund, weshalb mich dieses Buch so angesprochen hat. Man könnte aufgrund des Klappentextes durchaus annehmen, dass es sich hier um eine Adaption des bekannten Klassikers handelt und sicherlich werden auch viele Parallelen offen gelegt. Allerdings finde ich, hat William Ritter, hier einen durchaus eigenständigen Anfang einer Reihe erschaffen, die von den vielen anderen Adaptionen von Sherlock abweichen. Gleich geblieben ist aber wohl die Erzählart beziehungsweise die Erzählperspektive. Denn auch hier werden die Erlebnisse, von dem hier auftretenden Detektiven "Jackaby", nur durch seine Assistentin Abigail Rook erzählt. Auch die Sichtweise, dass der Detektiv sehr eigensinnig und für die restlichen Bürger eher undurchschaubar dargestellt wird, erinnert an Sherlock Holmes. Was mir hier aber durchaus ganz gut gefallen hat ist, dass "Jackaby" selbst eine andere Art hat, als ich zunächst angenommen habe. Er wirkt total chaotisch, schlecht organisiert und ist umgeben von all möglichem Schnick Schnack, den er anhäuft. Er ist ein Abenteurer ohne vorerst ersichtlichen Plan. Dadurch entstehen zum Teil wirklich witzige Situationen, die mich öfters zum Schmunzeln gebracht haben und durch die ich die Figuren zum Teil wirklich lieben gelernt habe. Erstaunlich dabei fand ich auch, dass mir das Buch gar nicht wie ein typisches Jugendbuch vorkam. Die Beschreibungen sind recht präzise und keineswegs abgeflacht. Es entsteht ein harmonisches Bild zur beschriebenen Zeit und dessen Umständen.

"´Machen Sie sich mit allem vertraut - passen Sie nur auf, dass sie nicht in den Teich fallen. Der Schlamm ist ausgesprochen glitschig.´ ´Ich habe keinen Teich gesehen...Ist er hinterm Haus?´ ´Nein. Im dritten Stock. Sie können ihn nicht verfehlen.´S. 83

Der wohl einzige Anhaltspunkt, der das Buch zu einem "Jugendbuch" macht, ist die Tatsache, dass es sich hier nicht um gewöhnliche Verbrechen handelt. Die Fälle sind eher auf die "Mystery-Sparte" ausgelegt. Mich persönlich hat das zu keinem Zeitpunkt gestört. Die mythischen Figuren werden mit ihren Eigenschaften recht gut erläutert und werden auch in einen historischen Zusammenhang gesetzt. Zeitweise hat mich die Herangehensweise und die Beschreibung an die Bücher der Serie "Supernatural" erinnert. Der Handlungsstrang an sich war ebenfalls gut ausgebaut. Es gibt stets neue Entwicklungen, die zwar manchmal dazu führen, dass man gewisse Lösungen vorausahnt, aber es nimmt einem nie den Spaß am Lesen, da sich einiges doch wieder als falsch erweist. Obwohl Jackaby und seine Assistentin im Vordergrund stehen, gab es so viele andere, schöne Figuren, die in dem Buch auftauchen, dass es wirklich nie langweilig wird. Ich glaube, dass die Ente mitunter eine der unterhaltsamsten Charaktere darstellt. Ich kann es gar nicht richtig erklären, aber ich mochte einfach das Gesamtkonzept des Buches. Da es das erste Buch der Reihe ist, hoffe ich, dass ich das Potenzial nicht überschätze, aber ich denke, dass es durchaus eine sehr gelungene Reihe sein kann, die einem nicht nur in der Herbstzeit Lesevergnügen bereitet.

"´Apropos´ sagte er. ´In meinem Arbeitszimmer steht ein Einweckglas mit der Aufschrift >Kaution<. Wenn Sie bis heute Abend nichts von mir hören, dann bringen Sie das Glas einfach zur Polizeiwache in der Mason Street, ja? Ich bin normalerweise in der ersten oder zweiten Zelle.`´ " S.84


Unterhaltsame Mystery-Detektivgeschichte, die zwar an Sherlock Holmes anlehnt, sich aber dennoch in eine ganz eigene Richtung entwickelt. Durch die Komponente, dass es um übernatürliche Fälle geht, ist auch "Jackaby" selbst ein sehr spezieller Charakter, der dem Ganzen die nötige "Ausgefallenheit" verleiht. Gute und sehr ausgefallene Ideen in Bezug auf die Vergangenheit von Jackaby und seiner aktuellen Wohnsituation und ein guter Auftakt für das sympathische Duo (Jackaby und seine Assistentin Abigail Rook). Auf die weiteren Bände bin ich sehr gespannt.



 Vielen Dank an den cbt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Blog-Tag #6

Juli 19, 2016






Es ist mal wieder Zeit für einen Blog-Tag, denn die liebe Elif von "The Written Word" hat mich getagged. In diesem Tag soll es um eine "Fictional Bookish Girl Squad" gehen. Also eine Gruppe von fiktiven Mädchenfiguren, die man sich als Freundeskreis vorstellen könnte. Ich muss zugeben, ich musste recht lange überlegen, da ich deutlich mehr Bücher lese, in denen die männlichen Protagonisten eine "besondere" Rolle spielen. Nichtsdestotrotz habe ich mich mal hingesetzt und geschaut, was ich da so zusammen bekommen konnte. Hier also meine kleine "Mädchenclique".
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Unsterblich von Jens Lubbadeh

Juli 18, 2016


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Pong von Sibylle Lewitscharoff

Juli 14, 2016






(Original: "-"/ 2008) Berlin Verlga, Übersetzer/in: - Dilogie,  ★★ 4 Sterne
 1. Pong  / 2. Pong Redivivus
"Ein Urknall des Absurden hat Pong in die Welt geworfen: »Eine Stille, die allen Geschöpfen die Ohren lang macht, setzte sich wie leuchtender Rahm auf die Welt, und es begab sich der Große Ratsch. Pong war da.« Pong erkennt, analysiert und handelt konsequent und zielgerichtet. Seine »verrückte« Innenwelt wird der Maßstab aller Dinge und allen Lebens. Ein abgründiger literarischer Spaß, der mit größter Präzision und Geschicklichkeit ein Feuerwerk des Absurden errichtet. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Einem Verrückten gefällt die Welt wie sie ist, weil er in ihrer Mitte wohnt. Nicht irgendwo in irgendeiner Mitte, sondern in der gefährlich inschlüssigen Mitte-mitte, im Zwing-Ei.
S.7

Dieses Buch ist durch und durch sehr eigensinnig. Gerade wenn man denkt, dass man auch nur ansatzweise, das Wesen von Pong kennen und verstehen gelernt hat, wirft der nächste Satz wieder alles zurück auf Anfang. Wer sich also mit Erzählungen, die etwas Zeit brauchen, nicht gerne beschäftigt, dem wird das Buch vielleicht nicht ganz zusagen. Denn man muss sicherlich einige Passagen zwei Mal lesen, um überhaupt zu merken, dass manchmal gar keine ersichtliche Logik dahintersteckt. Das ist dadurch erklärbar, da der Protagonist "Pong", dessen Name ja schon recht außergewöhnlich ist, ebenfalls eher zu der "verrückten" Sorte gehört, die sich die Welt eben ganz anders vorstellen, als andere Menschen. So entstehen wirklich absurde Gedankengänge und auch ganz lustige Sichten auf die Art und Weise, wie sich "normale" Menschen manchmal verhalten, wie zum Beispiel, wenn sie von einer Wespe attackiert werden. Ich selbst, habe das Buch nun zum zweiten Mal gelesen und bin vielleicht etwas schlauer, als beim ersten Mal. Man wird einfach bei erneutem Lesen etwas für die merkwürdigen Dinge sensibilisiert und versucht nicht immer, alles erklären zu wollen, sondern folgt den absurden Vorstellungen des Protagonisten. Was mir gefallen hat, war die Tatsache, dass es nicht Pong selbst ist, der diese Geschichte erzählt. Dies wird von einem Erzähler übernommen, der aber, je nach Betrachtung der Geschehnisse, anscheinend auch nicht ganz die Ansichten vertritt, die man als "normaler" Mensch so hat. So werden die wirklich merkwürdigen Gedanken, als recht plausibel dargelegt und das Trinken einer ganzen Coca Cola Flasche in einem Zug, als das verrückte abgetan. So fällt es dem Leser dadurch aber erstaunlich leicht, die sehr eigene Welt von Pong, bis zum Ende, mit genau diesen Augen zu sehen, dass die eigenen Gedanken und die Auslegung der Welt des Protagonisten ganz und gar nicht absurd zu sein scheinen.

"14 77 91 10 WW - Wer kann das entziffern? Niemand außer Pong. Er allein hat den Fehler in seiner Substanz gewogen und katagolisiert, und zwar den Fehler: Lippenstift am Zahn einer Gabi im Monat März des Jahres 1991, ww steht für den Grad des Widerwillens, den Pong beim Anblick des Fehlers damals spontan empfand.S. 54

Die Erzählung an sich beschreibt eigentlich den normalen Alltag von Pong, der sich aber immer weiter zuspitzt und ihn zu immer wirrender wirkenden Gedanken hinreißen lässt. Die Erzählweise hat mich anfangs etwas irritiert, mit der Zeit aber merkt man, dass es kaum eine bessere Möglichkeit gibt, dies gelungen darzustellen. Durch die gewählte Ausdrucksweise stempelt man die Figur nicht einfach als "verrückt" ab, sondern interessiert sich tatsächlich für die Ansichten, die er vertritt und die damit verbundenen Handlungen. Dass man vor allem am Ende aber kaum noch den Wahrheitsgehalt beziehungsweise die eigentliche "reale" Wahrnehmung herausfiltern kann, ist ebenfalls ganz geschickt gemacht. Wenn man sich also die Zeit nimmt und den Text nicht einfach nur überfliegt, dann hat man durchaus sehr amüsante Lesestunden vor sich. Ich denke, man sollte aber nicht den Fehler machen und annehmen, dass das Buch aufgrund seiner Kürze, auch schnell gelesen und verstanden ist. Auch wenn das Buch impliziert, dass Pong einem anderen Sinn folgt, als vielleicht der normale Leser, gibt es tatsächlich eine abschließende Handlung und ein doch recht zugespitztes Ende, welches für Pong nicht gerade ungefährlich endet.

"Und nur, weil er es nicht verstand, durfte er ihr Getuschel  nicht gleich für Dummes Zeug nehmen." S.129

Eine Erzählung, die so speziell ist, wie ihr Protagonist. Sicherlich für Leser, die sich gerne Zeit beim Lesen nehmen und die Interesse an sehr skurrilen Innenwelten haben. Es sind tatsächlich Einblicke in Gedankengänge, die nicht "normal" scheinen und die immer mal wieder etwas Verwirrung stiften. Dennoch kann man sehr gut erkennen, wie die Figur des Pong aufgebaut ist und welche Ziele er im Nachhinein mit seinem Handeln verfolgt. An vielen Stellen sehr unterhaltsam und zudem sehr charakteristisch in der Erzählweise.



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Das Mädchen aus Stockholm von Hanne-Vibeke Holst

Juli 13, 2016

(Original: "Undskyldningen"/ 2011) Piper, Übersetzer/in: Hanne Hammer,  ★★ 4 Sterne
"Dänemark, 1940: In einer Zeit, in der sich das Unheil über Europa zusammenbraut, stehen die Zwillingsbrüder Leif und Leo eng beisammen. Im Pfarrhaus ihrer Eltern durchleben sie hautnah den Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Doch nach der Befreiung – sie sind gerade erwachsen geworden – wird ihre Geschwisterliebe auf den Prüfstand gestellt. Denn bei einem Ausflug nach Schweden begegnen sie einem Mädchen, das sie beide fasziniert. Nur eine Lüge kann die Situation retten – eine Lüge, die erst Jahrzehnte später ans Licht kommen wird. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Ohne Reue und Vergebung blieb nur noch die Verrohung, und die taugte nicht, um eine neue Zukunft darauf aufzubauen.
S.151

Sicherlich gehört "Das Mädchen aus Stockholm" zu den Geschichten, die ich mir am Anfang ganz anders vorgestellt habe. Der Klappentext hat für mich den Eindruck gemacht, dass es eine sehr ruhige und konstante Erzählung geben wird, mit relativ wenigen Ausbrüchen, trotz der angedeuteten Lüge, die eine wichtige Rolle spielt. Meiner Meinung nach war das Buch aber durchaus rasant und zwar in beiden Handlungssträngen.. Denn es wird nicht nur das Jahr 1940 erwähnt, in dem sozusagen alles beginnt, sondern auch das Jahr 2011. Mit letzterem beginnt auch die Geschichte. Zuerst scheint einem der Zusammenhang natürlich etwas abstrakt, da die Protagonistin keine Schwedin, sondern Dänin ist und sich in Deutschland aufhält. Es dauert auch tatsächlich etwas länger, bis man sich zu der Stelle mit "dem schwedischen Mädchen" durchgelesen hat, aber das hat mich im Nachhinein nicht "gestört", denn die Erzählung lebt davon, dass sich alles nach und nach aufbaut. So umfasst die Geschichte letztendlich vier gesamte Generationen, von denen die Lebensgeschichte skizziert wird. Obwohl dies bedeutet, dass es viele Informationen zu den Protagonisten gibt (und das sind wirklich einige), kommt man ganz gut mit der Charakterisierung zurecht. Soll heißen, dass man nicht durcheinander kommt und sich neue Figuren tatsächlich erst durch die davor erwähnten Figuren entwickeln und so eine "gerade Linie" bilden. Mein einziger Kritikpunkt war am Ende aber doch irgendwie die Ausdehnung mancher Passagen, die sich für mich etwas in die Länge gezogen haben. Die Verbindung zwischen 1940 und 2011 fand ich überraschenderweise ganz gut gelungen, da sich dadurch eine gewisse Spannung aufbaut, die man in anderen Familienchronik-Romanen vielleicht nicht unbedingt hat. Aber auch hier habe ich mich am Ende gefragt, ob es nicht etwas zu abgeschweift ist.

"Wie schön musste es sein, einen Zwilling zu haben, so entging man vermutlich der Einsamkeit. Wenn immer einer da war, der einen verstand, der eine Verlängerung des eigenen Ichs war.S. 94

Die eigentliche Geschichte hat eigentlich keine festen Hauptcharaktere, denn dazu gehören für mich, tatsächlich, alle Generationen, die aufeinander aufbauen. So wird vor allem die Problematik des Verständnisses gegenüber den eigenen Eltern und auch Kindern thematisiert und welche Auswirkungen gewisse Verhaltensweisen auf die nachfolgenden Generationen haben. Es geht um die Möglichkeiten, Veränderungen umzusetzen und darum, was Unaufrichtigkeit anstellen kann. All diese Themen werden mit einer sehr schönen Präzision und Verknüpfung dargestellt. Ich mochte den Schreibstil, der zwar nicht außergewöhnlich, aber passend ist und mir gefiel die eigentliche Darstellung der Personen. Es gibt keine Helden im herkömmlichen Sinn. Alle Figuren, werden und offenbaren ihre Schwächen und ihre Fehler, die sie begangen haben. Dadurch wird die gesamte Geschichte sehr authentisch und zeigt den Gedanken auf, dass "niemand perfekt ist". Die Fokussierung auf die beiden Zwillinge Leif und Leo, im mittleren Teil des Buches, fand ich ebenfalls gut gewählt. So stehen nicht nur die Beziehungen zwischen den Eltern und den Kindern im Vordergrund, sondern eben auch die, der Geschwister. Auch hier zeigen sich Stärken und Schwächen auf, die der Geschichte den nötigen Tiefgang und ganz rührende Passagen hervorheben. Abgesehen von den familiären Schicksalen, werden auch die zeitlichen Probleme in der Gesellschaft aufgezeigt. So ist in den Vergangenheitssequenzen die Rede von der deutschen Besetzung in Dänemark und 2011 wird auf die Terrorgefahr Bezug genommen. Obwohl dies wichtige Bestandteile sind, lag für mich das Hauptmerkmal dennoch auf der Auslegung der Familiengeschichte. Das Ende war für mich etwas vorhersehbar, hat aber nicht meine Lust am weiterlesen gehindert.

"´ Es ist zu spät, Leo. Außerdem ist es Zeit, erwachsen zu werden. Nicht wahr?´" S.228


Packende Familiengeschichte, die sich über vier Generationen streckt, aber nicht langweilig wird. Schön und dezent erzählt mit gewissen Überraschungspassagen. Schöne Verknüpfung und Auslegung verschiedener Lebenswege. Wird nach und nach immer emotionaler, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass man mit jeder Figur gleich sympathisiert, da jede Figur seine Stärken und Schwächen aufzeigt. Überraschend anders als gedacht, aber überraschend gut. Für alle, die sich gerne mit längeren Familiengeschichten beschäftigen und deren Geheimnisse ergründen wollen.



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Neuzugänge Juli #1

Juli 11, 2016








Überraschenderweise haben sich wieder einige Bücher bei mir eingefunden, die ich mir alle ziemlich spontan gekauft habe. Dazu kam es, als es einen Räumungsverkauf gab und stapelweise Bücher für knapp einen Euro pro Exemplar angeboten wurden. Normalerweise werden Bücher ja kaum Orginalverpackt für so einen niedrigen Preis verkauft, es könnte also daran liegen, dass die Bücher einfach "weg sollten", da die meisten glaube ich tatsächlich aus dem Jahr 2000 sind. Mir muss man so etwas nicht zwei Mal sagen, denn selbst sechzehn Jahre alte Bücher sind für mich ziemlich attraktiv. Ein anderes Buch habe ich mir spontan online gekauft, aber dazu gleich mehr.

Superhund und der Vollmond von Rapharty, Knesbeck Verlag
Kinderbücher kann ich mir ab und zu eben auch nicht verkneifen. Hier haben mich einfach die Zeichnungen angesprochen und für einen Euro musste das Buch einfach kurzerhand mit. 

Ein hoher Preis von Nick McDonell, Berlin Verlag
Aufmerksam wurde ich auf das Buch, bei der großen Auswahl, zuerst durch das knallrote Cover. Aber auch der Klappentext scheint das Buch vielversprechend wirken zu lassen. Es geht um Machtverhältnisse, Intrigen und Verrat. Manchmal brauche ich einfach etwas ernstere Geschichten und ich glaube hiermit liege ich da ganz richtig

Thaddeus und der Februar von Shane Jones, Eichborn Verlag
Zugegeben, das Cover und der Titel haben mich zunächst gar nicht angesprochen. Allein dank meiner Schwester ist das Buch bei mir eingezogen und ich glaube ich kann mich ganz glücklich schätzen, dass ich auf die gehört habe. Beim durchblättern haben sich zauberhafte Illustrationen gezeigt und die Gestaltung unter dem Buchdeckel ist auch wunderschön! Auch die Geschichte könnte ganz meinem Fall entsprechen. Ich bin gespannt!

Pigeon Englisch von Stephen Kelman, Berlin Verlag
Auch spontan mitgenommen, da es sich nach einem sehr eigenen Protagonisten anhört. Und ich liebe außergewöhnliche Figuren. Hoffentlich kann es mich dann am Ende auch überzeugen.

Der verschwundene Journalist von Eva Züchner, Berlin Verlag
Auch ein ernstes Thema, aber immer wieder hoch interessant. Es gibt natürlich viele Bücher über den zweiten Weltkrieg, aber jedes ist eben auf seine Art ganz besonders und anders. 

Slade House von David Mitchell, Sceptre Verlag / Englisch
Das Buch habe ich am Bahnhof entdeckt, als der Zug mal wieder Verspätung hatte. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen und hat mich sogar etwas an Neil Gaiman erinnert. Da mir "Die Knochenuhren" so gut gefallen hat, konnte ich nicht wiederstehen und habe mir David Mitchells neues Buch gekauft. Ich habe bisher leider nirgends gesehen, ob es auch auf deutsch erscheinen wird. 

Kennt ihr eines der Bücher? Schlagt ihr euch gerne bei solchen Angeboten zu oder lest ihr lieber aktuelle Bücher?



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Aesop´s illustrated fables von Aesop

Juli 08, 2016



(Original: "-"/ 2013) Barnes & Noblel, mit zahlreichen Illustrationen von Walter Crane, Ernest Griset und Arthur Rackham Übersetzer/in: -, Englische Ausgabe,  ★★★★★ 5 Sterne
Dieser Band vereint über vierhundert bekannte Fabeln, die mit zahlreichen und liebevollen Illustrationen ergänzt wurden. Unter den Fabeln finden sich auch folgende Titel: "The Boy Who Cried Wolf," "The Tortoise and the Hare," "The City Mouse and the Country Mouse," "The Dog in the Manger," and "The Fox and the Grapes."
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Fabeln sind nichts Neues. Im Gegenteil, es gibt sie länger, als man vielleicht ahnen würde. Die wohl bekanntesten und auch zeitlich ersten Fabeln werden dem griechischen Dichter Aesop (oder auch Äsop) zugeschrieben, welcher um das 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Daher wäre es wohl keine große Hilfe, wenn ich mich in dieser Rezension oder besser gesagt, dieser Buchvorstellung präzise auf den Inhalt stürzen würde. Denn allen sind wohl, die bekanntesten Fabeln inklusive der darin enthaltenden Moral, bereits das ein oder andere Mal in die Finger geraten. Daher würde ich mich gerne, hauptsächlich,  etwas näher mit der Gestaltung des Buches befassen. Obwohl ich das Buch schon etwas länger besitze, habe ich noch keine Rezension dazu verfasst. Nachdem ich aber "Der Hund, der zu träumen wagte" gelesen habe, blühte die Begeisterung für Fabeln bei mir erneut auf.

Da die Fabeln meist sehr kurz sind, gibt es also ein prall gefülltes Inhaltsverzeichnis, durch welches man schnell die gewünschte Fabel wiederfinden kann. Auffallend hier, sind natürlich die ins Auge springenden Illustrationen, die sich wirklich durch das ganze Buch hindurchziehen. Es ist bunt, aber nicht kitschig. Der Buchschnitt wird durch einen goldenen Akzent in Szene gesetzt und durch die ebenfalls goldenen Details auf dem Cover harmonisch in Verknüpfung gebracht. Jede Fabel ist sichtlich von der anderen getrennt und bietet so genug Spielraum für das eigene Tempo, mit dem man die Fabeln lesen möchte. Die Fabeln sind natürlich recht modern übersetzt und sind zudem noch zusätzlich durch einen "Moralsatz" ergänzt worden. So sind die Fabeln an sich zwar schon leicht verständlich, die Moral wird aber noch einmal separat unter jede Geschichte gestellt. Ich persönlich finde diese Idee ganz schön und gibt dem Ganzen einen runden Abschluss. Es gibt ein stabiles, eingenähtes Lesebändchen, welches dem Buch noch einen "wertvolleren" Eindruck verleiht. Einige Illustrationen, die die Fabeln schmücken sind eher klein gehalten, andere hingegen zieren eine ganze Seite. Bei jedem Abschnitt verweilt man aber immer gerne einige Zeit, weil das Buch und die Gestaltung einfach dazu einladen.


Für alle Leser, die sich für Fabeln (in englischer Sprache) interessieren und die eine Schwäche für schöne Buchgestaltungen haben! Durch die zahlreichen Illustrationen und das ebenfalls schöne Äußere, ist das Buch ein Hingucker und ist sicherlich auch etwas für Sammler. Schöne Idee, dass die Fabeln noch einmal mit einem expliziten "Moralsatz" versehen sind.




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Der Hund, der zu träumen wagte von Sun-Mi Hwang

Juli 06, 2016







(Original: "Pureun Gae Jangbal"/ 2012) Kein & Aber, Übersetzer/in: Simone Jakob,  ★★(☆) 4,5 Sterne
"Hündin Zotti muss sich seit ihrer Geburt als Außenseiterin in der Welt beweisen, verliert dabei jedoch nie den Mut und die Hoffnung, ihren Träumen nachzugehen. Sun-Mi Hwangs erstmals auf Deutsch erhältlicher Klassiker ist eine Fabel über Liebe und Verlust, über Vertrauen und Enttäuschung und darüber, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier kleiner ist, als man meint. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"
Großvater streichelte ihr den Rücken. ´Was bist du nur für ein seltsamer Hund?´ murmelte er. ´Wohin wird es dich wohl eines Tages verschlagen?´ Sie starrte kurz, flüchtete aber nicht.S.19

Ich bin nah am Wasser gebaut, das gebe ich zu. Aber, dass mich diese kleine Geschichte zum Ende hin, doch so aus der Fassung gebracht hat, damit habe ich wirklich nicht gerechnet, denn sie beginnt eigentlich ganz schlicht und unspektakulär. Man wird als Leser mit zwei Familien bekannt gemacht. Zum einen, eine kleine Hundefamilie und zum anderen, eine Menschenfamilie, die sich auf dem Bauernhof,  so durchs Leben schlägt. Ich persönlich wusste zunächst gar nicht mit wem ich mehr sympathisieren sollte. Natürlich findet man eigentlich die Tiere immer viel gutmütiger als den Menschen, aber nach und nach schleichen sich immer wechselnde Gefühle mit ein. Ich glaube, damit zeigt Sun-Mi Hwang ganz gut auf, dass es gar nicht so einfach ist, jemanden für sein Verhalten sofort zu verurteilen und dass man Lebewesen gar nicht wirklich kategorisieren kann, da sie alle ein eigenes Leben haben, welches ihnen viel bedeutet. Dieser Gedanke wird eigentlich sehr schlicht erzählt, wird aber zunehmend immer gefühlvoller. Ich kann nicht wirlich sagen, dass das Buch "fröhlich" ist, denn es trägt tatsächlich eher eine melancholische Stimmung. Dennoch zählt es doch zu einer meiner liebsten, kurzen Erzählungen, da es doch sehr Besonders ist. Durch diese Steigerung und Zuspitzung der Situationen und durch die sehr durchdacht wechselnde Perspektive, kann man sich einem gewissen Gefühlsausbruch gar nicht entziehen (zumindest war dies bei mir der Fall). Die Geschichte zeigt vor allem die Herausforderungen und die stetigen Kämpfe im Leben auf.

"´Die Jungen werden erwachsen und die Alten müde. Nur, wer den Winter durchlebt hat, weiß, was er verbirgt. Der Winter hat viele Geheimnisse.´ sagte die Katze oben auf der Mauer.S. 43

Die Geschichte zeigt vor allem die Herausforderungen und die stetigen Kämpfe im Leben auf, die jeder in Kauf nehmen muss. Auch hier werden beide Seiten beleuchtet. Die der Menschen und die der Hunde. Gleichzeitig werden aber auch andere Nebenfiguren eingeführt, die etwas als Wegweiser dienen. Ich persönlich mochte die Figur der Katze sehr gerne. Anfänglich ist sie für einen vielleicht eher ein Dorn im Auge, letzten Endes verkörpert sie für mich aber eine dritte Instanz, welche hilft, gewisse Ausmaße besser zu verstehen (besonders in Hinsicht auf das Denken der Hunde). Es gibt natürlich genügend Erzählungen, die versuchen ein tierisches Leben näher zu beleuchten und es so menschlicher wirken zu lassen, bei dieser Erzählung allerdings hat mir gefallen, dass diese Grenze absichtlich verschwimmt. Es gibt keine Andeutung, dass sich die Tiere eher wie Menschen verhalten oder umgekehrt. Es geht hauptsächlich um die Gefühle, die beide haben und ihren Willen, das Leben das sie führen, ungestört leben zu können. Natürlich verfällt der Mensch automatisch ein wenig in die Lage, dass er alles in seine Welt überträgt, allerdings glaube ich, dass man bei dieser Geschichte durchaus wahrnimmt, dass es eben darum geht, aufzuzeigen, dass ein Lebewesen unabhängig davon, welcher "Art" er angehört, dieselben Ziele oder Wünsche hat. Im Fokus dessen steht immer der Aspekt der Familie und des Zusammenhalts.

"´Hör auf zu träumen´, rief die Katze. ´Warum in die Ferne schweifen? Es gibt keinen besseren Ort als zu Hause.´" S.91


Einfach eine ganz süße, wenn auch meiner Meinung nach etwas traurige Geschichte, die dem Leser aber ein Gefühl von Verständnis vermittelt. Skizziert das Leben in ihren vielen Facetten, in dem sie die Kämpfe des Menschen und des Tieres darstellt, um letzten Endes aufzuzeigen, dass jedes Lebewesen sein Päckchen trägt. Eine Erzählung, die mich trotz ihres recht simplen Schreibstils an die Grenzen meiner Tränenzurückhaltung gebracht hat.



Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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