Der Hund, der zu träumen wagte von Sun-Mi Hwang

Juli 06, 2016







(Original: "Pureun Gae Jangbal"/ 2012) Übersetzer/in: Simone Jakob, 176 Seiten,  BroschurEinzelband,  ★★(☆) 4 bis 5 Sterne
"Hündin Zotti muss sich seit ihrer Geburt als Außenseiterin in der Welt beweisen, verliert dabei jedoch nie den Mut und die Hoffnung, ihren Träumen nachzugehen. Sun-Mi Hwangs erstmals auf Deutsch erhältlicher Klassiker ist eine Fabel über Liebe und Verlust, über Vertrauen und Enttäuschung und darüber, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier kleiner ist, als man meint. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

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Großvater streichelte ihr den Rücken. ´Was bist du nur für ein seltsamer Hund?´ murmelte er. ´Wohin wird es dich wohl eines Tages verschlagen?´ Sie starrte kurz, flüchtete aber nicht.S.19

Ich bin nah am Wasser gebaut, das gebe ich zu. Aber, dass mich diese kleine Geschichte zum Ende hin, doch so aus der Fassung gebracht hat, damit habe ich wirklich nicht gerechnet, denn sie beginnt eigentlich ganz schlicht und unspektakulär. Man wird als Leser mit zwei Familien bekannt gemacht. Zum einen, eine kleine Hundefamilie und zum anderen, eine Menschenfamilie, die sich auf dem Bauernhof,  so durchs Leben schlägt. Ich persönlich wusste zunächst gar nicht mit wem ich mehr sympathisieren sollte. Natürlich findet man eigentlich die Tiere immer viel gutmütiger als den Menschen, aber nach und nach schleichen sich immer wechselnde Gefühle mit ein. Ich glaube, damit zeigt Sun-Mi Hwang ganz gut auf, dass es gar nicht so einfach ist, jemanden für sein Verhalten sofort zu verurteilen und dass man Lebewesen gar nicht wirklich kategorisieren kann, da sie alle ein eigenes Leben haben, welches ihnen viel bedeutet. Dieser Gedanke wird eigentlich sehr schlicht erzählt, wird aber zunehmend immer gefühlvoller. Ich kann nicht wirlich sagen, dass das Buch "fröhlich" ist, denn es trägt tatsächlich eher eine melancholische Stimmung. Dennoch zählt es doch zu einer meiner liebsten, kurzen Erzählungen, da es doch sehr Besonders ist. Durch diese Steigerung und Zuspitzung der Situationen und durch die sehr durchdacht wechselnde Perspektive, kann man sich einem gewissen Gefühlsausbruch gar nicht entziehen (zumindest war dies bei mir der Fall). Die Geschichte zeigt vor allem die Herausforderungen und die stetigen Kämpfe im Leben auf.

"´Die Jungen werden erwachsen und die Alten müde. Nur, wer den Winter durchlebt hat, weiß, was er verbirgt. Der Winter hat viele Geheimnisse.´ sagte die Katze oben auf der Mauer.S. 43

Die Geschichte zeigt vor allem die Herausforderungen und die stetigen Kämpfe im Leben auf, die jeder in Kauf nehmen muss. Auch hier werden beide Seiten beleuchtet. Die der Menschen und die der Hunde. Gleichzeitig werden aber auch andere Nebenfiguren eingeführt, die etwas als Wegweiser dienen. Ich persönlich mochte die Figur der Katze sehr gerne. Anfänglich ist sie für einen vielleicht eher ein Dorn im Auge, letzten Endes verkörpert sie für mich aber eine dritte Instanz, welche hilft, gewisse Ausmaße besser zu verstehen (besonders in Hinsicht auf das Denken der Hunde). Es gibt natürlich genügend Erzählungen, die versuchen ein tierisches Leben näher zu beleuchten und es so menschlicher wirken zu lassen, bei dieser Erzählung allerdings hat mir gefallen, dass diese Grenze absichtlich verschwimmt. Es gibt keine Andeutung, dass sich die Tiere eher wie Menschen verhalten oder umgekehrt. Es geht hauptsächlich um die Gefühle, die beide haben und ihren Willen, das Leben das sie führen, ungestört leben zu können. Natürlich verfällt der Mensch automatisch ein wenig in die Lage, dass er alles in seine Welt überträgt, allerdings glaube ich, dass man bei dieser Geschichte durchaus wahrnimmt, dass es eben darum geht, aufzuzeigen, dass ein Lebewesen unabhängig davon, welcher "Art" er angehört, dieselben Ziele oder Wünsche hat. Im Fokus dessen steht immer der Aspekt der Familie und des Zusammenhalts.

"´Hör auf zu träumen´, rief die Katze. ´Warum in die Ferne schweifen? Es gibt keinen besseren Ort als zu Hause.´" S.91


Einfach eine ganz süße, wenn auch meiner Meinung nach etwas traurige Geschichte, die dem Leser aber ein Gefühl von Verständnis vermittelt. Skizziert das Leben in ihren vielen Facetten, in dem sie die Kämpfe des Menschen und des Tieres darstellt, um letzten Endes aufzuzeigen, dass jedes Lebewesen sein Päckchen trägt. Eine Erzählung, die mich trotz ihres recht simplen Schreibstils an die Grenzen meiner Tränenzurückhaltung gebracht hat.



Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


1 Kommentar:

  1. wunderschöne Bilder!

    hast du Lust auf gegenseitiges Folgen via GFC? du hast einen sehr schönen Blog! Lass es mich wissen.

    Liebe Grüße!
    Imran
    www.fashionloverimran.blogspot.de

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