Pong von Sibylle Lewitscharoff

Juli 14, 2016






(Original: "-"/ 2008) Übersetzer/in: -, 144 Seiten, TaschenbuchDilogie,  ★★ 4 Sterne
 1. Pong  / 2. Pong Redivivus
"Ein Urknall des Absurden hat Pong in die Welt geworfen: »Eine Stille, die allen Geschöpfen die Ohren lang macht, setzte sich wie leuchtender Rahm auf die Welt, und es begab sich der Große Ratsch. Pong war da.« Pong erkennt, analysiert und handelt konsequent und zielgerichtet. Seine »verrückte« Innenwelt wird der Maßstab aller Dinge und allen Lebens. Ein abgründiger literarischer Spaß, der mit größter Präzision und Geschicklichkeit ein Feuerwerk des Absurden errichtet. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Einem Verrückten gefällt die Welt wie sie ist, weil er in ihrer Mitte wohnt. Nicht irgendwo in irgendeiner Mitte, sondern in der gefährlich inschlüssigen Mitte-mitte, im Zwing-Ei.
S.7

Dieses Buch ist durch und durch sehr eigensinnig. Gerade wenn man denkt, dass man auch nur ansatzweise, das Wesen von Pong kennen und verstehen gelernt hat, wirft der nächste Satz wieder alles zurück auf Anfang. Wer sich also mit Erzählungen, die etwas Zeit brauchen, nicht gerne beschäftigt, dem wird das Buch vielleicht nicht ganz zusagen. Denn man muss sicherlich einige Passagen zwei Mal lesen, um überhaupt zu merken, dass manchmal gar keine ersichtliche Logik dahintersteckt. Das ist dadurch erklärbar, da der Protagonist "Pong", dessen Name ja schon recht außergewöhnlich ist, ebenfalls eher zu der "verrückten" Sorte gehört, die sich die Welt eben ganz anders vorstellen, als andere Menschen. So entstehen wirklich absurde Gedankengänge und auch ganz lustige Sichten auf die Art und Weise, wie sich "normale" Menschen manchmal verhalten, wie zum Beispiel, wenn sie von einer Wespe attackiert werden. Ich selbst, habe das Buch nun zum zweiten Mal gelesen und bin vielleicht etwas schlauer, als beim ersten Mal. Man wird einfach bei erneutem Lesen etwas für die merkwürdigen Dinge sensibilisiert und versucht nicht immer, alles erklären zu wollen, sondern folgt den absurden Vorstellungen des Protagonisten. Was mir gefallen hat, war die Tatsache, dass es nicht Pong selbst ist, der diese Geschichte erzählt. Dies wird von einem Erzähler übernommen, der aber, je nach Betrachtung der Geschehnisse, anscheinend auch nicht ganz die Ansichten vertritt, die man als "normaler" Mensch so hat. So werden die wirklich merkwürdigen Gedanken, als recht plausibel dargelegt und das Trinken einer ganzen Coca Cola Flasche in einem Zug, als das verrückte abgetan. So fällt es dem Leser dadurch aber erstaunlich leicht, die sehr eigene Welt von Pong, bis zum Ende, mit genau diesen Augen zu sehen, dass die eigenen Gedanken und die Auslegung der Welt des Protagonisten ganz und gar nicht absurd zu sein scheinen.

"14 77 91 10 WW - Wer kann das entziffern? Niemand außer Pong. Er allein hat den Fehler in seiner Substanz gewogen und katagolisiert, und zwar den Fehler: Lippenstift am Zahn einer Gabi im Monat März des Jahres 1991, ww steht für den Grad des Widerwillens, den Pong beim Anblick des Fehlers damals spontan empfand.S. 54

Die Erzählung an sich beschreibt eigentlich den normalen Alltag von Pong, der sich aber immer weiter zuspitzt und ihn zu immer wirrender wirkenden Gedanken hinreißen lässt. Die Erzählweise hat mich anfangs etwas irritiert, mit der Zeit aber merkt man, dass es kaum eine bessere Möglichkeit gibt, dies gelungen darzustellen. Durch die gewählte Ausdrucksweise stempelt man die Figur nicht einfach als "verrückt" ab, sondern interessiert sich tatsächlich für die Ansichten, die er vertritt und die damit verbundenen Handlungen. Dass man vor allem am Ende aber kaum noch den Wahrheitsgehalt beziehungsweise die eigentliche "reale" Wahrnehmung herausfiltern kann, ist ebenfalls ganz geschickt gemacht. Wenn man sich also die Zeit nimmt und den Text nicht einfach nur überfliegt, dann hat man durchaus sehr amüsante Lesestunden vor sich. Ich denke, man sollte aber nicht den Fehler machen und annehmen, dass das Buch aufgrund seiner Kürze, auch schnell gelesen und verstanden ist. Auch wenn das Buch impliziert, dass Pong einem anderen Sinn folgt, als vielleicht der normale Leser, gibt es tatsächlich eine abschließende Handlung und ein doch recht zugespitztes Ende, welches für Pong nicht gerade ungefährlich endet.

"Und nur, weil er es nicht verstand, durfte er ihr Getuschel  nicht gleich für Dummes Zeug nehmen." S.129
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Eine Erzählung, die so speziell ist, wie ihr Protagonist. Sicherlich für Leser, die sich gerne Zeit beim Lesen nehmen und die Interesse an sehr skurrilen Innenwelten haben. Es sind tatsächlich Einblicke in Gedankengänge, die nicht "normal" scheinen und die immer mal wieder etwas Verwirrung stiften. Dennoch kann man sehr gut erkennen, wie die Figur des Pong aufgebaut ist und welche Ziele er im Nachhinein mit seinem Handeln verfolgt. An vielen Stellen sehr unterhaltsam und zudem sehr charakteristisch in der Erzählweise.



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