Neuerscheinungen September

August 31, 2016


Der September steht vor der Tür und mit ihm unfassbar viele, interessante Neuerscheinungen. Ganze neunundzwanzig Bücher haben es auf meinen Merkzettel geschafft, die sich in Genre und Thematik unterscheiden. Ein lesearmer Monat kann es demnach eigentlich nicht werden. Hier ein Überblick über die Bücher, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben: durch das Anklicken des Titels gelangt ihr zur Infoseite des Verlags.

Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken von Honoré De Balzac, Manesse, gebunden, 26. September
Wie der Untertitel "Die schrägen Typen der Journaillle" bereits aussagt, geht es um Journalisten. Da kann ich einfach nicht nein sagen.

Die S.E.A. Expedition von Nikolaus Hansen und Tina Uebel, Malik Verlag, gebunden, 01. September
Was soll ich sagen; die Antarktis zieht mich magisch an und damit auch alle Bücher, die damit in irgendeiner Weise zu tun haben. Daher musste dieses Buch auf den Merkzettel

Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen von Emma Braslavsky, Suhrkamp, gebunden, 11. September
Der Titel hat sofort meine Aufmerksamkeit erlangt. Auf der offiziellen Seite gab es dann noch einen sehr interessanten "Stammbaum", der mich endgültig für das Buch begeistern konnte. Landete also ebenfalls sehr schnell auf dem Merkzettel.

Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald, Manesse, gebunden, 26. September
Fitzgerald. Mehr muss man mir nicht sagen, dann bin ich schon Feuer und Flamme.

Die Stunde des Schmetterlings von Pieter Webeling, Blessing, gebunden,  26. September
Klingt nach einem etwas ernsteren Buch, aber das Thema hat mich ebenfalls sehr interessiert. Für mich hört sich die Erzählung nach viel Potenzial an, daher bin ich gespannt darauf.

Das Leben und Sterben der Flugzeuge von Heinrich Steinfest, Piper, gebunden, 01. September
Da mich schon "Der Allesforscher" begeistern konnte, hoffe ich, dass sein Neues Werk ebenso kurios ist. Laut Inhaltsangabe kann man aber definitiv damit rechnen, dass es eine sehr eigen- und einzigartige Geschichte sein wird.

Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild, DVA, gebunden, 12. September
Ein Gemälde, welches alles durcheinander bringt? Hört sich nach einer Geschichte mit dem nötigen Schwung und einigen Geheimnissen an. Bleibt also vorgemerkt.

Less is more von Francine Jay, Mosaik, Broschur, 19. September
Unnötigen Ballast entfernen, das braucht doch wirklich jeder mal ab und zu. Ich finde das Thema sehr interessant und bin gespannt, was man daraus alles wirklich anwenden kann.

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse, Heyne, Taschenbuch, 12. September
Keine Neuerscheinung in dem Sinne, aber nun gibt es das Buch auch als Taschenbuch

Gold Ruhm Zitrus von Claire Vaye Watkins, Ullstein, gebunden, 22. September 
Der Roman wird mit den Worten: "Ein kluger Roman über die Folgen von Gier und Ausbeutung der Natur und das Urmenschliche im Angesicht der Katastrophe." angepriesen. Grund genug, mich auch voller Vorfreude dafür zu interessieren.

Red Rising #3 Tag der Entscheidung von Pierce Brown, Heyne, Taschenbuch, 12. September 
Der finale Band der Trilogie. Da ich die beiden Vorgänger gelesen habe und sie mochte, bin ich ganz gespannt, wie der Showdown aussehen wird.

Die Seideninsel von Kelli Estes, Goldmann, Taschenbuch, 19. September
Klingt nach einem ganz schönen Familienroman. Habe ich gefühlt lange nicht mehr so wirklich gelesen. Daher bin ich auch hierauf neugierig.

Loney von Andrew Michael Hurley, Ullstein, gebunden, 09. September
Düster soll es sein, aber auch gewaltig. Der Roman scheint in aller Munde zu sein. Ich bin schon ganz gespannt auf die Handlung und die Atmosphäre des Buches!

Eine letzte Liebschaft - Short Stories von Richard Yates, DVA, gebunden , 26. September
Short Stories sind immer mal wieder schön für Zwischendurch und enthalten meist auch sehr ausdrucksstarke Botschaften. Daher musste dieses schöne Buch auch auf den Merkzettel.

Sternstunde von Lotta Lundberg, Hoffmann und Campe, gebunden, 17. September
Hört sich etwas nach "Zirkus-flair" an, könnte aber durchaus noch viel mehr beinhalten. Für mich klingt das nach einer vielversprechenden Geschichte, auf die ich mich schon freue!

Die letzten vier Tage des Paddy Buckley von Jeremy Massey, carl´s books, Broschur, 19. September
Verrückte Einfälle und ein nie zu ende gehender Unglücksablauf. Sicherlich für unterhaltsame Lesestunden. Bleibt definitiv vorgemerkt.

Das Leben ist zu bunt für graue Tage von Sophie Bassignac, Atlantik, gebunden, 17. September
Auch wenn die Stimmung eher zu einer Weihnachtsgeschichte zu passen scheint, man kann sich ja schon einmal auf die Zeit vorbereiten. Und da sich die Geschichte wirklich süß anhört, kam sie auf die Merkliste.

Smith & Wesson von Alessandro Baricco, Hoffmann und Campe, gebunden, 17. September
Bariccos Roman "Mr. Gwyn" hat mir damals wirklich gut gefallen. Diese Geschichte verspricht Abenteuer und spannende Heldenambitionen. Ich bin sehr gespannt!

Hool von Philipp Winkler, aufbau, gebunden, 19. September
Der Titel deutet es ein wenig an; es geht um Hooligans. Schwieriges Thema, was mich aber irgendwie interessiert. Daher landet es erstmal auf dem Merkzettel.

Emilienne von Anne Berest, Knaus, gebunden, 19. September
Zusammen mit einigen anderen Damen hat Anne Berest bereits das beliebte Buch "How to be Parisian wherever you are" herausgebracht. Nun erscheint ihr Roman, in dem es ebenfalls um französisches Flair und das Frauenbild geht. Klingt nach leichter Lektüre für zwischendurch und könnte ganz interessant werden.

weitere interessante Neuerscheinungen:
533 Tage von Gees Nooteboom, Suhrkamp, gebunden, 12. September
Hoffnungsvoll, aber nicht optimistisch von Terry Eagleton, Ullstein, gebunden, 22. September
Sachen richtig machen von Linda-Luise Bickenbach und Bente Schipp, Atlantik, gebunden, 17. September
Alle Weihnachtserzählungen von Charles Dickens, aufbau, gebunden, 19. September
Wenn Du diesen Brief findest... von Hannah Brencher, Allegria, gebunden, 09. September
Dora und der Minotaurus von Slavenka Drakulic, aufbau, gebunden, 19. September
Vor dem Fall von Noah Hawley, Goldmann, gebunden, 12. September
Das Buch vom Tee von Kakuzo Okakura, Insel Verlag, gebunden, 12. September




Das Buch vom Meer von Morten A. Strøksnes

August 30, 2016





(Original: "Havboka - eller Kunsten å fange en kjempehai fra en gummibåt på et stort hav gjennom fire årstider"/ 2015) DVA Verlag, Übersetzer/in: Ina Kronenberger und Sylvia Kall, 368 Seiten, gebunden in Leinen★★★★() 4 bis 5 Sterne
Bildnachweise: 2. © Morten A. Strøksnes, 3. Morten A. Strøksnes © Ellen Lande Gossner, 5.  © Morten A. Strøksnes / Bilder nicht im Buch enthalten
"Zwei Freunde in einem kleinen Boot, die sich einen lang gehegten Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen, jenes sagenumwobene Ungeheuer, das sich nur selten an der Oberfläche zeigt. Während sie warten, branden wie Wellen die Meeresmythen und Legenden an das Boot, und Morten A. Strøksnes erzählt von echten und erfundenen Wesen, von Quallenarten mit dreihundert Mägen, von Seegurken und Teufelsanglern. Von mutigen Polarforschern, Walfängern und Kartografen und natürlich vom harten Leben an arktischen Ufern, vom Skrei, der vielen Generationen das Überleben auf den Lofoten sicherte, von der Farbe und dem Klang des Meeres. Eine salzige Abenteuergeschichte über die Freiheit und das Glück, den Naturgewalten zu trotzen – und ein atemberaubendes Buch, das uns staunen lässt über die unergründlichen Geheimnisse des Meeres."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Von allen sinnlosen Dingen, die uns hätten einfallen können, kommt mir unser Projekt auf genau die richtige Weise sinnlos vor.
S.142

Ich kann nicht bestreiten, dass ich für einige Passagen einfach die falsche Leserin war. Denn als Vegetarierin (mal alle Vorurteile beiseitegeschoben) kann ich nur schwer nachvollziehen, wie man Tiere einfach aus der Laune heraus ködert, um sie zu verletzen und dann eventuell wieder freizulassen. Auch die beschriebenen Arten von Ködern und die ganzen Feste rund um das Fischen an sich haben mir nicht immer ganz zugesagt. Das liegt aber an meiner persönlichen Einstellung zu der Art und Weise wie Menschen sich eben verhalten, wenn sie wissen, dass sie die Macht über andere Lebewesen haben. Ich kann aber auch nicht leugnen, dass mir das Buch dennoch ganz gut gefallen hat und dass paradoxerweise auch deshalb, weil Stroksnes das Thema ebenfalls gezielt anspricht und auch auf die gesamte Problematik eingeht, welche das Interesse an dem Meer und auch deren Beschmutzung mit einbezieht. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das kleine Buch doch so vielseitig ist und sich mit allen möglichen Referenzen befasst. So tauchen viele literarische Verweise auf, die eine sehr weite Zeitspanne der Geschichte des Meeres und deren Lebewesen erläutern. Einige Quellen klangen so vielversprechend, dass ich sie mir direkt notiert habe. Die Beschreibungen des Lebens im Meer ist meiner Meinung sehr verständlich und erlaubt es sich ein wenig in diese Beschreibungen des Autors verlieren zu können. Es werden Fischarten erwähnt, die man sich kaum vorstellen kann und die über sehr außergewöhnliche Eigenschaften verfügen. Immer wieder kommt der besondere Humor des Autors zur Geltung, der dem ganzen einen zusätzlichen Schwung gibt. Es sind zudem nicht nur aneinandergereihte Fakten vorhanden, sondern auch kleine Anekdoten aus seinem Leben und dem Leben seines Freundes Hugo, der ebenfalls an dem Versuch teilnimmt, einen Eishai zu fangen. Mir ist positiv aufgefallen, dass die besondere Freundschaft der beiden zur Geltung gekommen ist und das Buch so nicht nur ein Buch über das Leben von Fischen ist, sondern eben auch über das Leben an sich.

"Aber die meiste Zeit dösen wir im Boot vor uns hin, plaudern ein wenig oder folgen dem Fluss unserer Gedanken und Assoziationen.S.152

Die Faszination des Autors in Hinsicht auf die Unterwasserwelten und das Meer stechen sicherlich heraus. Anzumerken ist aber, dass Stroksnes das Buch immer wieder in etwas andere Richtungen lenkt, die aber immer dasselbe Zentrum umkreisen. So werden auch evolutionstheoretische Ansätze besprochen oder auch die Beziehung zwischen dem Weltall und den Meeren. An der ein oder anderen Stelle hat es einen etwas sprunghaften Effekt, sorgt aber dafür, dass man die Begeisterung des Autors für die ganzen Zusammenhänge der Welt sichtlich wahrnimmt und sich ebenfalls gerne mit seinen Gedanken vertraut macht. Viele Ansätze und Gedanken hätte ich so unterschreiben können. So wird auch die Meeresverschmutzung thematisiert und das in einer Art, die dazu anregt, etwas dagegen unternehmen zu wollen. Das Buch hat also tatsächlich den Impuls, den Menschen zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, sich um seine "eigene" Erde zu kümmern und dass man die Verantwortung für die Tiere in den Meeren trägt. Die eigentliche "Mission", den Eishai zu fangen, wird im Buch manchmal beinahe zur Nebensache, was mich persönlich aber gar nicht so gestört hat, da mit der Beschreibung dessen, eine bestimmte Stimmung erzeugt wird. Dadurch werden nämlich Orte und Umgebungen genauer verbildlicht, die diese "Meer-Stimmung" noch einmal hervorheben. Da es um Gebiete des Nordnorwegens handelt, sind diese geprägt durch die Fischerei. Das Buch bietet gleichzeitig also auch Einblicke in die Traditionen dieser Arbeit und thematisiert auch die problematischen Arbeitsaussichten.

"Über den ganzen Erdball zerstreut töten Haie zehn oder zwanzig Menschen im Jahr. Im selben Zeitraum töten wir ungefähr dreiundsiebzig Millionen Haie. Trotzdem sehen wir in ihm ein gefährliches Raubtier. Dieses Paradoxon entgeht weder Hugo noch mir.“ S.317

Unfassbar vielseitiges Buch, welches als Fokus immer das Meer aufweist. Evolution, Artenrivalitäten, Meerestiere in Kurzvorstellung und deren Besonderheiten, so wie die Ausbreitung des Menschen stehen unter anderem im Vordergrund. Viele interessante Fakten und literarische Bezüge machen das Buch zu einer kleinen Wissensquellen, die man immer mal wieder aufsuchen kann. Trotz einiger Ansichten, die ich persönlich nicht vertreten kann, macht das Buch auf Probleme aufmerksam, die es vor allem in Hinsicht auf die Meere zu bewältigen gibt. Kleine persönliche Anekdoten des Autors, tolle landschaftliche Beschreibungen und die besondere Freundschaft zu Hugo machen das Buch zu einem kleinen Leseerlebnis.





Vielen Dank an den DVA Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Pulitzer 100 Bookmarks

August 28, 2016


Es gibt viele Listen, die einen dazu anspornen sollen Bücher zu lesen. Bei einigen wurde mein Interesse auch geweckt, aber ich konnte mich nie so begeistern lassen, dass ich die Listen in "Angriff" nehmen wollte. Nun sind mir diese "Bookmarks"über den Weg gelaufen. Sie zeigen die offiziellen Gewinner des Pulitzer Preises auf und reichen von 1917 bis 2016 (anässlich des 100. Jubliäums). Ganz praktisch sind die Kästchen neben dem jeweiligen Gewinner des Jahres, denn man kann sie ankreuzen, wenn man das besagte Buch bereits gelesen hat. Diese Bookmarks gibt es als PDF- Datei auf der offiziellen Seite des Pulitzer Prize, undzwar HIER. Diese Listen beziehen sich zunächst nur auf die Gewinner der Kategorie Fiction. Weitere Kategorien, wie Non- Ficition, Biography und History wurden aber bereits angekündigt.

Mein erster Blick auf die Liste fiel ziemlich nüchtern aus. Ich habe nämlich tatsächlich nur drei Bücher aus dieser Liste in meinem Buchregal stehen, eins davon ungelesen, nämlich Donna Tarts "Der Distelfink". Grund genug mir das Buch demnächst vorzunehmen. Die beiden Bücher, die ich bereits gelesen habe sind "Der alte Mann und das Meer" von Ernest Hemingway und "Alles Licht, das wir nicht sehen" von Anthony Doerr, welches ich erst vor kurzem beendet habe. Eigentlich mache ich mir nichts aus solchen Preisen und Auszeichnungen, da ich die Gründe zur Wahl eines Buches manchmal nicht einmal nachvollziehen kann. Hier habe ich aber ein ganz gutes Gefühl und ich hoffe, dass sich noch weitere Bücher in meine Leseliste einreihen werden.

Habt ihr eine bestimmte Leseliste, die ihr ab und zu versucht abzuarbeiten? Interessiert euch die Pulitzer Preis Liste? Oder ignoriert ihr solche Listen gekonnt?



Fragen und Antworten: Blogger gefragt #2

August 25, 2016






Heute geht die Blogger-Befragung in eine zweite Runde. Dabei soll es diesmal um Buchtipps gehen, die sich auf ein ganz spezielles Kriterium beziehen.

Die Teilnehmer:
2. und 3.  Maike und Mareike "von "Herzpotenzial"
4. Vanessa von "Vanessasbücherecke"
5. Petzi von "Die Liebe zu den Büchern"

Die Frage und die Antworten:
(Unterstrichene Passagen wurden von mir vermerkt, da ich sie gerne hervorheben wollte)

Welches aktuelle (sprich zeitgenössiche) Buch würdest du gerne in ferner Zukunft als "den neuen Klassiker" miterleben?

Mara: Ich hätte gern Ferdinand von Schirachs neues Drama 'Terror' als moderner Klassiker. Es passt perfekt in unsere Zeit, ist ein Buch, das polarisiert, keinesfalls leicht ist und zudem in einer absolut neuen Form die Leserschaft in das Buch einbezieht, wie es zuvor selten gemacht wurde. Dadurch entsteht eine Diskussion und auf jeden Fall völlig neue, andere Art der Reflexion. Sein Schreibstil ist nüchtern und ehrlich, und solchen bin ich in letzter Zeit verfallen. Ich denke, dass 'Terror' ein wichtiges Buch ist und auch so behandelt werden soll.

Maike: Gute Frage. Ich glaube, dass die Bücher von John Green das Potenzial haben, für Jugendliche ein neues "Der Fänger im Roggen" zu werden, da sie den Prozess des Erwachsenwerdens in einem neuen und aktuellen Licht mit all seinen schönen und traurigen Seiten erfassen. Ich persönlich würde mich freuen, wenn "Eine wie Alaska" diesen Status erreichen würde.

Mareike: Ich gehe davon aus, dass Marina Keegan „Das Gegenteil von Einsamkeit“ ein Klassiker wird. Dieses Buch ist modern und zugleich zeitlos, stark und bewegend, überraschend und doch in jedem Satz treffend. 

Vanessa: Das wäre die Madd-Adam-Reihe von Margaret Atwood. Diese großartige Schriftstellerin wirft in dieser Trilogie einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft und aktuelle Entwicklungen, und hat daraus ein spannendes, beklemmendes und zum nachdenken anregendes postapokalyptisches Geschehen entworfen, über dass ich heute noch öfters nachdenke und das mich beschäftig. Und obwohl der erste Band "Oryx und Crake" bereits 2003 erschien, sind die Themen immer noch aktuell. Und ich habe festgestellt, dass diese Bücher sich auch in so mancher Diskussion sehr gut eignen, um darauf Bezug zu nehmen. Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn aus diesen neue Klassiker werden würden. 

Petzi / Alternativfrage: Die Kochnische
Da deine Lektüre sich eher auf Kochbücher beschränkt: Welches Kochbuch ist für dich so gut ausgearbeitet und vielfältig, dass es tatsächlich bei jedem Zuhause stehen könnte? Welches Kochbuch könnte der Klassiker unter den Kochbüchern werden, von dem jeder etwas hat?

Der Markt ist mittlerweile überschwemmt von tausenden Kochbüchern und jedes halbe Jahr kommen zahlreiche neue, tolle und außergewöhnliche Exemplare dazu. Sich da auf nur eines festzulegen, ist äußerst schwierig. Ich kann schlecht entscheiden, ob es wirklich jemals etwas wie den Klassiker im Kochbuchbereich geben wird (wobei da vielleicht das altmodische Dr. Oetker Schulkochbuch dazuzählt), aber ich kann einfach mal fünf tolle Bücher nennen, die es sich zu besitzen lohnt und die ganz tolle und außergewöhnlich leckere Rezepte beinhalten.

Krautkopf von Susann Probst und Yannic Schon
Ein vegetarisches Kochbuch, das mich auf ganzer Linie überzeugt hat. Aber auch Nicht-Vegetarier werden damit ihre Freude haben, denn viele Rezepte kann man ganz easy neu interpretieren. Das Blumenkohl-Risotto und der Bratkartoffelsalat sind ein wahres Gedicht.

Schärensommer von Viveca Sten
Die Schären assoziiere ich mit purer Erholung, Urlaub und unglaublich leckerem Fisch. Dieses Buch beinhaltet ganz viele leckere Rezepte und der mediterrane Dosch ist eine echte Versuchung.

Gemüse kann auch anders von Bettina Matthaei
Dieses Buch ist mein All-Time-Favorite für unglaublich leckere vegetarische Gemüsegerichte. Für fast alle Gemüsesorten findet man hier passende Rezepte, die zum Genießen einladen. Die Sellerie-Kokos-Suppe ist ein kleiner Geheimtipp, aber auch sonst gibt es in diesem Buch viel zu entdecken.

Greenbox von Tim Mälzer
Tim Mälzer ist für mich einer der Köche, denen ich im Fernsehen am liebsten zu schaue und die mir den meisten Spaß bereiten. Greenbox steht ganz zentral in meiner Küche und wird immer wieder zur Hand genommen. Ob das Ragu Especial, Kartoffelgratin oder Weiberpasta – ich liebe dieses Buch.

Käts Lunchbox von Katerina Dimitriadis
Schnelle Pasta, leckere Salate, tolle Suppen und Eintöpfe – das alles und noch viel mehr findet man in diesem Buch. Alles zum einfachen vorbereiten, damit die Pause nie wieder langweilig wird. Auch für Singles ideal, weil alle Gerichte für eine Portion konzipiert sind und wenn man doch mal für mehrere kocht, dann ist das auch kein Problem. Ebenfalls ein Lieblingsbuch im Regal.
 
Tolle Antworten, die mich sehr dazu anspornen, die genannten Bücher noch zu lesen! Ich hoffe natürlich, dass die Bücher es tatsächlich schaffen, als Klassiker durchzustarten. "Terror" habe ich persönlich schon gelesen und finde Maras Wahl gut nachvollziehbar. Danke für eure wunderbaren Tipps und die Teilnahme!

Welche Bücher haben für euch ein Klassiker-Potenzial? 


 

Bücher für Lesepausen

August 22, 2016








Bücher sind zum lesen da. Es gibt aber auch Tage, an denen man gerne ein Buch lesen würde, ohne sich in eine neue Geschichte mit unzähligen Protagonisten zu stürzen. Es gibt auch Situationen, in denen man gerne gleichzeitg Musik hören und ein Buch lesen würde. Etwas schwierig, wenn man sich auf die Handlung konzentrieren muss. An solchen Tagen greife ich gerne zu Büchern, die mir paradoxerweise als Lesepause dienen. Dazu gehören zwar vor allem Bildbände, aber eben auch etwas kreativere Bücher. Bei einigen kann man sich sogar gute Tipps für die nächste Lektüre holen. Heute würde ich euch gerne einige Bücher vorstellen, in denen man ungezwungen blättern kann, sich von den Bildern inspirieren oder einfach nur faszinieren lassen kann. (Durch das Anklicken der Titel gelangt ihr zur offiziellen Verlagsseite und könnt etwas in den Lesevorschauen stöbern.)

Grossartige Welt von Lonely Planets
Ein wunderbares Buch, welches durch die atemberaubenden Aufnahmen heraussticht. Viele Bilder laden zum träumen ein, denn man kann sich kaum vorstellen, dass diese Fotos tatsächlich etwas darstellen, das man auf unserer Erde finden kann. Mir gefällt besonders das große Format des Bildbandes, da die Bilder dadurch besonders gut zur Geltung kommen. 

Chanel: Ein Name - Ein Stil von Jérôme Gautier, Prestel 
Ein Buch für Modebegeisterte, aber auch für alle, die sich generell für den textilen Fortschritt interessieren. Denn obwohl hier die Marke "Chanel" besonders im Fokus steht, kann man doch die Veränderungen und das Lebensgefühl der Zeit einfangen und die damit verbundenen Entwicklungen in der Modebranche. Viele Bilder stützen den Gesamteindruck und zeigen vor allem die besonderen Merkmale von Chanel auf. 

Jugendstil von Norbert Wolf, Prestel 
Eines meiner liebsten "immer mal wieder reinschau"-Bücher ist dieses aus dem Prestel Verlag. Ich habe es mir damals gekauft, obwohl ich noch nicht sonderlich viel von der Epoche des "Jugendstils" wusste, war aber sofort von der Gestaltung sehr angetan. Auch das Innere hat mein Herz höher schlagen lassen. Das Buch ist durch die tollen Beispiele der Epoche, sei es in der Kunst, der Architektur oder auch der Mode sehr vielseitig und inspiriert einen jedes Mal auf Neue. 

Vom Ende der Ewigkeit von Camille Seaman, Prestel / Die Expedition von Bea Uusma, btb
Hier habe ich direkt zwei Bücher zusammengefasst, da sie vom selben Thema erzählen, nämlich Expeditionen zu den Polarregionen. Ich weiß nicht wieso, aber mich zieht dieses Thema und vor allem auch die Bilder davon magisch an. Es hat einerseits etwas beruhigendes und andererseits etwas unfassbar faszinierendes, weil man sich diese Massen an Eis und die Atmosphöre dort kaum vorstellen kann. Um sich aber einen tollen Eindruck davon verschaffen zu können, bieten sich diese beiden Bücher sehr an. "Vom Ende der Ewigkeit" ist kein reiner Bildband, sticht aber wirklich durch die Bilder der Fotografin Camille Seaman heraus. Als Ergänzung dazu gibt es tolle, persönliche Bemerkungen der Fotografin, die ihre Reise und ihre Eindrücke beschreiben. "Die Expedition" stützt sich mehr auf eine Geschichte, besser gesagt auf ein Rätsel, das gelöst werden soll. Als Bonus hierzu gibt es im Gegenzug einige dokumentiere Bilder und Funde, welche die Autorin in den Regionen gefunden hat. Obwohl beide Bücher recht unterschiedlich in der Darstellung sind, kann man zu beiden greifen, wenn man sich für kurze Zeit in den Polarregionen verlieren möchte.

Lists of Note von Shaun Usher, Heyne
Herrliches Buch für Zwischendurch und perfekt geeignet, wenn man dazu Musik hören möchte. Die Listen unterhalten einen und sind in ihren Inhalten sehr unterschiedlich. Das interessante hierbei: die Listen wurden alle von bekannten Persönlichkeiten verfasst. Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass es viele Originalkopien der (auch sehr alten) Listen gibt. 

Love x Style x Life von Garance Doré, Mosaik
Das Buch ist sicherlich vor allem für weibliche Leser interessant. Autorin ist die weltweit bekannte Bloggerin "Garance Doré". Hier werden persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und auch peinliche Momente geteilt. Zudem bekommt der Leser aber auch Inspirationen rund um die Modewelt. Eine sehr leichte Lektüre, die man immer mal wieder aufgreifen kann. Bei mir löst zudem die lockere und sehr frohe Art der Autorin immer einen Tatendrang aus, der mich motiviert Dinge in Angriff zu nehmen.

By the Book von Pamela Paul und Scott Turow
Wohl das Lieblingsbuch, wenn es um neue Lektüreinspirationen geht, ist dieses hier: "By the Book". Hier kommen 65 Autoren /Innen zu Wort, die sich über Literatur auslassen und ihre Tipps preisgeben. Das Buch bietet optimale Möglichkeiten, Lektüren zu entdecken, die man vielleicht normalerweise gar nicht beachten würde. Oft werden zum Beispiel auch Biographien oder Sachbücher empfohlen, von denen man noch nicht so viel gehört hat. 

How to be Parisian wherever you are von verschiedenen Autorinnen, btb
Die meisten werden es vielleicht schon irgendwo gesehen haben. Das Buch wurde eine zeitlang recht stark "gehyped". Mich persönlich hat es zwar nicht umgehauen, aber ich blättere doch sehr gerne immer mal wieder darin. Man muss sicherlich bedenken, dass man das Buch nicht allzu ernst nehmen sollte. Die Autorinnen lassen durchblicken, dass sie alles mit einem Augenzwinkern betrachten und viele genannte Dinge auf Voruteile zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz kann man sich auch hier durch die schöne Gestaltung durch die Bilder, Inspirationen und Anregungen holen. 

Zu welchen Büchern greift ihr gerne, um darin zu blättern? Hört ihr gerne Musik, wenn ihr Bilderbände anschaut? Oder ist für euch eine Lesepause strikt und schließt jegliche Bücher aus?



Mord in der Mangle Street (Gower Street Detective #1) von M.R.C. Kasasian

August 19, 2016



(Original: "The Mangle Street Murders"/ 2013) Atlantik Verlag, Übersetzer/in: Johannes Sabinski und Alexander Weber ★★★(☆) 4 bis 5 Sterne
"London 1882. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten? "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Sie müssen mir helfen, Mr. Grice´ Sidney Grice seufzte. ´Ich bin keinesfalls dazu verpflichtet, Madam. Aber da Sie schon mal da sind und ich mich langweile: Wie heißen Sie, und wie lauten die Namen der anderen Beteiligten?´
S.32

Detektivgeschichten gibt es wie Sand am Meer. Vorbild dafür ist meist der bekannteste aller Detektive: Mr. Sherlock Holmes. Mit "Sindey Grice" geht hier aber kein Detektiv auf Verbrecherjagd, sondern ein selbsternannter "Persönlicher Ermittler". Und genau solche kleinkarierten Unterschiede machen den Protagonisten zu etwas ganz Besonderem. Auch hier gibt es sicherlich einige Bezüge und ähnliche Stilarten zu Arthur Conan Doyles Erzählungen, diese waren für mich aber nicht plakativ und so offensichtlich, wie in anderen Detektivgeschichten. Erzählt wir die Geschichte von March Middleton, Grices Patenkind. Auf den ersten Blick sehr "gewöhnlich" für eine Detektivgeschichte, in der nicht der Ermittler selbst seine Gedanken offenlegt. Allerdings wurde hier sehr schön der gesellschaftliche Unterschied zwischen Männern und Frauen zur damaligen Zeit in den 1880er Jahren herausgearbeitet. March Middleton nimmt hier also nicht nur die Funktion der typischen Hilfserzählerin ein, sondern skizziert gleichzeitig auch die schwierigen Verhältnisse, die sich rund um London erkenntlich zeigen. Mit schwierigen Verhältnissen assoziiere ich auch direkt den Ermittler selbst Sidney Grice. Als Leser war ich zuerst etwas erschrocken über seine Art. Man erwartet etwas ganz anderes und genau das macht die Neugier auf die Geschichte aus. Gekennzeichnet durch bitterböse Kommentare und eine scheinbar ständige egomanische Ader, interessiert sich Sidney Grice nur für sich selbst. Seine Arbeit sieht er nur zum Mittel zum Zweck und seine Welt dreht sich nur um den Gedanken rund um seinen Tee. Der Leser erschließt sich sehr schnell ein bestimmtes Bild von ihm, welches sich aber nach und nach etwas aufzulockern, dann wieder zu festigen scheint. Da es sich hierbei um den "Fall Eins" dieser Reihe handelt, fand ich dies ganz sinnvoll eingebunden. So gibt es keine vorhersehbaren Charakterwechsel, die das Ganze langweilig scheinen lassen.

"´Speisen Sie für gewöhnlich allein?´ fragte ich. ´Nein´, sagte er. ´Ich speise stets mit einem Buch. Dieses hier ist eines meiner liebsten - Eine kurze Studie über die parasitären Würmer Afrikas -, wundervoll illustriert mit farbigen Zeichnungen.´S. 63

Obwohl man sich als Leser natürlich auf den Fall an sich konzentriert, und wie immer versucht, selbst etwas zu "ermitteln", sieht man sich hier an einigen Stellen gezwungen zu kapitulieren und sich dem detektivischen Gespür der beiden Protagonisten hinzugeben. Ich persönlich finde auch hier, dass einige Verwirrungen gut eingesetzt wurden, damit sich der Leser auch etwas in die Atmosphäre rein denken kann. Hier sei aber gesagt, dass sehr viele kritische Dinge angesprochen werden, was die finanziellen Verhältnisse der Stadt oder auch Krankheiten der Menschen anbelangt. Man sollte sich also tatsächlich nicht auf eine "romantisch, verspielte" Geschichte im London der 1880er Jahre einlassen, sondern auf eine spannende, wenn auch eben manchmal mit bösen Kommentaren versehene Erzählung. Ich kann aber garantieren, dass man über sehr viele Passagen schmunzeln muss und sich gut unterhalten fühlt.  Unterbrochen wird die eigentliche "Detektivarbeit" mit Einschüben, privater Niederschriften von March Middleton, die dadurch ihre Vergangenheit, zumindest zum Teil, offenlegt. Es wird also zunehmend eine persönliche Ebene zu den Figuren aufgebaut, die sich sicherlich in den folgenden Bänden noch steigern wird. Die Länge und die Wendungen der Geschichte fand ich alle passend und nicht zu überladen. Es gab für mich keine unnötigen, in die Länge gezogenen "Lückenfüller", sodass ich die Geschichte wohl jedem empfehlen würde, der nach einer Detektiverzählung sucht, die durch einen sehr speziellen Ermittler besticht.

"´Eine abscheuliche Nacht´, sagte mein Vormund und schüttelte ihm die Hand. ´Darf ich Ihnen einen Tee anbieten, Inspektor?´ ´Trinken Sie denn nie etwas Stärkeres?´ ´Nur zu außergewöhnlichen Anlässen´, antwortete Sidney Grice. ´Dann gönne ich mir ein Tasse Kaffee.´" S.255


Unterhaltsam, spannend, strategisch und durch den scharfzüngigen Sidney Grice auch manchmal bitterböse. Unterstreicht gekonnt die Zustände in London zur damaligen Zeit und verbindet dies auf interessante Weise mit einem sehr verworrenen Kriminalfall. Gutes Zusammenspiel der Figuren und bietet noch genug Freiräume für folgende Entwicklungen in den nächsten Bänden.








Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Gedankenschnappschuss: Ordnung

August 16, 2016


"Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb." - Kurt Tucholsky

So langsam kommen einige schöne Sommertage zum Vorschein und gleichzeitig steigt bei mir erneut der Drang ein wenig aufzuräumen; Dinge ausmisten, die man nicht wirklich benutzt, die einem nur den Platz wegnehmen, oder die eigentlich keinen großen Sinn ergeben. Das gleiche gilt für meinen Blog. Viele Kategorien hängen irgendwo in der Schwebe und ich merke, dass ich mich ihnen wohl auch nicht mehr nähern werde. Zumindest habe ich das Gefühl, dass man nicht alles in Unmengen von Schubladen stecken muss. Also wird kurzerhand ein wenig Ordnung reingebracht, indem ich mich nach und nach von vergessenen Kategorien trenne. Vielleicht ergeben sich neue Ideen, vielleicht habe ich am Ende aber einfach nur das schöne Gefühl, nicht mit Dingen vollgestopft zu sein, die mich nur zurückhalten und die mir den Blick für das versperren, was mich deutlich mehr interessiert. Aber das wichtigste ist, dass die Begeisterung für die Literatur stetig weiter wächst.


Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen von Ulla Scheler

August 08, 2016




(Original: "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen"/ 2016) Heyne fliegt, Übersetzer/in: - , 368 Seiten, BroschurEinzelband, ★★ 4 Sterne
"Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches …"


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Wir machten die Leute um uns herum wahnsinnig, aber wir fühlten uns golden.
S.10

Es gibt Bücher, von denen man zunächst gar nicht weiß, was man von ihnen erwarten soll. Sie hören sich ganz vielversprechend an, sind aber noch etwas rätselhaft. Und dann, am Ende, haben sie einen irgendwie gepackt und lassen einen nicht mehr los. Genau das empfand ich auch nachdem ich "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" beendet habe. Die Geschichte beginnt "ganz locker".Die Protagonisten sind natürlich alles junge Heranwachsende um die achtzehn Jahre, es handelt sich schließlich um einen Jugendroman. So denkt man zunächst, es folgt eine ganz typische Road-trip Geschichte zum Meer, im Fokus ein junges Mädchen und ein Junge, und man wisse sofort, wie alles endet. Auch wenn man vielleicht das ein oder andere schlussfolgern kann, bietet das Buch sicherlich einige spannende Momente, die selbst ich, als kein "Teenie" unterhaltsam und teilweise auch sehr gefühlvoll fand. Ich kann zwar nicht abstreiten, dass ich einige Passagen nicht so ausdrucksstark fand, aber es gab im Gegenzug eben auch gewisse Abschnitte, die mich dafür umso mehr mitgerissen und die das Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Dazu zählt vor allem die recht komplizierte Beziehung zwischen den Protagonisten Hanna und Ben, wie auch die aufregende Einbindung der "Legende", die um den Ort schleicht, an dem sich beide befinden. Ich denke vor allem, Leser, die selbst noch in einer Findungsphase (Abi-zeit und dem Gedanken, was man nun mich sich anfangen soll) befinden, werden viel Gefallen an der Geschichte finden, obwohl sie sich auch mit kritischen Familienverhältnissen und riskanten Handlungen auseinandersetzt. Als "typisch" habe ich diese Reise demnach nicht wirklich angesehen. Die Verbindung der Geschichte mit der Liebe von Ben, Geschichten zu erzählen, fand ich ebenfalls sehr gelungen. Es entsteht eine wirklich tolle Atmosphäre, die einen zum Weiterlesen animiert.

"´Sind wir denn so kompliziert?´ ´Bitte. Wir sind das Tausend-Teile Puzzle mit tausend-undeins Teilen.´S. 209

Einige kleine Sachen haben mich zwar nicht richtig gestört, haben das Buch für mich aber nicht zu hundertprozentig abgerundet. Das bezieht sich aber eher, nur auf einen kleinen, mittleren Teil des Buches, bei dem man tatsächlich nicht ganz weiß, worauf das Ganze nun hinauslaufen soll. Im Gegensatz dazu fand ich es aber schön, wie viel Liebe zum Detail in dem Buch steckte. Im Zentrum stehen viele Erlebnisse, besondere Lieder oder auch Bücher, die dieser Geschichte den ganz speziellen roten Faden geben und die nötigen Gefühle und die Verbundenheit aufkommen lassen, dass man mit den Protagonisten einem Geheimbund angehört. Man hat das Gefühl, dass man sich ebenfalls mit ihnen an diesem Strand befindet und von den Eindrücken mitgerissen wird. Ich persönlich mochte auch sehr den fokussierten Bezug zu einem Gedichtband von E.E. Cummings. Es ist durchdacht, irgendwie romantisch, ist dadurch nicht so oberflächlich und sagt tatsächlich mal was aus. Mir kam einfach ständig der Gedanke, dass dieses Buch ebenfalls eine tolle Verfilmung werden könnte, in dem man diesen stürmischen und aufregenden Sommer gut einfangen kann. Es geht tatsächlich viel um den "Umschwung" im Leben, um Freundschaften, um das Gefühl, etwas nicht loslassen zu wollen und natürlich auch um Liebe. Alles aber in einem durchaus angenehmen Maß. Obwohl ich mich, vielleicht durch mein älter werden (wer weiß), etwas von Jugendbüchern distanziere, muss ich sagen, dass mir dieses Buch sehr gefallen hat. Es beschäftigt sich nicht nur mit den typischen Fragen des Erwachsenwerdens, sondern auch mit ganz menschlichen und unabhängig vom Alter gezielten Problem, die der Mensch so mit sich trägt.

"Vielleicht macht das ein gutes Leben aus. Dass man sich Fragen stellt. Neue Fragen, alte Fragen. Weil sich das Leben in alle Richtungen ausbreitet. Weil es explodieren kann, wegen einem Kringel und einem Punkt. [...] Mann muss keine Angst vor Fragezeichen haben, nur von Punkten." S.343


Ein Jugendroman geprägt durch ein schönes Zusammenspiel der Protagonisten, gemischt mit einer Legende, die die nötige Spannung bereithält. Mal lustig, mal gefühlvoll und auch nachdenklich. Hat mich vor allem zum Ende hin mitgerissen und überzeugt. Eine recht ausgefallene Idee, geschrieben in einer mal recht simplen und dann auch sehr metaphorischen Sprache, bei welcher manche kurzen Sätze einfach alles nötige aussagen und einen berühren.

 Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Wilkommen im Blue Moon Circus von Michael Raleigh

August 06, 2016







(Original: "The Blue Moon Circus"/ 2003) Hoffmann und Campe, Übersetzer/in: Susanne Höbel, 445 Seiten, gebundenEinzelband,  ★★(☆) 3 bis 4 Sterne
"Ein rachsüchtiges Kamel, ein wiedergeborener Schlangenbeschwörer und ein arthritischer Zauberer sind nur einige der Protagonisten, die diesen Zirkusroman bevölkern - eine bunte Truppe, die in den zwanziger Jahren ihre abenteuerliche Tour durch den Mittleren Westen antritt.
Zirkusdirektor Lewis Tully ist fünfzig Jahre alt, als er es noch einmal wissen will. Allen bisherigen Niederlagen zum Trotz macht er sich ein vermeintlich letztes Mal daran, einen neuen Zirkus auf die Beine zu stellen. Es dauert eine Weile, bis er auf seiner Suche nach alten und neuen Schaustellern, nach kuriosen und originellen Zirkusnummern fündig wird. Die Truppe, die schließlich loszieht, besteht aus den liebenswertesten, wunderlichsten und verrücktesten Menschen und Tieren, die man sich vorstellen kann. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Charlie folgte den beiden Männern zu Lewis´ Wagen, einem alten Milchlaster, dessen hintere Doppeltür mit Eisenstangen zugehalten wurde. Der Wagen war gelb gestrichen, und auf den Seiten stand in blauen Buchstaben Lewis A. Tully´s Blue Moon Circus And Menagerie.
S.31

Zirkusgeschichten sind immer etwas sehr Spezielles für mich. Und doch ist es auch immer eine Gradwanderung dahingehend, ob mir das Buch dann am Ende durch die verschiedenen Eindrücke wirklich zusagt, oder eher nicht. Bei dieser Geschichte war es wirklich so ausgewogen, dass ich sagen kann, ich mochte es zum Teil, fand es aber auch noch deutlich ausbaufähiger. Trotz der vierhundert Seiten hat mir etwas "Besonderes" gefehlt, wie man es sich von einer Zirkuskulisse und den wohl außergewöhnlichen Protagonisten wünscht. Vieles wurde meiner Meinung nach öfters erwähnt und hat so, ab und an, für einen eher "trägen" Handlungsstrang gesorgt. Andererseits mochte ich dieses familiäre Gefühl, welches man deutlich spürt. Die Zirkustruppe ist zwar recht selbstständig in ihren Einzelheiten und den Künstlern, dennoch merkt man schon diese typische Zirkusstimmung. Leider hätte ich mir aber auch hier immer mal wieder etwas "Tiefgang" gewünscht. Viele neue Entwicklungen wurden nur kurz angedeutet und haben sich dann irgendwie etwas verlaufen oder wurden ganz schnell abgeschlossen, was mir dann etwas überflüssig rüberkam. Auch habe ich etwas diese "magische" Sprache vermisst. Alles wird sehr sachlich und nach einer einfachen Reihenfolge erzählt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, dass es etwas bildlicher dargestellt werden würde oder dass zumindest eine packendere Absicht dahinter gesteckt hätte.

"´Ein Carillon.´ wiederholte Lewis, ´das ist ein Wagen mit einem Glockenspiel, damit die Leute den Zirkus schon aus großer Entfernung kommen hören  können. Gibt wohl kaum mehr als ein Dutzend in der ganzen Welt, und dieser hier, das ist meiner.´S. 72

Trotz der Kritikpunkte kann ich aber auch nicht sagen, dass ich das Buch schlecht fand. Es ist aber definitiv eher darauf ausgelegt, das Buch über eine längere Passage und mit viel Ruhe zu lesen, auch wenn hektische Momente im Zirkus an der Tagesordnung stehen. Ich persönlich habe auch etwas Zeit gebraucht, weil ich wusste, dass die Geschichte nun mal kein Thriller oder Ähnliches ist. Gefallen hat mir aber sicherlich unter anderem ganz gut, dass zwei Beziehungen sehr gut dargestellt wurden. Zum einen zwischen dem Protagonisten Lewis und seinem besten Freund Shelby, und auch die Beziehung zwischen Lewis und dem kleinen jungen Charlie. Beide haben sich konstant durch die Geschichte gezogen und haben so immer mal wieder eine kleine Entwicklung aufgezeigt. Auch die sehr ausgefallenen Auftritte der Künstler sind mir im Gedächtnis geblieben, wie auch die manchmal wildgewordenen Tiere. Hier fand ich es ganz unterhaltsam, dass auch einige Gedankenfetzen des Kamels "Sheba" offengelegt wurden. So hat man durchaus auch eine kleine Vorstellung davon, wie sich die Zirkustiere in der ein oder anderen, wenn auch nicht so schönen, Situation fühlen müssen. Die Idee, die Geschichte beinahe so enden zu lassen, wie sie begonnen hat, fand ich ebenfalls sehr gelungen. So hat die Erzählung stets etwas Realistisches an sich und sorgt nicht für diesen "alles ist wunderbar und es gibt keine Probleme oder Hürden mehr" - Moment.

"Draußen waren entfernt ein paar Stimmen zu hören - seine Truppe, die sich für die Nacht zurückzog, vielleicht auch noch ein paar Leute aus der Stadt, die den Abend nicht beenden wollten, als könnten sie so die Vorstellung festhalten, den einen Abend in ihrem Leben, an dem sie etwas Außergewöhnliches erlebt hatten." S.268


Ganz nette Geschichte, über einen sehr bunten, ausgefallenen und stets besonderen Wanderzirkus, dessen Protagonisten einen unterhalten. Ab und an hat es für mich einige Schwachstellen und langatmige Passagen gegeben, im Großen und Ganzen verspürt man aber doch eine gewisse Begeisterung für die Geschehnisse im Zirkus. Strapazen und Machtkämpfe zwischen dem Lewis A. Tully´s Blue Moon Circus und anderen Rivalen stehen an der Tagesordnung und das zu der Zeit von 1926, was noch eine ganz besondere Atmosphäre versprüht. Dennoch ein eher "ruhiger" Roman.



Slade House von David Mitchell

August 03, 2016



(Original: "Slade House"/ 2016) Sceptre Books / Hodder & Stroughton, Übersetzer/in: - , Englische Ausgabe,  ★★★★☆ 4 Sterne
"Auf der einen Seite einer hohen Wand liegt eine dunkle kleine Gasse; auf der anderen, ein sonnendurchfluteter Garten; und dazwischen, eine kleine schwarze Eisentür. Du musst sie nur öffnen. Willkommen im ´Slade House´."

MEINE MEINUNG | FAZIT

"It´s got words instead on its old, pale -as-bone clock face, saying TIME IS and under that TIME WAS and under that TIME IS NOT. .“ S.27

Ein Buch von rund zweihundertdreißig Seiten, über das ich stundenlang reden könnte. Einerseits aufgrund seiner Thematik und seiner Vorkommnisse und andererseits über diese Frechheit des Autors, das Buch so abrupt enden zu lassen. Aber fangen wir einmal vorne an. "Slade House" hat mich sofort angesprochen. Es klingt etwas düster, geheimnisvoll und einfach nur spannend. Eigentlich perfekt für den Herbst (das aktuelle Wetter passte also sehr gut).  Man liest einige Seiten, weiß nicht genau worauf man sich einlässt, denkt sich zuerst "aha, ganz interessant" und kann dann gar nicht mehr aufhören weiterzulesen. Zumindest erging dies mir so. Obwohl jedes der fünf Kapitel zeitlich neun Jahre auseinanderliegt und von einem anderen Charakter geprägt wird, fällt es dem Leser nicht schwer, sich mit der Geschichte und den Figuren vertraut zu machen, da es ziemlich viele wiederkehrende Merkmale gibt und es einen ständigen Bezug zu allem gibt. Natürlich baut sich auch nach und nach erst einiges auf, allerdings versteht man das Grundkonzept der Geschichte sehr schnell. Und ich finde an manchen Stellen hat sie es wirklich in sich. Die Ideen die David Mitchell verwendet sind sehr originell, fantasievoll und auch etwas unheimlich. Daher kam mir auch gleich der Vergleich zu einigen Büchern von Neil Gaiman. Das hat dem Buch meinerseits schon allein dadurch einen Pluspunkt verschafft, denn ich mag ausgefallene Geschichten, die so ihre kleinen, speziellen Momente haben, an denen man alles auf einmal realisiert und sich fragt: "Kann das gerade wirklich sein?". Es ist definitiv eines der Bücher, die mich während des Lesens erschreckt, geschockt, verblüfft und dennoch gut unterhalten haben. Allein kleine Details, die auf die zeitlichen Abfolgen und die zeitliche Wichtigkeit hervorheben, haben mich das Buch noch mehr lieben lassen. Man hatte als Leser einfach das Gefühl, dass man diese Begeisterung, die der Autor für diese Geschichte aufgebracht hat, eins zu eins wahrgenommen hat.

"I look up - the sky´s still bluish, like it was before. It´s the garden itself. The garden ´s fading away.S. 23

Wer zudem David Mitchells ziemlich weit ausgelegten Roman "Die Knochenuhren" gelesen hat und die etwas stärkere Fokussierung auf die "magischen Einflüsse" vermisst hat, der wird sich über dieses recht kleine Buch sicherlich freuen. Denn als ich, merkwürdigerweise erst recht zum Schluss darauf gekommen bin, woher mir einige Begriffe bekannt vorkamen, und es sich eben um Personen und Gegebenheiten aus "Die Knochenuhren" handelt, war ich verblüfft, erstaunt und irgendwie glücklich. Man erfährt tatsächlich einiges, das man vielleicht hätte auch in dem "Vorgänger" wissen wollen. Andererseits muss man tatsächlich auch sagen, dass dieses Buch komplett für sich alleine stehen kann und man alles versteht, auch wenn man den anderen Roman nicht gelesen hat. Es handelt sich also nicht um eine direkte Fortsetzung, es gibt lediglich Verknüpfungen. Was mich ganz am Ende so entsetzt hat, war die Tatsache, dass man denkt, man bekommt endlich mal einen abgeschlossene Geschichte, weil man wirklich unbedingt wissen möchte, wie es endet. David Mitchell allerdings lässt aber genug Spielraum, um eine weitere Fortsetzung drauf packen zu können. Etwas unbefriedigend, angesichts der Tatsache, dass ich aber immer gerne etwas von diesen Ideen und Gedanken lese, doch einigermaßen positiv. Inhaltlich kann man tatsächlich nicht viel Aufschluss geben, um nicht gleich alles Wichtige zu verraten. Sei nur so viel gesagt; es geht um einen Schauplatz, das Slade House, welches zu einem Mittelpunkt der ganz merkwürdigen und gruseligen Art wird. Menschen werden mit ihren Sehnsüchten und Ängsten konfrontiert und werden versuchen müssen, sich selbst zu retten.

"Slade Alley is the narrowest alley I´ve ever seen. It slices between two houses, then vanishes left after thirty paces or so." S.6


Packende Erzählung, die typische Merkmale von David Mitchell aufweist und gleichzeitig etwas an Neil Gaiman erinnert. Hat gewisse Verknüpfungen zu dem Roman "Die Knochenuhren", kann aber auch vollkommen selbstständig gelesen und verstanden werden. Bezieht sich auf den Überlebenswillen von Menschen und spielt mit deren Furcht. Verknüpft gekonnt viele Schicksale, bei denen allerdings die Zeit und der Raum eine besondere Rolle spielen.  Trotz wechselnder Protagonisten entsteht ein sehr gutes Gesamtbild. Lässt einen besonders bei regnerischen Tagen etwas schaudern.