Januar: Ben Howard vs. Dracula (Untold)

Februar 04, 2020

Buchstapel-Buchrücken-Lesemonat



Was für ein Monat, was für ein Januar. Gefühlt war die Zeit wieder knapper denn je und dennoch bin ich irgendwie verwundert darüber, dass mir der Januar doch lang vorkam. 

Mich hat eine Begeisterung nach der nächsten eingeholt und ich habe so viel gehört, gelesen, Filme entdeckt und Gesichtsmasken aufgelegt wie schon lange nicht mehr. 
Diesen Monat bin ich wieder zur Musik von Ben Howard (besonders zu "Small Things") zurückgekehrt, vorwiegend wohl deshalb, weil seine Lieder perfekt zu der derzeitigen, regnerischen Wetterlage passen und man die ruhigen Lieder auch wunderbar nebenbei laufen lassen kann.

Ein wenig abgelöst oder ergänzt wurde die Musikphase dann durch den plötzlich auftretenden Hype rund um "Dracula". Angefangen hat dies Mitte des Monats, als ich durch Zufall "Dracula Untold" (aus dem Jahr 2014) im Free-TV (!) entdeckt habe. Bisher ist fast alles, was mit Vampiren zu tun hatte an mir abgeprallt. Mir war der Typ Vampir in beinahe allen Verfilmungen entweder zu "old school" oder schon beinahe lächerlich. Ich hatte stets das Bild eines älteren, Slapstick ähnlichen Mannes im Kopf, der eben einen Vampirumhang trägt und durch seine Fangzähne Zischgeräusche macht. Daher habe ich bisher auch nie zu Bram Stokers "Dracula" gegriffen. Ich wusste einfach nicht, wie ich dieses lustige Bild des vermeintlich gefährlichen Vampirs loswerden sollte. Und dann kam eben diese Verfilmung daher. Erzählt wird nicht die Geschichte, die wir aus dem Buch kennen, sondern die Vorgeschichte, also Entstehungsgeschichte von Dracula, basierend auf dem, auch von Bram Stoker angelehnten, realen Vorbild des Fürsten Vlad Tepes. Und irgendwie hat es mich dann gepackt. Die Stimmung passte und das Bild des Mannes, der sich für seine Familie aufopfert und so zu einem der bekanntesten Monster wird, hat mein Bild von Dracula in die richtige Richtung gelenkt. Leider (!) endet der Film mit einem riesigen Cliffhanger und nach einiger Recherche, sollte der Film wohl den Start eines neuen "Cinematic-Dark-Universe" einläuten, ähnlich zu Marvel´s Avengers. Daraus wurde wohl irgendwie nichts, weil die Neuverfilmung der "Mumie" mit Tom Cruise so floppte, dass man sich gegen einen solchen Zusammenschluss entschied. Nun ja, wie dem auch sei, der Hype war und ist noch da... Und ich denke mal, nach nun sechs vergangenen Jahren wird man eher keine Fortsetzung mehr sehen...
Der Film hat natürlich auch einige nicht so gelunge Umsetzungen und flapsige Szenen, aber die Erschaffung der Figur "Dracula" fand ich wirklich geglückt. Ebenso muss man definitiv bedenken, dass hier zwar auf den historischen Vlad Tepes verwiesen wird, die Fakten aber natürlich so zurechtgebogen wurden, wie man sie für den Film gebraucht hat. Die gesamte Darstellung des Kriegs gegen die Osmanen und die Sichtweise zwischen "Gut" und "Böse" ist daher manchmal durchaus problematisch anzusehen, wobei der Film gleichzeitig auch aussagen will, dass jede Gruppe von Mensch dazu in der Lage ist, im Streben nach Macht, zum Monster zu werden.  Es ist demnach diese Mischung aus teilweise historischer Geschichte und der Imagination von Bram Stoker, welche letztlich die neue Version des bekanntesten Vampirs prägt.

Ansonsten ist im Januar noch der vierte Band von Harry Potter in der House Edition erschienen und in meinem Bücherschrank gelandet, ebenso wie die illustrierte Ausgabe von Neil Gaimans "The Ocean at the End of the Lane", die ich bereits auf Instagram kurz gezeigt und im Februar als erste Lektüre beendet habe.

 Natürlich habe ich aber auch im Januar noch einige interessante Bücher gelesen:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 

  • "Quichotte" von Salman Rushdie: Das erste Buch des Monats war für mich eine spannende, wilde, chaotische und etwas andere Reise durch die USA. Rushdie hat durchaus eine interessante Neuinterpretation des Klassikers erschaffen und hat bei mir mit den magical realism Elemtenen durchaus gepunktet. Zwar ist wirklich viel los und manchmal weiß man gar nicht, woran man sich festhalten soll, aber die Achterbahnfahrt mit den beiden Protagonisten zeigt ganz gut das aktuelle, gesellschaftliche Gefühl der kompletten Reizüberflutung auf. Themen, die im Vordergrund stehen sind: Das Streben nach Ruhm und Erfolg, Angst vor dem Gedanken irgendwann nicht mehr zu existieren, vermeintliche Gefahren, Rassismus, und die Suche nach dem, was man als persönliches Glück bezeichnen könnte. Für mich ein definitiv lesenswertes Buch!
  • "Vom Wind verweht" von Margaret Mitchell: Das Buch, das mich diesen Monat mit seinen knapp 1.400 Seiten am längsten begleitet hat. Ich war sofort angetan von der Idee einer Neuübersetzung der Geschichte und habe voller Neugier damit begonnen. Leider wurde meine Begeisterung dafür immer mehr getrübt, als ich das Gefühl hatte, dass ich, was die Eliminierung rassistischer Begriffe anging, wohl etwas zu naiv war. Man hat hier durchaus einen neuen Ansatz gefunden, aber dennoch habe ich einige Entscheidungen nicht verstehen können. Zum Beispiel sollte das N-Wort eigentlich nicht mehr zu finden sein, aber man findet es, mehrmals. Überwiegend in der Slang-Sprache, aber einmal fast zum Schluss, eben auch in der "normalen", direkten Art. Das war für mich leider etwas missglückt. Rein auf die Handlung bezogen, verstehe ich durchaus, dass man die Geschichte mag. Schließlich verbringt man sozusagen viel Zeit mit den Figuren und sie wachsen einem ans Herz. Ich persönlich stand Scarlett aber immer sehr ambivalent gegenüber. Sodass ich den Roman irgendwie auf der einen Seite durchaus wertschätze und mag, auf der anderen Seite aber sagen muss, dass mich die Protagonistin mit ihrem Verhalten manchmal einfach nur zur Weißglut getrieben hat.
  • Ah, und dann kam endlich "Dracula" von Bram Stoker. Nach Margaret Mitchells Koloss flogen die Seiten bei Stoker nur so dahin. Natürlich hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits Dracula Untold gesehen und hatte gewisse Vorstellungen des Romans. Überraschung: Diese wurden alle ein wenig über Bord geworfen. Dennoch finde ich den Klassiker wunderbar! Und das besonders in Hinblick darauf, dass man so wenig über die Beweggründe Draculas weiß. Wer ist er? Wo kommt er her? Warum will er / kommt er nach England? Alles Fragen, die wohl in der älteren Verfilmung des gleichnamigen "Bram Stoker´s Dracula" versucht wurden beantwortet zu werden, worauf man aber im Buch selbst eigentlich nur wenige Hinweise findet. Es bleibt alles ein gewisses Mysterium, was ich persönlich sehr mochte. Vielleicht aber auch eben dadurch, weil mir die Verfilmung der Vorgeschichte einiges "abgenommen" hat?  Zudem gefiel mir, dass Mina eine durchaus starke Rolle einnimmt und die Geschehnisse von allen Anwesenden Stück für Stück durch Tagebucheinträge offenbart werden. Dennoch musste ich tatsächlich ein wenig schmunzeln, als das Ende plötzlich recht unspektakulär eintritt. Da fühlte ich mich doch etwas von dem Slapstick-Film in meinem Kopf eingeholt. Nichtsdestotrotz hat mich die Neugier rund um Dracula gepackt und vielleicht werde ich mir demnächst die "Annotated Dracula" Ausgabe etwas näher ansehen.
  • "The Hobbit" von J.R.R. Tolkien: Spontan habe ich dann noch zur kleinen Pocket-Ausgabe des Hobbits gegriffen. Lange schon wollte ich den Fantasy-Klassiker mal lesen, nun habe ich das einfach endlich mal gemacht. Und auch hier hatte ich sehr viel Vergnügen. Im Gegensatz zu den drei Filmen, die ja sehr für das erwachsene Publikum aufgearbeitet wurden, kommt das Buch sehr munter, tapfer und irgendwie perfekt für Kinder daher, genau wie Tolkien es eigentlich beabsichtigt hatte. Ich bin Bilbo sehr gerne gefolgt und habe nur zu gerne gesehen, wie er an Mut und Abenteuerlust dazugewinnt, sich aber trotzdem auf sein gemütliches Zuhause freut.  
  • Das letzte Buch des Monats war dann der sehr hoch gelobte Roman "Long Bright River" von Liz Moore. Hach, ich weiß ja nicht, ob es einfach an mir liegt. Irgendwie mochte ich den Roman schon und viele Themen, die angesprochen werden finde ich wichtig, aber mich hat das die Geschichte nicht so gepackt, wie die meisten und wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe zwar stets weiterlesen wollen, aber ich dachte immer: Ja, ist ganz okay... Einige weitere Eindrücke findet ihr, in der gestern erschienen Rezension. Daher belasse ich es mal dabei.

Vielleicht ist meine Stimmung zurzeit nicht für solche "neuen" Bücher bereit. Mich packen momentan eher die Klassiker oder sehr eigenen Geschichten, die durch eine träumerische, magische, Sprache und durch solche Elemente herausstechen. Vielleicht habe ich gerade selbst genug von "unserer Realität" und verweile daher lieber in den alten Geschichten. Wer weiß, vielleicht ändert sich das ja auch wieder im Februar. So oder so, mein Lesestapel wartet darauf von mir geplündert zu werden!


Wie habt ihr den Januar 2020 empfunden? Welche Bücher haben euch geprägt, begeistert, enttäuscht? Seid ihr momentan von etwas Bestimmten in den Bann gezogen worden?

Dracula-Untold

The-Hobbit-Pocket-Edition



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