Bunny von Mona Awad

Februar 12, 2020

Bunny-Mona-Awad

(Original: "Bunny"/ 2019) Viking (Imprint Penguin Randomhouse), Übersetzer/in: -, ★★★★(☆) 4,5 Sterne
Die Stipendiatin Samantha Heather Mackey könnte keine größere Außenseiterin in dem kleinen, sorgfältig ausgewählten Programm ihrer Elite Uni sein. Sie bevorzugt lieber die Gesellschaft ihrer dunklen Fantasien, als die von anderen Menschen und wird vom Rest ihres Kurses zurückgewiesen - einer Clique, bestehend aus vier reichen Mädchen, die sich gegenseitig "Bunny" nennen und sich so bewegen und reden, als seien sie eine Person.
Alles ändert sich, als Samantha eine Einladung der "Bunnies" erhält, somit ihre einzige Freundin Ava zurückweist und gleichzeitig immer tiefer in die Welt der Mädchen gerät, die eine Art Kult betriebenen Workshop leiten...
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"Get ready.
  For what?

But the knowledge is already burning in my chest like a pilot light. Just need a spark to set it ablaze."  S.295

Was zum...? Die Geschichte ist wirklich sehr, sehr, sehr bizarr, aber ich liebe es! Nach dem ersten Kapitel dachte ich sofort an den Film "Mean Girls". Eine Mädchenclique, die zugegebenermaßen sehr klischeebehaften alles mag, was süß, rosa oder flauschig ist und eine Einzelgängerin, die nicht genau weiß, ob sie gerne dazugehören will oder nicht. 
Nach und nach wird alles aber viel dunkler, blutiger, brutaler. Leider, für meine Verhältnisse, manchmal auch viel zu gewollt erotisch, was für mich gar keinen wirklichen Nutzen hatte. Wie dem auch sei, es entsteht eine sehr eigene Dynamik, die schon wahnhaft wirkt. Plötzlich sah ich eher Gollum vor mir, wie er immer und immer wieder seine Phrase "mein Schatz" wiederholt, denn die Gespräche zwischen den Mädchen werden zunehmend "verstörender". In dem Sinne, dass man sich von den vielen, meist gleichen, Fragen und Aussagen, bedrängt fühlt. Genau das fand ich besonders geglückt, denn gleichsam stellt sich nämlich automatisch die Frage, inwieweit wir der Ich-Erzählerin trauen können. Was ist die Realität, was ist Einbildung? Gibt es einen Unterschied?

"A hybrid. That most obscure of acadmic beasts. What you call something when you just don´t lnow what you´re doing anymore.
     'A hybrid. So, combining genres?

They smile that tsk-tsk smile again. Shake their heads.
'Samantha, we´re at Warren. The most experimental, groundbreaking writing school in the country. This goes way beyond genre. It subverts the whole concept of genre.'” S. 106

Während ich "Bunny" gelesen habe, vielen mir einige Dinge auf, die ich schnell hinterfragt habe. Zum einen, die schon angedeutete Verlagerung auf das Sexuelle und die doch oftmals vulgären Ausdrücke. Muss das wirklich sein? Für meine Verhältnisse nicht, auch wenn ich die Absichten der Autorin verstehen kann. Solche Kult-ähnlichen Kreise werden ja gerne mal mit diesen Begierden gleichgesetzt. Dennoch, für mich hätte der Roman wahrscheinlich noch besser funktioniert, wenn man dies ein wenig zurückgeschraubt hätte.
Ebenfalls fand ich anfangs das Bild, des "typischen-gemeinen-Girly-Mädchens" ein wenig fraglich. Irgendwie ist man ja mittlerweile eigentlich darüber hinaus zu denken, dass Mädchen, die rosa mögen und gerne Cupcakes essen etc. direkt Biester sind. Man muss aber einfach ehrlicherweise sagen, dass hier eben extrem und auch absichtlich mit solchen verankerten Bildern gespielt wird. Was verbirgt sich hinter welcher Fassade, welche dunklen Geheimnisse liegen verborgen?
Das trägt alles dazu bei, dass sich die Figuren zunächst in einem bekannten Umfeld bewegen, wie wir es erwarten, sich dann aber so lösen, dass man mit allem rechnen muss.
Ein weiterer Punkt war (und darauf hat mich Miss Bookiverse bereits hingewiesen), dass hier gewisse Passagen beschrieben werden, die blutig sind und sich auf Tiere beziehen. Grausam bleibt es, wie man es dreht und wendet, allerdings hatte dies stets für mich immer einen eher Märchenhaften-Unterton, als würde man eine Gebrüder Grimm Geschichte lesen. Es ist schwer zu beschreiben, aber beim Lesen merkt man, dass diese Taten als absolut grausam und wahnhaft dargestellt werden, sich andererseits aber wieder an das Medium des Märchentextes hängen, sodass diese den Stil des Magic Realism ermöglichen.

Daher fand ich die vielen intertextuellen Verweise sehr geglückt. In Kombination mit der Tatsache, dass sich alle auf einer Elite-Universität befinden und dabei sind ihre eigenen Texte zu verbessern, von den Dozenten sogar darauf getrimmt werden, einen Art Perfektion zu erreichen, machte die Verknüpfung zu den anderen Begierden der Figuren noch packender. Was vermag ein Text zu bewirken? Wie wahr ist er im Gegensatz zum Gesprochenen? Und auch hier ist wieder die schon beinahe psychologische Analyse der Ich-Erzählerin notwendig, um sich den Roman erklären zu können. Offenbart uns der Text ihr Innerstes in Form von (veränderten) Wahrheiten oder sind wir Teil eines Schreibprojekts?
Man kann aber natürlich auch einfach die Geschichte lesen und sich von der Absurdität der Geschehnisse führen lassen...

"Why do you lie so much? And about the weirdest little things? my mother always asked me.
       I don´t know, I always said. But I did know. It was very simple. Because it was a better story."
S.48


Eine wirklich sehr skurrile, eigene und bizarre Geschichte rund um eine junge Ich-Erzählerin, die versucht ihren Platz in der Welt zu finden und dabei scheinbar in einen Strudel gefährlicher Machenschaften der beliebten Mädchenclique gerät. Das Buch ist vielleicht nicht für das große Publikum gemacht, aber für alle, die gerne Texte lesen, die sich sehr vom Mainstream abheben. Was rosa und flauschig beginnt, wird zunehmend gefährlich und blutig. Dennoch bleibt stets die Frage nach Wahrheit und Imagination bestehen, ebenso danach, was wir aus Texten machen und wie wir sie deuten.


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