Fliegen, tanzen, wirbeln, beben von Katherine Mansfield

November 18, 2018



Rezensionsexemplar - (Original: Tagebücher unter eigenem Titel zusammengefasst/ 1903-1922) Manesse Bibliothek, Übersetzer/in: Irma Wehrli (aus dem Englischen), ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne

„Die Auswahl reicht von ersten Talentproben der zwölfjährigen Neuseeländerin Kathleen Beauchamp bis hin zur brillanten Tagebuchprosa einer gereiften Schriftstellerin. Hier in Neuübersetzung vorgelegt, faszinieren die Texte durch gedankliche Tiefe, Intimität, Empfindungsreichtum und den Zauber der poetischen Weltbetrachtung. “

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Dies ist ein verräterisches kleines Notizbuch, ganz im alten Stil. Wie es mich bloßstellt!" S.338

Tagebucheinträge sind etwas Privates, etwas das niemand außer einem selbst lesen wird. Daher muss es authentisch sein, oder etwa nicht?
Katherine Mansfields Tagebuchaufzeichnungen zeugen von einer ganz bestimmten Melancholie und Verletzlichkeit. Man spürt Unsicherheiten, ihre Sprunghaftigkeit, das „Wirbeln“ in ihrem Leben. Leichtfüßig, ja „tänzelnd“ versucht sie auch immer ihre Ängste zur Seite zu schieben. Doch als Leser spürt man, da ist etwas Verborgen, was eine große Traurigkeit in sich trägt.
Mansfield schwankt ständig, sagt in einem Moment, sie „ will nie etwas auch nur entfernt Theatralisches schreiben, und es muss ultramodern sein“ und am besten auch nicht melancholisch, kurz darauf tauchen aber genau diese Stimmungen in ihren Äußerungen auf. Sie ist eine Frau, die sich schwer an etwas binden kann, manchmal auch nicht zu ihrem eigenen Wort steht. Diesen Eindruck erhält man auch, wenn sie über Freunde, Liebhaber (ob Mann oder Frau) und Vorbilder spricht. 
Wir treffen auf viele große Namen, die Katherine Mansfield anscheinend dabei helfen sollten, ihren eigenen Weg voranzuschreiten. Sie versucht auf ihren Pfaden zu gehen, ihre Inspiration für sich nutzen zu können. Und man muss sagen, dass vieles, das sie in Prosa in ihr Tagebuch schreibt, teils wirklich tiefgründig und durchaus erwähnenswert ist. Sei es, wie sie die Stellung der Frau kritisiert, sei es wie treffend sie das Leben in Momenten beschreibt und diesen Zwiespalt in einem auf den Punkt bringt. Will ich glücklich oder erfolgreich sein?

"Ein Tag in der Hölle. Unfähig zu allem. Trank Kognak. Wollte nicht weinen - und weinte. Entsetzliche Einsamkeit. “ S.219

Und genau an dem Punkt ist mir aufgefallen, dass ich das Buch häufiger mal zur Seite legen musste, weil viele Kapitel einen selbst runterziehen können. Häufig erwähnt sie ihre Lustlosigkeit auf den Alltag, ihre Überforderung etwas Produktives zu schreiben, sie fühlt sich müde, traurig, allein. Besonders, wenn man vielleicht selbst gerade in einer beruflichen Sackgasse steckt oder gar nicht weiß, wie die Zukunft für einen aussieht, merkt man, wie schwierig man dem Geschriebenen folgen kann, ohne sich „unbeteiligt“ zu fühlen. Ja, in „Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben“ bekommt man den Eindruck, dass der Text ebenso schwankend, ebenso tänzelnd ist, wie das Leben der Schriftstellerin selbst. Ich konnte Katherine Mansfield als Persönlichkeit zumindest nicht wirklich greifen und
letztlich wirken die Tagebucheinträge aber doch so, als wolle Katherine Mansfield einen Teil ihrer selbst an ein gewisses Publikum weitertragen, aber dennoch weiterhin mysteriös bleiben und die Leute durch ihre selbstgewählten Pseudonyme für ihr Umfeld in die Irre leiten. 
Vielleicht war ich zum Schluss aber auch nicht ganz so überzeugt oder angetan, weil ich stets das Gefühl hatte, dass sich Mansfield immer für ihre "Unproduktivität" entschuldigen versucht und immer sagt, sie hätte mehr schreiben müssen. Manchmal klang es schlicht so, als fordere sie vom Leser ihr zu wiedersprechen, eine Art "Fishing for compliments".  Ich mag mich täuschen, aber es wirkte sehr berechnend. 
Dennoch kann man ihr die Kunst des Schreibens nicht absprechen, denn das kann sie. Sie schreibt manchmal so banale (lustige?) Dinge, die einen nachdenklich machen wie zum Beispiel: "Auffällige Besonderheit. Schuhe, die noch nie gequietscht haben, quietschen auf einmal." Und man fragt sich: Ist das genial? Steckt da mehr dahinter oder ist es einfach eine wirklich unterhaltsame, auffällige Besonderheit?

“Und selbst in meinem Gehirn, in meinem Kopf kann ich wahre Wunder denken, wirken, entwerfen - wahre Wunder; doch sobald ich sie niederschreiben will, versage ich kläglich.“ S.134


Auch wenn wir einen minimalen Eindruck ihrer Persönlichkeit wahrnehmen, wirken die Texte doch noch stark konstruiert, überarbeitet und „geformt“. Geleitet wird man durch die Aufzeichnungen aber stets mit einer sehr schwankenden Stimmung, mal heiter und glücklich, dann wieder zutiefst melancholisch und niedergeschmettert. Nicht immer leicht zu folgen und manchmal auch sehr wiederholend, aber wenn man sich vielleicht die nötigen Pausen lässt, erfährt man doch (ein klein wenig mehr) über Mansfield und ihr wahnsinnig sprunghaftes, wildes Leben, als man, durch die beliebig scheinenden Einträge, zunächst denkt.



Der Verräter von Paul Beatty

November 13, 2018



Rezensionsexemplar - (Original: "The Sellout"/ 2015) Luchterhand, Übersetzer/in: Henning Ahrens (aus dem Amerikanischen), ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne

„Dickens, ein Vorort von Los Angeles, ist der Schandfleck der amerikanischen Westküste: verarmt, verroht, verloren. Zugleich ist es der ganze Stolz seiner schwarzen Einwohner, eine Bastion gegen die weiße Vorherrschaft. Hier zieht der Erzähler von "Der Verräter" friedlich Wassermelonen und Marihuana. Doch als sein bürgerrechtsbewegter Vater durch Polizeigewalt stirbt und die Gentrifizierung den gesamten Vorort auszuradieren droht, wird er unversehens zum Anführer einer neuen Bewegung: Mit seinem Kompagnon Hominy, alternder Leinwandheld aus "Die kleinen Strolche", führt er Sklaverei und Rassentrennung wieder ein ...“
Interview mit Paul Beatty zu seinem Buch: >>

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"Ich habe noch nie einen Anzug getragen, und der Händler, der mir diesen verkaufte, meinte: 'Gefällt Ihnen garantiert, wie Sie darin aussehen.´ Mein Spiegelbild sieht jedoch aus wie das aller anderen schwarzen Männer mit Geschäftsanzug und Cornrows oder Dreadlocks oder Glatze oder Afrolook, deren Namen und Gesicht keiner kennt - wie eine Verbrechervisage." S.11

Dieses Buch war wohl eines der größten Herausforderungen für mich seit langer Zeit. Ein schwarzer Ich-Erzähler, der sich kontinuierlich rassistisch äußert und sich vornimmt wieder die Rassentrennung und Sklavenhaltung einzuführen.
Von vielen wird das Buch als Satire betitelt. Natürlich, das könnte man eventuell in die Geschichte mit einfließen lassen und damit einiges erklären, aber ich war anfangs etwas ratlos. Daher stürzte ich mich auch nach Beenden der Lektüre auf verschiedene Interviews des Autors und auf Rezensionen verschiedener Leser, um meinen eigenen Eindruck irgendwo einordnen zu können.
Die Geschichte fängt sofort turbulent und natürlich spitzzüngig an. Der Ich-Erzähler greift bereits hier zu einem geschickten Manöver, in dem er sagt: "Aus dem Mund eines Schwarzen klingt das sicherlich unglaublich, aber ich habe nie geklaut." Gefolgt von vielen Vorurteilen, die man gerne mit den Schwarzen in Verbindung zu bringen scheint. Das hat natürlich zur Folge, dass man sich als Leser vielleicht nicht ertappt fühlt, aber zumindest direkt darauf hingewiesen wird, dass ein bestimmtes Bild zu entstehen scheint, wenn wir wissen, dass der Protagonist schwarz ist. Kriminelle Machenschaften natürlich mit einbezogen.
Und dennoch, durchgehend gab es für mich nie eine Konstante in dem Buch, was wunderbar mit der Aussage der Geschichte zusammenpasst. Es gibt kein festes Bild einer bestimmten Menschengruppe. Ein Mensch kann in vielerlei Hinsicht richtig handeln, und im nächsten Moment fragt man sich, was die folgende, unverständliche Handlung überhaupt zu bedeuten hat. Das sollte aber nicht mit der Hautfarbe assoziiert werden.
Grundsätzlich bleibt aber der anfängliche Eindruck bestehen, dass der Roman nicht einfach für zwischendurch gedacht ist, auch wenn er als eben "komische Satire" hervorgehoben wird. Die Sätze sind meist lang und verschachtelt, sagen dabei aber so viel aus, dass man es manchmal zu schnell überliest, wenn man sich nicht ein wenig Zeit dafür nimmt. So habe ich es zumindest empfunden.

"[...][A]ber Charisma hätte klar sein müssen, dass es 250 arme farbige Schüler, die eine grottenschlechte Schulbildung bekommen, nie auf eine Titelseite schaffen, ein einziges weißes Kind, dem gute Bildung vorenthalten wird, dagegen einen Shitstorm in den Medien auslöst.“ S.304

Schwierig habe ich mich tatsächlich mit der Sprach- und Wortwahl getan, für die das Buch so gelobt wird. Rassistische Wörter fallen beinahe im Minutentakt und man weiß gar nicht, ob man es nun als "künstlerisches Element" ansehen soll oder es einfach geschmacklos ist. Hier habe ich mir verschiedene Rezensionen durchgelesen, von weißen und schwarzen Lesern und auch hier scheiden sich die Geister. Die einen loben es, auch in Hinblick auf das "Satirische", die anderen sehen die Art des Romans nur als Ausrede, um die Wörter schreiben zu können.
Eines wird in dem Roman aber deutlich: Der gesamte Wahnsinn, den die Gesellschaft auszumachen scheint. Jede Nation, jede Gruppe von Menschen hat hier gewisse Vorurteile anderen gegenüber. Es scheint ein Phänomen zu sein, dem sich niemand entziehen kann. Versucht man auf der einen Seite entgegenzuwirken, artet es auf der anderen Seite wieder aus. Jeder muss immer zu allem etwas zu sagen haben, keiner hört dem anderen zu und natürlich hat jeder recht.
Unabhängig von der Thematik, gefielen mir einfach persönlich gewisse Einschübe nicht, die sich so stark auf das "Macho-Verhalten" bezogen haben. Diese ständigen Anspielungen auf sexuelle Eroberungen oder Ähnliches waren mir einfach irgendwann zu anstrengend.
Letztlich blieb bei mir aber der Eindruck bestehen, dass wir nicht einmal annähernd verstehen können, wie sich Rassismus anfühlt, egal wie ungerecht andere soziale, hierarchische Strukturen funktionieren. Und ich glaube, dass sollten wir ein wenig im Hinterkopf behalten, wenn wir immer versuchen bestimmte Äußerungen zu relativieren.

“Hier in Amerika kann >>Integration<< auch ein bloßes Alibi sein. >>Ich bin kein Rassist. Meine Partnerin beim Abschlussball, mein Cousin zweiten Grades, mein Präsident sind schwarz (oder was auch immer).<< Das Problem besteht darin, dass wir nicht wissen, ob Integration ein natürlicher oder ein unnatürlicher Zustand ist. Ist Integration, ob erzwungen oder freiwillig, soziale Entropie oder soziale Ordnung? Der Begriff wurde niemals richtig definiert.“ S.205


Durch die explizit verwendete, rassistische Wortwahl, bleibt es ein Buch, das sicherlich Gesprächsthema bleiben wird. Sieht man es als künstlerischen und satirischen Schachzug oder ist und bleibt es ein Roman, der zu weit geht? Dies ist ein Aspekt, den jeder anders sehen wird. Der thematische Aspekt hingegen ist durchaus wichtig und sollte nicht als bereits abgeschlossen gelten. Rassismus ist und wird vermutlich leider noch in den nächsten Jahren ein Thema bleiben, da sich Menschen zu schnell damit begnügen zu sagen, dass es doch schon besser geworden sei. Vieles wird teilweise ins Lächerliche gezogen und rüttelt so auf andere Art und Weise auf, für mich war es aber dennoch kein "lustiger" Roman.


5 Gründe, warum man Norton einfach lieben muss

November 08, 2018





Rezensionsexemplar ~ „Nortons philosophische Memoiren“ von Håkan Nesser (übersetzt aus dem Schwedischen von Paul Berf)

Ich bin definitiv ein Hundemensch. Solange ich zurückdenken kann, bin ich immer mit einem Plüschhund unter dem Arm unterwegs gewesen. Sie waren für mich einfach immer die perfekten Begleiter. Und auch wenn ich bis heute noch keinen echten eigenen Hund habe, weiß ich, dass man neben der Verantwortung, die man für dieses Lebewesen aufbringen muss, mit einer besonderen Freundschaft belohnt wird.
Auch Norton, ein Ridgeback, der nun seine Memoiren aufschreiben lassen hat, lässt uns einen Einblick in die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund bekommen. Und das mit einer großen Portion Humor und Augenzwinkern.
Der Mann, der sich den Aufzeichnungen seines Hundes angenommen hat ist dabei niemand geringeres als der bekannte Schriftsteller Håkan Nesser. Eigentlich ist er ja für seine Krimis bekannt, aber in diesem Fall ist er ja auch nur der Übermittler der Anekdoten seines Hundes...
Hier folgen nun fünf Gründe, warum man Norton einfach mögen muss und warum man ihn in sein Herz schließt, auch wenn wir nur einen kleinen Eindruck seines Lebens präsentiert bekommen:


„Ungefähr in diesem Stadium meines Lebens beschloss ich, Pazifist zu werden. Das ist eigentlich eher unüblich unter uns Philosophen, Verzeihung, ich meine, Hunden […]“


1. Er ist Hund, Philosoph, Psychologe und Pazifist: Eigentlich ist Norton aber auch noch viel mehr. Versuche sich selbst zu kategorisieren klappen aber dennoch nicht immer. Was aber überhaupt nicht zum Nachteil ausgelegt wird, denn dadurch zeigt er auf, dass man vieles sein kann, Bezeichnungen können zwar dabei helfen sich zu positionieren, aber sie sind nur die Oberfläche. Der Leser lernt nach und nach, was Norton ausmacht und wo seine Stärken und seine liebenswerten Seiten liegen.

2. Er lernt aus seinen Fehlern und den Vorurteilen: Natürlich trifft Norton auch auf andere Hunde. Anfangs hat er vieles zu kritisieren, insbesondere die äußere Erscheinung seines Cousins Melwin. Doch schnell stellt er fest, dass er sich den Fehler eingestehen musste zu schnell geurteilt zu haben. Eine ganz wunderbare Freundschaft entsteht, die dem Leser noch ein wahres Abenteuer der beiden präsentiert. Ganz selbstverständlich natürlich mit der nötigen Prise Humor.  

3. Er ist herrlich ironisch und hat Humor (ohne es selbst zu wissen): „Der Mensch ist ein Rätsel, dachte ich und schloss die Augen.“ sagt Norton an einer Stelle und auch sonst bekommt der Leser einen schönen Einblick in die teils sehr merkwürdigen Verhaltensweisen der Menschen. Gleichzeitig nimmt sich (da Nesser natürlich die Aufzeichnungen vorgenommen hat) sein Herrchen auf die Schippe, wenn davon erzählt wird, dass eigentlich Nortons Frauchen seine "Number One" sei. Aber das ist noch längst nicht alles, auch andere Tiere, wie zum Beispiel ein redegewandter Papagei kommen nicht ohne einen gelungenen Kommentar seitens des hündischen Erzählers davon. Generell sind die Unterhaltungen Nortons mit seinen Freunden und Bekannten lesenswert. Manchmal kommen dabei Sätze herausgepurzelt, die an Sherlock Holmes erinnern (sollen).

4. Er liebt das Reisen und ist weltoffen: Nicht nur bekommen wir seinen Charakter präsentiert, nein, auch seine verschiedenen Wohnorte können wir im Schnelldurchlauf erahnen. Norton interessiert sich für die verschiedenen und anderen Lebensweisen, schätzt gewisse Orte, wie zum Beispiel den Pub mit Leckereien und einem gemütlichen Hundeplatz besonders, scheut sich aber auch nicht davor zu neuen Orten aufzubrechen. Gemeinsam mit seinen Herrchen versteht sich. Erwähnte Stationen sind zum Beispiel London (Kensington Gardens), Schweden oder auch New York.

5. Er nimmt uns die Angst vor unangenehmen Begegnungen im Leben: Das Büchlein ist zwar sehr kurz, spielt mit sehr eigensinnigen und teils überdrehten humoristischen Einschüben, verweist aber auch auf ein ernstes Thema, den Abschied eines guten Freundes. Das Schöne dabei ist, dass Norton auch nach diesem Abschied anwesend ist und seinem Herrchen Tipps gibt. Es ist ein Buch, das dem Leser diese schwierigen Trennungen etwas leichter machen möchte. Und wenn ein so majestätischer, philosophischer Hund wie Norton von diesem Abschied erzählt, kommt es dem Leser nur halb so schmerzhaft vor, denn die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt bestehen. Kurzum: Eine wunderbare Hommage an einen wunderbaren Hund, den ich persönlich leider nie kennenlernen durfte, dessen Memoiren mich aber glauben lassen, dass er ein wirklicher Freund gewesen ist (und natürlich bleiben wird).

Zusätzlicher Grund: Die schönen Illustrationen von Karin Hagen, die nicht nur Norton perfekt einfangen, sondern auch seine Gefährten und auch die Städte und Lieblingsorte, die ihn ausgemacht und glücklich gemacht haben.


„‘Aha?‘, sagte Melwin. ‚Man siehe und staune.‘
        „‘Das tut man, mein lieber Watson, Verzeihung, ich meine Melwin‘, sagte ich.‘



Oktober: Kälteeinbruch und Geistergeschichten

November 04, 2018






Ein wahnsinnig turbulenter Oktober geht zu Ende. 
Nicht nur ist nun die Praktikumszeit im Emons Verlag vorbei, sondern auch die Frankfurter Buchmesse. Das Buchevent auf das man sich mitunter am meisten freut. 

Trotz der doch ereignisreichen Tage, konnte ich einige Bücher lesen, die sich perfekt an die kalten und dunklen Tage angepasst haben. Ja, die Temperaturen sinken wieder und die Blätter lassen sich von den Ästen herabfallen. Das bedeutet für mich, dass die Pulloversuche wieder losgeht und man sich zum Buch eine warme Tasse Tee oder Kakao einschenken kann. 
Hier also die gelesenen Bücher im Oktober:

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.  

  • "Tod in der Villa Saturn" von M.R.C. Kasasian: Der dritte Teil der Gower Street Detective Reihe hat mich dieses Mal zwar auch gut unterhalten, hat mich aber nicht so überzeugt, wie die Vorgänger. Dennoch kehrt man gerne zu den sehr speziellen Figuren zurück und lässt sich von der Atmosphäre mitreißen. 
  • Mit "The Silent Companions" von Laura Purcell wurde es nicht nur noch schauriger, sondern auch spannender, was den Austausch zur Lektüre betraf. Das Buch habe ich im Zuge meines ersten "Buddy Reads" mit zwei weiteren Bloggerinnen in Angriff genommen. Die Geschichte selbst war meiner Meinung nach perfekt für die herbstliche Stimmung und sorgte für einige Gänsehautmomente. Das Gespräch über das Buch und die daraus entstandenen Interpretationsansätze, wie auch Diskussionsmöglichkeiten, haben mich zusätzlich positiv beeinflusst. 
  • Danach hatte ich wieder Lust auf einen Klassiker, daher griff ich zu "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen in der schönen Neuauflage des Coppenrath Verlags. Den Roman habe ich bereits vor einigen Jahren im englischen Original gelesen, mit den vielen Extras, die dem Buch aber beiliegen, war das Leseerlebnis aber noch ein anderes. Grundsätzlich gefallen mir viele Aspekte des Klassikers, jedoch muss ich sagen, dass ich ihn nicht derart bevorzuge, wie viele andere Leser. Ich weiß noch, dass ich schon beim ersten Lesedurchgang erstaunt darüber gewesen bin, dass Elizabeth Bennet und Mr. Darcy doch so wenig in Kontakt treten und die Dialoge, die Treffen und diese aufblühende Liebe doch an einigen Stellen etwas merkwürdig erscheint. Ich kann aber auch nicht leugnen, dass mich der Roman dennoch reizt und ich auch zum Beispiel die Darstellung der Literatur in dem Klassiker oder ähnliche aufgegriffene Motive ebenso spannend finde.
  • "Tales From the Dead of Night" ist ein Sammelband, der mich beginnend mit Halloween bis zum Ende des Monats begleitet hat. Die Geschichten sind alle nicht sehr lang, haben aber auch diese Andeutungen an Übernatürliches, an etwas, das man nicht erklären kann. Dieses Gefühl ist auch das, was mir an den Erzählungen so gut gefallen hat. Eine Geschichte hat mich sogar an H.P. Lovecraft erinnert. Auch wenn das Buch äußerlich eher den Eindruck von modernen, wenn nicht sogar Jugendliteratur-Inhalten macht, so lassen sich hier doch dreizehn spannende Klassiker der Gruselgeschichten finden. Für mich ein wirklicher Tipp für die folgenden Halloween-Abende.
  • Zum Schluss gesellte sich dann noch "Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben" von Katherine Mansfield dazu. Hier habe ich vorerst die ersten Seiten angelesen, aber ich bin schon sehr auf den weiteren Inhalt gespannt. Das Buch gibt die Tagebuchprosa der Autorin wieder und fängt schon recht vielversprechend an...

Außerdem möchte ich (mit einigen Tagen Verspätung) noch den Gewinner des Gewinnspiels des Beitrags "4 Jahre little words" bekanntgeben. Danke vorab an alle, die mitgemacht haben. Ich hätte am liebsten allen Teilnehmern ein Paket zukommen lassen...Den Gewinner habe ich ganz altmodisch per Zufall durch Zettelziehen gezogen. Gewonnen hat: Verena -  Herzlichen Glückwunsch! Ich werde mich bald noch einmal bei dir wegen des Gewinns melden.


Habt ihr diesen Monat besonders gruselige Bücher bevorzugt?