Die Gabe von Naomi Alderman

Februar 28, 2018



Werbung - Rezensionsexemplar (Original: "The Power"/ 2016) Heyne, Übersetzer/in: Sabine Thiele (aus dem Englischen),   ★★() 4 bis 5 Sterne
"Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.“

MEINE MEINUNG / FAZIT

"Fernsehexperten sagen: 'Sperrt sie all ein Hochsicherheitsgefängnisse.' Soweit man das bisher sagen kann, sind alle Mädchen im Alter von etwa fünfzehn Jahren betroffen. Man kann sie nicht alle einsperren, das ist sinnlos. Dennoch fordert es die Öffentlichkeit“  S.29

Margaret Atwoods Lobeshymne auf den Roman prangt vorne auf dem Cover und auch im Nachwort wird ihr von der Autorin für ihre Hilfe gedankt. Es schien mir also kaum verwunderlich, dass man gewisse Bezüge zwischen Naomi Aldermans Roman und Margaret Atwoods Stil ziehen konnte.
Bereits beim Anfang, an dem sich herauskristallisiert auf welch spezielle Art und Weise der Roman aufgebaut ist, kam mir Der Report der Magd in den Sinn. Auch dort werden zu dem Erzählbericht, der die Handlung aufgreift, weitere Zusätze in Form von geschichtlich recherchierten Unterlagen beigefügt, die das Ganze eben wissenschaftlich wirken lassen sollen. Ich persönlich fand es schon in Atwoods Roman wahnsinnig spannend, sodass mich auch der Ansatz in Die Gabe sofort begeistern konnte.
Obwohl mich dieses Konstrukt oder diese Rekonstruktion vorrangig überzeugen konnte, empfand ich auch den Inhalt und die ganze Metaphorik sehr stark.
Denn seien wir mal ehrlich. Wie oft hat man sich (heimlich) gedacht, sobald sich politisch oder grundsätzlich zwischenmenschlich Barrikaden aufgetan haben, dass Frauen in einer Machtposition ganz anders gehandelt hätten? Dass Frauen viel weniger zu Brutalität und Kampfgeist neigen und alles diplomatischer lösen würden?
Diesen Aspekt greift der Roman zunächst scheinbar vorrangig auf, denn Die Gabe ist nur den Frauen vorbehalten. Dadurch können sie sich in der männerdominierten Welt endlich etwas Kraft verleihen, sich wehren und auch Machtworte sprechen. Schnell wird aber deutlich, dass der Roman nicht darauf abzielt, das Bild der 'guten', 'netten' Frau darzustellen, die sich für das Wohlbefinden der ganzen Welt einsetzt. Man wird nicht mit den typischen Bildern konfrontiert, die man sich ausmalt, wenn man davon ausgeht, dass Frauen regieren würden und es wird meiner Meinung nach hervorragend mit den Geschlechterrollen und auch Geschlechterpositionen gespielt.

"Männer dürfen nicht mehr wählen - die vielen Jahre voller Grausamkeit und Erniedrigung haben gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, zu regieren oder zu verwalten."  S.336

Der Roman ist brutaler und deutlich kritischer, als ich ihn mir anfangs vorgestellt hatte, aber genau das ist es auch, was das Buch ausmacht. es zeigt auf, dass dieses Bild was wir von einer friedlichen Welt unter der 'Herrschaft' der Frau vorstellen, gar nicht existieren kann. Das Gefühl der Macht und das Verlangen danach ist unabhängig vom Geschlecht entweder stark oder schwach ausgeprägt. 
Man kann Menschen nicht nach Wunsch in bestimmte Gruppen aufteilen und hoffen, dass sich die eine Hälfte der anderen unterordnet und wehrt. 
Genauso gut wird aber auch aufgezeigt, dass es problematisch ist, wenn die 'Geschlechter' beginnen, durch neu erhoffte Chancen, neu zu positionieren um die Oberhand zu erlangen. Der Roman verdeutlicht, dass es keine Frage der Geschlechter ist, wie man handelt, sondern rein eine Frage der Absichten eines jeden Menschen. Obwohl manche Ausführungen und Handlungen sehr banal erscheinen, zum Beispiel in Bezug auf die körperliche Befriedigung oder die allgemeine körperliche Macht über einen anderen Menschen, ist immer eine deutliche Botschaft dahinter zu erkennen. Dabei fand ich es immer erschreckend zu sehen, dass man, wenn man die Stellen liest, absolut weiß, dass die Verhaltensweisen grausam und vollkommen 'unmenschlich' sind (in Bezug auf die Tatsache, was man überhaupt als menschliches Handeln ansieht) und dennoch stellt man fest, dass es einfach in unserer heutigen Gesellschaft (im übertragenen Sinne) genauso abläuft. 
Frauen besitzen zwar nicht die Gabe, Elektroschocks zu verteilen, aber grundsätzlich thematisiert der Roman diese Kraft, oder auch, wie der englische Titel passend ausdrückt The Power, nach der sich die Menschen anscheinend in der Gesellschaft sehnen. Politische Machtspiele, Die ständige Diskussion darüber, ob Männer wirklich das stärkere Geschlecht sind, diese permanente Kritik an alles und jedem, der nicht der Norm entspricht. 
Zudem werden diese gesellschaftlichen Fragen, die zumeist erst einmal nur in der eigenen Nationalität angesprochen werden auch noch in die weltliche Situation ausgeweitet. Religionen werden hinzugezogen, Gottesbilder werden skizziert und wieder zertrümmert. Man kann wirklich nicht sagen, dass der Roman einem wenig Gesprächsstoff bietet. Und dennoch ist der Roman am Ende so clever konstruiert, dass man sich einerseits denkt: 'Ja, jetzt müssen doch alle aufwachen und begreifen, was für ein Irrsinn diese Macht und die Vorstellung davon eigentlich ist' und kurz darauf hat man irgendwie das Gefühl, dass die Menschen manchmal einfach nicht die Kraft haben nachzugeben und sich Schwächen einzugestehen, um voranzukommen.
Ich hoffe dennoch sehr, dass dieses Buch von vielen gelesen und reflektiert wird und dass diese Visionen einer Zukunft, die man sich nicht vorstellen möchte, nicht irgendwie doch für immer unsere jetzige Situation wiederspiegeln wird.

"Die Kraft sucht ein Ventil. Diese Dinge haben sich schon zuvor ereignet, und das werden sie auch wieder. Ein endloser Kreislauf."
  S.401


Packende Geschichte, die sich als historischer Roman tarnt und den Leser in seinen Bann zieht. Greift sehr viele Punkte der Gesellschaft auf, die sich mit der geschlechtlichen Identität beschäftigen und auf die Frage eingehen, was uns Macht überhaupt bringen kann und bringt. Spielt mit vielen religiösen Bezügen und wird so zu einem genial konstruierten Leseerlebnis. Spannend und hoffentlich auch endlich mal 'Augen öffnend'.


Mein Herz in zwei Welten (Me Before You #3) von Jojo Moyes

Februar 26, 2018



Werbung - Rezensionsexemplar (Original: "Still Me"/ 2018) Rowohlt, Übersetzer/in: Karolina Fell (aus dem Englischen), ★★ 3 Sterne
"„Trag deine Ringelstrumpfhosen mit Stolz. Führe ein unerschrockenes Leben. Fordere dich heraus. Lebe einfach.“
Diese Sätze hat Will Louisa mit auf den Weg gegeben. Doch nach seinem Tod brach eine Welt für sie zusammen. Es hat lange gedauert, aber endlich ist sie bereit, seinen Worten zu folgen und wagt in New York den Neuanfang. Die glamouröse Welt ihrer Arbeitgeber könnte von Lous altem Leben in der englischen Kleinstadt nicht weiter entfernt sein. Dort ist ein Teil ihres Herzens zurückgeblieben: bei ihrer liebenswert chaotischen Familie und vor allem bei Sam, dem Mann, der sie auffing, als sie fiel. Während Lou versucht, New York zu erobern und herauszufinden, wer Louisa Clark wirklich ist, muss sie feststellen, wie groß die Gefahr ist, sich selbst und andere auf dem Weg zu verlieren. Und am Ende muss sie sich die Frage stellen: Ist es möglich, ein Herz zu heilen, das in zwei Welten zuhause ist?“

MEINE MEINUNG / FAZIT

"Sie verengte die Augen. Ich behielt mein Lächeln bei.'Sind Sie Engländerin?'
'Ja.' Ich hatte den Eindruck, dass sie etwas sanfter werde.
'Warum fragen Sie? Haben Sie Verwandte dort, Mrs. De Witt?'
'Unsinn.' Sie musterte mich von oben bis unten. 'Ich dachte nur, englische Frauen hätten Stil.'“  S.128

Ich habe den ersten Teil Me Before You wirklich verschlungen. Das Buch hatte viele Elemente, die in ihrer Konstellation funktioniert haben. Auch wenn natürlich viel auf die Gefühlsebene gesetzt wurde, hatte ich damals nicht das Gefühl, dass etwas zu gezwungen klang.
Einige Jahre später begegnen wir nun Louisa Clark erneut, diesmal nicht in England (zumindest nicht überwiegend), sondern in Amerika, dem Land der Träume. Und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass dieser dritte Teil, genauso wie auch schon der zweite Teil, nicht richtig überzeugen konnte. Vielleicht liegt das zu stark an meiner persönlichen Einstellung dem Gedanken gegenüber, dass Me Before You gar keine Nachfolger braucht und durch diese neuen Abenteuer, der 'Zauber' des ersten Teils ein wenig verfliegt.
Grundsätzlich war ich wohl, wie viele andere Leser auch, doch recht versessen darauf zu erfahren, wie es mit der liebevollen Protagonistin Lou weitergeht. 
Lou überzeugte durch ihre nicht perfekte Art, durch ihre Bodenständigkeit und durch ihren entflammten Optimismus. Auch im dritten Teil findet man die liebgewonnenen Merkmale in ihr wieder, aber man erlebt, wie sie sich durch gewisse Vorfälle versucht neu zu finden, herauszufinden wer sie ist und was sie letztlich wirklich in ihrem Leben machen und erreichen möchte. Keine Frage, viele der angesprochenen Themen sind wertvoll, auch wenn sie in einen 'Frauenroman' verpackt werden. Aber es geht um die Identität der Frau, das Streben nach einer Karriere, wie sie sich eigentlich nur die Männer erlauben dürfen. Es geht um Selbstverwirklichungen, um die Liebe zur Familie und um die Frage, ob die äußerliche Ähnlichkeit zu einem Menschen, den man einst geliebt hat, wirklich so stark sein kann, dass man über grundsätzlich verschiedene Ansichten hinweg sehen kann.
Und doch wollte mich das Gefühl nicht ganz loslassen, dass so reizend die Geschichte versucht wurde aufzuziehen, sie als eigenständiger Roman besser funktioniert hätte, als ein weiterer Lebensabschnitt von Louisa Clarke.

"Aus Büchern lernt man fürs Leben. Bücher lehren einen Empathie. Aber man kann keine Bücher kaufen, wenn es kaum für die Miete reicht. Und deshalb ist eine Bücherei eine unverzichtbare Ressource!"  S.286

Obwohl ich die Geschichte selbst ganz gerne gelesen habe und nach einer Pause auch gerne wieder in die Hand genommen habe, wollte der endgültige Funke einfach nicht überspringen. Für mich war die Geschichte von Louisa mit dem ersten Teil einfach erzählt, so hart das vielleicht klingen mag, weil es natürlich immer ein 'Leben danach gibt', was auch wichtig ist. 
Dennoch kamen bei mir, außer an manchen kleineren Stellen, keine großen Gefühle auf. Die wenigen Versuche eine gefühlvolle Verbindung zu ihrer Vergangenheit aufzubauen, haben mir nicht immer gefallen. Sie wirkten wie Einschübe, die halt rein müssten, um eben den Anschluss nicht zu verlieren. 
Einige andere Entwicklungen fand ich zudem sehr stereotypisch. Das waren wundersame Begegnungen, die auch hier Mitgefühl und vielleicht auch Tränen hervorbringen sollten, mir wurden sie viel zu schnell reingeworfen und so erzählt, als seien sie ein Klassiker unter den Frauenromanen, die halt immer irgendwie gut wirken. 
Mir gefiel wiederum, dass eine bestimmte Handlung nicht nach diesem speziellen Muster verlief und sich am Ende nicht alles wie durch Zauberei in einen wahr gewordenen Traum entwickelt hat, denn das zeigt einfach, wie das Leben manchmal wirklich sein kann. Aber irgendwie schien mir das Verhältnis zwischen den aufgetauchten Geschehnissen zu wirr. 
Die Bewertung klingt vielleicht härter, als sie tatsächlich ist, denn grundsätzlich ist es eine ganz unterhaltsame Geschichte, aber in meinen Augen hat es als zweite Fortsetzung von 'Lou & Will' einfach nicht ganz funktioniert.

"Ich hatte vergessen, dass Amerikaner ihre Einladungen tatsächlich ernst meinen. Anders als Engländer, die eine Einladung aussprechen, dann aber kurzzeitig auswandern, wenn man sie wirklich annehmen will."
  S.405


Ein dritter Teil, der sich mit einem weiteren Lebensabschnitt von Louisa Clarke beschäftigt. Obwohl die Geschichte selbst ganz süß und nett erzählt wird, kamen bei mir keine großen Gefühle auf. Die Bezüge zu Lous Vorgeschichte waren für mich zu lose in die Handlung eingeworfen und versprühten nicht den Charme, den man im ersten Teil so geliebt hat. Grundsätzlich liest man die Geschichte ganz gerne, weil einige interessante Denkweisen bezüglich 'der Frau von heute' aufgegriffen werden und die Selbstverwirklichungen eine große Rolle spielt, aber als weitere Fortsetzung von 'Lou & Will' hat mich der Roman einfach nicht vollkommen überzeugen können.


 

4 3 2 1 von Paul Auster

Februar 21, 2018





(Original: "4 3 2 1"/ 2017) Faber & Faber / Faber Books, Übersetzer/in: -, Englische Ausgabe, ★★★(★)☆ 3 bis 4 Sterne
Am 3. März 1947 wird in Newark, New Jersey ein Junge namens Archibald Isaac Ferguson geboren, der einzige Sohn von Rose und Stanley Ferguson. Von diesem einzigen Moment an wird Fergusons Leben vier fiktive, unabhängige Lebensstränge entfalten. Vier Fergusons, geschaffen aus dem selbengenetischen Material, vier Jungs, welche derselbe Junge sind, welche aber vier parallele und komplett unterschiedliche Leben führen werden.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"For the Fergusons, the weak-minded notion All-For-One-And-One-For-All did not exist. In their little world, it was All-For-All-or nothing." S.3

Paul Austers neuer Roman hat es in sich und das nicht nur hinsichtlich der doch massiven Seitenzahl. Als Leser wird man auf den knapp neunhundert Seiten von sehr vielen Informationen erschlagen, auch wenn man sich zu Beginn bereits versucht eine Taktik anzueignen, wie man die Informationen auseinanderhalten soll.
Grund dafür ist die zunächst recht gelungene Umsetzung der Idee des Romans; es werden vier Lebensstränge des Protagonisten Archibald Isaac Ferguson erzählt, die sich nacheinander abwechseln und sein Leben bis in die Mittzwanziger erzählen. Auch wenn natürlich die Familienmitglieder wiederholt auftauchen, muss man sich mit vielen anderen Figuren vertraut machen, die mal erscheinen und dann wieder verschwinden. Ebenso wechseln die Wohnsituationen oder kleine Details in seinem Leben, die jedoch weitreichende Konsequenzen haben. Was mir zunächst etwas schwierig und kompliziert wirkte, entpuppte sich mit den fortlaufenden Kapiteln als kein allzu großes Hindernis, da jedes Kapitel besondere Eigenheiten des Lebens eines der vier Ferguson Jungs, noch einmal hervorhebt und man es so auch nach einiger Zeit schafft, die verschiedenen Archibalds auseinanderzuhalten.
Ich muss aber letztlich sagen, dass mich der Roman im Großen und Ganzen etwas enttäuscht hat und das hat Gründe, die man meiner Meinung nach hätte verhindern können.
Mir gefiel die gesamte Idee des Romans, ich war begeistert vom Anfang und auch vom Ende und war auch bis weit über der Hälfte noch am schwärmen. Und dann plötzlich hat sich der Roman und der Inhalt für mich so unfassbar gezogen, ausgedehnt und in irgendwelche Kleinigkeiten verzettelt, dass ich mich in dem letzten Teil eher gelangweilt, als spannend mitgelesen habe. 
Dabei greift der Roman aber trotzdem wunderbare Ansichten auf zum Beispiel was veränderte Umstände in unserer Persönlichkeit auslösen würden, ob Geld wirklich alle Sorgen lösen würde, wie stark man auf etwas Einfluss nimmt, wenn man sich nur richtig engagiert und auch Fragen hinsichtlich der Beziehung zu verschiedenen Familienmitgliedern. Der Roman ist wirklich sehr umfangreich was seine Thematik anbelangt.

"’You don´t want to reinvent the world, Archie, you want to understand the world so you can find a way to live in it.’." S.687

Zu Beginn lernt man den sehr jungen Ferguson kennen, man liest von seinen Strapazen, lernt seine Elterngeschichte kennen, es entsteht wirklich ein festes Band, sodass dem Leser der Junge tatsächlich am Herzen liegt. Ebenso empfand ich vor allem am Anfang den Schreibstil als sehr angenehm und durchaus spannend. Man hatte nie den Eindruck, dass einem egal sei, was denn nun geschieht, dafür sorgen zudem auch schon zu Beginn gewisse Ereignisse, die den Roman 'lebhaft' gestalten, auch wenn eigentlich nur der Lebenslauf wiedergegeben wird. 
Nach und nach war es bei mir dann aber so, dass ich zu einigen Lebenssträngen eher den Draht verloren habe, ab einem späteren Abschnitt wurden mir dann beinahe schon fast alle Archibald-Figuren lästig. Auch hier spricht wohl eindeutig meine sehr persönliche Einschätzung und Meinung, aber diese manchmal wahllosen und übermäßig vielen Einschübe jeglicher Beziehungen und sexuellen Annäherungen und irgendwelcher anderer ähnlicher Tagträumereien war mir dann wieder einmal zu viel. Durchaus ist mir bewusst, dass der Roman die Geschichte eines heranwachsenden Jungen erzählt, diese Dinge gehören dazu und sie sind auch nicht komplett auszuschließen, aber vor allem zum Ende hin erschienen mir manche Sachen sehr grotesk und unfassbar überspitzt zum Beispiel als auch noch in einem Lebenslauf sein Großvater mit irgendwelchen erotischen Spielchen assoziiert wird. Ich empfand diese Einschübe dann als 'Notstopfer', um noch irgendwie Spannung in das Ganze zu bringen, was für mich allerdings eher den gegenteiligen Effekt erzielte. 
Für mich war der letzte Teil also eine persönliche, kleine Katastrophe, da hätte man notfalls kürzen sollen, denn das letzte Kapitel bildet einen so schönen Rahmen zum Anfang und stellt die Idee noch einmal auf eine ganz andere Stufe, dass mir die vorherigen Kapitel erschienen, als hätte sie jemand anders verfasst.
Allerdings mochte ich an dem Roman die vielen literarischen Anspielungen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man nach Buchtipps sucht. Zudem wird wunderbar mit dem Schreiben sich gespielt. Was bedeutet es einen Roman zu verfassen und wie würde man sein eigenes Leben niederschreiben? 
Und auch wenn ich den älteren / die älteren Fergusons nicht alle mochte, werde ich den jungen Ferguson durch den Roman immer positiv in Erinnerung behalten. Es ist letztlich eine Geschichte mit so vielen Facetten, Wendungen und Ansichten, dass sie wohl nicht jedem in vollem Ausmaß gefallen kann.  

“' I´m saying you´ll never know if you made the wrong choice or not. You would need to have all the facts before you knew, and the only way to get all the facts is to be in two places at the same time - which is impossible.” S.240


Sehr umfangreicher Roman, der sich mit vier Lebenssträngen eines Jungen beschäftigt. Für mich fing der Roman stark an und hört im letzten Kapitel auch sehr stark auf, aber kurz vor dem imposanten Ende verlor sich der Autor meiner Meinung nach in zahlreichen, ausgedehnten Passagen, die dem 'sehr guten Eindruck' etwas geschadet haben. Es kamen deutlich mehr Wiederholungen auf, als mir lieb war, vor allem hinsichtlich vieler sexueller Erlebnisse, die mich haben laut Aufatmen lassen, weil sie nicht die nötige Spannung, sondern eher Augenrollen hervorgebracht haben. Dennoch fand ich den Roman durchaus gelungen, wenn man die sehr eigene Art und Weise der Erzählung berücksichtigt und die liebevollen Passagen, die sich mit der Literatur befassen. Es ist eine Ode an das Leben und an die Bücher, welche uns bereichern und es erzählt davon, was uns am Ende wirklich ausmacht.

 

Neuerscheinungen März

Februar 17, 2018







Es ist schon etwas länger her, seit hier ein 'Neuerscheinungsbeitrag' veröffentlicht wurde. Das lag größtenteils etwas am Zeitmangel, aber auch an der Tatsache, dass mich in den ersten beiden Monaten nur vereinzelt Bücher interessiert haben, die neu erschienen sind.
Im März folgen dann nun doch einige Bücher, die mir sehr interessant erscheinen und daher hier nun die Neuerscheinungen, die im März '18 folgen werden. 

"Lennon" von David Foenkinos, DVA, gebunden, 12. März
Sein Buch "Charlotte" habe ich bisher noch nicht gelesen. Nach anfänglicher Euphorie, folgte eine etwas trübsinnige Stimmung, als vermehrt negative Rezensionen aufgetaucht sind. Vielleicht schaffe ich es, mir bei Lennon vorher selbst ein Bild zu machen, bevor ich mich zu sehr auf andere Meinungen konzentriere. Der Inhalt des Buches klingt zumindest vielversprechend; ein Beatle auf der Couch eines Psychologen.

"Die Geschichte des Wassers" von Maja Lunde, btb, gebunden, 19. März
Auch hier bin ich noch nicht dazu gekommen Maja Lundes Erfolgsroman "Die Geschichte der Bienen" zu lesen. "Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit." Diese Inhaltsangabe lässt aber vermuten, dass die Thematik den Leser ebenso packen kann, wie das Schicksal der Bienen. Bleibt also vorgemerkt,

"Big Pig, Little Pig" von Jaqueline Yallop, blanvalet, Broschur, 19. März
Eines der Bücher, die ich im März am sehnlichsten erwarte. Als jemand, der kein Fleisch isst, interessieren mich die Sichtweisen anderer sehr, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Hier wird die Geschichte zweier Schweine geschildert, welche die Autorin kauft und heranwachsen lässt, um sie anschließend selbst zu schlachten. Dabei steht die Frage im Raum, ob sie dies am Ende auch wirklich umsetzen kann. 

"Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte" von Elena Passarello, Hanser Berlin, gebunden, 12. März
Ein anderes Buch, welches sich auf Tiere bezieht ist dieses. "Elena Passarellos hinreißende "Hall of Fame" der Tierwelt erinnert uns daran, woher wir kommen und mit wem wir diesen Planeten teilen. " Dieser Satz reichte, um mich neugierig zu machen. Daher bleibt es weit oben vorgemerkt. 

"Der Tempel der magischen Tiere" von Carl von  Siemens, Malik, gebunden, 01.März
Geschichten, die sich mit den Urvölkern befassen und die uns ganz andere Seiten der 'Zivilisation' aufzeigen finde ich immer sehr spannend. Daher musste auch dieses Buch auf den Merkzettel. "In Australien begegnet er dem magischen Denken der Aborigines und teilt ihren Alltag im Outback. Auf Mangaia, der ältesten der Cookinseln, erlebt er die Vormoderne nur mehr als Spuk. Und in Peru wird er von Mestizen und Amazonasindianern in den Gebrauch halluzinogener Pflanzenmedizin eingewiesen." Klingt so, als würde man sich auf ein kleines Abenteuer begeben.

"Atlas der wundersamen Orte" von Mia Cassany, Prestel, gebunden, 26. März
Etwas für die kleineren Leser könnte dieses Buch sein. Auf der Seite des Verlags kann man einen Blick in das Buch werfen und es ist wirklich sehr liebevoll gestaltet. Gleichzeitig kann man sich durch verschiedene 'wundersame Orte' bewegen und sich von der Atmosphäre einfangen lassen. 

"Das Zeiträtsel" von Madeleine L´Engle, Ivi Verlag, gebunden, 01. März
Das Buch erscheint nun auch auf Deutsch. Die Rezension zu dieser tollen Geschichte erschien auch letztens auf dem Blog. Falls ihr Interesse daran habt, könnt ihr sie HIER finden.

Besondere Ausgaben im Piper Verlag:
Zudem erscheinen diesen Monat einige schon erschienene Bücher in neuem Design im Piper Verlag. Der Look kommt dem einen oder anderen vielleicht sogar bekannt vor, denn es gab diese Art der Bücher schon zur Weihnachtszeit. Nun folgen einige Sommerbücher im passenden neuen Gewand. / 19. März
Außerdem erscheinen noch "Die Sommer der Porters" von Elizabeth Graver und "Das Nest" von Cynthia D´Aprix Sweeney nun im Taschenbuchformat.


Ein schöner Buchrücken kann auch entzücken

Februar 13, 2018



Der Buchrücken ist für die meisten nur ein praktisches Bindeglied, welches das Buch zusammenhält. Das Buchcover ist für die Optik zuständig und auch hier scheiden sich sehr oft die Geschmäcker. Wovon die einen nicht genug bekommen können, ist den anderen schon zu verschnörkelt. Simpel soll es dann wieder sein, am besten, wenn nur der Name des Autors und der Titel des Buches abgebildet sind.

Mich persönlich kann man eher mit wohl portionierten, schönen Details überzeugen. Natürlich überwiegend auf dem Cover, aber auch auf dem Buchrücken, denn für mich gehört der Buchrücken ebenfalls zum Gesamteindruck dazu. Wirft man nämlich einen Blick auf sein Bücherregal, fällt einem sofort der Buchrücken auf und nicht die 'Titelseite'. Man hat auch schlichtweg nicht den Platz, um seine Bücher mit der vorderen Gestaltung zu präsentieren, wie es nun auch vermehrt die Buchhandlungen machen.
Was vielen egal ist, nämlich wie das Buch letztlich im Bücherregal aussieht, spielt bei mir ab und an doch eine etwas größere Rolle. Die Geschichten die ich gelesen und lieben gelernt habe, wollen bei mir einen Platz bekommen, der am besten gut sichtbar ist. Man möchte sich dann bei dem Blick auf den Buchrücken sofort an die Protagonisten erinnern, die einen eine Zeit lang begleitet haben, sich an die Orte zurücksehen und das Gefühl wiedererlangen, welches einen bei bestimmten emotionalen Passagen ergriffen hat.
Und bei mir taucht genau bei diesem Moment die Frage auf: "Wieso ignorieren viele Verlage den Buchrücken so?" 

Vielleicht ist die Frage für mich erst jetzt so präsent, weil durch bestimmte 'Trends', der Buchrücken wieder ins Gespräch kam. Ein Trend nennt sich "Backwards Books" und ging natürlich, wie sollte es auch anders sein, sofort viral.
Was den "Backwards Books"-Trend ausmacht? Hauptsählich soll es dazu dienen, Bücher verkehrt herum in das Bücherregal einzusortieren, um ein harmonisches Gesamtbild zu erzeugen. Das heißt, man dreht den Buchrücken Richtung Regal und sieht nur noch den Seitenschnitt.
Viele Verlage haben sich zu dem Trend geäußert und haben auch bei den Lesern nach deren Ansicht gefragt. Zum Beispiel auch der dtv Verlag in Zusammenhang mit einer konkreten Umfrage, ob man den Trend 'schön' findet oder nicht. HIER sieht man das recht eindeutige Ergebnis.
Auch viele englische Verlage haben sich zu dem Trend geäußert und im Allgemeinen kam es immer darauf hinaus, dass kein wirklich bibliophiler Leser diese Art des Einsortierens bevorzugt.
Jedem scheinen die Buchrücken also doch nicht ganz so egal zu sein. Mir kommt es zudem vor, als sei der Trend eben für die 'Design-Menschen' wichtiger, die sich eben mit der Inneneinrichtung befassen und Bücher nur als freches Accessoire ansehen, das etwas 'Leben' in die Wohnung zaubert, eben auch nur, wenn man sie falsch herum einsortiert.

Dennoch scheint mir, dass auf dem deutschen Markt dem Buchrücken immer noch relativ wenig Beachtung geschenkt wird. Hauptsächlich findet man hier reduziertere 'Designs'. Dabei fände ich es viel schöner und interessanter, wenn sich der Buchrücken an das Cover angleichen würde, dass man ein bestimmtes Merkmal der Geschichte vielleicht als kleines Symbol dort wiederfinden würde.
Gute Beispiele findet man zum Beispiel schon bei Klassikern, wie der Ausgabe des dtv Verlags von 'Jane Eyre', bei 'Der Freund der Toten' (Die Pflanzen greifen von dem Cover auf den Buchrücken über) oder die gebundene Version von Eleanor Cottons 'Die Gestirne', welche sich an die englische Version angleicht und auf dem Buchrücken das Cover erneut aufgreift. Ich finde es recht schade, dass man mittlerweile sehr viel Zeit in das Cover investiert und anschließend den Buchrücken vollkommen außer Acht lässt.
Einerseits bin ich mir sicher, dass es als vorteilhafter angesehen wird, damit es im Bücherregal 'neutraler' wirkt und man nicht direkt wieder die Diskussion hat, ob es zu 'weiblich' oder 'männlich' daherkommt, aber streift man durch die Buchhandlungen und sieht diese manchmal lieblos gestalteten Buchrücken, springt mein Herz einfach nicht unbedingt höher und die Lust, nach einem bestimmten Buch zu greifen, sinkt.
Mich persönlich sprechen komplett einfarbige Buchrücken mit dem Logo des Verlags und einer Standardschriftart nicht wirklich an, aber vielleicht ist das einfach nur ein Problem das man hat, wenn man ein Leser ist, der nicht nur die Geschichten selbst lieben möchte, sondern auch die dazu passende Gestaltung.


Seid ihr für oder eher gegen den "Backwards Books"-Trend? Habt ihr bestimmte Buchrücken, die ihr euch immer wieder anschauen könntet und die ihr auch nie in eine 'hintere' Reihe ins Regal stellt? Würdet ihr euch wünschen, dass die Buchrücken auf dem deutschen Markt ebenfalls etwas kreativer ausfallen würden oder ist euch der Teil des Buches komplett egal?



A Wrinkle in Time (Time Quintet #1) von Madeleine L´Engle

Februar 09, 2018








(Original: "A Wrinkle in Time"/ 1962) The Folio Society, mit Illustrationen von Sam Richwood, Übersetzer/in: - ,  Englische Ausgabe, ★★★★☆ 4 Sterne

Meg Murry, eine scheinbare Außenseitern vermisst ihren Vater, einen Physiker, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Doch als Meg mit ihrem Bruder Charles Wallace auf die ganz außergewöhnlichen Gestalten Mrs Whatsit, Mrs Who und Mrs Which trifft, werden sie zusammen mit ihrem Freund Calvin O´Keefe auf ein Abenteuer durch Raum und Zeit geschickt, um ihren Vater zu retten.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"'Maybe that´s why I call when I´m not going to be home. Because I care. Nobody else does. You don´t know how lucky you are tob e loved.‘ 

        Meg said in a startle way, ‘I guess I never thought of that. I guess that I took it for granted.’" S.33

Auch hier wurde es nach Meinung der Filmindustrie langsam Zeit, die Geschichte rund um Meg auf die große Leinwand zu bringen, denn bald erscheint der Kinderklassiker mit Starbesetzung auch in den deutschen Kinos.
Natürlich verspürte ich dadurch den Drang, das Buch zu lesen und zu schauen, ob das Abenteuer verdienterweise eine größere Aufmerksamkeit bekommt.
Was mir an dieser Ausgabe besonders gefallen hat, war das Vorwort von Meg Rosoff, die ihre ganz eigene Liebe zu dem Buch verdeutlicht. Bereits hier wird dem Leser irgendwie bewusst, dass die Geschichte eine Sogwirkung haben muss, so wie die Autorin von den verschiedenen Elementen des Textes spricht. Tatsächlich wird man ab der ersten Seite mit in das Abenteuer hineingerissen, denn es gibt auf den rund hundertsiebzig Seiten keine unnötig aufgebauschten Passagen, die sich in die Länge ziehen. Es gibt auch keine ellenlangen Beschreibungen der Charaktere und doch weiß man als Leser ganz genau, was die Protagonisten ausmacht, denn für mich lag der Fokus auch oftmals darauf, wie sich die Figuren verhalten, welche Taten sie umsetzen und was diese Handlungen dann über sie aussagen. Auf Monologe, aus denen dann die wundervollsten Selbsterkenntnisse hervorgehen wird verzichtet und das fand ich auch gut, denn es zählt hier vielmehr der emotionale und auch sprachliche Austausch der Figuren. Das Schöne daran ist dadurch auch, dass es keinen einzelnen Helden gibt, es ist keine Geschichte, die nur den vermeintlichen ‚Problemlöser‘ in den Vordergrund stellt. Es ist eine Geschichte, die den Zusammenhalt hervorhebt.  

"’We do not know what things look like, as you say,‘ the beast said. ‘We know what things are like. It must be a very limited thing, this seeing’." S.148

Das Geschehen selbst und die Entwicklung der Handlung war für mich sehr außergewöhnlich, da man solche Science Fiction mäßigen Szenarien sicherlich schon öfters mal in Filmen gesehen und in Büchern gelesen hat, aber hier hat man das Gefühl, dass der Gedanke noch recht frisch war. 1962 ist die Geschichte veröffentlicht worden und doch ist sie sehr modern. Es werden viele physikalische Überlegungen hinzugezogen, die sich ebenfalls mit den verschiedenen Dimensionen und der Möglichkeit der Zeitreise auseinandersetzen. Es treten Gestalten auf, die so erfrischend ‚unbestimmt‘ sind, was ihre Form und ihre Vorstellung von der Welt angeht, dass man das Gefühl hat, dass man seine eigenen verbissenen Ansichten über das ‚Schöne‘ abschütteln möchte.
Und zudem kommt natürlich noch hinzu, dass es einen Gegner gibt, den die Protagonisten versuchen zu bekämpfen, was dazu führt, dass man auch ein wenig mitfiebert.
Obwohl die Erzählung eher für die jüngeren Leser bestimmt ist und die Erzählweise dadurch etwas ‚leichter‘ erscheint, sind die Werte, die uns die Geschichte vermitteln will umso wichtiger für die Erwachsenen. Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, das sich Lösen einer standardisierten Form der Gesellschaft beziehungsweise der unvernünftige Wille sich Dingen beugen zu wollen, nur weil die Anstrengung dagegen anzukämpfen zu groß ist, all das und irgendwie noch viel mehr thematisiert Madeleine L´Engle in diesem Buch.
Und sollte die Botschaft nicht alleine schon überzeugen, so wird man dies sicherlich von den zauberhaften Figuren, die das Buch so besonders machen.


“Only a fool is not afraid’, Mrs Whatsit told him.” S.84


Ereignisreicher Kinderklassiker, der allerdings auch wunderbar für Erwachsene geschaffen ist. Man wird daran erinnert, was am wichtigsten und wertvollsten für uns und den Umgang miteinander ist und gleichzeitig öffnet man das Herz für ganz wundervolle erschaffene Figuren, die durch ihre ganz persönlichen Besonderheiten glänzen. Auch wenn die Geschichte rund um Meg und ihre Begleiter, welche ein rasantes Abenteuer erleben, eher schnell erzählt ist, steckt es voller zauberhafter Ideen und findet auch mit wenigen Worten einen rührenden Zugang zum Leser.


Januar: Ein abwechslungsreicher Jahresbeginn

Februar 04, 2018







Der erste Monat des neuen Jahres ist vorbei und gleichzeitig steht wieder die Prüfungsphase an. Wie das in den  meisten Fällen so ist, verspürt man gerade dann die größte Ambition Bücher zu lesen, wenn  man genau weiß, dass man lernen muss. 
Und obwohl ich dann tagsüber versuche konzentriert zu lernen, belohne ich mich abends vor dem Schlafengehen noch mit einigen Kapiteln. Neun Bücher haben es somit geschafft gelesen zu werden, alle relativ unterschiedlich, sodass es mir an Abwechslung sicherlich nicht gefehlt hat.

Generell verlief der Januar aber relativ ruhig, was auch hier auf die Klausurenphase zurückzuführen ist.
Gestern ging es dann aber noch spontan zur "Maze Runner - The Death Cure" (dt. "Die Auserwählten in der Todeszone") Verfilmung. Natürlich verspüre ich jetzt irgendwie das Gefühl auch die Bücher lesen zu wollen. Ehrlich gesagt fand ich den letzten Teil inhaltlich etwas schwächer, als die Vorgänger, aber irgendwie war es dennoch ein guter Abschluss für die Reihe.
Von vielen habe ich bisher gehört, dass die Bücher in eine etwas andere Richtung gehen, sodass ich mir vielleicht nach den Klausuren zumindest schon einmal den ersten Band bestellen werde. Ich bin gespannt, welche Umsetzung mir dann letztlich besser gefallen wird.

Folgende Bücher haben mich im Januar begleitet:
Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 

„Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund“
von Jerome K. Jerome: Wahnsinnig unterhaltsam und auch angenehm kurz. Sicherlich ein wunderbares Buch für Zwischendurch.

„Lincoln in the Bardo“ von George Saunders: Ein sehr außergewöhnliches Buch, nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch. Man muss sich zwar erst einmal etwas an den Schreibstil gewöhnen, aber es gibt viele emotionale Passagen, die dem Buch neben einigen unterhaltsamen Dialogen die nötige Ernsthaftigkeit geben. 
„Sleep No More“ von P.D. James: Dies war meine erste Erfahrung mit der Schriftstellerin, aber ich bin mir sicher, dass es nicht meine letzte bleiben wird. Die Erzählungen sind immer etwas düster und mysteriös, auch wenn man vieles schon zu Beginn weiß und dennoch bleibt man an den Geschichten und Schicksalen hängen. Bestens geeignet für verregnete Tage.

„The Hundred and One Dalmatians“ von Dodie Smith: Ein sehr schöner Kinderklassiker, der einfach so herzlich und liebevoll ist. Die Illustrationen in dieser Ausgabe waren ebenfalls sehr schön umgesetzt.

„The Beauty and The Beast” von Gabrielle-Suzanne Barbot De Villeneuve: Wohl eines der größten Überraschungen diesen Monat, brachte mir die Originalvorlage von 'Die Schöne und das Biest', denn die Geschichte ist wirklich ganz anders, als man sie eigentlich kennt. Meine Vorstellung des Buches war immer sehr von Disney geprägt, aber wie man weiß, ist Disney dafür bekannt einiges zugunsten des märchenhaften Zaubers abzuändern. Auch hier sucht man vergeblich nach den liebgewonnen Figuren wie Chip und seiner Mutter oder der im Film so prägnant in Szene gesetzten Rose, die ihre Blütenblätter verliert.
Das Buch setzt den Fokus deutlich auf das schlechte Verhalten der Schwestern von 'Beauty' und legt den Fokus ebenfalls auf die gesamte Vorgeschichte des Prinzen und der Feen, die den Zauber ausgesprochen haben. Dennoch ist die Geschichte auch deshalb lesenswert, weil sie eben nicht wie eine Disneyproduktion wirkt (obwohl ich den Film über alles liebe). Zudem sind natürlich die interaktiven Elemente von Mina Lima ein wirklicher Hingucker, auch wenn ich mir einige Elemente deutlich prägnanter vorgestellt habe. Die Bücherei im Schloss wird zum Beispiel nur auf einer Seite als Illustration gezeigt, da finde ich, hätte es sich wunderbar angeboten, ein ausklappbares Element einzubauen, das eine riesige Bücherei hervorzaubert.

„Zeit muss enden“ von Aldous Huxley: Ein Buch, welches mich zwar nicht enttäuscht hat, von dem ich mir aber anfangs etwas mehr erhofft hatte. Mir gefielen durchaus sehr viele Aspekte und Umsetzungen in dem Buch, allerdings schien sich mir vieles manchmal zu ziehen oder in eine etwas 'nervige' Richtung zu gehen. dazu gehören die Passagen, in denen der Protagonist Sebastian seine Gedichte vorträgt und ausbaut.

„Hier treffen sich fünf Flüsse“ von Barney Norris: Eine positive Überraschung brachte mir dieser Roman von Barney Norris. Ganz spontan griff ich zu dem Buch, als ich eine Bahnlektüre suchte. Der Anfang hat mich nicht direkt gepackt, da mir das zweite Kapitel, in dem die erste Protagonistin vorgestellt wird, gar nicht zu gesagt hat. Die Sprache war mir etwas zu derb und gänzlich hat mich die Stimmung nicht überzeigen können. Umso schöner war es dann zu sehen, wie sich der Roman mit den Kapiteln immer weiter entwickelt und aufeinander aufbaut.
Die Figuren verbinden sich zu einem Ganzen und bilden zum Schluss eine Geschichte, die sicherlich hängen bleibt und einen auch berührt.

„Faery Tales“ von Carol Ann Duffy: Carol Ann Duffys Märchenzusammenstellung und ihre Neuinterpretationen waren wirklich unterhaltsam und greifen auch die größten Klassiker auf, die man so kennt. Ab und an kamen Märchen vor, die sich sehr geähnelt haben, aber das sei einfach mal der Tatsache geschuldet, dass das Buch eine komplette Sammlung ihrer Märchenwerke sein soll. 
Dennoch bin ich mir sicher, dass man, wenn man Märchen liebt, mit dem Buch nichts falsch macht. Zudem sind auch hier einige Illustrationen zu finden, die das Buch einfach zu einem Sammelstück machen.

„Men Without Women“ von Haruki Murakami: Erst vor einigen Tagen rezensiert, daher werde ich nur wenige Worte darüber verlieren. Auch wenn mich nicht alle Erzählungen in ihrer Gänze überzeugt haben, vor allem, weil ab einem gewissen Zeitpunkt vieles auf die Sexualität geschoben wurde und ich der Meinung bin, dass das wirklich nicht alles ist im Leben und in der Liebe, mochte ich die Geschichten dennoch. Sie tragen alle eine bestimmte Verletzlichkeit und Ehrlichkeit in sich, die man beim Lesen zu bewundern scheint. Daher werde ich mich mit der Zeit auch noch an andere Bücher von Murakami wagen.


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