Die Apokalypse (übersetzt) von Kurt Steinmann

Februar 10, 2017








(Original: "-" aus dem Altgriechischen , 81-96 n. Chr. / 2016 Manesse) Manesse Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Kurt Steinmann, 176 Seiten, gebunden im Schuber, Illustrationen von Daniel Egnéus,  Einzelband, ★★★★☆ 4 Sterne 

"Apokalyptische Reiter, Unheil kündende Engel mit Posaunen, der Zorn Gottes in sieben Schalen, Krieg, Geschwüre und Feuersbrunst ... Wenige Bücher können es an rauschhaften Visionen mit der «Offenbarung des Johannes» aufnehmen, diesem bis heute geheimnisvollen Teil des Neuen Testaments. Die vorliegende Neuübersetzung von Kurt Steinmann unterstreicht den literarischen Rang des gewaltigsten aller Endzeitszenarien."


MEINE MEINUNG | FAZIT

Für mich ist  "Die Apokalypse" als Text allein schwer zu bewerten. Schon im Religionsunterricht konnte ich aus den, mit unzähligen Metaphern und Symboliken der Bibeltexte wenig anfangen. Auch wenn ich an gewisse gläubige Überlieferungen glaube und mir vieles, was in Bezug auf die Nächstenliebe oder gar die Selbstzerstörung des Menschen durch sein Verhalten, verständlich ist, bleiben für mich dennoch viele Texte dieser alten Schriften so abstrakt, dass ich nur schwer einen Zugang dazu finde. Glücklicherweise erlaubt es einem die Neuauflage und auch die neu übersetzte Version der "Apokalypse" nun, sich etwas vertrauter mit den Texten zu machen, da sie dem Leser gewisse Hintergrundinformationen zu vielen Aussagen gibt. Man schlängelt sich so langsam am Text und dann an den dazugehörigen Anmerkungen entlang und erkennt, dass man bisher vieles gar nicht so gedeutet hat, wie es vielleicht gemeint war. Für mich war es jedenfalls eine ganz neue, literarische Erfahrung, da sich mein gezieltes Wissen über dieses wohl schreckliche Ereignis aus fiktiven Serien wie "Supernatural" ergab (heutzutage bin ich mir aber sicher, dass ich kein Einzelfall bin). Ja, ein Skandal könnte man meinen und irgendwie habe ich mich beim Lesen auch dabei ertappt, dass ich durch die neu gewonnenen Ansichten ein viel größeres Interesse an den biblischen Texten bekommen habe. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich den Texten, so interessant sie auch sein mögen, immer skeptisch gegenüber stehen werde. Ich fand "Die Apokalypse" an einigen Stellen so offensichtlich "gepresst" und "zurechtgestutzt", wie auch an mancher Stelle gar nicht so "christlich", dass ich immer zwischen Begeisterung und Ablehnung schwankte. Grundsätzlich ist dies aber ein, heute wohl immer noch, heikles Thema, da der Glaube immer zu unterschiedlichen Meinungen tendiert und man sich vielleicht über die Anmerkungen (hier im Buch) hinaus mit der richtigen Bedeutung beschäftigen müsste.

"Wen ich liebe, den rüttle ich wach und erziehe ihn. Reiß dich nun also zusammen und ändere dein Denken!“  S.31

Was mir an dieser Ausgabe aber besonders gefällt, sind vor allem auch zwei weitere Dinge. Zunächst einmal müssen die wirklich tollen Illustrationen erwähnt werden. Sieben sind es an der Zahl (was man vielleicht im Kontext zur "Apokalypse" verschwörerischer Weise auch deuten könnte), welche sich im gesamten Buch verteilen. Die Szene, die abgebildet ist, wird zudem noch einmal mit dem passenden Zitat der Stelle im Text, versehen, sodass man sich vielleicht auch die etwas abstrakteren Darstellungen besser interpretieren kann. Was mich aber ebenso überzeugt hat, war das informative Nachwort des Buches. Dort wird noch einmal darauf eingegangen, wer überhaupt "Johannes" ist, der diesen Text verfasst hat und welche Resonanz es durch diese "Offenbarung" in der damaligen Zeit gab, beziehungsweise wie die Kirche selbst dazu stand. Obwohl es nur einige Seiten sind, geben sie wirklich einen guten Einblick darüber, welche Dinge man beachten sollte, wenn man sich auf den Text einlässt und welche Äußerungen man mit dem nötigen Kontext betrachten muss. So bietet das Buch also nicht nur eine gute, verständliche und modernere Variante der "Apokalypse", sondern wird durch informative und wissenswerte Anmerkungen, wie auch ein nötiges (vielleicht besonders in der jetzigen Zeit, in der das Interesse für biblische Texte eher schwindet) Nachwort, welches die Grundlegenden Fragen klärt und zusätzliche Aufschlüsse über die Lektüre erteilt.

"Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel vollkommene Stille ein und währte ungefähr eine halbe Stunde lang." S.51


Die berühmt berüchtigte "Apokalypse" in neuem Gewand. Nicht nur ist der Text neu übersetzt und somit moderner und verständlicher, sondern er ist auch durch sieben bemerkenswerte Illustrationen geschmückt. Für ein besseres Verständnis der Metaphern und der Symboliken, wurde nicht an informativen Anmerkungen und einem interessanten Nachwort gespart. Alles zusammen ist ein tolles Buch für alle, die sich mit schönen Ausgaben beschäftigen, unabhängig von der Zustimmung oder Ablehnung des Inhalts. Mir gefiel vor allem, dass das Buch auch kritische Bemerkungen äußert und darauf achtet, dennoch sachliche Erläuterungen zu bieten.








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