Francis Plugs Handbuch für Autoren von Paul Ewen

Oktober 18, 2016






(Original: "Francis Plug - How To Be A Public Author" / 2014) Übersetzer/in: Macrus Ingendaay, 352 Seiten, gebundenEinzelband, ★★★(☆) 3 bis 4 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Manhattan Verlag)»
"Eine brillante Roman-Satire auf den Literaturbetrieb. Francis Plug – Hobbyautor, Berufsgärtner und Sonderling – sorgt für Chaos und Verwirrung, wo immer er auftaucht. Und am liebsten taucht er auf Autorenlesungen auf. Dort sucht er das Gespräch mit literarischen Größen wie Salman Rushdie, Margaret Atwood, Julian Barnes oder Hilary Mantel. Denn Plug sammelt Material für ein großes Buchprojekt: einen Ratgeber für angehende Schriftsteller, der ihnen dabei helfen soll, öffentliche Auftritte zu meistern. Dass Plugs Vorhaben haarsträubend aus dem Ruder läuft, liegt nicht an seinen illustren Studienobjekten. Sondern daran, dass er seinen ärgsten Feind nicht in den Griff bekommt: sich selbst."

MEINE MEINUNG | FAZIT

"Jedenfalls neigen Booker-Preisträger auf persönlicher Ebene nicht zu Vulgarismen. Vermutlich aus der - völlig korrekten - Überlegung heraus, dass es ihrem Publikum ohnehin am Arsch vorbeigeht. Am Arsch vorbei heißt: Es kräht kein Hahn mehr danach.
S.25

"Total abgedreht" war der erste Eindruck, den ich von der Geschichte hatte, als ich es beendet habe. Wirklich ernst nehmen kann man nämlich eigentlich nichts, was der fiktive Charakter "Francis Plug" da von sich gibt. Sein Hang zu alkoholischen Gratisgetränken, bei jeglichen Lesungsveranstaltungen, sorgt zudem nicht für eine zusätzliche Glaubwürdigkeit, was seine Erlebnisse angeht. So stürzt sich der Leser quasi in ein Handbuch für Autoren, das keine Ratschläge bereithält, außer vielleicht alles zu vermeiden, was der Protagonist selbst anstellt. Ich muss zugeben, dass vieles so absurd und die Figur des "Francis Plug" so verrückt ist, dass man sich doch gut unterhalten fühlt. Mit der Zeit mischt sich unweigerlich auch das Bedürfnis auf, Mitleid mit ihm zu empfinden. Er stellt eine gescheiterte Existenz dar, die sich selbst einredet, nächstes Jahr als Erfolg zu haben und dennoch von einem Schlamassel ins nächste gerät. Die jeweiligen Kapitel sind in die verschiedenen Autorentreffen eingeteilt. Getrennt werden diese durch die ersten Seiten des Originalwerkes des Autors, welchem Plug begegnet und der jeweiligen Autogrammeroberung. Ich denke, diese Idee ist ganz nett, um dem Leser ein Buch zu präsentieren, was sich auch äußerlich etwas von anderen unterscheidet, um auch die inhaltliche "Andersartigkeit" herauszuheben. Die Kapitel an sich sind recht kurz und beziehen sich meist auch nur kurz auf die Lesungen selbst. Obwohl es tatsächlich reichlich Nebeninfos zu bisherigen Booker-Preisträgern gibt und die Autoren eine gewisse Präsent in dem Buch aufweisen, liegt der Schwerpunkt einfach auf der chaotischen Person des Francis Plug und seiner "Verrücktheit". Sein Name wird während des Buches gezwungenermaßen zum Running Gag, was den Leser auf der einen Seite ganz nett unterhält, auf der anderen Seite habe ich mir ständig gedacht, dass diese Spielereien mit Namen und vielleicht auch einige übersetzte Witze, auf Deutsch nicht das gewünschte Resultat bringen.

"Ein Mann fragt, was es mit dem Wort ´Rüdenmänner´auf sich hat, das angeblich in beiden Cromwell-Büchern auftaucht - und was sie damit sagen will? Aber Hilary Mantel kann sich nicht einmal erinnern, dieses Wort überhaupt verwendet zu haben, und so folgt auf diese tiefenpsychologische Entdeckung nur peinliches Gestammel seitens des Fragestellers.S.50

Das Buch zielt natürlich darauf ab, die Literaturszene etwas "aufzumischen", was auch vordergrundig betitelt wird. Natürlich gibt es Passagen, bei denen ich schmunzeln musste, vor allem eben auch durch die Figur des Protagonisten. Allerdings ist es meiner Meinung nicht der klassische Humor, sondern schwarzer Humor, der vielleicht manchmal etwas unter der Gürtellinie scheint. Zu den beschriebenen Autorenlesungen gesellt sich aber auch eine private Geschichte des Protagonisten hinzu, die er selbst zu überspielen versucht. Durch Briefeinschübe und im Rausch erwähnte Sätze, lassen den Leser aber etwas hinter die recht traurige Fassade blicken. Dadurch bekam das Buch für mich eine etwas ernstere Note, die aber eben versucht wurde humorvoll verpackt zu werden. Letzten Endes weiß ich gar nicht, ob ich Francis Plug nun mag, ihn bemitleide oder ihn doch als typischen "Satansbraten" ansehe. Irgendwie ist er wohl eine Figur, die alles zusammen vereint. Daher habe ich das Buch im Großen und Ganzen zwar gern gelesen, aber Einiges hat sich auch zu oft wiederholt und hat so seinen Reiz verloren.

"Der Nachteil eines faktenbasierten Buchs ist allerdings auch klar: Der Name Plug wird im Londoner Review Bookshop nicht dort stehen, wo er hingehört, nämlich zwischen Sylvia Plath und Edgar Allan Poe. Es wäre zu überlegen, ob ich deshalb nicht noch irgendetwas Fantasy-mäßiges dazwischenschiebe, vielleicht von einem Mann, der sich in eine Steckrübe verwandelt oder einen singenden Tintenfisch." S.133
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Fiktives Handbuch mit Tipps, die nur durch "nicht Anwendung" hilfreich wären. Ganz unterhaltsam durch die sehr eigenartige und einzigartige Figur des Francis Plug. An der ein oder anderen Stelle scheint sich aber vieles zu wiederholen und nimmt so, trotz wilder Einfälle, die Abwechslung raus. Persönlich bin ich mir nicht ganz sicher, ob alle Witze durch die Übersetzung den gleichen Erfolg erzielen, aber man schmunzelt an einigen Stellen sicherlich mit. Der Einbezug der vielen Autoren sorgt für gute Unterhaltung und die nötige Ironie. Die Gestaltung und die Grundidee des Romans sind aber sehr amüsant und vergessen wird man Francis Plug keineswegs.




























Vielen Dank an den Manhattan Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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