Für dich würde ich sterben von F. Scott Fitzgerald

Mai 17, 2017








(Original: "I´d Die for You" / 2017) Hoffmann und Campe Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Gregor Runge, Andrea Stumpf und Melanie Walz (aus dem Amerikanischen), 496 Seiten, gebunden,  ★★ 4 Sterne 
"Eine literarische Sensation. Neu entdeckte Erzählungen von F. Scott Fitzgerald. Der Traum von Ruhm und Geld, das Streben nach persönlichem Erfolg, die Mystifikation der Frau und der Liebe, rauschende Partys, Höhenflüge und Abstürze ins Bodenlose – das waren die Themen seines Lebens und seines Werks. Am Ende hatte F. Scott Fitzgerald, der umschwärmte Erfolgsautor, sein Publikum verloren. Kaum einer erinnerte sich an ihn, einen der bestbezahlten Story-Schreiber der zwanziger Jahre. Und kaum eine Zeitschrift wollte seine Erzählungen drucken. Man erwartete noch immer Geschichten über junge Liebende von ihm. Aber Fitzgerald wollte sich nicht beschränken. Änderungsvorschläge lehnte er meist ab. So blieben viele Erzählungen bis heute unveröffentlicht. Nun erscheinen sie endlich: 14 abgeschlossene Storys, drei Filmskizzen und ein Fragment – im unnachahmlichen Fitzgerald-Ton. Eine literarische Wiedergutmachung. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Früher habe ich Sie für einen Gentleman gehalten´, sagte Mrs. Caldwell.
     
       ´Ich mich auch - muss mich geirrt haben.´ “  S.164

Schriftsteller wie F. Scott Fitzgerald zählen zu den Klassikern schlechthin. Neu entdeckte Erzählungen zu lesen sind daher meist eine etwas knifflige Angelegenheit. Man erwartet Großes, weiß aber auch, dass sich solche Fundstücke schnell als überschätzt herausstellen können. Als ich die erste Erzählung begonnen habe zu lesen, habe ich mich also darauf eingelassen auch enttäuscht werden zu können. Dennoch muss ich sagen, dass mich die Erzählungen gut unterhalten haben.
Vielleicht auch hilfreich zu erwähnen, dass ein recht ausführlicher Anhang (knapp hundert Seiten) angefügt wurde, der gewisse Bezeichnungen, Namen oder andere Dinge erläutert, die für die Geschichten nützlich sein können. Der Anhang zeigt aber auch noch einmal auf, in welcher Lebensphase sich Fitzgerald zu der Zeit, als die Erzählungen entstanden sind, befand. Ich persönlich finde solche Zusatzinformationen beinahe genauso spannend, wie die Erzählungen an sich. Dadurch lassen sich nämlich die Fundstücke in einen etwas größeren und persönlicheren Kontext bringen.
Mich hat überrascht, dass die Erzählungen dennoch alle in dieselbe Richtung gehen. Viele Protagonisten haben ärztliche Eigenschaften und auch das Thema "Liebe" steht natürlich irgendwie immer im Fokus. Dafür war Fitzgerald ja auch sehr bekannt. Mir gefiel aber auch der Hinweis in den Anhängen, dass die Erzählungen auch zunehmend ironische Komponenten aufgreifen und der Autor damit gewisse Ansichten seiner Gesellschaft in Frage stellt oder auch kritisch darstellt.

"´Mädchen müssen auf eine Gelegenheit warten´, sagte er plötzlich. ´Männer müssen sich ihre Gelegenheiten selbst schaffen, hat mein Lehrer immer gesagt.´“  S.184

Für mich ist es tatsächlich so, dass ich gar nicht viel über die Erzählungen sagen kann. Und man will auch teilweise gar nicht so viel darüber verlieren, weil sich das Interesse auch allein auf das Lesen ausbreitet. Es macht einfach "Spaß" sich den teilweise einfallsreichen Handlungssträngen und Ideen von Fitzgerald hinzugeben und sich von den wechselnden Figuren verzaubern zu lassen. Einige Texte sind länger und haben etwas Träumerisches an sich, wie man es von anderen Geschichten her schon kennt, andere wiederum greifen wie gesagt unterhaltsamere Töne auf. Grundsätzlich fand ich es aber auch sehr passend, dass der gesamte Band "Für dich würde ich sterben" benannt wurde. Nicht nur, weil mir die Erzählung, die den gleichen Namen trägt, unteranderem am meisten gefallen hat, sondern auch weil alle Geschichten tatsächlich auf irgendeine Art und Weise auf diesen Satz zurückzuführen sein könnten. Ja, die Liebe die zieht hier mal wieder alle Register. 
Dennoch findet man auch Fragmente, die sich eher wie ein Drehbuch lesen. Auch hier wird wieder (im Anhang) eine Verknüpfung zu seiner privaten Schaffenskrise gezogen, was einfach ein vielleicht nicht komplett neues, aber dennoch erweitertes Bild des Autors erschafft. Einige Erzählungen oder auch übernommene Ausrücke fand ich vielleicht etwas unangemessen, denn Begriffe wie "Neger" wurden in der Übersetzung nicht an die heutige Sprachwahl angeglichen, da muss wohl jeder für sich selbst einschätzen können, in wieweit die Originalform interessant erscheint und diese beibehalten werden sollte. Tatsächlich aber verliert man sich ein wenig in den Erzählungen und ich finde, man hat sie viel zu schnell ausgelesen, was im Nachhinein natürlich ein sehr positiver Eindruck ist.

"´Ich bin nicht betrunken, wirklich nicht, aber er hat mir mit allem Drum und Dran das Herz gebrochen, und die Symptome sind in etwa die gleichen.´" S.270

Erzählungen eines großen, wenn auch kritisierten Schriftstellers, die man mit Vergnügen liest. Hauptthema scheint hier deutlich wieder die Liebe zu sein, dank reichlicher Informationen im Anhang erfährt man aber näheres über eventuelle ironische Bemerkungen oder private Zusammenhänge. Mich haben die Geschichten wunderbar unterhalten, wenn es auch oftmals an Kleinigkeiten oder gezielten Textpassagen oder Aussagen der Protagonisten lag, die das Ganze "besonders" gemacht haben. Für Fans des Autors sicherlich empfehlenswert, aber auch für Leser, die sich für Erzählungen interessieren, die recht einfallsreich sind und eine spezielle amerikanische Lebensphilosophie thematisieren.

























Vielen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Kommentare:

  1. Ich freue mich schon so sehr auf die Erzählungen, habe aber gleichzeitig Angst, dass sie mich enttäuschen könnten. Es ist schön zu hören, dass sie dir gefallen haben!
    Lg Cora

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hatte auch ein wenig Angst, aber kann wirklich nicht sagen, dass mich die Erzählungen enttäuscht haben. :) Manches hat zwar so eine Art "Entwurf" an sich, aber ich finde es lohnt sich trotzdem die Erzählungen zu lesen, vor allem wenn man Fitzgerald generell mag. :)


      Liebe Grüße
      Karin

      Löschen