Alle Weihnachtserzählungen von Charles Dickens

Dezember 11, 2016








(Original: "Christmas Books" / 1979) aufbau Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Margit Meyer, 608 Seiten mit Illustrationen, gebunden,  Einzelband, ★★★★☆ 4 Sterne 

"Weihnachten zu Zeiten Queen Victorias.
Kobolde, Geister und Gespenster treiben in den Weihnachtserzählungen ihr wundersames Spiel mit den Menschen. In Scharen steigen sie kettenrasselnd aus dunklen Kellern, dringen durch die Ritzen im Kamin und quellen aus den Silvesterglocken. Unheimliche Gestalten erscheinen dem zu Tode erschrockenen, habgierigen Ebenezer Scrooge, der in Traumvisionen für seine Hartherzigkeit büßen muss, und liebliche Feen umgaukeln den wackeren Fuhrmann John Perrybingle, den Zweifel an der Treue seiner Frau plagen. Aber immer wieder werden wir aus dieser Zauberwelt in den Alltag der kleinen Leute versetzt. Durch den dichten Londoner Nebel schimmern die weihnachtlichen Auslagen der Geschäfte, und Bratendüfte schweben in den engen Gassen. Staunend sehen wir, wie Scrooge, der Geizhals, den größten Truthahn kauft. Schmunzelnd schauen wir der gutmütigen Clemency Newcome zu, wie sie aus den Tiefen ihrer Tasche einen Fingerhut und eine Muskatreibe zutage fördert, deren eingravierte Sprüche ihre ganze Bibliothek bilden. Wir zittern, wenn Tilly Slowboy das ihr anvertraute Baby durch ihr Ungeschick in Gefahr bringt, und sind gerührt bei der Begegnung mit dem schmächtigen kleinen Tim und der blinden Bertha. Sie bestehen jedoch alle den Kampf des Lebens, den Dickens humorvoll ausmalt, und zum Schluß ist jeder Misston aus dem traulichen Zirpen des Heimchens am Herd verschwunden. “


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Hu! Der Himmel behüte uns, die wir gemütlich am Kamin sitzen! Er hat eine furchtbare Stimme, dieser Wind, der um Mitternacht in einer Kirche singt.“  S.120

Mit Charles Dickens verbindet man zur Weihnachtszeit immer eine ganz bestimmte Geschichte, nämlich "A Christmas Carol". Natürlich ist diese Geschichte auch in diesem Sammelband vorhanden und ich muss wohl nicht besonders hervorheben, dass sie ein Klassiker ist und jedes Jahr als Lektüre, passend zur Weihnachtszeit gelesen werden kann. Daher würde ich mich gerne auf die vier anderen Geschichten, welche hier enthalten sind, fokussieren. Außer "A Christmas Carol" lassen sich also auch "Die Silvesterglocken" (The Chimes), "Das Heimchen am Herd" (The Cricket on the Hearh), "Der Kampf des Lebens" (The Battle of Life) und "Der heimgesuchte Mann" (The haunted man) finden. Die Geschichten weisen alle eine akzeptable Länge auf, so dass man sie sich auch gerne mit etwas längeren Pausen dazwischen durchliest. Zudem muss ich auch gestehen, dass mich abseits von "A Christmas Carol" an einigen Stellen der anderen Erzählungen eine gewisse "Länge" gepackt hat, durch die ich selbst Abstände setzen musste, um mir das Interesse für die Geschichten beizubehalten. Die beiden Geschichten "Die Silvesterglocken" und "Der heimgesuchte Mann" kamen mir insgesamt aber auch am gelungensten vor. Natürlich bieten alle Erzählungen die bestimmte weihnachtliche Stimmung und das altmodische Ambiente, bei diesen beiden jedoch hat mir rundum auch die Erzählform sehr gut gefallen. Daher werde ich sie in den folgenden Jahren sicherlich noch das ein oder andere Mal kurz vor Weihnachten erneut lesen.

"Das Gespenst bewegte zustimmend den Kopf. ´Warum kommst du, um mich zu verfolgen?´ 

           ´Ich komme, da ich gerufen wurde´, antwortete der Geist.

´Nein. Ungebeten´, rief der Chemiker aus.

´          Ungebeten mag sein´, sagte der Geist. ´Es genügt. Ich bin hier.´ “  S.499

Grundsätzlich weisen Charles Dickens Erzählungen dieselben Prinzipien und Herangehensweisen auf. Alle Geschichten bestehen aus mehreren Teilen und arbeiten sich langsam zum eigentlichen Geschehen, beziehungsweise zur "Erkenntnis" vor. Thematisiert werden auch die Unterschiede und die Kluft zwischen Reich und Arm und den generellen Unterschieden zwischen den Menschen. Von einer gewissen Kritik bleibt der Leser also nicht verschont. Das sorgt natürlich dafür, genauso wie bei dem gut bekannten "Weihnachtlied in Prosa", dass man sich besinnlich zeigt und diese typische Weihnachtsstimmung aufkommt, bei welcher man beginnt seine Taten und Verhaltensweisen zu reflektieren. Was mir dabei bei den Erzählungen von Charles Dickens besonders gefällt ist das Einsetzen der gefürchteten "Geister", die gerne auftauchen. Es ist wohl schon ein kleines Markenzeichen des Autors, sorgt aber in den verschiedenen Erzählungen für eine besondere Atmosphäre und wirkt durch das wiederholte Auftreten dennoch nicht langweilig und überholt. Für mich sind diese Geschichten sicherlich eine tolle Möglichkeit die Wintertage bis Weihnachten mit stimmungsvollen Stunden zu verbringen und sich mit einem klassischeren Erzählstil zu beschäftigen, in der man wirklich das Gefühl von "am Kaminsitzen und durch stark verschneite Straßen zu gehen" bekommt.

"Der Tag kam heran. Ein stürmischer Wintertag, der manchmal an dem alten Haus rüttelte, daß es gleichsam im Winter erzitterte. Ein Tag, an dem man sich zu Hause doppelt wohl fühlte. An dem die Kaminecke neue Freuden spendete. An dem sich auf die Gesichter, die sich um den Herd scharten, ein stärkeres Glühen malte und an dem sich jede Gruppe am Kamin zu einem engeren und geselligeren Bund gegen die wütenden Elemente zusammenschloß.“  S.421

Die klassischen Dickens Weihnachtserzählungen in einem Band, welche durch eine stimmungsvolle Atmosphäre und verschneite Weihnachtstage mit besinnlichen Hintergedanken überzeugen. Geistererscheinungen und die thematisierten (damaligen) Klüfte zwischen Arm und Reich fehlen bei diesen Erzählungen genauso wenig, wie die schönen Illustrationen, die den Geschichten ein typisches Gefühl von Weihnachten verleihen. Auch wenn ich manchmal einige "Längen" verspürt habe, bin ich von Dickens Schreibstil angetan und schätze die in allen Erzählungen vorhandenen Bezüge zur Selbstreflexion.



1 Kommentar:

  1. Charles Dickens und Weihnachten -- das ist der Klassiker schlechthin!

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