Zombie Wars von Aleksandar Hemon

März 03, 2016





(Original: "The Making of Zombie Wars)  320 Seiten,  gebunden,  Einzelband |  ★★★()☆ 3 bis 4 Sterne
Bibliografie auf der Verlagsseite (Knaus) »
"Chicago 2003. Joshua Levin, wohlstandsverwöhntes Kind einer orientierungslosen Generation, lässt sich durch seine Mittdreißiger treiben. Seine einzige Leidenschaft gilt dem Drehbuchschreiben. Mit einer Persiflage auf die Trashkultur und Allmachtsfantasien Amerikas, das sich gerade auf eine weitere Invasion des Irak vorbereitet, will er den Durchbruch schaffen. Doch gerade, als ihn die Inspiration zu einer vielversprechenden Skriptidee ereilt – „Zombie Wars“ – gerät sein Leben aus den Fugen: Nicht nur sein kriegstraumatisierter Vermieter, sondern auch ein eifersüchtiger Ehemann haben es plötzlich auf ihn abgesehen. Joshua hat alle Hände voll zu tun, um seinen Hals zu retten – und wird zu einem Antihelden, wie er ihn selbst nicht hätte besser erfinden können."



MEINE MEINUNG | FAZIT

"Was war das nur mit Jungs? Wie kam es, dass sie so schnell und mit solch einer Selbstverständlichkeit in den Zustand der Verdorbenheit rutschten?" S. 76

Ich kann die positive Kritik an Hemons Buch nachvollziehen, wenn gesagt wird: "In seinem neuen turbulenten Roman dringt Aleksandar Hemon tief in die Seele seiner Wahlheimat Amerika und hält ihr provokant und erzählerisch brillant den Spiegel vor." oder auch, dass die New York Times betitelt: „Hemon kann einfach keinen langweiligen Satz schreiben.“ Ich habe mich in der Tat an keiner Stelle gelangweilt und habe so viele gute Zitate gesammelt, dass ich das Buch hätte eigentlich viel höher bewerten müssen. Denn ich mochte den Grundansatz und die gesamte Idee an diesem Werk. Allerdings scheint Hemon Amerika so "pervers" darzustellen wollen, dass mir manchmal der eigentliche Spaß am Lesen abhanden gekommen ist, da er wirklich an vielen Stellen eine, mir persönlich, zu derbe Sprache verwendet, die das Buch in eine Richtung lenkt, die gar nicht hätte sein müssen. Ich verstehe, dass dadurch der Charakter des Buches, wie auch des Protagonisten stärker durchschimmert und man die Provokation raushört. Aber mir war es schlicht und einfach irgendwann zu viel (Dies ist aber definitiv Geschmackssache). Dennoch sticht das Buch durch seine kreative Strukturierung heraus. Natürlich, Drehbuch-passagen sind nichts komplett Neues und Zombiefilme sowieso nicht (was im Buch ebenfalls auf humorvolle Weise transportiert wird). Aber, es gibt einige Tricks, mit denen Hemon es schafft, das Buch besonders zu machen. Ohne zu viel vorweg zu nehmen und auf die Gefahr hin, dass ich es falsch interpretiert habe, fand ich vor allem das Ende sehr gut. Dort wird durch das Vertauschen der Schreibstile eine ganz neue Sicht auf die Geschichte ermöglicht. Zudem gibt es Einschübe des Skripts zu "Zombie Wars", die nur wenige Seiten lang sind und kleine Satzeinschübe, die mit "Skript-Idee #25" etc. angeführt sind und in denen der Protagonist neuen Ideen für seine Filme freien Lauf lässt, natürlich inspiriert vom wahren Leben. Diese Stellen fand ich hervorragend, da sie voller Ironie und Sarkasmus gefüllt waren.

"George W. Bush sprach in die Kamera, und seine Miene war so aufrichtig, dass es eindeutig war, dass er log, während seine Knopfaugen vor amateurhafter List leuchteten. Nur wahrhaft große Männer sind begabt im schamlosen Lügen, dachte Joshua. Dieser Typ aber überspannte den Bogen allzu deutlich.
" S. 29

Das Buch zeigt deutliche Kritiken an Amerika auf. Die Handlungen spielen aber in der Zeit um 2003 herum, so dass eben noch die Fernsehpräsenz des damaligen Präsidenten George W. Buch eingefangen wird oder andere zu der Zeit wichtige Gesellschaftsauswirkungen. Der Hauptcharakter Joshua Levin war für mich ein wahres "Hin und Her". Mal mag man ihn mehr, mal weniger. Er ist ein sehr schwunghafter Charakter und verurteilt seine Mitmenschen sehr schnell. Die Beziehung zu seinem Vermieter ist etwas kurios. Sie unterhält definitiv, aber man denkt sich während des Lesens nur, wie verrückt das alles klingt, was ihnen zustößt. Es gibt allerdings einige Eigenschaften und fortlaufende Symbole die der Protagonist aufwirft. So spielt vor allem auch für ihn die Frage nach dem "Zuhause" eine wichtige Rolle. Wann fühlt man sich zu Hause? Gibt es überhaupt so etwas wie einen Ort, an dem man sich wohl und wie man selbst fühlt? Und kann man sich vor allem auch als Migrant in einem neuen Land einleben? Joshua hat zudem einen Faible für guten Wein, tut sich aber ständig schwer damit, diesen in seinem Leben zu finden. Auch hier wird der Leser mehrmals darauf hingewiesen, dass das Buch auf tiefgehende Themen eingeht, die an der Oberfläche nicht so offensichtlich sind. Mir fiel aber eben auch auf, dass der Autor sehr auf die derbe Sprache gesetzt hat und das Buch dadurch einen "typisch männlichen" Touch bekommt. Für Frauen wie mich, kann das manchmal etwas abschreckend wirken. Wird man sich aber bewusst beziehungsweise sieht man darüber hinweg, ist das Buch sicherlich mal etwas anderes und hat auch seine nachdenklichen Passagen. Einige allerdings kann man nicht immer ernst nehmen, da sie von der sarkastischen Ader des Protagonisten ebenfalls wirken, als wolle der Autor diese philosophischen Ansätze auf die Schippe nehmen. Generell tauchen viele Problemsituationen und Figuren auf, die das Geschehen ordentlich aufwirbeln und so für eine ständige Entwicklung sorgen. 

"Jedes Schloss im Königreich Chicagoland verfügt über einen Fernseher, einen Kühlschrank und einen Extravorrat Wahnsinn." S.141
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Zusammenspiel zwischen der eigentlichen Romanhandlung und Einschüben des Werkes "Zombie Wars", des Protagonisten Joshua Levin. Derbere Sprache und somit stereotypisierte "typisch männliche" Attribute. Dennoch ist die Art beziehungsweise der Schreibstil originell und greift auch im Inhalt wichtige Themen auf. Gute Verknüpfung des "Zombie-Elements" beider Werke. Wer also über die manchmal starke Ausdrucksweise hinwegsehen kann, oder sich daran nicht stört, kann mit einer ganz speziellen Geschichte rechnen, die sich mit den (amerikanischen) gesellschaftlichen  Ansichten, wie auch den Problemen beschäftigt und gleichzeitig das Leben eines (ruhelosen) Drehbuchautors skizziert.




Vielen lieben Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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