Thementag #32: Zeitstempel für Interesse an Büchern?

November 17, 2015




"Techniken ändern sich, die Kunst bleibt dieselbe."  - Claude Monet

Geschichten sind generell betrachtet eine zeitlose Kaufinvestition. Es ist nicht wie bei Anziehsachen, dass ihre Modernität oder ihre Form plötzlich nicht mehr zeitgemäß ist. Und dennoch hat sich bei mir mit der Zeit ein seltsames Phönomen eingeschlichen. Das Phönomen des Kaufverhaltens in Bezug auf die Aktualität der Bücher. Als Blogger ist man meist immer auf dem neusten Stand. Man weiß, welche Neuerscheinungen anstehen und wieviele interessante Bücher noch folgen werden. Daher versucht man sein Kaufverhalten zunächst zu drosseln und denkt sich: "Das Buch setze ich auf meinen Merkzettel und greife darauf zurück, wenn es keine neuen, interessanten Bücher mehr gibt." Nun da liegt der erste Fehler. Es gibt immer neue, interessante Bücher. So wandern die bisher gemerkten Bücher immer weiter in Vergessenheit. Die Klassiker unter den Büchern haben es noch gut, die werden gerne mal wieder hervorgeholt oder gekauft, weil man Klassiker eben doch immer lesen kann und sie auch als diese schätzt.

Ich habe mich gerade erst gestern gefragt, warum die Bücher mit der Zeit ihren Reiz verlieren. Ich stand am Bahnhof und wollte mal sehen, was dort im kleinen Buchladen angeboten wird. Mein Auge fiel auf die neue Taschenbuchausgabe von Donna Tarts "Der Distelfink". Komischerweise wusste ich, dass das Buch auf meinem Merkzettel steht, aber aus irgendeinem Grund habe ich gedacht: "Nein, da kaufst du dir lieber ein neues Buch." Wie ihr auf dem Bild oben erkennen könnt habe ich das Buch dann doch mitgenommen. Warum? Eben weil ich mir denke, dass ein Buch das wirklich erst seit ungefähr einem Jahr auf dem Markt ist eben nicht seine Aktualität verliert, nur weil neue Bücher gefolgt sind, die mich mal wieder durch ihr schönes Cover oder die Medien in eine Art Bann gezogen haben. Obwohl ich normalerweise viel lieber auf Hardcoverausgaben zurückgreife, war ich dann doch ganz froh, dass "Der Distelfink" nun als Taschenbuch erhältlich ist, da ich ihn mir sonst sicherlich gar nicht mehr gekauft hätte und mir vielleicht eine wundervolle Geschichte entgangen wäre. Natürlich gilt das nicht für alle Fälle dieser Art, denn mir ist auch aufgefallen, dass sich mit der Zeit das Interesse an den Inhalten auch verändert und man vielleicht eine Geschichte, die man damals ansprechend fand heute eher nicht mehr lesen wollen würde. Daher wird es in Zukunft sicher auch bei mir immer mal wieder passieren, dass ich aktuellere Bücher bevorzugen werde. Ich hoffe dennoch, dass ich auch einigen "älteren" Büchern noch mehr Aufmerksamkeit schenken kann und sie keinen Zeitstempel aufgedrückt bekommen, bei dem ich mir dann sowieso schon sicher bin, dass das Buch auf Ewig auf meinem Merkzettel herrumgeistert.

Wie steht ihr zu aktuellen und etwas "älteren" Büchern? Verliert ihr sie schnell aus den Augen, sobald neue Bücher angekündigt werden, die euch interessieren oder gibt es tatsächlich immer mal wieder ein Buch, welches aus den Untiefen eures Merkzettels das Glück hat und gekauft wird?







Kommentare:

  1. Interessanter Artikel. Ich sehe, dass auch immer an meiner eigenen Wunschliste...wenn ich mir die hinteren Seiten anschaue...denke ich oft, willst du das überhaupt noch haben? Oft lösche ich es dann, weil ich mir denke...wenn du es bis jetzt noch nicht gekauft hast, willst du es gar nicht so dringend haben. Manche Bücher bekommen dann aber noch eine zweite Chance, wenn sie mich plötzlich magisch im Geschäft anziehen oder wenn ich mal wieder eine gute Rezension dazu entdeckte...Eine Rezi, welche quasi die erste Liebe neu entflammt :)

    LG Denise

    PS: Schöne Bilder :) hast die Bücher echt toll in Szene gesetzt...

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    1. Das Problem, dass ich sie dann lösche habe ich auch! Aber manchmal bereue ich es dann! :D Das ist ein Teufelskreis.

      Liebe Grüße,
      Karin

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  2. Hallöchen,
    ich finde das so toll, dass du mal darüber geschrieben hast, denn mir geht es ganz ganz oft so. Ich bin eigentlich ein absoluter Neuheitenleser und ich kann da auch einfach nicht raus aus meiner Haut. Ich schreibe mir Bücher auf die ich noch lesen will und ich weiß genau, wenn ich es in diesem Monat nicht schaffe, dann werde ich sie wahrscheinlich niemals lesen. Horror und eigentlich total unsinnig, aber ich denke, das liegt einfach in der Natur der Dinge, wenn man bloggt. Man möchte auf dem neusten Stand sein (und muss es auch teilweise als Auszubildende im Buchhandel) und da gehen dann einige andere bei verloren. Schön wäre bezahlte Lesezeit. :D

    Liebst, Lotta

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    1. Ja. mir ist das auch erst richtig bewusst geworden, als ich mit dem bloggen begonnen habe! Vorher habe ich wirklich teilweise nur den bereits länger herausgebrachten Büchern Beachtung geschenkt und jetzt hat sich das etwas gedreht.. : D

      Liebe Grüße,
      Karin

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  3. Besonders wenn neue Bücher auf den Markt kommen, wird mein Wunschzettel um einiges länger, aber gerade in der Bibliothek findet man ja oft noch "ältere" Bücher (sprich so ab 2008). Und wenn dann irgendjemand ein Buch von 2001 vorstellt, wandert es eben auch auf den Wunschzettel :)
    Aber wie auch Denise lösche ich häufig wieder Bücher von dem Wunschzettel, weil sie einfach drauf gelandet sind, weil sie neu sind und sie jeder hat :)
    Liebst, Lara.

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    1. Bücher werden ja grundsätzlich interessant, wenn sie jemand gut vorstellt, aber manchmal kommen dann eben doch noch mehr Bücher, die dann wieder die Zweifel nach vorne bringen. :D Ich finde es aber manchmal auch schon etwas abschreckend, wenn jeder das Buch schon gelesen hat, wie du schreibst. Obwohl es ja wieder auch hier nicht bedeutet, dass die Geschichte dadurch schlechter wird. :D

      Liebe Grüße,
      Karin

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  4. Sehr gut beschrieben & übrigens auch sehr schöne Fotos dazu! So viele Bücher von meiner Wunschliste, die ich hier wiedersehe...wobei wir ja auch schon beim Thema wären: das große Dilemma zwischen dem SuB, und dem Bedürfnis, am Hype neuer Bücher teilzunehmen...Ich habe gerade mal grob nachgezählt: 40% aus 2015 und 60% Backlist-Titel. Das gefällt mir so ganz gut, auch wenn die Auswahl eher Zufall war. Nächstes Jahr möchte ich da auf jeden Fall mehr drauf achten. Einerseits lebt der Blog ja auch davon, dass man Neuerscheinungen vorstellt, aber andererseits, gibt es auch so tolle Titel aus den letzten zwei, drei, vier Jahren, die noch mal ein wenig Aufmerksamkeit verdient hätten....
    Liebe Grüße an Dich!

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    1. Das stimmt! Es gibt wahnsinnig tolle Bücher, die schon früh erschienen sind. Nur vorallem als Blogger hat man eben das Gefühl man muss aktuell bleiben, damit man überhaupt "interessant" ist. Dabei würde ich mir ab und an wirklich wünschen, dass die Bücher auch wegen deren Geschichten erwähnt werden und nicht nur, weil das Buch bald erscheint. :)

      Liebe Grüße,
      Karin

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  5. Hmm kommt drauf an, was man als aktuell bezeichnet. Ich glaube Neuerscheinung von diesem und letzten Jahr lese ich schon sehr viele, aber auch gerne Sachen, die schon ein bisschen länger draußen sind. Kritisch wird es dann eher bei Büchern, die in den 80ern oder 90ern erschienen sind, sowas habe ich fast gar nicht auf meiner Wunschliste bzw. Merkzettel, weil ich mich da einfach kaum durchgewühlt habe. Was das aktuelles lesen als Blogger anbelangt: Das kommt, glaube ich, auch ein bisschen darauf an, wie viele Rezensionsexemplare man liest. Ich glaube, ich hatte früher auch viel mehr Topaktuelles auf meinem Blog, mittlerweile lese ich aber fast nur Englisches und da dann auch gerne mal Sachen aus den letzten Jahren.

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    1. Wenn es um englische Bücher geht ist das bei mir erstaunlicherweise auch eher so, dass ich da nicht unbedingt immer die aktuellsten Bücher lesen möchte. Ich weiß auch nicht genau woran das liegt...


      Liebe Grüße,
      Karin

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  6. Bei mir ist es fast eher andersherum: von den Neuerscheinungen lese ich nicht wirklich viel, ich weiß kaum Bescheid, was überhaupt auf den Markt kommt. Ich bekomme das höchstens durch andere Blogger so halbwegs mit, aber im Grunde interessiert mich das nicht wirklich. Das liegt daran, dass ich eher bei den Klassikern unterwegs bin oder Abwechslung durch ein paar Büchereiausleihen mit reinbringe, die dann in der Regel aber auch älter sind.
    An sich sind Klassiker aber eh zeitlos und genauso oft besprochen wie Neuerscheinungen, so wie du oben schon angedeutet hast. Es ist wohl eher die Mitte dazwischen, die durch diese Ausrichtungen etwas weniger Beachtung findet. Allerdings ist das auch immer schwer zu beurteilen. Wir sehen das ja nur aus Blogger-Sicht. Der „normale" Bücherleser schlendert ja eher durch die Regale und nimmt mit, was er findet und was gefällt. Da wird ja nicht darüber nachgedacht, dass das Buch ja auf irgendeine Weise für andere (wie z.B. Leser des Blogs) interessant sein muss.

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    1. Da hast du wohl recht, dass das für "Normalleser" noch einmal eine andere Wirkung hat. Ich habe damals eben auch gar nicht so darauf geachtet. Da fragt man sich dann aber auch, warum macht man sich selbst so viele Gedanken darum oder warum verschiebt sich so die "Priorität" ?..


      Liebe Grüße,
      Karin

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