Etta und Otto und Russel und James von Emma Hooper

November 01, 2015



























Titel: "Etta und Otto und Russel und James" | Original:"Etta and Otto and Russel and James" | Autor/in: Emma Hooper | Droemer [klick]| Seitenanzahl: 336 | Hardcover | Einzelband | ★★★  4 von 5 Sternen


INHALT | DARUM GEHTS

Original-Klappentext: "Die 83jährige Etta hat noch nie das Meer gesehen. Mit etwas Schokolade, Wanderschuhen und einem Gewehr macht sie sich daher auf den 3232 Kilometer langen Weg an die Ostküste Kanadas. Ihr Mann Otto lässt sie ziehen – trotz aller Sorge. Er ist vor vielen Jahren selbst zu einer großen Reise aufgebrochen, um in einem fernen Land zu kämpfen. Ihr gemeinsamer Freund Russell hingegen will Etta zurückholen und verlässt zum ersten Mal in seinem Leben die heimische Farm. Auf ihrer Wanderung trifft Etta den Kojoten James, der sie durch das staubtrockene Land begleitet. Je näher Etta der Küste kommt, desto lebendiger werden die Erinnerungen der drei alten Freunde – Erinnerungen an die gemeinsame Jugend, an Zeiten des Krieges, an Hoffnungen und versteckte Gefühle, aber auch an Erfahrungen, die sie nicht miteinander geteilt haben." 

MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Etta, was du dir einbildest, kann alles sein oder nichts. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber.´" S. 145

Ich muss zugeben, als ich das Buch angefangen habe zu lesen, habe ich den Klappentext außen vor gelassen. Daher kam es auch überraschend für mich, dass James, ein besonderer Teil dieser Geschichte, ein Kojote ist, mit dem Etta kommuniziert. Ich wusste nicht so recht, wie ich das Buch demnach einordnen soll. Ist es ein realistisches Buch über Freundschaft, Liebe und die Sehnsucht nach den eigenen Träumen? Ja sicherlich. Aber es hat auch etwas "Magisches" an sich. Bei mir traten ab und zu einige Fragen auf, die sich nicht immer geklärt haben. Dies hatte zum einen zur Folge, dass ich mich etwas intensiver mit dem Text an sich auseinandergesetzt habe und zum anderen aber, dass ich zum Schluss nicht ganz sicher bin, ob ich wirklich alles richtig interpretiert habe, auch wenn man bei Geschichten ja selbst entscheiden kann oder soll, was die Botschaft für einen selbst ist. Nichtsdestotrotz gewöhnt man sich wirklich schnell an alle Charaktere. Etta, Otto, Russel und auch James sind ein fester Bestandteil dieser Geschichte. Man lernt ihr Leben kennen. Das Jetzige, wie auch das, welches sie vor vielen Jahren, ebenfalls gemeinsam, geführt haben. Es gibt demnach Zeitsprünge und auch Perspektivwechsel, die die Geschichte lebhaft werden lassen. Es werden Briefwechsel dargelegt, die sich auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs beziehen. Hier trennen sich die Wege von Etta, Russel und James für eine Weile. Nach der Rückkehr von Otto entwickeln sich aber die zum Ende hin entstandenen Beziehungen. Die Geschichte rund um das Kennenerlenen fand ich wirklich gut durchdacht. Ich mochte Etta als Lehrerin und auch Ottos Geschichte fand ich sympathisch. Beide Wege waren humorvoll aber auch nachdenklich. Besonders sensibel wurde ich aus irgendeinem Grund an den Stellen, an denen Etta, in der Gegenwart, einen Brief hervorholt auf dem Namen notiert sind. Namen der Familie und der Freunde, die sie nicht vergessen möchte. Und auch ihren eigener Namen. Dadurch bekam die Geschichte einen weiteren Hauptanker. Nicht nur die verschiedenen Arten der Beziehungen, die für Menschen wichtig sind werden thematisiert, auch das Bedürfniss sich selbst nicht zu vergessen wird angesprochen.

"´Und ich dachte, Tiere würden nie Mitleid oder Nächstenliebe empfinden.´ ´Bist du nicht auch ein Tier?´ ´Doch. Aber trotzdem." S. 178

Für mich ist es erstaunlich zu sehenn, wie sich die Geschichte nach dem Lesen auf einen selbst auswirkt. Solange ich einige Passagen nicht ganz zuordnen konnte, sei es in Bezug auf ihre Richtigkeit oder ihren Wahrheitsgehalt oder aber auch dem eigentlichen Sinn, so entfaltet sich nach dem Lesen ein Gedankenstrudel. Dieser führt dazu, dass ich am Ende gar nicht mehr frage, was gewisse Verunsicherungen eigentlich sollten, sondern man konzentriert sich auf die stillen, nachdenklichen und gefühlvollen Stellen. Ich finde vorallem nun, dass Russel ein wunderbarer Charakter war auch wenn er in den Gegenwartserzählungen nur anfangs stärker erwähnt wird. Ich mochte auch die Entwicklung des Charakters von Otto, der sich von der Entscheidung seiner Frau nicht abschrecken lässt, sondern sich selbst neue Aufgaben und Motivationen stellt um den Zeitpunkt, bis sie wiederkommt zu überbrücken; sprich mit den Pappmaché Figuren. Die Konstellation und die gesamte Gruppendynamik fand ich demnach sehr harmonisch und ausgewogen. Mir fehlte zum Schluss einfach nur noch etwas, dieser bekannte "rote Faden". Wohingegen ich am Anfang einen deutlichen Zusammenhalt in Bezug auf die Charaktere und die Handlung verspürt habe, wurde es zum Ende hin manchmal eher etwas "lose". Der Schreibstil war zwar sehr einfach, aber dennoch oftmals sehr metaphorisch. Dinge wurden ganz sachlich beschrieben, als wäre es das normalste der Welt, sie entpuppten sich dann aber als mehrdeutige Interpretationsansätze. Mir hat dies zwar gut gefallen, hat aber dafür gesorgt, dass ich das ein oder andere Mal die Nähe zu den Charakteren verloren habe. Rührend hingegen fand ich wirklich immer wieder die Briefe von Otto an Etta, während sie unterwegs ist. Man merkt deutlich, wieviel sie ihm bedeutet und wie sehr er sich wünscht, dass sie ihr Ziel wie auch immer es aussehen mag, erreicht. Es eine wirklich schöne Geschichte mit einer sehr eigenen Art, diese zu erzählen.

"Ich schreibe dir, damit du weißt. Ich bin hier, keine Sorge. Ich bin hier und atme und warte. - Otto" S. 291

Ich gebe zu, ich habe nach Beenden des Buches versucht etwas mehr über die Absichten der Autorin der Geschichte zu erfahren und bin dabei auf folgendes Interview mit ihr gestoßen (Englisch). Hier gibt sie einige schöne Antworten auf interessante Fragen. Ich finde sie wirklich sympathisch und mochte das Buch vielleicht auch dadurch noch ein klein wenig mehr.

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Ein etwas anderer Schreibstil, der dennoch einen wunderbaren Blick auf die Protagonisten wirft. Die Geschichte ist "einfach" geschrieben, spielt aber mit vielen metaphern und der Frage nach Traum und Wirklichkeit, vorallem in den Abschnitten, in denen Ettas Weg geschildert wird. Viele interessante Ideen, die ich wirklich einzigartig fand und die Geschichte demnach mit gutem Gewissen als lesenswert empfehlen kann.





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