Die Schneekönigin von Michael Cunningham

März 13, 2015


(Original: "The Snow Queen") von Michael Cunningham, Verlag: Luchterhand [klick], 283 Seiten| , Hardcover, Einzelband ,  ★★★★☆ 4 Sterne
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 Original- Klappentext: "In Hans Christian Andersens Märchen »Die Schneekönigin« zerbricht ein Zauberspiegel in tausend Scherben. Trifft ein Splitter einen Menschen im Auge, so sieht er fortan alles um sich herum nur noch hässlich und böse. Wird ein Mensch dagegen im Herzen getroffen, wird es so kalt wie Eis … Michael Cunningham spielt auf brillante Weise, voller Poesie und mit einem guten Schuss Ironie versehen, mit Motiven aus Andersens Märchen."
"Der New Yorker Stadtteil Bushwick liegt jenseits von Brooklyn. In dieser Gegend sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar, die Häuser alt und die Leute nicht ganz so schick. Hier teilen sich die Brüder Tyler und Barrett eine Wohnung mit Tylers großer Liebe Beth, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und um die sie sich beide aufopferungsvoll kümmern. Sie sind in den sogenannten besten Jahren und können es noch nicht ganz glauben, dass sich ihre Träume niemals erfüllen werden: Tyler, ein genialer Musiker, steht immer noch ohne Band und ohne Erfolg da. Aber er wird, das nimmt er sich vor und dafür sucht er sich heimlich Inspiration beim Kokain, das ultimative Liebeslied für Beth komponieren, ja, er wird es ihr bei der geplanten Hochzeit vorsingen ... Barrett, fast Literaturwissenschaftler, fast Startup-Unternehmer, fast Lord Byron, verkauft Secondhand-Designerklamotten in Beths Laden und trauert seinem letzten Lover nach, der ihn gerade schnöde per SMS abserviert hat. Als Beth sich wider alle Erwartungen zu erholen scheint, glaubt Tyler umso mehr an die Kraft der Liebe, während der Exkatholik Barrett sich fragt, ob das merkwürdige Licht, das er eines Nachts im Central Park amwinterlichen Himmel sah, nicht doch irgendwie eine göttliche Vision gewesen sein könnte …"


MEINE MEINUNG | FAZIT

Ich habe mich so wahnsinnig auf dieses Buch gefreut! Ich war so gespannt, wie die Andeutung an das von Hans Christan Andersen verfasste Märchen "Die Schneekönigin", umgesetzt wird. Und als ich das Buch dann zugeklappt habe, dachte ich nur: verrückt!
Dabei war es nicht einmal ein wertendes "verrückt". Das Wort stand einfach nur so vor meinen Augen da und ich habe überlegt, wie ich das Buch nun für mich persönlich zu deuten habe und wie ich es letztendlich finde.
Nun, ich war zunächst einmal deutlich von dem Cover, welches wirklich wunderschön ist, verzaubert und von dem Klappentext sehr angetan. [Zunächst habe ich nur den ersten Teil des Textes gelesen, den ihr im obigen Abschnitt wiederfindet.] Ich finde Märchen haben etwas beruhigend Magisches an sich, was ich auch gehofft habe, in diesem Buch wiederzufinden. Und teilweise war dies auch so. Es gab Passagen und Kapitel in denen ich dachte: "Ja, ich weiß, was der Text aussagen möchte und empfinde es auch so!". Doch gleich danach kamen wieder Stellen, mit denen ich nichts anfangen konnte und mich gefragt habe, ob ich am Ende des Buches einfach ratlos zurückbleibe.
Der Schreibstil war eigentlich sehr angenehm, wobei mir manchmal zu oft Einschübe verwendet wurden, die in Klammen in ironischer Weise Zusatzkommentare beisteuern sollten.

"Selbstverständlich kann der Tischler derlei Möbel nicht bauen, aber er kann von ihnen träumen; im Laufe der Zeit richtet er sich ein zwischen dem, was er erschaffen, und dem, was er nur erträumen kann, doch sein Unwohlsein wächst." S. 90

Mit den Charakteren konnte ich mich zwar nicht wirklich identifizieren, was vielleicht auch gut so ist, denn mal ehrlich, Tyler ist drogenabhängig und sieht die Welt teilweise sowieso mit ganz anderen Augen. Aber auch Barrett war mir an manchen Stellen etwas suspekt. Obwohl sie im Grunde eben einfach nur Menschen sind, die versuchen im Leben zurechtzukommen. Dennoch hatten beide Charaktere immer wieder Passagen, in denen sie unheimlich weise und reflektiert über ihr eigenes Leben, wie auch über das Leben der Anderen nachgedacht haben. Für mich war es immer ein Spiel zwischen Vernunft und Wahnsinn. Zeitweise habe ich mir auch überlegt, ob mir einfach die gewisse Vorkenntnis fehlt, da ich "Die Schneekönigin" von Andersen nie wirklich gelesen habe. Daher habe ich noch das Internet hinzugezogen und nachgelesen, wie das Märchen nun eventuell in Verbindung zum Roman gebracht werden kann. Und nach und nach wurde mir, je mehr ich über das Buch nachgedacht habe, klar, dass man vielleicht gar nicht so viel versuchen soll darin zu sehen, genauso wenig wie Barrett versuchen sollte, Dinge in diese "Licht-Erscheinung" zu interpretieren.
Denn einen wirklichen roten Faden, gibt es in der Geschichte auch nicht. Man liest sich durch das Buch und erwartet vielleicht zuviel, bis man begreift, dass die Geschichte zwar verwirrend sein kann, aber gleichzeitig auch auf bitterböse weise zeigt, wie das Leben mit den Menschen spielt. Was nicht bedeutet, dass auch die guten Seiten im Leben am Schluss sichtbar werden.

"Das Universum zwinkert nur jenen zu, denen ohnehin keiner glaubt. Ist das der Witz? Es ist der Witz im Witz." S.280

Selbst, wenn man Andersens Märchen nicht gelesen hat, erkennt man viele Motive, auch dank des Klappentextes, wieder. Denn das Motiv des Schnees ist zum Beispiel immer präsent, wie auch die "Schneesplitter".  Wer nun hier in diesem Roman die "Schneekönigin" verkörpern soll, bleibt wohl jedem selbst in der Eigeninterpretation überlassen.


Schön, chaotisch, vielschichtig, charmant, lustig und ein klein wenig verrückt. Aber eine schöne Geschichte, um zu zeigen, dass Menschen etwas brauchen, an das sie glauben können.



Vielen lieben Dank an den Luchterhand Verlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
 

Kommentare:

  1. Liebe Karin,

    erstmal ein Kompliment: Was hast du nur für einen wunderschönen Blog!
    In deiner Sidebar steht, dass du erst seit letztem Oktober bloggst. Ich bin total überrascht, wie reif und wundervoll dein Blog dafür aussieht. Und sich auch liest. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass die Rezensionen mit der Übung wachsen, also man einige Monate trainieren muss, um wirklich gute zu schreiben. Genauso braucht man viel Geduld und Zeit, meiner Meinung nach, um so ein stimmiges Design hinzubekommen.
    Bei dir bekommt man das Gefühl, du schriebstes schon seit jahren Rezensionen und würdest nicht anderes kennen, also schöne Designs zu machen.
    Ich liebe dein Design, deine wunderschönen Bilder, dein witzige und informative About seite, dein hübsches Rezensionssystem, einfach alles!
    Okay, ich spüre, ich übertreibe, aber wirklich: Du hast eine sowohl inhaltlich hochwertig als auch äußerlich einwandfreien Blog und davor ziehe ich wirklich meinen Hut, ganz große Klasse meine Liebe!

    Das Buch habe ich vorher noch nirgendwo gesehen, aber es sieht so unglaublich wunderschön aus!
    Genau wie du empfinde ich auch das Märchen an sich als etwas sehr beruhigendens und schönes und ich liebes es, über Märchen zu lesen.
    Die Schneekönigin ist eines meiner liebsten Märchen und ich habe schon lange nach einer schönen Neuinterpretation gesucht. Ich glaube, mit diesem wunderschönen Buch hab ich es wohl gefunden.
    Deine Rezension spricht mich total an, dass Buch nun endlich mal zu kaufen.
    Ich denke allerdings, ich werde auf die Englische Ausgabe zurückgreifen, denn 22€ für knapp 300 seiten ist mir dann doch zu teuer :D

    Liebe Grüße
    Kücki ♥

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    1. Oh, vielen lieben Dank für das Kompliment! :) Das ist wirklich lieb von dir! Ich hoffe natürlich, dass sich mein Blog aber noch weiterentwickeln wird, denn man ist ja nie wirklich mit sich selbst zufrieden :D. Aber danke noch einmal!

      Ich bin sehr [!] gespannt, wie du das Buch finden wirst. Mich würde auch interessieren, wie dir die englische Version gefällt. :) Manchmal geht ja auf dem Weg, wenn das Buch übersetzt wird, Einiges verloren...

      Liebe Grüße,
      Karin

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    2. Sehr gerne, ich weiß ja selbst wie sehr man sich über Lob freut und es sieht echt aus, als würde in deinem Blog viel Arbeit stecken, welche ich gerne mal würdigen wollte :D

      Ich bin auch sehr gespannt! Das Cover ist dem Deutschen glücklicherweise sehr ähnlich, hoffentlich bin ich auch nach dem Lesen so angetan wie du :)
      Ja, dass stimmt leider schon, wobei es auch einige Übersetzter gibt, die wirklich einen guten Job leisten, aber manche Konstruktionen funktionieren einfach im deutschen nicht, was wirklich sehr Schade ist..

      Liebe Grüße
      Kücki ♥

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