Kategorie: Anthologie
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Unnatural Creatures von Neil Gaiman

Dezember 14, 2018

(Original: Unnatural Creatures/ 2016) Harper Collins , Übersetzer/in: -, ★★★★(☆) 4,5 Sterne
In sechzehn Geschichten, ausgewählt vom Autor Neil Gaiman, treffen wir auf die erstaunlichsten Kreaturen der Mythologie. Mit dabei unter anderem Erzählungen von: Maria Dahvana Headley, E. Nesbit, Larry Niven, Anthony Boucher und natürlich auch Neil Gaiman selbst.

MEINE MEINUNG / FAZIT  

"I loved my monsters. Where there is a monster, the wise American poet Ogden Nash told us, there is a miracle." Introduction by Neil Gaiman

Zugegeben, die enthaltenen Geschichten sind nicht alle (eigentlich nur eine) von Neil Gaiman verfasst, sondern zusammengetragen. Insgesamt sechzehn verschiedene Autoren geben sich hier die Ehre von verschiedenen fantastischen Kreaturen zu schreiben, seien es Einhörner, Greife, Werwölfe oder Vögel, die ganz spezielle Kräfte besitzen.
Dennoch wird man das Gefühl nicht ganz los, dass dieser Erzählband ein klein wenig die Handschrift von Gaiman trägt, denn die Geschichten ähneln seinen eigenen schon sehr. Das trifft vor allem auf die mystisch, gruselige Atmosphäre und die manchmal sehr ironisch witzigen Einschübe zu. Aber auch die Erzählungen und Ideen selbst hätten meist genauso gut von ihm stammen können. Langweilig wird es demnach ganz sicherlich nicht.
Ich persönlich fand dabei einige Erzählungen etwas stärker, als andere, aber im Großen und Ganzen fühlt man sich zumindest mit allen gut unterhalten.
Diejenigen die mir im Kopf geblieben sind, haben aber nicht nur einen Unterhaltungsfaktor, sondern beschäftigen sich zudem mit dem Hochmut der Menschen (und Götter) und den daraus resultierenden Problemen. Also auch hier lassen sich thematisierte Charakterschwächen und gesellschaftskritische Denkanstöße finden.

"Now, Pridmore was a very careful person, though cross; but even the most careful persons make mistakes sometimes, and she must have taken the wrong omnibus or this story could never happened, and where should we all have been then?“ S.164

Ich mochte zudem die einleitenden Texte zu jeder Geschichte und auch das Vorwort von Neil Gaiman. Wer ihn ebenso durch Bücher wie "Neverwhere", "The Ocean at The End of the Lane" oder seinen Essayband "The View from the Cheap Seats" kennen und lieben gelernt hat, wird hiermit auch seine Freude haben, denn er lässt uns wieder einige Einblicke gewähren, die aufzeigen was ihm besonders an den Erzählungen der jeweiligen Autoren gefallen hat, wie sie ihn inspiriert und wie sie auch seine eigenen Geschichten geprägt haben. Natürlich etwas gezielter in Hinblick auch auf die ganzen Ideen zu übernatürlichen Wesen, fiktiven Städten oder absurden Handlungssträngen.
Grundsätzlich ist "Unnatural Creatures" aber ein Buch, das ich sehr gerne mit einigen längeren Pausen gelesen habe, da sich die Erzählungen meist auf eine kleinere Seitenzahl beschränken. Daher eignet es sich  sehr gut als Nachtlektüre für die gesamten dunklen Jahreszeiten.
Wer zudem auch gerne zu Büchern greift, die Illustrationen enthalten wird hier auch auf seine Kosten kommen. Jede Geschichte wird einleitend von einer Illustration von Briony Morrow-Cribbs begleitet und es lassen sich immer mal wieder-hier und da- einige kleine Details finden, die das Buch auch optisch ansprechend erscheinen lassen.

“I learned a lot from him as a writer. He once wrote that writers should treasure their spellingmistakes, and when I typed Coraline instead of Caroline, I did. Is a horse an unnatural creature?" Neil Gaiman über Larry Niven, S. 199


Wunderbar vielfältige Erzählungen über die fantastischsten, außergewöhnlichsten, merkwürdigsten und unterhaltsamsten Kreaturen von sechzehn verschiedenen Autoren, die sich aber gut ergänzen und auch thematisch einen roten Faden erkennen lassen. Für Fans von Neil Gaiman sorgen die persönlichen Einschübe über Inspirationen und das Vorwort dafür, dass man es nicht als Nachteil ansieht, dass er hier mit nur einer Geschichte vertreten ist.


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Emily Brontës "Wuthering Heights" und darauf Bezug nehmende Bücher

September 20, 2018







Der Klassiker "Wuthering Heights" (dt. "Sturmhöhen) von Emily Brontë erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit. Anfangs noch unter dem Pseudonym Ellis Bell veröffentlicht, gewann die Geschichte nach und nach immer mehr Leser, die sich von der sehr speziellen Beziehung zwischen Catherine und Heathcliff mitreißen ließen. Schließlich wurde das Pseudonym abgelegt und die Autorin als Emily Brontë "identifiziert". Ich persönlich war von "Wuthering Heights" nicht ganz so begeistert, wie von "Jane Eyre", dennoch haben mich zwei Bücher, die sich auf den Klassiker beziehen, so interessiert, dass ich mich etwas näher mit den Geschichten auseinandersetzen wollte.

Das erste Buch heißt "I am Heathcliff" und ist eine Anthologie, sechzehn verschiedener Kurzgeschichten von sechszehn Autoren / Autorinnen, herausgegeben von Kate Mosse. Acht Geschichten habe ich bereits gelesen und bin recht angetan von der Umsetzung.
Hat man "Wuthering Heights" gelesen, so fallen einem (mal schneller, mal langsamer) die Bezüge auf und man spinnt seine Interpretationen etwas weiter. Ist man nicht mit dem Klassiker vertraut, so schadet es dem Ganzen nicht erheblich. Die Geschichten greifen alle eine Situation, eine Beziehung oder grundsätzlich gewisse Gedanken auf, die man auch unabhängig von den Bezügen verstehen kann. Es sind Geschichten, die einen melancholischen Hauch, etwas Verletzliches und manchmal auch Gefährliches haben.
Verwunderlich ist dabei aber vielleicht nicht, dass es meist zwei Protagonisten gibt, die sich aufeinander beziehen und die mit verschiedenen Umständen zu kämpfen haben. 
Es ist eine Kurzgeschichtensammlung, so war für mich auch abzusehen, dass mir einige Geschichten mehr zusagen, als andere. Grundsätzlich sind aber bisher alle Erzählungen lesenswert gewesen. Bei einigen war ich fasziniert von der Sprachwahl (und der damit teilweise vorhandenen Sprachgewalt) wie auch der starken Metaphorik.

"It was a lot easier to let the words go when you were on the moors. There was so much more space for them all to fall into." 

Das zweite Buch namens "Ill Will" von Michael Stewart trägt den sehr interessanten Untertitel "The Untold Story of Heathcliff" und bezieht sich auf die vier Jahre, die der Protagonist auswärts verbringt und die im Klassiker verschwiegen werden.
Hier bin ich schon sehr gespannt auf die Verknüpfungen zum Klassiker. Das Buch impliziert eine gewisse Mystik, die man auch in "Wuthering Heights" wahrgenommen hat.
Auch der Satz auf dem Klappentext "I am William Lee: brute, liar and graveside thief. But you will know me by another name" scheint eine vielversprechende Geschichte zu bieten. Das Buch wird sicherlich nicht lange ungelesen bleiben...


Habt ihr "Wuthering Heights" gelesen? Ist es eines eurer Favoriten? Lest ihr auch gerne Bücher, die sich explizit auf andere Bücher beziehen? Kennt ihr noch andere Bücher, die "Wuthering Heights" aufgreifen?







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Die Zitatsammlung für Buchliebhaber: "The Book Lovers´ Anthology"

September 29, 2017








"A blessed companion is a book, - a book that, fitly chosen, is a life-long friend." - Douglas Jerrold

Bücher gibt es in allen möglichen Variationen, in allen möglichen Größen und in sämtliche Genres aufgeteilt. Wir rezensieren sie, wir sprechen über sie, wir empfehlen sie gerne weiter. Daraus entstehen auch wunderbare 'bibliophile' Bücher, die über genau diese Bücher berichten.
Bücher über Bücher sozusagen. Und doch ist dieses hier, wie ich finde, noch etwas anders.

"The Book Lovers´Anthology" wurde von der Bodleian Library herausgegeben und schreibt nicht über Buchtipps, sondern über die Bedeutung von Büchern an sich. Die vorgelegten Texte entspringen nicht neu entstandenen Ratschlägen von Autoren, sondern sie berufen sich auf bereits existierende Romane oder andere Werke, in denen diese über Bücher reden. Es sind also Textauszüge anderer Texte, die sich auf literarische Gebiete beziehen.
Dabei gibt es verschiedene Kapitel, die die Bedeutung von Büchern für den jeweiligen Autor versuchen einzugrenzen. So gibt es: "The Friendship of Books", "Old and New Books", "The Joys of Reading", aber auch die Gegenüberstellung von "Good Books and Bad".
Vertreten sind dabei Autoren, die ihre Meinung zu diesen Sichtweisen äußern, unter anderem Jonathan Swift oder Francis Bacon. Zugegeben durch diese 'Klassiker' könnte schnell der Eindruck entstehen, als sei es uninteressant, weil nicht die neusten der neusten Schriftsteller unter ihnen vertreten sind, aber das täuscht.
Es ist wahnsinnig spannend zu sehen und zu lesen, wie sich das Lesen an sich für die Betrachter einer anderen Zeit angefühlt und in der Gesellschaft verhalten hat. 

"To make this means of culture effectual a man must select good books, such as have been written by right-minded and strong-minded men, real thinkers, who instead of diluting by repetition what others say, have something to say for themselves, and write to give relief to full, earnest souls."  - William Ellery Channing

Ich bin bei dem Buch zugegebenermaßen nicht in einem fortwährenden Leseprozess, das heißt, ich lese immer mal wieder einige Seiten davon und lege es vorerst weg, aber genau das macht das Buch ebenfalls so 'brauchbar'. Man liest es nicht einfach nur runter, sondern nimmt sich für die meist kurzen Texte doch ein wenig mehr Zeit, zumal auch das ein oder andere Gedicht zu finden ist.
Dies ist also sicher ein Buch für Leser, die gespannt darauf sind zu erfahren, was Bücher in anderen Lesern und Schriftstellern auslösen, was sie dabei fühlen, wenn sie der Meinung sind, dass Bücher viel mehr leisten könnten, als manche Schriftsteller damit ausdrücken oder was sie auf poetische Weise versuchen zum Ausdruck zu bringen, wenn sie Bücher als Inspirationsquelle sehen.

Original: "The Book Lovers´ Anthology: A Compendium of Writing about Books, Readers & Libraries"/ 2014 (Erstveröffentlichung: 1991), The Bodleian Library, 344 Seiten, gebunden


Lest ihr gerne Bücher, die das Lesen nicht nur durch Literaturtipps darstellen, sondern sich auch mit dem Gefühl des Lesens befassen und diese aufgreifen? Habt ihr ein besonderes Zitat, das genau das ausdrückt, was ihr mit Büchern verbindet? Meines ist definitiv das Zitat von Neil Gaiman, welches rechts neben dem Startbild zu sehen ist.


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Round the Christmas Fire von Truman Capote und anderen

Dezember 18, 2016









(Original: verschiedene Titel / 2013) Vintage Christmas Classics, Übersetzer/in: -, Englische Ausgabe, ★★★★(☆) 4 bis 5 Sterne 
Dieser Band versammelt weihnachtliche Geschichten vieler verschiedener Autoren, wie zum Beispiel Truman Capote, Edith Wharton, P.G. Woodhouse, Nancy Mitford und John Cheever und verleiht der (Vor-) Weihnachtszeit eine besinnliche Stimmung.
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„Christmas Day itself was organized by Lady Bobbin with the thoroughness and attention to detail of a general leading his army into battle.” S. 161

Kürzere Weihnachtsgeschichten sind einfach eine tolle Möglichkeit sich in weihnachtliche Stimmung zu versetzen, wenn man verschiedene Stile kennenlernen möchte. Diese Sammlung ist besonders schön und abwechslungsreich, da sie sich über einige mehrere Jahre „ausdehnt“. So kommt ein kleiner Auszug aus Charles Dickens „A Christmas Carol“ vor, wie aber auch kleine Kurzgeschichten, zum Beispiel des Autors Truman Capote. Dabei gefiel mir eben besonders, dass Dickens Geschichte, als typischer Klassiker, nur kurz abgedruckt wurde und so den anderen Geschichten einen größeren Platz lässt. Einige Geschichten haben mir auch zwar besser gefallen, als andere, aber das ist bei so einer Sammlung nicht verwunderlich. Grundsätzlich fand ich aber die Struktur des Buches gut gewählt. Zu Beginn wird der Leser nämlich nicht direkt mit der typischen Weihnachtsstimmung bekannt gemacht, sondern taucht noch in zwei Geschichten ein, die sich mit „Geisterescheinungen“ befassen. So hat man dieses „Vorweihnachtsgefühl“ ebenso vorhanden, wie auch die ganz atmosphärischen Passagen, die auf der Eisbahn oder am Familientisch mit allen Köstlichkeiten spielen. 

"This hot Tom and Jerry is an old-time drink that is once used by one and all in this country to celebrate Christmas with, and in fact it is once so popular that many people think Christmas is invented only to furnish an excuse for hot Tom and Jerry, although of course this is by no means true.”  S.99

Abgesehen von den gängigen Weihnachtsgeschichten, die durch einen “normalen” Erzähler ihren Charme bekommen, gefiel mir vor allem der Abschnitt der “Christmas Diaries”. In diesen werden die Erzählungen tatsächlich, wie aus einem Tagebuch heraus, erzählt. So bekommt jeder Tag, kurz vor, während und nach Weihnachten seine ganz eigenen Abläufe. Zudem sind sie wirklich unterhaltsam. Wirklich zwischendurch lachen musste ich bei der Erzählung „Dancing Dan´s Christmas“ von Damon Runyon (aus welchem auch das zweite Zitat dieser Rezension stammt). So komisch, absurd und doch irgendwie ganz sympathisch verleiht diese Geschichte der Sammlung einen ganz eigenen Komödienanteil. Viele weitere Geschichten sind angenehm besinnlich und dennoch ausgefallen. Kenneth Grahames Auszug aus „The Wind in the Willows“, welcher durch auftretende, sprechende Tiere heraussticht, ist ganz süß und hält eine ganz wunderbare Botschaft bereit. Und da ich sowieso schon immer einmal P.G. Wodehouses Geschichten rund um den Kellner „Jeeves“ lesen wollte, habe ich mich gefreut, dass hier eine weihnachtliche Geschichte davon enthalten ist. Die ganz eigene Art des Kellners und die ironische Führung der Konversationen zwischen ihm und seinem „Chef“ sind köstlich amüsant. 

"I don´t know what´s happened to Christmas Day lately, but something has. It´s just not the same as it used to be when I was a kid.” S.129 


Eine rundum gelungene Zusammenstellung verschiedener Weihnachtsgeschichten aus unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichen Autoren. Unter anderem lassen sich hier witzige, unterhaltsame, nachdenkliche und zu Beginn, durch die „Geistererzählungen“ auch etwas schaurige Geschichten finden. Mir gefiel, dass man die Erzählungen tatsächlich gar nicht so kennt, obwohl es „Classics“ sind. Sie haben aber das Potenzial jedes Jahr aufs Neue gelesen zu werden. Durch die unterschiedlichen Kapitel, die auch Unterschiede in der Erzählart der Geschichten ausweisen, wird dem Leser nie langweilig und man fühlt sich bestens, durch ganz eigene Charaktere und Handlungen, unterhalten.




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