Der "Rough Cut" bei Büchern

August 03, 2022

Die einen lieben es, die anderen... wissen gar nicht, was das ist. Der "Rough Cut" oder auch "Deckled Edges" genannt. Aber spulen wir mal ein wenig zurück...

Wenn man sich den deutschen und englischsprachigen Buchmarkt so ansieht, wird deutlich, dass immer noch relativ große Unterschiede in der Produktion bestehen. Man hat den Eindruck, als sei es hier sehr wichtig, dass alles akkurat, sauber und qualitativ hochwertig aussieht und auch in der Verarbeitung gewisse Standards eingehalten werden. Literatur ist schließlich etwas Wertvolles, nicht wahr?

Wagt man einen Blick nach England oder in die USA sieht das tatsächlich etwas anders aus. Viele Bücher werden als Massenprodukt auf - zugegeben - nicht immer qualitativ hochwertigem Papier gedruckt und machen einen manchmal lädierten Eindruck. Mehr als einmal habe ich in Seminaren an der Uni oder in Buchrunden gehört: "Das geht ja mal gar nicht".
Ich verstehe den kritischen Blick auf diese "schnelle" Produktion, muss aber auch sagen, dass ich die Ästhetik doch lieben gelernt habe. Zumindest in gewissem Maße.
Als ich mich mit der Zeit immer stärker auf die Originalausgaben konzentriert habe, fand ich gerade diese nicht perfekte Erscheinung durchaus ansprechend. Nachdem ich dann das erste Mal auf die "Deckled Edges" traf, die in der deutschen Buchherstellung (meiner Erfahrung nach) nicht mehr angestrebt werden, war ich ein klein wenig verliebt. 

Umso erstaunter bin ich heutzutage, dass viele Leser*innen hierzulande beinahe bestürzt sind, wenn Sie ein solches Exemplar - ohne Kenntnis - bestellen und erhalten. Ich habe zahlreiche Kommentare gelesen, in denen sich beschwert wird, dass das Buch kaputt, ja sogar zerstört sei und man ein neues Exemplar angefordert habe. Natürlich mit gleichem Ergebnis. Mir war gar nicht bewusst, dass diese Art der Papiererscheinung hier so verpönt ist.
Dabei ist der "Rough Cut" erst seit dem 19. Jahrhundert immer mehr verdrängt worden.
Davor war es einfach das übliche Aussehen, das während des Herstellungsprozesses nicht verhindert werden konnte. Wenn man sich also heutzutage bei der Wahl dafür entscheidet, soll es dem Buch einen authentisch alten Look verleihen.
Natürlich, nicht jede*r mag diesen Buchschnitt, auch nicht in den englischsprachigen Ländern, aber irgendwie hat es was, oder? Ich fände es zumindest schade, wenn man gänzlich darauf verzichten würde.


Wie findet ihr den "Rough Cut"? Könntet ihr euch damit anfreundenm mögt ihr ihn bereits? Oder ist euch der normale, gerade Schnitt lieber?

Penguin Orange Collection


8 Kommentare:

  1. Ich habe den Begriff so noch nie gehört. Und ganz ehrlich, ich finde, das sieht furchtbar aus. In einer Facebook-Gruppe habe ich schon öfter Fotos gesehen, auf denen die Leute solche Bücher posten. Dann wird ihnen immer geraten, das kaputte Buch zurückzugeben...
    Wenn ich sowas sehe, bin ich froh, seit 12 Jahren ausschließlich eBooks zu lesen!

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    1. Ja, diese Reaktionen habe ich auch schon öfters in den Kommentaren gelesen, deshalb war ich so erstaunt, dass das gar nicht so bekannt ist. :D

      Finde es absolut okay, wenn man das nicht schön findet, aber direkt zu sagen, das Buch sei "kaputt", finde ich etwas merkwürdig (Herstellungsprozesse / Papierherstellungsvarianten googlen kann man ja flott). Ich mag es bei manchen Büchern schon ganz gerne. Vielleicht macht es auch einfach ein wenig die Gewohnheit. :)

      E-Books sind auch wirklich eine schöne Sache, da muss man über sowas und andere Aspekte gar nicht nachdenken! :)


      Liebe Grüße
      Karin

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  2. Ich kenne diese Art auch noch nicht. Mich würde es allerdings überhaupt nicht stören. Ich leihe überwiegend meine Bücher in der Bib (sowohl online als auch das richtige Buch) aus oder bestelle gebrauchte Bücher. Da bin ich einiges gewöhnt ;) Die Herstellungsart finde allerdings uncool. Liebe Grüße Sabine

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    1. Das glaube ich, da ist man einiges gewöhnt. Habe auch ein paar sehr interessante Exemplare gebraucht gekauft. :D

      Liebe Grüße
      Karin

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  3. Super interessanter Beitrag. Mir sagte der Begriff gar nichts, ich störe mich an dem Buchschnitt aber auch gar nicht. Im Gegenteil =)

    Zeilentänzerin

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  4. Ahoi lieb Karin,

    ich hatte auf dem deutschen Buchmarkt tatsächlich auch erst einmal roughcut, ich kann mich echt nicht mehr erinnern, welches Buch jedoch. Irgendwas abenteuerliches für Kinder, glaub ich. Ich find das eigentlich ziemlich schnieke und halt was Besonderes :) Deine Ausgabe von Ken Kesey finde ich zumindest deutlich ansprechender als meine :D

    Sonnige Grüße
    Ronja von oceanloveR

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    1. Ach, das finde ich ja mal interessant! Bei Kinderbüchern ist mir das auch noch nicht aufgefallen, wäre aber schon eine schöne Idee. Passt ja wirklich gut zu abenteuerlichen Romanen, weil es eben "älter" wirkt. :)
      Was hast du denn für eine Ausgabe vom Roman? Bin ja irgendwie totaler Fan von der Penguin Orange Collection, weil die super angenehm in der Hand liegt und so ein weiches Cover hat. :D


      Liebe Grüße
      Karin

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