Der Astronaut von Andy Weir

Juni 28, 2021

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Project Hail Mary"/ 2021) Heyne Verlag (2021), Übersetzer/in: Jürgen Langowski (aus dem Amerikanischen), ★★★(★)☆ 3,5 Sterne
"Als Ryland Grace erwacht, muss er feststellen, dass er ganz allein ist. Er ist anscheinend der einzige Überlebende einer Raumfahrtmission, Millionen Kilometer von zu Hause entfernt, auf einem Flug ins Tau-Ceti-Sternsystem. Aber was erwartet ihn dort? Und warum sind alle anderen Besatzungsmitglieder tot? Nach und nach dämmert es Grace, dass von seinem Überleben nicht nur die Mission, sondern die Zukunft der gesamten Erdbevölkerung abhängt. "
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"Mein Unterbewusstsein hat Prioritäten. Und es versucht verzweifelt, mir etwas über diese Situation zu sagen. Ich glaube, es ist meine Aufgabe, das Petrowa-Problem zu lösen. Und zwar in einem kleinen Labor, gekleidet in eine Bettlakentoga und ohne zu wissen, wer ich bin. S.36
Ein absolutes Unterhaltungsbuch! Ich war anfangs etwas verwundert, weil ich nicht dachte, dass Weir den Roman in die Richtung lenken würde, wie er es getan hat, aber als ich mich irgendwann darauf eingelassen habe, hat es mir gut gefallen.
 
 - Nachfolgend minimale Spoiler enthalten, da der Klappentext wirklich gar nicht vorausgreift (eigentich super), man aber sonst kaum etwas erklären kann (schwierig) -

Die Wortwahl und die Sprache sind natürlich simpel gehalten, man darf oder sollte hier keine wahnsinnig virtuosen Sätze und Gedanken erwarten, aber das ist erstens gar nicht nötig und zweitens wird man allein durch die vielen fachlichen Begriffe und Erklärungen gut auf Trab gehalten.
Ich gebe zu, dass ich die technischen Details irgendwann nur noch überflogen habe, das heißt, ich habe nicht auf die Korrektheit der Aussagen geachtet. Aber auch das hat dem Ganzen irgendwie nicht geschadet, denn der Roman kommt auch mit der Annahme um die Ecke, dass außerirdisches Leben vorhanden ist. Das mag jetzt keine absolut abwegige Theorie sein, aber die Geschichte wird dahingehend doch so weit gesponnen, dass selbst die physikalischen Gesetze banal wirken und man sich nicht mehr daran aufhängt.
"'[...]Astronauten sind tapfere Menschen, die bereit sind, für die Wissenschaft ihr Leben zu riskieren.'"  S.299
Ich muss leider sagen, dass ich das Tempo etwas zäh fand. Zwischendurch wird es spannender, wenn der Protagonist Ryland Grace seine Erinnerung zurückerlangt und versucht seine Mission fortzusetzen, aber an einigen Stellen war es mir doch zu langatmig und zu wiederholend. Ich hätte mir da tatsächlich eine noch stärkere Bezugnahme zum Anfang des Projekts und der Crew gewünscht oder einen zusätzlichen Plottwist.

Dennoch habe ich die Geschichte am Ende ein klein wenig in mein Herz geschlossen, da der Kontakt oder die Beziehung zwischen Grace und einer ihm begegneten außerirdischen Lebensform mehr als unterhaltsam und sympathisch beschrieben wird. Rocky - wie Grace sie nennt - muss man einfach mögen (für mich war "er" vergleichsweise wie Wall-E).
Die Art und Weise wie Weir damit spielt, ob Menschen Außerirdischen hinsichtlich der Intelligenz und Technik immer unterlegen sind und welche Form der Verständigung möglich ist, hat einfach Spaß gemacht und war bis zum Ende schön zu lesen. 
Allerdings muss ich auch sagen, dass mir der Roman im Gegensatz zur Verfilmung von "Der Marsianer" durch gewisse Elemente noch unrealistischer erscheint und den Menschen wieder als "den Retter" des Universums darstellt. Das funktioniert zwar durchaus und ist, wie gesagt, amüsant, kurzweilig und unterhaltsam, sorgt aber auch dafür, dass ich den Roman wirklich nur als reinen Unterhaltungsroman gesehen habe, bei dem ich mich zusätzlich auf die schon geplante Verfilmung freuen werde.


Ein Science-Fiction-Roman, der gut unterhält, an manchen Stellen wirklich spannend ist und versucht aufzuzeigen, wie der Mensch mit uns bisher unbekannten Lebensformen umgeht - in vielerlei Hinsicht. Bestimmte Aspekte mochte ich sehr, andere schienen sich mir zu oft zu wiederholen und nahmen dem Roman ein wenig das Tempo raus. Dennoch ist es eine relativ actiongeladene Geschichte, die mich am Ende mit einer Wohlfühlstimmung zurückgelassen hat.


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