The Divines von Ellie Eaton

April 14, 2021

(Original: "The Divines"/ 2021) William Morrow, Übersetzer/in: -, ★★★☆☆ 3 Sterne
Memor Amici. Remember friends.
Die Mädchen der Eliteschule St. John the Divine sind bekannt und berüchtigt für das ständige Zurückwerfen der Haare, Schikanieren der Lehrer*innen, die Jagd nach Jungs und das Kettenrauchen. Sie waren scharfzüngig, loyal und bereit für alle möglichen Scherze.
Für Jospehine, nun in ihren Dreißigern, fühlt sich die Zeit an der St. John wie ein anders Leben an. Seit fünfzehn Jahren hat sie nicht mehr mit einer der anderen Divines gesprochen, nicht seit dem Tag, an dem sich die Türen der Schule beinahe voller Schande geschlossen haben.
Nun wandert Josephine wieder auf dem Campus und an der heruntergekommenen Schule entlang. Der Besuch weckt verschwommene Erinnerungen an die letzten Wochen, welche der Schule den Untergang beschert und die Gemeinde erschüttert haben.
Während des Nachsinnens wird Jospehine immer versessener nach ihrem jugendlichen Ich und der damals eingeschweißten Mädchenclique. Mit jeder Erinnerung, die wieder nach oben gespült wird, kommt sie dem hässlichen Geheimnis näher, welches die Schule mit einem großen Skandal zurückgelassen hat...
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"A townie could spot a Divine a mile away and vice versa."  S.23

Eine Eliteschule für Mädchen? Dunkle Geheimnisse, plakative Attitüden und ein Rückblick in die "unreife" Vergangenheit? Klang für mich tatsächlich sehr vielversprechend. Das Setting der Geschichte ist nicht neu (zum Beispiel "Bunny" oder "Mean Girls") und dennoch wurde impliziert, dass es hier um mehr gehen würde, als die bloße Beschreibung des Alltags an der Schule. Es gäbe nämlich unter anderem einen bestimmten Vorfall zu enthüllen. 

Nun, irgendwie hat mich der Roman dann zunehmend in eine Richtung gelenkt, die ich leider eher uninteressant fand. Aber von vorne: Wir bekommen immer wieder kleine Einschübe präsentiert, wie garstig die Mädchen sein konnten, was es für Traditionen (der Spruch "Memor Amici" als Erinnerung an das Bündnis war gut platziert und hatte durchaus eine Wirkung) und Streiche untereinander gab und wie diese auch von Generation zu Generation weitergereicht wurden (Mütter als Randfigur, aber Trägerinnen eines bestimmten Prestiges). Diese Aspekte fand ich an vielen Stellen gut herausgearbeitet und auch interessant. Wozu verleiten uns alte Muster? Wie entfalten wir uns in der Jugend, wenn wir nach vorgegebenen Verhaltensweisen und Erwartungen agieren - und können wir das überhaupt?
Zudem wurde die Auslegung und Perspektive bis zum Ende hin sehr geschickt umrundet. Wir folgen den Erinnerungen und Eindrücken einer Protagonistin, die uns in die Vergangenheit mitnimmt. Somit sind wir als Leser*innen durchaus ebenfalls beeinflusst worden. Der Clue jedoch war, dass am Ende noch einmal alles in Frage gestellt wird. Welche Perspektive stimmt? Kann man den eigenen Empfindungen vertrauen? Was versuchen die anderen zu verheimlichen? Und: Was ist deren Schutzmechanismus für diese Art von gesellschaftlichem Druck?
Das sind durchaus viele psychologische Eindrücke, die da mit einbezogen werden, was ich persönlich sehr mochte und was mich über den Roman hinweg zum Weiterlesen motiviert hat.

"´[W]hat´s your name?'
'Joe.'

The townie rolles her eyes once again.
'Seriously, what´s your real name?'
Our habit of using boys´ names was one of the peculiarities of the Divine that was to be heavily reported in the press later that summer."
 
S.41
Leider war für mich jedoch der mittlere Teil eine kleine Enttäuschung. Der Roman schwenkte plötzlich verstärkt auf teils merkwürdige sexuelle Anspielungen und Erlebnisse, die sicherlich für die Erfahrungen in dem Alter nicht unerlässlich sind, die sich hier für mich aber nicht recht einfügen wollten. Ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass diese Szenen eingebaut werden mussten, um für kleine Schocker (?) zu sorgen, um noch mehr zu provozieren, um dem Schema des "Sex sells" zu folgen? In Hinblick dazu schien mir die Ehe der Protagonistin so absurd und schon beinahe fremd. Der Mann verhielt sich für mich wie so ein programmiertes Irgendwas, das hier Verständnis zeigte, da mal aufgebracht war und sonst kaum zur eigentlichen Handlung passte.
Ich verstehe durchaus, dass versucht wurde, eine Verbindung und Abgrenzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart beziehungsweise Zukunft zu schaffen, aber wie das umgesetzt wurde, erschien mir etwas holprig.
Zudem schienen mir manche Aspekte ein wenig gegensätzlich. Wir erfahren, dass sich die Mädchen der städtischen Schule ("Townies") und die Divines absolut nicht ausstehen können. Die Tatsache, dass sich die Protagonistin jedoch mit einem Townie anfreundet und sich dadurch verstärkt der Divines-Clique entzieht, wirkte manchmal etwas zu unaufgeregt, da der Fokus auf die verhassten Seiten dabei gar nicht so stark zur Sprache kam. Zwar merken wir, dass sich die anderen Divines distanzieren, jedoch passen die beschriebenen Attitüden manchmal nicht mit der Handlung überein.

Grundsätzlich fand ich den Roman daher wirklich nicht so schlecht, aber er hat mir die Aspekte, die zunächst angedeutet wurden, zu sehr unter den Teppich gekehrt, um andere, die weniger wichtig schienen, in den Vordergrund zu rücken. Ich hätte gerne noch viel mehr von der Dynamik der Mädchen erfahren, von anderen "Festlichkeiten", die für die Divines eine Rolle spielten, eventuell auch einen noch stärkeren Fokus auf die nicht anwesende und durch den Bund der Schule aber omnipräsente Mutter.


Ein Roman, der sich letztlich verstärkt auf die jungen (sexuellen) Erfahrungen eines Mädchens stützt, das eben zufällig auch Teil einer Eliteschule ist. Obwohl einige Aspekte durchaus hervorgehoben werden, fehlte mir besonders im mittleren Teil der Fokus auf die Schule, die Gruppenbildung und die Erwartungen, die immer mitschwingen.  Zwar erhält die Geschichte durch den Aspekt des "großen Geheimnisses" oder Skandals eine gute Spannungskomponente, diese konnte für mich aber auch hier, besonders in der Mitte, nicht gut gehalten werden. Das Ende hat die Geschichte sicherlich noch einmal deutlich verbessert, da die psychologischen Aspekte erneut aufgegriffen werden und wir uns mit der Perspektive der Erzählerin beschäftigen, jedoch blieb der Roman für mich am Ende im Mittelfeld.


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