If We Were Villains von M.L. Rio

Oktober 19, 2020

(Original: "If We Were Villains"/ 2017) Titan Books, Übersetzer/in: -, ★★★★☆ 4 Sterne
Wenn Freunde zu Feinden werden.... gibt es keine Grenzen für den Schaden, den sie anrichten können.

Oliver Marks hat gerade zehn Jahr wegen Mordes im Gefängnis gesessen, den er vielleicht oder vielleicht auch nicht begangen hat. Am Tag seiner Entlassung wird er von dem Ermittler begrüßt, der ihn damals verhaftet hat. Ermittler Colborne geht in Rente und will nun wissen, was sich wirklich vor Jahrzehnten zugetragen hat.

Als junger Schauspieler an einer Eliteschule, bemerkt Oliver zunehmend, dass seine talentierten Mitschüler*innen, abseits der Bühne, dieselben Charaktere zu spielen versuchen, wie auf der Bühne - Bösewicht, Held, Verführerin. Doch als die Lehrer die Besetzung verändern, entwickelt sich eine gutartige Rivalität zu einer hässlichen Schlacht und das Theaterstück schlägt gefährlich ins wahre Leben ein.

Als das Unglück zuschlägt, wird eine*r der sieben Freunde tot aufgefunden. Der Rest sieht sich ihrer größten schauspielerischen Herausforderung gegenüber: Die Polizei und auch sich selbst zu überzeugen, dass sie unschuldig sind.

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"It has been a warm autmn so far.
        Enter the players. There were seven of us then, seven bright young things with wide precious futures ahead of us, though we saw no further than the books in front of our faces."  S.12

Shakespeare. Theater. Intrigen? M. L. Rios Roman bewegt sich inmitten einer recht düsteren Atmosphäre einer Eliteuni. Es ist Herbst, an Halloween wird ein Stück im Waldgebiet aufgeführt, das alle Beteiligten unsicher und verstört zurücklässt und die sieben Freunde (gleichzeitig Protagonist*innen) scheinen immer mehr Geheimnisse voreinander zu haben. 
Ich fand die Idee und auch die Umsetzung größtenteils wirklich gelungen. Einige Fakten sind bereits zu Beginn bekannt, andere Dinge werden erst nach und nach offenbart. Und mittendrin: Shakespeare. Shakespeare als Vorbild, Held und Stütze der Figuren. 
Als Leser*in sind wir also ständig mit den Texten (wenn auch oftmals in abgewandelter / angepasster Form) in Berührung. Das sorgt dafür, dass man sicherlich einerseits die Bildungseinrichtung als solche präsenter wahrnimmt, aber eben auch tiefer in die Theaterthematik reingezogen wird. Welche Figuren verkörpern was bei Shakespeare? Welche Dynamiken gibt es? Welche Bedeutungen hat das Gesagte und wie lässt sich alles auf diese neue, von Rio erschaffene Welt "anwenden"? 
Es war spannend zu sehen, dass der Roman sozusagen wie ein Stück im Stück verschachtelt wurde. Einige Figuren lösen sich von den Rollen, einige jedoch bleiben daran hängen.

"With a sip of tea I persuaded myself that we were all simply overreacting. Actors are by nature volatile -alchemic creatures composed of incendiary elements, emotion and ego and envy. Heat them up, stir them together, and sometimes you get gold. Sometimes disaster."  S. 68

Betrachte ich die Spannung in dem Roman, muss ich sagen, dass diese definitiv vorhanden ist. Allerdings nicht so stark, wie ich anfangs gehofft hatte. Viele Wendungen oder Auflösungen habe ich kommen sehen, sodass ich nicht überrascht war zu erfahren, was letztlich passiert ist.
Dennoch habe ich mich nie wirklich gelangweilt. Das lag wohl überwiegend daran, dass ich den Stil des Romans einfach mochte. Mir gefiel die Vermischung der modern, düsteren Aspekte einer Crime-Story mit der klassischen Auseinandersetzung von Shakespeares Texten. 
Letztlich ist es ein Roman, der eine spezielle Stimmung transportiert und durchaus nachdenklich ist, der aber vielleicht nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben wird, zumindest was den Inhalt angeht. Das Gefühl während des Lesens, also in diese Welt einzutreten, werde ich aber schon ein wenig vermissen.

"Me:'I hate you.'
      Richard: 'Hatred is the sincerest form of flattery.'
Alexander: 'That´s imitation, dickhead.'
S. 32

 

Ein Roman in einer Campus- /Dark-Academia-Welt, der sich sehr stark auf Shakespeares Stücke und die darin vorkommenden Figuren bezieht. Der Todesfall, welcher erwähnt wird, sorgt dafür, dass man als Leser*in rückblickend an die Uni der sieben Protagonist*innen kommt und nach und nach erfährt, was zu deren Entrückung geführt hat. Hier hätte ich mir vielleicht noch mehr "Twists" gewünscht, grundsätzlich hat der Roman für mich aber gut funktioniert. Die Figuren und Handlungen sind plausibel und die Atmosphäre fand ich so schön speziell, dass ich dort gerne länger verweilt wäre. Eine Geschichte, von der man nicht zu viel erwarten sollte, die aber vor allem für Leser*innen interessant ist, die etwas für Shakespeare, das Theater und eine Spurensuche innerhalb einer Clique übrighaben.


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