Frankly in Love (Frankly in Love #1) von David Yoon

März 06, 2020

Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Frankly in Love"/ 2019), cbj Verlag (2020), Übersetzer/in: Claudia Max (aus dem amerikanischen Englisch), ★★★★☆ 4 Sterne
"Frank liebt Joy. Joy liebt Frank. Das erzählen sie jedenfalls ihren Eltern ...
Als Sohn koreanischer Einwanderer in Kalifornien lebt Frank Li zwischen zwei Welten. Obwohl er fast kein Koreanisch spricht, respektiert er seine Eltern, die ihm alles ermöglicht haben. Doch sie haben eine Regel: Frank darf nur ein koreanisches Mädchen daten. Als Frank sich in Brit verliebt, ein weißes Mädchen, schließt er mit seiner Kindheitsfreundin Joy einen Pakt: Sie werden ein offizielles Paar, während sie heimlich jemand anderen treffen. Was soll da schon schiefgehen? Doch als Franks Leben eine unerwartete Wendung nimmt, merkt er, dass er rein gar nichts verstanden hat: weder die Liebe noch sich selbst …"
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"Wir sitzen da und nicken kurz und lassen Ellas Worte vor uns schweben. Wir wollen doch alle einfach nur lieben dürfen, wen wir wollen. S.166

"Frankly in Love" ist auf den ersten Blick ein typisches Jugendbuch, das die Liebe in den Fokus stellt. Und irgendwie ist es auch recht "typisch", geht aber in einigen Punkten doch weit darüber hinaus.
Zu Beginn eins vorweg: Ich bin mittlerweile einfach nicht mehr genau die richtige Zielgruppe für solche Jugendbücher (auch wenn ich ihnen gegenüber nicht generell abgeneigt bin). Soll heißen, ich bin teilweise rausgewachsen und bewerte das Buch natürlich etwas anders, als jemand, der sich gerade genau mit dem Alter und den Umständen identifizieren kann. 
Daher meine negativen Punkte zuerst. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit der Wortwahl und der "zu gewollten" Jugendlichkeit (?). Mir kam es immer etwas gespielt vor, wie die Protagonisten mit einigen Jugendwörtern herumwerfen. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass es aus dem amerikanischen Englisch übersetzt wurde und dort solche Phrasen eher auf die Spitze getrieben werden, in deutscher Sprache dann einfach etwas merkwürdig wirken. An einigen Stellen passt es zwar, aber im Großen und Ganzen war es mir dann im Gesamten einfach etwas zu konstruiert.
Was mich nicht wirklich gestört, aber doch verwundert hat, war die Tatsache, dass die Inhaltsangabe etwas verspricht, was es nicht ganz einhält. Wer sich besonders auf die Fake-Beziehungs-Elemente freut, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, denn die Handlung entwickelt sich sehr schnell weiter, sodass man ein Gefühl á la "Moment, sollte das nicht irgendwie stärker ausgebaut sein" entsteht.

"Denn egal, ob ich Ahnung habe oder nicht, von mir wird immer noch erwartet, dass ich der koreanische Experte bin. In anderen Worten, in erster Linie wird von mir immer noch verlangt, dass ich koreanisch bin, und erst danach einfach typisch amerikanisch. Das ganze verdammte »Koreanischstämmige« vor »Amerikaner« ist einfach nicht totzukriegen."  S.262f.

Nichtsdestotrotz fand ich den Roman trotz oder auch gerade wegen seiner anders verlaufenen Handlungen und Stränge sehr geglückt, denn es ist eben nicht unbedingt der Standardinhalt, den man anfangs erwartet. Man kann aber sicher sein, dass das Thema "Liebe" natürlich mehr als genügend ausgelegt wird und zwar in all seinen Facetten.

Was mir an dem Jugendbuch aber besonders gefallen hat, ist die gesamte Thematik, die sich nicht nur allgemein mit Beziehungen beschäftigt, sondern Beziehungen zwischen Menschen, die durch ihre Familie an bestimmte Vorstellungen und kulturelle Wünsche gebunden sind. Wieso ist es uns so wichtig, dass die Eltern unsere Partner akzeptieren oder gerade nicht akzeptieren? Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen zu lieben, wen wir lieben? 
Daran angelehnt wird das Thema Rassismus auch gezielt angesprochen und wunderbar ausgelegt. Ich mochte dabei sehr, dass der Protagonist Frank die Zustände und Dinge nicht beschönigt. Seine Eltern lässt er nie mit irgendwelchen Verharmlosungen davonkommen. Wenn sie sich rassistisch äußern, dann sagt er es auch so: "Sie sind Rassisten". Gleichzeitig wird die Problematik, die hinter gewissen Äußerungen, Vorurteilen und Wörtern steckt aufgegriffen und erklärt. Der (junge) Leser wird hier also wunderbar für das Thema sensibilisiert und versteht, wie schwierig es ist, sich als Amerikaner (der nun einmal eine koreanische Familie hat) in der Gesellschaft vorurteilsfrei zu bewegen und wie sich Vorurteile generell auf unsere Kommunikation mit anderen (Kulturen) auswirken.
Eine scheinbar geplante Fortsetzung würde ich daher durchaus noch lesen, besonders, weil mich auch der Handlungsstrang von Franks bestem Freund Q interessieren würde.

"Um zu verstehen, warum das ein Problem darstellt, ist es hilfreich zu wissen, dass historisch gesehen beinahe jedes Land in Asien irgendwann jedes andere Land in Asien gehasst hat. Die Koreaner hassten die Chinesen, und die Chinesen hassten die Koreaner, und zwar schon immer. Außerdem hassten Chinesen Japaner hassten Koreaner hassten Thais hassten Vietnamesen und so weiter. Alle verbindet eine Geschichte, irgendwo einmarschiert oder von den andern überfallen worden zu sein.
So wie die europäischen Länder Scheiße übereinander erzählen? Das gleiche Ding.
" S.39


Voller Liebe und schonungslos ehrlich. Auch wenn mir einige Gespräche zu überspitzt vorkamen (mag an der Tatsache liegen, dass Jugendliche in Amerika einfach anders miteinander reden), gefiel mir der Roman rund um Frank, Brit und Joy ganz gut. Die Inhalte zum Thema Rassismus und eigener Identität in einem "fremdem" Land fand ich dabei sehr gut herausgestellt und erläutert. Obwohl ich mir von der "Liebesgeschichte" irgendwie mehr erhofft hatte, fand ich die Stärke des Romans darin wieder, dass er sich eben nicht an ein spezielles Schema hält. Quasi ein Netflix-Teenie-Film mit ernsten Themen und letztlich viel Gefühl.

Kommentare:

  1. Hallo Karin

    Um das Buch bin ich jetzt auch ganz lange herumgeschlichen und eigentlich wollte ich keine neue Reziexemplare mehr anfragen, sondern mich wieder mehr meinem SuB widmen, aber dann konnte ich es doch nicht sein lassen und habe am Wochenende den "Bewerben" Button gedrückt :D
    Und wenn ich das schon getan habe, dann musste ich gleich auch mal einen Blick auf deine Vorab-Meinung werfen :D

    Schade, dass auch hier der Klappentext etwas verspricht, dass es nicht hält. Sowas ärgert mich ja immer sehr. Aber dank dir, bin ich nun ja vorgewarnt.

    Ich habe in letzter Zeit ja sehr viele Bücher zum Thema Rassismus gelesen, wobei es dort vor allem um Afroamerikaner*innen ging. Ich bin gespannt, inwiefern die koreanische Kultur hier einen Einfluss auf die Geschichte hat und sehr neugierig auf die Umsetzung. Wenn Yoon nur annähernd so tolle Geschichten schreibt, wie seine Frau, dann darf ich mich auf etwas freuen :)

    Schön, dass dich das Buch insgesamt überzeugen konnte. Deine Rezension macht auf jeden Fall Lust auf das Buch! Falls ich tatsächlich ein Leseexemplar zugeschickt bekomme, dann bin ich gespannt, ob mich die jugendliche Sprache auch stören wird. Ich gehöre ja nun auch schon länger nicht mehr zur Zielgruppe. Und sonst landet das Buch sicher auf meiner Wunschliste :))


    Liebe Grüsse
    paperlove

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    1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ich hoffe, es wird dir gefallen! :) Also, zum Teil wird es schon eingehalten, aber ich dachte tatsächlich einfach, dass es viel mehr im Fokus stehen würde, demnach auch länger präsent wäre. Dennoch, wie gesagt, habe ich die Geschichte grundsätzlich gerne gelesen. Vielleicht wird es bei dir auch so sein. Umso mehr hat mich dann die Thematik rund um die koreanische Kultur und das Identitätsgefühl gepackt. Also es hat sich letztlich gut ausgeglichen.

      Die Bücher von Nicola Yoon habe ich tatsächlich (noch!) nicht gelesen, habe aber schon viel Gutes gehört. Vielleicht greife ich da auch nochmal zu. :)


      Liebe Grüße
      Karin

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    2. Ja, das mit der koreanischen Kultur und dem Identitätsgefühl ist auch das, was mich sehr am Buch anspricht. :)

      Die Bücher von Nicola Yoon kann ich dir auf alle Fälle sehr weiterempfehlen! :))

      LG

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