Lichter auf dem Meer von Miquel Reina

August 28, 2019




Werbung ~ Rezensionsexemplar (Original: "Luces el en mar"/ 2018) Penguin Verlag, Übersetzer/in: Anja Rüdiger (aus dem Spanischen), ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
"Harold und Mary Grapes verbindet eine große Liebe, doch der Tod ihres Sohnes hat sie den Glauben an das Schöne im Leben verlieren lassen. Nur ihr kleines, auf einem Felsen hoch über dem Meer gelegenes Holzhaus bereitet ihnen noch Freude, aber nun sollen sie es verlassen. In der Nacht vor dem gefürchteten Umzug ins Altersheim schlägt das Schicksal plötzlich noch einmal zu: Ein heftiges Unwetter fegt das Haus ins Meer und schickt das tief schlafende Ehepaar auf eine außergewöhnliche Reise. Eine Reise, die sie bis hoch in den Norden führt, wo die Toten sich in Polarlichter verwandeln und ein Zuhause nicht aus vier Wänden besteht, sondern aus geliebten Menschen. Einer Reise, von der Harold und Mary plötzlich gar nicht mehr wollen, dass sie endet …"
__________________________________________________________________________________

"'Wenn wir Antworten haben wollen, müssen wir danach suchen' , meinte Harold und hielt ihr die Hand hin." S. 59

Mit "Lichter auf dem Meer" hat es Miquel Reina definitiv geschafft, mich bezüglich einiger Aspekte in den Bann zu ziehen. Allein die Idee der Geschichte, dass das Ehepaar Grape mit dem eigenen Haus auf dem offene Meer treibt und sich verschiedenen, gefährlichen Situationen stellen muss, sorgt für ein ganz besonderes Gefühl beim Lesen.
So wie Reina die Situation und das Haus beschreibt, kann man es sich wunderbar bildlich vorstellen. Alle Einzelheiten, die den Grapes dabei wichtig sind, die symbolisch für etwas stehen, werden stets gelungen in den Vordergrund gerückt. Leider hatte ich dennoch an vielen Stellen das Gefühl, dass einige Dinge unnötig in die Länge gezogen wurden. Das lag größtenteils an Beschreibungen, die sehr detailliert waren und sich zum Beispiel, ganz zu Beginn des Abenteuers, auf handwerkliche Maßnahmen beziehen. An anderen Stellen ging es thematisch nicht um Handwerkliches, aber auch da schien mir vieles zu oft wiederholt worden zu sein, ohne, dass es wirklich relevant gewesen ist. Es gab aber durchaus auch schöne Wiederholungen, welche die Aussage des Romans gut unterstützt haben und die hier tatsächlich einen besonderen Wert für die Geschichte dargestellen. So greift die Geschichte zum Beispiel gut auf, dass wir uns viel zu oft von materiellen Besitztümern und Habseligkeiten beherrschen lassen und uns die Voranschreitung einer solch materialistischen Gesellschaft nicht glücklicher macht als andere Menschengruppen, die "primitiver" leben.

"'Das ganze Leben ist eine Reise' , erklärte Aga. 'Wir reisen von einem Ort zum anderen, weil es das ist, was einen Fisch von einem Stein unterscheidet, die Bewegung von der Starre, das Licht von der Dunkelheit, das Leben vom Tod." S. 275

Grundsätzlich finde ich die Geschichte und die Ausarbeitung der Handlung recht geglückt. Was dabei ganz besonders zum Vorschein kommt, ist die Bitte an den Leser, offen gegenüber unrealistischen Zufällen und Gegebenheiten zu sein. Die Figuren selbst verweisen zwar darauf, dass sie selbst an vielen Dingen zweifeln die ihnen zustoßen, aber hinter allem schwingt auch die Überlegung, dass man sich einfach auf das Geschriebene einlassen soll. 
Mir gefielen die emotionalen Aspekte, die Kämpfe, die das Ehepaar untereinander, aber auch jeder für sich selbst auszutragen hat. Besonders zum Ende hin wird es meiner Meinung nach, von der Qualität der Kernaussage des Romans und auch der eigentlichen Äußerungen der Figuren, noch einmal deutlich gefühlvoller und anspruchsvoller. Hier entfaltet sich eine, auch für den Leser, wichtige Lektion, die er mitnehmen kann, falls ähnliche Situationen in seinem Leben zu verarbeiten sind. Das ist gezielt bezogen auf den Verlust eines geliebten Menschen, hier eben auf den im Klappentext erwähnten Verlust des Sohnes der Grapes und der damit verbundenen Trauer. 
Auch wenn der Roman den Leser daher gezielt mit Ängsten, dem Verlust und der Trauer konfrontiert, ist der Roman voller Zuversicht und motivierenden Aussagen. 
Was mich jedoch sehr oft unzufrieden zurückgelassen hat, war die recht einfache Dialogführung, welche wie gesagt, zum Ende hin noch einmal besser wurde. An vielen Stellen jedoch klang vieles sehr stereotypisch, nach Unterhaltungen, die man schon hunderte von Malen gelesen hatte und die dadurch ihre Wirkung verlieren, weil sie wie bekannte Floskeln á la "Wie geht´s?" "Gut und dir?" oder "Du musst an dich glauben" wirken. Das ist etwas, was ich sehr schade finde, weil der Roman selbst und die Idee sehr viel Potential haben und in vielen Bereichen auch angemessen umgesetzt wurden.


Nach dem Lesen bleibt mir vor allem das Bild des schwimmenden Hauses in Erinnerung und die damit verbundene, für mich, sehr spezielle und interessante Idee des Romans. Die Grapes schließt man sehr schnell in sein Herz und auch das Abenteuer selbst bleibt präsent. Mir gefielen die meisten Umsetzungen und auch symbolischen Spielereien, die dem Roman etwas Besonderes entlocken. Zum Ende hin wird es natürlich noch einmal besonders gefühlvoll. Leider sind mir gewisse zu lang wirkende Passagen nicht ganz stimmig erschienen und auch die Dialoge fand ich in vielen Teilen einfach stilistisch zu schwach. Vieles wirkte dadurch, trotz der neuen, eigenständigen Idee des Romans, wie ein schon sehr oft gehörtes Gespräch, das seinen Glanz verloren hat, was der Geschichte nicht gerecht wird.



Kommentare:

  1. Ahoi Karin,

    als ich das Wort "Meer" in meinem Blogroll sah, musste ich einfach vorbeigeschwommen kommen :D
    Das Buch ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen, klingt aber auf jeden Fall sehr ungewöhnlich und deine Rezension macht, trotz der negativen Punkte, Lust, das Buch zu lesen. Ich tu es mal auf die "Vielleicht"-Liste :)

    Liebe Grüße, Ronja
    https://oceanlove--r.blogspot.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In letzter Zeit sammeln sich - seit ich Melvilles "Moby Dick" gelesen habe - immer mehr Bücher über das Meer etc. an, irgendwie merkwürdig. :D Es hat auf jeden Fall schöne Apsekte, man muss aber wohl einfach den Schreibstil mögen, um es vollkommen genießen zu können.


      Liebe Grüße
      Karin

      Löschen

Mit dem Absenden Deines Kommentars bestätigst Du, dass Du meine Datenschutzerklärung, sowie die Datenschutzerklärung von Google gelesen hast und akzeptierst.