After Alice von Gregory Maguire

August 16, 2019





(Original: "After Alice"/ 2015) Headline, Übersetzer/in: -, ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
Als Alice in den Kaninchenbau hinuntergestürzt ist, fand sie sich im Wunderland wieder, das genauso voller inkonsequenter Regeln und schroffer Egos war, wie die Welt, die sie hinter sich gelassen hat. Doch wie hat das Viktorianische Oxford auf Alices Verschwinden reagiert?
In der neuerzählten Geschichte rund um die Kraft der Imagination und der verborgenen Unterwelten, erschafft Maguire ein Märchen mit anderem Blickwinkel. Ada, ein Mädchen, das im Originaltext nur kurz zu Beginn erwähnt wird, übernimmt hier die Hauptrolle und stürzt "After Alice" in den Kaninchenbau und macht sich auf die Suche nach ihr.
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"Lydia pointed to some imprecise horizon. 'You know your Alice. She plays hide-and-seek but sometimes forgets to ask someone to look for her.' S. 19

Maguire hat mich mit seiner Idee sofort neugierig gemacht. Noch einmal in das Wunderland gehen, aber nicht mit Alice, sondern mit ihrer Freundin Ada. Sie wird im Original nur flüchtig genannt, bekommt hier aber eine doch recht wichtige Stellung zugeschrieben.
Mir gefiel die Idee, dass sie einerseits ganz anders als, die uns bekannte und mutige Heldin, Alice ist und dennoch letztlich als starker Charakter auftritt. Besonders in Hinblick auf ihre. von der zurückgelassenen Gesellschaft angesehenen, vermeintlich körperlichen Einschränkungen werden hier aufgegriffen und in einen positiven Kontext gesetzt.
Was die Handlung betrifft, so muss man natürlich sagen, dass sich vieles aus dem Original wiederholt, was ich persönlich aber sehr gemocht habe und was auch der Vorteil der Geschichte ist. Wir begegnen der Grinsekatze, der bösen Königin oder aber auch dem Kaninchen, das immer in Eile ist. Alles Charaktere, die wir schon lieben gelernt haben und von denen man sehr gerne wieder liest. Dennoch sind alle Begegnungen natürlich abgewandelt, da sie auf Ada, die Alice nun im Wunderland sucht, treffen und sich auch immer irgendwie auf Alices Vorbesuch beziehen. Einerseits fand ich dies geglückt, andererseits schwächte dies das Orginal teilweise etwas ab, da man das Gefühl bekam, dass Alice nicht mehr so einen Sonderstatus hat, wie bei Carroll. Andererseits ist genau dies wiederum eine schöne Botschaft, da Ada trotz ihrer Ängste auch zu einer kleinen Heldin wird und sie durch ihr Verhalten ebenso die "Berechtigung" hat in die kuriose Welt einzutauchen.

"But what is character? How solid? We cut our hair, we shave our beards, we lose a limb. We remain ourselves. In dreams, however, we swap identities licentiously. We sabotage the structures of our character without a thought." S. 47

Was ich an der Geschichte zunehmend gar nicht attraktiv fand, waren die teilweise sehr trägen Kapitel rund um Alices Schwester Lydia, die ebenfalls nach ihr sucht - aber natürlich in der für sie "realen" Welt. Auch wenn hier sehr viele interessante Ansätze aufgegriffen werden und Personen wie Darwin, gewisse Überlegungen in eine neue Richtung lenken, ebenso wie versucht wird die Verknüpfung zur Mythologie auf neuer Ebene zu eröffnen, so bleiben diese Kapitel doch irgendwie ohne Funken. Man hört meist immer wieder daselbe von den Figuren und irgendwie bleiben sie stets uninteressant.
Der Versuch den Jungen Siam mit in die Geschichte zu bringen, der aus der Sklavenschaft gerettet wurde, hat zwar auch gute Ansätze, verliert sich aber leider irgendwie, da nicht immer ersichtlich ist, wie man dies in den Gesamtzusammenhang und in Bezug zur Originalgeschichte bringen soll. Das heißt, dass der Versuch, die Geschichte von Alice mit Ada fortzuführen, die Überlegungen zu Darwins Theorien, den mythologischen Geschichten und noch der Kritik an der Sklaverei, zwar einerseits durchaus irgendwie zusammenpasst, darauf hat Maguire schon geachtet, aber es wirkt einfach etwas zu überfüllt.

"'Goodbye', whispered Ada. She imagined, if she did manage to escape, that the ones she would miss were the White Queen and the White Knight. Generally adults were a failure, but these two managed failure well." S. 229


Die Kapitel rund um Ada und ihren Versuch Alice zu finden, habe ich sehr gerne gelesen. Man begegnet den liebgewonnenen Charakteren des Originals, aber aus einem anderen Blickwinkel. Da die Protagonistin nicht wie Alice ist, entdecken wir also neue Seiten an den Figuren und der Welt des Wunderlands, ebenso wie einer neuen Überlegung zum Ausgang der Geschichte. Was mich leider eher uninteressiert zurückgelassen hat, waren die Kapitel, in denen Alices Schwester Lydia und Ms Armstrong nach den beiden Mädchen suchen. Zwar bekommt man hier den Einblick in die Gesellschaft und die viktorianischen Moralvorstellungen, allerdings hat dort der Pfiff gefehlt, damit es mit dem Rest zusammenpasst.




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