Bücher für ein Hygge-Gefühl

April 11, 2019




Wenn der Alltag wieder einmal zu anstrengend, zu grau erscheint, dann greift man am besten zu einem Buch und macht es sich hyggelig.
Doch was ist Hygge überhaupt? Hygge ist ein Gefühl das man hat. Ein gemütliches, entspanntes, vom Stress losgelöstes Gefühl, das einem besonders Zuhause helfen soll, nicht ständig zu grübeln, sondern den Moment zu genießen. Wichtig dabei ist eher die Atmosphäre in der Wohnung, auf die man natürlich selbst den größten Einfluss hat. Wer hier ganz nach Ratgeber gehen möchte, zündet am besten einige Kerzen zum Leseabend (oder -Tag) an. Wichtig dabei: Gut durchlüften, denn Kerzen sind nicht gerade gesund, wenn sie in geschlossenen Räumen abbrennen.

Da mein letzter Monat ganz im Zeichen der "gemütlichen Lektüre" stand und ich selbst öfters gerne zu Büchern greife, mit denen man sich nach einem eher turbulenten Tag entspannen kann, dachte ich mir, stelle ich eine kleine Liste zusammen. 
Grundsätzlich eignet sich natürlich jedes Buch für hyggelige Lesestunden, unabhängig von dem Genre. Doch wenn ich so durch meine Bücherregale schaue, dann verbinde ich mit Hygge ganz bestimmte Bücher. Bücher, die vielleicht etwas umfangreicher sind, damit man sich endlich mal etwas mehr Zeit zum Lesen nimmt (sie können einen dabei durchaus fordern, sollten aber nicht überanstrengen) oder damit man einen komplett verregneten Tag auskosten kann. Oder Bücher, die eben einfach dieses wohlige Gefühl zurücklassen, wenn man sich an sie zurückerinnert.

Daher hier eine kleine Auswahl an Büchern, die ein Hygge-Gefühl verbreiten (Die Liste kann man natürlich beliebig erweitern):

Die Basics:
  • "The Little Book of Hygge" von Meik Wiking: Wie schafft man es am einfachsten, sich in eine hyggelige Stimmung zu versetzen? Natürlich mit einem amüsanten Hygge-Ratgeber. Meik Wiking bringt uns den dänischen Lebensstil auf unterhaltsame Weise näher, mit Bildern, Statistiken, Anekdoten und kleinen Hilfestellungen, wie man sein Zuhause zu einer wahren Wohlfühlzone macht. Unbedingt lesenswert, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, auch wenn man vieles sicherlich bereits beherzigt. Denn, wie er auch selbst erwähnt, nicht nur die Dänen kennen sich mit Hygge aus - der Unterschied liegt in der Bezeichnung.

Hygge-Stimmung ohne Genrekategorie:
  •  "The Luminaries" von Eleanor Catton: Eines der wohl längsten Bücher auf der Liste, aber eines, das sich am Ende mehr als lohnt. Die Geschichte begleitet einen so lange, dass man einfach mit den Figuren zusammenfindet und sich intensiver mit ihnen beschäftigt. Auch wenn es manchmal etwas langsamer voran geht, entfaltet das Buch eine sehr eigene, interessante, geheimnisvolle Stimmung, nach der man sich nach Beenden doch zurücksehnt. Allerdings muss man bereit sein, sich mit vielen Namen und Figuren vertraut zu machen.
  • "The storied life of A.J. Fikry" von Gabrielle Zevin: Bücher, Bücher, Bücher und eine Buchhandlung. Was gibt es Schöneres für eine Hygge-Stimmung? Die Geschichte ist zwar recht schnell ausgelesen, aber sie hinterlässt einfach ein gutes Gefühl ohne allzu kitschig zu sein.
  • "Stardust" von Neil Gaiman: Man könnte sicherlich noch weitere Bücher des Autors anführen, aber Stardust ist wohl eines, das am besten passt. Märchenhaft, frech, schräg, spannend, komisch und einfach nur voller Fantasie entführt uns Gaiman auf einen Weg, den wir gemeinsam mit einem (wahrhaftigen!) Stern als Protagonistin entlang wandern. Eines der Bücher, die ich wirklich immer lesen könnte, wenn ich eine wohlige Stimmung benötige.
  • "Dinner mit Edward" von Isabel Vincent: Zugegeben, hundertprozentig überzeugt hat mich das Buch damals nicht, aber den Hygge-faktor hat es in der Tat. Das liegt sicherlich daran, dass Essen bei der Philosophie der Dänen eine sehr große Rolle spielt - und vor allem auch viel Fleisch (wo ich persönlich leider raus bin). In "Dinner mit Edward" gibt es sehr viele Essensbeschreibungen und einige Lebensratschläge, die man sich gerne durchliest und die für einige Stunden bei Kerzenschein und einer kuscheligen Decke sicherlich ganz interessant sein können. 
  • "Was im Leben wichtig ist" (herausgegeben) von Richard Reed: Auch einige Sachbücher eignen sich wunderbar. In diesem Buch hat Reed einige erfolgreiche, bekannte oder bemerkenswerte Persönlichkeiten getroffen und sie nach dem gefragt, was für sie wichtig ist. Daraus hat sich ein Band ergeben, der voller guter Motivationen und inspirierender Lebensläufe steckt. Liest sich dabei gut bei einer heißen Tasse Tee / Kakao oder aber auch tatsächlich an warmen Sommerabenden. 
  • "S - Das Schiff des Thesues" von J.J. Abrams & Doug Dorst: Auf den ersten Blick erscheint dieses Buch vielleicht als ungewöhnliche Wahl, da es wirklich viel Aufmerksamkeit von dem Leser verlangt und man sich etwas mehr anstrengen muss, um alle Puzzleteile zusammenzufinden. Aber genau hier setzte bei mir auch gleichzeitig das Hygge-Gefühl ein - Man nimmt sich die Zeit und geht jedem Hinweis nach, nimmt die beigefügten Zeitungsartikel zur Hand, studiert sie ausgiebig und liest sich durch die, von den "Protagonisten" angemerkten, Notizen im Buch. Es ist sozusagen eine Geschichte in einer Geschichte. Geheimnisvoll und doch am Ende rührend lässt es einen dann mit einem Gefühl zurück, als hätte man etwas ganz Großes entdeckt, aber etwas, das nur für einen selbst bestimmt ist, was die anderen leser des Buches vielleicht nicht herausgefunden haben - oder aber vielleicht begibt man sich nach einiger Zeit erneut auf die Suche nach weiteren Antworten, die möglicherweise offen geblieben sind.
    Dass das Buch dabei wie eine alte Bibliotheksausgabe gestaltet ist, macht das ganze noch gemütlicher.

Gut für´s Herz:
  • "The Secret Lives of Dresses" von Erin McKean: Das Buch habe ich selbst erst letzen Monat gelesen, eben in einer stressigen Zeit, in der ich beim Lesen einfach abschalten wollte. Daher ein ganz klarer Hygge-Kandidat. Es geht um eine Protagonistin, die aufgrund eines familiären Notfalls zurück in ihre Heimatstadt zurückkehrt und sich die Frage stellen muss, wonach sie sich wirklich sehnt und was sie sich für ihre Zukunft wünscht. An sich keine gänzlich neue Handlung, die Idee mit den "geheimen Leben der Kleider", die in dem Geschäft ihrer Großmutter hängen machen daraus aber eine wirklich schöne Geschichte mit viel humorvollen und rührenden Passagen.
  • "The Secrets of Happiness" von Lucy Diamons: Besonders hyggelig wirds anscheinen mit Geheimnissen, zumindest, wenn man nach den Buchtitel geht. Wie dieser Fall bestätigt. Die Geschichte dreht sich um eine (Stief-)Schwesterbeziehung, die nicht ganz problemlos verläuft. Doch durch ein Ereignis im Leben einer der Protagonistinnen sehen sie sich gezwungen, einige Dinge auszudiskutieren. Dies sorgt auch hier für einige zukunftsweisende Entwicklungen. Was mir hierbei besonders gefiel: Die Autorin ist darauf bedacht, problematische Verhaltensweisen bei den Geschlechterrollen aufzuzeigen und verliert sich nicht in den typischen Klischees. Man rollt nicht ständig mit den Augen, weil Standardsätze fallen und die Schwestern sind auch keine hilflosen Weibchen, die auf die große Liebe warten. Es geht tatsächlich eher um die Familie und um die Verbindung der Geschwister. Daher definitiv gut für eine hyggelige Atmosphäre. Hier finden sich zudem ganz zum Schluss auch einige Rezepte, die im Buch gebacken / gekocht wurden. Also ein Hygge-Pluspunkt.
  • "The Lark" von E. Nesbit: Diese Geschichte, in welcher ebenfalls zwei Protagonistinnen versuchen sich gemeinsam durchzuschlagen und unter anderem ein Blumengeschäft ins Leben rufen möchten, ist nicht wirklich als Liebesroman ausgelegt, könnte also auch durchaus ohne Kategorie auskommen. Aber wenn ich an das Buch zurückdenke, dann ist es ein Inhalt, der sich schon irgendwie um das Herz schmiegt. Vor tatenkraft sprühende junge Frauen, die mal mehr, mal weniger Glück im Leben haben, die natürlich auch auf den einen oder anderen attraktiven Mann treffen und die füreinander da sind. Liest sich aber tatsächlich besser im Sommer, da die beschriebene Stimmung so mehr wirkt.

Die Klassiker:
  • "Das Haus der vergessenen Bücher" von Christopher Morley: Man kann hier sicherlich noch die Vorgeschichte des Buches, "Eine Buchhandlung auf Reisen" hinzuzählen. Hier kann sich der Leser wunderbar in die Welt der Bücher fliehen und unter anderem auf Spurensuche gehen. Perfekt, um sich wirklich für einen ganzen Abend in eine andere New-Yorker-Welt zu begeben und in das Jahr 1919.
  • Auf Spurensuche und in Hygge-Stimmung kann man sich auch ohne Zweifel mit den Fällen von Sherlock Holmes begeben. Zum Beispiel mit "A Study in Scarlett" von Arthur Conan Doyle. Ein zeitloser Klassiker, bei dem man mitgrübeln, mitschmunzeln und sich einfach gut unterhalten fühlt. Wer zudem gerne Adaptionen des bekannten Detektivs liest, der sollte mal auf dem Blog "Fiktion. fetzt" von der lieben Karo vorbeischauen. Dort gibt es hinsichtlich dieser Thematik wirklich alles, was das Herz begehrt!
  •  Mein persönlicher Favorit ist aber "Jane Eyre" von Charlotte Bronte. Ein wenig geheimnisvoll und mit Andeutungen an Geister, ein wenig verspielt und herzerwärmend durch die Beziehung zwischen Mr. Rochester und Jane und zum Schluss noch einmal etwas spannender durch gewisse Handlungsstränge, die man nicht unbedingt erwartet. Wenn es draußen stürmt und regnet passt die Lektüre zudem doppelt so gut.
  • Generell eignen sich aber eigentlich alle Klassiker, zum Beispiel auch Charles Dickens, der den Leser in das alte England entführt. Zwar nicht Dickens selbst, aber ähnlich ist zudem auch "Jack Engles Leben und Abenteuer" von Walt Whitman. Auch hier steht ein zu lösendes Geheimnis im Vordergrund und die wirklich ansprechende Atmosphäre der Stadt lässt den Leser den eigenen Alltagswahnsinn für kurze Zeit vergessen.

Habt ihr euch schon mit dem Hygge-Konzept beschäftigt? Hilft euch eine bestimmte Atmosphäre beim Lesen? Habt ihr bestimmte Bücher, die für euch ganz besonders hyggelig sind? 




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