Wenn (fast) vergessene Bücher eine neue Chance bekommen

Februar 01, 2018






Man hat vermehrt das Gefühl, dass sich alle nur nach dem Neuesten vom Neuen umsehen. Auch in literarischer Hinsicht werden Neuerscheinungen gerne im Auge behalten. Was ist zurzeit aktuell? Auf welche Bücher soll man sich in den folgenden Monaten konzentrieren? Irgendwie will man immer mit dabei sein, wenn etwas Neues zu einem Erfolg wird.

Ich finde allerdings, dass auch die älteren Geschichten einen besonderen Reiz ausmachen. Vielen sind diese Geschichten gar kein Begriff mehr, dabei enthalten sie meist so viel Potential. Nach einem eventuell sogar etwas größeren Erfolg, hat man diese Bücher immer mehr vergessen, sie wurden verdrängt von der Flut an neuen Geschichten und Büchern, die die Menschen neugierig gemacht haben. Keine Frage, Neues zu entdecken und neue Dinge zu fördern ist durchaus gut, aber hier würde ich gerne einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen, denn neulich sind mir einige Bücher in die Hände gefallen, die mich dazu gebracht haben, mich nicht nur an die bereits bekannten Klassiker zu hängen, sondern auch 'neue' alte Bücher zu entdecken.

"The Book of Forgotten Authors" von Christopher Fowler macht da einen ganz guten Anfang. Denn dieses Buch greift Schriftsteller auf, die eigentlich mit bestimmten Büchern recht erfolgreich waren, die man aber aus irgendeinem Grund in eine hintere Ecke gestellt hat - unverdienter Weise, wie Fowler nun aufzuzeigen versucht. Ich habe mich ein wenig durch das Inhaltsverzeichnis gearbeitet und bin sehr gespannt, ob sich darunter tatsächlich solche Schätze verstecken, die es sich zu lesen lohnt. Sicherlich sorgt das Buch aber dafür, dass man nie ohne Idee bleibt, was man sich als nächstes kaufen könnte.

Das nächste Buch wird nicht in Fowlers Sammelalbum der vergessenen Autoren erwähnt, dennoch klingt es aber sehr lesenswert. E. Nesbit war mir bisher nur durch "Five Children and It" ein Begriff, denn das Buch zählt bereits zu den Klassikern. Nun ist mir aber "The Lark" von der Autorin ins Auge gesprungen. Grund dafür ist die neue Serie des Verlagshauses Penguin. Die Serie erschien gerade erst ganz frisch und nennt sich "The Penguin Women Writers Series". Derzeit fallen darunter vier Bücher, die eben (fast vergessene) Geschichten weiblicher Schriftstellerinnen aufgreifen. Da sich "The Lark" mit zwei Freundinnen befasst, welche einen Blumenladen eröffnen wollen, erschien es mir als ein ganz gutes Buch, um den Start für die neu entdeckten Geschichten zu legen.
HIER findet ihr noch einmal ein Interview mit den Damen, die diese erste Auswahl getroffen haben.

Als nächstes habe ich mir für den Anfang noch "A Black Fox Running" von Brian Carter ausgesucht. Natürlich hat es mich direkt wegen des Covers angesprochen, aber auch aufgrund der darin enthaltenden Liebeserklärung zur Natur (wie es auf dem Klappentext heißt). Ebenso sei dies ein Buch gewesen, welches eine Autorin erst zur Autorin gemacht habe. Da überrascht es vielleicht nicht, dass es mich sofort angesprochen hat. Ich bin sehr gespannt, ob ich auch hier sagen werde, dass sich die Neuauflage des Buches gelohnt hat.

Zugegeben, so wahnsinnig neu ist die Idee nun nicht, alte Bücher neu herauszugeben, denn auch im deutschsprachigen Raum gab es vor einigen Jahren einen solchen Versuch. "Die Zeit" hat sich der Umsetzung angenommen und insgesamt zwölf vergriffene, verlorene oder verschwundene Bücher in neuem Glanz erstrahlen lassen. Das ganze lief dann unter der Reihe "Die Bibliothek der verschwundenen Bücher".
Mich spricht diese Reihe immer noch sehr an und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mir eines Tages einige Bände davon anschaffen werde (und werde gleichzeitig hoffen, dass es nicht zu spät sein wird und sie erneut vergriffen sein werden).

Auch zwischendurch fallen mir immer mal wieder schöne Neuauflagen älterer Bücher auf. Der Carlsen Verlag veröffentlichte in seinem letzten Königskinder-Programm den Jugendklassiker "Lieber Daddy Long-Legs" und ich war überrascht zu sehen, dass ältere Generationen das Buch damals geliebt haben, es aber irgendwie immer mehr in Vergessenheit geraten ist. 
Umso mehr freut es mich immer, dass diese Geschichten eben nicht vollständig verschwinden, dass sich immer jemand finden lässt, der sich dafür einsetzt, dass man diesen geliebten Büchern und Figuren eine weitere Chance gibt und sie für jüngere Generationen wieder attraktiv macht, in dem man sie neu präsentiert. Denn auch wenn es eine Fülle an Neuerscheinungen gibt, vergisst man manchmal, dass sich die wahren Schätze bereits in unserem Besitz befinden können.


Machen euch solche neu herausgebrachten, beinahe vergessenen Bücher ebenfalls neugierig?





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