Men Without Women von Haruki Murakami

Januar 31, 2018







(Original: "Omna no inai Otokotachi"/ 2014) Harvill Secker, Übersetzer/in: Philip Gabriel und Ted Goosen (aus dem Japanischen), Englische Ausgabe, ★★★(☆)☆ 3 bis 4 Sterne

Durch alle sieben Erzählungen zieht sich eine Kraft der Beobachtungsgabe, die sich auf das Leben verschiedener Männer bezieht und die alle auf ihr eigene Art und Weise, alleine dastehen. Katzen verschwinden, verrauchte Bars werden besucht, es geht um einsame Herzen und mysteriöse Frauen und alles zusammen ist zu etwas verwoben, um Geschichten zu erzählen, die zu uns allen sprechen.

MEINE MEINUNG / FAZIT

"'Words, they felt, could only cheapen the emotions they were feeling.” S.19
Mit diesen sieben Erzählungen wagte ich mich in die Welt des Herrn Murakami. Zugegeben, er wird eher für seine Romane gelobt, als für seine Erzählungen - zumindest fühlt es sich so an -, aber ich wollte mich mit kleinen Schritten an seine Bücher, Ideen und Geschichten annähern.
'Men Without Women' versammelt hier Erzählungen, die tatsächlich auch in eine ähnliche Richtung gelenkt werden, nämlich, dass man sich vor Protagonisten wiederfindet, welche die An- oder Abwesenheit von einer bestimmten Frau oder Frauen im Allgemeinen thematisieren. Die Beziehung zwischen Männern und Frauen steht immer im Fokus. Körperliche Begierden, aber auch die seelische Verbundenheit spielen eine entschiedene Rolle. Zudem regt der Konflikt mit dem anderen Geschlecht auch stets den eigenen seelischen Haushalt der Protagonisten an. Man findet viele psychologische Ansätze wieder, die so bitter sie sich manchmal anhören oder lesen, eine gewisse Ironie in sich tragen. Manchmal viel mir beim Lesen das Wort 'tragisch-schön' zu den Erzählungen ein, weil sie immer etwas Sensibles in sich tragen, was man auf den ersten Blick als offensichtlich und schmerzlich einstuft, was sich aber darunter auch als etwas sehr Zartes enthüllt.
Ich persönlich bin nicht mit allen Geschichten warm geworden. Oder anders gesagt, mit bestimmten Bausteinen der Geschichten.

"I left the coffee shop, and as I walked to the station I wondered what the hell I was doing. Brooding over how things had turned out - after everything had already been decided - was another of my chronic problems.” S.58

Das 'Problem', welches ich mit einigen Stellen hatte, war, dass ich mich mit vielem noch gar nicht identifizieren konnte. Ich hatte das Gefühl, dass auch wenn Jugendlieben thematisiert werden, es immer diesen Anschein von bereits gelebten Wegen gab, Erfahrungen, die mich in meiner jetzigen Lebenssituation auch noch gar nicht beeinflusst haben.
Besonders stark trat das bei den Erzählungen rund um gescheiterte Ehen oder Ähnlichem auf. Grundsätzlich fand ich auch diese Lebenswege sehr interessant beschrieben und auch viele allgemein gültige Aussagen über das Leben wurden in diesen Kapiteln sehr schön ausgelegt, aber ich konnte irgendwann auch nichts mit den vielen sexuellen Anspielungen anfangen. 
Es hatte manchmal den Eindruck von einem männlichen Erzähler, der diese Sache so in den Vordergrund stellt, dass ich manchmal mit den Augen rollen musste. Selbst die letzte Erzählung "Samsa in love", die ich eigentlich grandios fand, hat sich irgendwann in diese Richtung gelenkt und mit Formulierungen gespielt, die mir einfach zu viel waren. Das ist eine sehr persönliche Sichtweise, aber ich muss sowas einfach nicht ständig und in jeder Geschichte haben, wenn es Billionen von anderen interessanten und erzählenswerten Dingen gibt, die mit der Liebe und dem Leben zusammenhängen.
Dennoch muss ich sagen, dass ich von den Ideen Murakamis sehr angetan bin. Darunter fällt auch die eben erwähnte Geschichte rund um Gregor Samsa, der sich über seine menschliche Gestalt wundert. Ebenso gefielen mir auch generell die vielen Auslegungen der Gefühle, die Menschen haben, wenn ihnen etwas / jemand fehlt oder 'genommen wird'. Wie reagieren Menschen auf so etwas und wie zerstörerisch kann ein seelischer Betrug sein?

„Why hadn´t he been turned into a fish? Or a sunflower? A fish or a sunflower made sense. More sense, anyway, than this creature, Gregor Samsa. There was no other way to look at it.” S.189


Sieben sehr interessante und kreative Erzählungen, die sich alle mit den menschlichen Beziehungen beschäftigen. Mal etwas skurriler, mal etwas leiser, aber immer irgendwie mitreißend. Auch wenn mir die vielen, auf die sexuelle Ebene gelenkten Passagen nicht gefallen haben, weil es mir 'zu viel' und sogar manchmal zu unnötig und dadurch zu banal erschien, enthält jede Geschichte wunderbare Zitate, die sich auf das Leben und die Liebe beziehen und die man sich gerne mal zu Herzen nehmen kann.

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