The Nutcracker von E.T.A. Hoffmann

Dezember 22, 2017








(Original: "Der Nussknacker (und Mausekönig)"/ 1816) Penguin Christmas Classics, 112 Seiten, Übersetzer/in: Joachim Neugroschel (aus dem Deutschen) gebunden, Englische Ausgabe, ★★ 4 Sterne
(Dt. Inhaltsangabe / Hamburger Lesehefte:) "Es ist Weihnachten. Die kleine Marie entdeckt am Gabentisch einen Nussknacker, den sie vor ihrem Bruder Fritz in Obhut nimmt. In der Nacht erwacht dieser Nussknacker zum Leben und führt im Wohnzimmer der Familie eine Schlacht gegen ein Heer von Mäusen, das von dem Mausekönig angeführt wird. Dabei wird Marie verletzt ¿ ganz überwältigt von den Geschehnissen. Während sich die Eltern um ihre Tochter sorgen, was sie denn nachts heimlich mache, erzählt der Pate Obergerichtsrat Droßelmeier Marie ein Märchen, das auf das Schicksal ihres Nussknackers übertragbar ist. Voller Entschlossenheit, den Nussknacker vor dem Mausekönig zu retten, geht Marie bis an ihre kindlichen Grenzen ... "

MEINE MEINUNG / FAZIT

"However, the loveliest and most praiseworthy feature of the wonder tree was the myriad of tiny lights that twinkled like tiny stars in its dark boughs." S.8

Die Möglichkeiten der Fantasie und die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, nehmen bei E.T.A Hoffmann des Öfteren einen Platz in seinen Geschichten ein. Auch 'The Nutcracker' bedient sich gekonnt dieser Elemente.
Die Erzählung beginnt recht unscheinbar, eine weihnachtliche Szenerie wird beschrieben. Die Kinder sehnen sich nach den Geschenken, obwohl sie wissen, dass die besonderen Sachen nicht von ihnen benutzt werden dürfen, da sie zu wertvoll seien. Realistisch und schön dargestellt hat E.T.A Hoffmann nun aber den Drang der Kinder, vor allem Maries Drang, sich die Spielzeuge näher anzusehen. Eines der Geschenke sticht natürlich besonders ins Auge - der Nussknacker.
Mir gefiel die gesamte Beschreibung der Eigenschaften des Nussknackers und die auch damit verbundene Atmosphäre, die das Schenken an sich aufgreift. Der Wunsch, Dinge nicht nur anzusehen, sondern sie lebendig werden zu lassen.
Ebenfalls geglückt ist auch der Kontrast zwischen Marie und ihren Geschwistern. Sie, die Sorgsame, die sofort etwas Menschliches in dem Gegenstand erkennt und ihre Geschwister, die ebenfalls mit den Gegenständen spielen wollen, aber kaum auf die möglichen Verluste achten.

"Luise joined Marie, and Friend Nutcracker also had to perform his duties for Luise - which he didn´t semm to mind doing, since he smiled very amiably all the time.S.15

Mit der Zeit steigert sich die Geschichte zu einem richtigen Abenteuer, was den Leser mitreißt. Es entwickeln sich zusätzliche Handlungsstränge, welche eine weitere träumerische Geschichte mit einbauen und die ganze Welt rund um Marie zu etwas außerordentlich Großen machen. 
Dabei wird natürlich damit gespielt, dass der Leser entscheiden muss, ob es für ihn eher wie ein Traum wirkt, oder ob das Geschehene, wie Marie es erlebt nicht doch möglich ist und man sich diesem Abenteuer einfach hingeben sollte.
Die Charaktere selbst sind für so einen kurzen Text, meiner Meinung nach, sehr gut ausgearbeitet. Jeder verkörpert Eigenschaften, die ihn gut charakterisieren und die auch die gesamte Erzählung lang bestehen bleiben. Besonders Marie schließt man dadurch natürlich ins Herz, da sie gewillt ist ihrem 'Schützling' so gut es geht zu helfen.
Ebenso interessant ist auch die aus früheren Titeln des Buches bekannte Auseinandersetzung mit dem 'Mausekönig', die der Geschichte ebenfalls noch ein wenig Schwung verleiht. 
Obwohl sich hier sicherlich viele Elemente außerhalb des Weihnachtsfests finden lassen, die im Vordergrund stehen, bleibt das Weihnachtsgefühl stets präsent. Nicht allein durch das 'typische' Geschenk eines Nussknackers, sondern auch durch die Beschreibung der festlich geschmückten Umgebung der Charaktere.


Ein Klassiker, der an vielen Stellen gekonnt überzeugt. Die weihnachtliche Stimmung und die anderen Aspekte, welche die Erzählung besonders machen sind recht ausgewogen und bilden ein harmonisches Ganzes. Geschickt wird mit der, bei Hoffmann oft aufgegriffenen Frage, nach Traum und Wirklichkeit gespielt und zudem entfaltet sich innerhalb der Geschichte eine weitere Geschichte, sodass der Leser keine Langeweile verspürt. Ebenfalls geglückt ist die Figur der 'Marie', da sie nicht nur in ihrer charakterlichen Funktion gut präsentiert wird, sondern auch Eigenschaften aufgreift, die man zur Weihnachtszeit weitergeben möchte.




1 Kommentar:

  1. Ich verbinde mit dem Nussknacker vor allem diesen uralten Zeichentrickfilm und die Kompositionen von Tschaikowsky. Die haben wir in meiner Kindheit in der Schule gehört und die haben mich so verzaubert. Vor 2 Jahren, glaub ich, hab ich dann auch mal das Buch gelesen und war überrascht wie viel mehr Geschichte da drin steckt (ich kannte wohl immer nur eine gekürzte Variante) und auch wie furchtbar kitschig alles beschrieben war, so schwülstig. Hat mir eher weniger gefallen und überrascht mich wiederum heute, wo ich ein paar mehr Geschichten von Hoffmann gelesen habe, die ich gar nicht kitschig finde. Ich frage mich, ob er da beim Nussknacker absichtlich anders geschrieben hat (würde ja zur Geschichte passen), oder ob sich meine Wahrnehmung verändert hat. Eigentlich müsste ich direkt mal einen Blick in das Buch werfen...

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