Mai

Mai 31, 2016


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The Knife Of Never Letting Go (Chaos Walking #1) von Patrick Ness

Mai 30, 2016




(Original: "-"/ 2008) 480 Seiten,  TaschenbuchTrilogie, Englisch   ★★★  4 Sterne

Todd Hewitt ist der letzte Junge unter Männern in seiner Heimatstadt "Prentisstown". Die Stadt an sich, ist aber nicht wie jede andere Stadt. Untereinander hört jeder die Gedanken des anderen. Es wird zu einem überwältigenden, konstanten und niemals endenden Geräusch. Ein stetiger Laut. Es gibt keine Privatsphäre, für niemanden. Keine Geheimnisse. Oder etwa doch? Kurz vor seinem Geburtstag gerät Todd in einen Strudel von undenkbaren Ereignissen und findet zudem eine Stelle, in der völlige Ruhe herrscht. Was allerdings in Prentisstown unmöglich ist. Prentisstown hat Gehemnisse...


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Knowledge is dangerous
S.52

Gefühlt eine Ewigkeit ist es her, dass ich ganz Bewusst wieder zu einem Jugendbuch gegriffen habe, dass sogar noch aus einer Reihe besteht. Ich dachte, alle Themen könnten schon in etwas variierter Weise angesprochen worden sein. Keine Überraschungen mehr. Und dann kommt plötzlich Patrick Ness um die Ecke und wirft all meine Empfindungen wieder über Bord. Natürlich ist "The Knife of Never Letting Go" erst der Auftakt einer Reihe und die beiden Bände stehen mir noch bevor, aber es ist ein Auftakt, der sofort Lust auf Mehr macht. Bei vielen Büchern vermisse ich die Spannung und die nötige Präsenz des Buches an sich, vor allem beim Erstlingswerk. Patrick Ness schafft es definitiv, diese Präsenz zu schaffen. Der Leser bleibt zwar, wie man sich das bei Reihen wünscht, mit einigen Fragen zurück, greift aber auch unheimlich viel auf, dass auch preisgegeben wird. Es werden keine hundert Seiten darauf verwendet, gewisse Handlungsstränge unnötig in die Länge zu ziehen, um dann den Folgeband spannender zu gestalten. Nein, man wird hier definitiv nicht enttäuscht. Der Klappentext an sich, deutet zwar eine mysteriöse Stadt an, aber so wirklich etwas Konkretes konnte ich mir auf den ersten Seiten noch gar nicht richtig vorstellen. Anfangs war ich etwas verwundert, vor allem über einige Schreibweisen. Man merkt aber schnell, dass alles so seinen Sinn und seinen Zweck erfüllt. Erstaunlicherweise empfand ich das Buch als sehr "reif" und auch in der eigentlichen Umsetzung sehr "ausgereift", trotz der jungen Protagonisten. Selbstverständlich bauen sich aber erst nach und nach gewisse Konstrukte zusammen, die dafür sorgen, dass der Leser in gewissen Passagen das Gefühl hat, als würde sein Herz brechen. Ja, auch das geschieht leider. Zumindest war das bei mir der Fall.

"[...][I]t´s a song that´ll always take care of you and never leave you. If you have a heart, it breaks, if you have a heart that´s broken, it fixes.S. 239

Die Figur des Todd Hewitt ist sicherlich aus vielen Perspektiven betrachtet mit viel Potenzial für Überraschungen, Geheimnisse und Entwicklungen ausgestattet. Ich persönlich musste mich auf den ersten Seiten erst mit ihm "warm lesen". Das lag sicherlich auch daran, dass ich es laut eigener Empfindung, gar nicht mehr "gewöhnt" war, Jugendbücher zu lesen und mich demnach auch mit den sehr empfindsamen Gefühlen der Jugendlichen auseinanderzusetzen. Wobei man durchaus sagen muss, dass die Situationen die nach und nach folgen und die Geschichte, die nach und nach aufgedeckt wird, nicht zwingend auf einem Jugendbuch hätte basieren müssen. Das ist auch das, was mich dazu verleitet hat, das Buch sofort durchzulesen. Sicherlich findet man in der sprachlichen Ausdrucksweise deutliche Merkmale für einen jugendlichen Protagonisten. Stereotypische Szenen, finde ich, werden aber gekonnt beiseite gelassen. Zumindest in diesem ersten Buch. Es geht tatsächlich hauptsächlich um die Geheimnisse einer Stadt. Andeutungen an die Entwicklung des Protagonisten und den Hinweis darauf, dass die "Wandlung zum Mann" eine Rolle spielt, lässt also vermuten, dass es nicht bloß um einen Helden geht, der wieder einmal versucht das tollste Mädchen zu bekommen und sich mit anderen rivalisieren muss. Keine Highschool Atmosphäre, keine dramatischen, typischen Teenager-Probleme. Allerdings finden sich einige Elemente wieder, die in der Welt, wie wir sie kennen, nicht zu finden sind und viele dies sofort als "Jugendbuch" charakterisieren würden. Meiner Meinung nach, sind es einfach Elemente, die "Science Fiction" angehaucht, aber nicht zwingend "jugendlich" sind. Ich hoffe daher, dass es auch dabei in den nächsten beiden Büchern bleibt und Patrick Ness weiterhin seine Kreativität spielen lässt, der Handlung noch ein wenig mehr Würze verleiht und man nicht mit einem "stumpfen" Ende konfrontiert wird.

"Maybe there really is hope at the end of the road.S. 423



Innovative Geschichte, rund um einen Jungen, der einem Geheimnis auf die Schliche kommt. Tarnt sich als Jugendbuch, ist auch sicherlich sprachlich dort heimisch, thematisiert aber Dinge, die durchaus auch in einem Werk für Erwachsene, Gesprächsthema hätten sein können. Gesellschaftliche Bräuche, neue Bevölkerungen und etwas "Science Fiction" lassen dieses Werk einer Trilogie zu einem sehr spannenden und auch recht nachdenklichen Auftakt werden.





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It´s teatime, my dear! von Bill Bryson

Mai 27, 2016


(Original: "The Road to Little Dribbling"/ 2015) 480 Seiten,  gebunden,  Einzelband,   ★★★  4 Sterne

"Abwarten, Tee trinken, weiterreisen! Vor über dreißig Jahren beschloss der Amerikaner Bill Bryson, England zu seiner Wahlheimat zu machen und für einige Jahre dort zu leben. Damals brach er auf zu einer großen Erkundungsreise quer über die britische Insel. Inzwischen ist er ein alter Hase, was die Eigentümlichkeiten der Engländer betrifft, aber dennoch entdeckt er immer wieder Neues, was ihn fasziniert und amüsiert. Kein Wunder also, dass es ihn reizt, diese Insel erneut ausgiebig zu bereisen. Von Bognor Regis bis Cape Wrath, vom englischen Teehaus bis zum schottischen Pub, von der kleinsten Absteige bis zum noblen Hotel, Bryson lässt nichts aus und beantwortet zahlreiche Fragen. Wie heißt der Big Ben eigentlich wirklich? Wer war Mr. Everest? Warum verstehen sich Amerikaner und Engländer nur bedingt? Bill Bryson will noch einmal wissen, was dieses Land so liebenswert macht, und begibt sich auf den Weg – schließlich ist er wieder reif für die Insel!"


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Ich verbrachte die Zeit damit, einen diskreten Blick in die Schubladen meines Schreibtischs zu werfen - die nicht abgeschlossen, aber leer waren - und auszuprobieren, ob man Spaß dabei haben kann, wenn man einen Cursor auf einem leeren Bildschirm hin und her bewegt. Fehlanzeige.
S.23 (Bill Bryson über das Warten bei seinem britischen Einbürgerungstest)

Ein gebürtiger Amerikaner, der auf erstaunlich britische, charmante Weise, über seine Reise an die tollsten Orte Englands erzählt. Das muss ja unterhaltsam sein, würde man sich da denken. Und genau das ist es auch. Bill Bryson versteht es, ganz langweilige Statistiken und Fakten mit schönen und lustigen Anekdoten zu würzen. Begegnungen mit berühmten Leuten und private Erlebnisse bleiben natürlich auch nicht aus. Neben einigen sehr wissensüberliefernden Passagen, tauchen immer wieder so komische Beschreibungen seines Lebens und seiner Reisen in England auf, dass man sich manchmal fragt, was man da denn nun gerade liest. Eine Reisebeschreibung oder ein humoristisches Tagebuch. Nun, es ist schlichtweg beides. Genau diese Mischung macht das Buch zu einer tollen Sommer- Bahn oder was auch immer - Lektüre. Man bildet sich etwas und fühlt sich wunderbar unterhalten. Egal ob von wildgewordenen Kühen, Shoppingerlebnissen mit aufdringlichen Verkäuferinnen, dem Versuch, bei jeder Möglichkeit eine Tasse Tee trinken zu können oder der schlichten Bewunderung der schönen, stillen Orte Englands. Bill Bryson vereint die gesamten Eindrücke, seien sie noch so negativ oder positiv, in einem Buch. Für mich, als ziemlich England- Begeisterte ist das Buch also ein wahres Erlebnis. Man kann mit dem Autor gemeinsam das Gebiet rund um Stonehenge bewundern und kriegt kostenlos ein paar bissige, wie auch informative Kommentare zu hören. Sicherlich muss man etwas für diese Kommentare übrig haben, ohne immer direkt aufzuschreien und die Ironie dahinter nicht verstanden zu haben. Bill Bryson ist nun mal ein sehr eigener Charakter. Dennoch habe ich es sehr genossen, die Wanderungen "miterleben" zu können.

"Fast 40 Prozent von London sind Grünfläche. Man hat all den Lärm und das geschäftige Treiben einer Metropole, und dann biegt man um eine Ecke und hört Vogelgezwitscher. Perfekt.S. 74

Der Schreibstil ist daher recht flüssig, einfach, aber nie "platt", sodass man sich denkt, dass es langweilig wird oder, dass der Autor gar nicht weiß, wovon er redet. Obwohl er viele englische Dinge oder auch Institutionen kritisiert, weist er selbst immer mal wieder darauf hin, dass er selbst nicht fehlerfrei ist. Ich persönlich finde, das hat dem Buch definitiv etwas Positives beigesteuert, da man durchaus versteht, dass der Autor dadurch selbst Dinge reflektiert und darauf hinweist, dass der Leser eine ganz andere Meinung haben kann und auch darf. Ebenfalls positiv ist mir die Gliederung des Ganzen aufgefallen. Ich hätte nicht erwartet, dass das Buch gute vierhundertachtzig Seiten umfasst, daher ist es hilfreich, dass sich zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis mit allen besuchten Orten finden lässt und zudem in jedem Kapitel genügend Pausen gesetzt werden. So muss man nicht etliche Seiten lesen, um sich eine Pause gönnen zu können. Ich selbst mochte es aber generell lieber, mehrere Kapitel hintereinander zu lesen, da man dadurch das Gefühl des "britischen" und diese Beschreibungen der Orte viel harmonischer wahrnimmt. Das ist aber sicherlich bei jedem Leser anders und vielleicht auch abhängig davon, ob man selbst schon gewisse genannte Orte besucht hat. Verschont bleibt der Leser auch nicht von Bill Brysons herrlichen Vorher / Nachher Eindrücken, die er von den verschiedenen Orten hat. So werden zunächst tolle Landschaften beschrieben und anschließend die negativen Entwicklungen. Denn wer braucht schon im Museum Sachen, die einem etwas beibringen, wenn man diese auch durch Imbisse ersetzen kann, die einem Pommes verkaufen? (Gute Museen werden natürlich auch erwähnt.)

"Wir leben in einer Welt, die so gut wie keine Wertschätzung von Qualität, Tradition oder Eleganz besitzt und in der Leute, die nicht einmal alltägliche Worte korrekt schreiben können, darüber entscheiden, was überlebt. Das kann ganz bestimmt nicht richtig sein. Ich bin, wie ein TripAdvisor-Berichterstatter es womöglich formulieren würde, zutivst beunrigt.S. 58

Humorvolle und tolle britisch / amerikanische Sicht auf die vielen Gebiete Englands. Neben dem ständigen Bedürfnis Tee trinken zu wollen und dem Auslassen an verschiedenen britischen Fehlschlägen, entführt Bill Bryson den Leser aber auch auf tolle Orte und Pfade, die es sich lohnen würde, auch in der Wirklichkeit zu besuchen. Ereignisreich, mit vielen Fakten und mit der nötigen Prise Humor versehen. Eine kleine Hommage an die Natur und Kultur und ein Hinweis an den Leser nicht immer alles für Selbstverständlich zu halten. Am Ende ist man wirklich erstaunt, wie viele bedeutsame Menschen und Entwicklungen aus England stammen und dort zu finden sind.




Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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Classics Unfolded

Mai 25, 2016





Die "Classics Unfolded". Zugegeben, der Beitrag ist nicht unbedingt "neu", aber auf einen neuen Stand gebracht. Ich habe bereits im Juli letzten Jahres darüber einige Worte verloren. Dennoch würde ich euch die Bücher gerne noch einmal im neuen Gewand vorstellen, da sich nun auch die vierte Ausgabe "Romeo & Juliet" dazu gesellt hat. Also noch einmal von vorne. Was sind die Classics Unfolded überhaupt? Diese Reihe besteht derzeit aus vier Büchern, die im Rockpoint Verlag erschienen sind. Darunter finden sich die Titel: "Pride & Prejudice" von Jane Austen, "Romeo & Juliet" von William Shakespeare, "The Secret Garden" von Frances Hodgson Burnett und zu guter letzt "Alice´s Adventures in Wonderland" von Lewis Carroll. Das Besondere an den Büchern ist aber, dass sie nicht einfach nur mit Illustrationen ergänzt werden, sondern dass sich die Geschichte quasi eher durch die Bilder erzählt und der Text nur eine Nebenrolle spielt. Jeweils vierzehn Szenen werden dargestellt, zusätzlich mit einer Randbemerkung versehen und einem Zitat aus dem jeweilgen Buch. Die Bücher heißen natürlich aber auch nicht umsonst "Classics Unfolded". Alle Bücher sind in einer Art "Ziehharmonika" aufgemacht. Sprich, man kann sie auseinanderklappen und sieht dann alle Szenen, der jeweils ersten oder zweiten Hälfte nebeneinander. Soweit ich das überblicken konnte, gibt es zwei Ausführungen. Eimal die, die ich besitze, die gebundenen Varianten, die man aus dem Schuber herausziehen kann und einmal die Taschenbuch Variante. Laut Inhaltsangabe sollen bei der Taschenbuch Variante sechzehn statt vierzehn Illustrationen zu sehen sein. Mir waren diese allerdings etwas lieber. Die Illustrationen wurden jeweils von zwei verschiedenen Damen vorgenommen. Jeweils zwei Bücher wurden von "Yelena Bryksenkowa" und zwei von "Becca Stadtlander" illustriert. Ich finde beide haben wirklich gute Arbeit geleistet! Sicherlich hätte ich also keine Probleme damit, wenn der Verlag noch weitere Ausgaben herausgeben würde.

Jeder der ein kleines Bücher-Sammlerherz besitzt und zusätzlich auf der Suche nach besonderen Klassiker Ausgaben ist, dem kann ich diese Bücher wirklich empfehlen. Ich schaue immer mal wieder gerne in die Geschichten rein. Sie sind mit viel Liebe gestaltet und zeigen wunderbar auf, wie vielfältig man ein Werk umsetzen kann. Ich finde sie sind zudem wunderbar geeignet, um anderen Lesebegeisterten eine Freude zu machen, sprich sie sind eine tolle Geschenkidee.







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Ein unmögliches Leben von Andrew Sean Greer

Mai 23, 2016











(Original: "The Impossible Lives of Greta Wells"/ 2013) S.Fischer Verlag,  ★★★★★ 5 Sterne

"Das Unmögliche passiert uns allen ein Mal« – Greta Wells widerfährt es gleich mehrmals: Sie wird durch die Zeit katapultiert, in alternative Versionen ihres Lebens, die sich 1918, 1941, 1985 zutragen. Überall trifft sie ihre Lieben wieder, den Zwillingsbruder, den Geliebten, die exzentrische Tante Ruth, aber jede Zeit kennt andere Träume und andere Tode, und jede Zeit macht Greta zu einer anderen. Welche dieser Frauen will sie sein?"
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"Denn ihr wisst, so wirkt eben Zauber. Ohne Vorwarnung trifft er von uns allen die, bei denen man es am wenigsten erwartet, und das, wie und wann er will.
S.14

Lange war ich auf der Suche nach einer weiteren, schönen "Was wäre wenn.." Geschichte. Dabei musste ich gar nicht auf irgendwelche Neuerscheinungen hoffen, sondern nur ein Buch lesen, das ich bereits besaß. Andrew Sean Greers Roman beschreibt auf sehr gefühlvolle Weise, die Möglichkeit oder die Vorstellung der Möglichkeit, sein Leben in anderen Varianten leben zu können. Sein Leben selbst und das seiner Mitmenschen, selbst ändern zu können. Und das auch noch mit dem Hintergrundwissen, welches man bereits aus seinem "eigentlichen" Leben besitzt. Damit trifft der Autor sicherlich einen sehr spannenden Punkt in dem Empfinden aller Menschen. Denn wer würde es nicht zumindest versuchen wollen? Versuchen, seinen Mitmenschen ein besseres Leben zu ermöglichen und sie vor gewissen Schicksalen beschützen. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht die vierzigjährige Greta Wells. Meine anfängliche Skepsis, dass mir der Hauptcharakter nicht gefallen könnte, beziehungsweise, dass mir die verschiedenen Versionen etwas zu konfus werden könnten, hat sich sofort aufgehoben, als ich die Einteilung der Zeiten etwas durchschauen konnte. Die Protagonistin ist nicht zu forsch, ist weder zu Ich-bezogen (im Gegenteil) und verhält sich auch nicht, wie ein nörgelndes Kleinkind, das nicht bekommt, was es in den Welten gerne haben möchte. Die Figur, um die das ganze Geschehen aufgebaut wird, ist perfekt, um dieses Gedankenspiel überhaupt zu beginnen. Obwohl es ihr Leben ist und ihre Lebenswege, hat man das Gefühl, dass man nur als Beobachter dort ist und ihre Umwelt wahrnimmt. Durch die speziellen Zeiten, 1918, 1941 und 1985 wird gleichzeitig sehr stark der Krieg thematisiert. Seine Anfänge, seine Auswirkungen und seine "Nachbeben". Dazu kommen noch die damaligen gesellschaftlichen Normen, die einigen in Gretas Umfeld, schaden. Auch wenn man mit jeder weiteren Seite größeres Empfinden mit den Protagonisten empfindet, ist es am Ende des Buches wirklich so, als leide man mit ihnen und würde sich wirklich wünschen, dass sie sich von allen Welten, eine gemischte Tüte mischen könnten, um glücklich zu sein. Gleichzeitig zeigt die Geschichte einem aber auch fabelhaft auf, wie das Leben nun mal wirklich ist. Manchmal schonungslos - manchmal schön.

"Es heißt, es gebe viele Welten. Rings um die eigene, dicht gepackt wie die Zellen unseres Herzens. Jede mir ihrer eigenen Logik, ihrer eigenen Physik, ihren Monden und Sternen. Wir können nicht hin - in den meisten würden wir nicht überleben. Aber es gibt einige, das weiß ich nun, die unserer fast genau gleichen [...]S. 46

Man könnte sicherlich sagen, dass die Zeitwechsel relativ simpel von statten gehen. Es stecken keine unfassbar komplexen Erzählstrukturen dahinter. Dennoch fand ich es gerade dadurch sehr verständlich und man musste sich keine Sorgen machen, dass man alle Beteiligten durcheinander bringt. Der Fokus liegt stets auf den Veränderungen die geschehen oder die eben nicht geschehen. Der Leser wird mit der Frage konfrontiert, was sich verändern würde, wenn man gewisse Dinge bewusst anders steuert und ob sich überhaupt etwas verändert. Denn nichts steht still und das wirft gleichzeitig auch die Frage auf, ob man stets, bewusst oder unbewusst, man selbst bleibt. Und wie sollte es auch anders sein, ist auch die Liebe eines der Hauptthemen. Aber nicht auf eine kitschige und schon endlos mal gehörte Version von Liebesgeschichte (zumindest für mich), sondern eine ganz zarte, ehrliche, wenn auch manchmal traurige, aber auch schöne Version von Liebenden. Liebenden in jeglicher Form. Nicht nur zwischen einem Liebespaar, sondern auch zwischen Geschwistern und Freunden. Die beschriebene Beziehung zu Gretas Zwillingsbruder hat mich mitunter wirklich am meisten beeindruckt, denn sie wirkt so "echt", als gäbe es diese beiden Menschen tatsächlich. Gretas Reflexion über ihr Leben und Dasein als Frau in den verschiedenen Zeiten ist ebenfalls sehr ausgeprägt. Und an vielen Stellen habe ich mich gefragt: "Woher weiß Andrew Sean Greer so genau, wie sich Frauen fühlen und mit welchen inneren Konflikten sie kämpfen?".  Ich muss wirklich sagen, dass mich das gesamte Konzept und die Figuren zum Schluss mitgerissen haben und ich es dann war, die sie nicht wieder loslassen wollte.

"Das Unmögliche, das Unerträgliche passiert uns allen ein Mal.S. 322


Sehr gefühlvoll und in der Intensität steigernd, was die Verbindung der Protagonisten auf emotionaler Ebene betrifft. Verbindet geschickt und gekonnt viele Themen, die zunächst etwas losgelöst wirken, am Ende aber ein Ganzes ergeben. Im Vordergrund stehen jegliche Fragen bezüglich der Möglichkeit und der Initiative die man ergreift, wenn man sich für ein anderes Leben entscheiden könnte. Was würde sich ändern? Gekoppelt mit den Fragen in Leben, die wohl jeden beschäftigen oder beschäftigt haben. Dazu zählen jegliche gesellschaftliche Normen, die uns daran hindern, wir selbst zu sein und die damaligen Auswirkungen des Krieges. Tolle Entwicklung der Figuren, wie auch deren Lebenswege. Löst bei dem Leser unfassbar viele philosophische und auch sozialkritische Gedanken aus.





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Neuerscheinungen Juni

Mai 22, 2016


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Gedankenschnappschuss: Reread

Mai 17, 2016

Heute.
Mich beschleicht ein immer stärkeres Bedürfnis, eine Liste anzulegen, von all den Büchern, die ich noch einmal lesen möchte. Eine "To be re-read Liste", wenn man so will. Vor allem von Büchern, die das Gefühl eines kleinen Zaubers im Alltag durchscheinen lassen. Geschichten, die selbst funkeln und genügend Material für neue Träume bieten. Die Tage zurzeit sind schlichtweg zu grau. Wo bleibt der warme Frühling, der uns einen kleinen Schubser verpasst? Der uns neue Motvationen bringt?

Ganz oben auf meiner Liste: "Stardust" von Neil Gaiman. 
"He stared up at the stars: and it seemed to him then that they were dancers, stately and graceful, performing a dance almost infinite in its complexity. He imagined he could see the very faces of the stars; pale, they were, and smiling gently, as if they had spent so much time above the world, watching the scrambling and the joy and the pain of all the people below them, that they could not help being amused every time another little human believed itself the center of its world, as each of us does." - "Stardust" / Neil Gaiman, S. 78




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Der weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson

Mai 15, 2016











(Original: "Gap of Time"/ 2015), Knaus Verlag: Bibliografie  auf der Verlagsseite »,  288 Seiten,  gebunden,  Einzelband,   ★★★★() 4 bis 5 Sterne
Dieser Roman ist Teil der Reihe: Hogarth Shakespeare bei Knaus
"Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann – Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Dreizehn Monate hat das Kalenderjahr. Auf dem Mond ist die Zeitmessung eine andere. In achtundzwanzig Tagen hat der Mond die Erde einmal umkreist. Als suchte er etwas, das er verloren hat. Vor langer Zeit.“
S.129

Dass Menschen sich danach sehnen, die Vergangenheit zurückzuholen oder die Zeit zurück drehen zu können, zeigte uns schon F. Scott Fitzgerald mit seiner bekannten Figur des Jay Gatsby. Auch Jeanette Wintersons Roman verkörpert diese Sehnsucht und den Weg, den man auf sich nehmen muss, wenn man die Zeit zu lange verstreichen lässt. „Der weite Raum der Zeit“ ist ebenfalls Teil der Hogarth Shakespeare Reihe. Hier wird „Das Wintermärchen“ neu interpretiert. Meiner Meinung nach hat Winterson die Geschichte auf sehr interessante und sehr moderne Weise umgesetzt. Es werden zwar Protagonisten erschaffen, die altertümliche Namen tragen, dies dient aber vor allem dem Wiedererkennungswert aus Shakespeares Stücken. Das war definitiv hilfreich, da man dadurch die direkte Verbindung und die Unterschiede beider Geschichten wahrnehmen konnte. Alle üblichen Merkmale sind sehr modern. Es werden Metaphern verwendet, die durch das Hinzuziehen eines, von dem Protagonisten Xeno erstellten Computerspiels,  eine unfassbar breite Spanne an Auslegungen bietet und gleichzeitig den Kern der eigentlichen Aussage trifft. Dies wirkt aber nie „platt“, sondern weist immer einen sehr angenehm weichen Schreibstil auf, wie auch einen gedanklichen roten Faden, der sich mit jeder weiteren Seite zu einem wunderbaren Konstrukt bildet. Es gibt so viele schöne Passagen, die ich mir angemerkt habe, weil sie immer genau das Ausdrücken, worauf es wirklich ankommt. Die Figuren werden zwar zu Beginn, in einer kurzen Zusammenfassung des Shakespeares Stücks eingeleitet, entwickeln sich aber in Jeanette Wintersons Roman zu sehr eigenständigen und neuen Figuren. Das einzige kleine Manko, das ich ganz zum Schluss mit der Erzählweise hatte, war, dass mir das Ende zu abrupt und zu „Happy End“ mäßig war, obwohl ich die Strategie dahinter verstehen kann. Immerhin vergehen beinahe zwei Jahrzehnte, bevor sich alle Figuren wiedertreffen. 

Was für einen Nutzen hat die Zeit, wenn du keine hast?´“ S. 145

Obwohl ich auf den ersten Seiten noch etwas skeptisch war, ob mir die neue Interpretation gefallen würde, konnte ich zum Schluss nicht genug bekommen. Das lag nicht nur an der geschickten Gliederung, die zum Gefühl beitrug, dass man doch gewisse Teile von Shakespeares Einfluss deutlich wiedererkennen konnte, sondern auch an den vielen „träumerischen“ Ausdrücken und Gedankenanstößen, die die Autorin verwendet. Es gab Passagen, bei denen ich, nachdem ich sie gelesen habe, erst einmal eine kleine Pause gemacht habe, sie noch einmal gelesen habe. Manche Sätze fand ich so schön, dass sie ganz alleine für sich stehen könnten, ohne jegliche Geschichte, die sich darum bildet. Die Intention, aufzuzeigen, dass die Vergangenheit zwar nun einmal der Vergangenheit angehört, es aber immer noch eine Zukunft gibt, in der man vieles verändern kann, ist endlich mal wieder eine so schöne Botschaft, dass mich das Buch derzeit mitunter am meisten beeindruckt hat. In einer Zeit, in der man nur noch danach strebt, erfolgreich zu sein, ist es eine schöne Abwechslung, ein Buch zu lesen, das einen wieder an die wichtigen Dinge denken lässt und man sich ein Stück weit wieder inspiriert fühlt, sich selbst darüber klar zu werden, wie man die Zukunft für sich gestalten möchte um glücklich zu sein. Was mir noch zusätzlich zu der eigentlichen Geschichte gefallen hat, war der Epilog. Der sich nicht direkt auf die Geschichte bezieht, sondern in dem die Autorin selbst, einige Worte zu ihrer und der Geschichte Shakespeares sagt. Das hat für mich, das gesamte Werk noch einmal abgerundet.

"´Aber was tun´ fragte MiMi. ´Wenn du, um frei zu sein, alles um dich herum zerstören musst?´ ´Und sonst stirbst du?´ ´Ja. Und sonst stirbst du.´“ S. 75

Vergangenheit, Reue,  Lebenslinien und die Zeit an sich, in all ihren Facetten, bestimmen die Geschichte. Ein toller Schreibstil und interessante, zwar an Shakespeares Figuren angelehnte, aber doch sehr eigenständige Charaktere, bilden eine gute Verbindung zur erzählten Geschichte. Modern und mit vielen tollen Metaphern versehen. Nach einem etwas ungewissen Einstieg in das Buch, wurde das Werk eines meiner Favoriten dieses Jahr!





Vielen lieben Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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The Forgetting Time von Sharon Guskin

Mai 13, 2016













(dt. Übersetzung: "Noah will nach Hause"/ 2016) Flatiron Books, Übersezer-/in: -, Englisch   ★★★★ 4 Sterne

Eine Mutter, die nicht mehr weiß, was sie unternehmen soll. Ihr Kind Noah ist nicht gerade pflegeleicht. Dies zeigt sich vor allem in seiner Angst, baden zu gehen. Er hat Albträume und löst damit zunehmend Sorgen bei seiner Mutter aus. Als auch noch die Schulleiterin anruft, um mit Janie über ihren Sohn zu sprechen, weiß sie, dass sie etwas unternehmen muss.  
Jerry (Jerome) Anderson einstmals sehr angesehener Professor in Gebieten der Psychologie (und Psychatrie), kämpft immer mehr um die Fähigkeit, sein Leben weiterhin normal leben zu können. Ihm fehlt eine letzte Aufgabe, so denkt er, um wieder den Erfolg zu erhalten, den er einst besaß. Als Janie ihn um Rat bittet werden Geheimnisse gelüftet, die für viele als "unmöglich" erscheinen.
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"Humans were so complex, how could you possibly predict how they would react in the face of the impossible?“ S.234

Als ich mir den Klappentext durchgelesen habe, dachte ich, dass die Geschichte vielleicht etwas mysteriös angehaucht sei. Ein kleiner Wink hier und da, der zeigen soll, dass etwas geschieht, das man nicht richtig einordnen kann. Aber das Buch ist, anders als erwartet, eben doch sehr konkret. Es gibt ein Thema, das dominiert und welches auf interessante Weise besprochen wird. Ohne das Thema zu nennen, ist es wirklich schwer, eine vernünftige und ausführliche Rezension zu schreiben, allerdings empfand ich den Einstieg in das Thema, das weder konkret im Klappentext noch auf den Kommentaren zum Buch genannt wird, als sehr wichtig für das eigene Leseempfinden. Daher werde auch ich versuchen, das Thema relativ außen vor zu lassen. Jedoch kann man definitiv sagen, dass sich das Buch auf ein Gebiet stützt, das vielen Menschen unverständlich ist. Etwas, was sicherlich in vielen Teilen der Welt nicht "ernst" genommen wird, da es etwas Unvorstellbares an sich hat, das Menschen nicht mit ihrem alltäglichen Denken in Verbindung bringen können oder wollen. Dadurch ergeben sich für das Buch natürlich sehr viele Handlungsstränge und auch Denkanstöße, die einen während des gesamten Lesens begleiten. Ich persönlich habe mich ständig gefragt: "Halte ich dies für wahrscheinlich?". Und ich muss zugeben, ja ich gehöre zu denjenigen, die für gewisse Themen zu begeistern sind, die andere vielleicht sofort abwinken. Was mir persönlich gefallen hat, war die Idee, dass die Autorin ihre fiktiven Charaktere und Handlungen, mit denen von Begebenheiten aus der uns bekannten, "realen" Welt vermischt hat. So bekommt der Leser zwischendurch kleine Kapitel zu lesen, die sich auf Berichte eines Autors stützen, die sich tatsächlich so begeben haben. Das verleiht dem Buch ein gewisses "Gänsehaut"- Gefühl. Man kann natürlich darüber streiten, ob man den Berichten nun Glauben schenken möchte (Auch, wenn sie von einem angesehenen Autor geschrieben wurden. Tatsachen werden von Menschen ja gerne nur dann angenommen, wenn sie sie mit eigenen Augen gesehen haben).

"Ah, the brain: who knew why it remembered what it remembered, or lost what it lost." S. 203

Ich glaube die Umsetzung der Dinge, bei denen man nicht weiß, ob man sie einfach akzeptieren oder glauben soll, hat mir an dem Buch wirklich am besten gefallen. Einige Probleme hatte ich hingegen bei der Beschreibung und der Erschaffung der Figurenkonstellation. Zum Beispiel werden zu Beginn des Buches die Eigenschaften von Janie und ihre Lebensumstände genannt. Es wird auf ihre Beziehung zu ihrem Sohn eingegangen und wie sich die emotionale Welt eben darlegt. Bis dahin, alles schön und gut. Aber je näher man der eigentlichen Thematik und der Entwicklung der Geschichte entgegensteuerte, kamen viele Dinge abhanden, die zu Beginn so wichtig schienen. Da wäre zum Beispiel die unfassbare Sorge von Janie, dass sie sich kaum einen freien Tag mehr nehmen kann, da ihr Sohn so viel Aufmerksamkeit braucht. Am Ende reist sie aber herum und das Thema wird gar nicht mehr angesprochen. Meiner Meinung nach, hätte man es entweder noch etwas subtiler weiter einbauen sollen oder ganz streichen sollen. So hatte ich immer mal wieder das Gefühl, dass die Charaktere, vor allem eben Janie, nur ein Vorwand sind, um irgendwie den Grundstein für Noahs Geschichte zu legen. Natürlich spielt die Beziehung zwischen Mutter und Sohn eine entscheidende Rolle und diese wird zum Schluss auch emotionaler, jedoch empfand ich manche Passagen als zu "unbedeutend". Die Verbindung zu Jerome Anderson hingegen gefiel mir ganz gut. Dadurch kam noch eine weitere Komponente hinzu, die das Thema des "Vergessens" in eine ganz andere Richtung lenkt. Passend zum Titel lassen sich also zwei, beinahe unabhängig voneinander, geprägte Leben durch das Vergessen und den Verlust skizzieren (Hier finde ich dadurch auch den deutschen Titel des Buches etwas zu "nichtssagend" in Bezug auf die Vielfalt der Geschichte). Die eigentliche Hauptfigur "Noah" war mir am Anfang noch etwas suspekt, konnte aber zum Ende hin, mein größtes Interesse wecken (sollte auch nicht überraschend sein). Ich denke seine Charakterzüge sind sehr gut ausgebaut worden und bieten somit eine sehr gute Grundlage für das ganze Gerüst der Geschichte.

"You Only Live Once. That´s what people said, as if like really mattered because it happened only one time. But what if it was the other way around? What if what you did mattered more because life happened again and again, consequences unfolding across centuries and continents?S. 334


Eine Geschichte, die zusätzlich zu ihrer spannenden, fiktiven Welt, reale Merkmale aufweist. Denn in Kombination mit "echten Fällen", ist das Buch dadurch während des Lesens noch emotionaler. Einige Dinge in Bezug auf die Figuren und deren Entwicklung fand ich nicht ganz so gut umgesetzt, da man die Figuren eine Zeit lang nur oberflächlich wahrnimmt. Zum Ende hin wird man mit den Figuren aber vertrauter und vor allem Noahs Figur wächst einem ans Herz. Das eigentliche Thema ist, in dieser "ernstzunehmenden" Form nicht häufig Thema, wodurch man zum Weiterlesen animiert wird. Im Fokus stehen: Familie, Liebe, Verlust und das Bedürfnis, die Menschen die man liebt, nicht im Stich zu lassen.






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Fragen und Antworten mit: David Bielmann

Mai 11, 2016





In dem heutigen Post soll es ein ganz klein wenig persönlicher werden. Jedoch nicht in Bezug auf meine Person, sondern in Bezug auf den Autor des Romans "Freedom Bar", David Bielmann. Er hat sich netterweise dazu bereit erklärt, mir drei kurze Fragen zu beantworten. Diese beziehen sich nicht direkt auf den Roman, sondern eher auf den Autor selbst. Damit möchte ich euch, als Leser, die Möglichkeit bieten, einen besseren Eindruck dafür zubekommen, wer hinter dem Roman steckt und euch natürlich gleichzeitig durch die Fragen nichts konkretes über das Buch preiszugeben, bevor ihr es nicht selbst gelesen habt. Die Rezension zum Roman "Freedom Bar" findet ihr hier, solltet ihr durch das Interview noch einmal neugierig auf das Buch geworden sein. Falls ihr das Buch schon gelesen habt, dann wünsche ich euch nun viel Spaß mit den drei kleinen Fragen:

F1: Die Figuren sind alle sehr durchdacht und geben dem Leser das Gefühl, als hättest du diese Leben alle selbst gelebt. Gibt es eine Figur, deren Lebensweg dir am meisten bedeutet hat, beziehungsweise, deren Lebensweg Du ebenfalls gerne eingeschlagen hättest? (z.B. das Führen einer Bar, Musiker, "Bücher-Archiv"...)

A: Es freut mich, dass du die Figuren so erlebt hast. Natürlich kommen im Roman Dinge vor, die mir nahe sind und die in meinem Leben eine bedeutende Rolle spielen. Wie Bert Bucher spiele ich zum Beispiel Gitarre, und Kellerbars und Buchhandlungen sind Orte, die ich gerne aufsuche. Allerdings habe ich beim Schreiben von „Freedom Bar“ nicht persönliche Wünsche oder Erfahrungen verarbeitet. Es hat mir einfach Spass gemacht, mich für eine Weile in die verschiedenen Figuren hineinzuversetzen und das Leben aus ihrer Sicht zu betrachten.

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F2: Die Literatur und die Liebe zum geschriebenen Wort hat eine recht starke Bedeutung in deinem Roman. Denn die Protagonistin Lana fragt jeden nach seinem Lieblingsautor und auch die Existenz von analogen Büchern wird thematisiert. Hast auch du einen konkreten Lieblingsautor? Oder hat dich ein Autor beziehungsweise haben dich bestimmte Werke, in Bezug auf dein Leben und deinen Roman, beeinflusst?

A: Da bin ich wohl wie Lana und tue mich schwer mit einer Antwort. Ich mag etwa den deutschen Autor Helmut Krausser und habe alle seine Bücher gelesen. Er hat mein Leben sicher bereichert, doch ich glaube nicht, dass ich mich beim Schreiben von ihm beeinflussen lasse. Krausser schreibt in einer anderen Liga als ich, da versuche ich gar nicht erst, mir bei ihm etwas abzuschauen. Ausserdem bin auch ich in letzter Zeit zu einem Knausgard-Süchtigen geworden.

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F3: Die "Freiheit" ist das Hauptmerkmal des Romans. Ergänzend dazu, stehen auch die unverwirklichten Träume, die die Protagonisten stets beschäftigen. Hast auch du jemals das Gefühl verspürt, eine Chance nicht ergriffen zu haben, obwohl du die Möglichkeit dazu hattest?

A: Eigentlich bin ich mit meinem Leben ganz zufrieden. Und ich hoffe, dass ich mit 31 Jahren in einem Alter bin, in dem ich noch einige Träume verwirklichen kann. Einer meiner Träume war sicher das Schreiben von Büchern. Vielleicht ist das Schreiben ja auch eine Art, dem Alltag zu entfliehen und mit erfundenen Figuren die verschiedenen Leben zu leben, die man selber nicht führt. Schreiben ist Freiheit.

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Ich möchte mich noch einmal herzlich bei David Bielmann dafür bedanken, dass er sich die Zeit genommen hat, um die Fragen zu beantworten! 


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