The Pearl von John Steinbeck

Februar 27, 2017



(Original: "-" / 1947) Penguin Clothbound Classics , Übersetzer/in: - , 90 Seiten, gebunden, Englische Ausgabe,   ★★★★ 5 Sterne 

(dt. Inhaltsangabe, dtv Verlag) "Eine mexikanische Saga in die Gegenwart übertragen.
Nahe der mexikanischen Stadt La Paz, am Golf von Kalifornien, führen die Menschen ein armseliges, aber glückliches Leben. Sie glauben den Worten der Priester, die seit vierhundert Jahren predigen, "daß jeder Mensch wie ein Soldat ist, den Gott sandte, um einen Teil des Schlosses, das unsere Erde im Weltenraum darstellt, zu bewachen. Manche stehen auf den Zinnen, manche aber tief unten in der Dunkelheit der Gewölbe. Jeder muß jedoch gläubig auf seinem Posten bleiben ..."
Es ist klar, wo der arme Fischer Keno und seine Frau Juana stehen. Doch als es um das Leben seines kleinen Sohnes Coyotito geht, beschließt Keno, sich gegen uralte Gesetze aufzulehnen und für sein Lebensglück zu kämpfen. Seine Waffe ist eine ungewöhnlich große und schöne Perle ... "


MEINE MEINUNG | FAZIT
 
"´Have I nothing better to do than cure insects bites for ´little Indians´? I am a doctor, not a veterinary.´

     ´Yes, Patron, ´ said the servant.

´Has he any money?´ the doctor demanded." S.15

Klassiker sind meist nicht ohne Grund Bücher, die immer gelesen werden können. Sie spiegeln oft ganz gekonnt die Gesellschaft wider und leben durch ihre immer währende Aktualität. Auch bei "The Pearl" trifft dies sicherlich zu. Die Erzählung rund um Kino und seine Familie, welche nahe der Stadt La Paz leben und kein allzu schillerndes Leben führen, bietet genügend Stoff, um sich wieder einmal vor Augen zu führen, was Gier mit dem Menschen anstellt, was der Gedanke an "den" Reichtum auslösen kann und wohin das Ganze letztendlich meistens führt, einer beinahe schicksalshaften Katastrophe. Mit relativ leichten Sätzen taucht man durch Steinbeck in eine beinahe märchenhafte Erzählung ein, trotz der hin und wieder brutalen Schilderungen. Alles scheint mit der Perle, die gefunden wird zu verschmelzen, so dass nicht nur die Perle eine gewisse träumerische Komponente einnimmt, sondern auch die Umgebung. Vieles wird recht niedlich beschrieben, wenn nicht sogar harmlos. Dabei ist das eigentliche Schicksal der Familie alles andere als das. Hilfreich für die Interpretation des Textes ist auch die am Anfang stehende Einleitung, die gewisse Motive erläutert und erwähnt, dass diese Erzählung auch als Film erschien. Besonders wenn es um die musikalischen Anspielungen des Liedes der Perle geht, klärt die Einleitung hinsichtlich dessen etwas auf, in wie weit die verschiedenen Melodien eine Rolle spielen und warum sie wichtige Bestandteile der Geschichte sind.

"And because the need was great and the desire was great, the little secret melody of the pearl that might be was stronger this morning.“  S.21

Was mir besonders an Steinbecks Erzählung gefällt ist die Kritik an dem Verhalten der Menschen, die die armen, solange sie kein Geld besitzen, als wertlos ansehen und ihnen, wie der Arzt der Geschichte, nur helfen wollen, wenn sie eine Gegenleitung dafür erwarten können. Umso wertvoller der Hinweis darauf, dass die typischen "reichen Weißen" die Menschen verabscheuen, die beinahe ihrer Meinung nach, wie Streuner wirken und wenig besitzen. So wird nicht nur allgemein die Gier nach Geld und Reichtum negativ ausgelegt, vor denen selbst Kino irgendwann nicht mehr sicher ist, sondern eben auch der negative Kontrast zwischen zwei Welten, die es nicht schaffen, sich zu unterstützen. Obwohl das Buch knappe neunzig Seiten umfasst, steckt wirklich viel Wichtiges darin, was man sich zu Herzen nehmen sollte. Allein die Situation der Familie zeigt wunderbar auf, worauf es im Leben ankommen sollte, wann man der Gier entgegentreten muss und wie wichtig es ist, Menschen nicht nur aufgrund einer Gegenleistung zu helfen.

"For it is sais that humans are never satisfied, that you give them one thing and they want something more." S.29


Wunderbarer Klassiker mit vielen wichtigen Ansatzpunkten, die die starken Schwachstellen in der Gesellschaft aufzeigen, wenn es darum geht, ärmere Völker, Länder oder Städte deren selbst zu überlassen. Durch die angenehm träumerische Sprache und Inszenierung des Motivs der Perle, wie im Gegensatz dazu stehen, die brutalen Geschehnisse und Skrupellosigkeiten, die zwischen den Figuren vorgehen, entsteht eine packende Erzählung, die einen bis zur letzten Seite bannt. Nicht nur aus literarischer Sicht, sondern auch aus menschlicher Sicht, würde ich das Buch jedem ans Herz legen.


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