Magritte: Der Verrat der Bilder von Didier Ottinger (Hrsg.)

Januar 25, 2017











(Original: "" - Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung: Magritte. La trahison des images; Der Verrat der Bilder/ 2016) Prestel Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: - , 224 Seiten mit 162 Abbildungen, gebunden,  Einzelband, ★★★ 5 Sterne 

"Im Fokus dieses wunderbar bebilderten Essaybandes stehen fünf scheinbar vertraute Motive, die sich durch Magrittes gesamtes Werk ziehen: Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und der fragmentierte Körper. Anhand von ausgesuchten Abbildungen von über 100 Werken des Belgiers sowie klugen Essays werden dem Leser anschaulich und detailreich dessen ebenso realistischer wie täuschender Umgang mit diesen Motiven erläutert. Magrittes gezielt verzerrende Lesart hergebrachter Symbole der Kunst wird ebenso beleuchtet wie der Einsatz von Wort und Schrift in vielen seiner Werke – oder die Verwendung von Themen und Versatzstücken aus der Welt des Theaters. Neben der Vereinnahmung der Bilder des bekannten Surrealisten durch die moderne Konsumwelt – gegen die seine Kunst ursprünglich gerichtet war – richtet diese bemerkenswerte neue Monographie ihren Blick auf eine Künstlerpersönlichkeit, die über ein wahrhaft ungeheures Talent zur Täuschung verfügte, gepaart mit einem messerscharfen Verstand!“
Das Copyright der Abbildungen im Buch liegt beim Prestel Verlag
 

MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Magritte hat sich mit dieser ´Dummheit der Maler´ nie abgefunden. Erst gegen die Dichter, dann auch gegen die Philosophen trat er unermüdlich für die Anerkennung der geistigen Würde seiner Kunst ein. S.15

Wer kennt ihn nicht - Magritte - den Künstler, der Diskussionen angeheizt hat und uns im Philosophieunterricht durch sein Bild "Der Verrat der Bilder" zu ausschweifenden Gedankenanstößen angeregt hat. Ist auf dem Gemälde nun eine Pfeife zu sehen oder, wie das Bild selbst versucht überzeugend zu vermitteln, ist dies nicht der Fall? Ein gar nicht so schnell zu beantwortendes Thema, dessen sich auch verschiedene Autoren annehmen und mit einigen Essays zum besseren Verständnis der Bilder Magrittes, in diesem Bildband, beitragen. Und ich muss ehrlich sagen, dass die Essays das Buch zusätzlich aufwerten. Die Abbildungen der Gemälde des Künstlers an sich sind sicherlich bereits eine kleine Augenweide und man kann sich kaum sattsehen, an den ganz absurd dargestellten Szenen. Die uns bekannten Verhältnisse scheinen außer Kraft gesetzt und doch verbirgt sich dahinter etwas sehr Verständliches, wenn man es eine Zeit lang betrachtet. Nichtsdestotrotz bleiben beim Betrachter einige Fragen offen. Und diese Fragen werden ganz gut durch die Essays beantwortet. Sie beziehen sich gezielt auf Beispiele, die im Buch ebenfalls abgebildet sind, sodass man den Schilderungen gut folgen kann. Es schließt sich natürlich nicht aus, dass viele Dinge philosophischer Natur sind, obwohl Magritte selbst kein Philosoph gewesen ist. Zudem finden sich interessante Informationen zu Bezügen aus der Antike und deren Wirken auf Magrittes Bilder. Auch die Künstlerszene und deren Entwicklung wird in den Anfangskapiteln gut aufgearbeitet. Mir gefiel zudem, dass Magrittes Rede, in dem er einige persönliche Einblicke preisgibt, ebenfalls abgedruckt wurde. So bekommt man ein relativ guten Überblick über die Person René Magritte und sieht die Bilder nicht als abgeschottetes Produkt eines beliebigen Malers, sondern kann sie in einen neuen Kontext bringen.

"Da meine Absicht feststand, die vertrautesten Gegenstände wenn möglich aufheulen zu lassen, mußte die Ordnung, in die man die Gegenstände im allgemeinen bringt, natürlich umgestürzt werden; Risse, die wir an unseren Häusern und auf unseren Gesichtern sehen, fand ich am Himmel vielsagender [...].“  S.32 - Vortrag von René Magritte

Ich persönlich bin ja von Magrittes Ideen vollkommen begeistert. Man merkt, dass die Bilder etwas Unkonventionelles darstellen, sich von dem Bekannten lösen und scheinbar einfach "ausbrechen", dabei steckt hinter diesen Bildern eine ganze Menge Überlegung und Vorbereitung. Und genau das macht die Bilder auch so vielseitig und auch vielseitig auslegbar. Die Essays zeigen ganz gut auf, wie man zum Beispiel das bekannte Bild mit der Pfeife auf verschiedene Weise auslegen kann und welche paradoxen, also gegensätzlichen Argumente auftauchen, die sich auszuschließen scheinen. So wird Magritte hinsichtlich seiner Idee auch an gewissen Stellen kritisiert, da sie sich in philosophischer Hinsicht zu verstricken scheinen. Es ist ganz spannend zu sehen, wie sich diese Fäden, die die Auslegungen der Ideen der Bilder, immer weiter ziehen und wie viel es ausmacht, die Hintergrundgeschichten zu kennen. Besonders die Wort-Bilder üben da eine ganz eigene Faszination auf den Betrachter aus, wie auch zum Beispiel die Serie "Der Schlüssel der Träume". Hier wird auch Saussures wichtiger Beitrag erwähnt, in wie weit die konventionelle Entwicklung der Sprache, auch hinsichtlich der Bezeichnung der Gegenstände, in Magrittes Werken zur Geltung kommt und wie man vielleicht dennoch logische Schlussfolgerungen, aus einer sonst scheinbar wahllosen Zusammensetzung von Gegenständen und deren Bezeichnung, in Magrittes Bildern wiederfindet. Obwohl das Buch "nur" 224 Seiten umfasst und davon viele Seiten Abbildungen darstellen, bietet das Buch eine wirklich ausführliche Textauslegung der Bilder. Das liegt vor allem daran, dass die Texte relativ klein abgedruckt sind, was mir an manchen Stellen nach einiger Zeit etwas schwerfiel, was man aber in der Gesamtheit wirklich nicht als Manko ansehen kann.

"In seiner Evidenz spricht das Bild gleichzeitig von dem, was präsent, weil sichtbar ist, und von dem, was sich erst nach einer eingehenderen Betrachtung zeigt. Magritte hat Vorgehensweise um das Jahr 1929 mit seinen ´Wort-Bildern´ - deren Entstehung nicht zuletzt seiner Freundschaft mit Paul Nougé geschuldet ist - methodisch entwickelt.“  S.179

Ein sehr umfangreiches, vielseitiges, informatives und vor allem interessantes Buch zu René Magrittes Meisterwerken. Nicht nur die großzügigen Abbildungen der Bilder sind positiv hervorzuheben, sondern auch die gut gewählten Essays, die sich auf verschiedene Motive des Künstlers beziehen und diese anschaulich erklären. Das Buch bietet nicht nur genügend Anschauungsmaterial, sondern ebenso viel Diskussionsbedarf. Nicht nur für bereits begeistere Magritte-Anhänger, sondern auch für "Laien", die sich für besondere Bilder interessieren und gerne die Vielfalt der Hintergründe dieser ergründen.





















Vielen Dank an den Prestel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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