Slade House von David Mitchell

August 03, 2016





(Original: "-"/ 2016) Übersetzer/in: - , 230 Seiten, Taschenbuch,  Einzelband, Englisch,  ★★★★☆ 4 Sterne
Bibliographie auf der Verlagsseite (Sceptre Books / Hodder & Stroughton) »
"Auf der einen Seite einer hohen Wand liegt eine dunkle kleine Gasse; auf der anderen, ein sonnendurchfluteter Garten; und dazwischen, eine kleine schwarze Eisentür. Du musst sie nur öffnen. Willkommen im ´Slade House´."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"It´s got words instead on its old, pale -as-bone clock face, saying TIME IS and under that TIME WAS and under that TIME IS NOT. .“ S.27

Ein Buch von rund zweihundertdreißig Seiten, über das ich stundenlang reden könnte. Einerseits aufgrund seiner Thematik und seiner Vorkommnisse und andererseits über diese Frechheit des Autors, das Buch so abrupt enden zu lassen. Aber fangen wir einmal vorne an. "Slade House" hat mich sofort angesprochen. Es klingt etwas düster, geheimnisvoll und einfach nur spannend. Eigentlich perfekt für den Herbst (das aktuelle Wetter passte also sehr gut).  Man liest einige Seiten, weiß nicht genau worauf man sich einlässt, denkt sich zuerst "aha, ganz interessant" und kann dann gar nicht mehr aufhören weiterzulesen. Zumindest erging dies mir so. Obwohl jedes der fünf Kapitel zeitlich neun Jahre auseinanderliegt und von einem anderen Charakter geprägt wird, fällt es dem Leser nicht schwer, sich mit der Geschichte und den Figuren vertraut zu machen, da es ziemlich viele wiederkehrende Merkmale gibt und es einen ständigen Bezug zu allem gibt. Natürlich baut sich auch nach und nach erst einiges auf, allerdings versteht man das Grundkonzept der Geschichte sehr schnell. Und ich finde an manchen Stellen hat sie es wirklich in sich. Die Ideen die David Mitchell verwendet sind sehr originell, fantasievoll und auch etwas unheimlich. Daher kam mir auch gleich der Vergleich zu einigen Büchern von Neil Gaiman. Das hat dem Buch meinerseits schon allein dadurch einen Pluspunkt verschafft, denn ich mag ausgefallene Geschichten, die so ihre kleinen, speziellen Momente haben, an denen man alles auf einmal realisiert und sich fragt: "Kann das gerade wirklich sein?". Es ist definitiv eines der Bücher, die mich während des Lesens erschreckt, geschockt, verblüfft und dennoch gut unterhalten haben. Allein kleine Details, die auf die zeitlichen Abfolgen und die zeitliche Wichtigkeit hervorheben, haben mich das Buch noch mehr lieben lassen. Man hatte als Leser einfach das Gefühl, dass man diese Begeisterung, die der Autor für diese Geschichte aufgebracht hat, eins zu eins wahrgenommen hat.

"I look up - the sky´s still bluish, like it was before. It´s the garden itself. The garden ´s fading away.S. 23

Wer zudem David Mitchells ziemlich weit ausgelegten Roman "Die Knochenuhren" gelesen hat und die etwas stärkere Fokussierung auf die "magischen Einflüsse" vermisst hat, der wird sich über dieses recht kleine Buch sicherlich freuen. Denn als ich, merkwürdigerweise erst recht zum Schluss darauf gekommen bin, woher mir einige Begriffe bekannt vorkamen, und es sich eben um Personen und Gegebenheiten aus "Die Knochenuhren" handelt, war ich verblüfft, erstaunt und irgendwie glücklich. Man erfährt tatsächlich einiges, das man vielleicht hätte auch in dem "Vorgänger" wissen wollen. Andererseits muss man tatsächlich auch sagen, dass dieses Buch komplett für sich alleine stehen kann und man alles versteht, auch wenn man den anderen Roman nicht gelesen hat. Es handelt sich also nicht um eine direkte Fortsetzung, es gibt lediglich Verknüpfungen. Was mich ganz am Ende so entsetzt hat, war die Tatsache, dass man denkt, man bekommt endlich mal einen abgeschlossene Geschichte, weil man wirklich unbedingt wissen möchte, wie es endet. David Mitchell allerdings lässt aber genug Spielraum, um eine weitere Fortsetzung drauf packen zu können. Etwas unbefriedigend, angesichts der Tatsache, dass ich aber immer gerne etwas von diesen Ideen und Gedanken lese, doch einigermaßen positiv. Inhaltlich kann man tatsächlich nicht viel Aufschluss geben, um nicht gleich alles Wichtige zu verraten. Sei nur so viel gesagt; es geht um einen Schauplatz, das Slade House, welches zu einem Mittelpunkt der ganz merkwürdigen und gruseligen Art wird. Menschen werden mit ihren Sehnsüchten und Ängsten konfrontiert und werden versuchen müssen, sich selbst zu retten.

"Slade Alley is the narrowest alley I´ve ever seen. It slices between two houses, then vanishes left after thirty paces or so." S.6
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Packende Erzählung, die typische Merkmale von David Mitchell aufweist und gleichzeitig etwas an Neil Gaiman erinnert. Hat gewisse Verknüpfungen zu dem Roman "Die Knochenuhren", kann aber auch vollkommen selbstständig gelesen und verstanden werden. Bezieht sich auf den Überlebenswillen von Menschen und spielt mit deren Furcht. Verknüpft gekonnt viele Schicksale, bei denen allerdings die Zeit und der Raum eine besondere Rolle spielen.  Trotz wechselnder Protagonisten entsteht ein sehr gutes Gesamtbild. Lässt einen besonders bei regnerischen Tagen etwas schaudern.




Kommentare:

  1. Oh wow, das Buch hatte ich ja noch gar nicht auf dem Schirm - und da ich "Die Knochenuhren" geliebt habe, muss ich mir das jetzt unbedingt näher ansehen (also wahrscheinlich sofort bestellen) - danke für den Tipp! Das Cover ist ja auch wieder so unfassbar schön!

    Liebe Grüße!
    Jess

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    1. Das Cover war auch der Grund, weshalb ich es so spontan gekauft habe. Umso mehr gefreut habe ich mich, als ich gemerkt habe, dass es da Parallelen zu dem anderen Buch gibt, da ich es auch sehr gemocht habe. : )


      Liebe Grüße,
      Karin

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  2. Das klingt super! Ich hab bisher noch nichts von David Mitchell gelesen, aber er kommt mir immer wieder unter und ich steh im Moment total auf Kurzgeschichten. Meinst du, die eignen sich gut als Einstiegswerk von ihm?

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    1. Also ich persönlich finde schon! : ) Wenn ich mir überlege, ich hätte das Buch noch vor "Die Knochenuhren" gelesen, wäre ich glaub ich noch "angetaner" von seinen Büchern. : D


      Liebe Grüße,
      Karin

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    2. Bin gespannt, ob es dir auch so gefallen wird! : D

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  3. Von diesem Buch habe ich noch nie gehört, aber du hast mich wirklich neugierig gemacht. Gerade das der Klappentext so kurz gehalten ist, erregt schon meine Aufmerksamkeit. Ich mag es ja immer, wenn man nicht so viel preis gibt und man als Leser gar nicht weiß, wohin das ganze geht. Die Thematik um Ängste hört sich auch sehr interessant und bietet immer viel Spielraum. Was das Ende anbelangt, eigentlich mag ich es auch immer mehr, wenn alle Fragen beantwortet werden, aber irgendwie ist es doch auch mal schön, wenn es mal etwas anders läuft und es noch Spielraum gibt.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Uih das freut mich zu hören ;). Kann dir die Originalen aber persönlich auch empfehlen, die waren echt sehr lustig und unterhaltsam. Finde es aber auch super, dass man das nun mit weiblicher Besetzung neu auflegt, auch wenn das leider im Internet viele nicht so sehen.

    Ich finde Jared Leto auch super als Schauspieler, der hat echt ne Menge Talent mitbekommen und sieht dazu auch noch verdammt gut aus xD. Wünsche dir bei die Unfassbaren viel Spaß mit dem ersten Teil, ich weiß nicht, ob du Netflix hast, aber die haben den gerade im Angebot.

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  4. Das merke ich mir auf jeden Fall mal für den Herbst vor! ...natürlich auch deshalb, weil das Cover 100%ig meinen Geschmack trifft :) Liebe Grüße, Cara

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