Billy von einzlkind

September 12, 2015



























Titel: "Billy" | Original: - | Autor/in: einzlkind | Suhrkamp Insel [klick] | Leseprobe | Seitenanzahl: 203 | Hardcover | Einzelband | ★★★★  5 von 5 Sternen

INHALT | DARUM GEHTS

Original-Klappentext: "Billy wächst behütet in Duffmore, einer Kleinstadt in Schottland, auf. In der Familie seines Onkels und seiner Tante. Seine Hippieeltern haben sich kurz nach seiner Geburt mit einer Überdosis von der Welt verabschiedet. Von ihnen hat er die Liebe zur Musik geerbt. Zu den Beatles, den Ramones, den Joy Division. Vom Onkel  die  Lust am Philosophieren. Sein Lieblingsphilosoph ist Nietzsche.  Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein, eine Firma, die Auftragsmorde erledigt. Und für Gerechtigkeit sorgt, denn ermordet werden nur Mörder.  Als Billy das erste Mal den Schalldämpfer auf seine Walther steckt, denkt er an Nietzsche, den „großen Immoralisten, den Verbrecher, den Antichrist“. Danach fällt ihm sein Job leichter.
Billy ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um Whip zu treffen, ein Mitglied der Firma. Gemeinsam wollen sie eine Woche die Stadt der Gambler erkunden und die nächsten Aufträge besprechen.
Zwölf Morde hat Billy bis jetzt verübt, jedes Mal lässt er sich von den Opfern vorab deren Lebensgeschichte erzählen. Ein einziges Mal hat er aus Versehen den Falschen getötet. Das hat Konsequenzen. In Las Vegas kommt es zum Showdown."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Ist es richtig? Jedes Mal stelle ich mir diese Frage. Immer noch. Dabei kenne ich die Antwort. In tausend Varianten." S. 10

Es ist wie es ist. Das Buch ist fantastisch. Angefangen vom Erzähler und Hauptcharakter "Billy", bis hin zur eigenlichen Geschichte und wortreichen Gestaltung. Die Geschichte rund um den Auftragskiller "Billy", welcher ein wenig vom Pech verfolgt zu sein scheint, ist herrlich sarkastisch und voller Ironie, gleichzeitig sprüht sie aber nur so von philosophischen Fragen und auch Antworten. Billy ist ein Unikat, in jeder Hinsicht. Literarisch, wie auch menschlich. So bleibt sich der unter einem pseudonym bekannte Autor einzlkind treu und erchafft ein unterhaltsames und einzigartiges Leseerlebenis.
Der Protagonist führt, wie schon aus dem Klappentext hervorgeht, kein gewöhnliches Leben. Er hat seine Eigenarten, ist dem Leser aber trotzdem sympathisch. Durch sein eher unmoralischen Arbeitsalltag sieht sich der Leser im fortwährenden Zwiespalt, wie er dem Charakter gegenüberstehen soll. Gleichzeitig wird durch den philosophisch-geprägten Hintergrund des Protagonisten, mit dem er durch seinen Onkel, welcher die Vaterfigur verkörpert, aufwächst und konfrontiert wird eine Vertrautheit aufgebaut. Dies kommt dadurch zustande, da beide männlichen Figuren sehr verständnisvoll und auch tolerant sind. Es entsteht dieses Paradoxon, welches sich daraus zusammensetzt, dass solch vernünftige, aufgeklärte und auch "leben und leben lassen"- Charaktere, die Auftragsmorde begehen. Dieser Gegensatz lässt das Buch nicht langweilig wirken, da man sich ständig fragt, wie man so etwas überhaupt kombinieren kann? Aufschlüsse gibt auch die Entstehungsgeschichte des "Familiengeschäfts".

"Ich habe noch nie angsteinflößendere Bilder auf menschlicher Haut gesehen. Alle Tattoos zeigen das gleiche Motiv. Es sind Teddybären. Mit schwarzen Knopfaugen". S. 50

"Billy" ist aber keineswegs nur ein philospisch geprägtes Werk. Es wird außerdem sehr stark von der Liebeserklärung zur Musik und der immerwährend guten Mischung zwischen Ernst und Situationskomik beeinflusst. Jede Situation in der sich der Hauptcharakter wiederfindet oder an die er sich zurückerinnert wird von einer musikalischen Erfahrung unterstützt. Durch die sehr persönlichen Erzählungen, die seine Vergangenheit beleuchten, ist es zudem nicht nur eine "Abenteuergeschichte", sodnern auch eine "Lebensgeschichte". Die Fahrt durch das große, weite Land und die Anreise nach Las Vegas, die Billy auf sich nimmt, wird begleitet von einmaligen Aufeinandertreffen mit anderen, sehr speziellen Charakteren. Unvergesslich hier, der Authändler Hermann Zuwinden, Elvis "höchstpersönlich"  oder den Indianer, den Billy an einem Straßenrand kennelernt. Der Leser bekommt gleichzeitig einen sehr authentischen Einblick des amerikanischen und auch Las Vegas- Flairs. Wenn es einem auch manchmal authentisch-klischeehaft vorkommt. Mich hat das Buch wahnsinnig überzeugt. Es verspricht Spannung bis zur letzten Seite und bietet zudem ein Ende, was einem Western- Revolverzieh-Duell gleicht.

"Kein Verhalten, keine Tat, kein noch so abscheuliches Verbrechen ist unmenschlich. Unmenschlich sind Tiere. Oder Gegenstände. Der Mensch ist es nicht. Nie. Egal, was er tut." S.11
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Eine Geschichte in die ich mich sofort verliebt habe. Ihr ernsten, wie auch humorvollen Passagen haben sich wunderbar ergänzt und sorgen für einen ständigen Lesedrang. Die Handlung, die Charaktere und der Schreibstil konnten überzeugen. Einzigartige Idee mit wunderbarer Umsetzung. 






 Vielen lieben Dank an den Insel verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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