Kategorie: Theaterstück
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The Pop Shakespeare Series

November 24, 2022


William Shakespeare, wer kennt ihn nicht? Naja, genau genommen kursieren mehr Mythen um den wohl bekanntesten Dichter als man meinen mag. Sein Werk hingegen ist legendär. Romeo & Juliet ist da nur ein Beispiel. 

Was wäre, wenn nach all den Jahren, der Stil von Shakespeare nun auf beliebte Filme unserer Zeit trifft? Das dachte sich auch Ian Doescher und kreierte eine Reihe, die sich "The Pop Shakespeare Series" nennt.
Diese Reihe verbindet die dichterischen Verse mit der Popkultur und ist Unterhaltung pur. 

Aktuell gibt es die folgenden drei Bücher: 

  • "Much Ado About Mean Girls"
  • "Get Thee... Back To The Future"
  • "The Taming of The Clueless"


Die Titel implizieren natürlich bereits, um welche Filme es sich handelt. Nämlich um "Mean Girls", "Clueless" und "Zurück in die Zukunft".


DOC           Naught is disintegrated, Marty, nay!                   
                    
Take heart and be thou calm - I can explain.
                    Each molecule and bit of Einstein and
                    The Car itself are utterly intact.

 

MARTY        Intact, yet disappear´d? Hell´s fire, good Doc!
                     Where are they, if not here before our eyes?
 
- S.45f. Get Thee...Back To The Future von Ian Doescher



Jeder Band beinhaltet eine Auflistung der auftretenden Figuren, folgt dem Schema eines Theaterstücks, wird ergänzt durch einige schwarzweiß Illustrationen von Kent Barton und greift am Ende noch einmal alles Wissenswerte zum jeweiligen Film auf sowie auch die Besonderheiten und Umsetzungen zu Shakespeares Versdichtung


Als ich die Bücher entdeckt habe, war ich mir etwas unsicher, ob mir diese Umsetzung gefallen würde. Aus der Schulzeit hatte ich nur noch im Gedächtnis, dass ich mich zwar für Shakespeare interessiert habe, mich die Herangehensweise und die Lernart des Ganzen aber überhaupt nicht packen konnte.
Jedoch wurde ich hier bereits beim ersten Blick in die Seiten in den Bann gezogen. Die Mischung aus dem "Alten" und Modernen macht die Geschichten noch einmal zu etwas Besonderem. Wer zudem mit den Filmen vertraut ist, wird die Nacherzählung im Shakespeare-Stil besonders mögen.
Zugegeben, rein inhaltlich betrachtet sind einige Handlungsstränge schon etwas eigenartig (in den 90ern noch "lustig", wirkt es hier wie ein schlecht gealtertes Klischee), aber da sind auch einfach die Filmvorlagen ein wenig Schuld. Doescher fängt hier aber den Geist dieser Filme gut ein, behält die wirklich unterhaltsamen Stellen bei und bewegt sich stets sehr nahe am Original (auch bei den Dialogen).

Einen klaren Favoriten habe ich nicht, obwohl ich "Mean Girls", glaube ich, als einzigen Film wirklich von Anfang bis Ende gesehen habe (Die beiden anderen kenne ich nur zur Hälfte, wobei von Anfang, Mitte und Ende ein wenig). Mir hat das Lesen aller drei gleich viel Vergnügen bereitet und mich wirklich gut unterhalten.
Ich würde mich daher durchaus freuen, wenn in den nächsten Jahren noch weitere Bände dieser Reihe folgen würden.


CADY         The Plastics? Who and what are they, I pray?                 

 

DAMIAN      The teenage royalty who rule the school,
                    E´er reigning underneath malicious crowns.
                    If North Shore High were a magazine,
                    They´d grace the cover with their regal bearing.
 
- S.28. Much Ado About Mean Girls von Ian Doescher


Weitere Bücher aus dem Shakespeare / Doescher Universum

Übrigens: Wer mit den Popkultur-Referenzen weniger anfangen kann und Fan der Science-Fiction oder Fantasy ist: Von Ian Doescher gibt es auch die Star Wars Reihe "William Shakespeare´s Star Wars", die sich ebenfalls an der Versdichtung von Shakespeare orientiert sowie auch den etwas längeren Band "William Shakespeare's Avengers: The Complete Works". Hier heißt es stilecht: "Assemble, Ye Avengers!"

 

Shakespeare reimagined

Die Versdichtung sagt euch nicht ganz zu, aber die Stücke von Shakespeare würdet ihr dennoch gerne lesen? Dann könnte die Hogarth Shakespeare Reihe das Richtige sein. Hier wurden bekannte Stücke etwas abgewandelt und in Romanform verfasst. Mit dabei sind großartige Autor*innen wie zum Beispiel Maragaret Atwood.

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Peter and Alice von John Logan

Februar 03, 2016




(Original: "Peter And Alice"/ Theaterstück) von  John Logan,  Oberon Books>> ,  70 Seiten,  Taschenbuch,  Einzelband,  Englische Ausgabe,   ★★★★  5 Sterne

Ein Theaterstück, welches eine, von John Logan selbsterdachte Konversation, zwischen der Inspiration von Alice im Wunderland (Alice Liddell Hargreaves) und Peter Pan (Peter Davies) darstellt.


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"And then they remember. What growing up really is: when they learned that boys can´t fly and mermaids don´t exist and White Rabbits don´t talk and all boys grow old, even Peter Pan, as you´ve grown old.” (Peter Davies) S. 15

Zu allererst muss ich sagen, dass ich allein schon das Konzept und die Idee des Stücks wahnsinnig gut finde. Angelehnt ist diese Konversation an ein tatsächliches Aufeinandertreffen der beiden realen Personen. Laut Anmerkung haben sie sich bei einer Ausstellung getroffen. Was dort genau gesagt wurde, weiß man nicht. Aber John Logans Imagination lässt an vielen Stellen hoffen, dass es sich vielleicht ähnlich zugetragen haben könnte. Denn das Stück an sich ist trotz Dialogform spannend. Es treten nicht nur Alice Liddell und Peter Davies auf, sondern auch ihre literarischen Figuren Alice im Wunderland und Peter Pan. Sie verkörpern ihre Kindheit und vielleicht auch ihre Naivität. Es kommt zu inneren Konflikten aller Beteiligten, was sicherlich oftmals zum Nachdenken anregt. Mir gefiel zudem, dass John Logan die Figuren oftmals in Zitaten sprechen lässt, natürlich aber auf die Situation abgestimmt. So hat man das Gefühl, dass die realen Charaktere wieder in ihre literarische Fantasiewelt hineingezogen werden und dadurch ein ganz neues Werk entsteht, welches ebenso magisch ist. Es geht um das älter werden, um Rückblicke auf die Vergangenheit, die Fehler die man vielleicht gemacht hat und die Dinge, die man damals noch nicht ganz verstehen konnte. Dadurch ist das Stück keineswegs eine reine, unterhaltsame Gesprächsabfolge, die zu Tagträumen einlädt. Darüber hinaus fragt man sich als Leser, wie weitreichend die Folgen für die Personen waren, die ihr Leben lang mit den Figuren konfrontiert und auch gleichgesetzt wurden.

"Alice in Wonderland: Stop arguing, it´s too boring! Peter Pan: Or start fighting at least! Who has a sword?“ S. 38

Nicht nur das Innenleben der Vorbilder für die literarischen Figuren lernt man näher kennen, sondern auch die Schriftsteller, nämlich James Barrie und Lewis Carroll. Es wird oft auf deren Lebensgeschichte eingegangen und wie sie sich in Verbindung zur Entstehung derer Wunschgeschichten verhält. Man hat stets das Gefühl, dass alle vorkommenden Personen mit Lastern zu kämpfen haben, die sie nie wirklich abschütteln können. Nichtsdestotrotz flammt immer wieder das Gefühl der Hoffnung auf, nach denen alle streben, um das Leben lebenswert zu machen. Besonders zum Schluss entstand aber auch ein nachdenkliches Gefühl, wenn einem bewusst wird, dass man tatsächlich nicht den Namen der Peron parat hat, die die Figur inspiriert hat, sondern eben nur Alice oder Peter, als literarische Figur selbst. Ich mochte an dem Buch grundsätzlich alles. Mich hat die Idee mitgerissen, die Kreativität, die in dem Stück selbst vorhanden ist, das bezieht sich auch auf die Gestaltung des Szenenwechsels und Ähnlichem. Mir gefiel, die Gegensätzlichkeit, die aufkommt, wenn Alice und Peter in beiden „Welten“ andere Meinungen vertreten. Auch trotz der geringen Seitenanzahl, bekommt man viel Inhalt und vor allem viele Botschaften vermittelt. Einige sind direkte Aussagen, andere sind verborgen, so wie die Wahrheit, die hinter den Geschichten von Alice im Wunderland und Peter Pan liegt.

"Alice: In a hundred years no one will ever remember Alice Liddell. And no one will ever forget Alice in Wonderland…Now you tell me who´s more real.” S. 66



Tolle Umsetzung einer interessanten Idee. Ich hätte mir das Stück gerne sofort auf der Bühne angesehen. (Übrigens unteranderem in der Besetzung: Ben Wishaw und Dame Judi Dench!) Viele interessante Szenenwechsel, die metaphorisch gesehen werden können und Einbindungen alle beteiligten Menschen an den Geschichten, wie zum Beispiel auch James Barrie und Lewis Carroll. Geht nicht nur auf die literarischen Werke an sich ein, sondern auch auf die privaten Details, die man vielleicht gar nicht kannte. Obwohl es kein typisches „Buch“ ist, gehört es schon jetzt zu meinen Lieblingen.




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Terror von Ferdinand von Schirach

Dezember 22, 2015




(Original: "-" ), Piper Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite»,  176 Seiten,  Hardcover ,  Einzelband,  ★★★★★  5 Sterne

"Ein Terrorist kapert eine Passagiermaschine und zwingt die Piloten, Kurs auf ein voll besetztes Fußballstadion zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug in letzter Minute ab, alle Passagiere sterben. Der Pilot muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Theaterbesucher, sie müssen über Schuld oder Unschuld urteilen. Ferdinand von Schirachs »Terror« ist ein Theaterstück von bedrückender Aktualität. Es stellt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Werden wir uns für die Freiheit oder für die Sicherheit entscheiden? Wollen wir, dass die Würde des Menschen trotz der Terroranschläge noch gilt?
Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 hat auf schrecklichste Weise gezeigt, wie hoch der Preis sein kann, den wir für unsere Freiheit zahlen müssen. Schirachs Rede auf Charlie Hebdo, die ebenfalls in diesem Band enthalten ist, ist ein Plädoyer für die Freiheit des Wortes, für unsere Zivilisation im Angesicht ihrer Feinde.“


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Menschen sind keine Gegenstände. Das Leben kann nicht in Zahlen gemessen werden, es ist kein Markt.“ S. 121

Ferdinand von Schirachs neues Werk, welches nicht als Roman, sondern als Theaterstück inszeniert wurde ist hochaktuell und sicherlich auch für den zukünftigen Blick der Gesellschaft sehr wichtig. Wie gewohnt nimmt sich der Autor ein Thema zu Herzen, welches polarisiert und über welches man sich kaum einig werden kann. Schuld und Unschuld stehen stets im Wechsel und eine eindeutige Antwort zu finden ist beinahe unmöglich. So liest man das Stück mit ständigen Abwägungen und der ständigen Frage: „Wie steht man selbst dem möglichen Urteil des Angeklagten gegenüber?“. Gekonnt lässt der Autor den Leser immer wieder jegliche Szenarien durchspielen und bringt einen dazu, dankbar zu sein, nicht in solch einer Situation festzustecken. Dennoch denke ich ist es sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass das Szenario kein unmögliches ist und man sich fragen sollte, wie und ob überhaupt ein Abwägen von Leben gerechtfertigt sein kann. Mir gefiel an Schirachs Stück vor allem die Präzision, mit welcher er sein Anliegen darlegt. Es gibt keine unnötigen Ausflüchte in andere Themengebiete. Das Stück ist nicht sehr lang und beinhaltet dennoch die wichtigsten Komponenten um den Leser komplett in einem Gedankenkarussel gefangen zu nehmen.

"Auch wenn es schwer zu ertragen ist,  müssen wir doch akzeptieren, dass unser Recht offenbar nicht in der Lage ist, jedes moralische Problem widerspruchsfrei zu lösen." S. 144

Das Stück spitzt sich zum Ende hin immer weiter zu, sodass man gespannt ist, wie das "Problem" überhaupt gelöst wird. Ich finde die Alternativmöglichkeit von beiden Urteilen, sprich, "Unschuldig" gegen "Schuldig" in das Buch aufzunehmen ebenfalls sehr gelungen. So wie ich das verstanden habe, ist es ursprünglich darauf ausgelegt, dass das Publikum, welches das Theaterstück sieht, ein Urteil fällen muss. Beim Leser ist dies natürlich nicht eins zu eins umsetzbar. Dennoch eignet sich das Stück mit den beiden Enden ebenso gut als Buch. Ich persönlich hatte natürlich auch eine Tendenz, welchem Uretil ich zugestimmt hätte, wobei mich eine Frage immer wieder am meisten interessiert hat. Diese Frage wird in dem Buch ebenfalls thematisiert undzwar: "Warum wurde der Befehl für die Räumung des Stadions nicht erteilt?". Genau diese Frage war es dann schließlich auch, die dem Leser das Gefühl gibt einen diplomatischen Ausweg zu finden ohne die Frage der Schuld selbst beantworten zu müssen. Natürlich ist dies sehr vereinfacht gedacht. Aber Schirachs Werke sind für mich stets so "knifflig" und können sehr strittig ausgelegt werden, dass man erleichtert ist, dass man selbst keine solch große Verantwortung treffen muss. Die vorkommenden Charaktere sind demnach sehr speziell und genau auf deren "Rolle" zugeschnitten. Sie haben ihre charakteristischen Züge und unterstützen somit die Direktheit und die Zugespitztheit, die das Stück benötigt.

"[…] [U]nd die Warnung Benjamin Franklins gilt heute mehr als zu seiner Zeit: ´Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." S. 164


Ein sehr gelungenes Stück, welches als Buch ebenso tauglich ist. Das Thema ist keineswegs ein einfaches, bei dem klare Grenzen gezogen werden könnnen. Der Leser wird beinahe durchgehend dazu aufgefordert jegliche Szenarien selbst durchzuspielen und aktiv an der Urteilsfindung teilzunehmen. Ein Buch das ich jedem ans Herz lege. Ein weiterer Pluspunkt: Die kurze Rede, die zur Verleihung des M100- Sanssouci Medien Preises an Charlie Hebdo gehalten wurde. 

 Vielen lieben Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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