Pretty as a Picture von Elizabeth Little

Februar 05, 2021

(Original: "Pretty as a Picture"/ 2020) Viking (Penguin Randomhouse Imprint), Übersetzer/in: -, ★★★(☆)☆ 3,5 Sterne
Marissa Dahl, eine schüchterne, aber erfolgreiche Cutterin in der Filmbranche, reist auf eine kleine Insel am Rande von Delaware, um mit dem legendären - und auch legendäre anspruchsvollen - Regisseur Tony Rees an einem Spielfilm zu arbeiten. Einem Spielfilm, bei dem der Inhalt nicht wirklich neu ist.

Ein Mädchen stirbt.

Marissa macht sich an die Arbeit: und macht aus Bildern Geschichten. Doch bald erkennt sie, dass nichts am Set ist, wie es scheint. Es gibt Gerüchte, um Umfälle und Skandale. Die Hälfte der Crew wurde gefeuert, die andere will selbst gehen. Und Marissa weiß auch nicht, warum ihr Vorgänger den Platz räumen musste.
Dann trifft sie auf zwei Mädchen, die nach der Wahrheit suchen. Sie wollen das reale Verbrechen lösen, worauf der Film aufbaut. Marissa wird in die Angelegenheit mit hineingezogen und steht plötzlich im Mittelpunkt.
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"Give me a movie and i´ll find a meaning, I´ll find the truth; I´ll find the story.
Sometimes, if I´m very lucky, I´ll find all three." 
S. 3
Ich liebe ja mittlerweile gute Murder Mystery oder Whodunit Geschichten und so klang auch "Pretty as a Picture" für mich nach der perfekten Lektüre. Vielleicht liegt es daran, dass ich durch die vielen Geschichten nicht mehr so leicht zu überraschen bin, aber so ganz konnte mich der Roman dann aufgrund der wenigen Überraschungen und Entwicklungen nicht ganz packen. Der Wunsch, es würde in Richtung "Eine amerikanische Nacht" von Marisha Pessl gehen, wurde daher leider nicht ganz erfüllt.

Aber fangen wir wie immer vorne an. Die Figuren und die Dynamik fand ich im Großen und Ganzen durchaus stimmig. Marissa ist als Protagonistin sicherlich nicht ganz uninteressant. Sie weiß manchmal nicht genau, wie sie auf Menschen reagieren soll, was ihre Mimik und Gestik zu bedeuten haben und schlängelt sich gerne von einem Missgeschick zum nächsten. Aber so richtig interessant ist sie dann auch nicht. Ich dachte irgendwann in der Mitte, dass da noch was ganz Großes aufgedeckt wird, etwas, das mit ihr zu tun hat oder ihrer Vergangenheit oder sonst etwas, doch das ist nicht passiert. Es werden zwar gewisse Fortschritte in ihrem Empfinden und ihrem Freundeskreis erwähnt, aber so richtig spannend wird es dabei nicht. Sie ist als Erzählerin ganz angenehm, weil man das Gefühl hat, das sie eben nicht die "Perfekte" ist, aber darüber hinaus fehlte mir einfach noch eine weitere Komponente, die dafür sorgt, dass sich die Handlung noch einmal auf eine andere Ebene heben lässt. 

Mir gefielen die Podcast-Inputs der beiden Mädchen, auf die Marissa währen der Zeit auf der Insel stößt. Dadurch wird man mit einigen Hinweisen zur Zukunft vertraut gemacht. Aber auch hier: Einige Kapitel hätte man streichen können, andere haben gefehlt, um dem Ganzen den nötigen Effekt zu geben.
"'He´s just trying to help.'
      'I´m sure he is.'
'Just - Listen to him, okay? For once. It sounds like something´s off about that set. Shit keeps going wrong, people keep quitting.''" 
S.114

Grundsätzlich ist es ein Roman, der hier und da mit dem Genre des Murder Mystery / Whodunit spielt, aber irgendwo abbiegt und dann zu einer relativ "bodenständigen" Erzählung wird. Das Ende war für mich daher doch etwas enttäuschend. Ich hätte mir deutlich mehr kreative Einfälle und Vertuschungen innerhalb der Crew gewünscht, um auch den, am Anfang als sehr schwierig beschriebenen Regisseur, noch mehr in den Fokus zu setzen.
Was ich jedoch sehr mochte, waren die vielen Details und Bezüge zur Machart eines Films. Man konnte hier und da neue Begriffe aufschnappen und hat durchaus diesen Stresspegel der Crew mitbekommen, den "Hollywood" auf sie hat.

Darüber hinaus denke ich jedoch, dass der Roman auch seine schönen Momente hat, wenn Marissa zum Beispiel immer auf ihr Leben und ihre eigenen Verhaltensweisen zurückblickt und man somit psychologischen Aspekte ihrer Person untersucht. Was macht sie eigentlich so "anders" so "unangepasst"? Wieso nimmt sie sich manchmal ganz anders wahr? Und besonders geglückt fand ich, dass man sich doch sehr oft selbst darin erblickt, vor allem, wenn es um die Unsicherheiten geht. Also, ja im Bereich des spannenden Aufspürens eines Verbrechens und eines packenden Murder Mysterys hinkt der Roman etwas hinterher. Aber man kann durchaus einige ganz angenehme Lesestunden damit verbringen und nimmt sicherlich die eine oder andere Sache mit.


Für mich leider kein unfassbar packender Murder Mystery-Roman, aber eine Geschichte mit Stärken, wenn es um die Darstellung der Protagonistin geht. Das Rätsel, das es zu lösen gilt ist zwar präsent, man vermisst aber ein wenig das Tempo und das "Hitzige". Die Idee, zwischen den Kapiteln einen "Teaser" in Form eines Podcast-Gesprächs einzubauen, ist ganz gut. Aber auch da fehlt der richtige Kniff, um das Ganze rund und (super) spannend zu machen. Daher: Spannung so lala, aber ein ganz guter Roman, wenn es um die psychologischen Aspekte von Marissa geht und ihre Art, eine eigene Handlungsstrategie innerhalb des Filmgeschäfts zu finden.


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