The Lark von E. Nesbit

April 04, 2018




(Original: "The Lark"/ 1922) Penguin Women Writers, 263 Seiten, Übersetzer/in: - , Taschenbuch, Englische Ausgabe, ★★★(☆)☆ 3 bis 4 Sterne
Es ist 1919 und Jane und ihre Cousine Lucilla verlassen die Schule um festzustellen, dass ihr Vormund mit ihrem Geld verschwunden ist. Er hinterlässt ihnen nur eine kleine Hütte im englischen Landleben. In einem Versuch ihren eigenen Unterhalt zu verdienen, müssen sich die beiden Cousinen einer Kette von Misserfolgen stellen - Der Verkauf von Blumen aus ihrem Garten an Reisende, Gäste, die für eine Bezahlung bei ihnen übernachten dürfen und dennoch ohne Bezahlung wieder abreisen - alles mit dem zusätzlichen Versuch, sich von den männlichen Verehrern fernzuhalten, um die eigene Unabhängigkeit der Frauen zu gewährleisten.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"' I´ll tell you what it is, Lucy. And that´s where we must start our thinking from. Everything that´s happening to us - yes, everything - is to be regarded as a lark. See? This is my last word. This. Is. Going. To. Be. A. Lark.'" S.30

E. Nesbit ist eigentlich für andere Romane und Erzählungen bekannt. Die meisten werden wohl "Five Children and it" kennen.
Diese Erzählung wurde dank der Penguin Women Writers Reihe, nach langer Zeit, wieder einmal neu gedruckt. Die Erstveröffentlichung war im Jahre 1922. Man kann also durchaus berechtigt annehmen, dass sich in der Erzählung einige typische Merkmale wiederfinden lassen, die man schon kennt und die man auf diese Zeit beziehen kann. Ganz vorne steht natürlich die Position der Frau in der Gesellschaft. Ist eine Heirat die einzige Möglichkeit, um als Frau 'erfolgreich' zu sein? 
Netterweise überraschte mich E. Nesbit hier mit einer etwas anderen Sichtweise. Sie spielt mit den Geschlechterrollen und stellt zum einen natürlich die missliche Lage der jungen Cousinen dar, spielt aber auch mit einer männlichen Figur, die ebenfalls nicht gänzlich erfolgreich zu sein scheint und sich Gedanken darüber machen muss, ob für ihn eine Heirat nicht das sinnvollste wäre.
Auch wenn es hier die einen oder anderen Probleme gibt, die es zu bewältigen gilt, so ist die Geschichte durchaus sehr unterhaltsam und trotzdem 'locker'. man hält sich nie zu lange mit einer Sache auf, sondern geht stets einen Schritt voran, bis sich die Probleme irgendwie gelöst haben. Kleiner Kritikpunkt hier war für mich, dass alles natürlich wie durch Zauberhand aufgelöst wird, weil es oftmals nur Missverständnisse waren oder jemand ganz plötzlich die Idee des Jahres hat, um alles in Ordnung zu bringen. Aber ehrlich gesagt habe ich damit schon zu Beginn der Geschichte gerechnet.

"’I belive' said Mr. Dix, stretching himself on the rough, newlymown lawn, 'that heaven will be exactly like this. Green leaves and grass - sund and shade. And tea. And cake. And ices.'" S.146

Die Geschichte überzeugt am Ende nicht gänzlich durch ihre Handlung, denn diese ist vielleicht etwas zu unausgereift und sprunghaft, sondern eher durch das 'blumige' Gefühl, das man wirklich beim Lesen bekommt. Man kann sich förmlich den selbst errichteten Blumenladen der beiden vorstellen und verspürt sofort ein recht sommerliches Gefühl. Wer also auf der Suche nach einem Klassiker für einige Lesestunden auf dem Balkon ist, der wird hier vielleicht fündig.
Mich überzeugte auch die doch positive Erscheinung der beiden Mädchen. Die Frau wird hier, auch mit einigen Ausnahmen, bei denen der Mann als 'Retter' erscheint, sehr selbständig und oftmals furchtlos, was ihre Zukunft anbelangt. Auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden, sehen sie das Leben als Abenteuer an, als eine Chance etwas zu Erleben. Das ist eine sehr schöne Sichtweise, die das Buch ebenfalls zu einer schönen Lektüre macht.
Ab und an kamen meiner Meinung nach einige Längen auf und man wusste nie so recht, ob man nun gefesselt ist oder einfach weiterliest, weil es ganz nett ist, aber im Großen und Ganzen ist das Buch unterhaltsam.
Ich fand zudem ganz interessant, dass das Buch sehr viele Ähnlichkeiten und auch explizite Verweise zu Jane Eyre aufweist. Da ich Charlotte Brontes Roman unfassbar mag, baute sich auch hier automatisch eine zusätzliche Sympathie für die Erzählung auf (auch wenn ich das Gefühl habe, dass Nesbit die Figuren an einigen Stellen ironisch aufgreift).

“'We´ve been asleep for nine or ten hours. That´s what sleep´s for - to wash all the grumpiness and cowardliness and fuss away.'” S.152


Ein Klassiker, einer weiblichen Autorin, der glücklicherweise wieder neu 'veröffentlicht' wurde. Obwohl die Handlung nicht wahnsinnig ausgereift ist und es sich für mich manchmal etwas gezogen hat, unterhielt mich die Erzählung sehr gut. Die Protagonistinnen Jane und Lucilla sind unterhaltsam und stolpern so gut sie können durch ihr 'neues Leben'. Auch wenn es noch nicht gänzlich umgesetzt ist, findet man hier viele schöne Beispiele dafür, dass Frauen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Die eingebauten 'Liebesgeschichten' sind am Ende ebenfalls noch einmal recht unterhaltsam, aber auch relativ vorhersehbar. Für gemütliche Lesestunden im Sommer ist das Buch aber durch seine blumige und leichte Atmosphäre vielleicht genau das Richtige.

Kommentare:

  1. Das Buch ist wirklich hübsch. Ich muss mir auch angewöhnen, englische Bücher zu lesen.

    Neri, Leselaunen
    www.leselaunen.net

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kann ich nur empfehlen! Viele Bücher liest man gerne einfach im Original und sie sehen auch meist wirklich etwas 'schicker' aus. : )


      Liebe Grüße
      Karin

      Löschen